Mittwoch, 10. Oktober 2018

Kindesmissbrauch – na und?


Diejenigen, die im diametralen Gegensatz zu mir Papst Franz als liberalen Reformer ansehen, der mit Ratzis konservativer Linie aufräumen würde, all seine Groß-Claqueure  wie Andreas Englisch oder Wim Wenders, sollten so langsam mal ihre Position überdenken.
 Bergoglio, der weiterhin Schwule und Frauen für so minderwertig hält, daß sie nicht Priester werden dürfen und andererseits demonstrativ Milde gegenüber Kinderfickern walten lässt, haut die latent-debilen erzkonservativen Sprüche in immer schnellerer Frequenz raus.

Kinder solle man schlagen war sein erster großer Hit im Jahr 2015.
Seither entdeckte er sein Herz für Kinderficker unter den Priestern.

(….)
Vorgestern verkürzte Papst Franziskus pauschal die Strafen der kirchenrechtlich verurteilten Kinderfickerpriester und schlug damit wieder einmal den Opfern höhnisch lachend ins Gesicht.
Er wird damit sogar noch deutlich Pädo-freundlicher als Benedikt XVI., der immerhin 800 katholische Priester absetzen lassen hatte.

[….] Pope Francis Refuses To Punish Pedophile Priests
A new report reveals Pope Francis is quietly making the Catholic church a safe space for pedophile priests.  The Associated Press reports that Pope Francis is reducing sanctions against pedophile priests, and even refusing to defrock priests found guilty of sexually abusing children, all in the name of mercy. [….]

[….] This despite the Church’s benevolence backfiring last year with the Italian courts convicting an Italian priest Rev. Mauro Inzoli. Inzoli, despite being found guilty of sexual crimes against children by the Vatican in 2012, had appealed for and been granted mercy by Pope Francis in 2014, on the grounds that ‘No misery is so profound, no sin so terrible that mercy cannot be applied”. The Church has now ordered a second trial, citing emergence of fresh evidence against him, while the Italian courts sentenced him to four years, nine months in prison.
Pope Francis actions and views differ greatly from Pope Benedict XVI. [….]

Jugendlichen, die Anzeichen von homosexuelle Neigungen zeigen, empfahl der Papst einen Psychiater. Der könne das Schwulsein austreiben.

[…..] Papst Franziskus hat sich dafür ausgesprochen, Kinder mit homosexuellen Neigungen zum Psychiater zu schicken. Das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte diese Auffassung am Sonntag während einer Pressekonferenz im Flugzeug auf dem Rückweg von seinem zweitägigen Irlandbesuch nach Rom. Auf die Frage eines Journalisten, was er Eltern eines möglicherweise homosexuellen Kindes sagen würde, antwortete Franziskus, er würde ihnen raten, "zu beten, nicht zu verurteilen, Gespräche zu führen, zu verstehen, dem Sohn oder der Tochter einen Platz zu geben".
Gerade in der Kindheit könne die Psychiatrie viel erreichen, fügte der argentinische Papst hinzu. 20 Jahre später sehe es anders aus. [….]
(Tagesspiegel, 28.08.18)


 Für Frauen, die sich in Not  zu einer Schwangerschaftsunterbrechung entscheiden hat der argentinische Geront auch einen Spruch auf Lager, um ihnen noch ein Messer in den Rücken zu rammen.

[….] Papst Franziskus hat Abtreibung mit einem Auftragsmord verglichen. Eine Schwangerschaft abzubrechen sei "wie jemanden zu beseitigen". "Ist es richtig, ein menschliches Leben zu beseitigen, um ein Problem zu lösen?", fragte der Papst die auf dem Petersplatz zur Generalaudienz versammelten Gläubigen. "Ist es richtig, einen Auftragsmörder anzuheuern, um ein Problem zu lösen?", fuhr er abweichend von seinem Predigttext fort. [….]

Mit sich selber und seiner Kirche ist er hingegen ganz mild.
Zehntausendfacher Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche, die ganz offensichtlich durch päpstliche Regeln animiert werden das zu tun (Homophobie, Zölibat, Frauenverbot in Priesterseminaren, abstruse Sexualfeindlichkeit, Vertuschung), ist für Bergoglio kein Grund sich zu schämen. Er wäscht seine Hände in Unschuld; der Teufel war’s und nicht etwa die RKK-Strukturen.
Schuld hätten aber die Atheisten, die nicht genügend dafür beten den Teufel fernzuhalten.

