Donnerstag, 17. April 2014

Braune Schwarze


Mit großer Faszination verfolge ich die vielen Publikationen anlässlich des 100. Jahrestages des ersten Weltkriegsbeginns.
Meine Oma, die noch aus der Generation stammt, die beide Weltkriege als Erwachsene miterlebt hat, erzählte mir immer eine Menge aus der Kriegszeit, so daß ich schon als ganz kleiner Junge eine Vorstellung vom Alltag der Zivilbevölkerung hatte. Zunächst fiel es mir aber schwer WKI und WKII auseinander zu halten, weil das für mich Steppke beides furchtbar lange zurück zu liegen schien. WKII und Holocaust waren auch ein Leib- und Magenthema meiner Mutter, so daß ich auch darüber früh viel wußte. Es gab immer Diskussionen darüber, weil meine Oma und meine Tante meiner Mutter vorwarfen mich viel zu früh damit zu konfrontieren. Für so etwas sei ich noch viel zu klein. Das war aber womöglich aus ihrer Sicht kontraproduktiv, denn ich bekam natürlich mit, daß sie mich von bestimmten Themen fernhalten wollten und entwickelte ein umso stärkeres Interesse daran.
Ich erinnere mich noch, daß ich später, im Geschichtsunterricht in der Schule froh war, als „der Erste Weltkrieg an die Reihe“ kam, weil ich endlich wissen wollte, wieso der eigentlich losgegangen war und wieso sich damals schon die Nationen so antagonistisch gegenüber standen.
Daß hundert Jahre nach Ausbruch des Krieges die Alleinschuldthese Deutschlands immer noch umstritten ist, zeigt wie kompliziert die Gemengelage tatsächlich war.
Schon als Schuljunge fiel mir etwas Merkwürdiges auf: Die beteiligten Nationen hatten im Jahr 1914 gar keine systemischen Unterschiede. Es standen keine politischen Ideologien gegeneinander. Es waren alles Monarchien, deren Monarchen auch noch weitgehend verwandt waren. Allein die Hälfte der kriegsgeilen Könige waren Enkel der berühmten englischen Queen Victoria. Kaiser Wilhelm war sogar englischsprachig aufgewachsen und der erklärte Lieblingsenkel der Queen. Er war ein Cousin des Englischen Königs Georg V.
Zar Nikolaus II Ehefrau, Prinzessin von Hessen war ebenfalls eine Enkelin Queen Victorias und väterlicherseits stammte er von preußischen und hessischen Prinzessinnen ab.
Warum mußte sich denn eine Familie, deren Mitglieder grundsätzlich alle die gleiche Staatsform praktizierten dermaßen zerstreiten, daß sie Millionen ihrer Bürger dafür in grausamen Schlachten hinmetzeln ließen? Und die Bürger waren auch noch so doof, daß sie mit großer Begeisterung in den Krieg zogen, sich massenhaft freiwillig meldeten.
So grausam, daß sogar der später im Sissi-Kitsch verklärte Österreichische Kaiser Giftgas einsetzen ließ. Eine Waffe mit so entsetzlichen Folgen, daß sogar Hitler davor zurück schreckte.
Der berühmte K.u.K.-Schriftsteller Stefan Zweig, der aus einer europäisch vernetzten Intellektuellen-Familie stammte, war einer der ganz wenigen, die die Sinnlosigkeit des Krieges von Anfang an anprangerten. Er mußte dann entsetzt zusehen, wie seine Freunde in aller Welt auf einmal anfingen sich gegeneinander zu stellen, weil sie von Nationalismus und Kriegslust erfasst wurden. Zweig war aber ein sehr einsamer Rufer.

Als Kind versteht man also nicht so leicht, wieso es zu dem großen Krieg kam.

