Freitag, 18. April 2014

Prä-Österliches




Da ich aus unerfindlichen Gründen in letzter Zeit immer mal wieder Persönliches einfließen lasse, beschreibe ich kurz die beiden Ostertraditionen, die es in meiner Familie gibt.
Traditionen, die zugegebenermaßen ohne viel Aufwand zu betreiben sind, aber dennoch immer stattfinden.
Der beste Freund meiner Eltern in New York, Jack, war ein (jüdischer) Drehbuchautor. Er hatte noch die KZ-Nummer auf dem Unterarm tätowiert und entstammte einer dieser klassischen Bildungsbürgerfamilien.
 Meine Mutter sagte immer, sie habe nie wieder einen so umfassend belesenen Intellektuellen getroffen.
Jack wohnte direkt nebenan und pflegte am Karfreitag jedem grinsend zu sagen

 „Today is the day we killed the Jew!“

Das ist Tradition 1.
 Jeder in meiner Familie sagt in Gedenken an Jack einmal am Karfreitag diesen Spruch auf.
Tradition 2 geht ebenfalls auf Jack zurück. Ostersonntag pflegte er bei meinen Eltern aufzutauchen, breitete die Arme aus, legte den Kopf zur Seite (imitierte also einen Gekreuzigten) und sagte mit verwundertem Tonfall

„What a way to spend Easter!“

Auch dieser Satz wird jeden Ostersonntag einmal nachgestellt.

Wie die Hysterie der Religioten auf die Forderung nach Abschaffung des generellen Karfreitagstanzverbotes zeigt, vertragen sich Humor und menschliche Freiheiten nicht mit dem vernagelten Weltbild der strengen  Christen/Juden/Moslems.

Wenn sich protestantische deutsche Christen wie die erbärmliche Margot Käßmann als Botschafterin der größten Antisemiten vor den Nazis, nämlich Martin Luther, aber moralinsauer über ihre bizarren Karfreitagsrituale allen und damit der nichtkonfessionellen Mehrheit in Deutschland aufzwingen will, wird es widerlich.


Die 55-Jährige ruft die Menschen zu mehr Besinnlichkeit auf. In Zeiten einer Karnevalisierung der Gesellschaft müsse alles Spaß machen, "sonst ist es nichts wert", kritisiert Käßmann. Ihr persönlich sei der Karfreitag bedeutender als Ostern: "Mir ist wichtig, in den Blick zu nehmen, dass auch meine Zeit begrenzt ist. Das Leben ist nicht leidfrei zu haben." [….]  Die Protestantin verteidigt in dem Gespräch zudem das Tanzverbot am Karfreitag: "Was macht es so schlimm, einen Tag nicht zu tanzen?", fragt sie. Es tue der Gesellschaft gut, auch mal zur Ruhe zu kommen.

Statt wieder einmal Humanisten, Säkularen und Atheisten ihr krudes Weltbild aufzuzwingen, sollte sie sich mit moralischen Bewertungen zurückhalten, solange sie den Antisemitismus Luthers, die Förderung der Nazis und das Prügeln/Misshandeln Hunderttausender Heimkinder in Christlichen Heimen nicht aufarbeitet und scharf verurteilt.


Eine Organisation, die so eine gigantische kriminelle Vergangenheit mit sich schleppt, wie die für die Käßmann arbeitet, sollte in der Öffentlichkeit ein Schweigejahrhundert einlegen!


