Samstag, 20. Februar 2016

Ossi-Sprache



Einfach widerlich, dieses Sachsenvolk.
25 Jahre schämen wir uns nun schon für den brutalen Mob, den die größte CDU-Hochburg unter allen Bundesländern hervorbringt

Wieder einmal randalierte ein Nazimeute gegen Flüchtlinge, die im sächsischen Clausnitz untergebracht werden sollten. Untergebracht werden sollten in einem Heim, das von einem AfD-Mann geleitet wird.
Die Polizei schritt ein – und misshandelte Flüchtlingskinder.
Einen Tag nach den unfassbaren Vorkommnissen will die Karikatur eines Polizeichefs gegen die Opfer ermitteln.

Wörtlich sagte der Polizeipräsident: »Wir werden die Ermittlungen gegen Businsassen ausweiten wegen Beleidigung.« Aus seiner »Sicht gibt es für das Vorgehen der Polizei keinerlei Konsequenzen«, so Reißmann weiter. Man sei von dem rechten Mob überrascht worden. Anfangs seien nur zwei Polizisten vor Ort gewesen, später dann 28 Beamte. Zudem äußerte sich Reißmann negativ über die für den Samstag angesetzte antirassistische Kundgebung. »Für unseren mehrstündigen, hochemotionalen Einsatz, bei dem es am Ende keine Verletzten und Sachschäden gab, mit einer kurzen, losgelösten Videosequenz und ohne bisherige Kenntnis der Hintergründe öffentlich angeprangert zu werden, weise ich entschieden zurück. Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Kollegen der Bundespolizei dafür, dass sie Unterstützung für die Landespolizei geleistet haben.«
Die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel von der Linkspartei zeigte sich »fassungslos« über die Reaktion der Polizei. Dass keine Konsequenzen »für den verfehlten Polizeieinsatz« angestrebt sind und stattdessen nun gegen Geflüchtete ermittelt werden soll, könne »nicht wahr sein«, so Nagel.
(ND, 20.02.16)

Man fühlt sich an gewisse spanische Bischöfe erinnert, die nach dem sexuellen Missbrauch an kleinen Jungs insistieren, die Messdiener hätten Schuld, da gäbe es 13-Jährige, die alles täten, um die Priester zu verführen.
Das verschlägt einem selbst im Jahr 2016 noch die Sprache.

Manchmal ist selbst eine hartgesottene Redaktion wie Panorama etwas sprachlos. Zu dieser Pressekonferenz fällt uns nicht mehr viel ein. Anstatt eine illegale Versammlung aufzulösen, deren Teilnehmer Platzverweise erhalten hatten, kann sich der Chemnitzer Polizeichef vorstellen, gegen die Flüchtlinge zu ermitteln.

Es hilft nur noch Zynismus.
Nach 25 Jahren CDU-Herrschaft sind die rechtsstaatlichen Strukturen von Justiz und der Polizei Sachsen völlig verrottet.
Der ranghöchste Sachse Deutschlands ist bezeichnenderweise Bundesinnenminister de Maizière und streute ebenfalls immer wieder xenophobe Gerüchte.

Da geht man also ganz unschuldig seinem Recht auf öffentlichen Hass nach, beschimpft und bedroht zur Feierabendgaudi Ausländer und was tun die? Machen Gesten, obszöne gar. Stinkefinger sollen gezeigt worden sein. Das verletzt die Regeln des zivilisierten demokratischen Diskurses, wie er auf Sachsens Straßen nun einmal üblich ist, auf das Schwerste. Die Polizei hat selbstverständlich Anzeigen wegen Beleidigung aufgenommen.
Was soll man dazu noch sagen? Ein weiteres gottverlassenes Städtchen auf der Karte der Unmenschlichkeit. Bewohnt von vernagelten Gemütern, die vermutlich noch stolz auf ihre widerwärtige Schamlosigkeit sind, mit der sie ihrem Hass auf alles Fremde freien Lauf lassen. Eine Polizei, die Probleme auch am liebsten bei diesen Fremden sucht.
 „Wir sind das Volk“ rufen also die einheimischen Gartenzwerge, Frühstücksfaschisten und schlecht integrierten Wendeverlierer um den andern unmissverständlich zu bedeuten, dass sie nicht dazu gehören. Als wenn irgendjemand zu ihnen gehören wollen würde. Der Stinkefinger ist doch die einzig angemessene Antwort: „Verstanden, ihr seid das Volk. Könnt ihr auch gerne bleiben.“

