Sonntag, 22. November 2015

Polytheistisches Christentum.



Es liegt in der Natur des von Pharao Echnaton (1353–1336 v. Chr.) ersonnenen Monotheismus, daß er intoleranter als Vielgötterei ist.
Wenn nur ein Gott der Richtige ist, dann sind die Anderen falsch.
Damit ist die Saat der Intoleranz geschaffen. Monotheismus führt zu metaphysischem Konkurrenzverhalten, welches sich in den tausenden Religionskriegen manifestiert, die wir seit seiner Erfindung erlebt haben.

Wenn man als einziger in einer Religionskonkurrenz Recht haben will, dies aber prinzipiell nicht beweisen kann, weil es um Dinge nach dem Tod geht, muß es irrational und potentiell gefährlich zugehen.

Es sind nicht «Gottlose», die Flugzeuge in Hochhäuser fliegen oder Menschen in die Luft sprengen, weil sie meinen, im Jenseits für ihre Taten belohnt zu werden. Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, kann auch nicht mit der Aussicht auf postmortalen Koitus dazu verführt werden, sämtliche Grenzen der Menschlichkeit nieder zu reißen.

Einfacher zu ertragen wäre der monotheistische Gottesglaube allerdings, wenn er nicht ganz so heuchlerisch wäre und sich das Fußvolk auch an die eigenen Regeln hielte, statt die Beachtung der Gebote immer nur öffentlich von anderen zu fordern.
Während Jesus noch die Menschen nach ihrem bedingungslosen Gehorsam bewertete, verlangte, daß sie nur ihm allein folgen dürften, wurde diese Maxime in den nächsten 1000 Jahren ziemlich aufgeweicht.
Wie Pilze schossen Heilige aus dem Boden. Inzwischen gibt es tausende Heilige, Selige und Schutzheilige, so daß sich jeder Christ einen raussuchen kann, dem er huldigen will.
Der Monotheismus ist im Christentum polytheistisch.
Auch der ursprüngliche „eine“ Gott hat sich mittlerweile vervierfacht.

Im Christentum steckt eine Reihe von seltsamen Phänomenen. Das Christentum bildet sich ein, eine monotheistische Religion zu sein, ist es aber gar nicht. Jesus Christus ist viel wichtiger als der liebe Gott. Und außerdem gibt es noch einen Heiligen Geist – den hat Jesus Christus nicht erfunden, den hat ein Konzil erfunden. Und neben dieser heiligen Dreieinigkeit gibt es noch die Gottesmutter Maria, die in Polen viel wichtiger ist als Jesus und als der liebe Gott. Der Monotheismus ist eine Selbsttäuschung. Das glaubt der Ratzinger, aber der auch nicht ganz. Es ist auch eine Selbsttäuschung der Protestanten. Die alten Griechen waren da viel ehrlicher, die haben gleich viele Götter erfunden. Und nicht bloß vier.

Die vier christlichen Gottheiten konkurrieren untereinander.
Jesus, mittlerweile zum „Lord“ geadelt, findet seine Anhänger in Nordamerika.

Der HeiGei ist der Snob im Führungsquartett. Er steht nicht so auf das einfache Volk und läßt sich vorzugsweise in den allerhöchsten klerikalen Kreisen blicken.
So guckt er beispielsweise im Konklave vorbei, wenn nur Kardinäle in ihren allerteuersten Purpur-Ballkleidern anwesend sind.

Gott, der Seniorchef zieht sich offensichtlich schon längere Zeit aus dem Geschäft zurück. Ich glaube, er sitzt in der Himmelsgeriatrie und chillt. Um eine Festigung der Kundenbindung müht er sich kein bißchen mehr.

Last, but not least: Mutter Maria. Die Frau, die ohne Erbsünde geboren wurde, ihrem Ehemann den Koitus verweigerte, schließlich vom HeiGei durch ihr Ohr penetriert wurde, Jesus entband und dieses Kunststück durch ein intaktes Hymen fertigbrachte, ist die Durchstarterin des Himmels.
Sie gewann durch ihre fleißige Reisetätigkeit viele Fans in Ost- und Südeuropa.

Da könnte sich Gott mal eine Scheibe abschneiden.
Maria kommt weiter rum als Angela Merkel mit ihrem Konrad-Adenauer-Airbus.

Über 2.500 Dienstreisen Marias wurden inzwischen registriert.

The earliest known claim was from St. James the Greater who saw the Virgin Mary while he was in preaching on the banks of the Ebro River in Saragossa, Spain in 40 A.D. Today, apparition reports occur more frequently. Some scholars estimate the total number of apparition claims throughout history to be approximately 2,500 (with about 500 of those coming in the 20th century alone). According to the Dictionary of Apparitions of the Virgin Mary, throughout history 308 apparitions are attributed to Saints or Blesseds. They are generally unofficially recognized by Church authorities (or at least the orders and congregations that they have founded or belonged to). Only 7 Popes throughout history have witnessed Marian apparitions.

Scheu und bescheiden, wie Maria nun mal ist, reist sie aber nur in Landstriche, die ohnehin katholisch oder christlich sind. Und natürlich zeigt sie sich nicht mehr, seit Fotoapparate erfunden wurden.

