Sonntag, 10. Mai 2015

Zurück in die Vergangenheit.



Als am 31.Januar dieses Jahres Richard von Weizsäcker starb, überboten sich alle mit Huldigungen.
Der beste Bundespräsident, den wir je hatten.
Und überhaupt hätten wir in Deutschland ja immer so ein Glück mit den Bundespräsidenten gehabt.
Naja. Ich würde an erster Stelle von der Bedeutung her immer Gustav Heinemann (1. Juli 1969 bis 30. Juni 1974) nennen, der erstmalig mit dem patriarchalischen Obrigkeitsverständnis des Amtes brach und auf die Frage, ob er Deutschland liebe, antwortete, er liebe seine Frau.
Der sympathischste Bundespräsident war für mich Jens Böhrnsen, der vom  31. Mai 2010 bis zum 30. Juni 2010 amtierte und außer Heinemann der einzige völlig unprätentiöse Präsident gewesen sein dürfte.
Was war das für eine Wohltat nach dem völlig überforderten Köhler, der stets wie ein Pennäler mit dem Teleprompter kämpfte und geradezu besessen davon war Ehrungen und Respekt einzufordern.
Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes flohen zu Dutzenden aus seinen Diensten, weil Köhler immer wieder cholerische Anfälle bekam, wenn man sich ihm gegenüber seiner Ansicht nach nicht unterwürfig genug verhalten hatte.
Hierin ähnelte Köhler durchaus Gauck, dem nur eine Sache in der Welt wirklich wichtig ist: Das Gauck-sein an sich.
Böhrnsen hingegen kommt aus einer im besten Sinne hanseatisch bürgerlichen Prägung. Man soll sich selbst nicht wichtig nehmen und dem Land dienen.
Die Wahl des neuen Präsidenten Wulff am 30.06.2010 wurde zum Desaster für Merkel. Trotz riesiger Mehrheit schaffte sie es in zwei Wahlgängen nicht genügend konservative Stimmen zusammen zu bekommen. Selbst Unionisten und Westerwellelisten schienen irgendwie zu ahnen was für ein fürchterlich schlechter Bundespräsident Christian „Hastemal’nEuro?“ Wulff mit seiner Raffgiera an der Seite werden würde.
Bis zum Abend hoffte ich Schwarzgelb würde sich endgültig zerlegen und sich darauf besinnen, daß Böhrnsen den Job PERFEKT erledigt hatte.
Leider hoffte ich vergeblich und im Schloß Bellevue kam es entsprechend peinlich die nächsten Jahre.

Böhrnsen konzentrierte sich wieder auf sein Amt als Bremer Bürgermeister und stellte sich nach der Zweidrittelmehrheit für Rot-Grün bei der Bürgerschaftswahl von 2011 heute erneut dem Wähler.

Über die Bremische Wahl kann ich schlecht berichten, da ich sehr voreingenommen bin. Mehrfach:

-      Böhrnsen ist einer meiner gegenwärtigen Lieblingspolitiker
-      Bremen ist eine meiner Lieblingsstädte. Wenn ich Hamburg nicht hätte und mich noch mal irgendwo in Deutschland niederlassen sollte, wäre das in Bremen.
-      Und die ultrareligiöse evangelische Fundamentalistin Elisabeth Motschmann ist seit 30 Jahren eine der Personen, die ich am allermeisten hasse.

Die Bremische CDU-Spitzenkandidatin kenne ich noch aus der Prä-Wendezeit, als Lea Rosh ihre legendären monothematischen „Freitagsnacht“-Talkshows zum Thema Kirche machte.
Da lernte man drei Menschen wirklich kräftig zu hassen: Den stets bis zum Bersten vollgefressenen, immer breitbeinig im Sessel rumlümmelnden Weibischof Krenn, die ZdK-Aktivistin Rita Waschbüsch (CDU) und eben jene evangelische Fundamentalistin Elisabeth Motschmann, geborene Elisabeth Charlotte Baronesse von Düsterlohe.
Die Theologin ist Mitglied des Kuratoriums der Lebensrechtsbewegung „Stiftung Ja zum Leben“ und agitiert leidenschaftlich gegen sexuelle Selbstbestimmung, Feminismus und selbstverständlich auch die Homoehe.