Beim Zweiten Weltkrieg ist die Gemengelage eine völlig andere.
Sicher, die Folgen des WK-I spielten eine große Rolle, aber die Schuldfrage ist völlig unstreitig. Es war ein Krieg zwischen faschistischen Größenwahnideologien, die gepaart mit Rassenhass gegen die weniger diktatorische parlamentarische Monarchien und echte Demokratien zu Felde zogen.
Es gab auch tatsächlich den einen Mann, der als Jahrtausendverbrecher der zentrale Aggressor war – nämlich Adolf Hitler. Ohne Hitler kein zweiter Weltkrieg; darauf können sich die meisten Historiker einigen.
Auch wenn sich Gauck und Merkel neuerdings wieder weigern klar auszusprechen, daß es Deutschland war, das die Welt mit Krieg und Terror überzog, ändert das nichts an den Tatsachen.
Allein in Leningrad/St.Petersburg haben die Deutschen ein bis zwei Millionen Russen ermordet.
Heute reist Merkel nach St Petersburg, spricht dieses Ereignis mit keinem Wort an, besucht kein Mahnmal, legt keinen Kranz nieder und quakt dann rum, Deutschland wolle endlich seine „Raubkunst“ zurück. Einfach nur erbärmlich.
Da können die deutschen Konservativen verdrängen und verschweigen so viel sie wollen – es bleibt eine geschichtliche Tatsache, daß es die Sowjetische Rote Armee war, die sowohl Auschwitz befreite, als auch Berlin endlich von Hitler befreite.
Der Blutzoll, um einmal dieses widerliche Bellizistenwort zu verwenden, ist vermutlich in der Geschichte der Menschheit einmalig.
Zwischen 25 und 28 Millionen Russen wurden von Deutschen im Zweiten Weltkrieg getötet.
Dabei konnten die Soldaten, die einfach erschossen wurden noch fast von Glück reden; die meisten deutschen Opfer wurden grausig gequält. Die Wehrmacht ließ allein drei Millionen russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft verhungern.
Das große entsetzliche Sterben in St. Petersburg dauerte zwei Jahre.
Es wird immer vergessen:
In den letzten Jahrhunderten wurde Russland immer wieder aus dem Westen angegriffen und mußte Millionen Menschenleben opfern, weil sich westeuropäische Aggressoren tausende Kilometer nach Osten fraßen. Napoleon, WK-I, WK-II.
Es war niemals Russland, das Feldzüge nach Westen angezettelt hätte.
Für mich ist es da nur zu verständlich, daß Putin, dessen eigener Bruder noch während der deutschen Belagerung Leningrads verreckte, ein wenig verstimmt reagiert, wenn ihn deutsche Regierungspolitiker als Kriegstreiber beschimpfen.

Finanzminister Schäuble vergleicht Putin gar selbst mit Hitler. Schlimmer geht nimmer.

Schäuble ist aber offenbar zu blöd, um zu begreifen was er angerichtet hat.
Daher noch einmal zum Mitschreiben die Analyse eines Historikers:

(….)  Wladimir Putin stammt aus Leningrad, der Stadt, die Hitler von 1941 bis 1944 totzuhungern versuchte. Eine Million Bewohner fielen dem zum Opfer. Anlässlich des 70. Jahrestages des Endes der Blockade am 27. Januar 2014 hat der 95-jährige russische Kriegsveteran und Schriftsteller Daniil Granin im Deutschen Bundestag die Erfahrung der Blockade eindrucksvoll beschrieben. Wie Granin hat auch Putins Vater an der Leningrader Front gekämpft. Seine Mutter war eine „Blokadniza“. Sie hat in Leningrad überlebt, nicht aber ihr kleiner Sohn Viktor, Putins großer Bruder, den er nie gesehen hat. Er starb als Kleinkind 1942 an Diphtherie und ist zusammen mit einer halben Million anderer Blockade-Opfer auf dem Piskarjowskoje-Friedhof beerdigt. Auch für eingefleischte Putin-Nichtversteher sollte nachvollziehbar sein, dass der Hitler-Vergleich unter diesen Voraussetzungen besonders kränkend ist. [….]
(Prof Jürgen Zarusky via SZ vom 05.04.2014)

Das alles weiß Schäuble entweder nicht, oder hat es nicht bedacht.
Echt blöd.

Natürlich kann und soll man Russland kritisieren dürfen, aber Deutsche sollten dabei bitte auf ihre Wortwahl achten. Wenn sie zu NS- oder gar Hitler-Vergleichen greifen, muß Merkel sie feuern.
Aber Mutter Blamage ist nicht zu moralischer Anständigkeit fähig.