Seeing Mary - Starting in the 16th century, the Roman Catholic Church instituted a strict vetting process for miracles like the 2,000 sightings of the Virgin Mary claimed since A.D. 40. To be worthy of belief and church support, apparitions must be deemed miraculous with a high degree of certainty and in line with church doctrine, and found to have had a positive impact.

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Samstag, 21. November 2015

Unteres Mittelmaß

Zwei Tage nach den Pariser Terroranschlägen vom 13.11.2015 raisonierte der Mopo-Leitartikler über die großen Ansprachen anderer Regierungschefs an ihre Nationen und ließ in der Überschrift fragen „Wo ist Merkel?“
Der konservative Publizist Wolfram Weimer lobte „François Hollande wächst über sich hinaus“. So sehe entschlossenes Handeln aus.
Welche Überraschung! Während andere Regierungen ihren Bürgern Klartext liefern und Pläne vorstellen, kommt aus Deutschland und dem Kanzleramt mal wieder… nichts.
Man ist sogar froh darüber, denn insbesondere von den Unions-Ministern wird regelmäßig echter Schwachsinn zur maximalen Verunsicherung verbreitet.
Und Merkel? Die ließ sich gestern wie eine unwichtige Statistin auf dem CSU-Parteitag verführen und hatte zuvor das Volk mit einer Dümmlichkeit überrascht, die sogar noch Dobrindt übertraf: Die Attentäter wären „gottlos!“

Nur als vollständig ignorant im Sinne von bildungsresistent kann man es bezeichnen, den Terroristen das Attribut «gottlos» anzuhängen. Die ständig und immer wieder heruntergebetete Leier, islamistisch motivierte Anschläge wie die in Paris hätten nichts mit dem Islam, hätten nichts mit Religion zu tun, ignoriert das Problem in fatalst möglicher Weise.
Religiöse Überzeugungen waren es, welche aus Versagern Mörder machten. Religiöse Überzeugungen trieben die Attentäter in die Arme ihrer Demagogen, religiöse Überzeugungen motivierte sie und trieb sie zum Äussersten. Es war Religion, es war der religiös begründete Glaube an ein Jenseits, an nicht hinterfragbare Glaubenswahrheiten und an die Erfüllung eines göttlichen Auftrages, der sie dazu brachte, sich selbst und andere Menschen zu töten. Es war nicht ein Staat, für den sie die Kugeln abfeuerten, sie mordeten nicht für ihre Familien und nicht, weil sie hungerten. Sie riefen nicht «Freiheit!» und schon gar nicht «Wissenschaft und Menschlichkeit!», als sie sich selbst und alles in ihrer Umgebung in die Luft sprengten, sondern sie schrien dabei, dass ihr Gott der Grösste sei. Sie führten diesen Krieg zur Ehre ihres Götzen, für ihren Irr-, aber eben trotzdem Glauben, und sie führten ihn bis zur allerletzten Konsequenz.

Schlimm genug, dass immer wieder gesagt wird, dass der islamistische Terrorismus nichts mit dem Islam zu tun hat; nun die Vollstrecker auch noch als "gottlos" zu bezeichnen zeigt, dass die Pfarrerstochter Merkel ihrem Denkmuster nicht entfliehen kann: Wer gläubig ist, muss gut sein. Wer also nicht gut ist, kann nicht gläubig sein.
Mit diesem Denken und mit ihrer Aussage diffamiert sie jedoch ein Drittel der deutschen Bevölkerung. Oder sind für Frau Merkel tatsächlich alle Konfessionsfreien und Atheisten Terroristen? So wie in Saudi-Arabien?

Das ist das wahrhaft Schlimme an Merkel – wenn sie ausnahmsweise mal in unbedachten Momenten raushaut was sie wirklich denkt, wünscht an sich sofort, sie wäre wieder abgetaucht im wattig-waberig-wirr-wolkig-Modus.

Im großen Rückblick auf das Zehnjahres-Jubiläum der Kanzlerin, subsummiert die konservative F.A.Z. Merkel als „die Nebelkönigin.“
Abtauchen, abwarten, schleifen lassen und wenn doch mal eine Entscheidung getroffen wird, kann sie jederzeit revidiert und ins Gegenteil verkehrt werden.

Wieso gefällt den Wählern so ein Nicht-Regieren so sehr, daß Merkel tatsächlich machtpolitisch „alternativlos“ ist?
Selbstverständlich ist ihre Politik nicht alternativlos. Sie als Person ist es aber gegenwärtig schon. Sofern sie noch einmal als Kanzlerin kandidieren will, kann sie das nach Gutdünken tun. Es gibt keine nennenswerten Gegner in ihrer Partei.
Und wenn sie CDU-Kandidatin sein sollte, wird sie auch gewählt – da sind alle politischen Umfragen seit Jahren sehr stabil; es gibt keine Chance auf einen Sieg einer Parteikonstellation jenseits der CDU.
Es würde sogar höchstwahrscheinlich noch viel bequemer für Merkel werden. Statt der SPD stünden mit AfD, Grünen und FDP womöglich sogar drei weitere Mehrheitsbeschaffer-Alternativen zur Verfügung, so daß die Kanzlerin gemütlich alle gegeneinander ausspielen könnte.
Der Urnenpöbel will es so: Konservativ und Merkel.
Die frommen Grünen haben sich ohnehin schon zu einem bürgerlichen, kirchenaffinen Merkel-Fanclub verwandelt und die einzige Partei, die nicht Merkel zur Kanzlerin machen würde, die Linke, ist in den aktuellen Umfragen sogar hinter die AfD zurückgefallen.
Byebye R2G.

