Freitag, 17. Juni 2016

Amerika versus Deutschland.



Amerika ist schon ein irgendwie erstaunliches Land.
Die Heterogenität der Nation betone ich ohnehin immer. Den liberalen Typen in den Universitätsstädten der Ostküste drehen sich genauso die Mägen um beim Gedanken an die Rednecks aus dem Biblebelt wie umgekehrt.

Trumps Aufstieg zu verfolgen brachte wieder den Gruselfaktor meines Amerikabildes auf Maximalwerte.

There is an "excellent chance" that Donald Trump will become the next president of the United States, and Americans "need to take that very seriously," controversial filmmaker Michael Moore said Thursday.
"He knows how to manipulate a dumbed-down population," Moore, who has backed Democratic candidate Bernie Sanders' presidential campaign, said during a press conference in London while promoting his latest film, "Where to Invade Next," reports NBC News.
Moore went on to comment that in the United States, "the population of schools has been wrecked, and the news media is just insipid and stupid and doesn't give the people the facts about what's going on."
As a result, he continued, the public is "easily manipulated" by someone like Trump.
"He's not as stupid as he looks," Moore said of Trump. "You should take it very seriously He knows the manipulation that's going on here, and the use of propaganda and the way he's doing it is just brilliant in the way that he is succeeding and has succeeded."


Was sind das nur für groteskte Typen, die zu Millionen seinen komplett absurden und gelogenen Tiraden zujubeln?

Wenn man den Umfragen glauben darf, stellen sich allerdings die meisten Amerikaner diese Fragen.


Nach Trumps ausführlicher Post-Orlando-Selbstbeweihräucherung unkte die Presse noch, dieser Monsteramoklauf werde die islamophpobe Hysterie extrem verstärken und damit Trump ins Oval Office bringen.

Amerika ist sicher das Land der extremen Umschwünge, aber nun gibt es erste Anzeichen, daß Trump auch überzogen haben könnte.
Die 50 hingemetzelten Leichen in Florida derart zu instrumentalisieren, während sich der Rest des Landes bemüht jetzt zusammen zu stehen, Solidarität zu zeigen und sich hinter dem Präsidenten schart, könnte eine Umdrehung zu viel gewesen zu sein.
Nun fragen sich noch mehr Amerikaner, ob Trump wirklich der Richtige ist für den Präsidentenjob.

Trump stürzt ab
[…] In vier Wochen soll Donald Trump zum Kandidaten der US-Republikaner gekrönt werden. Doch seine Umfragewerte sinken dramatisch. In seiner Partei herrscht Panik. […]
 Drei große Erhebungen sind in dieser Woche erschienen, allesamt hatten sie schlechte Nachrichten für den Milliardär. Laut "Bloomberg" liegt Trump derzeit zwölf Prozentpunkte hinter Hillary Clinton. Laut Reuters sind es neun Punkte, laut CBS News sind es sechs Punkte. In allen aktuellen Umfragen bleibt Trump unterhalb von 40 Prozent Zustimmung. Ein erstaunlicher Absturz: Nachdem Trump sich vor sechs Wochen die Nominierung sicherte, lag er in fast allen Erhebungen entweder gleichauf mit Clinton oder sogar vor ihr.
Aber die Kopf-an-Kopf-Frage ist nur bedingt aussagekräftig. Wie schlecht es um den Republikaner steht, zeigen erst die Details. Trumps Imageprobleme haben sich massiv verschärft. […] In manchen Wählergruppen ist sein Rückhalt kaum noch messbar. 96 Prozent der Afroamerikaner halten den Zahlen der "Washington Post" zufolge nichts von ihm, 89 Prozent der Hispanics und 77 Prozent aller Frauen. Laut CBS News liegt Trump in allen Altersgruppen inzwischen teils deutlich hinter Clinton. Bei Amerikanern unter 30 Jahren kommt er nur auf eine Zustimmung von 29 Prozent. […]

Oh Wunder, nach 17 gescheiterten Gegenkandidaten und der überzeugenden Trump-Stimmenmehrheit für die RNC-convention, gibt es sogar erneut Pläne die Loose Cannon noch vom Thron zu stoßen.

