Freitag, 1. Dezember 2017

Psychos - Teil II



Ein Streber war ich wirklich nicht, aber meine Noten waren so gut, daß mich die Schule nie besonders störte. Man konnte das alles ganz gut aushalten, mußte sich nicht totarbeiten.
Aber zwei Dinge waren absolut unerträglich.
Einerseits der Sportunterricht, da ich mit allen meinen Sportlehrerinnen verkracht war. In einem immerhin versetzungsrelevanten Pflichtfach benotet zu werden, das letztendlich physische Gegebenheiten bewertet fand ich extrem unfair, fing immer wieder Grundsatzdebatten an, bestritt, daß SPORT als ordentliches Schulfach tauge. Die Sportlehrer hassten mich, weil ich jede Kooperation verweigerte. Ich schaffte es sogar in der elften Klasse einen Punkt (=5-) im Schwimmen zu bekommen, obwohl ich das rein zufällig wirklich gut konnte, da ich a) sehr groß und dünn (damals) war und b) neben einem großen Swimmingpool aufgewachsen war und schon ständig im Wasser war bevor ich richtig laufen konnte.
Die andere unerträgliche Sache war der Psychologie-Unterricht bei Frau Kirch 11., 12. und 13. Klasse. Der Name hätte mich schon abschrecken sollen.
Belegt hatte ich das Fach vermutlich, weil es in meiner Familie so viele Psychologen gab und ich daher annahm, das müsse interessant sein.
Frau Kirch hatte allerdings diese ätherische Valiumpersönlichkeit, drückte sich hauptsächlich durch Schweigen aus.
Als typisches „Laberfach“ hatte Psychologie natürlich die blödesten Zeiten. Ich werde es nie vergessen. In der 11. Klasse hatten wir das Grauen Dienstags und Donnerstags in der Nullten Stunde (7.00 Uhr bis 7.45 Uhr).
Später wurde es noch schlimmer, da lag „Psycho“ als Doppelstunde freitags 8. Und 9. Stunde nach zwei oder drei Freistunden.
Holla, da musste man sich immer extrem zusammenreißen, um nicht zu schwänzen, damit man fünf Stunden vorher ins Wochenende kam.
Frau Kirch ließ uns immer im Unterricht lesen.
Die ganze Bandbreite der damaligen Psycho-Schülerliteratur. Erst Dibs (von Virginia M. Axline, 1980) dann Betty (von Anneliese Ude- Pestel, 1975). Natürlich „Grundformen der Angst“ und viel Fromm; „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ und „Die Kunst des Liebens.“
Eine Stunde jeder still für sich lesen und anschließend erzählen was man gelesen hatte. 90% der Kursteilnehmer waren dabei geistig eingeschlafen und so herrschte anschließend bei Frau Kirchs Fragen endloses und ausdauerndes Schweigen. Ich erinnere mich insbesondere an eine Stunde, als dieses Schweigen so unerträglich wurde, daß ich es nicht mehr aushielt, mich meldete und das ganze Riemann-Kapitel über die schizoide Persönlichkeit nacherzählte.
Die anderen glotzen mich fassungslos an, waren aber auch froh über die ganze Zeit, die ich geschunden hatte.
Jetzt war ja alles klar, vielleicht ließ uns die Lehrerin nun früher ins Wochenende.
Aber dann passierte das unfassbare; Frau Kirch drehte sich zu mir um und sagte doch ernsthaft „entschuldigen Sie; Tammox, ich war ganz in Gedanken versunken und habe überhaupt nicht zugehört. Können Sie bitte noch mal von vorn beginnen?“
Ich war 15, als mich die vierjährige Betty mit ihren Zeichnungen nervte. Wenn mir meine Zeit nicht zu schade wäre, würde ich das heute noch mal lesen, um festzustellen, ob ich diese endlosen Interpretationen von Kinderzeichnungen immer noch so unerträglich finde.
Psychologie, schlimme Sache, das ist.
Einer meiner älteren Cousins hatte das sogar studiert und ich erinnerte mich, wie er sich damals gefühlte zehn Jahre ausschließlich mit Intelligenztests beschäftigten mußte, riesige Berge mit diesen Tests auswertete. Als erstes mußte immer seine Freundin Inga dran glauben. Ich hockte als kleines Kind oft bei ihr und war besonders begeistert von ihren duftenden Henna-Kuren. Sie hatte kilometerlange tiefrote Haare, die jeden Abend in Henna eingelegt wurden. Nebenher füllte sich die Intelligenzteste meines Cousins aus und changierte willkürlich zwischen debil und Einstein. Die Höhe des IQs hing offenbar vom Test ab, wußte ich schon als Kind. Und irgendwelche Psychologiestudenten schreiben dann eine Zahl drunter.