Die evangelische Kirche im Norden will ihre NS-Vergangenheit aufarbeiten und beauftragte dazu einen Wissenschaftler. Dessen Recherchen ergaben ein verheerendes Bild.
[….]  Im Zuge seiner Recherchen für das rund 350-seitige Werk ist der Autor Stephan Linck zudem auf eine enge Zusammenarbeit zwischen hohen Kirchenfunktionären und dem Verfassungsschutz gestoßen.
Bei seinen Forschungen über die Geschichte der Landeskirchen in Nordelbien in der Zeit zwischen 1945 bis 1965 befasste sich Linck mit der Frage, inwieweit in das NS-Regime eingebundene Kirchenleute auch nach 1945 in der Kirche aktiv waren. Der Kieler Historiker spürte diverse Beispiele für fortwährenden Antisemitismus, personelle Verstrickungen mit dem Ungeist des Dritten Reiches und Spitzeldienste auf. Überwachung, Misstrauen, politische Vorgaben sowie Vorurteile gehörten demnach während des Kalten Krieges zum Innenleben des Kirchenapparates.
Eine konsequente Entnazifizierung von Kirchenvertretern gab es laut Linck nur für eine kurze Zeit. Der Autor stellt mit Verweis auf erst 2012 aufgetauchte Quellen fest: »Fast alle schwer belasteten Pastoren waren ab 1950/51 wieder im Dienst.« In seinem Werk nennt er einige exemplarische Fälle. Hans Joachim Beyer ist solch einer. Er war einer der Vertrauten von Reinhard Heydrich, dem Gründer des Nachrichtendienstes der SS. Im Jahr 1947 wurde Beyer Leiter der landeskirchlichen Pressestelle - Nachrichten und Denunziation blieben sein Geschäft, indem er beispielsweise belastendes Material über Journalisten und Chefredakteure sammelte, um dann in deren Zeitungen kirchliche Texte zu platzieren.
[….] Der Nationalprotestantismus, der dem Nationalsozialismus in vielem den Weg bereitet hatte, konnte sich nach 1945 wieder durchsetzen und Wirkungsmacht erzielen, stellt der Bischof [Ulrich] fest. [….]



Donnerstag, 17. April 2014

Braune Schwarze


Mit großer Faszination verfolge ich die vielen Publikationen anlässlich des 100. Jahrestages des ersten Weltkriegsbeginns.
Meine Oma, die noch aus der Generation stammt, die beide Weltkriege als Erwachsene miterlebt hat, erzählte mir immer eine Menge aus der Kriegszeit, so daß ich schon als ganz kleiner Junge eine Vorstellung vom Alltag der Zivilbevölkerung hatte. Zunächst fiel es mir aber schwer WKI und WKII auseinander zu halten, weil das für mich Steppke beides furchtbar lange zurück zu liegen schien. WKII und Holocaust waren auch ein Leib- und Magenthema meiner Mutter, so daß ich auch darüber früh viel wußte. Es gab immer Diskussionen darüber, weil meine Oma und meine Tante meiner Mutter vorwarfen mich viel zu früh damit zu konfrontieren. Für so etwas sei ich noch viel zu klein. Das war aber womöglich aus ihrer Sicht kontraproduktiv, denn ich bekam natürlich mit, daß sie mich von bestimmten Themen fernhalten wollten und entwickelte ein umso stärkeres Interesse daran.
Ich erinnere mich noch, daß ich später, im Geschichtsunterricht in der Schule froh war, als „der Erste Weltkrieg an die Reihe“ kam, weil ich endlich wissen wollte, wieso der eigentlich losgegangen war und wieso sich damals schon die Nationen so antagonistisch gegenüber standen.
Daß hundert Jahre nach Ausbruch des Krieges die Alleinschuldthese Deutschlands immer noch umstritten ist, zeigt wie kompliziert die Gemengelage tatsächlich war.
Schon als Schuljunge fiel mir etwas Merkwürdiges auf: Die beteiligten Nationen hatten im Jahr 1914 gar keine systemischen Unterschiede. Es standen keine politischen Ideologien gegeneinander. Es waren alles Monarchien, deren Monarchen auch noch weitgehend verwandt waren. Allein die Hälfte der kriegsgeilen Könige waren Enkel der berühmten englischen Queen Victoria. Kaiser Wilhelm war sogar englischsprachig aufgewachsen und der erklärte Lieblingsenkel der Queen. Er war ein Cousin des Englischen Königs Georg V.
Zar Nikolaus II Ehefrau, Prinzessin von Hessen war ebenfalls eine Enkelin Queen Victorias und väterlicherseits stammte er von preußischen und hessischen Prinzessinnen ab.
Warum mußte sich denn eine Familie, deren Mitglieder grundsätzlich alle die gleiche Staatsform praktizierten dermaßen zerstreiten, daß sie Millionen ihrer Bürger dafür in grausamen Schlachten hinmetzeln ließen? Und die Bürger waren auch noch so doof, daß sie mit großer Begeisterung in den Krieg zogen, sich massenhaft freiwillig meldeten.
So grausam, daß sogar der später im Sissi-Kitsch verklärte Österreichische Kaiser Giftgas einsetzen ließ. Eine Waffe mit so entsetzlichen Folgen, daß sogar Hitler davor zurück schreckte.
Der berühmte K.u.K.-Schriftsteller Stefan Zweig, der aus einer europäisch vernetzten Intellektuellen-Familie stammte, war einer der ganz wenigen, die die Sinnlosigkeit des Krieges von Anfang an anprangerten. Er mußte dann entsetzt zusehen, wie seine Freunde in aller Welt auf einmal anfingen sich gegeneinander zu stellen, weil sie von Nationalismus und Kriegslust erfasst wurden. Zweig war aber ein sehr einsamer Rufer.

