Donnerstag, 24. April 2014

Ärger um Gottes Klorolle


Der 1938 im Niederrheinischen Kleve geborene Werner Thissen ist nicht als bedeutender Theologe bekannt, hat sich noch nicht einmal habilitiert.
Seine Kirchenkarriere verlief eher gemächlich.
Erst mit 61 Jahren wurde er Weihbischof und stieg dann im Pensionsalter 65-Jährig zum Zweiten Erzbischof von Hamburg auf. Volle zehn Jahre stand er an der Spitze des größten deutschen Bistums. Es umfasst nämlich auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern.
Im Gegensatz zu vielen seiner bischöflichen Mitbrüder machte Thissen nie durch Skandale auf sich aufmerksam; wurde in seinem riesigen Erzbistum geschätzt, bot wenig Angriffsfläche für Kirchenkritiker, weil er klug genug war keine unsäglichen NS-Vergleiche oder Homophobien öffentlich zu machen. Kaum vorstellbar, daß Thissen wie in Limburg, Köln oder München achtstellige Beträge für Protzbauten aus dubiosen kirchlichen Kassen locker gemacht hätte.
Dem Metropoliten der Norddeutschen Kirchenprovinz war es vermutlich ganz angenehm mit Weihbischof Hans-Jochen Jaschke einen der kamerageilsten Bischöfe Deutschlands an der Seite zu haben.
Denn während Jaschke von Talkshow zu Interview eilte, konnte Thissen genau wie sein zweiter (und nahezu unbekannter) Weihbischof Norbert Werbs, in Ruhe seiner Arbeit nachgehen, ohne sich ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik zu begeben.
Mit 75 Jahren wurde Thissen, der sich scheinbar bester Gesundheit erfreut emeritiert. Er muß nicht wie Tebartz-van-Elst oder Mixa aus seinem einstigen Machtbereich fliehen. Im Gegenteil; obwohl er die längste Zeit seines Lebens Rheinländer war, verliebte er sich in die Stadt Hamburg und will mitten in St- Georg, dem hippen Schwulenviertel am Hauptbahnhof leben bleiben.

Kann man also bei Thissens erzbischöflicher Amtsführung von einer Erfolgsgeschichte sprechen? Zumal nun auch noch ein Bruder im Geiste Papst geworden ist?

Nun ja. Anders als die extrem ehrgeizigen und jung berufenen Typen wie Overbeck und TVE wußte Thissen, daß Hamburg die Endstation seiner Karriere sein würde. Da hatte er es gar nicht nötig die schwarzbraunen Fundis in der vatikanischen Bischofskongregation zu beeindrucken.
Hamburg ist zwar der Fläche nach Deutschlands größte Diözese, aber belegt mit 390.000 Katholiken nach Köpfen einen der hinteren Plätze nach den fetten, reichen Traditionsbistümern wie Köln, Freiburg, Münster, Rottenburg-Stuttgart (je 2 Mio Katholiken), oder München und Paderborn (1,7 Mio Katholiken).

Hamburg ist katholische Diaspora. Da eckt ein Kirchenboss schlecht an.
Skandalfrei über eine Dekade ein großes Erzbistum geführt zu haben, während die deutschen Kirchenjournalisten mit feuchten Höschen vom neuen Franziskus-Schwung orakeln, wird aber etwas weniger glanzvoll, wenn man sich vor Augen hält, wie den gläubigen Katholiken Thissens Amtsführung gefiel.
Sie stimmten nämlich mit den Füßen ab.
Kontinuierlich verliert auch das nördlichste Erzbistum, welches ohnehin nur auf einen katholischen Bevölkerungsanteil von rund sieben Prozent verweisen kann, ein paar Tausend Mitglieder jedes Jahr.
Bei seiner Gründung 1991 konnte Erzbischof Averkamp noch über fast 415.000 römisch-katholische Schafe gebieten. Thissen übernahm 2003 bei einem Stand von knapp 400.000 Menschen und führte seinen Laden auf heute ca 389.000 Seelen.
Es hilft alles nichts. Da können die frommen Blattmacher di Lorenzo, Englisch, Keller und Drobinski noch so lange von einer Renaissance des Glaubens faseln.
Der Katholizismus in en Deutschland schrumpft weg.
Auch Erzbischof Thissen baute keine Kirchen, sondern ließ kontinuierlich welche schließen.

