Freitag, 14. August 2020

Pessimistischer Blick in die USA


Alles andere als übelste rassistische und sexistische Attacken Donald Trumps auf Kamala Harris wäre eine riesige Überraschung.
Der Fünffach-Trigger, den die Veep-Kandidatin für ihn darstellt – 1. Tochter von Immigranten, 2. Nicht weiß, 3. Frau, 4. Intelligent, 5. Lobt Trump nicht – ist einfach zu groß für das orange Stück Abfall.



Und so legte er sofort los, nannte sie zunächst „sort of a mad woman“, „nasty“, „full of hatred“, später „a desaster“, „phony“, „socialist“, „controlles by the radical left“, um dann mit seinen zutiefst rassistischen Birther-Angriffen zu kommen, die er ein Jahrzehnt gegen Obama einsetzte.


[….] Trump verbreitet Verschwörungstheorie über Amtsanrecht von Kamala Harris
In rechten Internetforen kursieren falsche "Birther"-Theorien, die Kamala Harris das Recht auf das Amt der Vizepräsidentin absprechen. Donald Trump hat sich davon auf Nachfrage ausdrücklich nicht distanziert.
Es hat keine zwei Tage gedauert, bis die rassistisch geprägten Spekulationen über Kamala Harris auch das Weiße Haus erreichten. US-Präsident Donald Trump hat nun offen infrage gestellt, ob die oppositionelle Vizepräsidentschaftskandidatin als Tochter von Einwanderern die zweithöchste Position im Staat besetzen darf. […..]

Eine sehr schäbige Form von Rassismus, die der in Umfragen bedrängte Trump nun noch drastischer einsetzt, um seine Base von 60 bis 70 Millionen Wählern zu elektrisieren.



Soll heißen:
„Achtung, die Neg*r ziehen in Eure Nachbarschaft und ruinieren den Wert Eurer Immobilien. Und der Neg*r Booker drückt es durch!“

Ich bin sicher, solche drastischen Botschaften sind effektiv. Das Trumpsche Kalkül, seine Anhänger maximal zu motivieren, damit sie aus Furcht vor den Schwarzen und Kommunisten alle zur Wahl gehen und für ihn stimmen, wird funktionieren.


Viele Amerikaner denken so, 62 Millionen von ihnen haben daher schon 2016 für den offenen Rassisten Trump gestimmt.
Ihnen ist jedes Mittel Recht und daher akzeptieren sie auch Trumps zutiefst Verfassungs- und Demokratiefeindliche Methoden.
So will er die Kür zum Präsidentschaftskandidaten 2020 vor dem Weißen Haus absolvieren. Das war bisher strikt verboten, da man die Amtsinsignien im Wahlkampf nicht für parteiliche Zwecke benutzen darf. Und noch viel schlimmer, der Briefwähler Trump gibt offen zu die amerikanische Post zu ruinieren, um die Briefwahlstimmen zu torpedieren. Der oberste Hüter der US-Verfassung geht aktiv gegen den Kern der Verfassung vor, das allgemeine Wahlrecht.

[……] Kein Geld für die Post: US-Präsident Trump räumt Blockade der Briefwahl offen ein.
Seit Monaten fährt der US-Präsident eine Kampagne gegen die Wahl per Brief. Nun hat er in einem Interview unverhohlen klargemacht, warum seine Partei der Post keine weiteren Milliarden geben will. […..]

Trumps rassistischen Mob an der Basis gefällt das.

Die Frage ist nur, ob diese grob geschätzten 40% der Amerikaner, die Trump so sehr lieben – also eine jeweils deutliche Mehrheit der weißen Frauen, der weißen Männer und der Ungebildeten  - ausreicht.

Die anderen, also eine Minderheit der Weißen, eine deutliche Mehrheit der Gebildeten und eine gewaltige Mehrheit aller People Of Color, sind gegen Trump. Vermutlich etwa 60% der Amerikaner.
Sie sind aber nicht ganz so elektrisiert wie die Trump-Fans. Viele von ihnen wählen gar nicht; Wahlbeteiligungen von über 50% sind selten in den USA. Zudem bevorzugt das US-Wahlsystem sehr stark die Republikaner. Daher konnte Trump im Jahr 2016 mit drei Millionen Stimmen weniger als Clinton US-Präsident werden.
Gut möglich also, daß Trump auch 2020 mit 40:60 Prozent der Bevölkerung gewinnt.