Als Kind versteht man also nicht so leicht, wieso es zu dem großen Krieg kam.

Beim Zweiten Weltkrieg ist die Gemengelage eine völlig andere.
Sicher, die Folgen des WK-I spielten eine große Rolle, aber die Schuldfrage ist völlig unstreitig. Es war ein Krieg zwischen faschistischen Größenwahnideologien, die gepaart mit Rassenhass gegen die weniger diktatorische parlamentarische Monarchien und echte Demokratien zu Felde zogen.
Es gab auch tatsächlich den einen Mann, der als Jahrtausendverbrecher der zentrale Aggressor war – nämlich Adolf Hitler. Ohne Hitler kein zweiter Weltkrieg; darauf können sich die meisten Historiker einigen.
Auch wenn sich Gauck und Merkel neuerdings wieder weigern klar auszusprechen, daß es Deutschland war, das die Welt mit Krieg und Terror überzog, ändert das nichts an den Tatsachen.
Allein in Leningrad/St.Petersburg haben die Deutschen ein bis zwei Millionen Russen ermordet.
Heute reist Merkel nach St Petersburg, spricht dieses Ereignis mit keinem Wort an, besucht kein Mahnmal, legt keinen Kranz nieder und quakt dann rum, Deutschland wolle endlich seine „Raubkunst“ zurück. Einfach nur erbärmlich.
Da können die deutschen Konservativen verdrängen und verschweigen so viel sie wollen – es bleibt eine geschichtliche Tatsache, daß es die Sowjetische Rote Armee war, die sowohl Auschwitz befreite, als auch Berlin endlich von Hitler befreite.
Der Blutzoll, um einmal dieses widerliche Bellizistenwort zu verwenden, ist vermutlich in der Geschichte der Menschheit einmalig.
Zwischen 25 und 28 Millionen Russen wurden von Deutschen im Zweiten Weltkrieg getötet.
Dabei konnten die Soldaten, die einfach erschossen wurden noch fast von Glück reden; die meisten deutschen Opfer wurden grausig gequält. Die Wehrmacht ließ allein drei Millionen russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft verhungern.
Das große entsetzliche Sterben in St. Petersburg dauerte zwei Jahre.
Es wird immer vergessen:
In den letzten Jahrhunderten wurde Russland immer wieder aus dem Westen angegriffen und mußte Millionen Menschenleben opfern, weil sich westeuropäische Aggressoren tausende Kilometer nach Osten fraßen. Napoleon, WK-I, WK-II.
Es war niemals Russland, das Feldzüge nach Westen angezettelt hätte.
Für mich ist es da nur zu verständlich, daß Putin, dessen eigener Bruder noch während der deutschen Belagerung Leningrads verreckte, ein wenig verstimmt reagiert, wenn ihn deutsche Regierungspolitiker als Kriegstreiber beschimpfen.

