Sonntag, 4. August 2019

MABA - Make Amerika Bad Again


Anders als beispielsweise die Generation der Parkland-Überlebenden, Kinder wie David Hogg, Emma Gonzalez, Sarah Chadwick, Jaclyn Corin, Ryan Deitsch, Aalayah Eastmond, Sam Fuentes, Cameron Kasky, Delaney Tarr and Alex Wind, die von Waffen-fanatischen Republikanern bekämpft werden, habe ich keinerlei Hoffnung, daß sich an den US-Waffengesetzen etwas ändert.
Zu tief stecken Trump und alle Republikaner im Arsch der NRA.

Das US-Christentum ist eine zutiefst abstoßende Religion der Niedertracht, das Donald Trump ins Amt half, ihn im Amt hält und möglicherweise 2020 wiederwählt.
Eins ihrer wichtigsten Argumente ist dabei sein radikaler Einsatz für Schusswaffen, der amerikanische Massaker alltäglich macht.

(…..) Die phallischen Mord-Instrumente sind im Land der 30.000 Schusswaffentoten den Rechten wichtiger als alles andere.

[….]  Trump signs bill reversing Obama rule to ban gun purchases by mentally ill
[….]  President Trump killed a regulation that would have tightened gun background checks Tuesday, signing a bill to undo one of his predecessor's executive actions following the San Bernardino shootings in 2015.
The Obama administration rule required the Social Security Administration to submit records of mentally disabled people to the National Instant Criminal Background Check System, the FBI database used to determine whether someone can buy a firearm under the 1993 Brady Bill.
The rule would have applied to about 75,000 people who were “adjudicated as a mental defective" and who had applied for Social Security benefits, and had a mechanism to notify those affected so they could appeal. But congressional Republicans said the rule could ensnare people who had mental health issues but otherwise were competent to own a gun. [….]  The bill signing fulfills a campaign promise for Trump. Even before Obama announced his executive actions before his State of the Union Address last year, Trump said he would "un-sign that so fast" once he becomes president. [….] 

Endlich können auch die psychisch Kranken ohne jede Einschränkung vollautomatische Waffen bekommen, so viel sie wollen.
Das freut das Republikanerherz.
Denn gegen Schulschießereien helfen bekanntlich nur Globuli und Gebete, nein, sorry, thoughts and prayers! Ich war kurz mit den evangelikalen Irren in Deutschland durcheinander gekommen.

[….]  Florida State Senator Kelli Stargel votes against assault weapons ban, claims “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings.
 In a despicable but not surprising development, Republican State Senator Kelli Stargel voted against a moderate and sensible ban on assault weapons after the recent school shooting at Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, that left 17 dead and many more injured.
Adding insult to injury, the Florida lawmaker went on to suggest that “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings. Speaking on the floor of the Florida Senate, Stargel said:
    Thoughts and prayers are really the only thing that’s going to stop the evil from within the individual that is taking up their arms to do this type of massacre. [….]

Dank der überzeugten Christen in Amerikas Parlamenten, werden die USA weiterhin extreme Hochburg des hausgemachten Terrors mit bis zu 40.000 jährlichen Toten durch Schusswaffen sein.
Es ist müßig das nach jedem grausamen Massenmordlauf, wie den beiden vom Wochenende in Texas und Ohio mit 29 Toten, erneut zu beklagen.
Die Trauer der Angehörigen ist natürlich echt, aber das kollektive Entsetzen im Land wirkt schal, wenn man sich vergegenwärtigt, daß je nach Gegenkandidat in den meisten Fällen eine absolute Mehrheit der Bürger Trump wiederwählen würde.

Die Parkland-Jugendlichen hatten sich an dem Gedanken berauscht zwar nicht die Republikaner umstimmen zu können, aber im Herbst 2018 bei den Zwischenwahlen die bösartigen NRA-Epigonen aus den Ämtern zu jagen.
Stattdessen bauten die Republikaner ihre Senatsmehrheit sogar aus und Moscow-Mitch blockiert hartnäckig jede Verbesserung für das amerikanische Volk.
Das bringt eine neue Qualität in die Diskussion über die Mass-Shotings in den USA, da es sich bei den Tätern immer weniger um verrückte Psychopathen handelt, sondern zuletzt die Täter meist radikalisierte glühende Trump-Fans waren.
Menschen mit tiefsitzenden Komplexen, die von Rassismus beseelt dem Hetzer im Oval Office zuhörten, bis sie sich eines Tages genötigt sehen zu handeln.
Gun-Massaker sind typisch für die USA, aber inzwischen hat eine Metamorphose zum „Weißen Terrorismus“ stattgefunden.


