Mittwoch, 20. November 2019

Das Anthropozän.


Nach menschlichem Empfinden wechseln geochronologischen Epochen nicht allzu häufig, dabei sind sie schon die zweitkleinste Einheit in der Erdgeschichte.

    Äon  („Ewigkeit“)
        Ära  („Zeitalter“)
            Periode („sich wiederholender Abschnitt“)
                Epoche ( „Haltepunkt“)
                    Alter

Für Laien ist das verdammt kompliziert nach zu vollziehen; daher hier eine einfache Übersichtsgraphik; es gilt 4,6 Milliarden Jahre sinnvoll zu gliedern.


Derzeit befinden wir uns in der Ära des Känozoikums, der Periode des Neogens und am Ende der Epoche des Holozäns.
Es begann mit dem Ende der Eiszeit vor knapp 12.000 Jahren.
Davor setzte etwa 115.000 Jahre vor unserer Zeit das Jungpleistozän der letzten Warmzeit ein Ende und kühlte für 100.000 Jahre alles ab.


Noch nie wurde eine geochronologischen Epoche durch menschlichen Einfluss eingeläutet. Dies ist jetzt aber offensichtlich der Fall.
Seit etwa zwei Jahrhunderten betreibt der Mensch die Produktion von Treibhausgasen, verändert viel mehr als frühere Sedimentationsprozesse die Landschaft, übersäuert die Ozeane, vernichtet rasend schnell die natürliche Vegetation und erreicht durch Lebensraumvernichtung und Monokulturen ein drastisches Artensterben.

Das radikal destruktive Anthropozän hat das Holozän abgelöst und schreitet auf seinem Weg der generellen Vernichtung allen Lebens immer schneller voran.

[…..]  Der Ausdruck Anthropozän (zu altgriechisch ἄνθρωπος ánthropos, deutsch ‚Mensch‘ und καινός ‚neu‘) ist ein Vorschlag zur Benennung einer neuen geochronologischen Epoche: nämlich des Zeitalters, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist.
Der Begriff wurde 2000 vom niederländischen Chemiker und Atmosphärenforscher Paul Crutzen gemeinsam mit Eugene Stoermer ins Spiel gebracht: Die beiden Wissenschaftler wollen damit ausdrücken, dass die Menschheit zu einem geologischen Faktor geworden sei. 2002 präzisierte Crutzen in einem Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Nature den Begriff als eine „Geologie der Menschheit“. […..]  2008 fand die stratigraphische Kommission der Geological Society of London, der weltweit ältesten geowissenschaftlichen Vereinigung, überzeugende Argumente für die These, dass das als Holozän bezeichnete zwischeneiszeitliche Zeitalter mit stabilen Klimaverhältnissen an sein Ende gelangt und in einen stratigraphischen Abschnitt eingetreten sei, für den „in den letzten Millionen Jahren keine Entsprechung zu finden sei“. […..] 

In einem 200 Jahre währenden Kampf gegen die Umwelt, gegen Fauna und Flora, aber auch gegen sich selbst, scheint es Homo Sapiens endlich geschafft zu haben: Die Ausrottung der Zivilisation ist kaum noch aufzuhalten.
Insbesondere die Chemiker spielten eine unrühmliche Rolle.
Nach der Schaffung von chemischen Giftgasen als Waffen im ersten Weltkrieg, Plutonium für das Manhattan-Projekt, Zyklon B im zweiten Weltkrieg, Agent Orange im Vietnamkrieg, folgten Kunststoffe, Pestizide, Herbizide, Fungizide und immer mehr Toxine für den Planeten.

[…..] Nachdem er seinen Wissenschaftsgeist mobilisiert hat, um seine Feinde zu töten, hat der Mensch gelernt jegliches Leben zu töten. […..]

Die Erdzerstörung schreitet immer schneller voran.
Deutschland feiert gerade einen neuen Rekord im Plastikverbrauch pro Kopf, Donald Trump bekämpft alle Klimaschutzmaßnahmen, fördert Fracking, läßt Wälder abholzen, hebt Naturschutzrichtlinien auf setzt ganz auf Carbon-
intensive Industrien. 62 Millionen Amerikanern gefällt das.

Sein brasilianischer Klon Bolsonaro leistet ebenfalls ganze Arbeit. Innerhalb von gerade mal 12 Monaten ließ er Regenwald in der Größe Zyperns roden.
Dabei handelt es sich um den artenreichten Lebensraum der Welt, der auch noch als „Lunge der Erde“ wichtiger denn je für den Kampf gegen Kohlendioxid ist.

[…..] Forscher veröffentlichen erschreckende Zahlen: Seit Beginn des Industriezeitalters wurden über 1.400 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gepumpt. Die biologische Vielfalt ging rapide zurück, und Prognosen sprechen von 250 Millionen bis eine Milliarde Klimaflüchtlingen - hochgerechnet bis ins Jahr 2050. Bis 2100 werden auf knapp 40 Prozent der Erdoberfläche Bedingungen herrschen, mit denen kein lebender Organismus des blauen Planeten je konfrontiert wurde. [….]