Mann, der Ukraine-Krise objektiv betrachtet, gleichzeitig Putin-Versteher und NATO-Kriegstreiber
Bremen (dpo) - Freunde und Bekannte wenden sich bereits von ihm ab: Denn Armin W. aus Bremen versucht ernsthaft, den derzeitigen Konflikt in der Ukraine differenziert zu betrachten und weigert sich angesichts der komplexen Lage, einen klaren Schuldigen zu benennen. Dieser offensichtlich geisteskranken Einstellung hat es der 34-Jährige zu verdanken, nun von allen Seiten gleichzeitig als Putin-Versteher und NATO-Kriegstreiber der schlimmsten Sorte beschimpft zu werden.[…]

Ekelhaft braun-revanchistisch verhält sich aber keineswegs allein Schäuble. Merkels Partei hat noch mehr von diesem post-nationalsozialistischen Tiefausläufern zu bieten.

Seit an Seit mit Springers immer wieder xenophob titelnden BLÖD-Zeitung fordert beispielsweise die Vertriebenen-Ikone, CDU-Größe, Schwulenhasserin und Geschichts-Klitterin Erika Steinbach ein Sowjetisches Ehrenmal in Berlin zu schleifen.

Unterschriften-Aktion gegen martialische Kriegssymbole
Wir wollen keine  Russen-Panzer mehr am Brandenburger Tor!
Mit der Bundestags-Petition von BILD sollen martialische Kriegs-Symbole am Ehrenmal in Berlin verschwinden
(Blöd-Online-Petition 15.04.14)

Historische Fakten will sie a posteriori ihrem braunen Weltbild anpassen.
Als ob es die Russen gewesen wären, die den Krieg angefangen hätten.
Der ganze Springer-Konzern von Kanzlerin-Intima Liz Mohn steckt dahinter – auch die B.Z. trägt diese schändliche Aktion mit.

Eine revisionistische Aktion, die gar nicht durchführbar ist.

Der Brief fordert den Bundestag nämlich zu einem Verstoß gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag auf. Im Gemeinsamen Brief des Bundesministers des Auswärtigen und des Amtierenden Außenministers der DDR, Hans-Dietrich Genscher und Lothar de Maizière vom 12. September 1990 an die vier alliierten Vertragspartner heißt es in Absatz 2:  "Die auf deutschem Boden errichteten Denkmäler, die den Opfern des Krieges und der Gewaltherrschaft gewidmet sind, werden geachtet und stehen unter dem Schutz deutscher Gesetze. Das Gleiche gilt für die Kriegsgräber, sie werden erhalten und gepflegt."
Der Brief ist im Zusammenhang mit dem Vertragstext selbst, den er begleitet, völkerrechtlich verbindlich. Die beiden Panzer sind Bestandteile des russischen Ehrenmals an der Straße des 17. Juni. 

Aber was kümmert Steinbach schon das Recht?

 „Ich habe mich immer schon sehr über die beiden Panzer in der Nähe des Brandenburger Tors geärgert. Es spricht kein Friedenswille daraus. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Zeichen eines grausamen Krieges zu beseitigen.“
(Erika Steinbach, 70, CDU)

Die Regierungspartei SPD verschläft, wie immer, die rechtsextremen Ausrutscher ihrer GroKo-Partner.
Nur ganz kleine Periodika melden sich.

Noch immer jault keine Stalinorgel an der Oder, der Russe läßt auf sich warten. Nervosität macht sich breit in Springers Bonker. Wie nur den kriegsmüden Deutschen endlich Feuer unter dem Arsch machen? Die Lösung: den Feind im eigenen Land suchen und vernichten. Seit zwei Tagen läuft nun schon die von Bild und B.Z. angestoßene Bundestagspetition »Weg mit den Russen-Panzern!« gegen das sowjetische Ehrenmal am Brandenburger Tor.

Von Grünen oder SPD oder gar Piraten gibt es dazu keine Wortmeldungen.
Ich schließe mich aber Jan Korte (MdB DIE LINKE) an.