Das Erzbistum Hamburg ist aus ökonomischen Gründen wegen sinkender Kirchensteuereinnahmen, wie auch andere katholische Bistümer in Deutschland, gezwungen, Kirchen zu schließen, zu profanieren, zu verkaufen oder abzureißen. In letzter Zeit betraf dies einige Kapellen und die folgenden Kirchen:

    katholische Filialkirche St. Ansgar, Boostedt (2000 profaniert, genutzt durch ein Bestattungsinstitut)
    katholische Filialkirche St. Josef, Lägerdorf (2001 profaniert, seit 2002 genutzt durch ein Bestattungsinstitut)
    katholische Filialkirche Hl. Geist, Wilster (2001 profaniert)
    katholische Kirche St. Knud, Friedrichstadt (Nordfriesland) (2003 profaniert)
    katholische Kirche St. Michael, Flensburg-Weiche (2004 profaniert)
    katholische Kirche St. Josef, Kellinghusen (2004 profaniert, abgerissen)
    katholische Filialkirche St. Ansgar, Lübeck-Schlutup (2004 profaniert, 2006 abgerissen)
    katholische Filialkirche St. Konrad, Lübeck-Marli (2004 profaniert)
    katholische Filialkirche St. Michael, Hamburg-Rissen (2004 profaniert, abgerissen)
    katholische Filialkirche Hl. Geist, Schenefeld (Holstein) (2005 profaniert)
    katholische Filialkirche St. Georg, Kiel-Projensdorf (2007 profaniert)
    katholische Pfarrkirche Christ König, Kiel-Neumühlen-Dietrichsdorf (2007 profaniert, 2009 abgerissen)
    katholische Filialkirche St. Josef, Hörnum (Sylt) (2008 profaniert)
    katholische Filialkirche St. Pius, Pinneberg (2010 profaniert und abgerissen)
    katholische Filialkirche Hl. Familie, Barmstedt (2011 profaniert, 2012 abgerissen)

Kaum hat sich Thissen zurückgezogen, geht es munter weiter.
Die 1974 in Wilhelmsburg einer Kackwurst nachempfundene St. Maximilian-Kolbe-Kirche ist am Ende.


Die im Volksmund „Gottes Klorolle“ genannte Kirche wurde vor 40 Jahren vom Architekten Josef Filke ersonnen und besticht nun mit einem außerordentlich hohen Sanierungsbedarf. 400.000 Euro wären notwendig, um das Gotteshaus zu erhalten.
Das ist ein stolzer Preis! Immerhin fast 1% der Kosten der privaten Wohnung des Limburger Bischofs.


Zu viel für das Erzbistum Hamburg. Manfred Nielen, der Pressesprecher des Erzbistums senkte bereits die Daumen und möchte die Abrissbirne herbei winken.

"Es ist unsere Absicht, die Kirche abzureißen", sagte Manfred Nielen, Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, NDR.de. Einen Termin für die Profanierung - also die Entweihung - gebe es aber noch nicht. "Die Gespräche mit dem Denkmalschutzamt laufen noch. Deshalb gibt es auch noch keinen Termin für den Abriss oder für den letzten Gottesdienst", betonte der Sprecher.
Der Antrag auf Entweihung und Abriss sei von der Kirchengemeinde gestellt worden. Der Priesterrat des Erzbistums Hamburg habe dem Abriss im November zugestimmt.
[….] Das Besondere an der 1974 geweihten Kirche ist ihre Form: ein Polygon mit einer sich empor windenen Spirale. Wegen der originellen Form wird sie von einigen Wilhelmsburgern "Klorolle" genannt.
[….] Manfred Nielen, Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, bezeichnet die Kirche als "schönen geistlichen Ort". Bei einem Abriss würde ein Großteil der Einrichtung in andere Gotteshäuser gebracht.
[….] "Ich persönlich finde es ja auch sehr traurig, dass die Kirche abgerissen werden muss. Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche ist ein schöner geistlicher Ort, an dem ich immer gerne gewesen bin", erklärte Nielen, Sprecher des Erzbistums. "Wenn eine Kirche entweiht wird, ist das immer ein schmerzhafter Prozess." [….]

