Samstag, 7. Januar 2017

Achtung Tabu-Bruch!


Als unverbesserlicher Multikulti-Anhänger mag ich natürlich Menschen, die irgendwelche zusätzlichen kulturellen Inputs haben.
So wie Mischlingshunde gesünder und klüger als Reinrassige sind, werden Menschen ebenfalls schöner und intelligenter mit einer ordentlichen Gendurchmischung.
Insbesondere finde ich aber Menschen interessanter, die nicht nur ihr eigenes Nest kennen, in dem sich seit Jahrhunderten die Cousins gegenseitig geheiratet haben.
Zusätzliche Perspektiven schärfen das Urteilsvermögen.

Statt also immer nur über Flüchtlinge zu sprechen, sollte die deutsche Mehrheitsgesellschaft endlich auch mit ihnen sprechen, ihnen zuhören.

Glücklicherweise gibt es durchaus deutsche Journalisten, die arabisch sprechen und sich unter Heimatvertriebenen umhören.

Constantin Schreiber (*1979 in Cuxhaven), das ist der Hübsche von ntv, lebte als Jugendlicher einige Zeit in Syrien, so daß er fließend arabisch lernte und später als Journalist unter anderem im Libanon, Dubai, Ägypten, Sudan und dem Tschad arbeitete. Später fungierte er bei Minister Steinmeier als Medienberater für Projekte in Saudi-Arabien.
Für die Video-Reportagereihe Marhaba – Ankommen in Deutschland wurde er 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.


Ein anderer arabisch sprechender Journalist ist der ebenfalls in Berlin lebende Jaafar Abdul Karim (* 1981 in Monrovia), der im Libanon und in der Schweiz aufwuchs und seit 2001 in Deutschland lebt.

[…] Jaafar Abdul Karim moderiert den bei jungen Arabern beliebten "Shababtalk" der Deutschen Welle. Einer seiner größten Quotenerfolge war eine Sendung über Homosexualität in muslimischen Gesellschaften.
[…] Kurz vor der Sendung wirkt Abdul Karim wie unter Strom, während der Sendung ist er die Gelassenheit in Person. Er trägt ein weißes Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, und wenn er mit seinen Gästen redet, gestikuliert er wie ein Dirigent mit den Armen. In deutschen Talkshows schielen Moderatoren oft auf Karteikarten, um sich zu erinnern, was sie fragen wollen. Bei Shababtalk wirkt es, als habe sich in Abdul Karims Wohnzimmer gerade eine heiße Debatte unter Freunden entspannt.
[…] Richtig berühmt geworden aber ist der 34-jährige Deutsch-Araber mit Shababtalk: Mehr als 8,5 Millionen Araber in aller Welt schauen sich die Talkshow der Deutschen Welle online oder via Satellit an und auch immer mehr Flüchtlinge in Deutschland.
[…] Es ist kein Zufall, dass Jaafar Abdul Karim von Berlin aus für die arabische Welt produziert, fern von Autokraten und Zensoren. In manchen Staaten stünde seine Sendung längst auf dem Index. Die Idee entstand nach dem Arabischen Frühling. Bei der Deutschen Welle waren sie sicher, es gebe großen Diskussionsbedarf unter der Jugend des Nahen Ostens. Mehr als 60 Prozent dort sind jünger als 25 Jahre. Und sie sollten sich nicht irren. Jaafar Abdul Karim hat der Sendung sein Lebensmotto übergestülpt: "Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist." Das kommt an bei jenen, die in Ländern leben, in denen Frauen nicht Auto fahren und Männer nicht schwul sein dürfen. […]

Wie immer sind Themen rund um die sexuelle Freizügig ein großes Thema auch in deutschen Medien.
Man robbt sich leicht und ohne politische Kosten an den AfD-Stammtisch heran, wenn man Kinderehen verdammt.
Natürlich nur bei Arabern. Daß der Vatikan das Kinderschutzalter bei 12 Jahren. ansetzt und somit sexueller Verkehr mit 13-Jährigen für bedenkenlos hält, ist für uns christliche Abendländer völlig in Ordnung.