Psychologie lernt man in Wahrheit in der Literatur.
Die österreichischen k.u.k.-Autoren Roth, von Doderer oder Zweig sind nicht zu denken ohne Freud. Die Romanfiguren werden feinsäuberlich psychisch analysiert, ohne daß die Interpretationskeule zuschlägt und Fachbegriffe fallen.

Psychologie lernt man auch im Leben, da einige psychische Störungen enorm verbreitet sind. Millionen Menschen leiden an Phobien, an Depressionen, Burnout, Ticks, Zwängen, Essstörungen und dergleichen. Millionen sitzen regelmäßig in psychotherapeutischen Gesprächen und/oder essen Antidepressiva und Neuroleptika, gern auch Benzos.
Auf Antidepressiva kam ich über den Umweg der Chemie. So etwas freut den Naturwissenschaftler. Man kennt genau die Neurotransmitter, die Rezeptoren in den Synapsen, man designed Moleküle, die sich genau auf diese Wiederaufnahmerezeptoren setzen und erreicht dann selektiv eine Konzentrationszunahme des gewünschten Botenstoffs im Hirn.
Das chemische Gleichgewicht in der Birne des Kranken ist wieder hergestellt und der Patient ist beschwerdefrei.
So sieht es der Chemiker. Nur blöd, daß es in der Realität etwas komplizierter ist und noch viel mehr Faktoren hineinspielen.

Psychologie taugt auch gut als Unterhaltung.
Jeder Erwachsene sollte einmal vollständig alle Staffeln der SOPRANOS sehen (HBO, 86 Episoden, 1999-2007), weil das die erste der hochqualitativen US-Dramaserien ist, weil die Sopranos unfassbar gut gemacht sind.

[Die Serie] wurde unter anderem mit 21 Emmys und fünf Golden Globes ausgezeichnet. Die Writers Guild of America wählte Die Sopranos auf Platz 1 der 101 Best Written TV Series. Auf der Website Metacritic, die Kritiken von verschiedenen Redaktionen zusammenfasst, hält die letzte Staffel einen Metascore von 96 Prozent. [….]
(Wikipedia)

Der Mafia-Boss Tony Soprano, die zentrale Figur des Werks erleidet schon in der ersten Folge ein psychischen Zusammenbruch, geht zur Psychotherapeutin Dr. Melfi, bekommt Prozac und Xanax. Alle Geschehnisse werden bis zur letzten Folge auch therapeutisch behandelt.

Psycho-Laien können sich unter Klaustrophobie, einer Panikattacke oder einer Depression sehr gut das entsprechende Krankheitsbild vorstellen.

Andere Erkrankungen sind schwieriger. Wer kann schon genau erklären, was eine Persönlichkeitsstörung oder was Borderline ist?

Soprano-Gucker sind schlauer. Tonys Mutter Livia ist Borderlinerin.

[….] Cagey, manipulative, and self-absorbed, Livia Soprano seemingly derives little pleasure from life other than making the people around her miserable. On her son's wedding day, she tells her new daughter-in-law Carmela that marrying Tony was a mistake and eventually Tony would get bored with her. [….] Based on her conversations with Tony, Dr. Melfi speculates that Livia might suffer from some form of borderline or narcissistic personality disorder. Additionally, Tony tells Adriana that Livia suffered from Irritable bowel syndrome all her life. Janice, during a conversation with Carmela, calls into question whether or not her mother loves them. She goes on to say that her therapist explained to her that Livia did indeed love them, but did not know how to express it. [….]