"Die von den Berliner Springermedien angeschobene geschichtsrevisionistische Kampagne ist unerträglich. Dem Raub- und Vernichtungskrieg des deutschen Faschismus fielen zwischen 1941 und 1945 alleine 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer. Wer die sowjetischen Ehrenmale, die ein Zeugnis der großen Opfer gerade der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus sind, zu einem Zeichen militärischer Bedrohung durch Russland umdeuten will, der befindet sich gedanklich und emotional noch in den Fünfzigern, wo fast ausschließlich die Täter den Ton angaben. Die Bundeskanzlerin täte gut daran, den rechten Rand ihrer Partei in die Schranken zu weisen. Wer mit antirussischer Stimmungsmache auf Stimmenfang gehen will, der zündelt gewaltig und begibt sich in mehr als trübes Fahrwasser", erklärt Jan Korte, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. Er fährt fort:
"Die Bundesrepublik ist durch die 2+4-Verträge im Zuge der Wiedervereinigung zum dauerhaften Erhalt der in Berlin befindlichen sowjetischen Ehrenmale verpflichtet. Wer dafür plädiert, sich diesen Verpflichtungen gegenüber Russland zu entziehen, schürt neues Misstrauen und leugnet die Verantwortung Deutschlands für die Verbrechen des 2. Weltkriegs.
Die Kampagne von wenigen Medien und Teilen der Unionsfraktion offenbart erneut, wie tief die Protagonisten noch im Kalten Krieg verhaftet sind. Offenkundig soll damit einerseits der extreme Rand der Berliner CDU im laufenden Wahlkampf mobilisiert und andererseits ein abermaliger Versuch der Geschichtsumschreibung gemacht werden. Letztere scheint den CDU-Rechtsaußen um Erika Steinbach und die West-Berliner CDU nicht auszureichen, da das Kalte-Kriegs-Säbelrasseln in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt.
Es überrascht nicht, dass gerade Frau Steinbach sich an die Spitze der Kampagne gegen die Panzer der Roten Armee am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten stellt. Seit Jahren fällt sie regelmäßig mit geschichtsrevisionistischen Thesen und Forderungen auf. Schlimm nur, dass sie damit in der Großen Koalition offensichtlich nicht mal bei der SPD auf grundlegenden Widerstand und Empörung stößt. Mit dem Gedenktag zur Erinnerung an Flucht und Vertreibung und dem parallel entstehenden Museum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Erinnerung findet unter Schwarz-Rot genau der geschichtspolitische Paradigmenwechsel statt, vor dem viele Historiker und NS-Opferverbände warnen."

Man kann gar nicht so viel fressen…..

Mittwoch, 16. April 2014

Wie Denis S. gequält wird.


Das Unerträgliche an Pfaffen ist nicht in erster Linie ihr Mitteilungsdrang und ihr Größenwahn für alles kompetent zu sein, sondern der Umstand, daß große Teile dieser Gesellschaft diese Rolle auch noch akzeptieren.
Kaum ein problematisches Thema einer Talkshow, bei dem nicht ein Priester, oder noch besser Ordensbruder, oder am allerbesten ein(e) Bischof/Bischöfin eingeladen ist.
Dafür, daß sich alle Geistlichen mit der Bibel auf ein Buch beziehen, welches, mit Verlaub, nicht allerneuesten Datums ist, kann man nur staunen wie viel theologisches Geschwafel jeden Tag publiziert wird.
Eine der intellektuell leichtesten Figuren ist in dieser Szene sicher die zu jedem Thema daher plappernde Margot Käßmann.

Ihre Mitteilungswut konterkariert notwendigerweise ihre geistige Schlichtheit.
 Ihre fortwährend erscheinenden Bücher (80 Stück bisher!) sind derart platt und inhaltsleer, daß professionelle Buchkritiker wie Denis Scheck vor echte Herausforderungen gestellt werden, wenn sie die neuesten Käßmannschen Plattitüden-Ansammlungen beschreiben müssen.


Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"

Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.

Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.


Neben den dauerpublizierenden Pfaffen gibt es eine ähnlich große Kohorte von durch und durch christlichen „Journalisten“, die von der Neutralität ihres Berufstandes noch nie etwas gehört haben und alles dafür tun ihre Kirchen zu lobpreisen.