Kein vernünftiger Mensch plädiert heute für die Legalität von Ehen mit Minderjährigen.
Ein Sonderproblem ist aber die Frage wie man mit bestehenden, also in anderen Ländern geschlossenen derartigen Ehen umgeht. Es ist sicher nicht sinnvoll diese in jedem Fall zwangsweise zu lösen, damit die minderjährige Frau auf sich allein zu stellen und womöglich von ihren bereits vorhandenen eigenen Kindern zu trennen.

Sexuelle Beziehungen haben freiwillig zu sein. Freiwillig in dem Sinne, daß man im Vollbegriff seiner geistigen Kräfte, also auch erwachsen, zustimmt.

Wie und in welchen Konstellationen Erwachsene kopulieren, geht den Staat aber nichts an.

Jaafar Abdul Karims neuester Videoblog für SpiegelTV beschäftigt sich mit dem Thema Polygamie. Er besucht einen Syrer, der mit zwei Frauen verheiratet ist und die Kommentarspalte explodiert.


Die Empörung ist universell. Wie kann man nur?

Ich verstehe immer noch nicht wieso die Leute sich so über Polygamie aufregen. Die religiöse Indoktrination unserer Gesellschaft ist enorm, daß wir es nicht als persönliche Freiheit ansehen die Ehe zu handhaben wie man will – sofern niemand zu Schaden kommt und niemand gezwungen wird.
Ich bin ausdrücklich dafür allen die Vielehe zu erlauben - das bedeutet SELBSTVERSTÄNDLICH, daß auch eine Frau mehrere Männer haben kann.
Es ist nicht anders als bei der Homo-Ehe: Wem das nicht gefällt, der muß es auch nicht tun.

Das Thema wurde von Jim Jefferies erschöpfend behandelt.


Wer meint, nur Monogamie sei richtig, soll monogam leben. Simple as that. 

Deswegen müssen doch aber nicht ALLE ANDEREN Menschen auch unbedingt monogam heterosexuell leben.

Beim Sex moralisch zu argumentieren, funktioniert nicht.

Nehmen wir an eine bestimmte Droge sei höchst ungesund.
 (Was bei vielen heute verbotenen Drogen fraglich ist). Nehmen wir an, die Substanz sei so gefährlich, daß sie binnen kurzer Zeit zu totaler Abhängigkeit und unentrinnbarem Organversagen führen würde.
Ich neige dazu auch solche Substanzen erlauben zu wollen.

Wenn ein erwachsener Mensch im Vollbegriff seiner geistigen Kräfte gerne ein Pfund Arsen essen möchte – warum nicht?

Wer ist der Staat ihm das zu verbieten?

Andere Ansatzpunkte für die moralische Keule sind Inzest und Vielweiberei, bzw Vielmännerei.
Wenn Bruder und Schwester ein Kind zeugen, ist das womöglich genetisch ungünstig für den Nachwuchs.
Ich sehe das Problem.
Aber es gibt auch andere Konstellationen, in denen Kinder größere Risiken haben behindert zu sein – zum Beispiel Schwangerschaften über 40-Jähriger.
Wo kämen wir dahin, wenn wir das alles verbieten würden?
Darf dann auch keiner mehr ein Kind bekommen, in dessen Familie überdurchschnittlich viel Brustkrebs oder viele Herzinfarkte vorkommen?

Außerdem gibt es bekanntlich Verhütungsmethoden.
Bruder und Schwester können auch einfach so zum Vergnügen Sex miteinander haben!
Ich finde es absurd, daß dies verboten ist. Zumal Sex zwischen zwei Brüdern oder Sex zwischen zwei Schwestern erlaubt ist.