Livias Kinder wollen sich das nicht eingestehen, obwohl sie alle sehr unter ihr litten.
Das ist das Problem mit Borderliner.
Sie sind nicht für jeden offensichtlich verrückt und spinnen nicht immer.
Der ehemalige SPIEGEL-Rechtsaußen Matthias Matussek spekulierte in seiner legendär schlechten Titelstory über Romy Schneider, daß alle großen Künstler, insbesondere Schauspieler, Borderliner sind.
Steile These, aber möglicherweise gar nicht so abwegig.
So eine instabile Persönlichkeit kann brillieren, erfolgreich sein, ohne daß die Zuschauermassen bemerken auf welch schmalem Grat die Person wandelt und wie heftig sie im nächsten Moment abstürzen kann.
Und selbst wenn so ein Megastar mal offensichtlich rumspinnt, dann verzeiht man es als „Starallüren“, Diva-Haftigkeit“ oder „Exzentrik“.

Exzentrik ist nicht verrückt. Exzentriker können hochrational und gesund sein.
Allerdings schließt Exzentrik nicht aus gleichzeitig auch neurotisch zu sein. Das ist die Schwierigkeit bei der Diagnose.

(….) Exzentrik ist wissenschaftlich erstaunlich wenig erforscht und so fällt es bis heute schwer gesunde Exzentrik von psychopathischen Neurosen zu unterscheiden.
Unglücklicherweise schließt das eine das andere auch nicht aus.

Der Neuropsychologe David Joseph Weeks, Leiter der klinischen Psychologie am Royal Edinburgh Hospital und sein Co-Autor Jamie James untersuchten für ihre 1995 erschienenes Werk (“Eccentrics“, Verlag Weidenfeld & Nicolson, London) die gesamte Literatur zum Phänomen Exzentrik und interviewten im Zeitraum von über einer Dekade mehr als 1000 Exzentriker. Hinzu kam eine historische Analyse von 150 Exzentrikern, die von 1551 bis 1950 lebten.
Einige Gemeinsamkeiten waren offensichtlich. Alle fühlten sich schon als Kinder „anders als die anderen“ und alle waren überdurchschnittlich intelligent.

Die Persönlichkeit des Exzentrikers passt in kein psychiatrisches Schema.
Sie stellen sich selbst nicht besonders dar, sondern sind einfach unabhängig von Konventionen und geistig abenteuerlustig, ohne von der Meinung anderer abhängig zu sein, so daß sie oft extreme Einzelgänger sind. Sie lassen sich ihre eigene Individualität nicht einschränken.

Wie wird man exzentrisch? Vermutlich ist es eine genetische Veranlagung, die aber durch die Umwelt verschieden stark unterdrückt werden kann.
Wird ein Exzentriker zufällig als englischer Lord irgendwo auf dem Lande geboren, hat er gute Chancen seine Veranlagung auszuleben und zu kultivieren.
Er ist ohnehin finanziell unabhängig und muß sich nicht mit seine gewöhnlichen Untertanen gemein machen.

Als Gegenbeispiel führen Weeks und James das japanische Schulsystem an, in dem Konformität als höchste Tugend gilt. Jede Individualität soll möglichst früh, möglichst endgültig ausgetrieben werden.
Dieses Denken hat eine lange Tradition und führte sowohl zur bedingungslosen Unterwerfung unter fürstlich oder kaiserliche Obrigkeiten.
Befahl ein japanischer Daimyō irgendwann im zweiten Jahrtausend irgendeinem Untertan spontan aus einer Laune heraus, er möge sein Kind köpfen oder sich die Hoden abschneiden, tat derjenige das ohne zu zögern.
Die Kamikaze-Aktionen für den Tenno aus dem Zweiten Weltkrieg sind bis heute legendär.  (…..)

Borderliner sind ebenfalls nicht immer nur Borderliner. Die Krankheit kann extrem unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie können zusätzliche Störungen haben und ihre Borderliner-Persönlichkeit unter Stress oder bei einsetzender Senilität enorm verstärken.

