Samstag, 19. April 2014

Gute Nacht, deutscher Michel



 Im neuen SPIEGEL wird darüber orakelt weswegen eigentlich die politische Stimmung seit vielen Monaten wie zementiert zu sein scheint und auch gigantische Krisen (Ukraine), gewaltige stockende Reformvorhaben (Energiewende) und politische Skandale erster Güte (Drohneneinsatzsteuerung  in Ramstein, NSA-Totalausspähung) keinerlei Auswirkungen auf die Kräfteverhältnisse zwischen den Parteien haben.
Der Grund ist ziemlich eindeutig in einer zutiefst saturierten Grundstimmung der Deutschen zu finden.
Von Flensburg bis zum Bodensee findet man sich selbst einfach fabelhaft.
Der Urnenpöbel fühlt sich wie Jabba, the Hutt.
Uns kann keiner was und die Welt beneidet uns.
Nach einer Umfrage von TNS Forschung (09. Und 10. April 2014) sind 80% der Deutschen (sic!) mit „dem Zustand unseres Landes alles in allem“ zufrieden.
Noch erschreckender: In der jüngsten befragten Altersgruppe, den 18- bis 29-Jährigen sind sogar 85% vollkommen zufrieden mit dem Zustand in Deutschland. Lediglich 15% kreuzen „eher nicht zu frieden“ oder „gar nicht zufrieden“ an.
Bei so einem ungesunden Volksempfinden wäre es auch zu viel verlangt den zufrieden schlummernden Wähler dazu zu bringen seine letzte Wahlentscheidung in Frage zu stellen.

Der Bayern regierende Soziopath Crazy Horst kann gestützt von so einem Volksempfinden nach Lust und Laune die deutsche Innenpolitik talibanisieren.
War da nicht irgendein Problem mit Atomkraft und endlichem Nachschub von Erdgas? Seehofer tangiert das nicht. Willkürlich torpediert er die energiepolitischen Entscheidungen, welche seine eigene Regierung in Berlin trifft.
Vor seinen plötzlichen Kursschwenks ist nichts und niemand sicher.
Auch seine Parteifreunde müssen stets auf der Hut vor Crazy Horsts Wutausbrüchen und Gunstentziehungen sein.
Natürlich traut sich bei den CSU‘lern anders als bei der SPD niemand den mächtigen Parteiführer offen zu kritisieren.
Wenn es doch einmal zwei tun, gilt es sofort als schwerer Fall von Majestätsbeleidigung, die begierig und verwundert von den großen Medien ventiliert wird. Man kritisiert Seehofer nicht – das ist das eherne CSU-Gesetz, welches der von Crazy Horst als Staatssekretär gefeuerte Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk nun bricht.

Koschyk, der nach der Bundestagswahl überraschend sein Amt als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium verloren hatte, kritisierte die Personalführung Seehofers. "Der Umgang des Parteivorsitzenden mit Führungskräften entspricht nicht dem, was man von einer Partei mit christlichen Grundsätzen erwarten darf", sagte Koschyk der "Nürnberger Zeitung". Er sei damals von Seehofer "in einem dreiminütigen Telefongespräch abgefertigt worden", so Koschyk. "In keinem Wirtschaftsunternehmen, das etwas auf sich hält, wird heutzutage noch derart mit Führungspersonal umgegangen." Die CSU benötige "dringend eine Führungs- und Umgangskultur nach christlichen Maßstäben". [….] Vor allem aber regt sich bei einigen in der Partei Unmut gegen Seehofers harten Umgangston gegenüber Parteifreunden. Regelmäßig traf es in der Vergangenheit Hans-Peter Friedrich, der zuletzt wegen der Edathy-Affäre als Minister zurückgetreten war. Auch Ramsauer wurde regelmäßig gerüffelt. Wie Seehofer nach der Bundestagswahl seinen damaligen Minister fallen ließ, empfanden viele als unfreundlichen Akt. Ramsauer revanchierte sich schon zuletzt mit einer kaum verhohlenen Attacke gegen Seehofer. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie warnte vor einem Moratorium des Netzausbaus: "Wer jetzt ein Moratorium des Netzausbaus fordert, der fordert auch ein Moratorium des Atomausstiegs", hatte Ramsauer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt - zuvor hatte Seehofer den Netzausbau in Frage gestellt. [….]