Die Ehe zu dritt, also die Lieblingsdrohkulisse der Religioten im Kampf gegen die Homoehe („Wo kämen wir da hin….“), ist das Paradebeispiel falscher Moral. Dabei wird niemand geschädigt und niemand wird dazu gezwungen.
Wenn aber zwei Männer und eine Frau sich heiraten möchten – warum zum Teufel nicht?
Das ist moralisch nicht vom Staat zu bewerten, sondern deren Angelegenheit.
Ich halte das für wesentlich unproblematischer als beispielsweise meinen Nachbarn, der gerne abends seine volle stinkende Mülltüte vor der Wohnungstür stehen läßt, weil er keinen Bock mehr hat runter zur Mülltonne zu gehen.
DAS belästigt mich! Das stinkt, das steht im Weg, das ist eine Beleidigung für die Augen aller, die durch das Treppenhaus gehen müssen, das wertet die ganze Immobilie ab (Broken Windows Theorie!).
Das sollte verboten sein, weil es andere tangiert.
Sollte mein Nachbar hingegen den dringenden Wunsch verspüren seine drei Brüder und eine Cousine zu heiraten – bitte; ich habe nichts dagegen. Das geht nur ihn was an. (….)

Freitag, 6. Januar 2017

Macht der Journaillen-Gewohnheit.



Während der endlosen 16-Kohljahre saß die FDP auf dem Sessel des Wirtschaftsministers. Am Ende sollten es 29 Jahre sein, die die FDP ununterbrochen den Bundeswirtschaftsminister stellte.
Das Ergebnis war eindeutig: Die höchsten jemals in der Bundesrepublik geltenden Steuersätze – 56% Spitzensteuersatz; das würde sich heute nicht mal mehr Frau Wagenknecht zu fordern trauen.
Zudem hatten die Liberalen die Wirtschaft völlig festgezurrt.
Nie war Deutschland so durchreglementiert, mit Verboten belastet und Beschränkungen der Wirtschaft versehen, wie im Jahr 1998 nach 29 Jahren FDP-Wirtschaftsministern. Strenge Ladenöffnungszeiten, Meisterzwang, Reimportverbot für Medikamente, Subventionsexzesse, Filialverbot für Apotheker, Versorgermonopole etc pp.
Die Steuern sanken erst in dem Moment, als RotGrün 1998 übernahm und der heute so gehasste Finanzminister Lafontaine hunderte Regulierungen ersatzlos strich.
Erst mit dem Austritt der Liberalen aus der Bundesregierung wurden Wirtschaft und Gesellschaft liberalisiert. Es begann mit der Homoehe, die Schröder und Fischer einführten – Westerwelle und seine FDP-Kumpanen stimmten im Bundestag dagegen!
Glücklicherweise blieben „die Liberalen“ für immerhin elf Jahre Opposition, bis Westerwelle 2009 Vizekanzler und Außenminister wurde.
Ab dann galt Lobbypolitik wider die Bevölkerung pur.
Die FDP machte fürderhin nur noch genau das, was ihre Parteispender aus der Automatenbranche, der Versicherungswirtschaft, den Finanzkonzernen und der Pharmaindustrie wollten. 1,2 Millionen Euro vom Mövenpick-Hotelier Baron von Finck auf das FDP-Parteikonto – und schon schufen Westerwelle und Rösler die Hotelsteuerermäßigung von über einer Milliarde Euro zu Lasten der Steuerkasse.
Das Wort „Mövenpickpartei“ war geboren; endlich begriffen genügend Menschen, daß man diese Partei nicht wählen kann.
2013, endlich, nach 60 Jahren flog die FDP aus dem Bundestag.
Endlich, endlich.
Heute ist die FDP ein Sammelbecken für gänzlich illiberale Menschen rechts von der CDU, die sich nicht trauen AfD zu wählen.
Der aktuelle Deutschlandtrend zeigt bei allen nach Parteianhängerschaft aufgeschlüsselten Fragen, daß die FDP-Fans noch Flüchtlings-feindlicher als CDU und CSU sind.


Sie fordern das Gegenteil von liberalen Gesetzen: Mehr Überwachung, mehr Abschiebung, Grenzschließungen. Ungeniert sind die ehemals Liberalen nun die nationalistischen scharfen Hunde im Sicherheitswahn.
So auch die FDP auf ihrem heutigen Dreikönigstreffen.

[…] Der derzeitigen Sicherheitspolitik attestiert Lindner Kontrollverlust und Versagen, er kritisiert Innenminister Thomas de Maizière scharf und wird für die Frage bejubelt, warum Grüne und Linkspartei angesichts der Pannen im Fall Amri noch keinen Untersuchungsausschuss einberufen hätten. Es ist offensichtlich, dass die konservativen Töne seiner Rede ankommen. [….]