Wieso stört aber den Urnenpöbel diese Underachiever-Parteienlandschaft gar nicht?
Wieso erwärmen sie sich in allen Umfragen mit großen absoluten Mehrheiten für genau die Pfeifen, die wie Schäuble schon seit 40 Jahren die Bundespolitik dominieren?
Die Öden, die Grauen, die Erfolglosen, die Inhaltslosen, die Bekannten, die Austauschbaren sind die Stars jedes Politrankings: Schäuble, Merkel, Steinmeier, Gauck.

Deutschland ist inzwischen so auf unteres Mittelmaß geprägt, daß die grauhaarigen Denkfaulen auch in den nicht-politischen Vereinen als Idealbesetzung gelten.

Intellektualität, geistige Flexibilität, Witz und Charisma sind hier offensichtlich verdächtig. Die größten deutschen Verbände und Vereine, die völlig frei sind sich einen Präsidenten zu wählen, greifen mit Vorliebe auf Graue-Maus-Geronten mit Vergangenheit als unauffälliger Politikfunktionär zu.
Ein Lebensalter unter 70 gilt als Makel und Extravaganz wird nicht toleriert.

Beispiele:

Der mächtigste Automobil-Lobbyist Europas ist der ehemalige CDU-Minister Matthias Wissmann, 66, langweilig. Aus seiner aktiven Politikerzeit ist absolut NICHTS in Erinnerung, das mit seinem Namen verbunden wäre.

Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer ist der drögeste und ödeste SPD-Minister aller Zeiten: Rudolf Scharping, 67. Vor genau 20 Jahren schaffte er das Kunststück auf dem Mannheimer Parteitag so unfassbar langweilig zu sein, daß er den Parteivorsitz verlor, ohne daß es überhaupt einen Gegenkandidaten gab.

Der Präsident des Deutschen Turner-Bundes DTB (immerhin über 5 Millionen Mitglieder) heißt Rainer Brechtken, 70, und war früher mal Politischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg.

Der ehemalige CDU-Innenminister Rudolf Seiters, 78, amtiert als Präsident des Deutschen Rotes Kreuzes e.V. DRK und herrscht über 4.460.639 Mitglieder.

Als FDP-Politikerin mäßig erfolgreich brachte es Irmgard Schwätzer, 73, Ende der 1980er Jahre zur Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter der Protektion des FDP-Chefs Genscher. Nun ist sie Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und somit Nachfolgerin von Merkel-Fan Katrin Göring-Kirchentag.

Es gibt auch zwei ganz aktuelle Personalien. Auch hier wünschen sich die Millionen-Mitglieder-Vereine besonders unauffällige konservative Politiker als Chef.

Vor 41 Jahren trat der fromme Thomas Sternberg, 63, in die CDU ein, brachte es bis zum Landtagsabgeordneten in Nordrhein-Westfalen, Gestern wurde er Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Damit steht er an der Spitze von über 20 Millionen katholischen Laien und löst den ehemaligen CSU-Fraktionschef Alois Glück, 75, als ZdK-Chef ab.

Der designierte Nachfolger des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach heißt Reinhard Grindel, sitzt für die CDU im Bundestag und kommt aus Hamburg. Durch sein Parteibuch wurde er 1991 Redakteur im Bonner Studio von Sat.1 und später leitender Redakteur im Studio Bonn des ZDF.
Grindel ist war erst 54, trat aber schon mit 16 in die CDU ein und ist die Inkarnation des langweilig-angepassten Parteifunktionärs.

Der stets grinsende Pykniker wurde als klassischer Apparatschick schon jetzt zu seiner eigenen Karikatur.
So einen wünschen sich also die knapp sieben Millionen Mitglieder als „Retter“ nach den unrühmlichen Mauschel- und Bestechungs-Enthüllungen über die ehemalige Führung.

[….] Reinhard Grindel dürfte aller Voraussicht nach der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden. [….]  Ein Mann des Vertrauens, ein Monument gelebten niedersächsischen Anpackens, ein CDU-Bundestagsabgeordneter, der in seinem Wahlkreis Rotenburg und Heidekreis offenbar alles und jeden kennt. Das geht zumindest aus einem Wahl-Werbe-Video hervor, das nun zum herzhaften Beömmeln einlädt.
Zu sehen ist darin Grindel beim Wählerfang und es ist alles so herrlich daneben, dass man fast weinen muss - vor Schadenfreude. Ein bisschen kommt es einem vor wie beim "Praktikantenrap" von Edeka: Warum verhindert niemand so etwas, nun ja, Saupeinliches? Der Plot geht so: Das Ortsschild Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme) führt den Zuschauer hinein in eine Welt aus Händeschütteln, wackerem Smalltalk und "Grindel staring at things". Da begrüßt der kommende starke Mann im deutschen Fußball die Freiwillige Feuerwehr, er gibt sich als bürgernaher Tätschelonkel im Kindergarten, als Grinsepeter im Kuhstall, als Mitmacher in verschiedenen Bereichen des Mittelstandes.
Grindel stakst im Anzug auf Volksfesten herum, posiert mit dem örtlichen Schuhmacher und seiner pollunderbehängten Gattin, ehe er beim Bolzen auf dem Fußballplatz (immer noch im Anzug) einen auf Soccer Dad macht. Und natürlich immer wieder Kühe. Kühe im Stall, Kühe auf der Weide, Kühe, Kühe, Kühe. Niedersachsen halt. Dazu trällert ein ohrenpieksendes Hartmut-Engler-Stimmchen einen Song mit der Zeile: "Komm' mit ins Zukunftsland, es liegt in deiner Hand, mit Herz und Verstand - ooooh, Niedersachsen".[….]