Vor 40 Jahren erschien es sinnig eine Tochtergemeinde von St. Bonifatius zu gründen, da in Kirchdorf noch rund 3000 Katholiken lebten.



Heute haben in Hamburg-Wilhelmsburg 50-60% der Einwohner einen Migrationhintergrund. Wenn überhaupt, braucht in dort also eine weitere Moschee – eine Siebte. Die sechs örtlichen Moscheen sind Hira-Moschee, Ayasofya Camii, Muradiye Camii, Wilhelmsburg Camii, Yeni Cami und Fatih Camii.

Mittwoch, 23. April 2014

Das ewige Rätsel.



Daß ich Kinder und Viecher nicht ausstehen kann, hatte ich vermutlich schon gelegentlich an dieser Stelle erwähnt. Aber vielleicht habe ich mich noch nicht ganz deutlich als Gerontophiler geoutet.
Ich bin insbesondere von den sogenannten „Hochbetagten“ fasziniert und lese immer wieder Bücher zu dem Thema.
Zuletzt staunte ich über die 107-Jährige Syrerin Sabria Khalaf, die letzten Monat ob einer Initiative der LINKEn Bundestagsabgeordneten Anette Groth nach Deutschland vor dem Bürgerkrieg fliehen konnte und in Düsseldorf von ihrer Familie in Empfang genommen wurde.
Da sage noch mal einer, LINKE hätten keinen Sinn in der Politik! Ginge es nach der CDU würde man solche Menschen an den Grenzen abweisen.
Nun sind nicht alle 107-Jährigen weise – mit Grausen denke ich an die Freakshows, die mit Johannes Heesters veranstaltet wurden – aber bei Menschen, die mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel haben, entsteht fast zwangsläufig eine gewisse Lebensintelligenz.
Ich neige sogar dazu zu glauben, daß sehr dumme Menschen gar nicht so alt werden, weil die sich langweilen und die Lebensgeister nicht so lange wach halten können.

Gestern Abend hatte Sandra Maischberger eine Greisenrunde zum Thema „Unser Rat der Weisen: Was zählt im Leben?“ zusammengestellt. Eigentlich boykottiere ich diese Art Quasselrunden auf ARD und ZDF, aber angesichts des Durchschnittsalters konnte ich es mir nicht verkneifen, zumindest in der nächtlichen Wiederholung ein bißchen hinein zu zappen.
Joachim Fuchsberger, 87, („Altwerden ist scheiße."), Hildegard Hamm-Brücher (93), Hans-Jochen Vogel (88) und Barbara Rütting (86).
Eine durchaus heterogene Gruppe. Rütting, geradezu unheimlich fit für ihr Alter, ist für meinen Geschmack etwas zu sehr angeökt und Fuchsberger war schon immer ein intellektuelles Leichtgewicht. Im Alter wird so etwas auch selten besser.
Ganz anders aber die Parteipolitiker, die beide zu meinen ganz großen Lieblingen zählen.
Hamm-Brücher ist ohnehin schon lange eine politische Ikone, aber die verdient den Titel auch. Obwohl und gerade weil sie so lange (54 Jahre) in einer FDP durchgehalten hat, die zuletzt jahrelang von Möllemännern und Westerwelles dominiert wurde.
Vogel hatte hingegen immer das Image als langweiliger Aktenfresser, der durch ungeheuren Fleiß Respekt verdient, aber nie wirklich geliebt wurde. Das ist falsch, denn Vogel ist ganz im Gegensatz zu seinem jovialen CDU-Bruder Bernhard ein wahrhaft integerer Intellektueller, der zwar Bundesminister, SPD-Parteichef und Fraktionsvorsitzender, sowie Regierungschef von München und Berlin war, dem aber ungerechterweise der Durchbruch zum Bundeskanzleramt verwehrt blieb. Darin saß dann sein Konkurrent Helmut Kohl, der mit Sicherheit weniger geeignet war.