Der US-Präsident höchst selbst stiftet seine Follower zu terroristischen Attacken gegen ihr eigene Bevölkerung an.
Al Kaida und IS können jetzt in Rente gehen; ihr Job wird von den Amerikanern selbst viel effektiver erledigt.

[….]  Die demokratischen Herausforderer Donald Trumps machen den Präsidenten mitverantwortlich für die Morde von El Paso und Dayton. Die Gewalttaten könnten zu einem Wendepunkt im amerikanischen Wahlkampf werden.
  Donald Trump ist nicht dafür bekannt, dass er um Worte verlegen ist. Aber an diesem so furchtbaren Wochenende blieb der Präsident lange Zeit seltsam still. Was die Amerikaner und die Welt von ihm hörten, waren ein paar dürre Sätze auf Twitter: Dass seine Gedanken und Gebete bei den Bürgern von El Paso seien. [….]  Es waren Sätze, in die sich Trump schon so oft geflüchtet hat; Sätze, die so oder so ähnlich immer fallen, wenn wieder einmal die Eilmeldung über die Fernsehbildschirme jagt, dass ein Mann (und es sind fast immer Männer) mit einem Sturmgewehr ein Massaker angerichtet hat. In der Regel reichen die immer gleichen Phrasen aus, um zurückzukehren zur Normalität. [….]  Nach diesem Wochenende werden die Politiker in den USA nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen. Und der Grund ist nicht nur, dass Stunden nach dem Terrorakt von El Paso ein bis an die Zähne bewaffneter Mann in Ohio ebenfalls neun Menschen tötete. Es liegt auch daran, dass in den USA Wahlkampf ist und die Demokraten keinen Zweifel daran lassen, wem sie eine Mitschuld geben für das Verbrechen in Texas.
"Donald Trump trägt die Verantwortung", sagte Cory Booker am Sonntag im Fernsehsender CNN. "Er benutzt selbst die Sprache des Hasses", so der Demokrat, der für seine Partei 2020 als Präsidentschaftskandidat antreten möchte.
So wie Booker, Senator in New Jersey, äußerten sich auch andere Anwärter. "Wir haben einen Präsidenten, der Mexikaner dämonisiert", sagte Pete Buttigieg, der Bürgermeister von South Bend, Indiana und fügte hinzu: "Wir erleben eine Form des weißen Terrorismus, der hier in den USA herangezüchtet wurde." Beto O'Rourke, der in El Paso geboren wurde, nannte Trump einen Rassisten, der an die Überlegenheit der weißen Amerikaner glaube: "Er befördert diese Gewalt." [….] 

Trump äußert sich schließlich nicht gelegentlich rassistisch oder setzt seinen Rassismus nur zu Wahlkampfzwecken ein.
Nein, die gesamte Familie Trump ist seit Generationen rassistisch, Trump selbst führt seit den 1970er Jahren rassistische Kampagnen und posaunt als Präsident beinahe täglich die übelsten rassistischen Attacken hinaus.
Rassismus ist aber keine bloße Unhöflichkeit oder Beleidigung, sondern führt zu Mord und Totschlag. Charles Manson brachte seine Opfer auch nicht mit eigenen Händen um.
Jeder halbwegs anständige Menschen versteht das; dafür muss man nichts selbst dunkelhäutig, schwul oder Ausländer sein.


Es gibt keine Rechtfertigung, um so ein mieses Stück Scheiße wie Trump zu akzeptieren.
Wir alle, von den einzelnen privaten Postern in den sozialen Medien bis hinaus zu den Regierungschefs müssen Trump und seinen ideologischen Freunden Johnson, Duterte, Salvini und Bolsonaro jederzeit massiv entgegen treten.

[….]  Die mexikanische Regierung spricht nach dem Terroranschlag im texanischen El Paso von "fremdenfeindlicher Barbarei". Der Vize-Außenminister lässt keinen Zweifel daran, wen er für den Anstifter hält.
[….]   "Wir verurteilen diese barbarische Tat, bei der unschuldige Mexikaner getötet wurden", sagte Außenminister Marcelo Ebrard [….]  Auch sein Vize, Jesús Seade, verurteilte den offenbar rassistisch motivierten Angriff: "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt", schrieb er auf Twitter. Und weiter: "Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss komplett beendet werden."
Eine deutliche Ansage an Donald Trump: War es doch der US-Präsident, der sich in den vergangenen Wochen mehrfach massiv rassistisch geäußert hatte. [….] 