Um die Depression und Verzweiflung zu vervollständigen sehe man sich bitte die hervorragende ARTE-Produktion „DIE ERDZERSTÖRER“ an.
Anschließend ist man garantiert Misanthrop und Antinatalist.

[….] Ich halte diese 99 Minuten dieser Dokumentation für die beste recherchierte inhaltliche Form der für jeden leicht verständlichen Bildungsinitiative für alle Europäer durch Aufklärung, die jemals gezeigt wurde. […..]  99 Minuten die weder ein Feindbild des Kapitalismus kreiert, noch in irgend einer Weise populistische, religiöse, weltanschauliche oder politische Dogmen vertritt.
Sie zeigt uns von einem neutralen Standpunkt, wie wir zum Beispiel auch in den Mitgliedsländern der Europäischen Union wurden und auf welchen Grundlagen wir uns zu den Staaten entwickelt haben die wir heute im Jahr 2019 geworden sind. […..] 

Faszinierenderweise geht die Menschheit dabei nicht einfach nur einen geraden Weg der Zerstörung, sondern schlägt gelegentlich auch sinnvolle, umweltschonende Richtungen ein. Nur um sich möglichst schnell angewidert abzuwenden und weiter kaputt zu machen.

So wurde vor etwa 100 Jahren weltweit der Individualverkehr bekämpft und verdammt. Die gesamte städtische Bevölkerung fuhr Omnibus. Es war ein Zeitalter des ÖPNV.
Dann aber rottete sich ein Syndikat um Ford und Rockefeller zusammen, das in den USA mit kriminellen Methoden systematisch kommunale Omnibusbetreiber aufkaufte und vernichtete. Der einzige Grund war Profitgier – sie wollten mehr Autos und Benzin verkaufen.

Während des zweiten Weltkriegs wurde so viel Treibstoff nach Europa geschickt, daß sich amerikanische Forscher notgedrungen Energieeinsparungen überlegten. Es wurden Solarpanele erfunden. Bis in die 1960er Jahren waren solarbetriebene Wasserkocher und Heizungen in den USA populär.
Bis sich abermals aus Gründen der Raffgier Energiekonzerne zusammenfanden, um diesen für sie gefährlichen Trend zu stoppen. Wer seine Geräte mit Solarzellen betrieb, verbrauchte nämlich keinen Strom.
Es wurde ein voller Erfolg – solarbetriebene Geräte wurden aus amerikanischen Haushalten verbannt, man stieg auf Stromfresser um.

Dienstag, 19. November 2019

Polit-ADHS


Da die AfD sich nie die Mühe machte ein seriöses Programm zu erarbeiten, kann sie inhaltlich zu keiner wichtigen Debatte in Deutschland beitragen.
Sie ist ein rein parasitärer Mitspieler, kann also weder dem Land, noch den Bürgern das geringste bißchen weiterhelfen.
Das braucht sie aber auch nicht, da sie vom Wesen her zutiefst destruktiv ist.
Es gibt keine konstruktive AfD-Politik. Sie richtet ausschließlich Schaden an, vergiftet das Klima, schürt Hass, schadet Wirtschaft, Umwelt und Gesundheit.
Sie gibt den potentiellen Rechtsterroristen den letzten Schubs, um aktiv zu werden: Etwas anzünden, etwas niederreißen, etwas mit Molotow-Cocktails zu bewerfen, Synagogen zu beschießen, Flüchtlingsunterkünfte zu stürmen, Obdachlose zu verprügeln, Dunkelhäutige zu jagen, Schwule „zu klatschen“, Medien zu bedrohen.

Mit der AfD auf den Ohren trauen die sich was.

[….] Die Polizei ermittelt gegen vier Männer, die versucht haben sollen, vier Flüchtlinge in Schöningen mit Schüssen aus einer Schreckschusswaffe anzugreifen. Verletzt wurde niemand, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die vier Verdächtigen im Alter von 52, 50, 34 und 29 Jahren befanden sich laut Polizei auf einem Balkon, von dem aus sie mit Leuchtmunition auf die Gruppe schossen. Unter den Opfern war auch ein fünfmonatiges Baby. [….]

Diese reine Destruktionsagenda könnte nicht funktionieren ohne die Multiplikatoren der Medienbranche.