[….] Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) [….] ist eine psychische Erkrankung. Typisch für sie sind Impulsivität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, rasche Stimmungswechsel und ein schwankendes Selbstbild.
Bei dieser Persönlichkeitsstörung sind bestimmte Vorgänge in den Bereichen Gefühle, Denken und Handeln beeinträchtigt. Dies führt zu problematischen und teilweise paradox wirkenden Verhaltensweisen in sozialen Beziehungen und sich selbst gegenüber. Dadurch kann die Borderline-Störung oft zu erheblichen Belastungen führen und sowohl die eigene Lebensqualität schwer beeinträchtigen als auch die der Bezugspersonen mindern.
Die BPS wird häufig von weiteren psychischen Erkrankungen begleitet, es besteht z. B. eine hohe Komorbidität mit Depressionen und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). [….]

Eine offensichtlich gestörte Persönlichkeit wie Donald Trump kann also lichte Momente haben und in bestimmten Situationen völlig normal wirken.
Gaga ist der US-Präsident natürlich doch.

(….) Das von der Psychiaterin Prof Bandy Lee herausgegebene Buch über Trumps Wahnsinn legt dar, daß Trumps Wahnsinn hochgefährlich ist.

 […..] In THE DANGEROUS CASE OF DONALD TRUMP, twenty-seven psychiatrists, psychologists, and other mental health experts argue that, in Mr. Trump’s case, their moral and civic “duty to warn” America supersedes professional neutrality. They then explore Trump’s symptoms and potentially relevant diagnoses to find a complex, if also dangerously mad, man.
Philip Zimbardo and Rosemary Sword, for instance, explain Trump’s impulsivity in terms of “unbridled and extreme present hedonism.” Craig Malkin writes on pathological narcissism and politics as a lethal mix. Gail Sheehy, on a lack of trust that exceeds paranoia. Lance Dodes, on sociopathy. Robert Jay Lifton, on the “malignant normality” that can set in everyday life if psychiatrists do not speak up.
His madness is catching, too. From the trauma people have experienced under the Trump administration to the cult-like characteristics of his followers, he has created unprecedented mental health consequences across our nation and beyond.
It’s not all in our heads. It’s in his. […..]

Das ist in der Tat außerordentlich beunruhigend was die 27 Experten über Trump zusammentragen.

[….] Das Ver­hal­ten des Tä­ters zei­ge cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le ei­nes So­zi­o­pa­then, ur­teilt der Gut­ach­ter und Psych­ia­ter Lan­ce Do­des. Es hand­le sich da­bei um „eine der schwer­wie­gends­ten al­ler see­li­schen Stö­run­gen“. So­zi­o­pa­then lit­ten un­ter ei­nem „De­fekt in der grund­le­gen­den Na­tur ih­res Mensch­seins“. Ihre ty­pi­schen Ei­gen­schaf­ten: „Sa­dis­tisch, mit­leid­los, grau­sam, ab­wer­tend, un­mo­ra­lisch, pri­mi­tiv, kalt­schnäu­zig, räu­be­risch, schi­ka­nie­rend, ent­mensch­li­chend.“
Do­des lässt kei­nen Zwei­fel dar­an, dass er von ei­nem ge­fähr­li­chen Mons­trum spricht. Doch ge­meint ist nicht etwa der At­ten­tä­ter von Las Ve­gas. Nein, die Rede ist vom am­tie­ren­den Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten.
Do­des' Ex­per­ti­se ist Teil ei­nes Buchs, in dem 27 Fach­leu­te – teils sehr nam­haf­te Psych­ia­ter und Psy­cho­lo­gen – ihr Ur­teil über Do­nald Trump ab­ge­ben(*). Der Band ist aus ei­ner Kon­fe­renz her­vor­ge­gan­gen, die un­ter dem Mot­to „Duty to Warn“ (Pflicht zu war­nen) an der Uni Yale statt­fand.
Ent­stan­den ist ein un­heim­li­ches See­len­pan­ora­ma. Trump wer­den ein „hy­per­ma­ni­sches Tem­pe­ra­ment“, eine „wahn­haf­te Los­lö­sung von der Wirk­lich­keit“ und „pa­ra­no­ide Hy­per­emp­find­lich­keit“ at­tes­tiert. Die Au­to­ren un­ter­stel­len ihm nicht nur „Ge­dan­ken­lo­sig­keit“, „Leicht­sinn“ und „Selbst­ver­herr­li­chung“, son­dern auch „Frau­en­hass“, „Bos­haf­tig­keit“ und „Be­wun­de­rung für Ge­walt­herr­scher“. So­gar vor Ver­glei­chen mit Adolf Hit­ler schre­cken die Fach­leu­te nicht zu­rück.
Den Le­ser hin­ter­lässt das Buch fas­sungs­los: Wird das mäch­tigs­te Land der Welt wirk­lich von ei­nem Ver­rück­ten re­giert? Ei­nem Grö­ßen­wahn­sin­ni­gen, der nicht recht weiß, was er tut? [….]
(DER SPIEGEL, 21.10.2017, s.112)

Die Diagnosen decken sich zum Teil mit denen, die ich letzte Woche zusammentrug. (…..)