A coalition of Republican delegates is mounting a last-ditch effort to block Donald Trump from obtaining the GOP nomination by pushing for a "conscience clause" that would allow delegates to vote against the presumptive nominee.
Kendal Unruh, a Colorado delegate, organized a call with dozens of other delegates Thursday night to discuss ways to block Trump at the convention. The group, Unruh says, marks the coalescing of disparate "pockets of resistance" -- including backers of Sen. Ted Cruz, Sen. Marco Rubio and Ohio Gov. John Kasich -- which had been opposing Trump with little success.
"This is a coalition of Kasich, Cruz and Rubio (supporters) and we are all agreeing on one goal, which is: Anybody but Trump," Unruh said Friday.

Natürlich sind das schwache Versuche, die viel zu spät kommen.
Natürlich sind die bundesweiten Umfragen sehr wenig aussagekräftig, da die meisten Stimmen de facto feststehen.
In Texas oder Kalifornien braucht man nicht zur Wahl zu gehen, es kommt auf ganz wenige Swingstates an.
Es bestimmen also womöglich wenige Zehntausend Wähler in Florida, Pennsylvania, Ohio und Michigan.

Aber immerhin, wie man an den Beispielen Gay Marriage und Haschischlegalsierung sehen kann, ändert sich die öffentliche Meinung in den USA manchmal sehr schnell.



Und wer weiß, vielleicht kommt nach Orlando und Senator Christopher S. Murphys 15-Stunden Filibuster doch noch mal Bewegung in die Debatte  um Gun Violence.

48 people were shot during a 15-hour filibuster on gun control.


WIR, ich natürlich auch, empören uns über den US-amerikanischen Waffenwahn und die amerikanischen Waffengesetze.
Darüber sollte man aber nicht vergessen, daß Waffenbesitz in Deutschland auch recht locker gehandhabt wird.

In Deutschland gibt es zehn Millionen legale Schusswaffen in privater Hand. Und 20 Millionen illegale, so die Schätzungen. Wer braucht so viele Waffen und wofür? Der Film nähert sich dem Thema nüchtern und unvoreingenommen.

Kein europäisches Land ist so bewaffnet wie Deutschland.
Und anders als in Amerika gibt es in Deutschland so gut wie gar keine Politiker, die sich eine Verschärfung der Waffengesetze auf die Fahnen geschrieben haben.

Die Rolle von NRA und GOP übernehmen in Deutschland die Unionsparteien und Schützenvereine.
Als Wolfgang Schäuble 2005 nach den sieben rotgrünen Jahren erneut Innenminister wurde, machte er sich bald daran auf Druck der Waffenlobby die Gesetze zum Erwerb von Schusswaffen zu lockern.
Schützenvereine bilden immerhin eine Stamm-Wählerschaft der CDU.
So beschützte Schäuble auch nach dem Amoklauf von Winnenden die Waffenlobby und sperrte sich gegen alle Waffenrechtsverschärfungen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnt eine Verschärfung des Waffenrechts oder die Aufstellung von Metalldetektoren an Schulen nach dem Amoklauf von Winnenden ab.

Man sollte also von Deutschland aus nicht ganz so herablassend auf die aberwitzigen Waffengesetze der USA gucken.
Die schwer bewaffneten deutschen „Sportschützen“ sind wie in Erfurt und Winnenden durch die Protektion konservativer Politiker auch in Deutschland sehr erfolgreich. Da haben strengere Waffengesetze keine Chance.

