Donnerstag, 24. November 2016

Effektives Erziehen.



In einer Beziehung war ich immer ein Trendsetter; war meiner Zeit voraus.
Seit zehn Jahren beschimpfe ich die Wähler, wende mich gegen zusätzliche plebiszitäre Elemente und halte die Demokratie aufgrund des inkompetenten Souveräns für eine mangelhafte Staatsform. Ich bin nur Demokrat, weil mir nichts Besseres bekannt ist. Andere Staatsformen halte ich für noch schlechter.

Eine Demarchie würde die Demokratie quasi vor ihren verblödeten Wählern retten. Mich überzeugt das Konzept, aber die Chancen zu einer Umsetzung schätze ich sogar noch schlechter ein, als die für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Für’s Erste wird es also bei Wahlen bleiben. Wahlen, bei denen die Trumps, Le Pens, Höckes, Petrys, Gaulands, Wilders, Farages, Hofers und Erdogans triumphieren.
Das ist das Problem der Demokratie.

Man wählt Rajoy statt Zapatero, George W. Bush statt Gore, immer wieder Berlusconi und 16 Jahre Kohl.
Amerikanische Volksabstimmungen über Waffenrecht, Drogenkonsum und Homoehe waren in der Vergangenheit fast immer von Vorurteilen und nicht von Fakten beeinflusst.
Der Westen propagiert Demokratie, aber nur vor der Kamera.
Eigentlich hat man lieber eine schöne Diktatur mit einem verlässlichen Diktator/König/Papst/Führer, der alles im Griff hat.
So wie es vor der Arabellion war.
Oder Palästina. Jeder lobt Israel, als die „einzige Demokratie des Nahen Ostens“.
Als die Palästinenser auch wählten, fand man das dann nicht mehr so toll.
Insbesondere nicht mehr, nachdem 2006 die Hamas die Wahl gewann; also die sunnitische Befreiungsorganisation Palästinas, die sich quasi als Tochter der Muslimbruderschaft gegründet hatte.
Ähnlich sah es in Ägypten aus, nachdem die Hamas-Mutter „Muslimbrüderschaft“ die Präsidentenwahl gewonnen hatte und ihr Mann Mursi das tat, was er versprochen hatte.
Das gefiel Merkel und Obama überhaupt nicht und sie begrüßten den höchst antidemokratischen Regierungsumsturz, der nichts anderes als ein Militärputsch war und nun zu einer Gewaltorgie geführt hat.

Deswegen ist der Westen übrigens so unbeliebt in Nordafrika und im Nahen Osten: Die Glaubwürdigkeit der Nato-Staaten, die von Demokratie und Frieden reden, aber dann die Diktatoren bevorzugen und die Gegend mit Waffenexporten überziehen, ist nicht mehr messbar.

Ja, ich war wirklich ein Trendsetter; nach dem Brexit und der Wahl Trumps outen sich immer mehr Menschen als Wählerverachter.

Die Wähler kollektiv als „dumm“ zu bezeichnen, ist so virulent geworden, daß insbesondere auf der linken Seite wütenden Gegenbewegungen entstehen.
So ginge das nicht; das vergrößere nur den Frust des kleinen Mannes gegenüber den Eliten und des Establishments.
So grabe man der Demokratie endgültig das Wasser ab. Man müsse die Sorgen und Ängste des Trump- und Brexit-Wählers ernstnehmen, den kleinen Mann abholen.