Die Peter Hahnes, Paul Baddes, Andreas Englischs, Matthias Drobinskis und Peter Seewalds dieser Welt sind leider noch unerträglicher als die Pfaffen selbst und schreiben noch unermüdlicher.
Seewald, der sich formal noch „Journalist“ nennt, tut noch nicht einmal so, als ob es für ihn irgendeine berufliche Ethik gäbe, sondern biedert sich ungeniert bei dem rechtskonservativen Vatikanischen Klerus an und geißelt die Kritiker der Kurie.
Führt er ein sogenanntes „Interview“, so gibt er in Wahrheit seine Ratzinger-bejubelnden Statements ab und läßt den Gesprächspartner gar nicht erst zu Wort kommen.

Das ist einer der von mir immer wieder beklagten Presse-Missstände.
Alle Kirchenthemen werden von frommen Gläubigen behandelt.
Dafür hat Springer Badde und Englisch, der Tagesspiegel die unvermeidliche Claudia Keller, die ZEIT Frau Finger und die SZ eben Matthias Drobinski.
(Matthias Matussek vom SPIEGEL lasse ich in dieser Aufzählung mal außen vor, weil er erstens absolut nicht zurechnungsfähig ist und zweitens wenigstens nicht der einzige Kirchenfuzzi der Hamburger ist)
Man stelle sich vor über die CDU würden nur noch CDU-Mitglieder schreiben. Oder nur noch Soldaten über die Bundeswehr. 

Diese Kirchenhofberichterstatter ignorieren andere Ansichten und diskutieren nur mit ihresgleichen, indem sie sich beispielsweise für Sonderpublikationen wie „CREDO“ gegenseitig beweihräuchern.

Credo ist die Hardcore-Version.
 Purer Dunkelkatholizismus. Kathnet und die FSSPX dürften begeistert sein.
Die perfekte Masturbationsvorlage für jeden Tradi.
Da ist die Crème de la Crème der Zölibatsbefürworter und Homohasser versammelt.
Erhältlich auch online und als pdf zum Download.
Und in der Heftmitte gibt es dazu noch ein DREI-Seiten-Interview mit unserer christlichen Kanzlerin über ihren Glauben!
Was will man mehr?
Es gibt eigentlich gar keinen Grund auf einzelne Texte in diesem Blogposting einzugehen – die Autorenliste sagt schon alles:

    Editorial vom Papstbiographen Peter Seewald.

    Andreas Püttmann über die „Risiken der Entchristlichung Deutschlands“
    Kolumne von MATTHIAS MATUSSEK über das „katholische Abenteuer“
    Photoreportage über Prozessionen („Demonstrationen des Glaubens“)
    BIRGIT KELLE mit einem Plädoyer für ein Frauenbild als Mutter in der Familie.
    RALF SCHULER (von der BILD-Zeitung) über die „Diaspora Berlin“ (Schauder…)
    DR. ALEXANDER KISSLER über seine sechs katholischen Lieblingsbücher, darunter MARTIN MOSEBACHs „Westend“
    PETER SEEWALD über die Päpste Franzi, Ratzi und JP-II.
    Der „Jesus-Fakten-Check“ (vertrauenswürdige Zeugen, bestmögliche Aufzeichnungen!)
    MARTIN ZÖLLER (Vatikan-Mann des BR) über Fritz Gerlich.
    Vier Seiten Interview mit KARDINAL KURT KOCH.
    Portrait MARTIN DREYER (gründete 1992 die Jesus-Freaks)
    BISCHOF RUDOLF VODERHOLZERs Plädoyer für den Zölibat.
    PAUL BADDE über das „Heilige Anlitz von Manoppello“
    WALTER KARDINAL BRANDMÜLLER über „Gott und die Deutschen“.
    GABRIELE KUBY über „Genderismus in der Gesellschaft“
    ROBERT SPAEMANN erklärt „Was ist eigentlich Glaube!“.

 Auf der letzten Seite wird dann mal so richtig geprotzt mit all den Dingen, die sich die RKK unter den Nagel gerissen hat.

Englisch, Badde und Co sind genauso schlimm wie Käßmann. Sie geben auch keine Ruhe und überschwemmen die Buchmärkte mit Schund.

Die WELT-Gruppe hält sich mit Paul Badde und Andreas Englisch zwei so enthusiastische Papst-Verehrer, wie man sie selbst in der Papst-WG kaum noch einmal findet.
Englisch möchte man instinktiv als erstes zum Drogentest schicken, wenn man ihn in Talkshows vor Benedikt-Begeisterung übersprudeln sieht.