So wie Trump seit drei Jahren die Zahl der Hate-Crimes in Amerika Monat für Monat ansteigen lässt führen auch die AfD und deutsche Hetzblogs zu einem kontinuierlichen Anstieg der Gewalt gegen Minderheiten.


[…..] AfD schürt Furcht vor Zuwanderern
Die AfD rückt ausländische Tatverdächtige in den Mittelpunkt und zeichnet im Vergleich zur Kriminalstatistik ein verzerrtes Bild. Das mache sie "überraschend konsequent", sagen Forscher, die AfD-Pressemitteilungen analysiert haben.
Eine Studie von Medienforschern über die AfD kommt zu dem Ergebnis, dass die Partei systematisch Angst vor Zuwanderern schürt. Die Professoren Thomas Hestermann (Hamburg) und Elisa Hoven (Leipzig) werteten dazu mehr als 240 Pressemitteilungen der AfD zum Thema Kriminalität auf Bundes- und Länderebene aus dem Jahr 2018. […..]

Ob AfD, ob Weidel, ob Steinbach, ob Berger oder ob Grenell, Trump, Johnson oder Salvini – diese Typen sind Abschaum.
Man muss sich ihrer Agenda 24/7 widersetzen.

[…..] Die EU täte gut dar­an, ihr ei­ge­nes au­ßen­po­li­ti­sches Pro­fil zu schär­fen. Ego­zen­tri­kern wie Trump und John­son ist nicht bei­zu­kom­men, in­dem man sie ein­bin­det, ihre Es­ka­pa­den her­un­ter­spielt. Ge­gen Po­pu­lis­mus hel­fen nur Hal­tung und Klar­heit. Kon­kret be­deu­tet das, dass die EU mit John­son nicht über das Aus­tritts­ab­kom­men nach­ver­han­deln und sich kei­nes­falls Trumps Iran­po­li­tik an­schlie­ßen soll­te. Statt­des­sen soll­ten sich die Eu­ro­pä­er um eine Schutz­mis­si­on in der Stra­ße von Hor­mus be­mü­hen und gleich­zei­tig nach di­plo­ma­ti­schen We­gen su­chen, das Ab­kom­men zu ret­ten. Wäh­rend des Irak­kriegs 2003 ge­wann Eu­ro­pa an Sta­tur, in­dem Frank­reich und Deutsch­land eng zu­sam­men­stan­den. Es ist an der Zeit, dass bei­de Staa­ten die­se Al­li­anz wie­der­be­le­ben.  […..]
(Der Spiegel, M. Popp, Leitartikel 03.08.2019)

 

Samstag, 3. August 2019

Ein glückliches Leben.


Heute habe ich einen Umzug durchgeführt.
Der alte Herr zwei Häuser weiter, den ich schon lange betreue, kam in ein Pflegeheim.
Ich hatte in den letzten Jahren alles nur irgendwie Mögliche getan, um ihm Hilfe zu organisieren, daß er in seiner vertrauten Umgebung bleibt, aber ab einem gewissen Stadium der Demenz ist das nun mal nicht mehr zu verantworten.
Verwandte gibt es nicht, also hängt es an mir.

Da ich als Wrack mit einer Menge Edelstahlteilen in den Knochen nur sehr bedingt als Möbelpacker tauge, holte ich mir Hilfe von Herrn Durrani, einem pakistanischen Kleinst-Unternehmer, der mir schon ein paarmal bei Transporten geholfen hatte.

Wenn es einen Unterschied zwischen Deutschen und Ausländern gibt, so ist das die Flexibilität.
Erst Donnerstagabend hatte sich die Chance ergeben den Umzug heute, am Samstag zu machen.
Ruft man aber Freitags einen deutschen Handwerker/Umzugsunternehmer an, gehen die ohnehin nicht ans Telefon ist, weil es ja nur „ein halber Tag“ ist und wenn man nach Terminen MORGEN fragt, auch noch am Wochenende, lachen die sich tot oder legen auf.
Herr Durrani hingegen geht immer ans Telefon. Ob nun am Wochenende oder nachts; das ist egal. Und er ist immer gut gelaunt, zuvor kommend.
Seine Antwort ist immer „kein Problem.“
Leicht irritiert war er nur als ich nach Luftpolsterfolie fragte. Daß man Wandgemälde vor einem Transport in Schutzhüllen packt, war ihm neu.
Aber auch das war selbstverständlich „kein Problem“, er kauft gern noch vorher diese Folie bei Bauhaus.
Er rief sogar noch mal an aus dem Laden, weil ihm die Dinger offenbar nicht geheuer waren, „wie viele soll ich kaufen? Zwei ganze Rollen?“