Finanzminister Schäuble vergleicht Putin gar selbst mit Hitler. Schlimmer geht nimmer.

Schäuble ist aber offenbar zu blöd, um zu begreifen was er angerichtet hat.
Daher noch einmal zum Mitschreiben die Analyse eines Historikers:

(….)  Wladimir Putin stammt aus Leningrad, der Stadt, die Hitler von 1941 bis 1944 totzuhungern versuchte. Eine Million Bewohner fielen dem zum Opfer. Anlässlich des 70. Jahrestages des Endes der Blockade am 27. Januar 2014 hat der 95-jährige russische Kriegsveteran und Schriftsteller Daniil Granin im Deutschen Bundestag die Erfahrung der Blockade eindrucksvoll beschrieben. Wie Granin hat auch Putins Vater an der Leningrader Front gekämpft. Seine Mutter war eine „Blokadniza“. Sie hat in Leningrad überlebt, nicht aber ihr kleiner Sohn Viktor, Putins großer Bruder, den er nie gesehen hat. Er starb als Kleinkind 1942 an Diphtherie und ist zusammen mit einer halben Million anderer Blockade-Opfer auf dem Piskarjowskoje-Friedhof beerdigt. Auch für eingefleischte Putin-Nichtversteher sollte nachvollziehbar sein, dass der Hitler-Vergleich unter diesen Voraussetzungen besonders kränkend ist. [….]
(Prof Jürgen Zarusky via SZ vom 05.04.2014)

Das alles weiß Schäuble entweder nicht, oder hat es nicht bedacht.
Echt blöd.

Natürlich kann und soll man Russland kritisieren dürfen, aber Deutsche sollten dabei bitte auf ihre Wortwahl achten. Wenn sie zu NS- oder gar Hitler-Vergleichen greifen, muß Merkel sie feuern.
Aber Mutter Blamage ist nicht zu moralischer Anständigkeit fähig.

Mann, der Ukraine-Krise objektiv betrachtet, gleichzeitig Putin-Versteher und NATO-Kriegstreiber
Bremen (dpo) - Freunde und Bekannte wenden sich bereits von ihm ab: Denn Armin W. aus Bremen versucht ernsthaft, den derzeitigen Konflikt in der Ukraine differenziert zu betrachten und weigert sich angesichts der komplexen Lage, einen klaren Schuldigen zu benennen. Dieser offensichtlich geisteskranken Einstellung hat es der 34-Jährige zu verdanken, nun von allen Seiten gleichzeitig als Putin-Versteher und NATO-Kriegstreiber der schlimmsten Sorte beschimpft zu werden.[…]

Ekelhaft braun-revanchistisch verhält sich aber keineswegs allein Schäuble. Merkels Partei hat noch mehr von diesem post-nationalsozialistischen Tiefausläufern zu bieten.

Seit an Seit mit Springers immer wieder xenophob titelnden BLÖD-Zeitung fordert beispielsweise die Vertriebenen-Ikone, CDU-Größe, Schwulenhasserin und Geschichts-Klitterin Erika Steinbach ein Sowjetisches Ehrenmal in Berlin zu schleifen.

Unterschriften-Aktion gegen martialische Kriegssymbole
Wir wollen keine  Russen-Panzer mehr am Brandenburger Tor!
Mit der Bundestags-Petition von BILD sollen martialische Kriegs-Symbole am Ehrenmal in Berlin verschwinden
(Blöd-Online-Petition 15.04.14)

Historische Fakten will sie a posteriori ihrem braunen Weltbild anpassen.
Als ob es die Russen gewesen wären, die den Krieg angefangen hätten.
Der ganze Springer-Konzern von Kanzlerin-Intima Liz Mohn steckt dahinter – auch die B.Z. trägt diese schändliche Aktion mit.

Eine revisionistische Aktion, die gar nicht durchführbar ist.

