Sonntag, 5. April 2015

Vorteil Katholisch



Als leidgeprüfter Hamburger Abendblatt-Leser bin ich es natürlich gewöhnt zu christlichen Feiertagen höchst dümmliche Essays der örtlichen Toppkleriker serviert zu bekommen.
Viele Jahre lang war das immer der notorisch kamerageile Weihbischof Jaschke, der seine Belanglosigkeiten beständig zum Besten gab.
Sein langjähriger Chef, Erzbischof Thissen und die im protestantischen Norden wesentlich bedeutsamere evangelische Bischöfin Fehrs sind  zurückhaltender mit den Medien.
Dieses Jahr räumt das Abendblatt dem neuen Erzbischof Heße Platz zur Selbstbeweihräucherung ein. Das alles um dem säkularen Leser Religion aufzudrängen.
Völlig verblüffend für mich, aber Heßes Salbadern zu Ostern ist vergleichsweise erträglich. Mal abgesehen von dem üblichen „Jesus bringt das Licht“-Unsinn und der grundsätzlichen Dissens über die Rolle der Religion, macht Heße das gar nicht so schlecht.
Offensichtlich hat er immerhin begriffen, daß Hamburg katholische Diaspora ist, daß man hier das Religionssprech nicht versteht und leitet mit einem neutralen Thema („Lichtverschmutzung“) ein. Heße fällt nicht mit der Tür ins Haus und schreckt einen nicht gleich ab.

Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt.

Im aktuellen SPIEGEL (15/2015 vom 04.04.2015) gibt es ein vierseitiges Doppelinterview mit dem EKD-Chef Bischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster unter anderem zum Thema „militanter Islam“.
Gratulation auch an die morialogische Glanzleistung des SPIEGELS zum Thema Gewalt im Islam von Juden und Christen nur ÜBER den Islam zu sprechen und nicht MIT ihm; ein muslimischer Vertreter darf gar nicht erst mitreden.
An einen Humanisten oder Atheisten wird ohnehin gar nicht gedacht.
Die Redakteure Frank Hornig und Katja Timm stellen die üblichen harmlosen Fragen nach Integration und Glaubensferne.
Ein Freifahrtschein für die beiden Top-Religioten zu überzeugen und für sich zu werben.
Schuster, als Vertreter einer in Deutschland sehr kleinen Minderheit schlägt sich nicht schlecht, fällt zumindest nicht durch besondere Doofheiten auf.
Aber der Nachfolger von Huber, Käßmann und Schneider gibt Plattitüden von sich, daß man immerhin wunderbar Heinz-Werner Kubitzas Essay wider die Theologie als „Wissenschaft“ bestätigt bekommt.
Bedford-Strohm ist Professor und demonstriert eine Anti-Intellektualität, daß er jeden Denkenden aus der Kirche treiben muß.

Beispiele:

Menschen haben auch im Namen Jesu Kriege geführt. Wir Christen haben dieses schlimme Erbe aufgearbeitet. Zum Glück ist es in die Einsicht gemündet, dass wir heute für die Menschenrechte einstehen und versuchen, eine Kraft der Versöhnung zu sein.

FALSCH!
Es wurde nicht nur „im Namen Jesu“ Krieg geführt, sondern das wird von ihrem Gott sogar explizit in der Bibel gefordert.
Es ist auch nicht nur Vergangenheit, sondern geschieht bis heute. Auch die evangelische Kirche ist tief verstrickt, indem sie beispielswiese Militärbischöfe stellt und Soldaten in aller Welt unterstützt.

Jesus ist am Kreuz gestorben als Folteropfer und hat gerufen „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Deshalb habe ich in einer Kirche im Nordirak vor Flüchtlingen aus Mossul gepredigt: Gott ist bei den Menschen, die leiden. Er ist ganz bestimmt niemand, der die Hände von Gewalttätern führt.

FALSCH!
Als ob Bedford-Strohm dabei gewesen wäre und wüßte was Jesus sagte.
Tatsache ist aber, daß bei dem Konzept eines ALLMÄCHTIGEN Jesus = Gott selbstverständlich dafür verantwortlich sein MUSS was Gewalttäter ihren Opfern antun. Ohne die Zustimmung des Allmächtigen kein Auschwitz – oder er ist eben nicht allmächtig.

Jesus war ein geborener Jude. Er hat zum gleichen Gott gebetet wie das jüdische Volk, und darum sind wir Christen für immer in den biblischen Bund Gottes mit dem Volk Israel einbezogen. Das hat man leider jahrhundertelang immer wieder übersehen. […] Es ist eine Hypothek der christlichen Theologie, dass man an dieser Stelle lange die Tatsachen verdreht hat. Die christlichen Kirchen haben sich diesem Versagen in den vergangenen Jahrzehnten allerdings intensiv gestellt.