Wir kamen fast gleichzeitig vor dem Haus an, er stand breit grinsend
 - Kurze Hose, ausladender Bauch, Flipflops – da und vermittelte den Eindruck, er habe sich noch nie über etwas so sehr gefreut, wie mich zu sehen.
Verblüffend, denn ich freute mich überhaupt nicht auf den Tag.
Der Herr, dessen Haushalt ich umzog, wußte nämlich nichts von seinem Glück.
Ich hatte ihn trickreich kurz zuvor zum Friseur gebracht, wo er ausgibig behandelt wurde und nun die Aufgabe in seiner Abwesenheit seine persönlichen Sachen einzupacken und wegzuschleppen.
(Natürlich legal; ich habe die notarielle Vollmacht.)
Aber ich bin so deutsch sozialisiert, daß ich extremen Widerwillen davor habe in die Privatsphäre anderer Menschen einzugreifen. Ich klaube nicht gern den Inhalt des Schreibtisches und Nachschranks anderer Leute auseinander.
Herrn Durrani störte hingegen gar nichts.
Seine Arbeitsweise war auch viel effektiver als Meine. Während ich schnell im Staub saß, schwitzte und fluchte, stellte sich sein „zweiter Mann“ (um den ich gebeten hatte), als Duo heraus. Zwei junge Pakistaner, höflich, klein, dünn, kein Wort deutsch sprechend, packten nämlich nicht „mit an“, sondern sie waren „die Anpacker“.
Herr Durrani guckte ganz irritiert, als ich ihm einmal einen Blumenkübel in die Hand drücken wollte. Nein, er sei nur da zum Koordinieren. „Ich gebe hier die Anweisungen“.
Die beiden Jungs flitzen, schwitzten, schufteten. Ich schwitze und schuftete. Herr Durrani grinste immer mehr, erzählte, guckte zu und koordinierte.
Ob der Bewohner wohl sehr alt wäre, schließlich wären die Möbel alle antik. Ihm gefiel das sehr; er liebe alte Handwerkskunst und möge kein IKEA.
Klar, ihm konnte es ja auch egal sein, ob man die schweren Stücke auseinanderbauen kann.
Als ich im erklärte, der Besitzer der Möbel wisse noch gar nichts von seinem Umzug, weil er schon zu dement sei, um mit ihm zusammen zu planen, fragte er nach dem Alter, pfiff kurz erstaunt auf und meinte, das wäre auch zu alt.
Er plane mit 75 zu gehen. In der nächsten Welt wäre es ohnehin viel schöner und da gäbe es keine Demenz.
Von der nächsten Welt hielte ich nichts, gab ich zu bedenken, aber ja, auch ich hoffte möglichst vor der Alzheimerkeule den Löffel abzugeben.
Nun wurde er kurz ernst, die nächste Welt sei real, Mohammed habe sie mit eigenen Augen gesehen. Der habe sie besucht und von Allahs Herrlichkeit und dem Glück, welches uns alle erwarte genau berichtet.
Wie könne er sich da so sicher sein, warf ich ein. Schließlich sei Mohammeds Bericht schon 1.500 Jahre alt und man wisse doch wie im Laufe der Zeit Geschichten verändert würden.
Das allerdings verstand er wirklich gar nicht. Nein, Mohammeds Prophezeiungen gelten selbstverständlich für „alle Millionen Jahre und für alle Menschen“ grinste er wieder zufrieden in sich ruhend. Ich sah einen völlig zufriedenen Menschen vor mir.
Und dann koordinierte er noch ein wenig.

Freitag, 2. August 2019

Werden es die Linken, wie immer, verbocken?


Das sind wirklich ungeheuerliche Umfragen, die amerikanische Meinungsinstitute zu den Präsidentschaftswahlen gegenwärtig veröffentlichen.
Hätten die Wähler zwischen Trump und Elisabeth Warren zu entscheiden, gewänne Trump knapp. Recht deutlich würde er Pete Buttigieg oder Kamala Harris gewinnen; ebenso schlüge er Bernie Sanders und Cory Booker.