Wie immer, wenn in solchen Talkrunden interessante und weniger interessante Gäste sind, bemühen sich die Moderatoren ausschließlich die Doofen zu Wort kommen zu lassen, während sie sofort das Wort abschneiden, wenn ein Kluger einen spannenden Gedanken entwickelt.
So auch hier. Jedes Mal, wenn ich hinein zappte, sagte Maischberger gerade „aber dazu will ich lieber mal Blacky befragen“ oder bemühte sich die Rüttingsche ins Gespräch einzubinden. Die sagte dann Dinge wie „im Bayerischen Parlament habe ich oft geweint, wenn ich mit meinen wunderbaren Tierschutzinitiativen in die Ausschusssitzungen ging und doch wieder alles abgeschmettert wurde“.
Ja, Rütting, Du bist zweifellos ein guter Mensch. Aber daß im Bayerischen Landtag mit einer 2/3-Mehrheit der CSU nicht die Vorschläge einer Grünen eins zu eins umgesetzt werden, ist nicht die größte Überraschung der Welt.
Da muß man schon etwass klüger und geschickter agieren, wenn man etwas bewirken will. Hamm-Brücher hat dass in ungleich schwierigeren Zeiten als linke Querulantin im schwarzen Bayern vorgemacht.
Einfach nach einem ganz anderen Beruf mit über 70 in die CSU-geprägte Bayern-Politik zu gehen und dann zu hoffen sich mit bestimmten Anliegen durchsetzen zu können, weil dies nun einmal richtige Anliegen wären, ist nicht eben schlau.

Als es zum Schluß über das nahende Lebensende und den Tod ging, blieb ich doch konzentriert auf dem Sender, weil mich die zu erwartenden Weisheiten interessierten.

Und dann das:

Die beiden WIRKLICH Klugen, Hans-Jochen Vogel (überzeugter Katholik) und Hildegard Hamm-Brücher (1974–1988 war sie Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages) betonten, der Glaube wäre ihnen immer wichtig gewesen und werde zunehmende wichtiger.

Die beiden deutlich weniger Belichteten outeten sich als Ungläubige.
Rütting sagte, sie habe sich Jahrzehnte bemüht zu glauben und beneide Religiöse; aber sie könne einfach nicht.

Noch besser Wackelkopp Fuchsberger, der trocken feststellte schon als ganz junger Mann, im Krieg, habe er beim Feldgottesdienst, wenn die Geistlichen dringend zur Ermordung des Kriegsgegners aufriefen festgestellt, daß ein Gott, dessen Vertreter auf beiden Seiten der Front dazu aufforderten den jeweils anderen zu töten, nichts für ihn sei.
Später habe er erfahren, daß es immer wenn der Spruch „nun liegt alles in Gottes Hand“ fiel, besonders übel ausgegangen wäre.

Wie kann das sein, daß so kluge Menschen religiös sind und die Deppen den Durchblick haben?
Vogel, der Humanist, sprach sich sogar ganz im Sinne der Katholischen Kirche gegen Sterbehilfe aus. Ja, man dürfe das STERBEN verkürzen und müsse nicht alles unternehmen, um den Sterbeprozess künstlich zu verlängern, aber mit dem Gedanken das Leben zu verkürzen habe er Probleme.