Franz-Josef Strauß hätte beim Zuhören eine Erektion bekommen.

Anders als andere ehemals relevante Parteien wird die FDP aber von der großen Mehrheit der Journalisten unsinnigerweise immer noch als ernstzunehmende Partei betrachtet.
Man berichtet über die APO, als ob sie noch irgendeine Relevanz hätte, lädt Christian Lindner in die Talkshows ein, bringt Sondersendungen zum FDP-Parteitag, schickt Reporter zum Dreikönigstreffen, interviewt FDP-Großkopferte für die Politmagazine.
Wieso bloß?

Es gibt längst keine inhaltliche Rechtfertigung mehr für die käuflichen Hepatitisgelben.
Alle gesellschaftlichen Liberalitäten werden vehementer von Grünen und Linken gefordert, die nationalkonservativen, antisozialen Absichten beackert die AfD und lobbyhörige Wirtschafts- und Finanzpolitik können CDU/CSU ebenso perfekt.

Es wäre schön, wenn endlich auch in den großen Redaktionen eingesehen würde, daß die FDP sterben und nie wieder auferstehen sollte.

[….] Seit gut drei Jahren sind die Liberalen raus aus dem Bundestag. Seither beteuern geschätzte 87 Prozent der Wirtschaftsweisen und Leitartikler im Land, wie wichtig doch so eine liberale Stimme wieder wäre. Wozu sich in regelmäßigen Abständen nett gemeinte Meldungen über den, juchhe, Wiederaufstieg der FDP gesellen.
[….] Wenn es in der bundesdeutschen Geschichte einen Wendepunkt gab, der mit einer Partei und einer Person verbunden ist, dann jener September 1982, in dem der damalige FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff sein später legendäres Wendepapier vorlegte - und damit das sofortige Ende der sozialliberalen Ära provozierte, Thatcher plus Reagan eindeutschte und die FDP von einer generalliberalen zur wirtschaftsliberalen Veranstaltung samt Lobbyanschluss und Reichen-AG [….] Wenn der Abstand zwischen Reich und Arm teils absurde Ausmaße erreicht hat und internationale Konzerne kaum Steuern zahlen, hat das natürlich auch damit zu tun, dass Vermögensteuern abgeschafft, Finanzanlagen für Reichere erleichtert, auf Lohn verzichtet, der internationale Steuerwettbewerb gepredigt und noch eine Reihe anderer FDP-Wünsche seit 1982 umgesetzt wurden.
Nur das Versprechen, alle würden am Ende profitieren, das hat sich nicht eingelöst. Heute zahlen diejenigen, die am wenigsten profitieren, trotzdem mehr für Medikamente, müssen schlechtere Jobs für weniger Geld bei unregelmäßigen Arbeitszeiten in unsicheren Verträgen annehmen. Da kann schon mal die Begeisterung fürs Liberale aus der Kurve fliegen. [….][….]

Donnerstag, 5. Januar 2017

Miese Vorbereitung



Daß Hamburg säkularer als andere Städte ist, merke ich immer wenn die SZ morgens mit einem Doppeldatum vor der Tür liegt.
Offenbar steht dann in Bayern wieder irgendein bizarrer christlicher Feiertag an, der in Norddeutschland unbekannt ist, aber bei den Voralpentaliban einen gesetzlichen Feiertag bedeutet.
Im sechsten Jahrhundert wurden nämlich zur Epiphanie Gottes auch mehrere Heilige, Magier, Sternendeuter oder Könige erfunden. In der Regel zwischen zwei und fünf. Je nach Mode heißen die Typen Caspar, Melchior, Balthasar, Larvandad, Hormisdas, Gushnasaph, Kagba, Badadilma, Tanisuram, Mika, Sisisba, Awnison, Libtar oder Kasäd.
Jedenfalls aus dem Nahen Osten und mit ziemlich dunkler Hautfarbe – also das was die CSU heute mit aller Macht davon abhalten will herzukommen.