Der Brief fordert den Bundestag nämlich zu einem Verstoß gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag auf. Im Gemeinsamen Brief des Bundesministers des Auswärtigen und des Amtierenden Außenministers der DDR, Hans-Dietrich Genscher und Lothar de Maizière vom 12. September 1990 an die vier alliierten Vertragspartner heißt es in Absatz 2:  "Die auf deutschem Boden errichteten Denkmäler, die den Opfern des Krieges und der Gewaltherrschaft gewidmet sind, werden geachtet und stehen unter dem Schutz deutscher Gesetze. Das Gleiche gilt für die Kriegsgräber, sie werden erhalten und gepflegt."
Der Brief ist im Zusammenhang mit dem Vertragstext selbst, den er begleitet, völkerrechtlich verbindlich. Die beiden Panzer sind Bestandteile des russischen Ehrenmals an der Straße des 17. Juni. 

Aber was kümmert Steinbach schon das Recht?

 „Ich habe mich immer schon sehr über die beiden Panzer in der Nähe des Brandenburger Tors geärgert. Es spricht kein Friedenswille daraus. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Zeichen eines grausamen Krieges zu beseitigen.“
(Erika Steinbach, 70, CDU)

Die Regierungspartei SPD verschläft, wie immer, die rechtsextremen Ausrutscher ihrer GroKo-Partner.
Nur ganz kleine Periodika melden sich.

Noch immer jault keine Stalinorgel an der Oder, der Russe läßt auf sich warten. Nervosität macht sich breit in Springers Bonker. Wie nur den kriegsmüden Deutschen endlich Feuer unter dem Arsch machen? Die Lösung: den Feind im eigenen Land suchen und vernichten. Seit zwei Tagen läuft nun schon die von Bild und B.Z. angestoßene Bundestagspetition »Weg mit den Russen-Panzern!« gegen das sowjetische Ehrenmal am Brandenburger Tor.

Von Grünen oder SPD oder gar Piraten gibt es dazu keine Wortmeldungen.
Ich schließe mich aber Jan Korte (MdB DIE LINKE) an.

"Die von den Berliner Springermedien angeschobene geschichtsrevisionistische Kampagne ist unerträglich. Dem Raub- und Vernichtungskrieg des deutschen Faschismus fielen zwischen 1941 und 1945 alleine 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer. Wer die sowjetischen Ehrenmale, die ein Zeugnis der großen Opfer gerade der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus sind, zu einem Zeichen militärischer Bedrohung durch Russland umdeuten will, der befindet sich gedanklich und emotional noch in den Fünfzigern, wo fast ausschließlich die Täter den Ton angaben. Die Bundeskanzlerin täte gut daran, den rechten Rand ihrer Partei in die Schranken zu weisen. Wer mit antirussischer Stimmungsmache auf Stimmenfang gehen will, der zündelt gewaltig und begibt sich in mehr als trübes Fahrwasser", erklärt Jan Korte, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. Er fährt fort:
"Die Bundesrepublik ist durch die 2+4-Verträge im Zuge der Wiedervereinigung zum dauerhaften Erhalt der in Berlin befindlichen sowjetischen Ehrenmale verpflichtet. Wer dafür plädiert, sich diesen Verpflichtungen gegenüber Russland zu entziehen, schürt neues Misstrauen und leugnet die Verantwortung Deutschlands für die Verbrechen des 2. Weltkriegs.
Die Kampagne von wenigen Medien und Teilen der Unionsfraktion offenbart erneut, wie tief die Protagonisten noch im Kalten Krieg verhaftet sind. Offenkundig soll damit einerseits der extreme Rand der Berliner CDU im laufenden Wahlkampf mobilisiert und andererseits ein abermaliger Versuch der Geschichtsumschreibung gemacht werden. Letztere scheint den CDU-Rechtsaußen um Erika Steinbach und die West-Berliner CDU nicht auszureichen, da das Kalte-Kriegs-Säbelrasseln in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt.
Es überrascht nicht, dass gerade Frau Steinbach sich an die Spitze der Kampagne gegen die Panzer der Roten Armee am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten stellt. Seit Jahren fällt sie regelmäßig mit geschichtsrevisionistischen Thesen und Forderungen auf. Schlimm nur, dass sie damit in der Großen Koalition offensichtlich nicht mal bei der SPD auf grundlegenden Widerstand und Empörung stößt. Mit dem Gedenktag zur Erinnerung an Flucht und Vertreibung und dem parallel entstehenden Museum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Erinnerung findet unter Schwarz-Rot genau der geschichtspolitische Paradigmenwechsel statt, vor dem viele Historiker und NS-Opferverbände warnen."