Ob sich die Deutschen und insbesondere die Bayern aus ihrer tiefsitzenden Politlethargie lösen können, bleibt abzuwarten.
Vielleicht müssen dazu aber noch wesentlich eklatantere Missstände öffentlich werden.
Möglich wäre es immerhin, denn in Bayern läuft vieles gründlich schief.

Immer mehr Drogentote!
Bayern schneidet im Ländervergleich am schlechtesten ab
Der Konsum synthetischer Modedrogen nimmt in Deutschland, aber auch vor allem in Bayern, weiter zu. Und das, obwohl die bayerische Staatsregierung schon vor Monaten dem Drogenschmuggel im bayerisch-tschechischen Grenzland den Kampf angesagt hat. Vor allem der Stoff Crystal Meth, der überwiegend in tschechischen Drogenlaboren hergestellt wird, hat den Freistaat „regelrecht überschwemmt“, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bereits im Januar erklärt hatte. Aber auch harte Drogen werden weiterhin konsumiert – und das zum Teil mit drastischen Folgen. Viele Abhängige überlebten das nicht. Im Ländervergleich gab es im vergangenen Jahr die meisten Drogentoten in Bayern (230). Der Freistaat lag damit noch vor dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (198 Drogentote).
Bei den Großstädten verzeichnete besonders Nürnberg einen drastischen Anstieg auf 30 Drogentote im vergangenen Jahr (2012 waren es noch 13 Tote). Damit hatte die fränkische Metropole mit 6,1 Drogentoten auf 100000 Einwohner prozentual deutlich mehr Drogenopfer als andere Großstädte. [….]
(SZ vom 19.04.2014)

Freitag, 18. April 2014

Prä-Österliches




Da ich aus unerfindlichen Gründen in letzter Zeit immer mal wieder Persönliches einfließen lasse, beschreibe ich kurz die beiden Ostertraditionen, die es in meiner Familie gibt.
Traditionen, die zugegebenermaßen ohne viel Aufwand zu betreiben sind, aber dennoch immer stattfinden.
Der beste Freund meiner Eltern in New York, Jack, war ein (jüdischer) Drehbuchautor. Er hatte noch die KZ-Nummer auf dem Unterarm tätowiert und entstammte einer dieser klassischen Bildungsbürgerfamilien.
 Meine Mutter sagte immer, sie habe nie wieder einen so umfassend belesenen Intellektuellen getroffen.
Jack wohnte direkt nebenan und pflegte am Karfreitag jedem grinsend zu sagen

 „Today is the day we killed the Jew!“

Das ist Tradition 1.
 Jeder in meiner Familie sagt in Gedenken an Jack einmal am Karfreitag diesen Spruch auf.
Tradition 2 geht ebenfalls auf Jack zurück. Ostersonntag pflegte er bei meinen Eltern aufzutauchen, breitete die Arme aus, legte den Kopf zur Seite (imitierte also einen Gekreuzigten) und sagte mit verwundertem Tonfall

„What a way to spend Easter!“

Auch dieser Satz wird jeden Ostersonntag einmal nachgestellt.

Wie die Hysterie der Religioten auf die Forderung nach Abschaffung des generellen Karfreitagstanzverbotes zeigt, vertragen sich Humor und menschliche Freiheiten nicht mit dem vernagelten Weltbild der strengen  Christen/Juden/Moslems.

Wenn sich protestantische deutsche Christen wie die erbärmliche Margot Käßmann als Botschafterin der größten Antisemiten vor den Nazis, nämlich Martin Luther, aber moralinsauer über ihre bizarren Karfreitagsrituale allen und damit der nichtkonfessionellen Mehrheit in Deutschland aufzwingen will, wird es widerlich.


Die 55-Jährige ruft die Menschen zu mehr Besinnlichkeit auf. In Zeiten einer Karnevalisierung der Gesellschaft müsse alles Spaß machen, "sonst ist es nichts wert", kritisiert Käßmann. Ihr persönlich sei der Karfreitag bedeutender als Ostern: "Mir ist wichtig, in den Blick zu nehmen, dass auch meine Zeit begrenzt ist. Das Leben ist nicht leidfrei zu haben." [….]  Die Protestantin verteidigt in dem Gespräch zudem das Tanzverbot am Karfreitag: "Was macht es so schlimm, einen Tag nicht zu tanzen?", fragt sie. Es tue der Gesellschaft gut, auch mal zur Ruhe zu kommen.