Es reicht nicht aus ein planloser Depp zu sein, der Ausländer hasst und gewohnheitsmäßig bei allen Statements lügt, um Sendezeit in den Talkshows zu bekommen, sowie die Printjournalisten in Gang zu setzen.
Die Aufmerksamkeitsjunkies vom ganz rechten Rand haben allerdings außerordentlich effektive Methoden entwickelt, um immer wieder im Rampenlicht zu stehen.
Das läuft nach dem immer gleichen Muster:

Schritt 1:
Ein AfD-Horst poltert einen so rassistischen oder NS-affinen Spruch heraus, daß er die erste kleine Aufmerksamkeit erregt.
(Neben rechtsradikalen Sprüchen sind für Schritt 1 auch nonverbale Aktionen möglich. Alice Weidel beherrscht das besonders gut: Aus Talkshows rennen, den Bundestag verlassen, beleidigt aufstampfen, etc)

Schritt 2:
Es wird bestritten gesagt zu haben, was man gesagt hat, andere AfDler springen bei. Die offensichtlichen Lügen generieren noch mehr Aufmerksamkeit.

Schritt 3:
Wenn der Anfangsaufreger nicht mehr zu leugnen ist, weil immer mehr Medien berichten, schwenkt die AfD auf den Mimimimi-Modus um, suhlt sich in der Opferrolle, nörgelt über die „Mainstreammedien“ und „Lügenpresse“, beklagt angebliche Tabus.

Schritt 4:
Die Redakteure der großen Talkshows werden aufmerksam und es folgen Einladungen der AfD-Pöbler zu Lanz, Plasberg, Will und Maischberger.

Seit vier Jahren lassen sich die ARD- und ZDF-Talkmoderatoren willig als AfD-Werbeplattform benutzen, erzeugen bei der Themensetzung ein geradezu groteskes AfD-Themen-Übergewicht.

[….] Untersuchung und Bewertung von über 200 politischen Talkshows der öffentlich-rechtlichen Medien.
[….] Leider kam ich zu dem Ergebnis, dass meine Befürchtungen sogar noch übertroffen worden sind. Teilweise musste ich meine Einschätzungen aber auch differenzieren und revidieren. Eine Tatsache ist und bleibt für mich dabei völlig inakzeptabel: Das krasse Missverhältnis bei den Themen.
    So wichtig einige Themen sicher waren und sind, niemand kann rechtfertigen, dass in 1,5 Jahren jede vierte Sendung speziell das Thema Flüchtlinge behandelt und sich fast jede zweite Sendung generell mit dem Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus befasst hat. In nur sechs von 204 Sendungen wurde über Armut und Ungleichheit diskutiert. Wichtigen Themen wie NSU, Rassismus und rechte Gewalt wurde zum Beispiel jeweils nur eine Sendung gewidmet. Klimawandel kam sogar gar nicht vor. Das ist nicht nur bedenklich, sondern prägt die öffentliche Debatte sehr einseitig. Die Themenauswahl spiegelt absolut nicht die tatsächlichen Probleme in unserer Gesellschaft wider und stellt damit ein Zerrbild der Wirklichkeit dar.
[….] Untersuchte Sendungen: 204 Sendungen von den fünf relevantesten politischen Talkshows von ARD und ZDF: Maischberger, Anne Will, Hart aber fair, Jauch, Maybrit Illner.
Untersuchungszeitraum: 1,5 Jahren. Oktober 2015 bis Anfang März 2017
Sendungen nach Themen:
Flüchtlinge: 52
IS-Terror/ Terror: 22
Merkel: 12
Trump: 16
Populismus: 8
Erdogan: 8
Brexit: 5
Syrien: 4
Altersarmut: 4
Martin Schulz: 3
Rente: 3
Kriminalität: 3
Islam: 3
Angst: 3
Alle anderen Themen kamen nur ein oder zwei Mal vor.
[….] Um Flüchtlinge ging es in jeder 4. Sendung. Betrachtet man den gesamten Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus, dann wurde fast jede zweite Talkshow (94 von 214) mit einem dieser Themen bestritten.
   Armut und Ungleichheit wurden insgesamt in 6 Sendungen behandelt.
    Den Themen NSU, Rassismus und rechte Gewalt wurden jeweils nur eine Sendung gewidmet.
    Trotz der Klimakonferenz von Paris kam das Thema Klimaschutz nicht einmal vor. [….]

Inzwischen ist es den Scheinjournalisten offenbar etwas peinlich als „Werbeträger der AfD“  zu gelten.

[….] „Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD“
Talkshows seien ungeeignet dafür, komplexe politische Prozesse abzubilden, sagte der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Dlf. Ihr fast tägliches „Ritual der Politiksimulation“ sei ermüdend und ähnele Scripted Reality. Durch ihre Inszenierung und Taktung spielten Talkshows außerdem der AfD in die Hände. [….]

Daher laden sie nun weniger oft Höcke, Gauland, Weidel oder von Storch selbst ein.
Aber das ist auch nicht notwendig, wenn die Themen erst mal gesetzt sind. Es gibt genügend Rechtsaußen-Journalisten/Publizisten wie Broder, Köppel oder Poschardt, Reichelt, die genauso zuverlässig die Trommel für AfD-Positionen schlagen. 

Diese erfolgreiche Methode Medienaufmerksamkeit zu erzielen, obwohl es an Sympathie, Kompetenz und Relevanz mangelt, übernehmen auch andere rechte Pundits nur zu gerne.