[….] Während sich die (betroffenen) Menschen weltweit eine transparente Aufklärung und Aufarbeitung durch die Justiz wünschen und klare Strategien zur Verhinderung von Übergriffen fordern, befindet sich die katholische Kirche noch immer in ihrer alternativen Realität, in der teuflische Einflüsse die unschuldige Priesterschaft verführen können.
Mit seiner Aufforderung, gegen die vermeintlichen Attacken des Teufels gegen die katholische Kirche regelmäßig den Rosenkranz zu beten, verschleiert der Papst, dass die Strukturen innerhalb seiner Kirche sexuelle Übergriffe und Missbrauch nicht nur begünstigt haben, sondern auch weiter andauern lassen. Fehlender Klartext, zögerliche Entschuldigungen und die halbherzige Zusammenarbeit mit Behörden führen zu teilweise erschreckenden Ergebnissen, wie ein jüngst veröffentlichtes Handbuch zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen zeigt.
Wer im 21. Jahrhundert noch die Konsequenzen für die Verbrechen in der eigenen Organisation auf Dämonen und Betende, oder genauer: Nicht-Betende abwälzt, muss entweder Zeitreisender sein oder eben Oberhaupt einer Kirche, der zu Recht die Mitglieder davonlaufen. [….]

Man fragt sich schon, wieso der Mann nicht in einer Gummizelle sitzt.
Aber seine bischöflichen Top-Kleriker sehen es nicht anders.

Sehr schön die Frage einer Journalistin bei der Vorstellung der Bischöflichen sehr geschönten Missbrauchsstudie, die aber immer noch tausende sexuell missbrauchte Kinder auflistete: Ob angesichts der horrenden Zahlen eigentlich ein einziger der hier anwesenden 60 Bischöfe daran gedacht hätte persönliche Konsequenzen zu ziehen?


Konsequenzen? KONSEQUENZEN nur weil ein paar Tausend Kinder gefickt wurden und die Bischöfe das auch noch förderten, indem sie die Täter zu immer neuen Kindern schickten, um die Aufklärung zu sabotieren?
Nein – kam es da kurz und knackig von Ackermann und Marx.

Große Lacher im Studio, als die Heute Show die Szene zeigte.


[….] Juristin Tilmann: „Der Gesetzgeber wäre am Zug“
Die kürzlich präsentierte Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hat keine strafrechtlichen Folgen. Brigitte Tilmann von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission sagt: Die Politik müsste die gesetzliche Grundlage schaffen, um auch gegen den Willen der Kirche an Akten heranzukommen. [….]

Kinderficken ist für die dicken alten Männer im Kleid offensichtlich nach wie vor ein Witz.
Oder aber eine lässliche Sünde.


Acht Jahre nach der gewaltigen öffentlichen Empörung über die vielen Kinderfickerfälle in katholischen Einrichtungen, angefangen mit dem Berliner Canisus-Colleg hat sich so gut wie gar nichts getan.
Alle Bischöfe sind im Amt geblieben, keine der missbrauchsfördernden Regeln wurde abgeschafft. Opferverbände werden immer noch nicht mit in die Aufklärung einbezogen. Die besonders perversen und sadistischen Ordensangehörigen wurden überhaupt nicht untersucht. So sind bis heute die katholischen Schulen und Heime unter Jesuitischer Leitung noch gar nicht betrachtet worden. Sie kommen nicht vor in der vorgestellten Studie der RKK.
Die Bischöfe lassen nicht unabhängige Ermittler in ihre Akten sehen und auch die gesamte Bundesregierung, sowie das Parlament lassen im Gegensatz zu vielen anderen Ländern intensiv die Hände im Schoß liegen.
Sie tun rein gar nichts für die Myriaden Opfer, gehen nicht aktiv gegen die Kinderfickerstrukturen vor, klären noch nicht mal auf, in dem sie eigene Untersuchungen anstellen.
Was für eine ungeheuerliche Absurdität!
Vielleicht sollte man nach dem Vorbild der Päderasten bei der RKK überhaupt alle Staatsanwälte und Richter entlassen.
Man könnte doch stattdessen einfach darauf vertrauen, daß Mörder, Vergewaltiger und Diebe von ganz allein anfangen über ihre Taten nachzudenken und gegebenenfalls selbst zu entscheiden, ob sie daraus irgendwelche Konsequenzen ziehen möchten.
Die Bischöfe sind nicht so weit. Sie wollen keine Änderungen in der Kirche. Konservative, alte, weiße Männer eben – was interessieren die schon Frauen und Kinder? Sie finden es schon Arbeit genug die Priester, die Kinder gefickt haben umständlich nach Afrika oder Südamerika zu schicken, um dort weiter Kinder zu quälen.

