Mittwoch, 25. September 2019

Alte Journalistenschule


Die über Jahrzehnte geltenden demokratischen Spielregeln sind bekanntlich außer Kraft gesetzt.
Vor zehn Jahren hätte es niemand für möglich gehalten, daß Regierungschefs, die es so weit treiben wie Trump oder Johnson nicht nur dummdreist im Amt bleiben, sondern dabei auch noch von ihren Parteien, Medien und der Hälfte der Bevölkerung unterstützt werden.


Oder Trump, der gerade eine Sonderermittlung wegen Verschwörung mit einer ausländischen Macht zur Manipulation der eigenen Wahlen (mit Dutzenden Anklagen und sieben Gefängnisstrafen) hinter sich hat, daraufhin gleich versucht ein weiteres Land zur Manipulation der US-Wahlen zu überreden und sich auch noch tolldreist damit brüstet. 


[….] Demokraten sprechen von Mafia-Methoden [….] Donald Trump hat die Ukraine ermuntert, seinem Rivalen Joe Biden mit Ermittlungen zu schaden. Die Demokraten fühlen sich durch das Gesprächsprotokoll bestätigt [….] Donald Trump ist in der Ukraine-Affäre in die Offensive gegangen und hat ein Gesprächsprotokoll des Telefonats zwischen ihm und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veröffentlichen lassen. Der US-Präsident sieht sich dadurch entlastet. [….] In dem Telefongespräch mit Selenskyj regte Trump Ermittlungen an, die seinem politischen Rivalen Joe Biden schaden könnten. Er werde seinen persönlichen Anwalt Rudolph Giuliani und Justizminister William Barr beauftragen, sich in der Sache bei Selenskyj zu melden, sagte Trump dem Gesprächsprotokoll vom 25. Juli zufolge. [….]



[…..]  Die Dokumentation des Telefonats von US-Präsident Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij, die das Weiße Haus vorlegte, verärgert die Demokraten. Der Grund ist vor allem, dass sie in dem Telefonat einen Versuch Trumps sehen, Ermittlungen gegen seinen möglichen Wahlkampfgegner Joe Biden durch die Ukraine anzustoßen. Wer sich mit IT-Sicherheit oder der mutmaßlichen Einmischung Russlands in den Wahlkampf 2016 auskennt, den ließ eine andere Passage aufhorchen. Trump nennt den Namen "Crowdstrike". So heißt ein Unternehmen, das sich auf die Analyse von Hacking-Angriffen spezialisiert hat.
Dass Trump Crowdstrike ins Spiel bringe, sei "einfach schockierend", schrieb Michael McFaul, der unter Barack Obama Botschafter in Moskau war. […..]

In diesen völlig irren Zeiten, in denen sich die Kakistokratie in immer mehr Staaten etabliert, verlieren Fakten, Recht und Gesetz an Bedeutung.


 Auch wenn es im Moment nicht so gut läuft für die regierenden Rechtspopulisten, die allesamt erkennen, daß die Wirklichkeit sich blöderweise nicht an ihre primitiven Fascho-Sprüche anpassen will, sind sie noch lange nicht am Ende, weil weite Teile der Wähler und Medien moralisch völlig verdorben sind.


 Es dreht sich alles um den Spin der Geschichten.
Wie mäandert man um die unangenehmen Fragen, so daß die Basis in ihren Filterblasen weiter an Bord bleibt?
Wer versucht Trump-Wähler mit der schockierenden Wahrheit vertraut zu machen, unterliegt dem Irrtum diese verfügten immer noch über rudimentären Anstand.
Dabei wußten wir schon vor dem November 2016, daß das eben nicht der Fall ist. 62 Millionen Amerikaner wählten Trump nicht nur obwohl sie schon wußten, daß er sich öffentlich über Behinderte lustig macht, rassistisch daher plappert, sich damit brüstete Frauen an die Pussy zu grabschen. Gerade das gefällt den Trump-Wählern. Dem fundamentalen Missverständnis unterlagen auch all diejenigen, die auf den Mueller-Bericht hofften. Wenn Mueller kriminelle Methoden des Trump-Teams und illegale Wahlkonspiration mit Moskau beweisen könnte, müssten sich seine Fans und die GOPer von #45 abwenden.
Falsch! Die meisten Trumpisten sind längst so fanatisiert und enthemmt, daß sie es sogar schätzen, wenn Trump mit Hilfe Putins die verhassten Demokraten erledigt.