Dem derzeit größtvorstellbaren Schuss vor den Eliten-Bug - der Wahl von Außenseiterdarsteller Trump zum mächtigsten Mann der Welt - begegnen Mitglieder der Eliten weltweit auf interessante Weise. "Große Teile des Volkes sind dumm", ist die leider sinnverkürzende Überschrift eines Interviews mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Diese Feststellung scheint zugleich Teil der Problemanalyse und Teil des Problems zu sein. Und interessanterweise würden ebenso "große Teile des Volkes" dem gleichzeitig zustimmen und sich beleidigt fühlen. [……]

Ein Dilemma.
Tatsächlich dürfte es „die Abgehängten“, die Verschwörungstheorie-Affinen und AfD-Fans eher noch mehr von den halbwegs liberalen Parteien wegtreiben, wenn sie immer wieder als „dumm“ bezeichnet werden.
 Wer hört das schon gern?
Andererseits ist es natürlich dumm, wenn die Niedriglöhner und Arbeitslosen des US-Rustbelts eine elitäre Milliardärs-Familie, die in einem goldenen Turm wohnt, sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert und keine Steuern zahlt ins Weiße Haus schicken, statt die Kandidatin zu nehmen, die sich für einen höheren Mindestlohn und soziale Sicherung einsetzt.
Wenn man aber Dumme nicht als dumm, sondern als klug bezeichnet, belügt man sie.

„Die Wähler“ gibt es nicht, sondern viele individuelle Wähler, die vermutlich alle einen etwas anderen Zugang zur Politik haben.

Der eine schätzt es vielleicht, wenn zur Wahl stehende Kandidaten sich anbiedern und das erzählen, was man gern hört.
Der nächste möchte lieber schonungslose Analysen von einem, der offenbar viel weiser als man selbst ist.
Wieder ein anderer Wähler möchte einen Typ wie sich selbst ins Parlament schicken, einen „Mann aus dem Volk“ mit denselben Unzulänglichkeiten.
Der Vierte wünscht sich vielleicht Glamour à la Guttenberg, ohne sich für Inhalte zu interessieren.

Was also tun? Wie sollen sich Politiker verhalten, die tatsächlich Mehrheiten holen können?
In Berlin wird man derzeit mit 20% stärkste Partei. Da überzeugt also sogar der beste Kandidat 80% der Wähler nicht.

Es gibt meines Erachtens zwei Hauptgründe für diese Misere.

1.) Die durch Algorithmen generierte Lügenwelt, aus der sich immer mehr Menschen ihre eigene Realität herausdestillieren.
2.) Eine erstaunlich schlechte weltweite Spitzenkandidatenschar.

Die gegenwärtigen rechten Spitzenpolitiker sind ohnehin völlig indiskutabel. Donald Trump, Rodrigo Duterte, Recep Tayyip Erdoğan und viel besser sieht es in Europa auch nicht aus; Stichwort „Boris Johnson“.
Auf der sozialdemokratischen Seite gibt es aber auch keine Glanzlichter.
Ich blicke (noch) mit einer gewissen Hoffnung auf Christian Kern, aber mehr fällt mir schon nicht ein.
Gabriel? Hollande?

Wie sollen solche Typen große Wählermassen begeistern?

Beim Umgang mit „dem Wähler“ hilft aber eine Methode, die auch in der Kindererziehung die Effektivste ist: Vorleben.
Der kleine Kevin und die kleine Chantalle lernen nicht „bitte“ und „danke“ sagen, wenn die Mutter es von ihnen nur verlangt, aber selbst nicht tut.
Sie werden nicht höflich uns rücksichtsvoll, wenn die Eltern niemand ausreden lassen, dazwischen quatschen und fluchen.

Ich bin nur deswegen so ausgesprochen höflich und wohlerzogen, weil meine Mutter das auch war und ich es dementsprechend in meiner Kindheit vorgelebt bekam.

Übertragen auf den demokratischen Prozess bedeutet dies, daß Politiker persönlich integer sein sollten und darüber hinaus auch noch fähig sein müssen.
Es nützt nichts vom Volk Anstrengungen zu verlangen, wenn man anschließend dabei ertappt wird, bei Lobbyisten die Hand aufzuhalten.
Es nützt nichts sich der besten Konzepte zu brüsten, wenn man sie im politischen Alltag nicht umsetzen kann.

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hatte diese großen Pläne  - Jungfernstieg-Umgestaltung, Europapassage, Elbphilharmonie – und dachte, das werde irgendwie von allein was. Er müsse sich nur mit windigen Typen à la Ronald, der Pimmel, Schill umgeben und könne dann vier bis fünf Tage die Woche auf Sylt chillen.