 
Der einzige, der in allen Umfragen vor Trump liegt ist Joe Biden, der End-Siebziger, der schon deutliche Anzeichen von Senilität zeigt.

[…..] Anders als bei der ersten Fernsehdebatte in Miami war er am Mittwochabend in Detroit auf Attacken vorbereitet. Anders als in Miami schleppte er sich einigermaßen unbeschädigt bis zum Ende des Abends. Wenn man davon absieht, dass er sich wiederholt verhaspelte, teils unsicher wirkte und in seinem Schlussvotum sogar dabei scheiterte, die Adresse seiner Website in die Kamera zu sagen. [……]

  
Natürlich klebte ich die letzten beiden Nächte am Bildschirm, als die in zwei Teilen stattfindenden demokratische Debatte aus Detroit übertragen wurde.
Es stimmt, Biden war viel besser und aggressiver, als beim letzten Treffen mit Kamala Harris, aber der Mann zeigt deutliche Alters-Einschränkungen.
Als President Elect würde er eine neue amerikanische Gerontokratie einläuten.

(……) Trump ist Präsident, weil die unter 30-Jährigen mal wieder nicht von ihren Klugtelefonen wegzuholen waren, lieber Make-Up-Tutorials und Instagram-Beautycontesten frönten, als zur Wahl zu gehen.
Die beiden 70-Jährigen Großeltern-Kandidaten waren zu weit weg – in jeder Hinsicht.

Joe Biden würde bei seiner Vereidigung 78 Jahre alt sein, am Ende der ersten Amtszeit 82 sein.
Nancy Pelosi, Speakerin im House, die derzeit ranghöchste Politikerin der Demokratin wurde am 26.März 1940 geboren, ist jetzt also 79, wird am Anfang einer möglichen Biden-Präsidentschaft also 81 Jahre alt sein.
[……]
Nach dem Trump-Alptraum muss in den USA eine neue Ära beginnen, die alten homophoben, climate-change-Negierer, isolationistischen, misogynen, Lobbyhörigen, rassistischen Zöpfe müssen alle abgeschnitten werden.
Die Jahre 2021-2029 im Oval Office können nicht glaubwürdig von der Urgroßelterngeneration gestaltet werden, die mit annähernd 90 Politik für die Zukunft machen soll. (……)

Natürlich muss man sich hinter Biden stellen, wenn er der einzige ist, der Trump klar schlagen kann.
Es nützt nicht über die Aussagekraft von Umfragen zu lamentieren, wenn einem das Ergebnis nicht passt.
Wer die Poll-Daten anzweifelt, sollte sich an 2016 erinnern, als sämtliche Umfrageinstitute nahezu eine Punktlandung hinlegten und Hillary Clintons Zwei-Prozent-Vorsprung vor Trump exakt das Wahlergebnis traf.
Man hatte in Europa nur nicht daran gedacht, daß in den USA die „popular votes“ nicht unbedingt den Präsidenten bestimmen.
Obwohl Clinton fast drei Millionen Stimmen mehr bekam, verlor sie.
 Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Wenn Trump schon Zwei Prozent Rückstand reichten, um ins Oval Office einzuziehen, schafft er das mit vier Prozent Vorsprung erst recht.

Wie irre und pervers kann eine Nation sein?
52% der Amis hätten lieber Trump als Präsident als Kamala Harris, die nur auf 48% käme.
Dabei haben sich die Umfragen gerade in den letzten Wochen zu seinen Gunsten gedreht.
Bevor die Mehrheit der Amis eine Frau, einen Schwulen, einen Schwarzen, einen Asiaten oder einen Latino wählt, scharen sie sich lieber um Trump, der zwar auch nicht weiß, sondern orange ist und unter seinem Mikrophallus leidet, aber er hasst wenigstens die Richtigen – alle anderen.

Ein Dilemma für kluge, qualifizierte, erfahrene und sympathische Frauen wie Warren, Harris oder Gillibrand (die ich übrigens 2012 und 2018 direkt in den Senat wählte), denn bei einem demokratischen Bewerberfeld von >20 können sie ganz schnell rauskippen, wenn sie zur nächsten Debatte nicht die geforderten Mindestwerte erreichen:

[….] It's twice as hard to qualify for the third round of debates as it was for the first set. Candidates now need to have 130,000 unique donors (with a minimum of 400 unique donors per state in at least 20 states) and at least two percent support in four qualifying polls released between June 28 and August 28. [….]

Senatorin Gillibrand konnte beide Kriterien bisher nicht erfüllen.