Statt wieder einmal Humanisten, Säkularen und Atheisten ihr krudes Weltbild aufzuzwingen, sollte sie sich mit moralischen Bewertungen zurückhalten, solange sie den Antisemitismus Luthers, die Förderung der Nazis und das Prügeln/Misshandeln Hunderttausender Heimkinder in Christlichen Heimen nicht aufarbeitet und scharf verurteilt.


Eine Organisation, die so eine gigantische kriminelle Vergangenheit mit sich schleppt, wie die für die Käßmann arbeitet, sollte in der Öffentlichkeit ein Schweigejahrhundert einlegen!


Die evangelische Kirche im Norden will ihre NS-Vergangenheit aufarbeiten und beauftragte dazu einen Wissenschaftler. Dessen Recherchen ergaben ein verheerendes Bild.
[….]  Im Zuge seiner Recherchen für das rund 350-seitige Werk ist der Autor Stephan Linck zudem auf eine enge Zusammenarbeit zwischen hohen Kirchenfunktionären und dem Verfassungsschutz gestoßen.
Bei seinen Forschungen über die Geschichte der Landeskirchen in Nordelbien in der Zeit zwischen 1945 bis 1965 befasste sich Linck mit der Frage, inwieweit in das NS-Regime eingebundene Kirchenleute auch nach 1945 in der Kirche aktiv waren. Der Kieler Historiker spürte diverse Beispiele für fortwährenden Antisemitismus, personelle Verstrickungen mit dem Ungeist des Dritten Reiches und Spitzeldienste auf. Überwachung, Misstrauen, politische Vorgaben sowie Vorurteile gehörten demnach während des Kalten Krieges zum Innenleben des Kirchenapparates.
Eine konsequente Entnazifizierung von Kirchenvertretern gab es laut Linck nur für eine kurze Zeit. Der Autor stellt mit Verweis auf erst 2012 aufgetauchte Quellen fest: »Fast alle schwer belasteten Pastoren waren ab 1950/51 wieder im Dienst.« In seinem Werk nennt er einige exemplarische Fälle. Hans Joachim Beyer ist solch einer. Er war einer der Vertrauten von Reinhard Heydrich, dem Gründer des Nachrichtendienstes der SS. Im Jahr 1947 wurde Beyer Leiter der landeskirchlichen Pressestelle - Nachrichten und Denunziation blieben sein Geschäft, indem er beispielsweise belastendes Material über Journalisten und Chefredakteure sammelte, um dann in deren Zeitungen kirchliche Texte zu platzieren.
[….] Der Nationalprotestantismus, der dem Nationalsozialismus in vielem den Weg bereitet hatte, konnte sich nach 1945 wieder durchsetzen und Wirkungsmacht erzielen, stellt der Bischof [Ulrich] fest. [….]