Wer sich schon in einem ähnlich greisen Alter wie ich befindet, wird sich vermutlich an die ersten monothematischen Talkshows erinnern, die es in den deutschen dritten Fernsehprogrammen gab.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.

Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.

Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.

Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:

„Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"

Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.

Die Pfarrersfrau war damals eine omnimedienpräsente Stahlhelm-Konservative, die von der Sorge getrieben wurde, daß die CDU nach links abdriften könne, wenn radikale Kommunistinnen wie Rita Süßmuth Einfluß bekämen.

1991 schrieb sie:

Darum ist es notwendig, daß den „Reformern“ der CDU aus den eigenen Reihen widersprochen wird.

Daß die Bundestagspräsidentin auch noch Bedenken gegen die Verschärfung des Asylrechtes formulierte, brachte Motschmann zur Weißglut - man solle lieber auf die rechtsradikalen potentiellen Wähler der CDU Rücksicht nehmen und der Xenophobie frönen:

Man kann sich über die Basisferne beider Politiker [ S. und Ulf Fink - T.] nur wundern. Der Asylmißbrauch und die hohe Beteiligung von Ausländern an der (Drogen)Kriminalität haben zu einem besorgniserregenden Ausländerhaß geführt. Hinzu kommt das wachsende Mißtrauen und die Angst der sozial Schwachen, daß ihnen durch die zunehmende Zahl von Asylanten und Asylbewerbern etwas genommen werden könnte.

Ausländerhass ist laut der christlichen Elisabeth am sinnvollsten zu bekämpfen, indem man die Ausländer loswird:

Wer hingegen dafür eintritt, daß weiterhin Tor und Tür der Bundesrepublik offen stehen, auch für Asylbewerber aus Ländern, in denen es keine politische, rassische und religiöse Verfolgung (mehr) gibt, fördert - ob er es wahrhaben will oder nicht - den Ausländerhaß, der sich nicht nur gegen Asylanten oder Asylbewerber, sondern schließlich gegen alle Ausländer richtet. Wie dies mit der „christlichen Gesellschaftslehre“ in Einklang zu bringen ist, wird der engagierte Sozialpolitiker Fink ebenso erklären müssen wie Rita Süssmuth.

Vollends das Motschmannsche Faß zum Überlaufen brachte die damalige Bundestagspräsidentin Süßmuth mit ihren Andeutungen Homosexuelle tolerieren zu wollen - Pfui bäh, wie konnte sie nur:

Rita Süssmuth hat einen weiteren Diskussionsgegenstand auf die politische Tagesordnung der Sommerpause gesetzt: die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Die Bundestagspräsidentin sagt zwar: „Eine Eheschließung wie zwischen Mann und Frau kann es für homosexuelle Paare nicht geben.“ Gleichzeitig fordert sie: „Wenn ein gleichgeschlechtliches Paar ein Leben lang füreinander sorgt, dann muß der Staat dies zum Beispiel im Hinterbliebenenrecht, bei der Rente und auch bei der Besteuerung berücksichtigen.“

Unerhört! Selbst unter Pfarrern gibt es diese linkssektiererischen Abweichler - Motschmann goes crazy:

Das bedeutet eine endgültige Absage an den „besonderen“ Schutz von Ehe und Familie. Das bedeutet außerdem eine Abkehr von der christlichen Ethik. Auch wenn einzelne evangelische Pfarrer bereits homosexuelle Paare „trauen“ oder segnen, so entbehren diese spektakulären und medienwirksamen Amtshandlungen jeder biblischen Grundlage.

Es war mir immer eine Freude die CDU-rechts-außen Frau öffentlich reden zu hören; mit ihren hetzerischen und demagogischen Betonansichten, entblößte und entblödete sich die Alttestamentarische auf vorbildliche Weise.

Als ich das erste mal hörte, sie trete als (aussichtslose) CDU-Spitzenkandidatin an, mußte ich als erstes ihr Geburtsdatum googlen.
Die sechsfache Großmutter wähnte ich weit jenseits der 80 und fragte mich wieso sie sich in ihrem Alter noch so einen Wahlkampf antut.
Tatsächlich ist Motschmann wie viele dieser verkniffenen Frigiditätsaktivistinnen nur früh gealtert und bringt es gerade mal auf 62 Jahre.
Es ist ihr Denken, das sie 100 Jahre älter als den geistig frischen Helmut Schmidt (bald 97) wirken lässt.