FALSCH!
Was für ein perfider Euphemismus! Da wurde nicht nur etwas „übersehen“, sondern es wurden über Jahrhunderte aktiv Genozide angezettelt, Pogrome initiiert und Kreuzzüge verlangt.

Luther hat sich in seiner Spätzeit unhaltbar und in kruden Thesen über das Judentum geäußert. Diese Verirrungen können nur Anlass zu Trauer und Scham sein.

FALSCH!
Luther war nicht nur „in seiner Spätzeit“ etwas „krude“, sondern ein unverbesserlicher Rassist und Menschenfeind, der auch andere Gruppen als die Juden, beispielsweise die Bauern mit pathologischem Hass überzogen hat.

Etc pp.

Samstag, 4. April 2015

Ist ja widerlich.


Vor gerade mal drei Tagen hatte ich noch die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesinnenminister zur Impudenz des Monats März erklärt und die erbärmlichen Vorgänge im Sachsen-Anhaltinischen Tröglitz als Beleg dafür verwendet.
Tout Deutschland empörte sich als der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth auf Druck der Nazis sein Amt niederlegte, nachdem er sich für Flüchtlinge, Menschen in Not engagiert hatte.
Die rechte Pest ist weiterhin erfolgreich, weil niemand sie aufhält. Verfassungsschutz; Polizei und Innenministerien sind auf dem rechten Auge blind.
Kurz nachdem Nierth weggebissen wurde, ging nun auch das Haus, in dem die Flüchtlinge wohnen sollten in Rauch auf.

[….] In Tröglitz brannte das Flüchtlingsheim, die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Bürger versammeln sich zu einem Friedensgebet, doch auch die Rechtsextremen sind da.
[….] Vier in der Region bekannte Rechte, drei Männer und eine Frau, stehen am Rande des Friedensplatzes und halten ein Plakat in die Höhe: "Das System ist das Problem". Und als Susanna Nierth, die Frau des zurückgetretenen Bürgermeisters Markus Nierth, vor 250 Teilnehmern die Ereignisse der Nacht als schlimm bezeichnet, ruft einer der vier: "Falsch, es wird noch viel schlimmer."
[….] "Es ist ein ganz widerliches Verbrechen, das ist eine Katastrophe", sagt Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sichtlich betroffen. Und auch Susanna Nierth ist erschüttert. "Das ist so schlimm", sagt die Frau des ehemaligen Bürgermeisters, "davon wird sich Tröglitz wohl nie mehr erholen."
[….] Tröglitz ist in den Schlagzeilen, seit vor einem Monat Markus Nierth sein Amt zurückgab - von der NPD angeführte Proteste gegen Flüchtlinge hatten direkt vor seinem Wohnhaus stattfinden sollen, die Behörden hatten zu spät darauf reagiert. Und jetzt das: Der Dachstuhl des für Flüchtlinge vorgesehenen Hauses in dem 2700-Einwohner-Ort brennt völlig aus - er gehörte zum Wohnbereich[….] Nierth ist erschüttert: "Ich gehe von Brandstiftung aus, die sogar den Tod des dort noch lebenden - deutschen - Ehepaares in Kauf genommen hat", sagt er dem Tagessspiegel. Der ehemalige Kommunalpolitiker - er gehört keiner Partei an - erklärt weiter: "Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten." Selbst Familien aus Kriegsgebieten werde "von kranken, bösen Gehirnen" kein freistehender Wohnraum gegönnt. "Eine bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine Reihe bringt und noch viele unabsehbare Folgen haben wird."
[….]  Im Ort fürchte man sich eher vor Ausländern - sehr zu Freude der NPD, berichtete anschließend die "FAZ". Der Korrespondent des Deutschlandfunks twitterte von der Versammlung: "Asylbewerber sind nicht willkommen. Neid, Missgunst, Skepsis. Kein warmes Wort des Willkommens." Bei "Spiegel online" hieß es: "Die Rechten pöbeln, die Masse schweigt."
Sebastian Striegel, Grünen-Innenpolitiker im Landtag von Sachsen-Anhalt: [….]  "Die Straße darf nicht denen überlassen werden, die gegen Flüchtlinge hetzen." Zu schaffen machen Striegel nicht in erster Linie die vielleicht 100 oder 150 Tröglitzer, die mit Geflüchteten nichts zu tun haben wollen. "Das größte Problem sind die 2500, die nichts sagen."
In Wismar und Rostock kam es zu fremdenfeindlichen Angriffen
Auch in anderen Städten kam es zu neuen fremdenfeindlichen Angriffen. In Wismar wurden in der Nacht zum Samstag zwei ägyptische Asylbewerber von acht bislang unbekannten Männern attackiert. Die beiden Ägypter im Alter von 21 und 26 Jahren wurden geschlagen und mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt. Bereits am frühen Freitagmorgen war in Rostock ein 26-jähriger Kameruner von drei Männern auf offener Straße geschlagen worden, wie der NDR meldete. [….]