Aber Trump ist Mitte 70, zeigt deutliche Anzeichen von Demenz und irgendwann werden andere Republikaner für ihn nachrücken.

Genau das aber sollte einen richtig pessimistisch stimmen.
Die altehrwürdige Partei Lincolns ist vollständig verkommen und solidarisiert sich auf ganzer Linie mit einem 20.000-fachen Lügner, der die amerikanische Verfassung zerstört und offen Rassismus propagiert.


Der CNN-Anchor berichtete von seinem täglichen Kampf mit sich selbst, ob er Trump überhaupt noch Aufmerksamkeit schenken sollte, oder ob es nicht besser wäre ihn zu ignorieren. Daß er aber als Journalist die Pflicht fühle Trumps gefährlichen Lügen entgegen zu treten.

Nach den rassistischen Birther-Attacken auf Kamala Harris, fragte sich die Lemon-Redaktion, was eigentlich ihre Kollegen im Senat dazu sagen.
US-Senatoren sind eine recht übersichtliche exklusive Gruppe. Man kennt sich gut untereinander und gerade Harris ist wegen ihres Sachverstandes überall beliebt.
Wäre es also nicht an ihren Kollegen, sie gegen rassistische, frauenfeindliche Attacken zu verteidigen? Sie in Schutz zu nehmen, Trump zu widersprechen?

Die Lemon-Redaktion brauchte den ganzen Tag, um alle 53 republikanischen Senatoren zu kontaktieren, sie um ein Statement zu bitten.
Würde sie sich mit der so ekelhaft angegriffenen Harris solidarisieren?

52 der 53 GOP-Senatoren stellten sich tot, ignorierten die CNN-Anfrage.
Für Nummer 53 antwortete eine Sprecher und ließ verkünden, er kenne Trumps Aussagen nicht.


Trump wir eines Tages weg sein. Anfang 2021 oder Anfang 2025.
Aber 100% der Republikaner, die sich einem kriminellen Rassisten verschrieben haben, bleiben.

Donnerstag, 13. August 2020

Der Covidiot des Tages – Teil I


Klar, als der Pandemie-Schlamassel Anfang des Jahres losging, wußte man noch nicht genau wie die Übertragungswege des Sars-CoV-II sind, wie leicht man sich ansteckt, wie Ansteckungen vermieden werden und welche Gegenmaßnahmen sinnvoll sind. Es wurde viel probiert und geforscht, es wurde geirrt und geprüft.

Über den Verlauf einer Covid19-Infektion ist immer noch vieles rätselhaft. Werden die Leute, die krank waren immun? Und bleiben sie immun? Wieso trifft es einige so viel schlimmer als andere?
Welche Medikamente wirken und wann könnte ein Impfstoff allgemein verfügbar sein?

Aber wir, bzw die Wissenschaftler sind im August viel schlauer als vor einem halben Jahr.
Für die politische Seite ist völlig klar: Lockdown, soziale Distanzierungen, Hygienemaßnahmen und Masken helfen dabei die Verbreitung deutlich zu verlangsamen. „Flatten the curve“ funktioniert, wenn sich die Masse der Bevölkerung strikt an die Maßnahmen hält.
In den von rechtspopulistischen Spinnern regierten Nationen, die anders als Italien voll von Corona getroffen wurden, nachdem diese Erkenntnisse da sind, gab es kein konsequentes social distancing. Folgerichtig explodieren die Fallzahlen in Brasilien, England und den USA.

In den europäischen Ländern mit klügeren Regierungen ließ sich der Lockdown nicht lange genug durchhalten. Die Wirtschaft machte Druck. Schlimmer ist aber der Schlendrian, der sich bei der gesund gebliebenen Bevölkerung einstellt. Auf zwei Meter Abstand im Supermarkt achtet schon lange keiner mehr, immer weniger tragen Masken oder gehen sehr nachlässig damit um, indem sie die Nase freilassen. Die Leute verreisen wieder, fliegen nach Mallorca.
Als Konsequenz schlittern wir nun in die „zweite Welle“. Die Doofheit der Bevölkerung könnte einen zweiten totalen Shutdown notwendig machen.
In den asiatischen Ländern Korea, Taiwan oder Japan ist die Bevölkerung viel disziplinierter. Dementsprechend niedrig sind die Neuinfektionsraten.