So gefällt es dem deutschen Michel offensichtlich. Solche Typen wie Scharping, Wissmann, Schwätzer, Seiters, Sternberg oder Grindel haben sie so lieb, daß sie nach ihrer politischen Karriere derart vermisst werden, daß man sie sich in die größten Vereine und Verbände holt, um sie bis ins Greisenalter weiter walten zu lassen.


Freitag, 20. November 2015

Die Schande Thüringens – Teil II



Unter all den richtig schlimmen Gruppierungen am politisch ganz rechten Rand – AfD, Montagsdemonstranten, CSU, Reichsbürger, Dunkelkatholiban, NPD und was da noch so kreucht und fleucht – sind mir vermutlich die deutschen Burschenschaftler am Unsympathischsten.
Die sind nämlich nicht einfach nur völkisch und rechtsextrem, sondern dazu auch noch die größten Heuchler.
Sie sind so häßlich und dumm, daß sie sich a priori Vitamin B erkaufen, sich also von ihren alten Herren aushalten lassen.
Die grundsätzliche Minderbemittelung sollte sie schamhaft und gebückt auftreten lassen. Aber weit gefehlt, sie halten sich auch noch konsequent für eine Elite, die anderen Studenten überlegen ist.
Damit nicht genug; sie pflegen dazu noch diesen absurden Uniform-Fetisch und praktizieren  SM-Spiele, die regelmäßig zu paraphilen Gelagen führen, bei denen sie ihrer Vorliebe für Erbrochenes frönen.
Schön ist das wirklich nicht.
Dabei werden die rechtsextremen Einstellungen immer extremer.

[….]  Sie diffamieren Flüchtlinge, hetzen gegen den Asta der Uni und laden frühere NPD-Politiker ein: Der Hamburger Verfassungsschutz hat bei Burschenschaften in der Hansestadt rechtsextreme Bestrebungen festgestellt.
Immer mehr liberal-konservative Burschenschaften verlassen den Dachverband Deutsche Burschenschaften (DB). Damit wird den zum Teil rechtsextremistisch beeinflussten Bünden innerhalb der DB das Feld überlassen. [….] Die innerhalb der DB in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisierten Bünde sind laut der Verfassungsschützer überwiegend nationalistisch-revisionistisch ausgerichtet und halten am "volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff" fest. [….]
Im Oktober vergangenen Jahres soll die Burschenschaft laut Verfassungsschutz zudem Gastgeber eines Seminars gewesen sein, bei dem unter den angekündigten Referenten auch ein Politikwissenschaftler aufgeführt wurde, der unter anderem als Autor für mehrere rechtsextremistische Zeitungen aktiv war und früher der NPD und ihrer Jugendorganisation (Junge Nationaldemokraten) angehörte. [….]

Unter den rechtsextremen Burschenschaften tut sich ein Bürschchen besonders hervor.
Es ist ein pickliges Dickerchen, das in einer Petrischale aus der DNS von Martin Bangemann, Darth Vader, Erzbischof Haas, einer Braunalge und Michael Kühnen zusammengerührt wurde.




 Gott hat möglicherweise doch Humor, indem er diesem Bürschchen den Nachnamen eines Orks aus Mordor gab.
Und auch Torben Braga wird vermutlich nie ein weibliches Wesen finden, das freiwillig mit ihm kopulieren will.