Einer, der sonst Mr. Knallhart schlechthin ist, hält sich allerdings auffällig bedeckt:

Unser aller Innenminister Schäuble, der sonst geradezu davon besessen ist abzuhören, videozuüberwachen, Email-Trojaner zu schicken und auch sonst jedes Grundrecht zu beschneiden, weiß gerade also keine sicherheitspolitische Forderung, die alles toppen würde?
Das mag daran liegen, daß Schäuble nicht gerne an seine Aktion vom September 2007 erinnert wird, als sein Ministerium damit vorpreschte das nach Erfurt von Rot/Grün verschärfte Waffenrecht zu lockern.
Daß man erst mit 21 Jahren an Waffen kommen darf, war dem CDU-Innenminister zu streng.
Künftig sollten schon 18-Jährige Zugang zu Waffen bekommen.
Ein durchaus bemerkenswerter Vorgang - geht es hier doch um die Inkarnation des Hardliners unter allen Politikern, der im krassen Widerspruch zu seiner sonstigen Linie auf einmal ganz liberal wird - und das ausgerechnet beim Waffenrecht.
Schäuble geriet in unruhiges Fahrwasser und redete sich mit einer anstehenden EU-Richtlinie heraus.
Eine Lüge - denn das EU-Recht läßt den Staaten freie Hand solange sie das Mindestalter von 18 Jahren nicht noch UNTERschreiten.
Im Punkt „Parlament dreist anzulügen“, ist der Innenminister allerdings Gewohnheitstäter - wir erinnern uns an die legendäre geldkofferlüge, die er vom Rednerpult aus auf direkte Nachfragen von Christian Ströbele losließ.
Woher nun also dieser Drang der schwärzesten Unionsmänner bei der Verfügbarkeit von Waffen alle Augen zuzudrücken?

Nun, da ist die Waffenlobby, die zwar nicht so lange Arme wie ihr großer Bruder NRA hat, aber dennoch offenbar mühelos bis ins Bundesinnenministerium langen kann.
Nur blöd, daß es eine große Koalition gibt, so daß Schäuble letztendlich gezwungen wurde den Plan wieder vom Tisch zu nehmen.

Jürgen Kohlheim, Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes, ist enttäuscht. "Wir halten es für grundsätzlich sinnvoll, wenn die Verschärfungen, die nach Erfurt erfolgt sind, wieder rückgängig gemacht werden", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Auch beim "Forum Waffenrecht", einer Interessensvereinigung für Waffenbesitz, wird die Volte aus dem Schäuble-Ministerium bedauert. Die Anhebung der Altersgrenze auf 21 Jahre sei nie besonders sinnvoll gewesen, sagt deren Sprecher Joachim Streitberger.

Zum Anderen kommt Wolfgang Schäuble aus Baden Württemberg - der Heimat von Waffenproduzenten wie Heckler und Koch.

A propos - was sagt denn eigentlich unser oberster Heckler und Koch-Propagandist Volker Kauder, im Nebenberuf CDU-Fraktionsvorsitzender, zu dem heutigen Amoklauf?

Statt "eilig über die Verschärfung der Waffengesetze" zu diskutieren, muss erstmal geklärt werden, was passiert ist und wie der Amokschütze an die Waffen kommen konnte", sagte der CDU-Politiker.

Honi soit qui mal y pense .....


Deutschland unter Waffen? Ein Film von Lutz Hofmann.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Wir sind eine Komikernation.



Dieser Tage, kurz nach dem Massaker in Orlandos Schwulendisko „Pulse“ wird viel über Homophobie gesprochen.
Homophobe Schwule können in ihrem religionsbeförderten Selbsthass offensichtlich sehr gefährlich werden.

Einige Studien unterstützen aber die These, dass Homophobie auch dadurch ausgelöst werden kann, dass Männer, die sich als heterosexuell identifizieren, mit eigenen homosexuellen oder femininen Anteilen nicht zurechtkommen. So konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass homophobe Männer von Schwulenpornos stärker erregt wurden als Männer mit positiveren Einstellungen zu Schwulen.

Die inzwischen reichlich in Deutschland vorhandenen Islamhasser tun sich allerdings schwer damit nur den 1,3 Milliarden Muslimen Homohass unterzujubeln.

Ein schwieriges Unterfangen, denn die längste Zeit waren Orient und Islam sehr homophil. Am Hofe der Kalifen wurden schwule Dichter berühmt, die in unzähligen Liebesgedichten homosexuelle Liebe priesen.