Da der Urnenpöbel saugt das fromme Faseln begierig auf und schickt solche Publikationen bereitwillig in die TopTen der Bestsellerlisten.
Und dann ist es wieder der arme Denis Scheck, der Moderator und Macher von Deutschlands bester Literatursendung „Druckfrisch“, der solche Bücher lesen und beschreiben muß.
Aber er tut das im Gegensatz zu so vielen Rezensenten mit vollen Hosen, immer kurz und knapp und zutreffend.

Andreas Englisch: "Franziskus – Zeichen der Hoffnung"
Wie schwer es ist zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt, lässt sich aus diesem sagenhaft zusammengestoppelten Machwerk des gläubigen Vatikan-Hofberichterstatters Andreas Englisch erkennen. "'Wisst ihr denn auch, warum kein Mensch einen Reporter braucht'", lässt er darin Papst Benedikt 16. einen ihn begleitenden Journalistentross fragen und auch sogleich die Antwort geben: "'Weil vor 2000 Jahren genau hier am Berg der Seligpreisungen ein Mann stand, der gesagt hat, Selig sind die Barmherzigen … Kein Reporter hat damals mitgeschrieben, und doch hat die Zeit dieses Wort nicht auslöschen können.' … Als er das sagte, dachte ich, er hat recht." Leider hat Andreas Englisch daraus die Konsequenz gezogen und hat von Reporter auf Apostel umgesattelt.

Dienstag, 15. April 2014

Evangelikale Spuren



Es gibt viele Länder, in denen Schwule besser nicht leben sollten.
Dazu gehört zweifellos Uganda, welches seit einigen Wochen Homosexuelle mit drakonischen Strafen bedroht.
Eine skandalöse und bösartige Entwicklung, die in Deutschland achselzuckend hingenommen wird. Oder kann sich jemand an nennenswerten diplomatischen Protest erinnern?
Rückgratlosigkeit ist generell zum Markenzeichen deutscher Außenpolitik unter Angela Merkel geworden.
Den Rücken macht diese Kanzlerin nur grade, wenn sie den deutschen Fabriken des Todes dabei hilft Rüstungsgüter in die Krisengebiete der Welt zu liefern.

Aber wieso hassen eigentlich ausgerechnet die Ugander Schwule so extrem? Glaubt man aktuellen Umfragen, hassen sogar mindestens ALLE (heterosexuellen)  Ugander ihre gleichgeschlechtlich orientierten Mitbürger.
96% lehnen Homosexualität strikt ab.
Das ist eine Honecker-würdige Zahl.
Da Hass nicht angeboren ist, muß irgendjemand über extremen Einfluß verfügen. Den gigantischen Einfluß nämlich jeden einzelnen Säugling, der unvoreingenommen aus dem Uterus einer Mutter flutscht, binnen weniger Jahre zum hysterischen Homophoben zu machen. Da wird eine ganze Nation auf ein Menschenbild geprägt, welches dann immer wieder in Lynchmorden und marodierenden Mobs manifestiert wird.
Dieser Homohass ist so absolut, durch alle Schichten und Bildungsniveaus gefressen, daß es im gesamten ostafrikanischen Binnenstaat unter 35 Millionen Einwohner nur eine Handvoll Menschen gibt, die sich gegen die alltägliche und grausame Gewalt auflehnen. 96% unterstützen hingegen die homophobe Linie des Hetzer-Präsidenten Yoweri Kaguta Museveni.
Eine der ganz wenigen Menschen in Uganda, die das anders sehen und sich für Schwule einsetzen ist die Rechtsanwältin Alice Nkom.