Da muss man sich schon gute Sprüche einfallen lassen, um in Erinnerung zu bleiben.


Der wirksamste Weg Bekanntheit zu generieren, ist es natürlich den Bekanntesten – Joe Biden – anzubellen.
Zumal Biden die meisten Prozente auf sich vereint.

[…..] Alle neun anderen Präsidentschaftsbewerber an diesem zweiten Abend der zweiten Demokraten-Debatte scheinen nur ein Angriffsziel zu haben - den Spitzenreiter in den Umfragen.
Am Vorabend fanden sich die Linken Elizabeth Warren und Bernie Sanders im Kreuzfeuer, jetzt ist es der moderate Biden. Es ist, als durchlebe die Partei vor der gesamten TV-Nation eine Sinnkrise und zerfleische sich dabei in alle Richtungen. Am Ende lacht sich nur einer ins Fäustchen: US-Präsident Donald Trump.
Biden wird in Detroit sofort von allen anderen Kandidaten angegriffen. Oft geht der Blick zurück in seine Vergangenheit: Unter anderem wirft ihm Senator Cory Booker vor, dass er in den Neunzigerjahren eine Justizreform angeschoben habe, die völlig ungerechtfertigt zu Masseninhaftierungen und zu längeren Haftstrafen geführt habe. [….]

In so einer Lage können sich hochqualifizierte potentiell wirklich gute Präsidenten nur entweder zurückhalten und still Opa Biden unterstützen, oder sie müssen sich rabiat selbst in den Mittelpunkt drängen – mit der Gefahr, daß Trump davon profitiert.

[….] "Statt aufzuzeigen, was unter Trump alles falsch läuft, zielen viele Demokraten auf das Vermächtnis ihres letzten Präsidenten", sagte der demokratische Stratege Paul Begala, als die Debatte vorbei war. So torpedierten sie ihre Chance, Trump in den Wahlen zu besiegen. [….]

Donnerstag, 1. August 2019

Impudenz des Monats Juli 2019


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Meiner Umwelt begegne ich immer sehr kontrolliert. Genauso wenig zeige ich mich mit verheultem Gesichtsausdruck, wie ich anderseits auch nicht mit ostentativ guter Laune und einem Lächeln auf den Lippen durch die Straßen hüpfe.

Es liegt mir fremd mich von äußeren Ereignissen emotional so beeinflussen lassen, daß ich mich tagelang himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt zeige.

Ganz anders ist es bei der AFD und rechten Blogs, die ich hiermit zu Blödmännern des Monats Juli 2019 ernenne.
David Berger, Alice Weidel, Höcke, Gauland und Co erleben gerade ihren inneren Reichsparteitag.
Extremer Priapismus herrscht in den Redaktionsstuben von PI, PIPI und AfD-Medienabteilungen.


 Sie können ihr Glück weder fassen, noch für sich behalten. Es strahlt ihnen aus jedem Knopfloch. In höchster präejakulativer Exstase ergießen sie ihre Erregung in die Welt hinaus.


Einfach herrlich; es gibt doch nichts Schöneres als ein von einem Dunkelhäutigen ermordetes Kind.
Da kann man nach Herzenslust tagelang hetzen.


Der einzige kleine Schönheitsfehler besteht in der Religion des Täters; natürlich hatten Phimoseblog und Co sofort die typisch Bösartigkeit eines Islamisten als Motiv der Frankfurter Tat ausgemacht. Etwas blöd, daß der 40-Jährige Täter aus Eritrea Christ ist und kein terroristisches Motiv hatte, sondern tatsächlich unter einer schweren Psychose litt.
Aber für die rechten Hetzer spielen Fakten natürlich keine Rolle.
Auch nach dem Notre-Dame-Brand, der rein gar nichts mit einem Anschlag, Terrorismus oder Islamismus zu tun hatte, nutze Pipi-Blogger Berger tagelang den Anlass, um gegen christenfeindliche Flüchtlinge zu schießen.

Ohnehin ist Rassismus eine noch stärkere Antriebsfeder für sie als Antiislamismus.
Die Hautfarbe genügt also vollkommen, um flächendeckend ihre triefende menschenfeindliche Hetz-Gülle zu verbreiten. Ein „Neger“ hat ein blondes deutsches Kind getötet – so muss sich das Paradies der AfD-Spindoktoren anfühlen.

[…..] Der Schweizer Eritreer war – welch ein Zufall – angeblich psychisch gestört. Merkwürdig, daß Täter aus Migrantenkreisen häufig psychisch gestört sind. Klingt nicht nach Fachkräften. […..]