Nun also mal wieder die Frage: Wieso ist das so in Sachsen?
Warum sind die Ost-Bundesländer offensichtlich ausländerfeindlicher und rechtsextremer eingestellt, weshalb ist es in der sächsischen Schweiz und im ehemaligen Tal der Ahnungslosen, Dresden, besonders schlimm?
Wie kann es angehen, daß diese physiognomisch abstoßenden und bar jeder Moral Handelnden nicht im Geringsten davon beeindruckt sind, wie widerlich man sie im Rest Deutschlands findet?

[…] Ihr habt Angst davor, von Fremden um Eure Kultur gebracht zu werden. Keine Sorge. Um Eure Kultur beneidet Euch keiner. Niemand will Euch etwas nehmen. Ihr habt nichts zu bieten.
Was also habt Ihr erreicht?
Euer Clausnitz ist jetzt berühmt, als weiteres Dorf in Sachsen, in dem Ausländerfeinde Parolen brüllen. Wer will dort leben, mit Leuten wie Euch? Wer will bei Euch seinen Urlaub verbringen? Bei Euch sein Unternehmen ansiedeln? Wer will mit Euch etwas zu tun haben? Niemand.
Ihr habt den Namen Eures Dorfes in den Dreck gezogen. Der Heimat, die Ihr zu verteidigen wähnt, habt Ihr geschadet. Ihr seid nicht Deutschland, nicht Sachsen, nicht Clausnitz. Ihr seid nur ein Haufen Feiglinge, die sich mächtig fühlen, wenn es gegen Schwache geht. […]

Das steht im nicht eben als linksextrem bekannten „Spiegel Online“. Belobigung geht anders.

(Ihr seid nicht Deutschland, nicht Sachsen, nicht Clausnitz?
Ich befürchte fast, daß diese Typen nicht unbedingt Deutschland, aber durchaus Sachsen und Clausnitz sind.)

Ich glaube, die Grünen haben völlig Recht, wenn sie Seehofer und Söder – der soeben damit protzt auf Dienstfahrten die Bibel als Hörbuch zu genießen – mitverantwortlich machen.
Ja natürlich, die fortwährende Hetze der frommen CSU aktiviert diesen kackbraunen Mob.

Schlimmer ist aber, daß die gesamte politische Klasse der ehemaligen DDR sprachlos, oder zumindest inhaltslos bleibt.
Bis auf die Linken, die sich tatsächlich gegen den Rechtsextremismus engagieren und auch selbst Opfer der Nazi-Attacken werden, gibt es keine prominenten Ost-Politiker, die sich vehement gegen die braune Stimmung auflehnen.
Im Gegenteil; Ministerpräsident Haseloff ist sogar noch schriller als Seehofer, wenn es verbal gegen Flüchtlinge geht, Markus Ulbig und Stanislaw Tillich machen selbst offensiv Stimmung gegen Zuwanderung. Sie decken den rechtslastigen Polizeiapparat.
Die fromme Katrin Göring-Kirchentag, prominenteste Ost-Grüne ist nicht vernehmbar in der Frage Rechtsextremismus.
Matschie und Thierse sind so fromm, daß sie schon als Solidarität zu ihren Kirchen der Fundi-Basis zuneigen.
Die CDU-Landesminister nehmen ihre Basis in Schutz.
Merkel mäandert seit 25 Jahren, würde sich nie konsequent engagieren oder pointiert ausdrücken.
Und dann hätten wir da noch Gauck, der sich darauf beschränkt von seiner eigenen Bedeutung überwältigt zu sein. Gauck zelebriert das Gauck-sein an sich; da bleibt keine Zeit für deutliche Worte.