Nun steht Tröglitz bundesweit als Schandfleck da.
Von den 2700 Einwohner raffen sich dennoch nur 10% auf, um bei der Demonstration „für ein weltoffenes Tröglitz“ ihr Gesicht gegen die Nazis zu zeigen. Davon sind vermutlich aber auch noch eine große Anzahl Aktivisten von außerhalb.
90% der Tröglitzer schweigen oder stimmen den Nazis zu.

Merkel und Gauck? Sind wie üblich abgetaucht, wenn es unangenehm wird.
Bundeskanzler Schröder hatte sich einst noch dem braunen Mob entgegengestellt und einen „Aufstand der Anständigen“ initiiert.

Die armen Menschen, die in so einem braunen Kaff leben müssen.
Richtigerweise gibt CDU-Landrat Ulrich dem Nazi-Mob nicht nach. Alles andere hätte das verheerende Signal an die Rechtsradikalen zu Folge, daß sich ihre Straftaten lohnten.
Nun MÜSSEN die Flüchtlinge also kommen.
Eine entsetzliche Vorstellung, daß sie nach allem, das sie durchmachen mußten, nun auch noch in Tröglitz enden müssen.

In Tröglitz werden Flüchtlinge leben: Landrat Götz Ulrich (CDU) will an der Unterbringung von Asylbewerbern in dem 2700-Einwohner-Ort festhalten - auch nach dem Feuer in der geplanten Flüchtlingsunterkunft. "Es bleibt dabei, Tröglitz bekommt 40 Asylbewerber", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Ab Mitte Mai sollten die ersten Flüchtlinge in die Kleinstadt im Burgenlandkreis kommen, in das hell gestrichene Haus in der Ernst-Thälmann-Straße ziehen. In dem sanierten Gebäude sollten zwölf Wohnungen für sie hergerichtet werden, ein Wachdienst und ein Sozialarbeiter sich um die 40 Menschen kümmern, überwiegend Familien.


Freitag, 3. April 2015

Kässi lernt nichts dazu.





„Die Gläubigen sind selten Denker und die Denker selten gläubig.“
(Hans Daiber)

Heute darf ich nicht tun was ich will.
Völlig antiquierte Gesetze aus den 1950er Jahren – also der Zeit, als Frauen noch nicht ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten durften und Schwule ins Gefängnis gesteckt wurden – legen fest, daß man am Karfreitag nichts vergnügliches tun darf.

[….] Tanz, Konzerte und in manchen Bundesländern sogar Sportveranstaltungen: Am Karfreitag ist einiges verboten, was sonst erlaubt ist. Eine Initiative in Bochum wehrt sich dagegen - mit der Aufführung eines Monty-Python-Klassikers.
Der Karfreitag ist nicht nur ein christlicher Feier- sondern ein Trauertag, auch "stiller Tag" genannt: An so einem Tag sollen Bürger in Deutschland nicht tanzen, zu Konzerten oder Sportveranstaltungen gehen. So ist es in den Bundesländern mehr oder weniger scharf gesetzlich geregelt - die Verbotszeiten variieren dabei.
Verstöße werden mit Ordnungsstrafen geahndet, und dabei geht's manchmal gar nicht ums Tanzen oder Sport treiben: Für die Aufführung des Monty-Python-Klassikers "Das Leben des Brian" am Karfreitag hat die Bochumer Initiative "Religionsfrei im Revier" im vergangenen Jahr einen 300 Euro Bußgeld-Bescheid bekommen. Nun droht dasselbe noch einmal. [….]

Wie immer sind es die Kirchenvertreter, die sich bis zuletzt gegen den gesellschaftlichen Fortschritt wehren und damit am Ende als die Ewiggestrigen dastehen, die sich für Diskriminierungen einsetzen.


Nun wird diese anachronistische Absurdität 2015 nicht das erste mal in Frage gestellt.
Jahr für Jahr laufen mehr Menschen dagegen Sturm, treffen sich demonstrativ zum Tanzen, Singen und Filme gucken.

Das zwingt die Kirchisten dazu sich zum Thema zu äußern.
Wären sie gut beraten oder gar intelligent, wüßten sie, daß der Kampf nicht zu gewinnen ist.
Sie würden die Initiative ergreifen und öffentlich erklären, daß karfreitagliches Partyverbot zu den Dingen gehört, auf die man nicht stolz ist.
So wie die kirchliche Unterstützung für Krieg und Hitler, wie das Waffensegnen, der Widerstand gegen Frauenwahlrecht und Sklavenbefreiung.
Aber man lerne schließlich dazu und wolle nun lediglich Anregungen geben und nicht mehr mit dem Strafrecht seine religiösen Überzeugungen den Konfessionslosen aufzwingen.

Das brächte den Kirchen mit Sicherheit einen großen Imagegewinn.