[….] Warum die Burschenschaft Germania kein Naziproblem hat, sondern eines ist
[….] Der letzte Burschentag in Eisenach im Juni 2014 hat eine neue Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft (DB), die Burschenschaft Germania Marburg hervorgebracht. Damit steht eine mit Neonazis durchsetzte Vereinigung an der Spitze der Deutschen Burschenschaft.   Bereits im April 2014 wurde die Vernetzung Marburger Burschenschafter mit neonazistischen Aktivisten öffentlich gemacht. Vor allem die Nachbarin der Germania Marburg, die Burschenschaft Rheinfranken machte sich als Nazitreff einen Namen. Dieser Trend setzt sich in der Lutherstraße 3 fort: Auch das Personal der zukünftigen Vorsitzenden Burschenschaft Germania besteht zu einem Gutteil aus Neonazi-Aktivisten.
Die Trennung der beiden extrem rechten Spektren Neue Rechte und Kameradschaften scheint in Marburg nicht mehr zu existieren. Kleinere Neonaziaktionen wie Mobilisierungen, rechte Sticker, klandestine Fackelmärsche und Provokationen vor linken Läden sind keine Seltenheit und werden von einer Mischung aus Neonazis und Burschenschaftern getragen.
[….] Torben Braga wird ab 2015 der neue Sprecher der Deutschen Burschenschaft sein. Er repräsentiert damit den völkischen Verband nach außen – verwaltet den Postverkehr der DB und ist für öffentliche Statements erreichbar. Die extrem rechten Positionen des Verbandes hat er für diesen Job schon seit einigen Jahren parat. Torben Braga ist völkischer Blut und Boden-Nationalist, der aus seiner Gesinnung keinen Hehl macht. So bekennt er in einem Interview freimütig: „Wenn jemand sich zu Deutschland bekennt und deutscher Abstammung ist, kann er bei uns aufgenommen werden.“ Ob derjenige dann aus Polen, Estland oder Russland komme, sei dann aber irrelevant (Quelle). ‚Deutsch sein‘ scheint für Braga eine Frage der Abstammung und der völkischen Zugehörigkeit zu sein. Der Ariernachweis könnte vermutlich auch mit der Germania an der Spitze der Deutschen Burschenschaft zu machen sein.
Seit 2013 studiert er den Master Politikwissenschaft nachdem er von Jena nach Marburg zog. Dort war er Aktiver der Burschenschaft Germania Jena. Heute ist er Bursche und eifriger Fechter bei der hiesigen Burschenschaft Germania Marburg. Passend dazu hatte er bis vor kurzem das Amt des Fechtwarts inne.
[….] Die Burschenschaft Germania hat kein Naziproblem, sondern sie ist eines!

Was macht man nun mit solchen Typen; die ja irgendwie tagsüber beschäftigt werden müssen?


Als hilfreich erwies sich für Torben Braga die Schande Thüringens, Björn Höcke.

Daß dieser Mann sich rhetorisch an Adolf Hitler orientiert, konnte man bundesweit spätestens am Abend der Landtagswahl in Thüringen vor über einem Jahr wissen. Wie eine Karikatur des Extra3-Fööhrers jubilierte er vor seiner selbst für AfD-Verhältnisse besonders stramm rechten Truppe.
[….] Auch die weit rechts stehende „WELT“ gruselt sich heute etwas vor Höckes aufgesetzten Patriotismus und lobt den SPD-Justizminister.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

[…] Björn Höcke wirkt tief bewegt. Seine Gestik verlangsamt sich, die Worte werden getragener. "An diesen historischen Ort in Berlin" wolle er nun Farbe bringen, sagt der Fraktionschef der AfD in Thüringen im Gasometer von Günther Jauch. Wird er vor lauter Ergriffenheit von sich selbst gleich weinen? Nein, die Tränen fließen nicht, als Höcke schließlich aus seinem Anzug eine Deutschlandfahne kramt. "Unsere Nationalflagge", sagt Höcke. "Die werde ich jetzt hier auf meine Lehne hängen."
Beim Ausbreiten der Fahne über Höckes Sessellehne breitet sich Stille im Studio aus. Peinlich berührte Stille. Höcke, 43 Jahre alt und in der unter Frauke Petry noch weiter nach rechts gedrifteten AfD die Stimme des unverhohlenen Rechtspopulismus, hat es tatsächlich geschafft, sich in den ersten Minuten seines Talkshowbesuchs als Witzfigur zu präsentieren. […]

[….] (Ich bin immer versucht eine dämliche NS-Diffamierung, wie „Hitler 2.0“ zu verwenden, aber da die Titanic schon vor Jahren Roland Koch „Hessen-Hitler“ nannte, ist das schon eine zu schwache Diffamierung für Björn Höcke (B.H.) Vermutlich schmeichelt es bei seiner Anhängerschaft eher mit Hitler vergleichen zu werden.) [….]

Was für ein Auftritt – mit Deutschland-Flagge als Ärmelschoner und starrem Blick aufs tausendjährige Reich! Der brave Herr Höcke suchte bei Jauch sein Millionenpublikum und gibt sich am Ende der Lächerlichkeit preis. [….] Hier findet ein biederer Gröfatzke seinen gesellschaftlichen Resonanzboden, der zwar der deutschen Sprache nicht mächtig ist, aber das grunzende Gegröle eines Sportpalast-Publikums schon ganz gut drauf hat. Der Sound ist geklaut – und der Geschichtslehrer Höcke dürfte ziemlich genau wissen, wen er da täglich vor dem Spiegel imitiert. Die Verachtung der Parteiendemokratie, das nationalistisch überhöhte Opferpathos; die Hybris, alleine den Willen eines imaginären Volkes zu repräsentieren, die Drohung vor dem Untergang des deutschen Volkes: Alles schon mal dagewesen. Deshalb gilt: Wer den Anfängen wehren will, muss die Höckes dieser Welt in die Schranken weisen. Nicht mit Schaum vor dem Mund, sondern mit der schärfsten Waffe, die eine Demokratie zur Verfügung hat: Mit Argumenten. [….]
 (Georg Restle, Facebook, 19.10.2015)
[….]

Der ostdeutsche Nazi-Odo von der AfD verliebte ich sofort in das proppere Burschenschaftler-Dickerchen Braga und setzte ihn als Hiwi in seiner Landtagsfraktion ein.
Die anderen Parteien waren begeistert, weil der braune Brummer ausgerechnet im Innenausschuss bei der Thematik „Rechte Umtriebe in Thüringen“ für die AfD auftrat.