Im aktuellen SZ-Magazin ist ein achtseitiges Interviews mit Raimund Fellinger, dem Cheflektor des Suhrkamp-Verlages abgedruckt.
Er dürfte der bedeutendste lebende deutschsprachige Lektor sein und teilt das Schicksal aller Menschen seines Berufstandes – kaum einer kennt seinen Namen, obwohl er seit Jahrzehnten an der wichtigsten deutschen Literatur mitwirkt.
Ein äußerst spannendes Interview, in dem er viele amüsante Anekdoten erzählt.
(Leider nicht online.)
Als es um pöbelnde und schimpfende Autoren geht, die sich in Rage schreiben, wird Fellinger vom SZ-Mag-Mann Sven Michaelsen gefragt, ob es ihm gelänge mäßigend auf zürnende Autoren einzuwirken.

Dr. Fellingers Antwort:

Nein. Wer das macht, will Autoren, die im Sinne Herbert Wehners gern lau baden und auch so reden und so schreiben. Das wären dann so Figuren wie dieser widerliche Gauck, der Pfarrer und Pfaffe. Der alles mit seiner Sahnesoße übergießt. Hören Sie mir auf!

Freitag, 19. Februar 2016

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland



Es muß ab und zu gesagt werden, weil es sonst ganz in Vergessenheit gerät:
Sigmar Gabriel ist eigentlich ein Guter, der zuhören kann und sehr klug abwägt.
Er ist ein Engagierter, der im Kabinett Merkel I als einziger mutig SPD-Politik durchsetzte.
Man soll nicht den Stab über den Vizekanzler brechen.

Nach der Mega-Niederlage von 2009 brauchte die psychologisch niedergeschmetterte Partei, deren baldige Auflösung schon von vielen Zeitungen kolportiert wurde, jemand, der sie wieder aufrichtet. Jemanden, der Mut machen kann.
Sigmar Gabriel hat viele Talente und dazu gehört, daß er gelegentlich sehr gute bis brillante Reden hält. Darin ist er Merkel weit überlegen.
Zudem ist Gabriel intelligent und in der Lage in kleineren Kreisen extrem sensibel und tiefgründig zu argumentieren.
Er kann beeindrucken; beispielsweise so geschehen auf der ZEIT-Matinee im Juni 2011, als er so brillierte, daß die gesamte feine Gesellschaft Hamburgs schwor bei der nächsten Bundestagswahl SPD zu wählen.
Ich habe ihn gelegentlich in Talkshows zu Randthemen gesehen, bei denen er mich absolut überzeugte.

Der SPD-Vorsitzende ist allerdings nicht nur wankelmütig bezüglich der vertretenen politischen Inhalte, sondern weist auch charakterlich enorme Schwankungen auf.
Er kann die leisen, behutsamen Zwischentöne und poltert im nächsten Moment wie eine Dampfwalze los.
Er bohrt einerseits mit Engelsgeduld dicke Bretter, bereitet Jahre lang vor und dann reißt ihm abrupt doch die Hutschnur.
Er argumentiert manchmal hochseriös und überzeugend, um dann im nächsten Moment seine Gegner für dumm zu verkaufen.
Er war seit Jahrzehnten durch seinen Vater extrem für Rechtsradikalismus sensibilisiert, engagierte sich persönlich für den Erhalt von KZ-Gedenkstellen, leistete Aufklärungsarbeit gegen Neonazis. Plötzlich aber lässt er seinen vorbildlich gegen rechts engagierten Justizminister Maas im Regen stehen und besucht als Vizekanzler den menschlichen PEGIDA-Abschaum.

Gabriels 2016er Performance fällt bisher dumpf und dunkel aus.
Das erbärmliche Hickhack um das sogenannte Asylpaket II, mit dem die SPD Kinder zu Waisen macht und noch mehr Menschen in die seeuntüchtigen Schlepperschlauchboote auf die ungewisse Reise durch die Ägäis schickt, lobt der Superminister a posteriori als stringente SPD-Regierungspolitik.

Ähnlich absurd entwickelte sich Gabriels Versprechen für Transparenz bei den TTIP-Verhandlungen zu sorgen.
Nachdem er den berüchtigten „TTIP-Leseraum“ eingerichtet hatte, erstarb das letzte bißchen Offenheit, weil die kritischen Bundestagsabgeordneten nun mit einem Maulkorb versehen sind.