Tod und Verlust: „Der Tod ist ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens“ – diese Erkenntnis gewinnt mit zunehmendem Alter an Bedeutung, genauso wie der religiöse Aspekt, sagt Katholik Hans-Jochen Vogel. Das sehen die anderen Diskutanten ähnlich – bis auf die Gretchenfrage: Barbara Rütting, sonst eher spirituell, hat mit Religion nichts am Hut. Und Joachim Fuchsberger nach den Feldgottesdiensten an der Ostfront auch nicht.
Beide plädieren für Sterbehilfe: „Wenn ich dement werde, würde ich mir helfen lassen. Das halte ich nicht aus, dann mache ich Schluss“, sagt die Schauspielerin. „Wenn ich nicht sanfter in die andere Dimension komme, würde ich Sterbehilfe in Anspruch nehmen“, sagt die 86-Jährige.
„Ich bin auf der Seite von Barbara“, pflichtet Blacky ihr bei. „Ich blicke dem Tod außerordentlich gelassen entgegen.“ Ohne seine Frau zu leben, allein zu sein, das sei für ihn unvorstellbar. Dann würde er „versuchen, diesem Zustand möglichst schnell ein Ende zu bereiten. Ich bin sicher: Da fällt mir was ein.“
Das Leben zu verkürzen, das kommt für Vogel nicht in Frage. Und Hildegard Hamm-Brücher schweigt zur Sterbehilfe. Sie sagt nur: „Ich will nicht ins Heim. Die Idee: ,Wo kann ich mich nützlich machen?’ stirbt ja, wenn einem alles abgenommen wird.“

Es gibt eindeutig Korrelationen zwischen Bildung und IQ einerseits und Spiritualität und Religiotie andererseits.
Unzählige Umfragen zeigen, daß die Religiosität mit höherer Bildung abnimmt.
Typischerweise sind die amerikanischen Eliteunis Hochburgen des Atheismus, während die Highschool-Dropouts im Biblebelt, die auch glauben in Brasilien spreche man brasilianisch und der Kanzler von Deutschland hieße Hitler, jedes Wort der Bibel ernst nehmen.

Unter Intellektuellen gibt es die höchste Atheistenquote.
Aber genauso wie einige Atheisten dennoch Idioten sein können, gibt es auch Hochgebildete, die trotzdem sehr überzeugte Christen/Juden/Moslems sind.

Warum bloß?

Die einzige Erklärung, die ich bisher für dieses scheinbare Paradox habe ist die gewissermaßen neurologische Argumentation Michael Schmidt-Salomons. Stichwort „Inselverarmung“

Solange nämlich Religioten das Sagen auf unserem Planeten haben - und das haben sie leider, Mensch sei’s geklagt, in vielen Teilen der Welt -, sind alle Versuche, das Zusammenleben der Menschen vernünftiger, freier, gerechter zu gestalten, notwendigerweise zum Scheitern verurteilt. (Denken Sie nur an die muslimischen Extremisten in Somalia, die 2011 dringend benötigte internationale Hilfe für die hungernde Bevölkerung nicht zuließen.) Versuchen wir also angesichts der Bedeutung dieses Phänomens eine kurze Definition des religiotischen Syndroms:
Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.
 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).
Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen.

Es widerstrebt mir und erschüttert mich regelrecht einen Mann, den ich wie Vogel fast adoriere als partiell debil zu bezeichnen.

Aber wie soll man es besser ausdrücken?

Daß er überzeugter Katholik ist und demnach an all die sadistisch-paradoxen Sätze der Bibel, die grundgesetzwidrigen Regeln, die antihumanistischen Traditionen und die kriminelle Mutter Kirche glaubt, IST debil.

Dienstag, 22. April 2014

Lustiges



Landesfürsten und Bundesminister, die ihre Selbstbeweihräucherungsgelüste nicht schon mit dem Amt, welches sie ausführen, ausreichend befriedigen können, nehmen einen großen Steuerzahlergeldbetrag in die Hand, vorzugsweise zehnstellig, und setzen sich ein Denkmal.

Gerne läßt man dafür gigantische neue Flughäfen oder Bahnhöfe bauen.
Stuttgart21, BER, FJS-Flughafen, Nürburgring – die Fälle sind alle bekannt.
Auf diese Weise entstehen in der Bundesrepublik immer wieder bauliche Scheußlichkeiten.