😂😂😂😂😂#ImpeachmentHearings pic.twitter.com/6uGwSueXQJ
— Hear Me Roar (@Stop_Trump20) September 25, 2019

Es ist schon irritierend naiv, wenn Damir Fras heute als Hauptkommentator des RND nach Boris Johnsons juristischer Megablamage sein Ende kommen sieht.

[…..] Drei Worte brauchten die obersten Richter des Vereinigten Königreichs, um die Zwangspause aufzuheben, in die Johnson das Unterhaus schicken wollte, weil er den Brexit ohne lästige Parlamentarier durchziehen wollte: „Rechtswidrig, unwirksam und ohne Auswirkung" sei das. Kurzum: illegal nach Strich und Faden.


Es kann gut sein, dass Johnson jetzt zurücktreten muss. Er hat, wie das Urteil andeutet, die Königin hinter die Fichte geführt. Solches Verhalten gegen die Queen ist zwar nicht strafbewehrt, aber es dürfte trotzdem nicht gut ankommen in Großbritannien und Johnson die letzten Sympathien kosten, die er noch hatte. [….]

Schön wäre es, Herr Fras.
Der Kommentator hat aber offenbar weder das Wesen populistischer Herrscher noch ihrer medialen Zulieferer verstanden.



Denn das Gegenteil ist der Fall. Es passt in Johnsons Strategie Ressentiments gegen das Establishment zu schüren. Genau wie Kollege Trump wettert er gegen Parlament, gegen Gerichte, gegen alle Institutionen. Das gefällt den primitiven Rechten in ihren Blasen.
Die Tories liegen in Umfragen 15 Prozentpunkte vor Labour, Johnson ist weit populärer als Corbyn.

[…..] Johnson spielt seit Amtsantritt das heikle, aber laut Umfragen erfolgreiche Spiel 'Volk gegen Elite'. Draußen auf dem englischen Land gilt allein Boris Johnson als der Mann, der dem dreijährigen politischen Elend ein Ende machen kann. Diese Wähler könnten am Ende das letzte Wort haben." [….]

[….] Gäbe es in Großbritannien eine schlagkräftige Opposition, dann könnte sie Johnsons Rechtsbruch zu einem beherrschenden Thema im Wahlkampf machen. Angesichts des verworrenen Brexit-Kurses des Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn darf allerdings bezweifelt werden, dass die bislang wichtigste Oppositionspartei den Regierungschef stellt." […]

Die Tories stellen sich erst recht hinter Johnson.

[…..] Steve Baker, Chef der nationalkonservativen European Research Group, sagte etwa nach dem Londoner Urteil, das gegenwärtige Chaos habe nicht der Premier verursacht. Und Jacob Rees-Mogg, der im Kabinett für Parlamentsangelegenheiten zuständig ist, fuhr laut Medienberichten die nächste Attacke gegen die Justiz: Der Gerichtsentscheid, sagte er demnach, sei "ein verfassungsrechtlicher Putsch". [….]

[….] Ein Zeter und Mordio wird in den nächsten Wochen über London lärmen, begleitet von parlamentarischen Winkelzügen zu Fragen der Absetzung des Premiers, der Neuwahl oder eines Referendums. All das gehört seit Monaten zum Repertoire. Aber all das ist seit Monaten auch wenig zielführend, weil dem britischen Parlament zum Willen die Mehrheit fehlt. Wie auf Bestellung hat Labour pünktlich zum Urteil eine Demonstration der Machtunfähigkeit gegeben. Die Partei kann sich nicht einmal entscheiden, ob sie nun den Brexit will oder nicht. Wen oder was soll Johnson also fürchten?
Der Premier verfolgt einen Plan, den manche genialisch, die anderen wahnsinnig nennen mögen. [….]