Was ist los mit Gabriel?
Dazu zitiere ich mal eine dezidiert linke Stimme, nämlich Ulrich Schulte, den Leiter des Parlamentsbüros der taz.

[….] Besser als sein Ruf
Das Image von Sigmar Gabriel ist mies. Die SPD leidet unter ihrem Chef, bei den Deutschen ist er nur mäßig beliebt. Warum eigentlich?
[….] Gabriel und die Deutschen, das ist keine Liebesgeschichte. Die Sprunghaftigkeit des SPD-Vorsitzenden und Wirtschaftsministers ist legendär, seine Neigung zu Ungeduld und schlechter Laune auch. Die SPD leidet, oft still und immer öfter laut. Gabriels Ja zur Vorratsdatenspeicherung, sein Nein zu linker Steuerpolitik, der Populismus in der Griechenland-Krise, die verfluchten 25 Prozent in den Umfragen.
Bei alldem geht unter, dass Gabriel manchmal besser ist als sein Ruf.
[….] Gabriel schwebt ständig in Populismusgefahr, einfach weil er Gabriel ist. Aber in der Flüchtlingsdebatte fällt etwas Erstaunliches auf: Der SPD-Chef sagt allen die Wahrheit, auch wenn das unangenehm ist.
[….] Dem aufgeklärten Bürgertum im Volksbad Jena erklärt er, dass es auch einfach denkende Menschen in Deutschland gibt. Den Neonazis zeigt er seine Verachtung, was dem Willy-Brandt-Haus diese Woche hunderte Hassmails und wütende Anrufe einbrachte. Und der ängstlichen Heidenauerin, die sich vor dem Baumarkt vor den hohen Flüchtlingszahlen fürchtet, rechnet er vor, dass der Libanon, ein Staat mit 5,9 Millionen Einwohnern, rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat.
Was für ein Vergleich. Stünde Deutschland vor einer solchen Aufgabe, müsste es 16,5 Millionen Menschen integrieren, fast die ganze Bevölkerung von Nordrhein-Westfalen.
[….] Gabriel agiert in der Flüchtlingsfrage wie ein echter Staatsmann. Er fuhr hin, Merkel zögerte. Er redete Tacheles, Merkel druckste herum. Die in Umfragen beliebte Kanzlerin, die scheinbar unbesiegbar scheint, wirkte plötzlich wie „die Getriebene“, schrieb die Nachrichtenagentur dpa. [….] Merkels Pragmatismus kommt an, auch wenn oft keiner weiß, was die Kanzlerin will. Gabriels Ungeduld ist unbeliebt. Gabriel hat sich deshalb ebenfalls eine zutiefst pragmatische Haltung zugelegt. Er macht einfach weiter, Selbstzweifel helfen ja nicht. Fragen, warum die SPD nicht aus dem Umfragetief herausfindet, umkurvt er inzwischen routiniert.
Eines ist dabei nicht unwichtig: In Gabriels DNA fehlt offenbar ein Gen, das für Politiker lebenswichtig ist. Ihm ist völlig schnuppe, ob ihn Menschen mögen oder nicht. Er putzt gern Journalisten herunter, die aus seiner Sicht dumm fragen. Pressekonferenzen mit ihm arten oft in Machtspielchen aus. Es ist deshalb eine erwähnenswerte Nachricht, dass der SPD-Vorsitzende bei dieser Sommertour keinen Reporter zusammenstauchte.
Diese Unbeherrschtheit ist intellektuell nicht zu verstehen. Wer Kanzler werden will, muss gemocht werden – und gemocht werden wollen. [….]

Gabriel, der Gute.
Der Unterschätzte und Niedergeschriebene, das Talent, der selbstlose Familienmensch und Tochter-Pfleger, der Basis-Spürer und Stimmungsseismograph präsentierte sich heute als Abrüstungsminister.
Die lästigen Waffenexporte steigen und steigen, weil es keine Regeln dagegen gibt.


Heute ging also der Wirtschaftsminister vor die Presse, gab einen absoluten Rekord an deutschen Waffenexporten bekannt und begann gleichzeitig eine jetzt schon legendäre Weichzeichnung. Denn eigentlich hatte Gabriel selbst vor der Bundestagswahl 2013 intensiv dafür geworben mit der SPD würden deutsche Rüstungsexporte massiv eingeschränkt.