In den USA gibt es ebenfalls eine zweite Welle, insbesondere weil Trump vor der Wahl die Ökonomie anheizen will.
Die finanziellen Coronahilfen laufen aus, dadurch wird die ärmere Bevölkerung schneller zurück in ihre infektiösen Mac-Jobs gezwungen und zudem beginnt auf Befehl der Trump-Administration wieder der Schulunterricht. Außer natürlich für reiche Söhnchen auf Privatschulen wie Barron Trump.
Auch in den USA gibt es eine zweite Welle, aber auf sehr viel höherem Niveau als in der EU; täglich kommen 60.000 bis 70.000 neue Infizierte und deutlich über 1.000 Tote hinzu.
Unter diesen Umständen sind Masken und Abstandsregeln natürlich besonders wichtig und sollten von den Ordnungskräften konsequent eingefordert werden.

Der Covidiot des Tages #1 sieht das ganz anders. Er heißt Billy Woods und ist ein vielfach ausgezeichneter Polizist im Corona-Todesstaat Florida. Dort verursacht der glühende Trumpfan Gouverneur DiSantis „DeathSantis“ ein regelrechtes Massensterben, indem er sogar aktiv gegen Maskenregelungen vorgeht.

[…..] Born and raised in Marion County, Sheriff Billy Woods has devoted his life to serving his community. Prior to becoming the Sheriff of Marion County, Sheriff Woods spent over 26 years at the Ocala Police Department (OPD), holding various positions within the department. Several key positions Sheriff Woods held during his tenure at OPD include: Watch Commander, Lieutenant, Special Operations Supervisor, Traffic Homicide Investigator, and Undercover Officer for the Drug Task Force as well as many other positions. During Sheriff Woods’ years of service, he received multiple commendations and was also a Medal of Valor and Medal of Distinction recipient.
Sheriff Woods is a board member of various organizations and recently became the Chairman of the Florida Sheriffs Youth Ranches Enterprises and Vice Chair of Marion Senior Services which are two organizations that are dear to his heart.
Sheriff Woods holds a B.S. in Criminal Justice Administration/Business Management from Columbia Southern University. He has also attended the Florida Department of Law Enforcement Executive Senior Leadership Program and was the Class President of the Leadership of Ocala/Marion Class XXVII. [….]

Es ist nicht bekannt, ob Sheriff Woods schon den Rat seines Idols Trump befolgte und sich eine Glühbirne in den Hinter steckte, Clorox injizierte oder Hydroxychloroquin lutscht. Aber Masken kann er gar nicht leiden und hält sich an seinen tödlichen Gouverneur.


[….]  Masken im Dienst sollen die Polizisten des Bezirks Marion im US-Bundesstaat Florida nicht tragen – das hat der Sheriff ausdrücklich angeordnet. Auch für Besucher in der Polizeibehörde gilt das Trage-Verbot. [….]
(STERN, 13.08.2020)

Er verbietet sogar ausdrücklich Masken zu tragen, da man mit ihnen nicht kommunizieren könne. Florida, 21 Millionen Menschen, der Staat mit bereits 550.000 Infizierten und fast 10.000 Toten – also mehr als in der gesamten Bundesrepublik Deutschland – wird offensichtlich von Irren regiert.

[….] The sheriff forbade his deputies from wearing masks while on duty, with some exceptions, and also barred visitors to his offices from wearing them. [….]


[….]  And at a time when more states and cities are requiring face coverings, Sheriff Woods’s decision was unusual — he forbade his deputies from wearing masks while on duty, with some exceptions, and barred visitors to his offices from wearing them. [….] He wrote that “in light of the current events when it comes to the sentiment and/or hatred toward law enforcement,” an apparent reference to nationwide protests over police brutality this summer, that it would be better if officers’ voices were not muffled behind masks and that citizens’ faces were not obscured. [….] (New York Times, 12.08.2020)

Mittwoch, 12. August 2020

Hüben wie drüben


Wenn ich mir was wünschen könnte….
Dann würde ich ein Wahlvolk in Deutschland wünschen, das meine Wunschregierung wählt.
Ideal passt keine derzeitige Partei zu mir; mein Traum wäre eine neue linke demokratische Kraft, die

-viel konsequenter als die Grünen Klima- und Umweltschutz durchsetzt. Habeck hatte 2017 vor lauter Begeisterung mit der CDU zu regieren a priori freiwillig den Klimaschutz über Bord geworfen.