Das bessere Rezept ist es nicht durch Glamour punkten zu wollen, auf alberne FILA-Inszenierungen in der Bunten (Beust Kurzzeit-Nachfolger Ahlhaus) zu verzichten, nicht alle zwei Stunden Tweets rauszuhauen, sondern gute Arbeit abzuliefern.
Olaf Scholz, der Mann, der nach zwei CDU-Bürgermeistern das Amt wieder für die SPD besetzte, tut genau das, was er versprach: Solide, zukunftsträchtige Arbeit.
Das ist in einer sich stark wandelnden Export-abhängigen 1,8-Millionenstadt, die im Jahr 50.000 Flüchtlinge unterbringen muß, keine Kleinigkeit.

„König Olaf“ ist unglamourös. Man sieht ihn nie in Talkshows, er kommt im Boulevard gar nicht vor, er provoziert nicht mit steilen Thesen, er hält sein Privatleben vollständig aus der Öffentlichkeit fern.
 Aber er kann seinen Job. Hamburg steht viel besser als andere Bundesländer da, konsequent bügelt er die Desaster aus, welche die Vorgängerregierungen angezettelt hatten. Es wird gebaut, investiert, verbessert.
Die demoskopischen Folgen sind für Deutschland im Jahr 2016 außerordentlich erstaunlich.

Würden die Hamburger am kommenden Sonntag zur Bürgerschaftswahl gerufen, so könnte die SPD ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl 2015 noch ausbauen. Auch der grüne Koalitionspartner würde zulegen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Universität Hamburg. Demnach käme die SPD auf 48 Prozent der Stimmen (Bürgerschaftswahl 2015: 45,6 Prozent) und würde nur knapp die absolute Mehrheit verfehlen. Die Grünen legen von 12,3 Prozent auf jetzt 16 Prozent zu. Einen Aufwärtstrend verzeichnet auch die oppositionelle CDU, die nun auf 18 Prozent käme (2015: 15,9 Prozent).
Verlierer sind laut der Umfrage dagegen die Linke, aber vor allem FDP und AfD. Die Linke würde mit jetzt 8 Prozent (2015: 8,5 Prozent) nur leicht absinken. Die FDP dagegen käme nur noch auf fünf Prozent (2015: 7,4 Prozent), und die AfD würde mit nur noch vier Prozent (2015: 6,1 Prozent) nicht mehr im Hamburger Landesparlament vertreten sein. [….]
(Hamburger Abendblatt, 24.11.16)

Absolute Mehrheit für die SPD, AfD auf unter 5% gedrückt; das ist wirklich außerordentlich bemerkenswert in einem Bundesland, welches zehn Jahre von der CDU und dem äußert populärem von Beust regiert wurde.

48% sind mehr als die CSU und Bayern hat.
48% sind mehr als doppelt so viel wie die SPD im Bund holen würde.

Das macht doch wieder ein bißchen Hoffnung für die Demokratie.
Mit guten Demokraten und fähigem Spitzenpersonal kann das auch im Zeitalter von Facebook und Pegida noch funktionieren.

Mit solchen Typen wie Stanislaw Tillich klappt das eher nicht.



Mittwoch, 23. November 2016

Völlig tabulos.



Noch vor zehn Jahren war der öffentliche politische Tabu-Bruch etwas für rechtsradikale Spinner.
Man erinnere sich an den CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der 2003 am Tag der Deutschen Einheit den Juden eine Mitschuld am Holocaust zuschob, sie gar als „Tätervolk“ bezeichnete.
Es war ein klarer Fall von „das tut man nicht!“
Wer nach einer Begründung für dieses Tabu fragt, verfügt über keinerlei Moral. Sechs Millionen europäische Juden wurden von Deutschen und Österreichischen Christen zwischen 1941 und 1945 ermordet. Das sind die ungeheuerlichen Fakten, die es anständigen Menschen unmöglich machen darüber zu sinnieren, ob es eine Schuld der Juden gäbe.