Bisher aber ist vom großen Politikwechsel nicht viel zu erkennen. Also holte Gabriel in Berlin zum großen Erklärversuch aus. Fast 20 Minuten trug er vor, warum die Zahlen täuschten. So seien in den 7,5 Milliarden viele unproblematische Deals enthalten, etwa der Verkauf von Tankflugzeugen nach Großbritannien oder der Export von Lastwagen, die nur formal als Rüstungsgüter gelten. Für einen Mann wie Gabriel, der sonst ohne Manuskript redet, war der Vortrag bemerkenswert. Zeile für Zeile trug er nun vom Blatt vor, er war gut vorbereitet.
Doch je mehr Gabriel redete, desto stärker wirkte der Termin wie eine Verteidigungsschlacht. Das ging so weit, dass er seine Vorgänger für so ziemlich alle fragwürdigen Geschäfte verantwortlich machte. Fast ein wenig wehleidig trug er vor, dass er nun einmal an Genehmigungen gebunden sei, die noch unter der schwarz-gelben Koalition erteilt worden seien.

Die SPD stimmt beim Thema Waffenexport in Krisengebiete stoisch mit der CDU.


Wir haben eine Waffenexportrichtlinie, die den Export in Krisengebiete nicht erlaubt. Es sei denn besondere politische Umstände sprechen dafür.
17.000 Anträge auf Exportgenehmigung in Krisenregionen aufgrund besonderer Umstände gingen in Gabriels Ministerium ein. 16.900 wurde Genehmigungen wurden erteilt.
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.
Millionen Menschen fliehen aus Kriegen und Bürgerkriegen, die Deutschland erst möglich macht, an denen Deutschland Milliarden verdient.

Ein neuer Rekordwert in Zeiten von Krisen und Kriegen ist ein düsterer Tiefpunkt der deutschen Rüstungsexportpolitik. Bei Sigmar Gabriel klafft zwischen Wirklichkeit und Anspruch eine hässliche Lücke der Verantwortungslosigkeit. Seit Amtsantritt beteuert der Wirtschaftsminister gebetsmühlenartig, dass er als Sozialdemokrat für eine strenge Rüstungspolitik stehe. Sigmar Gabriel steht mittlerweile für große Worte und nichts dahinter. Statt hohler Phrasen erwarten wir von Sigmar Gabriel einen radikalen Kurswechsel in der Rüstungsexportpolitik.
[….] Ausufernde Waffengeschäfte zerstören die Erfolge der Friedens- und Sicherheitspolitik und tragen dazu bei, dass die Welt immer unfriedlicher wird.
(PM Grüne, Agnieszka Brugger, Sprecherin für Sicherheitspolitik und Abrüstung und Katja Keul, Parlamentarische Geschäftsführerin, 19.02.16)

Wir sehen an diesem Fall mustergültig wieso die SPD so schlecht dasteht.
Gabriel schafft es, daß seine Partei den ganzen Groll allein abbekommt, obwohl es die ungleich stärkeren CHRISTLICHEN Parteien Merkels und Seehofers sind, die den Waffenexport pushen.
Gabriel könnte sich a) massiv dagegen auflehnen oder b) Koalitionsdisziplin üben, dabei aber dem Publikum erklären, man habe sich aufgrund der Mehrheitsverhältnisse der CDU/CSU unterordnen müssen, würde aber wenn man allein zu entscheiden hätte etwas anderes tun.

Stattdessen versucht sich Gabriel herauszumogeln, eiert und mäandert um die häßlichen Fakten herum, tut so, als ob er doch irgendwie die Rüstungsexporte gesenkt hätte, obwohl sie gestiegen sind.
Das ist unglaubwürdig und kommt ganz schlecht an bei SPD-Sympathisanten.

Unglücklicherweise gibt es dann auch noch den brillanten Linken Jan van Aken, der eiskalt die Finger in die Wunde legt.
Van Aken schlich sich heute in Gabriels Pressekonferenz, wurde dort entdeckt und unter den Augen der gesamten Hauptstadtpresse rausgeworfen.