[….] Kirche tut sich nach Missbrauchsskandal schwer mit Reformen
«Erschüttert», «erschrocken», «schrecklich» - die deutschen Bischöfe finden im Zuge des katholischen Missbrauchsskandals klare Worte für die zahllosen Verbrechen. Von nennenswerten Reformen aber - etwa mit Blick auf den Zölibat - wollen nur die wenigsten etwas wissen.
[….] Kritiker bezeichneten die Ankündigungen als nicht ausreichend. Die Absichtserklärungen und Willensbekundungen der Kirche seien «butterweich», kritisierte die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche». Die «sehr allgemein formulierte Erklärung» lasse nicht konkret erkennen, «wann, wie und mit wem die von dem Forschungskonsortium als notwendig erachtete konkrete Aufarbeitung der institutionellen Verantwortung der römisch-katholischen Kirche in Deutschland in Angriff genommen» werde. Der Sprecher des Betroffenenverbands «Eckiger Tisch», Matthias Katsch, kommentierte: «Diese dürftigen Ankündigungen lassen uns fassungslos zurück.» [….]

Dienstag, 9. Oktober 2018

Toxic Trump


Zweifellos wurde das gesamte politische Klima in den USA aber auch weltweit sehr viel giftiger durch Donald Trump.
Insbesondere das Verhältnis zwischen Republikanern und Demokraten wurde durch Trumps Toxizität irreparabel zerstört.

Gestern beklagte die republikanische Strategin Ana Navarro bei Don Lemon wie sich ihr gut bekannter Freund Senator Lindsey Graham unter Trump verändert habe. Er wäre einst ein „decent man“ gewesen, der sich für Opfer von Kriminalität einsetzte. Er sei eigentlich „better than this“ resignierte sie angesichts der wüsten Beschimpfungen Grahams bei der Kavanaugh-Anhörung, bei der er sich voll auf die Seite des Vergewaltigers und gegen das Opfer positionierte.
Das ist der toxische moralische Einfluss Trumps.


Oktober 2018

#45 ist auch toxisch für seine Partei, ruinierte mit seiner bizarren Show bei diversen Nachwahlen die Chancen von haushoch führenden Republikanern.

[…..] A huge red flag': why Trump could be toxic for Republicans at the midterms
US politics
The biggest losers from Trump’s policies are likely to be his supporters, and observers say it could herald a blue wave
This week Element Electronics warned that it might be forced to close its factory in Winnsboro and lay off 126 people because of TV parts affected by Donald Trump’s tariffs. Republican strategists fear there could be many more casualties in the president’s trade war with China.
It is the last thing they need going into the polls in November, where Democrats aim to pick up 23 seats to regain control of the House of Representatives for the first time in eight years. Historically, the party that controls the White House typically finds the pendulum swinging the other way. This year, a uniquely polarising president appears to be firing up Democrats eager to curb his power.  [….]

Trump vergiftet aber nicht nur das politische Klima, sondern er setzt alle moralischen Maßstäbe so weit herab, daß es gar keine Tabus mehr gibt.
Tabu-Brüche sind aber meistens nicht wünschenswert, weil viele Tabus dazu da sind jemand zu schützen. Man äfft nicht Behinderte nach, macht sich nicht über Vergewaltigungsopfer lustig, man betreibt kein Body-Shaming, weil sich irgendein verrückter Freiherr von Knigge so eine alberne Regel ausgedacht hat, sondern weil solche Tabubrüche sehr verletzend sind.