-sozialpolitisch in etwa auf Linie der SPD ist

-finanzpolitisch etwas links von der SPD ist. Es gäbe eine Tobinsteuer, die Tricksereien, mit denen Einkommensmillionäre sich so arm rechnen, daß sie gar keine Steuern bezahlen, wären vorbei, Steuerflüchtlinge würden drastisch verfolgt (bis zum Staatsbürgerschaftsentzug)

-wirtschaftspolitisch etwas links von der SPD ist. Es gäbe klare Forderungen an die Konzerne, es wäre Schluss mit Milliardensubventionen für die Lobbyisten, die am lautesten schreien. Öffentliche Versorger dürften nicht privatisiert werden.

-gesellschaftspolitisch extrem weit links von der SPD ist: Drogenfreigabe, totale rechtliche und finanzielle Trennung von Kirche und Staat, Patientenverfügung, Recht auf assistierten Suizid, Schluss mit dem Blasphemieparagraphen, PID legalisieren, Leihmutterschaften, Ehe für wirklich alle, Ius Soli statt Ius Sanguinis.

Unglücklicherweise lebe ich aber in der Realität und nicht in einer Traumwelt.
Konkret geht es für mich um zwei Nationen. Erstens die USA, das Land, dessen Staatsbürgerschaft ich innehabe und in dem ich wähle und zweitens Deutschland, das Land, in dem ich lebe und parteipolitisch gebunden bin.

In beiden Staaten gibt es keine Partei, die mich zu 100% begeistert, wohl aber jeweils eine, die unter den im Parlament Vertretenen die meisten Überschneidungen mit meinen Vorstellungen hat. Das sind die US-Demokraten und die deutschen Sozialdemokraten.

Die Demokraten wären, wie Alexandria Ocasio-Cortez kürzlich feststellte in jedem Land ohne Mehrheitswahlrecht mehrere Parteien. In Deutschland wäre Joe Biden vielleicht ein liberaler CDUler und AOC bei den Grünen oder den Linken.
Da das US-amerikanische politische Spektrum aber bis ins Rechts-Gaga-Moor reicht, als Trump und die Republikaner die Gegner sind, ist es durchaus sinnvoll AOC und Biden in einer Partei und Fraktion gemeinsam kämpfen zu lassen.
Die USA sind natürlich strukturkonservativ. Eine Partei auf der Linie der deutschen SPD oder gar links davon gilt der überwältigenden Mehrheit der USAner als stalinistisch-kommunistische Verirrung.

  Das Deutsche repräsentative Wahlrecht ist überlegen, das Parteienspektrum bildet mehr Vielfalt ab. Auch Deutschland ist strukturkonservativ. Es wird kaum jemals eine linke Mehrheit geben. Die Partei Die Linke, die sich seit 20 Jahren gegen HartzIV positioniert erreicht maximal 10%, weil 90% der Deutschen Gerhard Schröders Agenda 2020 eben nicht rückgängig machen wollen.
Die CDU ist traditionell stärkste Partei, die Wähler mögen Kohl- und Merkel-Typen, die ihnen durch Bräsigkeit suggerieren, es bleibe alles irgendwie so ähnlich wie es immer war.

Die linkeste Regierung, die man in Deutschland praktisch an die Macht kommen kann, ist mitte-links, linksliberal, sozialdemokratisch-bürgerlich.

Vielleicht könnte man das Volk an etwas linkere Politik gewöhnen. Dafür müsste es aber erst mal eine Mehrheit geben und die wird leider gerade von der ganz linken Seite stets torpediert, indem sie die Realität ignoriert und stur auf ihren Wunschvorstellungen beharrt.
Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht sind daher die effizientesten Helfer der CDU. Sie tragen Streit auf die RRG-Seite, attackieren die SPD zehn Mal so viel wie die politische Rechte.