Tja, Herr Gabriel, so macht man es natürlich gerade nicht, wenn man die Kritiker der eigenen Politik verstummen lassen will.

[….] Jan van Aken, Rüstungsexperte der Linkspartei, hat sich in eine Pressekonferenz von Sigmar Gabriel eingeschlichen - und wurde prompt rausgeworfen. Was ihm nur zusätzliche Aufmerksamkeit sicherte.
[….] Die Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zu den deutschen Rüstungsexporten 2015 hatte noch gar nicht begonnen, da hatte van Aken ihm schon die Show gestohlen. [….] Offiziell war der Linken-Politiker gekommen, um die vorläufigen Zahlen der Rüstungsexporte im vergangenen Jahr zu erfahren. Die Linke hatte dazu ihre traditionelle parlamentarische Anfrage gestellt. "Eine Antwort haben wir immer noch nicht", so van Aken. "Sigmar Gabriel führt da einen Eiertanz auf. "Nun also saß er im Publikum der Bundespressekonferenz und wartete gemeinsam mit den Journalisten auf Gabriels Zahlen. Doch noch vor Konferenzbeginn wurde er des Raumes verwiesen - offenkundig hatte er seinen Besuch nicht angemeldet. "Ich wusste nicht, wie die Regeln hier sind", gab van Aken nach der Pressekonferenz zu Protokoll. Dass er sich hätte anmelden müssen, sei ihm ja nicht klar gewesen.
[….] Das Raumverbot bewog van Aken allerdings mitnichten dazu, das Gebäude zu verlassen. Stattdessen blieb er vor der Glasfassade des Raumes stehen und schaute zu, wie Gabriel seine Zahlen verlas. [….]


"Es zeigt sich wieder, dass die Exportkontrolle in Deutschland nicht funktioniert, das ganze System ist kaputt. Gabriel hatte eine bessere Kontrolle von Rüstungsexporten versprochen, jetzt sind die Genehmigungen unter seiner Verantwortung ins Gigantische gestiegen. Sigmar Gabriel muss endlich grundlegend etwas am System ändern und nicht nur kleine Schönheitskorrekturen vornehmen. Einen echten Rückgang der Waffenexporte wird es nur mit klaren, gesetzlichen Verboten geben. Ein komplettes Verbot von #Kleinwaffenexporte ist lange überfällig."
(Jan van Aken, DIE LINKE, 19.02.16)

Donnerstag, 18. Februar 2016

Extrem-Parteihopping

Früher einmal, in der guten alten Bundesrepublik, waren Wechselwähler selten.
FDP, SPD und Union konnten sich immer auf einen festen Stamm von Wählern verlassen, die unter allen Umständen bei ihnen ein Kreuz machten.

Inzwischen variieren die Wahlergebnisse stärker. Unzufriedenheit ist schneller generiert. Zweistellige Verluste bei Landtagswahlen sind keine Seltenheit mehr.

Noch seltener ist das Wechseln der Parteimitgliedschaft. Das liegt in der Natur der Sache, denn wer aktiv in eine Partei eintritt, hat stärkere Bindung an sie, als ein gewöhnlicher Wähler.

Es ist zwar nicht recht vorstellbar, daß einer von den Linken zur FDP, oder umgekehrt, wechselt. Aber CDU und CSU haben in den letzten Jahren immer wieder das zuvor Undenkbare erlebt: Konservative vom Lande treten auf einmal zu den Grünen über, weil ihnen dämmert, daß konservative Begriffe wie Nachhaltigkeit, Naturschutz, biologische Landwirtschaft, „Erhaltung der Schöpfung“ gut bei den Grünen aufgehoben sind, während die C-Parteien auf Gentechnik und Mega-Verkehrsprojekte setzen.

Manchmal ist es auch so, daß die Parteien ihre Wurzeln kappen und sich weit wegbewegen. Günther Verheugen und Ingrid Matthäus-Maier wechselten zwar von der FDP zur SPD, blieben sich aber in ihrem linksliberalen bürgerrechtlichen Kurs treu, während die FDP zum reinen CDU-Apendix und Lobbyistensprachrohr mutierte.
Auch Gustav Heinemann blieb seinen ehrenwerten Überzeugungen treu, als er 1950 als Bundesinnenminister der CDU aus Protest gegen die Wiederbewaffnung zurücktrat und schließlich Mitglied der SPD wurde.