Trump versteht das nicht, weil er völlig mitleidslos ist. Er lebt nicht nur ohne Moral, sondern völlig ohne Empathie.


#45 Toxizität hat darüber hinaus auch eine ganz andere Bedeutung.
Die Nähe zu ihm ist beruflich toxisch. Sofern man selbst stramm rechts, rassistisch, islamophob und misogyn ist, also keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten zu ihm hat, wird man dennoch seine Nähe meiden, weil er so chaotisch ist und so schlecht rezipiert wird, daß es sich im Lebenslauf sehr negativ auswirkt für Trump zu arbeiten.
Vermutlich eine der groteskesten Veränderungen unter dieser Präsidentschaft.
Bisher war es nicht nur eine gewaltige Ehre für das Weiße Haus zu arbeiten, sondern natürlich auch ein Karriere-Boost.
Jede Firma schmückt sich gern mit Angestellten, die vorher für das Weiße Haus arbeiteten.
Das ist nun vorbei.
Inzwischen schadet es eher der Karriere, wenn man mit Trump in Verbindung gebracht wird.
Nur so lassen sich die vielen Absagen erklären, die sich das Trump-Team bei den Top-Anwaltskanzleien des Landes holte, nachdem die Mueller-Untersuchungen begannen. So war der Präsident gezwungen sich den weitgehend durch-debilisierten Winkeladvokaten Rudy Giuliani an die Seite zu holen, der es noch nicht mal schafft einen Tweet mit weniger als drei Rechtschreibfehlern abzusetzen.


🤦🏻‍♀️ https://t.co/FBfxY3N6WA
— Ana Navarro (@ananavarro) 28. September 2018

Nikki Haley, die stramm Konservative Trump-Unterstützerin und UN-Botschafterin, die eben noch ihren Chef verteidigte, als dieser von der UN-Vollversammlung ausgelacht wurde – Nein, Donald, sie lachen nicht über dich, sondern MIT Dir – warf heute überraschend den Bettel hin, will zum Ende des Jahres aufhören.

(….) Und Nikki Haley, seine UN-Botschafterin legt noch einen drauf, indem sie ernsthaft behauptet, die Welt lache nicht über ihn, sondern mit ihm.

 [….] U.S. Ambassador to the United Nations Nikki Haley on Wednesday claimed President Donald Trump’s speech at the United Nations General Assembly on Tuesday drew laughter because world leaders “loved his honesty” and “respect” him.
“In less than two years, my administration has accomplished more than almost any administration in the history of our country,” Trump said to the assembly in New York, which responded with muted laughs.
“So true,” Trump said with a smirk, which in turn raised the volume of the laughter in the General Assembly hall. [….]

Genau, der Rest der Welt liebt Trumps Ehrlichkeit.

[…]  President Trump has made more than 5,000 false or misleading claims
[…]  In that single day, he publicly made 125 false or misleading statements — in a period of time that totaled only about 120 minutes. [Ich bin beeindruckt! –T.]   It was a new single-day high. […]  Trump’s tsunami of untruths helped push the count in The Fact Checker’s database past 5,000 on the 601st day of his presidency. That’s an average of 8.3 Trumpian claims a day, but in the past nine days — since our last update — the president has averaged 32 claims a day. [….]

Ein derartig geistesgestörter Irrer hat aber eben auch den Vorteil dem Rest der Welt klar zu machen, daß man die USA nicht mehr ernst nehmen kann und nun selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen muss. (….)

Es ist zwar nicht ungewöhnlich, daß Präsidenten-Mitarbeiter nach zwei Jahren aufhören, weil der Job extrem anstrengend ist – man denke an Barack Obamas Star-Stabschef Rahm Emmanuel – aber das kündigt man üblicherweise nach den Zwischenwahlen an und nicht unmittelbar vorher.

Haley, die heute von Trump gelobt wurde und ihm treu versprach sich bei der Präsidentschaftskampagne von 2020 voll hinter ihn zu stellen, setzt sich aber doch zur Sicherheit ab, weil sie als eine der wenigen in der US-Regierung  für kompetent gehalten wird. Außerdem ist sie jung und hat noch eine Karriere vor sich. Da kann es nur schaden sich allzu lange am sinkenden Lügenschiff Trump festzuhalten.
Rette sich wer kann.