Dienstag, 24. September 2019

Weiter abwärts.


Zwei Fragen der Trump-Präsidentschaft sind immerhin zweifelsfrei geklärt:

1.)
Ja, natürlich ist er so kriminell, korrupt und verlogen, daß er dringend seines Amtes enthoben werden muss. Wenn man Trump nicht impeached, wen denn dann?

2.)
Weite Teile der Medien und die gesamte republikanische Partei sind korrumpiert. Sie tun nicht mal ansatzweise das, was in einer freien Demokratie von ihnen erwartet wird.
Nixon ist ein Waisenknabe gegen Trump, aber die Republikaner aus den 1970er Jahren – konservativ, religiös, aber auch weitgehend rechtstreu – gibt es nicht mehr.

Da wir längst über das OB hinaus sind, ob Trump impeached werden muss, richtet sich nach den beiden oben genannten Feststellungen der Blick auf die Demokraten.
Wie wollen sie eigentlich den nachfolgenden Generationen erklären, daß sie einen kriminellen manischen Lügner im Oval Office, der systematisch die Verfassungs verletzt, amerikanischen Abgeordnete bedroht, mit feindlichen Mächten konspiriert, die Pressefreiheit zerschlägt und zu einem rasanten Anstieg der Hassverbrechen beiträgt, noch nicht mal versuchten zu impeachen?
Ist es nicht vielmehr wirklich so wie bei den Verschwörern Tresckow, Goerdeler und Stauffenberg von 1944, daß es auch ohne Erfolgsaussicht des Hitlerattentats enorm wichtig war es wenigstens zu versuchen, um dem Ausland für die Zeit nach Hitler bewiesen zu haben, daß es auch solche Kräfte in Deutschland gab?
Denn auch der gescheiterte Widerstand dient vielen späteren Generationen als leuchtendes Vorbild, als Beleg dafür, daß nicht das ganze Land die faschistoiden Hass-Wahn anheimfiel.

Wie erbärmlich steht hingegen die römisch-katholische Kirche da, die es eben nie wagte Nazi-Deutschland in den Arm zu fallen, dem Holocaust nicht widersprach und bis heute auf erbärmliche Weise ihr moralisches Versagen demonstriert, indem sie sagt, mit einem Papst-Wort gegen Hitler hätte man die Situation der Juden nur noch schlimmer gemacht.
Was für ein Zynismus. Als ob der Genozid an den europäischen Juden mit sechs Millionen Toten in irgendeiner Weise „nicht so schlimm“ war.
Durch das Nicht-Handeln, das Reichskonkordat und die demonstrative Unterstützung des Mussolini-Regimes waren Papst und Vatikan de facto Stützen des Nazi-Reiches und ermöglichten damit erst den Massenmord an mindestens 60 Millionen Menschen.

Und so müssen sich auch die US-Demokraten langsam fragen lassen, ob sie nicht auch bei minimalen bis nicht vorhandenen Erfolgsaussichten letztendlich Trump stützen, wenn sie das Impeachmentverfahren gar nicht erst anstrengen.

Natürlich hat Nancy Pelosi gute (wahltaktische) Gründe sich nicht die Finger zu verbrennen: Die Bevölkerung kann das Wort „impeachment“ nicht mehr hören und ohnehin wird Trump nicht tatsächlich abgesetzt werden, weil die ihm vor Angst völlig hörigen GOP-Senatoren, die auf seinen Wunsch auch schon einen vergewaltigenden Alkoholiker zum Supremecourtrichter machten, niemals mit 2/3-Mehrheit gegen ihn stimmen werden.