Es existier(t)en auch politische Tabus, die gar keine moralische Rechtfertigung hatten, sondern durch konservatives Kalkül postuliert wurden.
20 Jahre lang war eine Bundesregierungsbeteiligung der Grünen tabuisiert. CDU, CSU und FDP kreischten Zeter und Mordio, warnten immer wieder vor dem „rotgrünen Chaos“, in welches Deutschland nicht gestürzt werden dürfe. Ich bin heute noch verblüfft darüber, daß die Welt nach 1998 immer noch weiter existierte, obwohl die Sozis diesen Tabubruch gewagt hatten und ein leibhaftiger Grüner Vizekanzler wurde.
Nachdem Schwarz und Gelb den Charme der Grünen als Mehrheitsbeschaffer erkannten, fiel diese Tabu und beschränkt sich nun auf „Die Linke“, mit der man nicht regieren darf.

So ein Tabuisierungsversuch ist machttaktisch nachvollziehbar. Die Rechten möchten der SPD eine Mehrheitsoption nehmen, um selbst umso länger zu regieren.
Das funktioniert. Merkel wurde 2013 Kanzlerin trotz einer rotrotgrünen Mehrheit im Bundestag.
Wenig erstaunlich also, daß Unionsmitglieder alles dafür tun, um das Anti-LINKE-Tabu aufrecht zu erhalten.
CDU und CSU haben dabei in Sahra Wagenknecht eine große Wahlhelferin, die heute bei ihrer Hauptrede der Bundestagsgeneraldebatte alles dafür tat, um Merkel die Kanzlerschaft zu sichern, indem sie R2G de facto zerstörte.

Bizarr sind die vielen gesellschaftlichen Tabus, die oft aus kruden religiösen Vorzeiten stammen, keinerlei erkennbaren Sinn haben und zum Teil immer noch befolgt werden.
Masturbation, unehelicher Geschlechtsverkehr, Scheidung, Frauen in Hosen, Linkshändigkeit, Kriegsdienstverweigerung oder gemischtrassige Ehen waren über Jahrhunderte tabuisiert.

Menschen empfinden unterschiedlich, daher kann es sinnvoll sein gewisse Tätigkeiten in der Öffentlichkeit zu unterlassen: Zigarre-Rauchen, Nacktheit, lautes Telefonieren, Körpergeruch sind Beispiele dafür. Das sollte man unterlassen, wenn man sich unter Fremden befindet. Hierbei handelt es sich aber nicht um Tabus, sondern soziale Konventionen.
Ich möchte auch nicht in der U-Bahn neben einer Stinkerin sitzen oder jemand bei der Onanie zusehen. Gleichzeitig trete ich natürlich für eines jeden Rechtes ein im privaten Kreis zu transpirieren und masturbieren.

Wer diese Dinge tatsächlich tabuisiert, verlangt aber, daß man überhaupt nie nackt rumläuft oder ins Telefon brüllt.

Solche Tabus sind nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich.

Die Zusammenarbeit mit dem politischen Rechtsextremismus und die Verbreitung rechtsradikaler Thesen sind aber völlig zu Recht tabuisiert, da die Enttabuisierung bereits der erste große Schritt zur Gewalt ist.


Das macht es so schwer erträglich AfD-Politiker zu beobachten, wie sie reihenweise Tabus brechen und jedes Mal anschließend grinsen wie ein Zweijähriger, der sein erstes Häufchen in den Nachttopf gedrückt hat.


Wer sich öffentlich vernehmbar über Behinderte mokiert, verächtlich über Homosexuelle spricht, ausländerfeindlich argumentiert, senkt jedes Mal die Hemmschwelle bei den moralisch Desparaten, die solche Hassgefühle in die Tat umsetzen.
Dieser Zusammenhang ist vielfach belegt, wie die rapide ansteigende Zahl der Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland, die schwulenfeindlichen Attacken in Frankreich nach dem Aufstand gegen die Homoehe oder die Hassangriffe auf Muslime in der USA nach der Wahl Trumps zeigen.