Die rechte CDU-Splittergruppe „Werte-Union“ um die AfD-Lieblinge Otte und Maaßen beherrscht das Spiel ebenfalls.
Konsequent provozieren sie, damit stets genügend Journalisten über das Stöckchen springen.
Maaßen ist jetzt Talkshow-Dauergast, ist eine feste Größe des rechten Spektrums.


[….]   Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Verfassungsschutzpräsident, ist allen mit seiner Behauptung in Erinnerung geblieben, es habe keine Hetzjagden in Chemnitz gegeben. Daraufhin wurde er von der Kanzlerin in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Jetzt ist er wieder da. Und permanent in den Medien.
Allein in der vergangenen Woche gab es fast täglich eine Schlagzeile: "Maaßen warnt vor Rückkehr zu DDR-Verhältnissen", schreibt die Mitteldeutsche Zeitung, "Maaßen will Dialog mit AfD in Thüringen", heißt es in der Welt. Und die Augsburger Allgemeine hat beobachtet: "Maaßen wird in Augsburg bejubelt und spaltet die CSU".
Maaßen ist die Galionsfigur der WerteUnion. Eine Splittergruppe der Union, die nach eigenen Angaben 3.600 Mitglieder zählt. Zum Vergleich: Die CDU hat rund 415.000 Mitglieder. Ein kleiner Verein also, der aber Großes will: "Eine Wende für Deutschland". So steht es auf seiner Internetseite. Dafür soll als erstes die Union anders werden: Merkel soll weg, mit ihr die aktuelle Flüchtlingspolitik und das Verbot, mit der AfD zu reden. Bei der WerteUnion handelt es sich also um Rebellen innerhalb der Union - und das macht sie für viele Journalisten hochspannend.
Sehr zum Verdruss von Ruprecht Polenz, Angela Merkels Ex-Generalsekretär, der nun gegenüber ZAPP aus dem Ruhestand in Münster seinem Ärger über die Medien Luft macht. Das sei doch nur der Streit mit den eigenen Leuten, der hier interessiere. "Wenn die Opposition fordert, Merkel muss weg, dann ist das in einer Demokratie normal. Wenn aus der eigenen Partei ein solcher Ruf erschallt, dann ist das natürlich für die Medien etwas Besonderes."
Polenz' Kritik: Die Medien machten die WerteUnion relevanter als sie tatsächlich sei. Bestes Beispiel sei der Chef der WerteUnion, Alexander Mitsch: "Ein Mann", wie Polenz sagt, "der nicht mal in seinem Kreisverband in den Vorstand gewählt worden ist". Aber der könne nun regelmäßig im Deutschlandfunk seine Meinung zum Besten geben. "Der Kreisvorsitzende irgendeines CDU-Kreisverbandes kann das wahrscheinlich nicht ohne Weiteres." […….]

Wenn man die Arbeit der investigativen NDR-Journalisten (ZAPP, PANORAMA,..) verfolgt, ist man auch wieder versöhnt nach dem Ärger auf Plasberg und Will.
Letztere sind allerdings bloß eitle Talkshowtypen.
Das ist die Kategorie Lanz. Die rennen sabbernd und servil hinter den Mächtigen her.

[…..] Das Schö­ne an End­pha­sen ist manch­mal die wach­sen­de Un­ab­hän­gig­keit. Man muss nicht mehr je­den Mist mit­ma­chen, kann sich Frei­hei­ten neh­men. An­ge­la Mer­kel ist jetzt in die­sem Mo­dus.

Am Don­ners­tag­abend zum Bei­spiel, als sie eine Rede zur Nach­hal­tig­keit im Ber­li­ner Zu­kunfts­mu­se­um Fu­tu­ri­um ge­hal­ten hat­te, gab sie dem Mo­dera­tor Mar­kus Lanz vor, nur eine Fra­ge stel­len zu dür­fen. Lanz zer­floss auf der Büh­ne fast vor Be­wun­de­rung für die Bun­des­kanz­le­rin, ver­lor sich da­bei in lan­gen, lie­be­die­ne­ri­schen Aus­füh­run­gen, wo­mit er sich von Mer­kel den knap­pen Hin­weis ein­fing, sie war­te auf die Fra­ge.
Als die Bun­des­kanz­le­rin ge­ant­wor­tet hat­te, schüt­tel­te sie Lanz, der gern wei­ter­be­wun­dern woll­te, rasch ab, ver­ließ die Büh­ne und setz­te sich zu­frie­den auf ih­ren Platz an ei­nen der Ti­sche. Abend­es­sen.
Frü­her hät­te sie viel­leicht an Wäh­ler­stim­men ge­dacht, Lanz hat ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum mit sei­ner Fern­seh­show, aber Mer­kel wird sich kei­ner Wahl mehr stel­len. [….]
(DER SPIEGEL, 16.11.2019)

Wer sich Schwachsinn wie Lanz ansieht, hat selbst schuld, wenn er daran verblödet.