Jahrhundertelang sind die islamischen Gesellschaften von Andalusien bis Indien tolerant mit homosexuellen Menschen umgegangen. Die inzwischen alltägliche Homophobie in der islamischen Welt ist ein modernes Phänomen und erst unter dem Einfluss der europäischen Kolonialherren entstanden. Besonders die prüden viktorianischen Briten brachten die Homosexuellenfeindlichkeit in den Nahen und Mittleren Osten.  [….] Bis heute gehen in der islamischen Welt die Meinungen darüber weit auseinander, was überhaupt als homosexueller Sex angesehen wird. Noch immer ist es für junge Männer in islamischen Gesellschaften sehr schwierig, vor der Ehe sexuelle Kontakte zu Frauen zu knüpfen. Laut einer Studie aus Marokko hat deshalb ein großer Teil der heranwachsenden Männer den ersten Geschlechtsverkehr mit einem anderen Jungen. Als homosexuell wird dabei nur der passive Partner angesehen.

Homohass kommt von uns christlichen Europäern.
Wir trugen ihn insbesondere auch in die afrikanischen Kolonien.
So befinden sich die brutalsten antischwulen Gesetze in Afrika. Homosexualität wird in Afrika schwer bestraft.

Unter den zehn Nationen, die tatsächlich heute noch, bzw wieder die Todesstrafe für schwule Liebe vorsehen, sind vier Afrikanische.

• Jemen – Nach dem Strafrecht aus dem Jahr 1994 können verheiratete Männer gesteinigt werden wegen Homosexualität. Unverheiratete Männer werden ausgepeitscht oder müssen für ein Jahr ins Gefängnis. Frauen müssen sieben Jahre lang ins Gefängnis.

• Iran – Nach Schariarecht Todesstrafe und Männer können z.B für Küssen ausgepeitscht werden, ebenso wie Frauen.

• Irak – Strafrecht verbietet Homosexualität nicht ausdrücklich, aber die Menschen werden von Milizen getötet oder von Richtern unter Bezug auf Schariarecht verurteilt

• Mauretanien – Homosexuelle Männer können gesteinigt werden, nach einem Gesetz von 1984, Frauen kommen ins Gefängnis.

• Nigeria – Homosexualität ist ein Haftgrund, aber in einigen Gegenden gibt es Schariarecht, dort wird die Todesstrafe umgesetzt. Homosexuelle dürfen auch keine Treffen abhalten oder Vereine gründen.

• Katar – Schariarecht, Todesstrafe für außerehelichen Sex, egal welcher sexuellen Orientierung

• Saudi Arabien – Homosexuelle werden nach Schariarecht gesteinigt. Jeder Sex außerhalb der Ehe ist illegal.

• Somalia – Strafrecht fordert Gefängnis, aber in einigen Gegenden gibt es Schariarecht, dort gilt die Todesstrafe

• Sudan – Nach dreimaligem Verstoß Todesstrafe, beim ersten und zweiten Mal auspeitschen und Gefängnis. Im Süden des Landes wurden etwas gelockerte Gesetze erlassen.

• Vereinigte Arabische Emirate – Uneinigkeit ob das Gesetz Todesstrafe vorschreibt für einvernehmlichen homosexuellen Sex oder nur bei Vergewaltigung. Nach AI keine Todesstrafen, aber alle sexuellen Akte außerhalb der Ehe sind verboten.

Die mehrheitlich von US-amerikanischen Evangelikalen aufgehetzten stramm christlichen Schwulenhasser sind inzwischen Legende, weil sie so unfreiwillig komisch agieren – natürlich kann man das nur aus sicherer Entfernung „komisch“ finden.


Vor einem Vierteljahrhundert positionierten sich Skandinavien und die Beneluxländer radikal anders, indem sie die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffneten.