Amerika führt gerade eine Enttabuisierung des Nazitums à la Hitler vor, wie man es noch vor einem Jahr nie für möglich gehalten hätte.

Brutaler als KKK und andere White Supremacists setzen die „Alt-Rights“ auf Hitler pur.

[…..] After dinner, when most journalists had already departed, Spencer rose and delivered a speech to his followers dripping with anti-Semitism, and leaving no doubt as to what he actually seeks. He referred to the mainstream media as “Lügenpresse,” a term he said he was borrowing from “the original German”; the Nazis used the word to attack their critics in the press.
“America was until this past generation a white country designed for ourselves and our posterity,” Spencer said. “It is our creation, it is our inheritance, and it belongs to us.”  
The audience offered cheers, applause, and enthusiastic Nazi salutes. [….]



“Lugenpressa” – da verfällt auch Richard Spencer mit seiner Hitler-Frisur ins Deutsch.

Whoopi Goldberg hat Recht – das passiert; solche Typen kriechen nach oben, if you stir up the base. 


Alt-Right ist insofern höchst relevant, weil Trumps rassistischer Stabschef, der Breitbart-Mann Steve Bannon Vordenker dieser Nazibewegung ist.
Alt-Right hat also nicht nur einen Fuß im Weißen Haus, sondern sitzt mitten drin an der wichtigsten Schaltstelle.


[….] Bislang trat die rechte amerikanische Bewegung Alt-Right kaum in Erscheinung. Doch seit Trumps Sieg fühlen sich die Radikalen ermutigt wie nie. [….] Sie haben Trump gewählt, weil in ihm zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Kandidat zur Wahl stand, der sich ganz bewusst rechtsradikale Positionen zu eigen machte. Er diffamierte die Latinos als "Vergewaltiger", kündigte die Deportation illegaler Einwanderer an und die Aufrüstung der Grenze. Doch nicht nur das: Er distanzierte sich nur widerwillig vom Zuspruch vonseiten eines der Idole der weißen Suprematisten, des früheren Führers des Ku-Klux-Klan, David Duke. Und er spielte unbekümmert mit den Zeichen einer jungen Bewegung von ultrarechten weißen Suprematisten, die seit knapp zehn Jahren unter dem Label "Alternative Right", kurz "Alt-Right", im rechten Untergrund fermentiert.
Bisher kam Alt-Right über ein paar Tausende Anhänger nicht hinaus. [….]
Richard Spencer [….] deklamierte: "Weiß zu sein heißt, ein Kämpfer zu sein, ein Kreuzfahrer, ein Entdecker und ein Bezwinger." Am Ende rief er in den Saal: "Heil Trump! Heil unserem Volk! Heil unserem Sieg!" Spencer, 38, ist der Kopf der Alt-Right-Bewegung und ein Meister des politischen Brandings. Rechtsradikale Gruppen gab es immer in den USA, auch nachdem der Ku- Klux-Klan weitgehend verschwunden war. [….]  Spencer versteht sich als Intellektueller. Gerne erzählt er, wie sehr Friedrich Nietzsche ihn beeinflusst habe. Und wenn er über Napoleon liest, so gestand er dem Rolling Stone, kriege er "einen Steifen". Verheiratet ist er mit der Russin Nina Kouprianova, einer Putin-freundlichen Wissenschaftlerin und Übersetzerin.
[….]  Ein nicht geringer Teil der Amerikaner, die "birther", weigern sich bis heute, [Obama] als Präsidenten anzuerkennen, da er in Wahrheit in Kenia geboren sei. Doch während die Birther die Tatsache, dass sie einen schwarzen Präsidenten niemals anerkennen würden, noch mit der Frage nach dem Geburtsort kaschierten, bekennen sich die Alt-Right-Anhänger nun offen zu ihrem weißen Suprematismus. [….]