Man kann gar nicht so viel fressen…..

Mittwoch, 16. April 2014

Wie Denis S. gequält wird.


Das Unerträgliche an Pfaffen ist nicht in erster Linie ihr Mitteilungsdrang und ihr Größenwahn für alles kompetent zu sein, sondern der Umstand, daß große Teile dieser Gesellschaft diese Rolle auch noch akzeptieren.
Kaum ein problematisches Thema einer Talkshow, bei dem nicht ein Priester, oder noch besser Ordensbruder, oder am allerbesten ein(e) Bischof/Bischöfin eingeladen ist.
Dafür, daß sich alle Geistlichen mit der Bibel auf ein Buch beziehen, welches, mit Verlaub, nicht allerneuesten Datums ist, kann man nur staunen wie viel theologisches Geschwafel jeden Tag publiziert wird.
Eine der intellektuell leichtesten Figuren ist in dieser Szene sicher die zu jedem Thema daher plappernde Margot Käßmann.

Ihre Mitteilungswut konterkariert notwendigerweise ihre geistige Schlichtheit.
 Ihre fortwährend erscheinenden Bücher (80 Stück bisher!) sind derart platt und inhaltsleer, daß professionelle Buchkritiker wie Denis Scheck vor echte Herausforderungen gestellt werden, wenn sie die neuesten Käßmannschen Plattitüden-Ansammlungen beschreiben müssen.


Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"

Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.

Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.


Neben den dauerpublizierenden Pfaffen gibt es eine ähnlich große Kohorte von durch und durch christlichen „Journalisten“, die von der Neutralität ihres Berufstandes noch nie etwas gehört haben und alles dafür tun ihre Kirchen zu lobpreisen.

Die Peter Hahnes, Paul Baddes, Andreas Englischs, Matthias Drobinskis und Peter Seewalds dieser Welt sind leider noch unerträglicher als die Pfaffen selbst und schreiben noch unermüdlicher.
Seewald, der sich formal noch „Journalist“ nennt, tut noch nicht einmal so, als ob es für ihn irgendeine berufliche Ethik gäbe, sondern biedert sich ungeniert bei dem rechtskonservativen Vatikanischen Klerus an und geißelt die Kritiker der Kurie.
Führt er ein sogenanntes „Interview“, so gibt er in Wahrheit seine Ratzinger-bejubelnden Statements ab und läßt den Gesprächspartner gar nicht erst zu Wort kommen.

Das ist einer der von mir immer wieder beklagten Presse-Missstände.
Alle Kirchenthemen werden von frommen Gläubigen behandelt.
Dafür hat Springer Badde und Englisch, der Tagesspiegel die unvermeidliche Claudia Keller, die ZEIT Frau Finger und die SZ eben Matthias Drobinski.
(Matthias Matussek vom SPIEGEL lasse ich in dieser Aufzählung mal außen vor, weil er erstens absolut nicht zurechnungsfähig ist und zweitens wenigstens nicht der einzige Kirchenfuzzi der Hamburger ist)
Man stelle sich vor über die CDU würden nur noch CDU-Mitglieder schreiben. Oder nur noch Soldaten über die Bundeswehr. 

Diese Kirchenhofberichterstatter ignorieren andere Ansichten und diskutieren nur mit ihresgleichen, indem sie sich beispielsweise für Sonderpublikationen wie „CREDO“ gegenseitig beweihräuchern.