Anja Reschke (Panorama) und Constantin Schreiber (Zapp) sind hingegen großartige Journalisten, für die ich sehr gern Rundfunkgebühren zahle, da der freie Journalismus bis auf wenige Ausnahmen (SZ, Spiegel) immer mehr auf investigative Recherche verzichtet.

Es lohnt sich also außer dem ZAPP-Bericht zur Medienstrategie der Werteunion die gesamte Aufarbeitung des Themas anzusehen.

Montag, 18. November 2019

Unerträglich träge


Es ist über zehn Jahre her; da sah ich zum ersten mal eine ausführliche anderthalbstündige Dokumentation darüber wie eine englisch-finnische Familie mit zwei kleinen Kindern ihr Leben plastikfrei gestaltete.  Fertiggestellt wurde der Film im Jahr 2007.
Sie wurde Anfang 2009 im deutschen TV ausgestrahlt und blieb mir auch deswegen in Erinnerung, weil das Paar ausgesprochen sympathisch und wenig fanatisch war. Üblicherweise sind Reality-ähnliche TV-Formate von eitlen Selbstdarstellern bevölkert, denen man nicht begegnen möchte.
Ganz anders bei den Websters.

[….] The witty, thought-provoking film portrays Webster's awakening concern over global warming and his decision to put his family on a carbon diet. Not surprisingly, his wife Anu and two young sons are not so enthusiastic about his plans for them to get rid of their car and stop buying anything made of -- or packed in -- plastic. Life in the suburbs of Espoo without petroleum products is no picnic, they find.
The resulting tale veers from comedy to sermon, from reality TV to deadly-serious documentation of the causes and results of climate change. Along the way, there also revealing peeks into multi-cultural family life in Finland.
Webster is the 41-year-old son of two British academics who settled in Finland. He and his sister attended Swedish-language Steiner schools. Reflecting his background, the film is mostly in English with dialogue in Finnish and a bit of Swedish.
Completed in late 2007 and premiered last August, the film was a co-production by three small film companies in Finland and Denmark, with backing from YLE, Channel 4, CANAL+ and public broadcasters in Denmark, Norway, Canada and Israel. [….]

Vor zehn Jahren war ich längst soweit mich über die vielen Plastikverpackungen zu ärgern – schließlich gab es die Horrordokumentationen über in Plastikschnüren verendete Meerestiere, Wale mit Mägen voller Plastik und regelrechten Kunststoffdünen an den Stränden der Welt schon lange.
Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen schlugen schon lange vor 2007 Alarm.
Außerdem kannte ich von meiner Studienzeit das an meiner Universität beheimatete „Sonderforschungsprojekt ZISCH“ (Zentrale Immission Schwermetalle in die Nordsee.)
Das war noch in den 1980ern. Es ging nicht nur um die berüchtigte Dünnsäureverklappung, sondern natürlich um alle Schadstoffe, die ins Meer gekippt werden.

Bis vor zehn Jahren hatte ich zwar allgemein versucht im Zweifelsfall kein Plastik zu benutzen – also lieber das Pulverwaschmittel in der Pappverpackung kaufen, statt des Flüssigen in der dicken Plastikflasche, lieber ein Stück in Papier eingeschlagene Seife, statt Flüssigseife im Plastikpack, Plastiktüten hatte ich schon längst aus meinem Haushalt verbannt – aber so richtig packte mich 2009 die Familie Webster.
A posteriori verstehe ich gar nicht, wieso ich nicht schon vorher viel konsequenter war, aber irgendeinen emotionalen Zugang benötigt man vielleicht.
Es war jedenfalls klar: Plastikmüll ist kein abstraktes Problem ist, sondern man muss bei sich selbst im Alltag anfangen und aufhören diese Kunststoffe zu kaufen.

Scheinbar ging es nicht nur mir so.
Weltweit nahmen sich Familien die Websters als Vorbild.
Überall luden Familien ihren plastikfreien Alltag in die sozialen Netze hoch, begannen Zeitungsredakteure die „ein Monat ohne Plastik-Challenge“ und dazu erschienen jede Menge Ratgeber-Bücher zum Thema.

Die österreichische Familie Krautwaschel wurde ebenfalls schon vor zehn Jahren mit dem Thema populär.

[…..] In a new book published in German, titled "Plastikfreie Zone," or "Plastic-Free Zone," Sandra Krautwaschl details how her family of five got rid of many of their plastic items and now rarely buys anything made of the petroleum-based material.
It began as a month-long experiment, but has since turned into a way of life, says Krautwaschl. During a 2009 vacation to Croatia, the 40-year-old physical therapist was struck by how often her three children asked where all of the trash on the beach came from. The experience led her to consider her own responsibility for the problem.
"Though we recycle in Austria, it doesn't work around the world. The fact that we still buy these things contributes to the continuation of their production," she told SPIEGEL ONLINE.
Shortly after the family vacation, Krautwaschl also saw the 2009 film "Plastic Planet," a documentary by Austrian filmmaker Werner Boote on how the glut of plastic produced around the world has become toxic to the environment. […..]