Mit der Berufung Bannons zum Stabschef des US-Präsidenten ist ein Tabu gefallen, das außerordentlich notwendig war und für immer hätte aufrechterhalten werden sollen.


Nun sind die Dämme gebrochen, nun kann sich eleminatorischer Menschenhass nicht nur ungehindert entfalten, sondern der Einpeitscher des Hasses ist zu einem der mächtigsten Männer der Supermacht Amerika reüssiert.

Trumps sehr schwache und 18 Monate zu späte Distanzierung kann auch nichts mehr retten. Die Nazikatze ist aus dem braunen Sack.


Wäre Amerika nicht moralisch nicht schon lange bankrott, hätte eine rassistische Breitbart-Lügenkampagne niemals zu einem „President elect“ führen können.

Die von Trump so verachteten „liberal media“ diskutieren diesen Vorgang, aber was gibt es da noch zu reden?
Es müßte Generalstreiks geben bis Trump zurücktritt.





Dienstag, 22. November 2016

Überflüssige Studien – Teil X



Nach wie vor gilt eben: Traue keiner Umfrage, die du nicht selbst gefälscht hast.

Zu diesem Schluß war ich gerade gestern mal wieder gekommen, als es um die windige Datenlage der YouGov-Studie ging, nach der die Deutschen nicht Populismus-anfällig sind.

Welchen Sinn hat es schon Ergebnisse von „Studien“ zu zitieren, wenn diese nicht repräsentativ und ausschließlich online in sozialen Netzwerken erstellt wurde?

Aber auch seriöse Untersuchungen rechtfertigen oftmals nicht den Aufwand ihrer Erhebung, wenn am Ende ein Ergebnis geliefert wird, das sich ohnehin jeder an drei Fingern abzählen konnte.

Wieder einmal eine sinnlose Befragung.

Jetzt habe ich schon so viele Simpel-Zusammenhänge dargestellt - Religiöse haben einen niedrigeren IQ als Atheisten, Dümmere sind auch konservativer und Konservative sind religiöser - und wieder einmal hat sich jemand die Mühe gemacht einen zu erwartenden Zusammenhang empirisch zu untermauern.

Heute wissen wir auch aus der Hirnforschung, daß religiöse Menschen einen signifikant niedrigeren IQ als Atheisten haben.

Je höher die Bildung, desto größer die Neigung kritisch zu hinterfragen, selbst zu denken und nicht einfach blind den Vorgaben eines Predigers zu folgen.


Diesen Beobachtungen schloss sich nun Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen an und veröffentlichte eine Sonderauswertung der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Autoren Prof. Beate Küpper, Hochschule Niederrhein und Prof. Andreas Zick, Universität Bielefeld.

Die Ergebnisse sind wie immer:

Schwulenhass ist umso verbreiteter, je ungebildeter und religiöser man ist.

Ein Fünftel der Befragten in Nordrhein-Westfalen neigt zu homophoben Einstellungen.
Homophobie ist bei den Älteren, in der Tendenz auch bei den weniger Gebildeten, Männern, Befragten mit Migrationsgeschichte und auf dem Land verbreiteter.
Grundlegende Werthaltungen fördern oder schützen vor Homophobie: Mit zunehmender Religiosität, einer ablehnenden Haltung gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt und einer autoritären Grundhaltung nehmen homophobe Einstellungen zu.
Mit der politischen Selbstpositionierung von Links über die Mitte nach Rechts nehmen homophobe Einstellungen zu. Wer sich politisch machtlos fühlt, neigt eher zu Homophobie. Darüber hinaus sind politische Einstellungen etwa zur Demokratie für Homophobie unbedeutend.
Eine gewisse Rolle spielt zudem die Abschätzung sozialer Beziehungen. Wer seine sozialen Beziehungen nach Kosten-Nutzen bewertet und wer über mangelnde soziale Unterstützung klagt, tendiert eher zu Homophobie.
Mit zunehmendem Einkommen sinken homophobe Einstellungen. Allerdings spielt die eigene finanzielle Lage verglichen mit anderen Einflussfaktoren insgesamt kaum eine Rolle für das individuelle Ausmaß von Homophobie. So ist beispielsweise die Angst vor der eigenen Arbeitslosigkeit unerheblich.
Homophobie ist mit anderen Vorurteilen signifikant verknüpft. Wer homosexuelle Menschen abwertet, wertet mit größerer Wahrscheinlichkeit insbesondere auch Frauen, aber auch Migrantinnen und Migranten im Allgemeinen, Juden und Muslime und in der Tendenz sogar Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Menschen mit Behinderung stärker ab. 