Credo ist die Hardcore-Version.
 Purer Dunkelkatholizismus. Kathnet und die FSSPX dürften begeistert sein.
Die perfekte Masturbationsvorlage für jeden Tradi.
Da ist die Crème de la Crème der Zölibatsbefürworter und Homohasser versammelt.
Erhältlich auch online und als pdf zum Download.
Und in der Heftmitte gibt es dazu noch ein DREI-Seiten-Interview mit unserer christlichen Kanzlerin über ihren Glauben!
Was will man mehr?
Es gibt eigentlich gar keinen Grund auf einzelne Texte in diesem Blogposting einzugehen – die Autorenliste sagt schon alles:

    Editorial vom Papstbiographen Peter Seewald.

    Andreas Püttmann über die „Risiken der Entchristlichung Deutschlands“
    Kolumne von MATTHIAS MATUSSEK über das „katholische Abenteuer“
    Photoreportage über Prozessionen („Demonstrationen des Glaubens“)
    BIRGIT KELLE mit einem Plädoyer für ein Frauenbild als Mutter in der Familie.
    RALF SCHULER (von der BILD-Zeitung) über die „Diaspora Berlin“ (Schauder…)
    DR. ALEXANDER KISSLER über seine sechs katholischen Lieblingsbücher, darunter MARTIN MOSEBACHs „Westend“
    PETER SEEWALD über die Päpste Franzi, Ratzi und JP-II.
    Der „Jesus-Fakten-Check“ (vertrauenswürdige Zeugen, bestmögliche Aufzeichnungen!)
    MARTIN ZÖLLER (Vatikan-Mann des BR) über Fritz Gerlich.
    Vier Seiten Interview mit KARDINAL KURT KOCH.
    Portrait MARTIN DREYER (gründete 1992 die Jesus-Freaks)
    BISCHOF RUDOLF VODERHOLZERs Plädoyer für den Zölibat.
    PAUL BADDE über das „Heilige Anlitz von Manoppello“
    WALTER KARDINAL BRANDMÜLLER über „Gott und die Deutschen“.
    GABRIELE KUBY über „Genderismus in der Gesellschaft“
    ROBERT SPAEMANN erklärt „Was ist eigentlich Glaube!“.

 Auf der letzten Seite wird dann mal so richtig geprotzt mit all den Dingen, die sich die RKK unter den Nagel gerissen hat.

Englisch, Badde und Co sind genauso schlimm wie Käßmann. Sie geben auch keine Ruhe und überschwemmen die Buchmärkte mit Schund.

Die WELT-Gruppe hält sich mit Paul Badde und Andreas Englisch zwei so enthusiastische Papst-Verehrer, wie man sie selbst in der Papst-WG kaum noch einmal findet.
Englisch möchte man instinktiv als erstes zum Drogentest schicken, wenn man ihn in Talkshows vor Benedikt-Begeisterung übersprudeln sieht.

Da der Urnenpöbel saugt das fromme Faseln begierig auf und schickt solche Publikationen bereitwillig in die TopTen der Bestsellerlisten.
Und dann ist es wieder der arme Denis Scheck, der Moderator und Macher von Deutschlands bester Literatursendung „Druckfrisch“, der solche Bücher lesen und beschreiben muß.
Aber er tut das im Gegensatz zu so vielen Rezensenten mit vollen Hosen, immer kurz und knapp und zutreffend.

Andreas Englisch: "Franziskus – Zeichen der Hoffnung"
Wie schwer es ist zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt, lässt sich aus diesem sagenhaft zusammengestoppelten Machwerk des gläubigen Vatikan-Hofberichterstatters Andreas Englisch erkennen. "'Wisst ihr denn auch, warum kein Mensch einen Reporter braucht'", lässt er darin Papst Benedikt 16. einen ihn begleitenden Journalistentross fragen und auch sogleich die Antwort geben: "'Weil vor 2000 Jahren genau hier am Berg der Seligpreisungen ein Mann stand, der gesagt hat, Selig sind die Barmherzigen … Kein Reporter hat damals mitgeschrieben, und doch hat die Zeit dieses Wort nicht auslöschen können.' … Als er das sagte, dachte ich, er hat recht." Leider hat Andreas Englisch daraus die Konsequenz gezogen und hat von Reporter auf Apostel umgesattelt.