Donnerstag, 17. April 2014

Braune Schwarze


Mit großer Faszination verfolge ich die vielen Publikationen anlässlich des 100. Jahrestages des ersten Weltkriegsbeginns.
Meine Oma, die noch aus der Generation stammt, die beide Weltkriege als Erwachsene miterlebt hat, erzählte mir immer eine Menge aus der Kriegszeit, so daß ich schon als ganz kleiner Junge eine Vorstellung vom Alltag der Zivilbevölkerung hatte. Zunächst fiel es mir aber schwer WKI und WKII auseinander zu halten, weil das für mich Steppke beides furchtbar lange zurück zu liegen schien. WKII und Holocaust waren auch ein Leib- und Magenthema meiner Mutter, so daß ich auch darüber früh viel wußte. Es gab immer Diskussionen darüber, weil meine Oma und meine Tante meiner Mutter vorwarfen mich viel zu früh damit zu konfrontieren. Für so etwas sei ich noch viel zu klein. Das war aber womöglich aus ihrer Sicht kontraproduktiv, denn ich bekam natürlich mit, daß sie mich von bestimmten Themen fernhalten wollten und entwickelte ein umso stärkeres Interesse daran.
Ich erinnere mich noch, daß ich später, im Geschichtsunterricht in der Schule froh war, als „der Erste Weltkrieg an die Reihe“ kam, weil ich endlich wissen wollte, wieso der eigentlich losgegangen war und wieso sich damals schon die Nationen so antagonistisch gegenüber standen.
Daß hundert Jahre nach Ausbruch des Krieges die Alleinschuldthese Deutschlands immer noch umstritten ist, zeigt wie kompliziert die Gemengelage tatsächlich war.
Schon als Schuljunge fiel mir etwas Merkwürdiges auf: Die beteiligten Nationen hatten im Jahr 1914 gar keine systemischen Unterschiede. Es standen keine politischen Ideologien gegeneinander. Es waren alles Monarchien, deren Monarchen auch noch weitgehend verwandt waren. Allein die Hälfte der kriegsgeilen Könige waren Enkel der berühmten englischen Queen Victoria. Kaiser Wilhelm war sogar englischsprachig aufgewachsen und der erklärte Lieblingsenkel der Queen. Er war ein Cousin des Englischen Königs Georg V.
Zar Nikolaus II Ehefrau, Prinzessin von Hessen war ebenfalls eine Enkelin Queen Victorias und väterlicherseits stammte er von preußischen und hessischen Prinzessinnen ab.
Warum mußte sich denn eine Familie, deren Mitglieder grundsätzlich alle die gleiche Staatsform praktizierten dermaßen zerstreiten, daß sie Millionen ihrer Bürger dafür in grausamen Schlachten hinmetzeln ließen? Und die Bürger waren auch noch so doof, daß sie mit großer Begeisterung in den Krieg zogen, sich massenhaft freiwillig meldeten.
So grausam, daß sogar der später im Sissi-Kitsch verklärte Österreichische Kaiser Giftgas einsetzen ließ. Eine Waffe mit so entsetzlichen Folgen, daß sogar Hitler davor zurück schreckte.
Der berühmte K.u.K.-Schriftsteller Stefan Zweig, der aus einer europäisch vernetzten Intellektuellen-Familie stammte, war einer der ganz wenigen, die die Sinnlosigkeit des Krieges von Anfang an anprangerten. Er mußte dann entsetzt zusehen, wie seine Freunde in aller Welt auf einmal anfingen sich gegeneinander zu stellen, weil sie von Nationalismus und Kriegslust erfasst wurden. Zweig war aber ein sehr einsamer Rufer.

Als Kind versteht man also nicht so leicht, wieso es zu dem großen Krieg kam.

Beim Zweiten Weltkrieg ist die Gemengelage eine völlig andere.
Sicher, die Folgen des WK-I spielten eine große Rolle, aber die Schuldfrage ist völlig unstreitig. Es war ein Krieg zwischen faschistischen Größenwahnideologien, die gepaart mit Rassenhass gegen die weniger diktatorische parlamentarische Monarchien und echte Demokratien zu Felde zogen.
Es gab auch tatsächlich den einen Mann, der als Jahrtausendverbrecher der zentrale Aggressor war – nämlich Adolf Hitler. Ohne Hitler kein zweiter Weltkrieg; darauf können sich die meisten Historiker einigen.
Auch wenn sich Gauck und Merkel neuerdings wieder weigern klar auszusprechen, daß es Deutschland war, das die Welt mit Krieg und Terror überzog, ändert das nichts an den Tatsachen.
Allein in Leningrad/St.Petersburg haben die Deutschen ein bis zwei Millionen Russen ermordet.
Heute reist Merkel nach St Petersburg, spricht dieses Ereignis mit keinem Wort an, besucht kein Mahnmal, legt keinen Kranz nieder und quakt dann rum, Deutschland wolle endlich seine „Raubkunst“ zurück. Einfach nur erbärmlich.
Da können die deutschen Konservativen verdrängen und verschweigen so viel sie wollen – es bleibt eine geschichtliche Tatsache, daß es die Sowjetische Rote Armee war, die sowohl Auschwitz befreite, als auch Berlin endlich von Hitler befreite.
Der Blutzoll, um einmal dieses widerliche Bellizistenwort zu verwenden, ist vermutlich in der Geschichte der Menschheit einmalig.
Zwischen 25 und 28 Millionen Russen wurden von Deutschen im Zweiten Weltkrieg getötet.
Dabei konnten die Soldaten, die einfach erschossen wurden noch fast von Glück reden; die meisten deutschen Opfer wurden grausig gequält. Die Wehrmacht ließ allein drei Millionen russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft verhungern.
Das große entsetzliche Sterben in St. Petersburg dauerte zwei Jahre.
Es wird immer vergessen:
In den letzten Jahrhunderten wurde Russland immer wieder aus dem Westen angegriffen und mußte Millionen Menschenleben opfern, weil sich westeuropäische Aggressoren tausende Kilometer nach Osten fraßen. Napoleon, WK-I, WK-II.
Es war niemals Russland, das Feldzüge nach Westen angezettelt hätte.
Für mich ist es da nur zu verständlich, daß Putin, dessen eigener Bruder noch während der deutschen Belagerung Leningrads verreckte, ein wenig verstimmt reagiert, wenn ihn deutsche Regierungspolitiker als Kriegstreiber beschimpfen.