In letzten Tagen orakelte Trump erneut davon, daß Obama nicht in den USA geboren wäre und stellte allen Ernstes in Frage, ob das Access-Hollywood-Video, in dem Trump mit Pussygrabbing prahlt, echt wäre.
Dabei hatte er bereits bestätigt das so gesagt zu haben, sich entschuldigt.
Sogar seine Frau ließ sich ausführlich dazu interviewen und bezweifelte keine Sekunde die Echtheit des Bandes.
Nun spinnt er sich wieder seine eigene Realität zusammen. Lügt für die ganze Welt offensichtlich.

[….] As president and as a candidate, Donald Trump has pushed the boundaries of truth and accuracy in American politics far beyond the breaking point.
But even by his own standards as head of an administration that proclaims its own “alternative facts”, reports that the president has begun to raise questions about the authenticity of his notorious 2005 Access Hollywood tape represent an extraordinary development. [….]

Es stellt sich nun die Frage wieso es im engsten Umfeld Trumps bei so offensichtlichen Wahnsinn keinerlei Anstalten gibt, diesen gefährlichen Irren wegzusperren.

Anders als Nero, Caligula, Peter III, Kaiser von Russland; Paul I, Kaiser von Russland; Nebukadnezar, König von Babylonien; Saul, König von Israel; Ludwig II, König von Bayern oder Johanna, der Wahnsinnigen von Kastilien, ist Trump kein durch und durch Wahnsinniger, der für jeden, jederzeit offensichtlich gaga ist.

Er balanciert auf der Grenze zum Wahnsinn, auf der „Borderline“, wirkt zwischendurch für sein enges Umfeld auch mal normal oder steuerbar.

“The worst possible case for America to have somebody who is not grossly psychotic—which everyone would know and throw them out—but close enough with a veneer to get by,” [Psychologieprofessor] Dodes said. “That’s Donald Trump.”

Darin liegt die eigentliche Gefahr. Denn einen Vollzeitirren könnte man viel einfacher absetzen. Für Profis ist Trump leicht als gefährlicher Irrer zu erkennen. Laien lassen sich blenden.


[….]  Following a series of reports that indicate Donald Trump is living “in his own reality,” psychiatrist Dr. Lance Dodes on Wednesday warned the president is exhibiting signs of psychosis, calling him an “extremely incapable, disordered, sick individual.” [….] “When he goes back and denies reality, people have trouble understanding that,” Dodes said. “The simple explanation for it which people don’t want to hear, he is not in control of himself. This is what we say when somebody is becoming psychotic or briefly psychotic. So all of his delusional ideas come up when he is stressed in some way and then he loses track of reality because it doesn’t fit what he needs to believe.”
Dodes noted what’s problematic is that people believe it’s easy to differentiate psychotic people and healthy individuals. Unfortunately the world is more complicated, and people like Donald Trump are on the border and they slip into delusional thinking when stressed,” he explained.
Dodes called Trump’s deteriorating mental state “an extremely dangerous thing for anybody, especially somebody who has been so wantonly unconcerned about the welfare of others and willing to do anything to promote himself.”
“He is an enormous present danger to us from the standpoint of creating a nuclear war and even from the standpoint of doing what he can to destroy democracy as well as attacking ethnic groups the way he has done,” Dodes warned. [….] Dodes argued Congress and Trump’s supporters are “kidding themselves” if they “think this is not an extremely incapable, disordered, sick individual.” [….]