[…..]  Es beginnt, wie so oft, mit einem präsidialen Tweet. "Wichtige Ankündigung mit meiner Freundin, Botschafterin Nikki Haley, um 10.30 Uhr im Oval Office", schreibt Donald Trump, als handele es sich um einen TV-Programmhinweis.
[…..] Haley war der letzte Star in Trumps Kabinett. Keiner verkaufte seine chaotische, krude Außenpolitik besser. Mal charmant, mal hart, mal leicht kritisch, doch stets auf Linie. Haley war die höchstrangige Frau, die unter Trump etwas zu sagen hatte und bei weiblichen Wählern punkten konnte.
[…..] Dass Haley den Uno-Posten nur als Sprungbrett fürs Weiße Haus nutze, wurde ihr schon länger nachgesagt. Sie ist erst 46, wer will da seine Karriere beenden? Zuvor war sie die erste Gouverneurin von South Carolina gewesen - damals noch eine Trump-Kritikerin, später eine glühende Verfechterin seiner Politik. Das riecht doch nach Strategie. […..]

Montag, 8. Oktober 2018

Endspurterinnen


Vielleicht konnten manche hypersensible Zeitgenossen schon aus meinen vergangenen Postings herauslesen, daß ich nicht unbedingt in Tränen ausbrechen würden, wenn die Söder/Seehofer-CSU in sechs Tagen einen heftigen Tritt in den Hintern bekäme.
Dem Land Bayern, der demokratischen Kultur und auch der gesamten Bundesrepublik täte es gut, wenn die CSU in die Opposition müsste.
Das könnte die Obstruktion im Berliner Kabinett beenden, würde die vielen unsinnigen und oft verfassungswidrigen CSU-Pläne im Bund stoppen.

Vieles bekommt man kaum noch mit ob des Seehofer-Schlachtenlärms.
So verlängert die Bundesregierung auf massiven Druck der Bayern derzeit die extrem tierquälerische Ferkelkastration ohne Betäubung.
Das Grauen sollte ab 2019 verboten werden. Aber Seehofer und Söder stehen auf Viecherquälen.

[….] Das deutsche Tierschutzgesetz schreibt in Paragraph 5 vor, dass ein schmerzhafter Eingriff bei einem Wirbeltier nicht ohne Betäubung durchgeführt werden darf. Es lässt allerdings die Ausnahme zu, dass Ferkel bis zu ihrem siebten Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden dürfen (Tierschutzgesetz, Paragraph 5, vierter Abschnitt "Eingriff an Tieren"). Nachdem das Tierschutzgesetz 2013 geändert wurde, ist die betäubungslose Kastration nur noch bis 31.12.2018 erlaubt. Doch am 1. Oktober 2018 hat die Koalition beschlossen, mittels einer Fraktionsinitiative im Bundestag die Betäubungspflicht für Ferkel um zwei Jahre hinauszögern zu wollen. Diese Pläne sind Verrat an den Ferkeln und am Staatsziel Tierschutz – die Branche bewegt sich nicht und die Regierungskoalition verlängert daher einfach das Leid der Ferkel, weil nun die Zeit für Anpassungen im Ferkelsystem angeblich nicht mehr reicht. [….]

33% CSU bei der Landtagswahl und am besten Opposition wären ein Segen.
Alle nichtbayerischen Regierungsparteien (außer der Hamburger SPD) würden sich über 33% freuen. In den meisten Ländern liegen CDU, SPD und Grüne demoskopisch meilenweit von einem 3-Ergebnis entfernt.

Aber man muss sich ansehen woher die CSU kommt.
Noch bis vor zehn Jahren regierten die Christsozialen mit einer Zweidrittel-Landtagsmehrheit, nachdem MP Stoiber fast 61% der Stimmen bekommen hatte.

Sich innerhalb einer Dekade zu halbieren ist schon eine starke Leistung, die bisher nur die Hamburger CDU unter Christoph Ahlhaus schaffte.