Finanzminister Schäuble vergleicht Putin gar selbst mit Hitler. Schlimmer geht nimmer.

Schäuble ist aber offenbar zu blöd, um zu begreifen was er angerichtet hat.
Daher noch einmal zum Mitschreiben die Analyse eines Historikers:

(….)  Wladimir Putin stammt aus Leningrad, der Stadt, die Hitler von 1941 bis 1944 totzuhungern versuchte. Eine Million Bewohner fielen dem zum Opfer. Anlässlich des 70. Jahrestages des Endes der Blockade am 27. Januar 2014 hat der 95-jährige russische Kriegsveteran und Schriftsteller Daniil Granin im Deutschen Bundestag die Erfahrung der Blockade eindrucksvoll beschrieben. Wie Granin hat auch Putins Vater an der Leningrader Front gekämpft. Seine Mutter war eine „Blokadniza“. Sie hat in Leningrad überlebt, nicht aber ihr kleiner Sohn Viktor, Putins großer Bruder, den er nie gesehen hat. Er starb als Kleinkind 1942 an Diphtherie und ist zusammen mit einer halben Million anderer Blockade-Opfer auf dem Piskarjowskoje-Friedhof beerdigt. Auch für eingefleischte Putin-Nichtversteher sollte nachvollziehbar sein, dass der Hitler-Vergleich unter diesen Voraussetzungen besonders kränkend ist. [….]
(Prof Jürgen Zarusky via SZ vom 05.04.2014)

Das alles weiß Schäuble entweder nicht, oder hat es nicht bedacht.
Echt blöd.

Natürlich kann und soll man Russland kritisieren dürfen, aber Deutsche sollten dabei bitte auf ihre Wortwahl achten. Wenn sie zu NS- oder gar Hitler-Vergleichen greifen, muß Merkel sie feuern.
Aber Mutter Blamage ist nicht zu moralischer Anständigkeit fähig.

Mann, der Ukraine-Krise objektiv betrachtet, gleichzeitig Putin-Versteher und NATO-Kriegstreiber
Bremen (dpo) - Freunde und Bekannte wenden sich bereits von ihm ab: Denn Armin W. aus Bremen versucht ernsthaft, den derzeitigen Konflikt in der Ukraine differenziert zu betrachten und weigert sich angesichts der komplexen Lage, einen klaren Schuldigen zu benennen. Dieser offensichtlich geisteskranken Einstellung hat es der 34-Jährige zu verdanken, nun von allen Seiten gleichzeitig als Putin-Versteher und NATO-Kriegstreiber der schlimmsten Sorte beschimpft zu werden.[…]

Ekelhaft braun-revanchistisch verhält sich aber keineswegs allein Schäuble. Merkels Partei hat noch mehr von diesem post-nationalsozialistischen Tiefausläufern zu bieten.

Seit an Seit mit Springers immer wieder xenophob titelnden BLÖD-Zeitung fordert beispielsweise die Vertriebenen-Ikone, CDU-Größe, Schwulenhasserin und Geschichts-Klitterin Erika Steinbach ein Sowjetisches Ehrenmal in Berlin zu schleifen.

Unterschriften-Aktion gegen martialische Kriegssymbole
Wir wollen keine  Russen-Panzer mehr am Brandenburger Tor!
Mit der Bundestags-Petition von BILD sollen martialische Kriegs-Symbole am Ehrenmal in Berlin verschwinden
(Blöd-Online-Petition 15.04.14)

Historische Fakten will sie a posteriori ihrem braunen Weltbild anpassen.
Als ob es die Russen gewesen wären, die den Krieg angefangen hätten.
Der ganze Springer-Konzern von Kanzlerin-Intima Liz Mohn steckt dahinter – auch die B.Z. trägt diese schändliche Aktion mit.

Eine revisionistische Aktion, die gar nicht durchführbar ist.