Statt Klugheit bestimmen aber Platthirne wie Kässmann und Bedford-Strohm die Topetage der EKD.
(Von den Katholiken rede ich erst gar nicht. Die sperren sich ja sogar noch gegen Gleichberechtigung von Frauen!)

[….]  Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte dem Radiosender SWR 2 am Donnerstag, er habe kein Verständnis dafür, die Karfreitagsruhe infrage zu stellen. Auch die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zeigte sich irritiert über die Diskussion.
Bedford-Strohm sagte, er könne nicht nachvollziehen, dass manche Menschen es als Zumutung empfänden, an einem der 365 Tage des Jahres «an die Leidenden der Welt zu denken». Der Karfreitag habe eine Bedeutung über die christliche Religion hinaus und sollte als stiller Tag gesetzlich geschützt bleiben.
Käßmann sagte der in Oldenburg erscheinenden «Nordwest-Zeitung» (Donnerstagsausgabe), in den anderen Wochen des Jahres würde auch nicht «jeder jeden Tag tanzen gehen». Am Karfreitag gehe es darum, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. Die Reformationsbotschafterin der EKD bezeichnete die stillen Tage als «heilsame Unterbrechungen».[….]

Was für eine widerlich perfide Unterstellung, Nichtchristen würden nie an die „Leidenden der Welt denken!“
Zumal die Mehrzahl der Leiden durch religiös induzierten Wahnsinn entsteht.

Begreift sie denn nicht, daß sie gerne alle Christen vorschreiben soll was sie möchte, daß aber in unserer Verfassung steht, Staat und Kirche sind getrennt und daß sie deswegen kein Weisungsrecht gegenüber Konfessionslosen hat?

Kein Atheist will Karfreitags in der Kirche tanzen.
Alle Christen können heute ruhen und depressiv vor sich hinbeten. Alle christlichen Einrichtungen dürfen heute geschlossen und unbetanzt bleiben.
Niemand stört sich an den kirchlichen Merkwürdigkeiten  - IN KIRCHEN.
Aber schreibt uns anderen nicht vor, was wir in unseren eigenen vier Wänden tun und lassen.

Für IHRE Mitglieder können sie gerne jede Regel aufstellen - und sei sie noch so absurd.
Aber warum sollte das für die Konfessionsfreien ebenfalls gelten?

Dazu hatte ich schon vor Jahren einen Vorschlag zur Güte unterbreitet.

Dabei wäre die Lösung für all die Probleme so einfach.


Mir schwebt eine christlich/atheistische Entkoppelung vor:

Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht masturbieren, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.

Für die Menschen, die nicht in den Mitgliederlisten des real existierenden Kirchismus geführt werden, entfallen alle diese Einschränkungen.

Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.




Donnerstag, 2. April 2015

Der Humor des Hamburger CDU-Gottes.

Als ich in Deutschland parteipolitisch sozialisiert wurde, gab es durchaus genügend Gründe sich ob der Unionspolitiker zu fürchten. Strauß, Dregger, Barzel – das waren Typen! Rizinusöl war damals völlig überflüssig.
Zum Glück gab es immer die Gewissheit, daß es diese ultrarechten Korruptis nicht bis nach Hamburg schaffen würden.
Hamburg war die SPD-Hochburg schlechthin. In der Wolle rot gefärbt.
Die Hamburger SPD brachte auch diese richtig guten Typen hervor, die bundesweit Karriere machten und geachtet wurden: Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Bundestagsfraktionsvorsitzenden Herbert Wehner und Hans-Ulrich Klose. August Bebel, Hans Apel, Max Brauer, Lore Maria Peschel-Gutzeit, Karl Schiller.
Die bekannteren CDU-Politiker aus Hamburg sind so offensichtlich drei Klassen drunter angesiedelt, daß entweder Gott seine Hände im Spiel hat und SPD-Fan ist, oder aber es streben grundsätzlich die schlechteren Menschen in die hanseatische CDU.
Es ist schon auffällig, wie viele von ihnen mit Justiz und Staatsanwaltschaft kollidierten.
Für die konservativen Unionspolitiker aus Hamburg muß man sich als Hanseat schämen:
Jürgen Echternach, Hartmut Perschau, Birgit Breuel, Mario Mettbach, Roger Kusch, Walther Leisler Kiep, Carsten Frigge, peinlich peinlich.
Nach der Amtszeit des CDU-Mannes Kurt Sieveking Mitte der 50er Jahre sollte es fast ein halbes Jahrhundert keine CDUler mehr an der Spitzer meiner schönen Stadt geben.

Aber Gott hat irgendwie Humor.