In Auftrag gegeben werden sinnlose Studien gern von Landesregierungen oder der Bundesregierung. Königin dieser Disziplin ist Bundeskanzlerin Merkel, die permanent Umfragen erstellen lässt, so daß sie sich immer nach dem richten kann, was die meisten Wähler nett finden und nicht etwa danach was richtig ist.
Die von Regierungen beauftragten Studien haben zwei große Vorteile – sie helfen der regierenden Partei wiedergewählt zu werden, indem sie sich zielgenau beim Wähler anbiedern und vor allem werden sie von jemand anders bezahlt – nämlich vom Steuerzahler.

Zuletzt schlug die Landesregierung in Dresden zu und wollte etwas völlig verrücktes wissen:
Könnte es womöglich Indizien dafür geben, daß die Sachsen ein bißchen fremdenfeindlicher als andere Deutsche sind?

Dazu wurde heute der Sachsen-Monitor mit einem ganz und gar verblüffenden Ergebnis der Öffentlichkeit präsentiert.

[…..] Ressentiments gegen Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit sind in Teilen der sächsischen Bevölkerung verbreitet. So ist eine Mehrheit (58 Prozent) der Sachsen der Meinung, dass Deutschland in einem gefährlichen Maß »überfremdet« sei. Ein Indiz, dass der geringe Ausländeranteil im Freistaat wahrgenommen wird, liefert das Ergebnis, dass deutlich weniger Befragte (17 Prozent) der Auffassung sind, die persönliche Wohnumgebung sei in einem gefährlichen Maße »überfremdet«.
Auffallend ist, dass die 18-29-jährigen unkritischer gegenüber dem Nationalsozialismus eingestellt sind und auch ein Engagement zum Schutz der Demokratie im Schnitt als weniger wichtig einschätzen. Zudem teilen sie in hohem Maße etliche Ressentiments. Gleichzeitig ist in dieser Altersgruppe auch die Ablehnung menschenfeindlicher Einschätzungen überproportional ausgeprägt. [….]

Donnerschlach! Fremdenfeindlichkeit in Sachsen – wer hätte das gedacht?

Für dauerregierende Sachsen-CDU’ler wie Tillich und Ulbig muß das eine extreme Überraschung sein. In Dresden konnte man bisher nichts davon merken.

[…..] Die Sachsen sind deutlich fremdenfeindlicher als der Durchschnitt der Bevölkerung im Rest der Republik. Jeder Vierte im Freistaat will inzwischen die AfD wählen. […..]
"Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" - sagen 18 Prozent der Deutschen und 58 Prozent der Sachsen. 16 Prozent bundesweit fordern: "Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden." In Sachsen meinen das 39 Prozent.
Und so setzt sich das fort, wenn es um Fragen zum Nationalismus geht. "Eigentlich sind die Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegen" - das erklären acht Prozent der Deutschen und 18 Prozent der Sachsen. Dem Satz "Was Deutschland jetzt braucht, ist eine starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert" stimmen 23 Prozent der Deutschen und 62 Prozent der Sachsen zu. Elf Prozent der Sachsen, aber nur vier Prozent der Deutschen halten eine Diktatur für eine "im nationalen Interesse unter Umständen bessere Staatsform". Und ein "hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland" fordern 20 Prozent der Deutschen, aber 53 Prozent der Sachsen. […..]