Zur Erbauung haben sich Seehofers Epigonen ins Kloster Seeon in der Nähe des Chiemsees zurückgezogen. Seeon, naja, klingt nicht so bedeutend wie „Wildbad Kreuth“, wo man sich seit 1976 traf, aber die Bude war zu teuer geworden. Die Eigentümerin, Herzogin Helene in Bayern, kuschte unfreundlicherweise nicht mehr vor dem CSU-Vorsitzenden und wollte eine höhere Pacht.

Kloster Seeon ist aber auch gut, da passen die Hobbyrassisten von der CSU hin.
Der Großindustrielle Dr. Max Wiskott vermietete die Anlage elf Jahre an die NSDAP zur Einrichtung einer SA-Schule, dem Training der NSdAP-Sturmabteilung und für den Reichsarbeitsdienst.


Zum bayerischen „Heilige Drei Könige“-Feiertag stellt die SZ gleich 25 bayerischen Prominenten die Gretchenfrage: „Was ist Gott“?

Faszinierend wie immer bei dem Theodizee-Problem die Hilflosigkeit, mit der Religioten antworten.
Täglich passieren grauenvolle Dinge. Das ist seit 2.000 Jahren und so und jedes Mal wird gefragt, wieso Gott das zulassen kann.
Und wieso soll man einem solchen Gott huldigen, der einen ohnehin offensichtlich nicht vor Tod, Krankheit und Grausamkeit bewahrt.


Die Sache ist so furchtbar einfach: Auschwitz hat die Nichtexistenz Gottes bewiesen.


Gäbe es eine gute Erklärung, wieso ein alle Menschen liebender Gott den Holocaust durchzieht, wäre er einem der zur Zeit 400.000 römisch-katholischen Vollzeit-Priestern oder 4.800 Bischöfen eingefallen.

Offensichtlich gibt es keine Erklärung.

Erstaunlich, daß es immer noch so viele Milliarden Menschen gibt, die dieses Unsinns-Konzept ernst nehmen.


Und was halten nun die SZ-Promis für GOTT?

Die Profitheologen geben sich erst gar keine Mühe damit konkret zu werden, sondern schwafeln wolkig daher. Gottes Wege sind unergründlich, simple as that.




Gott ist Vater und Mutter, Gott ist Schöpfer und Grund allen Seins. Gott ist das reine Sein und nicht ein Seiendes, das ich begreifen könnte. […..] Er ist persönlich und überpersönlich, er ist Grund allen Seins und ist doch auch ein Du, das mir aus dem unbegreiflichen Geheimnis gegenüber tritt.
(Anselm Grün, Benediktinerpater in Münsterschwarzach)

Jetzt ist mir alles klar. Warum bin ich nicht selbst drauf gekommen?


Was hat sich aber ein Profi-Politiker mit Jahrzehnte-währender Erfahrung als Dauersprecher und Vorzeige-Katholik für diese immer wieder gestellte Frage als Antwort zu Recht gelegt?

Gott meint es gut mit allen Menschen. Für ihn sind alle Menschen gleich. […..]  Es ist für mich auch ein großer Trost, dass es nach dem Tod weitergeht und wir die, die von uns gegangen sind, wiedersehen.
(Ilse Aigner, Bayerische Wirtschafts- und Energieministerin)

Das soll dann wohl auch für die 5.000 im Mittelmeer ersoffenen Kinder und Frauen gelten, die dank der von CSU/CDU forcierten Abschottungspolitik keine Chance hatten nach Europa zu kommen?




Gott ist der Urgrund allen Seins. […..] Ich bin froh, dass wir in Bayern die christliche Botschaft der Nächstenliebe und des Friedens leben und vermitteln und damit das Wertefundament in unserem Land stärken."
(Horst Seehofer, Bayerischer Ministerpräsidenten)

An dieser Stelle fehlen mir die Worte. Die Kombination aus Heuchelei, Dummheit und Arroganz der Obergrenze-Ausländer-raus, Familienzusammenführung-niemals-Politiker ist zu viel für mich.