So läßt er immer wieder Hamburger CDU-Politiker bedeutende Pflöcke einschlagen.
1954 wurde Angela Merkel in Hamburg geboren, jene spätere CDU-Vorsitzende, die einmal alle CDU-Gewissheiten abräumen sollte und ausgerechnet den Konservativen die erst Frau im Amt der deutschen Regierungschefin bescherte. Frau, Ost, geschieden, Protestantin und so eine räumt für die CDU die Wehrpflicht ab, weicht den Euro auf, führt Mindestlohn ein und schafft die Atomkraft ab.

Das begann 2001 der nächste große gesellschaftliche Schub mit dem SCHWULEN Ole von Beust, der seine CDU zwar auf erbärmliche 26% heruntergefahren hatte, dann aber mit dem ebenfalls SCHWULEN rechten Hardliner Roger Kusch, der zuvor Helmut Kohls Akten gelöscht hatte, dann in Beusts Wohnung eingezogen war und schließlich als Todesengel in die Schlagzeilen geriet, eine Regierung bildete.

Die politischen Umstände spülten 2010 versehentlich den feisten Hetero-Heidelberger Ahlhaus an die CDU-Spitze, aber der verschwand sehr schnell in der Versenkung nachdem er fast 21 Prozentpunkte als Spitzenkandidat einbüßte.
Der nächste CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft und Landtagswahlspitzenkandidat war wieder ein SCHWULER CDU’ler, nämlich Dietrich Wersich.
Er schaffte es die Kanzlerpartei 2015 auf 15,9% hinunter zu wirtschaften.
Nach dem Mega-Desaster rollten Köpfe.
Ein neuer und jüngerer CDU-Mann mußte die Aufgabe als CDU-Oppositionsführer übernehmen.

Die konservativen Hanseaten entschieden sich für einen Hardliner.

Der frühere Bürgerschaftsabgeordnete und Haushaltsexperte Roland Heintze erhielt auf einem Landesparteitag am Dienstag 147 von 159 gültigen Stimmen. [….] Heintze verordnete der Partei einen klar wirtschafts- und sicherheitspolitischen Kurs. „Wir brauchen wieder klare Kante in der Ordnungspolitik in dieser Stadt“, sagte er. Daran habe es in der Vergangenheit gemangelt. Ähnlich strikt äußerte er sich zur Wirtschaftspolitik. „Es ist (...) Aufgabe der Partei, sich hier ganz klar zu positionieren und zu sagen: Der Wirtschaftsstandort Hamburg muss (...) gestärkt und ausgebaut werden.“
(FAZ, 02.04.15)

Damit ist – wieder – ein SCHWULER CDU-Boss.
Hier muß irgendwo ein Nest sein.

[…] Nach Dietrich Wersich steht erneut ein schwuler Politiker an der Spitze der hanseatischen Christdemokraten.
Die CDU in Hamburg hat bei ihrem Landesparteitag am Dienstag den ehemaligen LSU-Chef Roland Heintze zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 41-Jährige erhielt 147 von 159 gültigen Stimmen. […] Damit löst Heintze den ebenfalls schwulen Politiker Dietrich Wersich ab, der sich nach dem schlechten Ergebnis der CDU bei der Bürgerschaftswahl nicht erneut um das Amt beworben hatte. […]
Heintze war von 2004 bis 2006 der vierte Bundesvorsitzende in der Geschichte der Lesben und Schwulen in der Union (LSU). Er sorgte damals mit vielen seiner Thesen für Aufregung in der Community – etwa, als er Bareback unter Strafe stellen wollte oder seine Ablehnung für die Gleichbehandlung von Homo-Paaren im Adoptionsrecht und die Aufnahme des Merkmals sexuelle Identität ins Antidiskriminierungsgesetz zum Ausdruck brachte.
Auch später gab es Auseinandersetzungen: 2012 stellte er die Gemeinnützigkeit des CSD Hamburg in Frage, weil dieser die Ablehnung der Gleichbehandlung von Homosexuellen im Eherecht durch die CDU kritisiert und die Teilnahme der Christdemokraten an der Veranstaltung in Frage gestellt hatte. […]

OK, daß sich die Jungs von Queer.de auf den Homoaspekt konzentrieren und darüber ein paar Fakten vertüdeln, sei ihnen verziehen.
Wersich war nicht CDU-Landesvorsitzender, sondern Fraktionsvorsitzender.
Heintze ist nicht mehr Mitglied der Bürgerschaft und konnte ihn daher auch nicht in der Funktion nicht ersetzten. Bisheriger CDU-Landeschef war Markus Weinberg.

Aber schon komisch, daß es in Hamburg ausgerechnet die CDU ist, die Frauen und Schwule in die Bundespolitik entsendet.
Und noch eigenartiger, daß gerade diese Typen so furchtbar unsympathisch sind.
Es juckt mich in den Fingern noch etwas zur Schönheit der beiden wichtigsten CDU-Frauen aus Hamburg zu sagen - Merkel und Birgit Breuel.
Aber das gehört sich nicht.