Aber was ist der Preis?
Ein Präsident, der die Welt in Flammen setzt, bestenfalls als internationale Witzfigur ausgelacht wird, während seine engsten Mitarbeiter, wie zum Beispiel sein persönlicher Anwalt vollkommen irre pöbelnd und lügend die US-Werte zerrockern?

Man sehe sich nur den vollkommen enthirnten Irren Rudy Giuliani bei seinem letzten CNN-Auftritt an.


[…..] Das bizarre Live-Interview
Inmitten dieser Wirren platzt nun das bizarre CNN-Interview mit Rudy Giuliani, indem sich folgender Dialog binnen 30 Sekunden zwischen dem Trump-Anwalt und Moderator Chris Cuomo abspielt:

Moderator: "Baten Sie die Ukraine, gegen Joe Biden zu ermitteln?"
Giuliani: "Nein, tat ich tatsächlich nicht. Ich bat die Ukraine die Vorwürfe zu untersuchen, dass es eine Einmischung in die Wahlen 2016 gab zugunsten von Hillary Clinton, wozu es bereits gerichtliche Feststellungen gibt."
Moderator: "Sie baten um nichts hinsichtlich Hunter Biden [Joe Bidens Sohn]? Sie baten um nichts hinsichtlich Joe Biden (...)?"
Giuliani: "Das einzige, um was ich hinsichtlich Joe Biden gebeten habe, war, dass sie [dem] auf den Grund gehen."
Moderator: "Also baten Sie die Ukraine darum, gegen Joe Biden zu ermitteln?"
Giulani: "Natürlich tat ich das."

Das lässt selbst Moderator Cuomo stutzen, der Giuliani darauf hinweist, wie sehr er sich widerspricht – was der wiederum leugnet und Cuomo immer und immer wieder Voreingenommenheit vorwirft. Fragen zu der Aussage des Whistleblowers beantwortet der Anwalt immer und immer wieder mit Tiraden über Joe Biden und den Sender CNN. […..]
(t-online, 20.09.2019)

Während sich die Führung der Welt in New York trifft, ist Trump ganz offensichtlich geistig nicht in der Lage seinen Job auszuüben.

[…..] Trump erhebt wüste Anschuldigung gegen Biden - ohne jeden Beleg
Für das, was Joe Biden getan habe, wäre ein Republikaner auf dem elektrischen Stuhl gelandet - mit dieser Behauptung eskaliert Donald Trump die Ukraine-Affäre weiter. Indizien oder gar Belege? Fehlanzeige. [….]

Der Mann ist vollkommen verrückt. Und gefährlich.

[….] Doch Donald Trumps überraschend apathischer Uno-Auftritt ist eine Kategorie für sich: 36 Minuten lang liest der US-Präsident seine Ansprache vom Teleprompter ab - ausdruckslos, gefühllos, lustlos. Seine Augen werden dabei immer schmaler und seine Worte immer leiser. [….] Er zeigt damit nicht nur seine Verachtung für die Uno: Man merke, dass er "hier so schnell wie möglich wieder weg will", spottet ein Kommentator später. Sondern offenbart vor allem auch, dass seine Gedanken in Wahrheit ganz woanders sind - bei der stündlich wachsenden Gefahr eines Amtsenthebungsverfahrens im eskalierenden Ukraine-Skandal.
Die Frontfrau der Demokraten, die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, wollte sich am Nachmittag der Trump-Rede zum weiteren Vorgehen eines sogenannten Impeachments äußern, wie mehrere US-Medien berichteten. Mit Spannung wurde erwartet, ob sich Pelosi für ein solches Verfahren aussprechen und womöglich konkrete Schritte ankündigen könnte. [….]


BREAKING NEWS:


Montag, 23. September 2019

Der Co-Zerstörer.