Mittwoch, 4. Januar 2017

Viecher und Ideologie



Tierliebe tritt meistens selektiv und subjektiv auf.

Wer seine Katze hegt und pflegt; in Tränen ausbricht, wenn er auf Mallorca magere herrenlose Katzen herumstreifen sieht, verschwendet unter Umständen keinen Gedanken an die Zustände in Schweinemastbetrieben, obwohl er jeden Morgen Mettwirst frisst.

Als in den 1980er Jahren weltweit die Empörung über das Totprügeln (das Fell sollte keine Einschusslöcher haben) von Robbenbabys hochkochte, konnte diese Form der Robbenjagd deswegen gestoppt werden, weil die niedlichen runden Babys mit dem weißen Fell und den Knopfaugen über das perfekte Kindchenschema verfügten. Vorher-Nachher-Bilder mit den blutigen abgezogenen Robbenkörpern waren ein so krasser Gegensatz, daß kaum ein Auge trocken blieb.

Gleichzeitig wurden viel mehr Haie brutal abschlachtet – 100 Millionen Exemplaren jährlich werden bei lebendigen Leib die Flossen abgeschnitten, um sie dann immer noch lebendig zum elenden Verrecken zurück in den Ozean zu werfen.
Haifleisch schmeckt nicht besonders gut.
Im Gegensatz zu Robben verfügen sie auch nicht über kuscheliges Fell.
Haie haben ein Mundwinkelproblem. Die Mundwinkel sind nach unten gerichtet, so daß sie für den Homo Sapiens grimmig aussehen, während Delphine mit ihren nach oben gebogenen Mundwinkeln immer zu lächeln scheinen und uns gleich sympathisch sind.
Dabei sind Delphine als Warmblüter gefährlichere Jäger als Haie, sie verbrauchen wesentlich mehr Nahrung pro Kg Eigengewicht.

Thunfische, höchst beeindruckende Jäger haben sogar eine noch viel schlechtere PR-Abteilung. Niemand stört es, wenn sie in riesigen Netzen umkommen, obwohl sie in vielen Meeren bereits vom Aussterben bedroht sind. Aber wehe, es befindet sich ein Delphin als „Beifang“ unter ihnen. Da drehen die Tierschützer durch.

Ich versuche natürlich konsequenter und rationaler zu sein, kann aber dieses Vorhaben nicht durchhalten.

Meine Lieblingstiere sind neben allen Piepsis auch Wale.
Hat sicher etwas mit meiner Kindheit zu tun, weil ich da so schöne Wal-Bücher geschenkt bekam und als Teenager kamen auch noch diese CDs mit den Gesängen der Buckelwale in Mode.

Wenn ich über „J2-Granny“ lese, die nun im Alter von über 100 Jahren verstorben zu sein scheint, bin ich ganz traurig.

[….] Das Schwertwalweibchen "J2" war für Beobachter immer leicht an ihrem Sattelfleck unterhalb der Rückenfinne zu erkennen und an der halbmondförmigen Kerbe an der Flosse. Weil sie mit mehreren Generationen ihrer eigenen Nachkommen in einer Gruppe von etwa 25 Tieren zusammengelebt hat, dem "J-Pod", und weil sie mit geschätzt 105 Jahren der älteste lebende Schwertwal war, wurde J2 auch "Granny" genannt, "Oma". Am 12. Oktober wurde Granny zum letzten Mal gesichtet als sie ihre Orka-Gruppe in den Puget Sound führte, eine Meeresbucht im Nordosten des US-Bundesstaates Washington. Ihre Familie tauchte wieder auf, doch Granny ist seither verschollen. Zum Jahreswechsel veröffentlichte das Center for Whale Research, das diese Gruppe viele Jahre lang beobachtet und erforscht hat, einen Nachruf auf J2 auf seiner Webseite. "Mit Bedauern nehmen wir jetzt an, dass sie verstorben ist", heißt es dort.
Grannys Abschied ist nicht nur für ihre menschlichen Begleiter ein Verlust, sondern vor allem für ihre Familie, die sie über viele Jahrzehnte hinweg geleitet hat. Sie geriet 1967 sogar einmal in Gefangenschaft, wurde aber wieder frei gelassen. Großen Respekt zollen ihr die Forscher auch für die Fähigkeit, ihre Familie in der sich heftig verändernden Umwelt immer wieder zu ergiebigen Fischgründen zu führen. Sie soll ihre Gruppe fest im Griff gehabt haben. Schwammen Tiere in eine andere Richtung als der Rest der Familie, rief Granny sie mit Schlägen der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche zur Ordnung. [….][….]