Beim Weg von links nach rechts sind meistens persönlichere Verwirrungen, Animositäten oder Karrierestreben die Antriebsfedern.

Vera Lengsfels, Oswald Metzger, Angelika Barbe, Günter Nooke, Ehrhart Neubert, Arnold Vaatz wechselten aus PDS-Hass (außer Metzger) zur  CDU, die vorher mit zwei DDR-Blockparteien fusioniert war.
Logisch ist anders.

Außerhalb der reinen Parteipolitik haben auf dem Weg von links nach rechts Arnulf Baring und Horst Mahler die längsten Strecken zurückgelegt. 
Mahler schmort hoffentlich gerade im Knast. 
Baring schmort auf den Talkshowbänken von Maischberger und Will. Dort darf er den Wiedergänger der Comic-Figur Cholerix geben und seine angebräunten Sätze absondern.

Es ist eher selten, daß beim Politmäandern das gesamte politische Spektrum abgeschritten wird.
Üblicherweise bleibt es bei einem Wechsel.

Trippel-Parteihopper Oswald Metzger war nach seinen erratischen Eruptionen wider die Hartz-IV-Empfänger bei Grünen, Linken und SPD nicht mehr so ultrabeliebt.
Metzger hat behauptet, Hartz IV mache manche Arbeitslose «träge und antriebsarm» und steht wegen seiner Äußerung in der Kritik, viele Sozialhilfe- Empfänger sähen «ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen».
Aber mit Hilfe der CDU dachte Großsprecher Metzger wieder in den Bundestag zu kommen; der Wahlkreis Biberach sollte für den Christenunionsfrischling das neue Sprungbrett zu den Pfründen sein. (……)
Der STERN schreibt:

Metzger hat sich früher in großer ordoliberaler Pose gegen das Branntweinmonopol gefallen, das den kleinen Brennern am Bodensee überhaupt ihr wirtschaftliches Überleben auf ihren Streuobstwiesen erlaubt. Wären die EU-Subventionen gestrichen worden, wie von Metzger gefordert und von ihm als volkswirtschaftlich unsinnige Ausgabe bezeichnet, wären die Kleinbrenner am Ende gewesen. Jetzt plötzlich hat sich Metzger in seinem Wahlkampf für die Erhaltung der Subventionen eingesetzt. Der Eindruck ist eindeutig: Der Mann wechselt seine Überzeugungen so schnell wie seine Hemden und Parteien. Metzger war inzwischen in der FDP, bei den Grünen und ist jetzt in der CDU. Glaubwürdigkeit hat der Selbstdarsteller, dessen wichtigstes Programm "Metzger" heißt, auf Dauer nirgendwo erworben.

Kleine Anmerkung an den STERN:
Mit den Parteien habt Ihr ein bißchen was durcheinander bekommen: Von 1974 bis 1979 gehörte Metzger der SPD an, dann ab 1987 den Grünen und ab 2008 der CDU. Ein FDP-Parteibuch hatte er nie.
Aber versuchen sollte er es vielleicht bei Westerwelles Truppen - da spielen Inhalte doch ohnehin keine Rolle (…..)


Horst Mahler ist insofern ein Extremfall, weil er von ganz ganz links bis ganz ganz rechts, also einmal die längste mögliche politische Strecke durchschritt.