Torben Braga, seines Zeichens Bundessprecher der Deutschen Burschenschaft wurde von der AfD als Praktikant in den Innenausschuss geschickt. Ausgerechnet in ein Gremium, das sich auch mit den Machenschaften der Rechten in dem Bundesland beschäftigt.
Seit Jahren sei bekannt, dass die Deutsche Burschenschaft mit ihren Diskussionen um Arierparagrafen und Abstammungsprinzipien immer weiter nach rechts rücke, erklärte die Linke-Abgeordnete Katharina König. Braga sei zugleich Mitglied der Burschenschaft Germania Marburg, deren führende Mitglieder Verbindungen zur Neonazi-Szene aufwiesen. Die Entsendung Bragas in den Innenausschuss kommentiert König als einen Beleg für die „Rechtsaußen-Verbindung der AfD unter Björn Höcke“.
(dpa 20.11.2015)

Donnerstag, 19. November 2015

Olympi-Nein.

Der frühere CDU-Bürgermeister Hamburgs liebe Großprojekte, die dazu dienen sollten ihm Denkmäler über seine Amtszeit hinaus zu errichten.
Da Ole von Beust ein recht fauler Bürgermeister war, der regelmäßig zu vierträgigen Wochenenden auf Sylt weilte und sein Amtszimmer spätestens um 17.00 Uhr verließ, gingen seine Projekte meistens schief.
Glücklicherweise konnte einiges ganz verhindert werden – so wie der bizarre Glaskubus, den er auf dem Domplatz errichten lassen wollte.
Anderes stieß er an und kümmert sich dann nie wieder, was zur bekannten Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie führte und der Innenstadt die schwere Verschandelung durch die Europapassage und den Jungerfernstiegumbau bescherte.
Finanziell war von Beusts CDU-Mannschaft ein Desaster für Hamburg.
Vermutlich 30 Milliarden Euro wurden bei der durch den CDU-Senat im Jahr 2003 erzwungenen Fusion der Landesbanken HH und SH zur HSH-Nordbank versenkt.
Ähnliche Desaster richteten die Christdemokraten bei den Privatisierungen von Stadt-eigenen Immobilien, der landeseigenen Krankenhäuser oder der Hamburger Elektrizitätswerke an.
Ole von Beust war ein Polit-Darsteller, der aber vom Regieren und Verwalten rein gar nichts verstand.
Natürlich wollte er auch die Olympischen Spiele nach Hamburg holen. 2012 sollte es soweit sein. Die Bewerbung Hamburgs war selbstverständlich so ungeheuer stümperig, daß Hamburg schon beim nationalem Vorentscheid im April 2003 krachend dem kleinen Leipzig unterlag.
Da war ich wenigstens einmal froh Beust als Bürgermeister zu haben.
Für gescheiterte Projekte ist er der Richtige und lieferte ein ähnliches Desaster wie die legendäre Olympia-Pleite Berlins für die Spiele von 2000 ab.

Inzwischen haben wir mit Olaf Scholz einen Bürgermeister, der das diametrale Gegenteil von Beusts ist: Nicht schillernd und selbstverliebt, dafür ein fähiger Verwalter und professioneller Chef.
Die Bewerbung Hamburgs für die Olympischen Spiele 2024 gelingt ihm mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit.
Die Planungen sind fehlerfrei, alle werden einbezogen, es gab keine peinlichen Pannen.
Natürlich würde ich Olaf Scholz einen Erfolg gönnen.
Das Problem ist nur, daß ich trotzdem strikt gegen Olympische Spiele in Hamburg bin.

Generell haben wir in Hamburg einen massiven Baustellen- und Großveranstaltungsoverkill. Das letzte, das wir brauchen, ist noch mehr davon.
Die 14 Tage der Spiele an sich interessieren mich dabei nur wenig; in der Zeit kann man sich in der eigenen Wohnung verschanzen und die Decke über den Kopf ziehen. Das Problem sind die acht Jahre vorher: Mediale Dauerpropaganda und Baustellen.

Hamburg ist zudem eine Stadt, die anders als London oder Paris eine Nummer zu klein ist für so eine internationale Mega-Veranstaltung.
Olympische Spiele können natürlich dazu dienen eine Stadt international zu bewerben und bekannt zu machen. Aber genau das hat Hmaburg nicht nötig.
In Relation zur Größe Hamburgs – mit 1,7 Millionen Menschen sind wir gerade mal die Nummer 134 in Liste der größten Städte der Welt, liegen hinter Wien, Bukarest, Mossul, Basra, Sapporo etc – sind wir durch die lange Handelsgeschichte und den Hafen ohnehin extrem international aufgestellt. Hamburg hat die zweitmeisten Konsulate der Welt und 40% der Hamburger haben einen sogenannten „Migrationshintergrund“.

Hamburg hat allerdings durchaus dringendere Probleme. Zum Beispiel gibt es hier viel zu wenig Wohnraum; ein Problem welches der Zuzug von bisher 50.000 Flüchtlingen allein im Jahr 2015 noch einmal erheblich verschärft.

Olympische Spiele sind zudem im Jahr 14 nach 9/11, nach dem gewaltigen Aufstieg des Islamischen Staates ein unerhörtes Sicherheitsrisiko.
In Sochi garantierten über 40.000 Soldaten die totale Abschottung vor Attentätern - nicht eingerechnet die Myriaden Polizisten und Geheimdienstler. Will man sowas in der Stadt haben?