 

Perfider als jeder Autobahngaffer geilen sie sich am Entsetzen und Leid der Mutter auf, verbreiten Millionenfach das Bild des armen, hübsch, blonden, deutschen 8-Jährigen Oskars. Zum Glück für die trauernden Angehörigen sind auch das reine Lügenmärchen.

[….] In sozialen Medien wird aktuell ein Foto verbreitet, das angeblich den getöteten Jungen zeigen soll. Das Foto zeigt aber nicht das Opfer vom Frankfurter Hauptbahnhof. Die Aufnahme kursiert bereits seit Jahren im Internet. Seit spätestens 2014 ist das Bild in verschiedenen Versionen im Internet zu finden. Besonders häufig taucht das abgebildete Kind als Haarmodel auf Friseur- und Mode-Webseiten auf. Der oder die Urheber des Posts mit dem falschen Foto stellen den abgebildeten Jungen nicht nur als das Opfer von Frankfurt vor, dem Jungen wird auch der angebliche Name Oskar gegeben.  Auf dpa-Anfrage erklärte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes würden Namen von Beschuldigten, Opfern und Zeugen "weder genannt noch bestätigt oder dementiert". Es gibt bisher keinen seriösen Beleg dafür, dass der Junge tatsächlich Oskar hieß. Das Nachrichtenportal "t-online.de" berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, das Opfer habe einen anderen Namen. [….]

  
Um den rechten AfD-Spin zu erzeugen, braucht es keine Fakten, sondern eine gut auszubeutende Story.
Dazu gehören ein (blondes) Opfer, das die emotionale Verbundenheit weckt und ein Schwarzer als Bösewicht, auf den die Rechten all ihre Vorurteile, Komplexe und Hassgefühle abladen können.
Das lässt sich dann tagelang ausschlachten. Endloser kostenloser werbewirksamer Content für die eigenen Hetzpostillen.


Die gesamte AfD-Blase verbreitet die Lüge von einem „Anschlag“ – auch noch Tage nachdem längst bewiesen ist, daß es bei dem Psychomord keinerlei islamistische oder terroristische Komponente gab.


Die braune Impudenz des Monats Juli 2019 tickt nicht nur politisch abscheulich und gefährlich nah an der NSDAP, sondern diese Leute sind auch noch menschlich abscheulich und moralisch völlig verkommen.


[…..] Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1993? Bill Clinton wird US-Präsident, Bayer Leverkusen gewinnt den DFB-Pokal, Helge Schneider singt „Katzeklo“ – und in Deutschland sterben 1468 Menschen einen gewaltsamen Tod.
Ach, an die Toten erinnern Sie sich nicht? Ich gebe zu, ich auch nicht. Aber ausweislich der polizeilichen Kriminalitätsstatistik war 1993 in Deutschland das blutigste Jahr seit der Wiedervereinigung. […..] Damals wurden in Deutschland etwa doppelt so viele Menschen umgebracht wie heute.
  Die Statistik lässt keinen Zweifel daran: Deutschland ist heute ein sicheres Land. […..] Deswegen ist es so perfide, wie Politiker der AfD – allen voran Fraktionschefin Alice Weidel – nur wenige Stunden nach den jeweiligen Bluttaten versuchen, diese politisch zu instrumentalisieren. Weidel und ihre Helfershelfer wollen nicht zurück in einen friedlichen Alltag, sie wollen Ausnahmezustand, die Menschen aufwühlen, sie anstacheln – je hitziger die Stimmung desto besser. Es ist eine widerwärtige Strategie, die letzten Endes auf die Zersetzung unserer Gesellschaft zielt. […..] Weidel schließt von einem Menschen auf alle, sie nimmt ein ganzes Volk in Sippenhaft. Und sie verbreitet ohne jede Hemmung ein Standbild aus einem Video von der Bluttat, das die Betreiber von Twitter, Facebook und Youtube trotz eindeutiger Bitte der Polizei auch nach Stunden nicht aus ihren vermeintlich sozialen Netzen entfernt haben. […..]  
 (Andreas Niesmann/RND, 01.08.19)

Es bleibt nicht bei Perfidie der Rechten, sondern ihre Bösartigkeit hat echte Folgen.
Während die Gesamtkriminalität in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert sinkt und sich gegenwärtig auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung 1990 befindet, schüren AfD und Co so effektiv Ausländerhass, daß es jedes Jahr mehr Hassverbrechen gibt.