Was für ein Fest für die Opposition. 30 Prozentpunkte, die vorher bei der CSU feststecken waren neu auf die anderen Parteien zu verteilen.
Endlich Hoffnung für die Sozis, die zwar immer schwach in Bayern waren, aber immerhin zu Gerd Schröders Zeiten auch noch Landtagswahlergebnisse von rund 30% bekamen.
Knapp 30% von vor 20 Jahren und dazu noch mal 30 Prozentpunkte, die bei der CSU freiwerden müssten doch nach Adam Ries locker für eine absolute SPD-Mehrheit reichen.
Endlich könnten mal die Sozis den bayerischen Ministerpräsidenten stellen, nachdem sie ein halbes Jahrhundert so tapfer gegen die Chancenlosigkeit ankämpften, für soziale Gerechtigkeit eintraten und die Finger in die Wunde legten, als zum Beispiel der damalige bayerische Finanzminister Söder 33.000 Wohnungen der staatlichen Wohnungsgesellschaft GBW an ein Heuschrecken-Konsortium um die private Gesellschaft Patrizia vertickte.
Angesichts der katastrophalen bayerischen Wohnungsnot und den bundesweit einmaligen Rekordmieten in München haben die bayerischen Wähler sicher eingesehen, was die CSU ihnen einbrockte und beauftragen nun die SPD, die schließlich Recht behalten hätte und so ein Desaster gar nicht erst erlaubt hätte.
Und dann guckt man sich die Umfragen an und stellt verblüfft fest: Die SPD liegt gar nicht bei 45% oder 50% in Bayern, sondern hat Mühe mit der Zweistelligkeit und muss ernsthaft befürchten auf Platz Vier oder gar Fünf abzustürzen.
Die sozialdemokratische Spitzenkandidatin Natascha Kohnen, immerhin auch stellvertretende Bundesparteivorsitzende, ist derart schwach auf der Brust, daß sie noch nicht mal zum TV-Duell mit Söder geladen wurde.
Wie konnte das denn passieren?


Das klingt doch alles ganz gut und sympathisch. Nicht so derbe-arrogant wie die CSUler, die sich als gottgleich empfinden und über alle anderen Bundesländer stellen. OK, das Video ist leicht angekitscht mit lauter lächelnden Kindern und Babys, aber so ist nun mal Parteienwerbung.
Immerhin listet Kohnen auch detailliert auf was sie in Bayern verändern möchte – und da gibt es einiges.
Das klingt doch alles vernünftig.

Offensichtlich verfängt aber diese Art Wahlkampf nicht nur nicht, sondern lässt die sympathische Natascha heillos hinabtrudeln. 11 Prozent werden erwartet.
Die Methoden sind viel zu altbacken.
Wenn man sich nicht ausdrücklich für Politik interessiert und gezielt nach Natascha Kohnen googelt, bemerkt man sie gar nicht.
Ein einziges Mal, nämlich als sie sich gegen das Maaßen-Totaldesaster ihrer Chefin Nahles stellte, wurde Kohnen bundesweit bemerkt.

Die immerwährende Frage nach Rückenwind oder Gegenwind aus dem Bund, muss man diesmal wirklich nicht stellen. Nach der Fehlleistungs-Kaskade der Parteiführung kann nur noch radikale Distanzierung vom Willy-Brandt-Haus helfen. Andrea Nahles ist pures Urnengift, die auch ein Jahr nach der letzten Bundestagswahl immer noch damit beschäftigt ist die Sozis noch blöder aussehen zu lassen.
Warum zum Teufel machte sie nicht ein riesiges Fass auf, als die CSU-Minister auf ihrer Ferkelquälerei bestanden?
Das wäre die perfekte Gelegenheit gewesen auch dem minderinteressierten Wähler zu zeigen, wo ein Unterschied zwischen den (noch) großen Parteien liegt und weswegen man lieber SPD wählen sollte.
Die Bundesparteivorsitzende und Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion versteht aber nicht nur klassischen Wahlkampf nicht, sondern ist zudem eine klassische Offlinerin, die mit den digitalen Gewohnheiten der Millennials nicht vertraut ist.