In Kalifornien ist es die Familie Jasper and Vjera Watts, die ihre „pastic-free journey“ erklärt.

Die Bewegung bekam so viel Zuspruch, daß es immer leichter wird plastikfrei einzukaufen.

[….] Bettina Maidment hasn’t emptied the kitchen bin since the beginning of November. The time before that was in August. “You can reduce your rubbish a lot,” she insists, pointing to her recycling and food compost bins. “I have two kids and they’re pretty anti-plastic – I am their mother after all – but it is do-able.”
Maidment, 38, is the founder of Plastic Free Hackney, a campaign to rid the east London borough of single-use plastic and has been serious about committing her family to plastic-free, zero-waste living for two years now. First to go was milk cartons. “That was an easy switch, we got a milkman.”
Then came bamboo toothbrushes, swapping out supermarket shopping for the local greengrocer, and making deodorant, cleanser, moisturiser and handsoap at home. [….]

Das ZERO WASTE MOVEMENT ist rund um den Globus eine große Sache.


Inzwischen klärt schon die Sendung mit der Maus Kleinkinder über das Thema auf.
Plastic-free-shops sprießen aus dem Boden, Friendsoftheearth erklärt wo man sie findet.


Vor drei, vier Jahren kam in weiterer weltweiter Megatrend hinzu: Müll sammeln.
Auch da gibt es seit Jahrzehnten Pioniere, zu denen zum Beispiel der großartige Schriftsteller David Sedaris gehört, der seit vielen Jahren praktisch seine gesamte Freizeit damit zubringt mit einem Piekser durch die Landschaft zu laufen, um menschlichen Plastikmüll einzusammeln.
Nun ist das zur Touristenattraktion geworden.
Überall an den Stränden dieser Erde finden sich Urlauber zusammen, die die kontemplative Kraft des Müllsammelns entdecken.

(….)Was ich lange Jahre nur von als sehr verschroben geltenden Sonderlingen kannte, daß sie sich wie David Sedaris privat daran machen Wald und Watt aufzuräumen, wird neuerdings zum echten „Movement“.
Mehrere Jahre später sprang sogar die Hamburger CDU auf den Trend auf und inszenierte sich für ihre hinter dem Mond lebende Anhängerschaft als moderne Großstadtpartei mit Ökogewissen.

[…..] Plogging heißt der Trend aus Schweden, mit dem die CDU den Elbstrand sauberer machen will. [….]

Etwas erbärmlich natürlich, wenn die Mitglieder der Partei, die am hartnäckigsten ökologische Politik in Deutschland behindert in ihrem Habitat, dem teuersten Stadtteil Hamburgs, am Blankeneser Strand, vor der Kamera einer konservativen Zeitung posierend diese offensichtliche Inszenierung abzieht, aber immerhin.

Auch das deutsche Mülltrennen bringt nicht viel, wenn wir weiterhin Europameister im Müllproduzieren sind, aber es ist dennoch wichtig das geschaffene Problembewußtsein der Menschen zu erhalten.[…..]

Was bringen nun diese weltweiten Megatrends in Deutschland ein?
Wir müssten doch eigentlich schon nahezu plastikfrei leben, oder?

Aber da verkennen wir die völlig phlegmatische Natur der Deutschen und die Beharrungskräfte der Regierung Merkel, die tief im Hintern der Verpackungsindustrie sitzend gar nicht daran denkt einzuschreiten.

Das erbärmlich träge Teutonenvolk produziert mehr Verpackungsmüll als je zuvor. So viele Aktivisten es auch geben mag, der großen Majorität ist Klimaschutz genauso egal wie die Umwelt.
Sie kaufen Billigfleisch, fliegen mehr denn je mit dem Flugzeug und interessieren sich offenbar kein bißchen für Nachhaltigkeit.

Nach uns die Sintflut, lautet das Motto Merkels und ihres Volkes.

[….] Deutsche produzieren so viel Verpackungsmüll wie nie zuvor
[….] Die Menge an Verpackungsmüll in Deutschland ist erneut auf ein Rekordhoch gestiegen. Im Jahr 2017 fielen insgesamt 18,7 Millionen Tonnen davon an, wie das Umweltbundesamt am Montag mitteilte. Das entspricht drei Prozent mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt ergibt sich aus der Müllmenge ein Verpackungsaufkommen von 226,5 Kilogramm pro Person - private Verbraucher haben daran einen Anteil von 107 Kilogramm pro Kopf. 47 Prozent aller Verpackungsabfälle fallen also unmittelbar im Haushalt an.
Gründe für das steigende Müllaufkommen sind dem Umweltbundesamt zufolge unter anderem der anhaltende Trend, sich Produkte aller Art vor die Haustür liefern zu lassen. Hinzu komme, dass sich Verbraucher trotz aller Sensibilisierung weiterhin kleine Portionen Essen und Trinken in Einwegboxen und -bechern aushändigen ließen, statt auf langlebigere Mehrwegbehälter zurückzugreifen. Die Umweltbehörde macht außerdem gewisse Konsumgewohnheiten für die Zunahme verantwortlich, beispielsweise den Wunsch nach zusätzlichen Funktionen der Verpackungen wie Wiederverschließbarkeit oder Dosierhilfen. Diese seien häufig unnötig aufwendig ausgeführt, was wiederum den Materialverbrauch erhöhe und das Recycling schwieriger mache. [….]  