Im Interview mit dem Islamforscher Gilles Kepel* tauchte die Frage auf wer eigentlich noch handeln könnte, um einen Flächenbrand abzuwenden, nachdem Donald Trump aus purer Borniertheit zündelt und alle Alliierten vor den Kopf stieß.

[….] Es ist ohnehin der einzige Weg, im Gespräch zu bleiben. Ich denke, Macron wird den Kurs von Biarritz weiter fortsetzen. Und angesichts, sagen wir mal, einer gewissen Schwäche Angela Merkels und des Zusammenbruchs der Politik in Großbritannien ist er auch der Einzige in Europa, der dazu noch die politische Kraft hat. [….]

*Gilles Kepel: "Chaos. Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen". Antje Kunstmann, 2019

In dem Interview ging es um den Nahen Osten, aber das Bemerkenswerte an dem zitierten Satz ist, daß er gar nicht weiter auffiel und auch keinen Widerspruch erntete.
Dabei wird en passant eine ungeheuerliche Neuerung der Geschichte erwähnt.
Jahrhunderte dominierten die Europäischen Nationen, sowie die USA das Weltgeschehen, aber auf einmal fallen sie alle gleichzeitig aus.

Große Reiche überschreiten ihren Zenit durch Überdehnung oder werden in Kriegen/Revolutionen radikal geschwächt.

Deutschland, England, Italien und die USA haben eine neue Methode entdeckt sich international zu verzwergen und der Lächerlichkeit auszusetzen: Demokratische Wahlen.

Trotz ihrer ökonomischen Stärke und der stabilen politischen Systeme haben die Wähler durch grotesk-debile Fehlentscheidungen an der Urne völlig ungeeignete und unfähige Regierungen gewählt, die sogleich begannen sich selbst in den Fuß zu schießen.

Andere Länder schaffen es auch mit der Methode demokratischer Wahlen den denkbar schlimmsten Regierungschef auszusuchen – Polen, Ungarn, Türkei, Brasilien, Philippinen, Österreich – aber das sind kleinere (oder zumindest fernere) Länder, die traditionell nicht so eine ordnungspolitische Rolle bei internationalen Konflikten spielen.

Diese massive Häufung von gefährlichen Clowns an der Spitze der Regierung wäre ohne Internet-Filterblasen und soziale Medien kaum möglich.
So sind immer größere Wählergruppen nicht mehr von der Realität zu erreichen.

Hinzu kommt aber, daß die von Klugtelefonen erzwungene Dauerpräsenz auf Kandidaten mit Skrupeln und Anstand sehr abschreckend wirkt.
Man muss schon völlig schamlos und psychopathisch sein, um wie Trump und Johnson ungeniert zu lügen, daß sich die Balken biegen.
Welcher „gute Mensch“ will sich schon mit solchen Typen um die Wählergunst streiten, wenn a priori fest steht, daß man mit Dreck und Verleumdungen übergossen wird?
Und so kommt es, daß durchaus schlagbare rechtspopulistische Spinner (USA/It/GB) oder auch einfach öde Phlegmaten (Dtl.) die Wahlen gewinnen, weil Linke und Liberale nicht in der Lage sind einen überzeugenden Gegenkandidaten zu finden.
Der bärtige Martin Würselen („Mr. 100%“), der sich während des ganzen Wahlkampfes nur jammernd beschwerte ungerecht behandelt zu werden war genauso eine Fehlbesetzung wie Jeremy Corbyn.
Klar, beide wären besser als die jeweiligen konservativen Wahlgewinner und natürlich wäre Hillary Clinton besser als Trump. Aber wieso mussten die Demokraten unbedingt die unpopulärste Person ihrer Partei aufstellen?

Das ist eine echte Tragik. Hätte Labour einen auch nur halbwegs erträglichen Parteichef, wäre dieser längst zum Premier gewählt worden. Immerhin verfügt Johnsons Opposition über eine Mehrheit im Parlament.
Sie alle sind derartig entsetzt und genervt von den Konservativen und Johnson, daß sogar Dutzende Tories im Parlament mit Kusshand einen halbwegs moderaten Labour-Chef zum Premier wählen würden, um Johnsons Kamikaze-Kurs zu stoppen.