(….)Wir haben ja jetzt Lars Klingbeil.
Da wird es was mit der alten Tante SPD. Der Mann ist nämlich „internetaffin“.
Der kennt sich aus mit diesem #Neuland, in dem heutzutage so viel passieren soll. #Neuland ist dieser Ort, an dem all die vielen ehemaligen SPD-Wähler hocken, die man nicht mehr erreicht mit Infoständen vorm EDEKA – selbst wenn man neben SPD-Luftballons auch noch kostenlos SPD-Kugelschreiber und SPD-Lollis anbietet. Verstehe einer diese jungen Leute.
Aber die kriegen wir nun doch auf unsere Seite.
Geheimwaffe Klingbeil macht das. Der ist jung (40) und frisch (Seeheimer).
Jetzt hauen die großen SPD-Gliederungen short messages in die hippen sozialen Netze.
Sogar auf Facebook, dernier cri, Jugendtreffpunkt der hippen Online-Community gibt es jetzt die poppig aufpoppenden SPD-Botschaften als gesponserte Links für Likes. Natürlich im Sozi-Rot.
In einfachen Hauptsätzen, ohne Fremdworte, dafür aber gern in Versalien werden die mitreißenden Sprüche nur so rausgehauen – inklusive Heschtegg, damit sich auch die Gerontengeneration auf Twitter (Donald Trump, Horst Seehofer, Erika Steinbach) angesprochen fühlt. (…..)

Sicher, sie lässt twittern und facebooken, aber das ist so offensichtlich nicht authentisch und katastrophal gemanaged, daß man damit der SPD eher schadet. Eine Werbeagentur plump ein paar Wohlfühlsätzchen ins Netz schicken zu lassen, reicht natürlich nicht. Das gehört zu den vielen, vielen Dingen, die Nahles aber einfach nicht versteht. Sie glaubt die Methoden aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, kreischige Tingelauftritte in der Provinz mit geschenkten SPD-Kugelschreibern wären auch im folgenden Jahrtausend zielführend.

(….) Andrea Nahles war sicher nie die Hellste, aber wie kann es sein, daß sie nach 25 Jahren als Spitzenfunktionärin immer noch nicht das geringste Gefühl dafür entwickelt hat wie ihr Handeln beim gemeinen Volk und der Parteibasis ankommt? (….)

Auf den letzten Metern vor dem zu erwartenden SPD-Megadesaster will das Willy-Brandt-Haus nun das Ruder rumreißen, indem ausgerechnet Nahles dauernd in Bayern auftritt.

[…..]  Für ihren Auftritt hat sich die Bayern-SPD den Eingang vor dem Dantebad ausgesucht. Ob die bayerische SPD nun doch schon vor dem kommenden Wahlsonntag baden geht? Nein, es geht um das Gebäude gegenüber, das über einem Parkplatz errichtet wurde und gleich als Beispiel für gute SPD-Wohnungspolitik verkauft werden soll. Für ihren Wahlkampfendspurt hat sich die bayerische Spitzenkandidatin Natascha Kohnen Politikprominenz eingeladen.
Das Bundespräsidium und SPD-Chefin Andrea Nahles sollen ihr aus den traurigen Elf-Prozent-Umfragen helfen. Sie kommen in einem Reisebus. Dessen Fahrtwind weht gleich mal die Plakate der Bayern-SPD um.
Nahles und Kohnen haben, vorsichtig ausgedrückt, nicht das herzlichste Verhältnis. […..] "Kein Blatt" passe zwischen sie und Kohnen, sagt Nahles also am Montag. Eine Diskussion, wer an den schlechten Umfragewerten der Bayern-SPD Schuld trage, gebe es nicht. "Wir hier stehen geschlossen." […..]

Als Sozi wünsche ich mir ja auch ein viel besseres SPD-Ergebnis, aber ob DAS hilft?
Meines Erachtens wäre es besser, wenn sich Nahles NICHT blicken lässt.
Den größten Gefallen tut sie ihrer Partei, wenn sie sich eine Papiertüte über den Kopf zieht und erst mal schweigend ein paar Wochen zu Hause in der Eifel bleibt. Da kann sie dann gemeinsam mit ihrer Ella beten bis der Arzt kommt.