(…..)  Trump, GWB, Merkel, aber auch Hitler wären nicht demokratisch an die Macht gekommen, wenn sich die politisch Linke einig gewesen wäre.
Das Sektierertum auf der linken Seite ist der Joker, mit dem Konservative in die Regierungen gedrückt werden.
Ihnen ist der erbitterte Kampf gegen die politischen Verbündeten wichtiger als die Gemeinsamkeit und der konservative Gegner.
USPD, Ralph Nader, Jill Stein und Oscar Lafontaine heißen diese Überzeugungstäter.
Letzterer ging sogar soweit, daß er sich jahrelang von der BILD-Zeitung, dem mächtigsten Frontschwein der CDU bezahlen ließ, um in seinen Kolumnen so lange auf Rot und Grün einzudreschen, bis seine persönlichen Rachegelüste gestillt waren und wieder die CDU im Kanzleramt saß.
Was für eine groteske Schmierenkomödie. Erst verriet Lafontaine seine eigene Partei, deren Vorsitzender er war, um als Linker in ihrem Fleisch zu sektieren, dann heiratete er die Linke Sahra Wagenknecht, die nun etwas Ähnliches in ihrer Partei abzieht: Die Linke in zwei Hälften zu zerteilen.
 (……)

Die Linken nehmen der SPD übel SPD zu sein und nicht deckungsgleich mit der Linken.
Dabei sollten sie froh sein, daß die SPD ganz andere Wähler anspricht und als Zehnprozentpartei einkalkulieren, daß sie selbst bei einer Beteiligung in der Bundesregierung die allermeisten ihrer Ziele eben nicht durchsetzen werden.

In den USA und Deutschland wurden fast gleichzeitig wichtige Personalentscheidungen meiner Parteien für die nächsten Wahlen gestellt.

Olaf Scholz wird Kanzlerkandidat der SPD und Kamala Harris vervollständigt das Biden-Ticket.
Damit heißt auch die mutmaßliche übernächste US-Präsidentin Kamala Harris.
Als #47 wird sie wohl im Januar 2025 eingeschworen.
Eine gute Wahl, Joe Biden. Es musste nach 300 Jahren weißer Männer in den Zeiten von #MEETOO und #BLM eine Woman of Color sein.
Als ehemalige Staatsanwältin ist Harris nicht die Lieblingswahl der schwarzen Bürgerrechtler und es heißt auch, daß der harmoniebedürftige Biden etwas mit ihr fremdelt, seit sie ihn im Wahlkampf scharf angriff.
Daß er sie dennoch nominiert, halte ich für ein Zeichen von Stärke. Er setzt somit nicht auf reine PR und bequeme Ja-Sager in seinem Umfeld, sondern auf diejenige, die am besten qualifiziert ist.
Gratulation! Sie wird dem Job gewachsen sein.

In einer Traumwelt, würde ich nicht auf Harris und Scholz setzen.
In der echten wirklichen und tatsächlichen Realität sind sie aber die jeweils beste Wahl, weil sie die größten Chancen darstellen endlich ohne die CDUCSU/ohne die GOP zu regieren.

Natürlich machen sich aber Linke Sozialdemokraten und linke US-Demokraten sogleich daran mit aller Energie den Rechten, den Söders/Trumps/Merz‘ zu helfen, indem sie an dem eigenen Kandidaten rummaulen.
Bernie Sanders-Manager kritisieren Harris, maulen jetzt schon dann möglicherweise nicht zu wählen (und damit Trump zu helfen).
Das gleiche Bild in den linken SPD-Gruppen, die voller Hass auf Scholz austeilen und damit die besten Wahlkämpfer für CDUCSU darstellen.


Zum Glück sind diese Zersetzungserscheinungen bisher überschaubar.
Die Parteilinken Elisabeth Warren und AOC stellen sich klar hinter Biden/Harris.
Kevin Kühnert und Saskia Esken stellen sich hinter Olaf Scholz.

Mal sehen, wie lange das hält.