Horst Mahler, 80, heute Neonazi, war als Student in der SPD, flog aus ihr raus als er in den linken Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) eintrat.
Er war Mitgründer der Rote Armee Fraktion (RAF), wurde zum Terroristen und saß von 1970 bis 1984 im Knast.
Im Knast las er die von Otto Schily mitgebrachten Werke Hegels, sagte sich von der RAF los und wurde kontinuierlich konservativer. Ende der 1980er praktizierte er wieder als Anwalt. In den 1990ern kam er über Hans Filbingers braunen CDU-Flügel in Kontakt zu Rechtsextremen und Alt-Nazis.
 Er verteidigte NDP-Mitglieder, sowie die NPD selbst im Verbotsverfahren gegen sie. 2000 trat er in die NPD ein und wurde weiterhin kontinuierlich krimineller und rechtsextremer.
Die NPD wurde ihm allerdings zu lasch, weil sie „eine am Parlamentarismus ausgerichtete Partei“ sei. Er verließ sie also 2003 und wandte sich noch weiter nach rechts. Er wurde Verteidiger der Holcaustleugner, gründete den Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten, der fünf Jahre später verboten wurde.
Mahler gründete weitere rechtsterroristische Zirkel und verherrlicht heute offen und engagiert Adolf Hitler.
Seit 2009 saß er beinahe kontinuierlich wegen Volksverhetzung und anderer Delikte im Knast. Eine zehnjährige Haftstrafe ist noch offen, aber nachdem ihm 2015 sein halbes Bein abfaulte, wurde er mit knapp 80 aufgrund des miserablen Gesundheitszustandes von der Haft beurlaubt.

So weit wie Mahler lotete Dr. Berger nie die extremistischen Grenzen aus, aber dafür durchmaß er das Spektrum gleich zwei Mal.

Erst von ganz rechts nach ganz links und nun wieder zurück nach ganz rechts.
Einen besonderen Twist gibt es dabei, da er sich als Schwulensprecher empfindet, aber wie einst Otto Weininger (* 1880; † 1903) als Schwuler hauptsächlich gegen Schwule agitiert.
Der Superhomosexuelle, der stolze Vielficker, strammschwänzige Muskelfetischist und Sneakerschnüffler, der Promiske und Pornophile mit dem gewaltigen Gemächt sieht seine engsten Alliierten in den bekanntesten klerikalen Homophoben Deutschlands.
Dazu braucht es schon besondere Schaltungen in den Synapsen seiner Großhirnrinde.

David Berger, einst ganz stramm Tradi-katholisch, zwischen Piusbruderschaft und Kreuznet mäandernd, später zum Star der linken antiklerikalen Szene avanciert, der Kreuznet zu Fall brachte, sich dann aber mit seinem schwulen Verlag anlegte und seitdem konsequent immer weiter nach rechts rückte, sich an die fanatisch-katholischen Homohass-Frauen Beverfoerde, Kuby und Kelle heranrobbte, bis er sich für Akif Pirinçci einsetzte, hat inzwischen eine neue Freundin.
Tatjana Festerling, PEGIDA-Ikone, die im Juni 2015 bei der Dresdner Oberbürgermeisterwahl 10% holte.
Eine sehr sympathische Frau.

Dann will sie am liebsten eine noch höhere Mauer durch Deutschland ziehen und alle westdeutschen Gutmenschen von den wirklich guten Menschen und Patrioten im Osten trennen. Oder es geht gegen den „Terror der schwul-lesbisch-queeren intersexuellen Minderheit" oder die „verkrachten Gender-Tanten mit ihrem überzogenen Sexualscheiß".

Dr. Berger besprach Frau Festerlings Besuch im Mai 2015 in einer Dresdner „Boys-Bar“ und betont heute, was für eine nette Person Festerling sei.

David Berger auf Facebook

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling hat mit ihren neuesten, offen rechtsradikalen Aussagen zum Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge für Proteste gesorgt. Das britische Portal "Mail Online" zitierte Festerling nach einem Interview mit dem Satz: "Wenn sie weiter über die Grenze kommen und man sie nicht einsperren kann, erschießt sie!" Das Blatt hatte Festerling als die "mächtigste Frau des rechtsextremen Deutschlands" vorgestellt - und auch einen Videomitschnitt des Gesprächs veröffentlicht.
Darin bezeichnete die 51-Jährige Deutschland als "Freiluft-Psychiatrie mit der Geisteskrankheit 'politische Korrektheit'". "Wir von Pegida sind die einzigen, die sich nicht um politische Korrektheit scheren", sagte Festerling weiter. "Wir haben keine Skrupel und keine Angst. In Zeiten wie diesen: Scheiß auf Anstand!" Der Kampf gegen die Islamisierung sei "die letzte Schlacht", so die zweifache Mutter.