1999 legte das rotgrün regierte Deutschland gegen den heftigen Widerstand einer gewissen christlichen Führerin Merkel mit einer Art Ehe-Light nach.
Der konservativen George W. Bush-Administration platze fast der Kopf.
Das stramm christliche Amerika der frühen Nuller Jahre positionierte sich verglichen mit Deutschland irgendwo im Mittelalter.

Ein Treppenwitz, wie sich inzwischen die Vorzeichen verkehrt haben.
Gay Marriage gibt es jetzt in allen US-Bundesstaaten, der Präsident unterstützt dies offensiv und wenn man Umfragen glauben darf hat er in dieser Angelegenheit auch zwei Drittel der US-Bevölkerung an seiner Seite.
Sogar Teile der hochradikalisierten US-Republikaner wollen die „Homoehe“ inzwischen tolerieren.
In Deutschland hingegen amöbt Merkel im elften Kanzlerjahr vor sich hin und sorgt dafür, daß Schwule und Lesben weiterhin klar diskriminiert bleiben.

Noch erstaunlicher ist wie stramm katholische Nationen wie Malta, Spanien, Portugal oder Irland Deutschland längst überholt haben.
Und, kaum zu glauben, selbst die christlichsten Länder in Südamerika, stramme Anhänger des Papstes, sind längst an Deutschland vorbei gezogen.
Die Ehe ist ohne Wenn und Aber für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Uruguay. In Venezuela liegt ein entsprechender Gesetzentwurf vor.

Es ist ohnehin erbärmlich peinlich, in welchem internationalen Boot Merkels Christenpartei mittlerweile mit ihrer Homophobie sitzt.

Aber der Gipfel dürfte diese Woche erreicht worden sein, als der  Bundesgerichtshof auf Druck eines in der Homofrage fortschrittlicheren Landes aus Afrika eine gleichgeschlechtliche Elternschaft anerkannte.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat einem lesbischen Paar, das nach südafrikanischem Recht verheiratet ist, die doppelte Elternschaft zuerkannt - ihr Kind hat damit auch nach deutschem Recht zwei Mütter, und zwar ganz ohne Adoption. Laut BGH verstößt die Anerkennung einer solchen Co-Mutterschaft nicht gegen den sogenannten ordre public, ist also mit den wesentlichen Grundsätzen der deutschen Rechtsordnung vereinbar. Der Familiensenat stützte sich dabei auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare aus dem Jahr 2013. Damals hatten die Richter klargestellt, dass Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern gut aufgehoben sind: "Es ist davon auszugehen, dass die behüteten Verhältnisse einer eingetragenen Lebenspartnerschaft das Aufwachsen von Kindern ebenso fördern können wie die in einer Ehe."
 (SZ, 15.06.2016)

Sagenhaft Frau Merkel!
Nun hinkt Deutschland sogar Afrika zehn Jahre hinterher. Südafrika hatte nämlich schon 2006 die „Homoehe“ legalisiert.

"Ich will nicht, dass Deutschland das einzige Land auf der Welt ist, in dem Juden nicht ihre Riten ausüben können. Wir machen uns ja sonst zur Komiker-Nation"

Kanzlerin goes Mittelalter.
Aber das immerhin konsequent.

Genitalverstümmelung wird in Deutschland aus Rücksichtnahme auf archaische Texte in der Genesis gestattet.

Und ebenfalls aus Rücksichtnahme auf mittelalterlich-religiöse Vorstellungen lehnt Merkel gleiche Rechte für LGBTIs ab.

Auch Reproduktionsmedizin bleibt in Deutschland verboten.
Die in anderen Nationen seit vielen Jahren legalen „Leihmutterschaften“ bleiben ebenso verboten wie das Einpflanzen einer „Leih-Eizelle“.
Die SPD würde Deutschland gern ins 21. Jahrhundert bringen, aber Heiko Maas darf nicht wie er will. Da sei die Pastorentochter Merkel vor.