Dienstag, 11. August 2020

Der große Historiker


Niemand weiß so viel über die Weltgeschichte wie Donald Trump.
IQ45 ist eben in jeder Hinsicht ein außergewöhnlich stabiles Genie.
Ich beschäftige mich seit 40 Jahren intensiv mit dem „dritten Reich“ und dem Zweiten Weltkrieg. Ein ungeheuer komplexes Thema, zu dem es auch 80 Jahre später immer wieder neue Erkenntnisse durch bisher unzugängliche Quellen gibt.
Als allgemein akzeptierte These gilt die „Schlacht von Stalingrad“ vom 23. August 1942 bis 2. Februar 1943 als Wendepunkt des deutschen „Kriegsglücks“.
Die vollständige Vernichtung der damals so glorreichen sechsten Armee unter Generalfeldmarschall Friedrich Paulus ist Gegenstand unzähliger Dokumentationen, Bücher, Verfilmungen und privater Erzählungen.
Dieser Großverband des Heeres, Armeeoberkommando 6 (AOK 6) hatte sich an unzähligen Kriegsverbrechen schuldig gemacht, bevor die verbliebenen 300.000 Mann 1942 in Stalingrad eingekesselt wurden.
100.000 Soldaten wurden bis Februar 1943 getötet. Weitere knapp 100.000 ergaben sich anschließend der Roten Armee. Sie waren aber durch Hunger und Seuchen in so jämmerlichen Zustand, daß nur noch ein Drittel von ihnen lebend ein sowjetisches Arbeitslager erreichte. Insgesamt überlebten etwa 6.000 Deutsche die Gefangenschaft. Von den verbliebenen Angehörigen der 6. Armee wurde ein Teil ausgeflogen, ein Teil floh, ein Teil kämpfte noch Monate im Untergrund weiter. Die Spuren verlieren sich.
Hitler und Goebbels verklärten die epische Niederlage zu einem Heldenepos und waren damit so erfolgreich, daß die meisten Deutschen bis Anfang 1945 noch an „den Endsieg“ glaubten und die wenigstens kapitulierten.
Die Gebildeteren und die Offiziere hingegen wußten seit Stalingrad sicher, daß Hitler den Krieg verlieren würde. Das gab dem Widerstand Auftrieb und so konnte der Kreisauer Kreis Verbündete für den schließlich am 20.07.1944 von Graf Stauffenberg durchgeführten Attentatsversuch gewinnen.
Die Tragik des Scheiterns bestand darin, daß Hitler nur durch eine Kette von Zufällen überlebte und nur durch seinen Tod der Krieg hätte vorzeitig beendet werden können.
In den folgenden zehn Monaten bis zum Ende des Krieges in Europa starben mehr Zivilisten und mehr Soldaten als in den fünf Jahren (September 1939 bis Juli 1944) zuvor.
Dieser pervertierte Durchhaltewillen führte nicht nur zu dem Millionenfachen Tod der Deutschen, sondern auch zur Zerstörung aller großen deutschen Städte und natürlich der Durchführung des Holocausts.
Es ist also nicht nur Militärgeschichte, die wir da betrachten, sondern außerordentlich interessant die psychologischen, sozialen und propagandistischen Aspekte der Jahre 1943-45 zu erforschen. Ungebildete Menschen voller Vorurteile und Propaganda im Kopf folgen einem „Führer“, der enorme militärische Erfolge erringt und einen ökonomischen Aufstieg erreicht. Anfang 1941 soll die Zustimmung zu Hitler das Maximum erreicht haben. Über 90% der Bevölkerung verehrten ihn. Ganz Europa war erobert und die Entbehrungen der Soldatenfamilien wurden durch großzügig erscheinende Sozialleistungen kompensiert. Freilich wurde nicht öffentlich darüber gesprochen, daß diese sozialen Wohltaten durch einen europaweiten Genozid und Massen-Raubmord finanziert wurden.
Aber warum kämpften die Deutschen eigentlich das ganze Jahr 1943, 1944 und noch bis Mai 1945 weiter? Als die Alliierten nicht nur alles zurück erobert hatten, sondern auf deutschen Boden standen, als Millionen Häuser zerstört waren und jede Familie Tote zu beklagen hatte?
Kommen wir an dieser Stelle auf das historische Genie im Weißen Haus zurück.
Donald Trump weiß nämlich wieso der Zweite Weltkrieg endete: Es war die Spanische Grippe 1917 (der Rest der Welt denkt, die wütete 1918, aber Trump kennt die Wahrheit). Dadurch wären so viele deutsche Soldaten krank geworden, daß sie nicht mehr weiterkämpfen konnten.