Mittwoch, 1. April 2015

Impudenz des Monats März 2015


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten seit die Peginesen in Ostdeutschland Schrecken verbreiten Statistiken verlinkt, aus denen klar wird wie sehr das verbale Schüren von Ausländerhass in der Praxis umgesetzt wird.
Die Über- und Angriffe auf alle Undeutschen haben rasant zugenommen. Täglich gibt es drei rechtsextremistische Vorfälle.

Zum Beispiel Berlin:

Mehr als 250 Menschen wurden verletzt, bedroht und verfolgt.
Die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (ReachOut) hat im vergangenen Jahr 179 Angriffe registriert. Hierbei war Rassismus das häufigste Tatmotiv. Auch die Zahl der antisemitisch motivierten Taten und der Attacken gegen politische Gegner stieg an. Das geht aus dem ReachOut-Jahresbericht hervor.
Im Jahr 2014 wurden insgesamt 266 Menschen verletzt, gejagt oder massiv bedroht. Die Gewalttaten trafen die Opfer völlig überraschend und unvermittelt und ohne, dass sich Angreifer und Opfer vorher kannten. Der überwiegende Teil dieser Angriffe fand in aller Öffentlichkeit statt, auf Straßen, an Haltestellen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen, teilt die Beratungsstelle mit.

Ist das die Kehrseite des orgiastischen Jubels über die gewonnene Fußball-WM von 2014?
Der Mob hat Oberwasser und prügelt alle Schwächeren weg.
Je glänzender die deutsche Wirtschaft dasteht, desto gehässiger werden die Einstellungen gegenüber Griechen und Flüchtlingen.
Was kümmern Fakten und Moral, wenn man so viel einfacher den perfiden Kampagnen der BILD folgen kann?

[….]  Der Deutsche Journalisten-Verband hat das Nachrichtenportal Bild.de aufgefordert, sofort die laufende Anti-Griechen-Kampagne zu stoppen.
Auf Bild.de werden die Leser dazu animiert, den Aufruf „Nein – keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“ als Selfie mit dem eigenen Porträt an die Redaktion zu mailen. [….] Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne“, kritisierte Konken.
Darüber hinaus sei es medienethisch bedenklich, dass ein ganzes Volk für die finanzpolitischen Fehlentscheidungen seiner Politiker diffamiert werde. „Die Verunsicherung über die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf Deutschland ist groß“, sagte Konken.

Es entsteht insbesondere ist Ostdeutschland eine massive moralische Schieflage.


Ganze Landstriche sind de facto unter Kontrolle von rechtsradikalen Verbrechern, gegen die sich niemand durchzugreifen traut.
Dort kann man sich mit Kippa, dunkler Hautfarbe oder Rasta-Haaren nicht mehr blicken lassen, ohne um sein Leben zu fürchten.
Die Begriffe „rechtsfreie Zone“ oder „national kontrollierte Gebiete“ sind euphemistisch gewählt.
Eigentlich müßte es heißen:

„Herrschaft des rassistischen Mobs – ermöglicht durch totales Staats- und Rechtsversagen.“


Hiermit küre ich die Landes- und Bundesinnenpolitiker zur Impudenz des Monats.
Sie machen ihre Hausaufgaben nicht und lassen stoisch schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu.
CDU- und insbesondere CSU-Politiker kochen auch noch ihr mieses wahltaktisches Süppchen, indem sie gezielt mit xenophoben Stimmungen spielen, bzw die Peginesen umschmeicheln.
Gabriels Schleimerei bei den Kotbraunen Anfang des Jahres ist nicht zu entschuldigen.
Daß aber die zuständigen Innenminister, die ohnehin in dieser Legislatur kaum noch etwas zu tun haben, jegliche Solidarität vermissen lassen und kein Interesse daran haben zu scheinen, den Rechtsstaat durchzusetzen, wenn es um Schwache geht, ist erbärmlich.