Derzeit arbeitet ein vom Justizministerium eingerichteter Arbeitskreis an einem Konzept, doch mit einem Gesetz ist vorerst nicht zu rechnen. Dabei ist eine Reform überfällig: Väter, Mütter und vor allem Kinder brauchen Klarheit darüber, was Familie im 21. Jahrhundert bedeutet.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Petry goes Trump



Das ist schon extrem widerlich, wenn einem mal wieder schwarz auf weiß präsentiert wird wie tief verwurzelt rechtsradikale, faschistoide, menschenfeindliche, homophobe, antizigane, islamophobe, antisemitische, xenophobe Einstellungen auch in Deutschland verbreitet sind.
Die „Mitte-Studie“ der Universität Leipzig hat dazu wieder einmal Grausiges zutage gefördert. Der häßliche Deutsche ist noch da, wieder da.


Man kann diese dumpfen rechtsradikalen Tendenzen, die eben leider nicht nur im Bodensatz der Gesellschaft stecken, entweder bekämpfen oder sie sogar gezielt fördern und zum eigenen Nutzen anstacheln.

Sogar George W. Bush, nicht eben als liberaler Multikulti-Träumer verdächtig, entschied sich vor 15 Jahren nach 9/11 klar für die erste Alternative, versuchte sein Land eher zu einen, statt zu spalten.

[….] Wenige Tage nach dem schrecklichen Terroranschlag mit vielen Toten wendet sich der mächtigste Republikaner an die US-Bevölkerung. "Das Gesicht des Terrors ist nicht das wahre Gesicht des Islam. Der Islam steht für Frieden. (...) Frauen, die ein Kopftuch tragen, müssen sich auch außerhalb ihres Hauses sicher fühlen. (...) Diejenigen, die denken, dass sie aus Wut unsere Mitbürger einschüchtern können, verkörpern nicht das beste Amerika. Sie verkörpern das Schlechteste der Menschheit und sie sollten sich schämen", sagt George W. Bush am 17. September 2001 beim Besuch des Islamischen Zentrums in Washington.
Knapp 15 Jahre nach 9/11 und kurz nach dem Massaker im Gay-Club "Pulse" mit 49 Opfern hält Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der Republikaner eine Rede in New Hampshire. Darin gibt er Amerikas Muslimen die Mitschuld an den Anschlägen in Orlando und San Bernardino, weil sie nicht "jene Leute melden" würden, "von denen sie wissen, dass sie schlecht sind".
Trump bekräftigt seine Forderung nach einem temporären Einreisestopp für Muslime und tut damit genau das, wovor Bush 2001 warnte: Er dämonisiert eine Weltreligion. Trump sät Zwietracht und macht Fremdenhass salonfähig. [….]

Trump und Petry versuchen das Land gegen Minderheiten aufzuhetzen, die Gesellschaft zu spalten, indem sie möglichst viel Hass und Missgunst säen.
Davon profitieren sie dann als Parteipolitiker, indem sie von immer mehr Menschen mit Angst und Vorurteilen gewählt werden.

Die Methoden von AfD und GOP gleichen sich; es wird ungeniert gelogen, um das Volk zu polarisieren.
Dazu Oliver Decker, Leiter des Forschungsbereichs Gesellschaftlicher Wandel an der Uni Leipzig:

[….]  Rechtsextreme und antidemokratische Einstellungen treten in letzter Zeit viel offener in Erscheinung. Ein Grund dafür ist, dass sich viele Menschen bedroht fühlen und diese diffuse Bedrohung bestimmten Gruppen zugeschrieben wird - etwa Flüchtlingen, Moslems oder Sinti und Roma. Das hat mit der Realität meist nichts zu tun - kein Flüchtling wohnt im Luxushotel, wie viele Populisten behaupten, auch ist Deutschland nicht in seiner Existenz bedroht.
[….] "Pegida" wird vor allem von denjenigen unterstützt, die eine klar rechtsextreme Einstellung haben. Die Menschen würden das wahrscheinlich nicht von sich selber sagen, aber die Erhebung zeigt dies sehr deutlich.
Bei der AfD ist es etwas anders, weil es noch eine sehr junge Partei ist, bei der noch viel in Bewegung ist. Allerdings beobachten wir, dass viele Rechtsextreme in der Partei eine neue politische Heimat gefunden haben. [….] In der Studie konnten wir feststellen, dass ein unglaublich hoher Anteil der AfD-Wähler menschenverachtenden Aussagen zustimmt, etwa gegenüber Muslimen, Sinti und Roma oder Homosexuellen. Wir haben es mit einer Wählerschaft zu tun, die rechtsextremen Ideologien anhängt und davon ausgeht, dass es Menschen unterschiedlicher Wertigkeit gibt. [….]