Wer Homosexuelle verteidigt, wie Alice Nkom, steht in Afrika im gesellschaftlichen Abseits. […]  Am Tag nachdem Ugandas Präsident Yoweri Museveni das umstrittene Gesetz gegen Homosexualität in seinem Land unterzeichnete, bestätigte das ugandische Revolverblatt Red Pepper alle Vorurteile. „Aufgedeckt! Ugandas 200 Oberhomos benannt!“, brüllte das Blatt auf seiner Titelseite. Drinnen wurden dann die bekanntesten Schwulen und Lesben Ugandas vorgeführt.
[…]  David Bahati [ist einer der] regierungstreuen Abgeordneten, der das ugandische Gesetz 2009 auf den Weg gebracht hatte, damals noch mit Todesstrafe für Homosexuelle. Bahati gehört zu christlichen Zirkeln mit besten Beziehungen zu US-Pfingstkirchen, die in Uganda für mehr Intoleranz werben. Er ist das lebende Beispiel für das, was die Verteidiger von Homosexuellenrechten immer wieder vergeblich vorbringen: Es sind außerafrikanische Religionsführer, die in Afrika die schärfsten Moralpredigten halten – christliche und islamische Fundamentalisten, die Netzwerke von Schulen, Krankenhäusern, Waisenhäusern und anderen wohltätigen Einrichtungen aufbauen und damit an Einfluss gewinnen.
[…] Pfarrer Stephen Langa, Direktor des homophoben „Uganda Family Life Network“, rief in Reaktion zu einer Großkundgebung auf. In seinem Aufruf warnt er: „In unseren Gebeten müssen wir die Natur und das Ausmaß der Herausforderung vor uns begreifen. Homosexualität ist bloß der Ausdruck davon. Dies ist ein Konflikt zwischen dem Reich Satans und dem Reich Gottes.“

Das Besondere an Ländern wie Uganda ist ihre Kolonialgeschichte. Systematisch wurde das ganze Land christianisiert und mit der extrem homophoben Einstellung der viktorianischen Kolonialmächte verseucht.

Christen wissen auch heute noch wie man sich durchsetzt.

Einen Eindruck der täglichen Arbeit der Gotteskrieger vermittelt die Ugandische „Widerstandsarmee des Herrn“; Lord’s Resistance Army, LRA; die effektive Methoden entwickelt hat die Ungläubigen davon zu überzeugen, daß sie Jesus Christus als ihren Herren anerkennen sollen.

Aus den Resten des 1987 zerschlagenen Holy Spirit Movement bildete Joseph Koney zunächst die Lord's Salvation Army, welche aber fünf Jahre später in Lord’s Resistance Army umbenannt wurde.

Während der Vatikan schon lange sehr reich ist und dementsprechend ausgereifte Foltern im Namen der Herren entwickeln konnte - orale, vaginale und anale Birne, eiserne Jungfrau, Judaswiege, Brustkrallen oder Ketzergabeln - herrscht in vielen Gegenden Afrikas bittere Armut, so daß die LRA auf die billigeren „Bekenne dich zu Jesus“-Überzeugungsmethoden zurückgreift.

Sie zerhacken und vergewaltigen andere Menschen.

Das Abhacken von Körperteilen ist geradezu das Markenzeichen der „Armee des Herren“ geworden.

Wikipedia beschreibt es so
:
Bei ihrem Kampf vor allem gegen die Zivilbevölkerung geht die Lord’s Resistance Army mit solcher Brutalität vor, dass Jan Egeland, Vizegeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten und Koordinator für Nothilfe (OCHA) der UNO, sie Anfang 2005 als die „wohl brutalste Rebellengruppe der Welt“ bezeichnete. Mitglieder der LRA plündern, morden, foltern und vergewaltigen praktisch wahllos in den nördlichen Regionen Ugandas. Kinder werden entführt, um sie teils als Kindersoldaten, teils als Sex-Sklaven zu missbrauchen.

Im Bestreben einen Staat zu installieren, der ausschließlich nach den biblischen Zehn Geboten orientiert ist, hat LRA-Führer Koney inzwischen Hunderttausende Kongolesen massakriert, ihnen die Beine abgehackt, die Zähne rausgerissen .

Nur die zimperliche Uno ist irgendwie unzufrieden.
Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte nörgelte letzte Woche rum.

Laut diesen Angaben hat die LRA allein im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, dem Nachbarland Ugandas, von September des vergangenen Jahres bis Juni diesen Jahres 1200 Menschen ermordet und 1400 entführt, darunter 600 Kinder und 400 Frauen. Im Südsudan wurden 80 Menschen getötet. Viele Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt, bevor sie umgebracht wurden, oder sie müssen als Sexsklavinnen dienen. Kinder werden gezwungen, zu morden und zu brandschatzen. Vor der Brutalität dieser Truppen sind im Kongo nach UN-Angaben mindestens 230.000 Menschen geflohen.