[….] Trump rewrites history with claim 1917 Spanish flu (it was 1918) probably ended WWII (it didn't)
The US president suggests the pandemic, which began in 1918, brought an end to the conflict that lasted from 1939 to 1945. [….]


Trump, der sich im Juni 2020 schon ganz bescheiden unter dem Applaus der FOX-Fans als „the most perfect person“ bezeichnete, ist daher völlig im Recht wenn er bei der republikanischen Gouverneurin Kristi Noem von South Dakota anfragen lässt, wie er neben George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt am Mount Rushmore verewigt werden kann.

  [….] Laut eines Berichts der New York Times ist das Weiße Haus im vergangenen Jahr auf die republikanische Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, mit einer ungewöhnlichen Frage zugekommen. Dem Bericht zufolge ging es um den Prozess, einen weiteren Präsidenten zu Mount Rushmore hinzuzufügen. Offenbar hat US-Präsident Donald Trump den Traum, sein Konterfei an dem Felsen im US-Bundesstaat South Dakota zu sehen. [….] Anschließend soll Trump noch zu Noem gesagt haben, es sei sein Traum, sein Gesicht am Mount Rushmore zu sehen. Bei seinem diesjährigen Besuch am Mount Rushmore in South Dakota zum Independence Day (4. Juli, Nationalfeiertag der USA) soll Noem Donald Trump deshalb auch laut eines Insiders eine kleine Nachbildung der Skulpturen geschenkt haben, bei der das Gesicht des US-Präsidenten hinzugefügt wurde. [….]

Trump ist ein wahres Universalgenie. 


Verständlich, daß bei so viel Genialität seine oberste Beraterin und Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway gefragt nach Trumps Haupteigenschaft seine Bescheidenheit nennt: President Trump Exemplifies Humility!


In den bisherigen dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit kam aber bei all der Genialität Trumps fundiertes Wissen als Historiker zu kurz. 
Es blitzte nur gelegentlich auf, wie man am Beispiel seiner These zur Beendigung des Zweiten Weltkrieges sehen konnte.

Es wird Zeit ihn als das zu würdigen was er ist: Den allergrößten und allerbesten Präsidenten aller Zeiten, aller Länder und aller Galaxien!

[….] Donald Trump glaubt, Abraham Lincoln sei sein einzig ebenbürtiger Vorgänger: Niemand habe so viel getan für Amerika wie Lincoln und er. [….] Lincoln ist der einzige Vorgänger, dem Trump gelegentlich etwas Anerkennung zollt, wenn er sich in Reden oder Interviews selbst lobt. Seit Lincoln habe niemand mehr für Amerika getan und sei trotzdem gemeiner behandelt worden, behauptet Trump gerne. Abraham Lincoln, das muss man vielleicht dazusagen, wurde 1865 von einem weißen Rassisten ermordet.
Am Montag stalkte Trump den armen toten Lincoln - der in Wahrheit all das nicht war, was Trump ist, der sich aber nicht mehr wehren kann - wieder einmal. Er erwäge, seine Rede, in der er in der letzten Augustwoche die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat annehmen wird, auf dem Schlachtfeld in Gettysburg zu halten, twitterte Trump. Auf den Feldern rund um die Kleinstadt in Pennsylvania fand im Juli 1863 eine der blutigsten Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs statt. 100 000 Soldaten des Nordens traten gegen 70 000 Soldaten des Südens an, nach drei Tagen Gemetzel waren um die 50 000 Männer tot oder verwundet. Der Kommandeur der Südstaaten-Armee, Robert E. Lee, musste sich geschlagen zurückziehen.
Einige Monate später hielt Präsident Lincoln bei der Einweihung eines Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld seine berühmte "Gettysburg Address" eine der wohl wichtigsten und besten politischen Reden, die je gehalten wurden. Die Gefallenen hätten ihr Leben gegeben, "damit die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk nicht von der Erde verschwindet", sagte Lincoln damals - ein Satz der bis heute nachhallt. Das, so mag Trump sich denken, sollte er doch auch hinbekommen. [….]