[….] Tröglitz in Sachsen-Anhalt wurde bundesweit bekannt, als der Bürgermeister vor dem Druck Rechtsextremer kapitulierte. Jetzt sollen 40 Flüchtlinge in den Ort kommen. Wer behält hier die Oberhand - Hetzer oder Humanisten?
"Warum geben wir für die Asylanten so viel Geld aus? Was soll die Scheiße? Für uns selbst wird nichts ausgegeben", ruft ein Mann oben vom Rang, blanker Neid in der Stimme. Die Arme vor der Brust verschränkt, hat er sich vor einem Mikrofon aufgebaut und schaut hinunter auf Landrat Götz Ulrich, der vor der Bühne des Saals steht.
[….] 500 Menschen sind in den Saal gekommen, auch Rechtsextremisten. NPD-Funktionär Steffen Thiel ist da. [….] Die Veranstaltung des Landrats ist bitter nötig, für viele kommt sie zu spät. In Tröglitz rumort es seit Monaten kräftig. Tiefpunkt war der Rücktritt des ehrenamtlichen Bürgermeisters Markus Nierth vor drei Wochen. Der parteilose Politiker hatte sich sehr für die Flüchtlinge eingesetzt, bis Nachbarn und NPD vor seine Haustür ziehen wollten. (Nierth ist kein Einzelfall - mehr lesen Sie hier.). Da war für ihn Schluss, er fühle sich alleingelassen von Behörden und vielen Mitbürgern, teilte Nierth mit, kritisierte eine "schweigenden Mitte" - das Entsetzen bundesweit war groß, auch weil er Morddrohungen erhielt.
[….]  Als ein älterer Bewohner daran erinnert, dass es in Tröglitz nach dem Zweiten Weltkrieg 1600 Flüchtlinge gab und 4600 Einwohner gab, kommen Zwischenrufe - es ist die Ecke, wo der NPD-Mann sitzt: "Aber das waren Deutsche." Das stimme, sagt der Mann, "wir sollten aber heute Solidarität mit anderen Flüchtlingen weltweit üben". "Dann nimm du die doch zu Hause auf", ruft Thiel.
Thiel versucht die Versammlung als Bühne zu nutzen - und es gelingt ihm auch deshalb, weil sich die Unterstützer der Flüchtlinge nur selten zu Wort melden, Kritiker und seine Anhänger aber sehr wohl - und dazu gehört auch der Mann, der vom Rang runterpöbelte. Er steht mittlerweile unten im Saal bei Thiel. Dieser tritt selbst zweimal ans Mikrofon, ohne sich allerdings als NPD-Mitglied vorzustellen. Er sagt, er habe Eigentum in Tröglitz. Zum geplanten Wachdienst will Thiel wissen: "Wer wird da vor wem geschützt? Die Bürger vor den Asylbewerbern oder die Asylbewerber vor den Bürgern?"
Landrat Ulrich sagt, der Sicherheitsdienst habe für Sicherheit zu sorgen. Er bleibt auch gelassen, als ein Rechtsextremist aus Thüringen, der bei einer der Anti-Flüchtlings-Demos von "begattungsfreudigen Afrikanern" gesprochen hat, laut brüllt, man solle nicht das "Sozialamt der Welt" sein. [….]


Dienstag, 31. März 2015

Verwirrte Verbraucher.


Mein Gemüseladen existiert nun in der vierten Generation.
Die Seniorchefin erzählte mir einmal, wie sich die Kunden zu ihrer Anfangszeit gefreut hätten, daß sie mit Eisbergsalat und Kopfsalat zwei verschiedene Salate zur Auswahl hatten.
Heute hat allein der Lieferant auf dem Großmarkt, bei dem sie morgens Salat kaufen 84 Sorten im Angebot.
Da die Ladenfläche gleich geblieben ist und außerdem die gewaltige Konkurrenz durch die Discounter dazu gekommen ist, kann man sich vorstellen was das für ein kaufmännisches Problem ist.
Und tatsächlich beobachte ich genau das bei meinen Einkäufen dort; trotz einer schier überwältigenden Auswahl kommen immer wieder Kunden, die einen derart exotischen Pilz oder einen geräucherten LILA Knoblauch aus Frankreich wünschen, daß sie dann enttäuscht und ohne etwas zu kaufen wieder abziehen.
Einer der Verkäufer in meinem Gemüseladen hat lange als Koch gearbeitet und gibt dementsprechend detaillierte und raffinierte Zubereitungstipps zu jedem exotischen Gemüse.
Noch vor ein paar Wochen brachte er mir auch wieder etwas bei. Ich kaufe gerne Baby-Spinat und Rucola als Salat. Nun empfahl er mir aber zu einer Gorgonzola-Soße lieber den normalen frischen Spinat als Salat zu verwenden.
Tatsächlich ist der ausdrucksvoller, als die Babyblätter. Geht wunderbar auch mit Essig/Öl/Räucherknoblauch: Spinat ein bißchen, zerreißen, waschen, Salatschleuder. Ein paar Marindas dazu schneiden, Fertig.

Wenn man zu Hause die TV-Programmzeitschrift durchsieht, wird auch klar wieso sich meine armen Gemüseleute so abstrampeln:
Es gibt auf fast allen Sendern eine Kochsendung nach der Nächsten.
Fernsehköche gehören längst nicht mehr in die Reihe anderer Fernseh-„Experten“, die Gartentipps, Rechtsbeistand, politische Analysen oder Kinoneuheiten präsentieren. Fernsehköche sind echte Stars und können mit etwas Geschick eine ganze Industrie aufbauen: Kochbücher, Kolumnen, Restaurants und in den Supermärkten steht auch alles voll mit Jamie-Oliver-Relishs und Schubeck-TK-Gerichten.

Der Kochwahn spiegelt sich auch in den unendlich vielen kitchen-utensils wider, die man heute in Spezialgeschäften, aber auch in Kaufhäusern bekommt.