Mein Interesse an Sport ist generell sehr rudimentär, aber am wenigsten Lust verspüre ich auf total durchkommerzialisierte Dopingveranstaltungen, bei denen Abertausende Funktionäre des jetzt schon Milliarden-schweren IOCs die Taschen noch mehr gefüllt bekommen.

Eine Olympiade ist der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen; vier Jahren, in denen IOC, Baukonzerne, Ausrüster, Spekulanten, Versicherer, Projektentwickler, Werbeagenturen, Fernsehsender, Pharmaindustrie und viele andere mehr sich Milliarden Steuergelder abgreifen.

Schließlich bleibt das Thema, welches uns norddeutsche „Pfeffersäcke“ natürlich am meisten umtreibt; elfeinhalb Milliarden Euro, die uns der Spaß von gerade mal 14 Tagen kosten soll.

Darüber stimmen die Hamburger derzeit ab – am 29.11.2015 findet das „Olympia-Referendum“ statt. (Schon der Name is falsch – es geht nicht um die Olympiade, sondern um die Spiele).
Ausgang ungewiss.


Zunächst signalisierten Umfragen eine Zustimmung von knapp 60%. Es folgte eine massive Werbekampagne. Die Hamburger Presse ist quasi gleichgeschaltet – von BILD über MoPo bis Abendblatt machen alle Propaganda für die Spiele.
Wenn ich nur einen Kontoauszug hole, kommt als erstes ein Blatt aus dem Automat, auf dem mir die begeisterte Unterstützung meiner Bank für die Spiele mitgeteilt wird.

Aber die Einseitigkeit der Befürworter, das schlichte Totschweigen der Kritiker scheint misstrauisch zu machen.


Offensichtlich fürchten Hamburgs Offizielle, die Hürden des „Ja“s nicht zu nehmen.

Am 29. November wird ein Referendum abgehalten, schon jetzt läuft die Briefwahl.
Sollte keine einfache Mehrheit zustande kommen, will sich die Hansestadt aus dem Rennen mit den Konkurrenten Los Angeles, Paris, Rom und Budapest zurückziehen. Das hat der Erste Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz (SPD), angekündigt. Zwei Hürden müssen dabei genommen werden:

·        Mehr als 50 Prozent der teilnehmenden Wähler müssen mit Ja stimmen.
·        Außerdem ist das Referendum erst dann erfolgreich, wenn mindestens 20 Prozent aller 1,3 Millionen wahlberechtigten Hamburger mit Ja gestimmt haben. Konkret bedeutet das: Sollten 260.000 Menschen mit Ja stimmen - und 250.000 mit Nein - ist das Referendum angenommen.

Die Fackelaktion an der Alster vor neun Monaten markierte den Beginn eines Duells. Seither sind Olympia-Unterstützer und -Gegner in Hamburg auf einer Mission, es geht um alles oder nichts. Die Bewerbergesellschaft fährt im Tandem mit Scholz seither eine emotionale Kampagne, unterstützt von großen Teilen der Hamburger Wirtschaft. Die Litfaßsäulen der Stadt sind gepflastert mit Bildern und Slogans der Feuer-und-Flamme-Kampagne, "Das gibt's nur einmal", ist die Kernbotschaft.

Und dann kam noch Paris hinzu.

Ein Fest des Friedens, bewaffnet bis an die Zähne?
Der rot-grüne Senat verspricht Spiele, „die den Geist von Frieden und Verständigung atmen“. Das klingt gut, aber stimmt das auch?
Das IOC fordert von Bewerberstädten die Bereitschaft, Militär im Inneren einzusetzen und die Bevölkerung verschärft zu überwachen. Die Städte müssen genau angeben, in welchem Umfang „Streitkräfte in Sicherheitsoperationen für die olympischen Spiele eingesetzt werden können“ (IOC: „2020 Candidature Acceptance Procedure“, S. 88). Im Extrem wurde dies bei den Spielen in London 2012 deutlich: Dort patrouillierten 49.000 teils schwerbewaffnete Uniformierte in der Stadt, darunter 17.000 SoldatInnen. Ein Hubschrauberträger auf der Themse diente als Kommandozentrale. Auf Wohnhäusern und in Parks wurden Flugabwehrraketen aufgebaut. Und um die Sportstätten wurde ein 17 Kilometer langer Elektrozaun gezogen.
Hierzulande müssten für vergleichbare Maßnahmen die Grundrechte gebrochen werden. Besonders das grundgesetzliche Verbot des Einsatzes der Bundeswehr im Inland soll aufgeweicht werden. Entgegen der olympischen Friedensidee – in der Antike mussten während der „heiligen Spiele“ alle Kriegshandlungen ruhen –, trägt das IOC sogar zur Militarisierung und zum Ausbau von Polizei und Überwachung bei.
Mit den geforderten „Sicherheitszonen“ würde Hamburg faktisch zu einem riesigen Gefahrengebiet erklärt werden. Nach dem durchgesickerten Sicherheitskonzept der Hamburger Polizei sind „lückenlose Videoüberwachung“, „zahlreiche Zäune und Absperrungen“ und die Modernisierung von „Spezialeinheiten“ geplant, wie die WELT berichtete. Der rot-grüne Senat kündigte bereits an, dass viele der genannten Maßnahmen dauerhaft bleiben sollen.
Die „Sicherheits“-Pläne richten sich gegen das Versammlungs- und Demonstrationsrecht, gegen die freie Entfaltung der Persönlichkeit, gegen die Bewegungsfreiheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Diese Rechte sind wertvolle Schlussfolgerungen aus der Nazi-Diktatur und sind für eine lebendige Demokratie mündiger BürgerInnen elementar – sie dürfen nicht einem Event wie „Olympia“ geopfert werden!