Donnerstag, 30. November 2017

Vieles spricht für Forsa



Die 1984 in Berlin von Manfred Güllner gegründete „Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH“ ist eins der fünf großen Demoskopie-Institute in Deutschland.
Mit seinen gut 60 Festangestellten beliefert Güllner insbesondere den Bertelsmann-Konzern, der frische Forsa-Zahlen wöchentlich bei seinen Ablegern STERN und RTL verbreitet.

Forsa-Zahlen erscheinen also sehr oft – insbesondere im Vergleich zum konservativen Dino der Branche, Allensbach.
STERN und RTL sind jedem bekannt und bei Wahlen stellt sich immer wieder heraus, daß Güllners Daten tatsächlich innerhalb der ausgewiesenen Fehlergrenzen korrekt sind.



 
Forsa liefert eine Menge Zahlen; sie erscheinen u.a. auch wöchentlich in der „Berliner Zeitung“, so daß man oft Passende findet, um seine eigene parteipolitische Interpretation zu untermauern.

CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke, Piraten. AfD

Zweifelt jemand die Zahlen an, lässt abfällig den „Umfragen sind keine Wahlergebnisse!“-Spruch fallen, kann man auf die Treffsicherheit Güllners verweisen.
Passen einem seine Zahlen nicht, weil die eigenen konservativen Parteien zu schlecht sind, betont man abschätzig die SPD-Mitgliedschaft des Forsa-Chefs. So einer müsse ja CDU und FDP schlecht aussehen lassen.
Sehen die SPD-Zahlen zu niedrig aus, argumentiert man hingegen, Güllner sei ein alter Schröder-Freund und mit der heutigen SPD-Führung bekanntermaßen zerstritten.

In Bayern misst Forsa nur alle ein, zwei Monate die politische Landtagsstimmung. Die CSU stören die Zahlen aus Berlin ganz erheblich.
Nach dem Motto „Traue keiner Umfrage, die du nicht selbst gefälscht hast“ werfen Scheuer, Söder und Co in dem Fall selbstverständlich die SPD-Mitgliedschaft Güllners auf den Markt.
So geht es ja nicht, daß Sozen sich zu bayerischen Belangen äußern. Das sei „stümperhaft und unprofessionell“.
Horst Seehofer hält sich ein eigenes Demoskopie-Institut, welches oft direkt für seine Staatskanzlei arbeitet und die CSU in rosigerem Licht darstellt.

(….)  Dieser Manfred Güllner, immerhin SPD-Mitglied, wird an der SPD-Basis gehasst, weil seine FORSA-Prognosen immer besonders schlechte Sozi-Werte zeigen.
OK, bei den letzten drei Bundestagswahlen lag er zwar näher an den realen Ergebnissen, aber was schert uns die schnöde Realität, wenn sie sich nicht der eigenen Sicht anpasst.

Jetzt geht Forsa allerdings zu weit und wagt sich an Landtagswahlumfragen in Bayern, die nicht die CSU-Lesart stützen, nach der Seehofer dort wegen seines scharfen Antiflüchtlingskurses die absolute Mehrheit halte und die AfD diminuiere.
Stattdessen melden Güllners Leute 40% für die CSU! (SPD 16%, Grüne 14%, AfD 10%)

Herrgottsakrakruzitürken, es kann doch nicht sein, was nicht sein darf.

Die CSU-Spitze reagierte verärgert und attackierte anschließend den Meinungsforscher: "Bei allen seriösen Umfrageinstituten liegt die CSU seit vielen Monaten und auch zeitgleich stabil um 48 Prozent", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer auf Anfrage. Güllner mache mit Forsa keine Umfragen, sondern Stimmung. "Sowas überhaupt zu veröffentlichen, ist stümperhaft und unprofessionell."
CSU-Chef Horst Seehofer sagte, er nehme die Umfrage nicht ernst. "Politische Kundgebungen von Herrn Güllner sehe ich immer sehr gelassen."

Verdammter Güllner.
Eigentlich macht fast nur die GMS Umfragen in Bayern und die ergeben in den letzten Monaten stets 48% für die CSU.
Die GMS - Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung – ist in den Augen Seehofers viel seriöser.