Luxus-Küchen spielen sogar eine bedeutende Rolle im Immobiliengeschäft. Wer seine Wohnung aufwerten will und sein Geld sinnvoll investieren möchte, gibt gerne mal fünf- bis sechsstellige Beträge für eine neue Küche aus. Die Küchen werden größer und zunehmend zu Wohnflächen, weil man das Kochen mehr zelebriert.
Küchen zu bauen wird dabei immer komplizierter, da die Bedürfnisse von Veganern und Fleischessern verschieden sind.
Die kleine schmale Einbauküche, in der gerade mal die Mutter reinpasste, hat endgültig ausgedient.

Grundsätzlich sind das alles begrüßenswerte Entwicklungen.
Auf die Ernährung zu achten, kulinarische Vielfalt einziehen zu lassen und das Kochen nicht mehr nur als lästige Pflicht, sondern auch als anspruchsvolles Hobby für die ganze Familie zu betrachten, kann nur gut sein.

Blöderweise ist alles was ich bis hierher beschrieben habe überhaupt nicht repräsentativ.
Der Eindruck, daß sich alle intensiv mit Kochkunst und vielfältigen Zutaten beschäftigen, täuscht.
Noch immer sind die Deutschen das lebensmittelknauserigste Volk Europas.
Nirgendwo wird ein geringer Prozentsatz des Monatseinkommen für Lebensmittel ausgegeben.
Deutsche wollen es vor allem BILLIG haben.
Der alte Witz stimmt:
Steht ein Ölwechsel bei Papas altem Golf an, kann es gar nicht exklusiv genug sein. Die Motoröle werden genau ausgesucht und können gerne mal über 100 Euro kosten. Und anschließend geht es zu Aldilidl, wo man erschreckt das 99-Cent Salatöl wegstellt, nachdem man unten im Regal die Plastikflasche für 79 Cent entdeckt hat.
Die spinnen, die Deutschen.

[…]  Die Deutschen sind Kochmuffel
[…] Nicht einmal fünfeinhalb Stunden pro Woche stehen die Verbraucher hierzulande am Herd, wie das Marktforschungsunternehmen GfK am Montag in Nürnberg mitteilte. Damit liegen sie auf dem viertletzten Platz unter 22 Nationen. Nur in Brasilien, der Türkei und Südkorea verbringen die Menschen demnach noch weniger Zeit mit Kochen.
Das größte Engagement in der Küche zeigen demnach Inder und Ukrainer mit mehr als 13 Stunden pro Woche. In Westeuropa liegt Italien mit gut sieben Stunden vorne, gefolgt von Spanien. […] Ältere [kochen] wesentlich mehr als Jüngere: Bei den unter 30-Jährigen sind es mehr als vier Stunden, bei den über 50-Jährigen hingegen mehr als sechs Stunden pro Woche. […]

Deutsche wissen also offenbar wie man sich wesentlich besser und gesünder ernähren KÖNNTE, aber sie sind zu tumb, um das umzusetzen. Wenn sie bei Kaufpennyland Tiefkühllasagne für € 1,09 das Kilo entdecken, greifen sie zu.

Diese phlegmatisch-schizophrene Methode deckt sich auch mit einer Meldung von vorgestern.
Demnach wissen Jugendliche durchaus über die brutalen und unmenschlichen Bedingungen bei der Herstellung von Billigklamotten Bescheid.
Aber vor die Wahl gestellt, ob sie dieses erbärmliche Ausbeutersystem unterstützen, oder durch ihr Kaufverhalten ein Zeichen setzen, entscheiden sie sich nur für BILLIGBILLIG.

Hauptsache viel, Hauptsache billig
[…] Links blinken, rechts abbiegen: Viele Jugendliche beklagen die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Obwohl vielen klar ist, dass ihre Klamotten selten ethisch einwandfrei sind, kaufen sie einer Studie zufolge unverdrossen Massenware.
Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren sind erstaunlich gut über die Probleme bei der Herstellung von Textilien informiert. Ihr Konsumverhalten ändert das jedoch nicht, wie eine neue Studie der Umweltorganisation Greenpeace zeigt. So haben mit 96 Prozent der Befragten nahezu alle davon gehört, dass Arbeiter in der Modeindustrie oft unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. […] Konsequenzen ziehen daraus allerdings die Wenigsten: Nur 13 Prozent der Befragten, also knapp jeder Achte, gab an, beim Kauf auf die Herstellungsbedingungen oder Textilsiegel zu achten. "Gerade junge Konsumenten haben zwar eine Vorstellung davon, wie Kleidung hergestellt wird und welches Elend im Namen der Mode angerichtet wird", sagt Kirsten Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace. "Allerdings blenden sie das aus, wenn es um den konkreten Kauf eines Kleidungsstücks geht." […]