Besonders gräßlich, schlecht geplant und hochgradig unpraktisch ist beispielsweise Helmut Kohls Baby, die „Berliner Waschmaschine“ (Bundeskanzleramt). Nach wenigen Jahren war der halbe Innenausbau schon marode und das Kanzlerbüro selbst liegt so weit entfernt von allen benötigten Mitarbeitern, daß eine sinnige Zusammenarbeit gar nicht möglich ist.
 Gerhard Schröder pflegte diese Manko durch „wandern“ zu kompensieren (er hielt sich ohnehin nicht in seinem Amtszimmer auf, sondern mäanderte zwischen seinen Mitarbeitern hin und her.
Angela Merkel wiederum regiert ohnehin nicht, sondern läßt einen erratischen Choleriker des Schlages Pofalla irgendwo allein rumschreien und zieht sich mit ihren beiden Damen aus dem Girlscamp (Eva Christiansen und Beate Baumann) in ihre Kanzlerwohnung zurück.

In besonders dreister Form versuchte sich der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust Denkmäler zu setzen.
Der „Di,Mi,Do-Bürgermeister“ (er verbrachte meistens ein ganz langes Wochenende von Freitag bis Montag auf Sylt und ging auch in der Woche spätestens um 17.00 Uhr nach Hause) ließ die zweitberühmteste Straße Hamburgs, den Jungfernstieg, planieren und extra sinnlos neu gestalten. Die Bäume flogen raus und vor die Geschäfte kamen zwecks maximaler Sichtversperrung gigantische klobige quadratische Betonklötze, welche den Weg in die U-Bahn zeigten.


200 m weiter wurden elf wunderschöne alte Kontorhäuser an der Binnenalster weggesprengt, um die extra-häßliche und nicht funktionierende Europapassage zu bauen.

Die Europa-Passage, gut ein halbes Jahr nach der Eröffnung. Management und Händler ziehen Bilanz - wohlgemerkt in getrennten Pressekonferenzen. Und es scheint, als würden sie nicht über dasselbe Einkaufszentrum reden. Sieben Millionen Gäste bisher. Ein toller Start. So der Standpunkt des Betreibers, der Allianz. Etliche Händler dagegen proben den Aufstand, sprechen von der "Chaos-Passage" und zahlen aus Protest keine Miete mehr oder nur die Hälfte. "Die haben uns eine S-Klasse versprochen", sagt Manfred Köhler (58), Bistrobetreiber und Wortführer der Rebellen. "Bekommen haben wir einen Polo in Sparversion."
"90 Prozent der Ladeninhaber sind wütend", schätzt Köhler. Viele sagen hinter vorgehaltener Hand, dass ihnen die Insolvenz drohe. Etliche verlangen von der Allianz, aus dem Vertrag (oftmals für fünf, zehn oder noch mehr Jahre abgeschlossen) entlassen zu werden, und fordern ihre Investitionen zurück. Viele haben einen Anwalt eingeschaltet, wollen klagen.
Was ist los mit der Europa-Passage? Vor allem sind es bauliche Mängel, die die Händler zur Verzweiflung treiben. Aus Wänden und Decken lecke Wasser. Dann die Lüftung: Sie funktioniere nicht, verbreite die Essensgerüche der gastronomischen Betriebe im ganzen Haus. Siracettin Tayfur (44), Inhaber der "RWS Textilpflege", sagt: "Ein Kunde, dessen frisch gereinigte Sachen nach gegrilltem Fisch oder Fleisch riechen, kommt doch nicht wieder."
Die Lüftung sorgt auch dafür, dass es in einigen Stockwerken eiskalt, in anderen brüllend heiß ist. Mehr als 30 Mal ist sie ganz ausgefallen. Weil dann automatisch auch die Gaszufuhr gestoppt wurde, konnten die Gastronomen nicht mehr weiterkochen.

Die Hafencity muß ich da gar nicht erwähnen. Jeder kennt ja inzwischen Beusts persönliches Denkmal, die „Elphi“ – also die schöne ultramoderne Elbphilharmonie auf dem alten Kaispeicher A, die zwar 77 Millionen Euro kosten sollte, aber von Spendern finanziert würde. Fertigstellung spätestens 2010.
Nun baut man immer noch. Kosten bisher: 1.000 Millionen.
Im  Bürgerschaftsuntersuchungsausschuss sagte Beust aus, daß er sich nicht an Details der Bauplanung erinnern könne, er habe sich da nicht einmischen wollen.