Offensichtlich scheinen nun doch auch die kleinen kritischen Initiativen gehört zu werden.

Wir, die erste offene Plattform gegen Olympische Spiele in Hamburg, wenden uns gegen die Olympia-Pläne der Stadt und sagen Nein:

    Nein zu Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe, die die öffentlichen Haushalte jahrelang belasten werden.
    Nein zu steigenden Mieten und Verdrängung, wie sie überall die Folge waren, wo olympische Spiele stattgefunden haben.
    Nein zur weiteren Versiegelung von Flächen im Zusammenhang mit der Umsiedlung von Hafenbetrieben und dem Neubau von Sportstätten.
    Nein zum Ausverkauf der Stadt an das intransparente Großunternehmen IOC und deren Vertragspartner.
    Nein zu einem Hochleistungssport, der die Sportler/innen nicht zuletzt durch Doping zerstört.
    Nein zu einem Megaevent, das für uns nur im Fernsehen stattfinden wird, während in der ganzen Stadt der Ausnahmezustand zur Regel wird.


Natürlich bin ich es als Ausländer wieder einmal nicht wert gefragt zu werden und habe kein Stimmrecht beim „Olympia-Referendum“. Das ist nur für Blutddeutsche.

Aber ich weise hiermit auf etwas hin, das noch deutscher als Blut ist – das Geld.
Die ganze Nummer wird teuer – und zwar noch viel teurer als wir alle denken.

[….] Macht zusammen 11,2 Milliarden Euro für gut zwei Wochen Sport auf höchstem Niveau.
[….] Allein, mit 6,2 Milliarden Euro, so gigantisch die Summe auch klingen mag, wird es für den Bund nicht getan sein. Zum einen steht die Frage der unlimitierten Bürgschaft im Raum, die das Internationale Olympische Komitee (IOK) von allen Bewerbern verlangt. Diese möchte das IOK vom Bund, denn der hat mehr Finanzkraft als die Hansestadt. [….] Zum anderen unterschätzt der Hamburger Finanzplan die Kosten. Bürgermeister Olaf Scholz bezeichnete ihn zwar ganz unbescheiden als "die am besten durchgerechnete Bewerbung ever". Aber wieso sollen die Aufwendungen für Sicherheit nur 410 Millionen Euro betragen, wenn London für die Spiele 2012 bereits mehr als das Dreifache ausgab? Weshalb sind die Kosten für Sportstätten und Infrastruktur gerade einmal halb so hoch wie in London, das als große Metropole viel weniger Ausbauten nötig hatte? Selbst wenn der Kostenrahmen eingehalten werden könnte, muss eines klar sein: Mit mehr als elf Milliarden Euro Gesamtkosten würden die Sommerspiele 2024 zum mit Abstand teuersten Großprojekt in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik werden; in der ersten Schätzung mehr als doppelt so teuer wie der Flughafen Berlin-Brandenburg International oder der Bahnhof Stuttgart 21.
Anders als bei Flughafen und Bahnhof sind bei den Olympischen Spielen Land und Bund nicht die Herren im Haus. Zwar dürfen sie den Großteil der Zeche zahlen, müssen jedoch die weitreichenden Forderungen im Gastgebervertrag des IOK erfüllen. Die Ziele des IOK stimmen hingegen kaum mit denen einer nachhaltigen Stadtentwicklung überein. [….] Die Olympischen Spiele schaffen noch ein zweites Problem: die unverrückbare Frist. Anders als beim Berliner Flughafen kann die Eröffnung nicht wenige Monate vorher auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Die Projekte müssen auf den Stichtag fertig werden. Im Endspurt der letzten Monate bleibt deshalb gerne die Qualitäts- und Kostenkontrolle auf der Strecke. Aus diesem Grund sind Olympische Spiele auch finanziell die mit Abstand riskantesten Großprojekte, wie kürzlich eine Studie der Universität Oxford zeigte. Die durchschnittlichen Kostenüberschreitungen sind um ein Vielfaches höher als bei anderen Großprojekten.
Ökonomen sind sich weitgehend einig, dass Olympische Spiele schlechten Gegenwert fürs Geld bieten. [….] Dasselbe Geld würde in anderen Projekten viel höhere Erträge abwerfen. Im Fachjargon spricht man hier von Opportunitätskosten. Damit gemeint ist der entgangene Nutzen, der dadurch entsteht, dass man bessere Investitionsmöglichkeiten links liegen lassen muss. [….] Unterm Strich bleiben für Olympia in Hamburg kaum gute Argumente übrig. Stadtentwicklung und Imageförderung betreibt man besser ohne eine solche Veranstaltung. [….]