Menschen im Allgemeinen sind offenbar unbelehrbar und borniert.

Sonntag, 17. November 2019

Andrea Nahles der CDU


Es gibt doch tatsächlich so Verblödete, die behaupten, wenn die SPD aus der Groko ausstiege und die Grünen ihren Platz einnähmen, wäre das besser für „die kleinen Leute“, weil die Grünen mehr Rückgrat zeigten.

Das ist in vielerlei Hinsicht Unsinn. Erstens zeigten die Grünen bei den Jamaika-Gesprächen Ende 2017 so wenig Rückgrat, daß sie sogar als erstes freiwillig die Klimapolitik, also ihr ureigenes Thema opferten und sich so geschmeidig an die xenophobe CSU anpassten, daß eher noch die FDP ausstieg.
Zweitens gibt es gar keine Mehrheit von Grün und Schwarz.
Drittens wären die Grünen als derzeit schwächste Bundestagsfraktion mit läppischen 8,9% niemals so verrückt bei aktuellen Umfrageergebnissen um die 20% eine Koalition einzugehen.
Viertens gäbe es aber genau deswegen keine Neuwahlen.
Merkel wird einfach Bundeskanzlerin bleiben bis 2021, weil eine andere Kanzlermehrheit ausgeschlossen ist.

Kein anderes CDUCSU-Mitglied kann vor 2021 zum Kanzler gewählt werden.

(….)Sie könnten im gegenwärtigen Bundestag unter keinen Umständen eine Kanzlermehrheit erringen.
Auch wenn die SPD gelegentlich sehr sehr dumme Dinge tut; sie kann nicht so verrückt sein einem zukünftigen CDU-Konkurrenten den gewaltigen Vorteil eines Amtsbonus zuzuschieben. Zumal auf den amtierenden deutschen Kanzler 2020 eine gewaltige Gelegenheit zukommt international zu glänzen und Sympathiepunkte abseits der schnöden Innenpolitik zu sammeln.

[….] Im zweiten Halbjahr 2020 übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft. Gleichzeitig bildet Deutschland bis Ende 2021 mit Portugal und Slowenien die sogenannte Trio-Präsidentschaft. Diese Länder formulieren gemeinsame Ziele und erarbeiten ein konkretes Programm, mit dem sich der Rat während der drei Präsidentschaften befassen wird. [….]

Merz oder AKK würden die Rolle nur zu gerne im Jahr 2020 ausfüllen und genau deswegen wird die SPD ihnen das ohne Neuwahlen nie als Geschenk präsentieren. Neuwahlen sind aber auch für die CDU/CSU ein enormes Risiko. Alle Umfragen sehen sie deutlich unter dem Ergebnis von 2017 und da war immerhin eine sehr beliebte Merkel Kanzlerkandidatin.
Alle vier genannten Möchtegern-Merkel-Nachfolger in der Union stehen demoskopisch ohnehin viel schlechter da als die ewige Kanzlerin; aber wie mies wäre erst ihr Image als „Mutti-Möderin“? Als Ehrgeizlinge, die ohne Not die international adorierte Kanzlerin wegmobben? (….)

Selbst wenn die SPD wäre so irre wäre freiwillig aus der Groko zu gehen, ist eine Jamaika-Kanzlermehrheit so gut wie ausgeschlossen, da die 8,9%-Grünen AKK oder Merz nie so einen Vorteil verschafften, wenn sie selbst ins Kanzleramt einziehen könnten.

Die Groko wird also bis 2021 bleiben. Unter anderem auch deswegen, weil Merkel so gern Kanzlerin ist und sich erinnert, wie sie selbst im Jahr 2002 nach zwei Jahren als CDU-Vorsitzende noch so schwach war, daß sie sich von Stoiber wegmobben ließ, daß sie selbst 2005 noch von den alten Männerseilschaften ihrer Partei als „Zonenwachtel“ verspottet wurde. Erst nach neun Jahren als Parteivorsitzende, bei ihrer Wiederwahl zur Kanzlerin 2009 hatte sie sich innerhalb ihrer Partei Respekt erworben.
Kramp-Karrenbauers Autoritätsprobleme nach elf Monaten machen Merkel sicher nicht nervös. Da macht sie noch gemütlich die 16 Jahre voll.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wird Olaf Scholz in einigen Wochen mit deutlichem Vorsprung neuer SPD-Vorsitzender, stabilisiert angesichts der torkelnden AKK seine Partei in den Umfragen, so daß es bei den regulären Bundestagswahlen 2021 am besten zu einer SPD-Grünen Koalition unter Bundeskanzler Scholz reicht. Oder aber in einer Dreierkonstellation mit der LINKEN, die ohne Lafontaine und Wagenknecht hoffentlich weniger AfD-artig blinkt und verlässlicher wird.