Petrys geistiges Vorbild Trump ist ein versierter Lügner, der kaum jemals die Wahrheit von sich gibt.

[….] Jeder US-Wähler, der an Verschwörungstheorien glaubt, ist bei Trump gut aufgehoben - der Kandidat startete die Birther-Bewegung, die Obamas Geburtsurkunde anzweifelte. Dass dem 70-Jährigen Faktentreue egal ist, ist hinreichend bekannt (den Fact-Checkern von Politifact zufolge sind 76 Prozent seiner Aussagen falsch).
Auch die 35-Minuten-Rede in New Hampshire ist voller Lügen ("Hunderttausende Muslime kommen ohne Background-Check ins Land" - in Wahrheit sind aus Syrien nur 2019 Flüchtlinge gekommen) und brandgefährlicher Verallgemeinerungen (mehr hier). Und in mehreren TV-Interviews deutet Trump an, dass US-Präsident Obama etwas mit den Terroranschlägen zu tun haben könnte: "Wir werden geführt von einem Mann, der entweder nicht hart ist oder nicht klug ist oder der etwas ganz anderes im Sinn hat." [….]

Das ist in der Tat beeindruckend, was Donald Trump bei „Politifact.com“ für Werte erzielt. Seine Aussagen werden wie folgt bewertet:

True = 2%
Mostly True = 7%
Half True = 15%
Mostly False = 16%
False = 41%
Pants On Fire = 19%

Da muß Frauke Petry noch arbeiten, um da mithalten zu können.
Aber immerhin; schon heute ist sie in Talkshows die größte Lügnerin Deutschland und verweist damit sogar Markus Pinocchio Söder auf Platz Zwei.
Schon früher war Petry als öffentliche Lügnerin entlarvt worden, inzwischen bringt sie es auf immerhin fast ein Drittel Lügen.
Das ist das Ergebnis der crossmedialen Studie Faktenzoom.

Niemand lügt im Fernsehen so oft wie Frauke Petry
[….] AfD-Chefin Frauke Petry lieferte mit 28,9 Prozent die meisten Falschaussagen. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) lag mit 21,9 Prozent falschen Fakten auf Platz 2.


Aber wie stehen die Politiker selbst zu den Ergebnissen? Bevor sie sich vor den Fernseher gesetzt und Talkshow-Bingewatching betrieben haben, informierten die Studenten die Parteien über ihr Projekt. Die fanden die Idee super. Die AFD freute sich, dass das Projekt endlich für mehr Transparenz sorgen könnte. Die SPD schrieb dem Forscherteam: "Der Faktencheck (...) versachlicht die Debatte und trägt zur Wahrhaftigkeit bei".
Das Projekt bekam über das gesamte politische Spektrum Rückendeckung. Bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse vergangenen Dienstag. Frauke Petry bezeichnete das Projekt in einem beleidigten Facebookpost daraufhin als eine "Mischung aus Dummheit, Anmaßung und Gesinnungsstrebertum". Und sie schimpft weiter: "Wenn dies die Zukunft des deutschen Journalismus ist, dann sollte man sich noch ernsthaftere Sorgen um diese Branche machen als ohnehin schon." Faktenzoom-Mitglied Sebastian versteht Petrys Ärger nicht: "Wir haben den Politikern vor der Veröffentlichung der Ergebnisse fünf Tage Zeit gegeben, um sich zu äußern. Manche haben das Angebot angenommen, andere eben nicht."

Verglichen mit Donald Trump ist Frauke Petrys Lügerei aber noch ausbaufähig!