(……) Corbyn ist derartig unfähig und chaotisch, daß er es geschafft seine Labour-Partei trotz des Lügen-Chaoten Johnson in Umfragen deutlich hinter die Konservativen zurückfallen zu lassen. Das muss man erst mal schaffen.

[…..] Corbyn ist sicher das größte Problem für Labour. Die Antisemitismus-Vorwürfe und sein Image als radikal Linker schaden der Partei. Für die meisten ist er eben ein weltfremder, bärtiger Sandalenträger, der sich weigert, sich bei Zeremonien zu verbeugen. Und so oberflächlich das klingt - auch danach entscheiden Wähler. Labour hätte sicher eine bessere Chance ohne Corbyn und es gibt Leute in der Partei, die den Job machen könnten. Doch Corbyn wird bleiben. […..]

Wie konnte es so eine Groteske Witzfigur an die Labour-Parteispitze bringen?
Ganz einfach, die Spezies der Basis-Mitglieder liebt ihn und wählt ihn immer wieder wider alle Vernunft auf den Chefsessel.
Basisdemokratie ist eine üble Sache. Diktatur der Inkompetenz. (….)
(Basis-Drama, 05.09.2019)

Man kann durchaus sagen, daß Boris Johnson nur noch deswegen britischer Regierungschef ist, weil Jeremy Corbyn so egoman und borniert ist an seinem Sitz zu kleben, statt zum Wohle der Partei, der Nation und Europas endlich seinen Hut zu nehmen und einen konsensfähigen Labour-Parteifreund übernehmen zu lassen.

Aber der bärtige Trottel ist vollkommen erkenntnisresistent und zerlegt lieber zusätzlich noch seine eigene Partei, bevor er das einzig Richtige tut und abtritt.

Brexit? War das was? Kein Grund für Corbyn irgendeine Position zu beziehen.

[….] Auf dem Labour-Parteitag wird rebelliert und intrigiert. Viele sind fassungslos über ihre Führung und werfen Jeremy Corbyn vor, Kritiker mundtot zu machen.
[….] In der Nacht zum Samstag liefen die Drähte in der Partei heiß, die Empörung war groß, Ex-Parteichef Ed Miliband twitterte, jetzt sei Labour endgültig von allen guten Geistern verlassen: zu Beginn eines Parteitages, der einen und heilen und die tiefen Gräben in der Partei überwinden sollte, quasi aus der Deckung und Vorwarnung einen wichtigen Vertreter der Remain-Seite zu eliminieren? [….]
 Der Parteichef hat sich seit dem Brexit-Referendum 2016 nicht eindeutig auf eine Seite gestellt. Im vergangenen Jahr votierte der Parteitag nach langem Ringen dafür, dass sich Labour für ein zweites Referendum aussprechen wollte - als eines von zwei Mitteln, um den Brexit abzuwenden. Corbyn plädierte damals für Neuwahlen, gegen ein Referendum. Jetzt, ein Jahr später und vor dem Parteitag, auf dem Labour sich fit und bereit zeigen will für Wahlen und den Einzug in die Downing Street, beschloss Corbyn, das zu tun, was die Briten "auf dem Zaun sitzen" nennen. Er forderte, die Partei solle die Entscheidung, ob man für oder gegen den EU-Austritt ist, auf die Zeit nach den Wahlen vertagen.
Der kollektive Aufschrei blieb auch diesmal nicht aus. [….] Derweil plant die Partei schon für die Zeit nach Corbyn. Der Parteichef ist 71 Jahre alt. In aktuellen Umfragen liegt Labour bei 22 Prozent und damit 15 Punkte hinter den Tories. Nur 31 Prozent der Befragten finden die Position von Labour in der Brexit-Frage klar. Die Tories liegen hier bei 76 Prozent. Die Sympathiewerte für Corbyn in der Bevölkerung sind desaströs, auch in der Partei halten ihn viele nicht für einen geeigneten Premierminister. [….]