Wenn die CSU eine Umfrage braucht, dann steht GMS bereit. […]
Wer wissen will, wie der Bayer so tickt, der findet in Helmut Jung vom Hamburger Meinungsforschungsinstitut GMS einen Kenner. […] In der Affäre um CSU-orientierte Meinungsumfragen der bayerischen Staatskanzlei, für die der Steuerzahler aufkommt, nimmt Jungs Meinungsforschungsinstitut eine Schlüsselrolle ein. Bei GMS sind jene umstrittenen 108.000 Euro teuren Studien in Auftrag gegeben worden, die Anleitungen enthalten, wie die CSU den politischen Gegner kleinhalten kann. Im Umgang mit dem Koalitionspartner FDP rät die Studie aus dem Jahr 2008 sogar dazu, den Konflikt zu suchen.
Regierungs- und Parteichef Horst Seehofer findet daran nichts Verwerfliches. […] Die Frage, ob es sein könne, dass ein Meinungsforscher ohne Auftrag politische Analysen liefert, führt tief ins Innenleben von Partei- und Regierungsarbeit - und schließlich zu der Erkenntnis, dass die CSU das lange Zeit sowieso als Einheit betrachtet hat. Und Jung hat davon in besonderer Weise profitiert.
Sowohl die CSU, die parteinahe Hanns-Seidel-Stiftung als auch die Staatskanzlei haben nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung über viele Jahre hinweg regelmäßig bei Jung Expertisen in Auftrag gegeben. In der Partei gilt er als "Haus- und Hof-Demoskop der CSU", berichtet einer aus der Führungsspitze, der ihn vor etwa 20 Jahren kennengelernt hat. Ein Sprecher der Staatskanzlei gibt an, dass die Regierungszentrale seit 1997 mit dem Meinungsforscher zusammenarbeitet. […]

Die Forsa-Zahlen können gar nicht stimmen, denn nur die absolute CSU-Mehrheit in Bayern gilt Seehofers Jungs als schlagkräftiges Argument gegen die CDU in der Flüchtlingsfrage.
Und wieso sollten die bayerischen Wähler auch nicht die grandiosen CSU-Politiker mit einer absoluten Mehrheit ausstatten? (….)

Nachdem sich Söder und Seehofer aber auch offener Bühne bekriegen, der CSU-Chef in eine zweijährige Pöbelorgie mit der CDU-Chefin verstrickt war, passierte allerdings bei der Bundestagswahl Ungeheuerliches.
Es brachen echte CSU-Zahlen über die Staatspartei herein, die man nicht auf „stümperhafte und unprofessionelle“ SPD-Institutsleiter schieben konnte.

(…..) In Westdeutschland erzielte die AfD ihren größten Zugewinn in Bayern.
Die AfD gewann in Bayern seit 2014 ungeheuerliche 632.594 Wählerstimmen hinzu und holte mit 12,4% ihr bestes Ergebnis aller westdeutschen Bundesländer. Den größten Absturz gab es im Wahlkreis Ingolstadt, der Heimat Seehofers, mit Einbußen von 13,9 Prozentpunkten.
Wenn das in dem Bundesland passiert, dessen Regierungschef sich so brutal und unversöhnlich wie niemand anders gegen Merkels Flüchtlingspolitik stellte, bestätigt das die simple Regel „man wählt lieber das Original“. (….)

Dobrindt und Scheuer backen nun kleinere Brötchen, trauen sich nicht mehr mit stolzgeschwellter Brust auf FORSA einzuprügeln.
Möglicherweise haben sie dazu auch keine Zeit, weil der Crazy-Horst-Nachfolgestreit voll entbrannt ist.

[….] Herrmann oder Söder? Die CSU erwartet auf jeden Fall eine Katastrophe
Denn egal wer den Zweikampf gewinnt, von der absoluten Mehrheit im Landtag kann sich die Partei so gut wie sicher verabschieden. Welche Szenarien jetzt denkbar sind. [….]

Forsa misst die CSU jetzt in der Landtagswahl-Sonntagsfrage mit 38%.
Eine Katastrophe.
Insbesondere, da die beiden knochenkonservativen CSU-freundlichen Institute INSA und GMS noch unfreundlicher sind.


Wie redet sich Scheuer diesmal raus?