Der Fall Deubel zeigt nun, daß Politiker demnächst vielleicht etwas vorsichtiger planen sollten. Der Mainzer Finanzminister geht nämlich für Veruntreuungen von Steuergeldern bei der Finanzierung des neuen Nürburgringes für drei Jahre in den Knast!

Er war für die Finanzaffäre um den Nürburgring verantwortlich.
Das Koblenzer Landgericht hat Ingolf Deubel, den früheren rheinland-pfälzischen Finanzminister (SPD), wegen "besonders schwerer Untreue" zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand den 64-Jährigen in 14 Fällen der Untreue sowie uneidlicher Falschaussage für schuldig. […]
Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten erhielt der ehemalige Geschäftsführer des Nürburgrings, Walter Kafitz. Auch er wurde in 14 Fällen der Untreue schuldig befunden. Ein Controller wurde zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. [….]
Mit dem nun gefällten Urteil von dreieinhalb Jahren ist die Grenze für eine Bewährungsstrafe überschritten. Diese liegt bei zwei Jahren. Mit einer Strafe von mehr als zwei Jahren erlöschen außerdem die Pensionsansprüche von Beamten im Ruhestand.

Bittere Konsequenzen, wie sie für deutsche Spitzenpolitiker bisher so gar nicht üblich waren.

Dem CDU-Europawahlspitzenkandidaten David McAllister wird es vielleicht ganz recht sein, daß seine Kandidatur unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet, niemand über ihn redet und die CDU sogar wieder die alten komplett inhaltsleeren Plakate einer Frau, die gar nicht zur Wahl steht, nämlich Angela Merkel aufstellt. Es werden sogar dieselben Bilder benutzt.

CDU versteckt ihre Spitzenkandidaten
McAllister und Juncker heißen die Spitzenkandidaten der CDU für die Europawahl. Doch im TV-Werbespot der Partei tauchen die beiden gar nicht auf. […]  Die CDU wirbt in der heißen Wahlkampfphase zur Europawahl am 25. Mai mit einem 90-Sekunden-Werbespot im Fernsehen ohne die Spitzenkandidaten David McAllister und Jean-Claude Juncker. Stattdessen setzen die Christdemokraten wie schon bei der Bundestagswahl wieder auf die Zugkraft ihrer populären Kanzlerin und Parteivorsitzenden Angela Merkel - auch wenn sie diesmal nicht einmal indirekt zur Wahl  […]

Gut für McAllister, denn der gescheiterte Ministerpräsident hat selbst eine Megabauruine in Niedersachsen zu verantworten, die eindrucksvoll zeigt, daß man diesem Mann besser keine großen Entscheidungen überlassen sollte.


Eine Milliarde Euro ließ McAllister in den ultramodernen Tiefseehafen investieren. Er sollte mit einem Umschlag von 700.000 Standardcontainern ins erste Betriebsjahr gehen. Mittlerweile ist man froh, wenn man 100.000 erreicht.

Tatsächlich ist inzwischen sogar ein Container im Containerhafen angekommen.


Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven kommt weiterhin nicht in Schwung. Weil zu wenig Schiffe zu wenig Beschäftigung bringen, schickte der Terminalbetreiber vor einem Jahr 300 der rund 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Mit dem Auslaufen dieser Überbrückungslösung Ende März werden neue Wege gesucht, um Kündigungen zu vermeiden.

Seinen Plan Bremen und Niedersachsen in den Ruin zu treiben, hat McAllister erreicht, Unangenehm bloß, daß es rote und grüne Politiker sind, die das Desaster ausbaden müssen.

Eine geniale Idee hatte jetzt das neuerdings SPD-geführte Niedersächsische Wirtschaftsministerium. Olaf Lies (SPD) läßt das versteppende Gelände nun mit Scheiße besprengen.

Irgendwie passend. Das Prestigeobjekt des CDU-Spitzenkandidaten McAllister wird nun mit Kacke geflutet.