Der Brief fordert den Bundestag nämlich zu einem Verstoß gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag auf. Im Gemeinsamen Brief des Bundesministers des Auswärtigen und des Amtierenden Außenministers der DDR, Hans-Dietrich Genscher und Lothar de Maizière vom 12. September 1990 an die vier alliierten Vertragspartner heißt es in Absatz 2:  "Die auf deutschem Boden errichteten Denkmäler, die den Opfern des Krieges und der Gewaltherrschaft gewidmet sind, werden geachtet und stehen unter dem Schutz deutscher Gesetze. Das Gleiche gilt für die Kriegsgräber, sie werden erhalten und gepflegt."
Der Brief ist im Zusammenhang mit dem Vertragstext selbst, den er begleitet, völkerrechtlich verbindlich. Die beiden Panzer sind Bestandteile des russischen Ehrenmals an der Straße des 17. Juni. 

Aber was kümmert Steinbach schon das Recht?

 „Ich habe mich immer schon sehr über die beiden Panzer in der Nähe des Brandenburger Tors geärgert. Es spricht kein Friedenswille daraus. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Zeichen eines grausamen Krieges zu beseitigen.“
(Erika Steinbach, 70, CDU)

Die Regierungspartei SPD verschläft, wie immer, die rechtsextremen Ausrutscher ihrer GroKo-Partner.
Nur ganz kleine Periodika melden sich.

Noch immer jault keine Stalinorgel an der Oder, der Russe läßt auf sich warten. Nervosität macht sich breit in Springers Bonker. Wie nur den kriegsmüden Deutschen endlich Feuer unter dem Arsch machen? Die Lösung: den Feind im eigenen Land suchen und vernichten. Seit zwei Tagen läuft nun schon die von Bild und B.Z. angestoßene Bundestagspetition »Weg mit den Russen-Panzern!« gegen das sowjetische Ehrenmal am Brandenburger Tor.

Von Grünen oder SPD oder gar Piraten gibt es dazu keine Wortmeldungen.
Ich schließe mich aber Jan Korte (MdB DIE LINKE) an.

"Die von den Berliner Springermedien angeschobene geschichtsrevisionistische Kampagne ist unerträglich. Dem Raub- und Vernichtungskrieg des deutschen Faschismus fielen zwischen 1941 und 1945 alleine 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer. Wer die sowjetischen Ehrenmale, die ein Zeugnis der großen Opfer gerade der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus sind, zu einem Zeichen militärischer Bedrohung durch Russland umdeuten will, der befindet sich gedanklich und emotional noch in den Fünfzigern, wo fast ausschließlich die Täter den Ton angaben. Die Bundeskanzlerin täte gut daran, den rechten Rand ihrer Partei in die Schranken zu weisen. Wer mit antirussischer Stimmungsmache auf Stimmenfang gehen will, der zündelt gewaltig und begibt sich in mehr als trübes Fahrwasser", erklärt Jan Korte, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. Er fährt fort:
"Die Bundesrepublik ist durch die 2+4-Verträge im Zuge der Wiedervereinigung zum dauerhaften Erhalt der in Berlin befindlichen sowjetischen Ehrenmale verpflichtet. Wer dafür plädiert, sich diesen Verpflichtungen gegenüber Russland zu entziehen, schürt neues Misstrauen und leugnet die Verantwortung Deutschlands für die Verbrechen des 2. Weltkriegs.
Die Kampagne von wenigen Medien und Teilen der Unionsfraktion offenbart erneut, wie tief die Protagonisten noch im Kalten Krieg verhaftet sind. Offenkundig soll damit einerseits der extreme Rand der Berliner CDU im laufenden Wahlkampf mobilisiert und andererseits ein abermaliger Versuch der Geschichtsumschreibung gemacht werden. Letztere scheint den CDU-Rechtsaußen um Erika Steinbach und die West-Berliner CDU nicht auszureichen, da das Kalte-Kriegs-Säbelrasseln in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt.
Es überrascht nicht, dass gerade Frau Steinbach sich an die Spitze der Kampagne gegen die Panzer der Roten Armee am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten stellt. Seit Jahren fällt sie regelmäßig mit geschichtsrevisionistischen Thesen und Forderungen auf. Schlimm nur, dass sie damit in der Großen Koalition offensichtlich nicht mal bei der SPD auf grundlegenden Widerstand und Empörung stößt. Mit dem Gedenktag zur Erinnerung an Flucht und Vertreibung und dem parallel entstehenden Museum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Erinnerung findet unter Schwarz-Rot genau der geschichtspolitische Paradigmenwechsel statt, vor dem viele Historiker und NS-Opferverbände warnen."

Man kann gar nicht so viel fressen…..