Gewalttätige Sprache befördere Gewalt.

[…..] Prügelattacken, Brandanschläge, Morde. Seit 1990 werden rechtsextreme Gewalttaten in Deutschland erfasst. Bis zu 169 Menschen sollen seitdem durch braunen Terror getötet worden sein. Wichtige Fälle im Überblick.
"Politisch motivierte Kriminalität - rechts". So nennen die Sicherheitsbehörden in Deutschland Straftaten, die von Rechtsextremen aufgrund ihrer Gesinnung begangen werden. Dazu zählt insbesondere Gewalt gegen Ausländer, Juden, Muslime, politische Gegner oder Vertreter des Staates.1.156  solcher Gewalttaten registrierte der Staat im Jahr 2018.
Seit der Wiedervereinigung 1990 werden Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland erfasst. Die Behörden zählten seitdem 85 Todesopfer. Journalisten kommen dagegen auf mindestens 169 rechtsextremistisch motivierte Morde. Sie werfen den Behörden vor, viele Fälle fälschlicherweise nicht als politische Gewalt einzustufen, sondern beispielsweise als private Rache. [….]


Wenn Berger und Weidel immer wieder Horrorstorys von „Messermännern“ hinausposaunen, fühlen sich immer mehr labile Idioten dazu animiert selbst gewalttätig zu werden.


[….] Bei den Untersuchungen zum Verhalten von Jugendlichen, die wir am KfN in regelmäßigen Abständen durchführen, stellen wir fest, dass unter Anderem frühe Gewalterfahrungen im Elternhaus die eigene Gewaltbereitschaft erhöhen. Im Hinblick auf politisch motivierte Gewalttaten stellen wir fest, dass ein geschlossenes rechtes Weltbild der Befragten, im Kern geht es hierbei um die Ablehnung der fundamentalen Gleichheit von Menschen, einen erheblichen Risikofaktor darstellt. Das teilen solcher Einstellungen führt aber nicht ausnahmslos zu rechter Gewalt. Kommen zudem rechte Einstellungen im sozialen Umfeld dazu, steigt das Risiko deutlich. Auch spielen Faktoren wie mangelnde Empathiefähigkeit, mangelnde Selbstkontrolle, ein niedriges Bildungsniveau sowie Deprivations- und Desintegrationserfahrungen, also beispielsweise Arbeitslosigkeit der Eltern eine entscheidende Rolle. Ein bereits bestehender Kontakt zur rechten Szene, etwa durch das Hören rechter Musik oder den Besuch rechter Demonstrationen kann ebenfalls als schwerwiegender Risikofaktor angeführt werden.
Straftäter aus dem rechten Spektrum, die anschließend nach Tatmotiven befragt werden, geben immer wieder an, dass sie davon überzeugt sind, im Interesse der stillen Mehrheit gehandelt zu haben. Das entspricht zwar glücklicherweise nicht der Realität, wird aber anscheinend teilweise so wahrgenommen. […..]

Heribert Prantl und Georg Restle haben es in den letzten Wochen schon angesprochen, es wird Zeit, daß sich das Bundesverfassungsgericht mit der AfD befasst. Tausende Opfer gewalttätiger rechter Übergriffe, hunderte Tote. Wie lange wollen wir noch warten, bis diesem Abschaum das Handwerk gelegt wird?

 […..] Was treibt eine Frau wie Alice Weidel (AfD) dazu, mit der Herkunft des mutmaßlichen Täters ihr schmutziges Süppchen zu kochen? „Schützt endlich die Bürger unseres Landes – statt der grenzenlosen Willkommenskultur!“, twitterte sie, kaum war die Nachricht vom gewaltsamen Tod eines Kindes am Frankfurter Hauptbahnhof bekanntgeworden. Und die Fangemeinde applaudierte.
Es ist gerade eine Woche her, dass im hessischen Wächtersbach ein Landsmann des mutmaßlichen Täters, ein Eritreer, zum Opfer eines offensichtlichen Mordversuchs geworden ist. Das entlastet den Verdächtigen von Frankfurt natürlich nicht, aber was hat Alice Weidel damals getwittert? Nichts.
Ein Mensch begeht eine Gewalttat, das ist die schreckliche, aber auch die ganze Geschichte. Es gibt Täter, und es gibt Opfer, also bitte: Hört auf, sie nach Nationalität und Hautfarbe zu unterteilen. Noch mal, damit ihr es kapiert: Haltet doch mal den Mund, ihr Hetzer! […..]