Mittwoch, 29. November 2017

Triple down



Das muss man erst mal schaffen. Während Trump eine gerade mal ein-minütige Ansprache hält, um die Navajo-Ureinwohner zu ehren, schafft er es, sie ordentlich rassistisch zu beleidigen.
Die sogenannten Code Talker waren im zweiten Weltkrieg ungeheuer wichtig für die USA, weil sie für die Deutschen unentschlüsselbar codieren konnten.
Der fünffache Kriegsdienstverweigerer Trump schaffte es sich so unfassbar peinlich zu benehmen, daß man sich auf der ganzen Welt für ihn mitschämte.
Dabei kennt man ihn so, als ewigen Rassisten und Nazi-Bejubler.


Dieser unfassbare Prolet ist durch und durch abartig; vollkommen unfähig sich auch nur für Minuten mal anständig zu benehmen.

Trump hasst alles, das nicht weiß, alt und reich ist wie er. Er ist zutiefst intolerant und menschenfeindlich.
Immigranten werden von ihm bestenfalls ausgebeutet.

[…..]  President Donald Trump hired hundreds of undocumented Polish immigrants to demolish a New York City building in 1980 and paid them as little as $4 an hour without providing proper safety equipment to do the job, court documents show. [….]

[…..] Trump Is Selling New Merchandise Made in China and Bangladesh
The Trump Organization is at it again, making a buck off the president’s name and buying from overseas. […..] The Trump Organization launched Trumpstore.com and sells a $32 Trump Golf hat made in Bangladesh and a $25 faux gold bouillion “TRUMP” coin bank made in China. […..] Trump was criticized during the presidential campaign for bashing Mexico and China for “stealing” U.S. jobs even though his ties were made in Mexico and he applied for trademarks in China.
[…..] Aside from hypocrisy, Trump has faced criticism for his foreign-business deals for another reason: the Constitution’s “emoluments clause.”
The Constitution forbids presidents from profiting off of deals made with representatives of foreign governments.  [….]

Unablässiges Beleidigen, sagenhafte Heuchelei, das kennen wir von Trump.
Immer klarer werden aber auch sein echter Rassismus und seine Begeisterung für Nazis.

[….]  US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht zu Mittwoch über sein Twitter-Konto drei antimuslimische Videos verbreitet, die eine britische Rechtsextremistin zuvor ins Internet gestellt hatte. Die Videos zeigen unter anderem einen bärtigen Mann in einem langen Gewand, der eine Marienstatue zertrümmert, sowie einen dunkelhaarigen Teenager, der einen blonden, auf eine Krücke gestützten Jungen verprügelt. […..] Die Videos waren ursprünglich von der Britin Jayda Fransen über Twitter verbreitet worden. Fransen ist Vizevorsitzende der rechtsextremen, scharf antimuslimischen Partei Britain First, die behauptet, christliche Werte verteidigen und Großbritannien vor der Islamisierung bewahren zu wollen. […..] In der Nacht zu Mittwoch wurden die drei Videos über das Twitter-Konto des Präsidenten der Vereinigten Staaten weiterverschickt. Während Fransen nur eine magere Twitter-Gefolgschaft von etwa 15 000 Menschen hat, folgen Trumps Tweets mehr als 43 Millionen Menschen. Die Reichweite der antimuslimischen Videos hat sich durch Trump daher über Nacht exorbitant vervielfacht. […..]

Während die rechten Amerikaner weiterhin begeistert den Mann unterstützen, der für Pädophile wirbt und mutmaßlich selbst Dutzende Frauen sexuell attackiert hat, sind seine treuesten Freunde außerhalb der USA langsam genervt.

Sogar Frau May, die Trump in Washington noch das Händchen hielt, läuft grünlich an.

[….]  "Ich hoffe, dass unsere Regierung die rechtextremen Retweets von Trump verurteilt", schrieb Labour-Chef Jeremy Corbyn auf Twitter. Sie seien "abscheulich, gefährlich und eine Bedrohung für unsere Gesellschaft".   Die Reaktion der Regierung von Premierministerin Theresa May folgte wenig später: Es sei falsch gewesen, was Trump getan habe, sagte ein Sprecher. […..] Ähnlich wie Corbyn äußerte sich auch der Labour-Abgeordnete David Lammy. Trump fördere eine "faschistische, rassistische und extremistische Hass-Gruppe". Trump sei "weder ein Verbündeter noch ein Freund".[…..]