Ich gebe zu; aus heutiger Perspektive ist dieses Szenario nicht sehr wahrscheinlich.
Es liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen, daß eine GR2-Koalition unter Bundeskanzlerin Baerbock oder Bundeskanzler Habeck eine Kanzlermehrheit zusammenbekommt. Dann bliebe möglicherweise Olaf Scholz Finanzminister und Vizekanzler.
Auch mit so einer Regierung wäre ich glücklich, weil mir am wichtigsten ist die C-Minister in die Opposition zu schicken.

Wie unwahrscheinlich ist aber GR2 im Jahr 2021?
Ich meine, das ist eine durchaus vorstellbare Option.
Angela Merkel ist zwar immer noch sehr beliebt, wird aber als CDU-Zugpferd nicht mehr taugen, da sie 2021 nicht mehr antritt und schon seit einem Jahr keinen Finger mehr für ihre Partei krumm macht.



Alles geht schief und nun setzt sie ihre ganze Hoffnung auf das Projekt „deutsche Militäreinsätze im Nahen Osten und Zentralafrika.“
Dabei wird sie Myriaden Gelegenheiten für Blamage und Kardinalfehler haben.
Aber selbst wenn sie unwahrscheinlicherweise mit dieser Bundeswehr solche Einsätze hinbekommt, bleibt es in Deutschland sehr unpopuläre Politik.
Deutsche Soldaten, die in Zinksärgen aus Mail zurückkommen, werden AKK nicht zur erhofften Popularität verhelfen.

Wenn sie die nächsten beiden Jahre so weiter debakuliert und die Wähler 2021 vor der Frage stehen „Bundeskanzler Scholz oder Bundeskanzlerin AKK?“ sollte man die SPD noch nicht abschreiben.
Auch die Grünen haben bis dahin noch viel Zeit Fehler zu machen.
Nach Fukushima und dem Theater um Stuttgart 21 schickten sie sich schon einmal an bundesweit stärkste Partei zu werden.
Bis an die 30% wurden im ersten Halbjahr 2011 für die Grünen bundesweit ermittelt.

Forsa: CDU - SPD - GRÜNE - FDP -LINKE

Der Aufschlag bei den Bundestagswahlen am 22.09.2013 mit 8,4% - TROTZ sensationell abgestrafter SPD und sehr schwachen LINKEN war hart. 2017 schafften sie 8,9%.
Man kann noch nicht fest mit einem Kanzler Habeck 2021 rechnen.

[…..] Das Ren­nen ums Kanz­ler­amt ist wie­der völ­lig of­fen. Denn die Kon­ser­va­ti­ven zer­le­gen sich, die Wirt­schaft schwä­chelt, das po­li­ti­sche Sys­tem zer­franst. Weil in­zwi­schen sie­ben Par­tei­en im Bun­des­tag sit­zen, könn­ten in ei­nem Drei­er­bünd­nis wie der Am­pel- oder der Links­ko­ali­ti­on künf­tig so­gar gut 20 Pro­zent ge­nü­gen, um den Kanz­ler zu stel­len. Ja, der SPD geht es schlecht. Aber in die­sem Kli­ma soll­ten 20 Pro­zent selbst für sie noch drin sein.
Ab Diens­tag dür­fen die SPD-Mit­glie­der ab­stim­men, wel­ches der zwei Fi­nal­teams sie als Vor­sit­zen­de ha­ben möch­ten. Olaf Scholz und sei­ne Part­ne­rin Kla­ra Gey­witz ha­ben Chan­cen auf den Sieg. […..] Scholz hin­ge­gen ist die­ser Tage um­trie­bi­ger denn je. Er bringt die Ban­ken­uni­on vor­an, boxt die Grund­ren­te durch. Für ihn, den männ­li­chen Mer­kel, der Volk und Par­tei­freun­de schon so oft nar­ko­ti­siert hat, ist der Of­fen­siv­drang be­mer­kens­wert. […..] Aus­ge­rech­net die SPD, in der sel­ten et­was ge­klärt ist, steht also kurz da­vor, als ers­te Par­tei mit ge­lös­ter Füh­rungs­fra­ge auf die nächs­te Wahl zu steu­ern. Da­mit hat sie der Kon­kur­renz et­was vor­aus, vor al­lem der CDU. […..]
(Veit Medick, SPIEGEL-Leitartikel, 15.11.20199