Bei so einer Opposition hat Gaga-Johnson gut lachen.
Sogar die nicht eben besonders helle Andrea Nahles wußte irgendwann, daß sie die Sache nur schlimmer macht und nicht bleiben konnte.
Bei Corbyn gibt es gar kein rationales Denken mehr.

Sonntag, 22. September 2019

Die Nazis sammeln ein


Im Leitartikel des aktuellen SPIEGELs verweist Dirk Kurbjuweit auf das Spannungsverhältnis zwischen dem Megathemen Klima und Demokratie.
Viel radikalere Schritte wären notwendig, um die Klimakatastrophe wenigstens nicht noch weiter zu verschärfen und mögliche Erfolge werden sich erst in vielen Jahren zeigen.
Die meisten Bürger haben das verstanden und unterstützen das. Deswegen ist die Hasenfüßigkeit der Bundesregierung so außerordentlich blamabel und empörend.

Aber es gibt eine immerhin große Minderheit, die aus Egoismus, Borniertheit oder Verblödung an der Seite der Klimaleugner (AfD, Trump, David Berger) stehen.

Bergers Urin-Blog
 Das zeigt sich exemplarisch an dem hochgradig hysterischen Hass, der Greta Thunberg aus dem konservativen Lager entgegen geschleudert wird.
Die rechten Blogs haben innerhalb weniger Monate ein völlig neurotisches Verhältnis zu dem 16-jährigen Mädchen entwickelt, so daß sie kaum noch einen Satz formulieren können, ohne pawlowsch pöbelnd über „Klima-Gretel“ herzuziehen. Manische Hetze gegen Thunberg ist längst nicht mehr ein exklusives Merkmal faschistoider, zumindest potentiell staatsfeindlicher Fanatiker à la PP und PI, sondern wird auch von Poschardts „Welt“ oder dem CSU-Videoportal „CSYOU“ verbreitet. Sogar die CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ätzte, sie würde ihren Kindern keine Entschuldigung für eine „Fridays For Future“-Demo schreiben und stieg heute auf dem Weg nach New York in eine zweite Regierungsmaschine, obwohl gleichzeitig Merkel und Schulze in einem weiteren Flieger auf demselben Weg waren.

 
Auf der rechten Seite gibt es einen niemals zu unterschätzenden Hang zu Bösartigkeit und Irrationalität.

[….] Mit Mo­ra­li­sie­ren kommt man hier nicht wei­ter. Auch wer ein di­ckes Auto fährt, ver­dient es nicht, ge­äch­tet oder stig­ma­ti­siert zu wer­den. Um­ge­kehrt gilt zu ver­ste­hen, dass Kri­tik nicht auf Denk- oder Sprech­ver­bo­te hin­aus­läuft. Alle Bür­ger sind ge­for­dert, Wi­der­sprü­che aus­zu­hal­ten, auch die ei­ge­nen, und mit­ein­an­der im Ge­spräch zu blei­ben.
Al­les an­de­re hilft vor al­lem der AfD. Sie freut sich schon dar­auf, jene Bür­ger ein­zu­sam­meln, die den Kli­ma­wan­del nicht als Pro­blem er­ach­ten und sich schnell stig­ma­ti­siert füh­len. Mit ih­nen könn­ten die Rechts­po­pu­lis­ten ihr Wäh­ler­po­ten­zi­al er­heb­lich ver­grö­ßern. […..]
(DER SPIEGEL, 21.09.2019)