Koney und seine Jesus-Anhänger „operieren“ inzwischen transnational; sie morden, vergewaltigen und verstümmeln in der Zentralafrikanischen Republik, im Sudan, im Kongo und Uganda.
Da sind im Namen Christi also gleich eine ganze Reihe Gottesstaaten zu errichten.

Christliche Mörderbanden ist der geschundene Kontinent unglücklicherweise gewöhnt - vor 15 Jahren hatten in Ruanda christliche Völkermörder mindestens 900.000 Tutsi massakriert.

Es handelte sich 1994 also um einen Genozid an Christen - verübt durch Christen.
Ein Christengenozid, der keineswegs beendet ist - aus Furcht vor Rache flohen mindestens zwei Millionen Hutu in die Nachbarstaaten; insbesondere in den Kongo, in dem jetzt fröhlich weiter gemordet wird.

Der katholische Klerus spielte eine besonders aktive Rolle im „Bürgerkrieg“ - nicht etwa als Friedensstifter, sondern als Todesengel.
Die Katholiken haben das einst paradiesische Ruanda in einen Friedhof verwandelt.
Obwohl die Aufklärung des Völkermordes alles andere als gründlich voran geht, kann man schon jetzt sagen, daß der katholische Klerus nach den Berufssoldaten diejenige Berufsgruppe ist, die am stärksten in den Völkermord verwickelt war.

Internationale Gerichtshöfe verurteilten wenigstens einige der Mord-Priester und Terror-Nonnen.

Unglücklicherweise werden Christen auch in Afrika immer zahlreicher, so daß eine LRA reichlich Nachwuchs rekrutiert, um Gottes Plan auf Erden durchzusetzen.

Der SPIEGEL von gestern portraitiert den typischen, christlichen Prediger des heutigen Ugandas. Den kräftig von amerikanischen Evangelikalen unterstützten Pastor Michael Kawuba.

Jeden zweiten Sonntag predigt er in der Kakumba-Gemeinde: „Die Bibel hat Homosexualität verboten, Gott ließ Feuer auf Sodom und Gomorra regnen.“ so geht es stundenlang. Er steht hinter einem hölzernen Pult, der Andachtsraum ist eine offene Halle mit einem Dach aus Palmblättern. [….] Es gibt in Uganda tausende Gemeinden wie die des Laienpredigers Michael Kawuba. Sie sind klein, aber radikal. Viele von ihnen, auch die Kakumba Church, unterhalten Kontakte zu US-Evangelikalen, deren Mission die Hetze gegen Homosexuelle ist. 2009 etwa zog der ultrarechte Aktivist Scott Lively durchs Land, der verbreitete, die Schwulen seien schuld am Holocaust. [….] Er redet wie ein Tierforscher, der eine gefährliche Spezies ausgespäht hat: „es handelte sich bei dem Mann um einen, der beim Sex die Rolle der Frau einnimmt.“ Diese Leute agierten eher defensiv. Wirklich gefährlich seien dagegen diejenigen, die den aktiven Part übernähmen. Die seien es auch, die sich über Schulkinder hermachten. „Sie bieten Geld oder Süßigkeiten, damit unsere Kinder homosexuell werden“, behauptet Kawuba und zeigt dazu Bilder von Analverletzungen.  Homosexualität, sagt Kawuba, sei erlernbar: Man werde nicht als Schwuler oder als Lesbe geboren, sondern entscheide sich dafür wie für eine Sportart. Als Beweis führt er an, dass es in der Landessprache Luganda kein Wort dafür gebe. Zuerst, so Kawubas Theorie, hätten die Araber in Afrika die Homosexualität verbreitet, nun fördere eine Lobby aus dem Westen die Schwulen in Uganda, in der Hoffnung auf Sex oder Pornomaterial aus Afrika. 
(Jan Pfuhl DER SPIEGEL 16/14 s. 94f)

Natürlich fällt es schwer sich das Lachen zu verkneifen, wenn afrikanische Christenpfaffen wie Martin Ssempa über schwule Sexualpraktiken orakeln.

Für die Menschen, die unter dem Einfluß dieser widerlichen Christenpest leben müssen, ist es allerdings weniger lustig.