Und ja, ich weiß, daß es Europäer und Amerikaner waren, die viele Walarten an den Rand der Ausrottung brachten. Geldgierige Christen, die noch nicht mal die ganzen Kadaver verwerteten, sondern nur für den schnellen Profit Tran und das „Walrat“ ausbeuteten.

Der Wal-Buhmann von heute ist aber Japan, obwohl die Techno-Insel mit rund 1.000 erlegten Kleinwalen im Jahr vergleichsweise harmlos ist.
Japan begann aber erst in den 1950er Jahren mit dem industriellen Walfang und klammert sich neben Norwegern und Isländern bis heute daran, weil es partout nicht den anderen Nationen nachgeben will, die versuchen das Walfangmoratorium von 1987 durchzusetzen.
Japan sieht seine nationale Ehre in Gefahr und verhandelt zäh und erfolgreich gegen die internationale Öffentlichkeit.
Zuletzt gelang es dem industriellen Inselstaat so viele finanziell von Japan abhängige Kleinstaaten in den IWC (Internationale Walfang-Kommission) zu drücken und zu bestechen, daß ausgerechnet der japanische Walfang-Lobbyist Morishita zum IWC-Vorsitzenden gewählt wurde.
Willkommen in Schilda.
Das ist ähnlich sinnvoll wie den Vorsitz der UN-Menschenrechtskommission Saudi-Arabien anzutragen.

Es gibt aber einen weiteren Grund sich über die japanische Regierung zu ärgern.
Walfleisch spielt ökonomisch keine Rolle in Japan, die Japaner mögen das Zeug noch nicht mal. Selbst im eigenen Land kann man das blutig-tranige Fleisch nicht absetzen.
Es erfordert enorme Anstrengungen von der Regierung die illegal getöteten majestätischen Tiere zu verwerten.
Japan betreibt seine Walfangflotten aus purem Nationalstolz, aus Großmannssucht und Trotz.
Zum Kotzen.

[….]  Seit 1960 ist der Absatz um 99 Prozent zurückgegangen. Bis in die Siebzigerjahre war Wal oft Bestandteil des Schulmittagessens. Viele Japaner können das Fleisch seitdem nicht mehr riechen: 90 Prozent verzichten komplett darauf.
Für Ayukawahma endete damit der Boom. Lebten vor 50 Jahren noch 
16 000 Menschen in der Stadt, sind es heute nur noch wenige Tausend. Die Jungen wandern ab, die Fischer beschäftigen Gastarbeiter aus Indonesien. Walfang und den Handel mit Walprodukten betreibt nur noch eine Handvoll Leute.
[….] Walfleisch ist billig in Japan. Trotzdem bleiben nach Angaben des International Fund for Animal Welfare (IFAW) drei Viertel des Walfleischs unverkauft. Aufrufe des japanischen Forschungsinstituts, man solle mehr Wal essen, verhallen ungehört. Um den Absatz anzukurbeln, begann der Staat vor einigen Jahren sogar, wieder Walfleisch an Schulküchen zu liefern.
[….] Wirtschaftlich ist der offiziell private Walfang irrelevant. Er existiert nur noch, weil die Steuerzahler ihn finanzieren - mit etwa 40 Millionen Euro pro Jahr, schätzt der IFAW. Mit den Zuschüssen helfe Tokio weder armen Regionen noch Familien, sondern halte bloß die Wal-Bürokratie am Leben, so die Organisation. Japan kämpft trotzdem mit harten Bandagen für sein Fangrecht. An diesem Punkt kann die Regierung ohne hohe politische Kosten den Eindruck erwecken, dass sie sich von "den Amerikanern" nichts vorschreiben lässt. [….]