Bergers Pipi-Blog 22.09.2019
   Nun könnte man einwenden, wie relevant AfD-Wahlergebnisse sind, wenn wir alle auf einem kochenden Planeten verglühen.
Die Erderwärmung tötet jetzt schon viele Menschen, aber weitüberwiegend in den armen Teilen der Welt.
In den westlichen, reichen Ländern wird man sich mit Geld, Macht und Ausbeutung länger gegen die Erhitzung schützen können.
In der Zeit könnten noch mehr irre Populisten à la Bolsonaro, Trump und Johnson das Ruder übernehmen und mit ihrem Wahnsinn, den Trump gerade mustergültig am Beispiel Iran demonstriert die Menschheit in einem Atomkrieg pulverisieren, bevor wir alle gegrillt werden.
Man darf nie die menschliche Bereitschaft mit Scheuklappen gegen die Wand zu rasen unterschätzen.

Trump kündigte den mühsam in 12 Jahren ausgehandelten Irandeal, woraufhin Teheran peu à peu auch von den Zusagen des Vertrages Abschied nahm. Trumps „Strategie“: Maximalen Druck auf den Iran ausüben bis sich ihm die Mullahs beugen. 

Sie tun das aber nicht, sondern reagieren mit Gegendruck, zeigen Trump was er zu verlieren hat, wie verwundbar die USA-Freunde am Golf sind, so daß das Militär Trumps letzte Option ist. Natürlich will Teheran nicht mit Washington verhandeln, nachdem Trump jedem überdeutlich gezeigt hatte, daß US-Zusagen wertlos sind. Aber den Iran angreifen? Das ist genau das was er im Wahlkampf versprochen hatte nicht zu tun! Er wollte die GIs zurückholen und mit Deals erfolgreich sein. Nun sitzt er in der Sackgasse, hat seine Verbündeten vor den Kopf gestoßen und offenbar gibt es auch im Rest der Administration niemand, der weiß was man tun könnte.

[….] Kanz­le­rin Mer­kel will sich von Trump kei­nes­falls in ein mi­li­tä­ri­sches Aben­teu­er hin­ein­zie­hen las­sen. Am Diens­tag for­der­te sie den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten dazu auf, zu dem Atom­ab­kom­men zu­rück­zu­keh­ren. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand be­schrei­ben deut­sche Di­plo­ma­ten ihre US-Kol­le­gen als voll­kom­men kopf­los.  »Ich kann Ih­nen nicht viel sa­gen«, sei ein Stan­dard­satz in Ge­sprä­chen mit ame­ri­ka­ni­schen Spit­zen­be­am­ten. Oder: »Un­se­re Po­li­tik wird ge­ra­de über­prüft.« Selbst das Wa­shing­to­ner Spit­zen­per­so­nal ver­ste­he nicht, was Trump will. […..]
(DER SPIEGEL, 21.09.2019)


Man sollte so eine nie dagewesene weltgefährliche Unfähigkeit in den Regierungen nicht leichtfertig fördern, indem man noch mehr Menschen in die Arme der AfD treibt.

 
Der mögliche CDU-Kanzlerkandidat und Ganz-knapp-nicht-CDU-Parteichef Friedrich Merz geht ebenfalls auf Anti-Greta Kurs.

  [….] Der CDU-Politiker Friedrich Merz vermutet hinter radikalen Forderungen nach mehr Klimaschutz nicht nur die Sorge um die Umwelt: "Es geht gegen unsere freiheitliche Lebensweise, um die Zerstörung der marktwirtschaftlichen Ordnung", schreibt Merz in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag". Das stecke hinter den Forderungen nach radikalen Lösungen, "der eine oder die andere spricht es ja auch ganz offen aus". […..]

Hier sehen wir deutliche Anzeichen einer schwarz-braunen Bromance.
Von Merz bis zu David Bergers Attacken auf die Grünen ist es nicht weit.

Die AfD hat unterdessen ihr eigenes Konzept entdeckt, wie man das Klima und Deutschland rettet: Indem man die gefährlichen Grünen bekämpft!
Die Umwelt könne nur geschützt werden, indem die Grünen gestoppt würden.

Berger Phimoseblog 21.09.2019