In Bremen schien bis heute Abend alles klar zu sein.
Jens Böhrnsen ist mit Abstand der beliebteste und anerkannteste Politiker Bremens.
Im direkten Vergleich zu Fundi-Motschmann führt er haushoch.






Offenbar dachten das auch die meisten Bremer und goutierten dies, indem sie gar nicht zur Wahl gingen.
Die Deppen.


Nach gegenwärtigem Auszählungsstand hat es die rechtspopulistische Chaos-Partei AfD tatsächlich mit genau 5,0% in die Bremische Bürgerschaft geschafft.
Dafür kann man den 50% Nichtwählern danken.
Ihr erbärmlichen faulen Säcke habt gleich zwei stramm rechten Parteien den Einzug ins Landesparlament ermöglicht.

Die FDP hat erneut nach Hamburger „Arsch und Titten“-Rezept eine möglichst FDP-ferne und politikfreie Kandidatin aufgestellt, die es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, sich dafür aber auf Postern gut macht.
Lencke Steiner als 29-Jähriger Silvana Koch-Mehrin-Klon blies sich ein bißchen sehr mit fremden Federn auf.

Wie in Hamburg geben auch in Bremen FDP-Wähler unumwunden zu die Partei nicht wegen ihres Programms, sondern wegen der sexy Kandidatin gewählt zu haben. Immerhin 3,2 % der Wahlberechtigten kreuzten Blondi an.
Bei 50% Nichtwählern reicht das, um locker über die 5%-Hürde zu hopsen.

Immerhin, derzeit sieht es so aus, als ob Rotgrün mit 42 von 83 Sitzen eine denkbar knappe absolute Mehrheit erreicht hat. Bei einem Sieben-Parteienparlament ist das so schlecht nicht.

Glückwunsch an die Linke, die ihrer guten Arbeit in den letzten vier Jahren nun volle 10% zu verdanken hat.


Samstag, 9. Mai 2015

Das Gute an den Schlechten – Teil II


Der arme Tobias Haberl!
Da hat er so einen schönen Job als Edelfeder beim renommierten SZ-Magazin und dann muß er fast ein Jahr lang NPD-Ex-Chef Udo Voigt in Brüssel und Straßburg begleiten.
Den Altnazi, der Hitler bewundert und konsequent von „Weltnetz“ und „Gesichtsbuch“ statt Internet und Facebook spricht.
Aber so unangenehm Haberls Job auch gewesen sein muß, so ein Glück ist es für die Deutschen, daß bei zunehmenden Flüchtlingszahlen und zunehmender rechtsradikaler Gewalt gegen alle Minderheiten und insbesondere Flüchtlingsunterkünfte die Spitzen der rechtsextremen Parteien AfD und NPD allesamt so sympathisch wie Fußpilz sind.
Die Nachrichten bieten der NPD Steilvorlage um Steilvorlage und sie krebst bei Nullkommairgendwas Prozent rum, sitzt nur noch im Schweriner Landtag.
Nicht auszudenken, wenn wir einen charismatischen Rattenfänger-Typen wie Haider in Deutschland hätten.

Eins ist  aber an den deutschen Rechten tatsächlich besser, als an ihren Neo-Nazi-Freunden aus anderen Ländern:
Sie sind noch doofer.
Sie sind sogar so dermaßen unterbelichtet, daß sie kaum jemals in ein Landesparlament gewählt werden und dann eine volle Legislaturperiode durchhalten, ohne sich selbst aufzulösen.
Sie sind von der alltäglichen politischen Arbeit intellektuell hoffnungslos überfordert und beginnen dann aus Frust sich gegenseitig zu hassen.
Sie sind, einmal im Parlament angekommen, eigentlich nur noch Futter für die Satiresendungen.
Sie sind ein ewiger Quell der Belustigung, da man zwar ahnt wie geistig unterbelichtet Rechtsradikale sind, aber die Realität übertrifft die Erwartungen immer wieder.
[…………….]
Was die NPD in den Parlamenten Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsens waren, spielen jetzt die braunen Ost-AfD-Fraktionen nach.
Schon am Abend der Thüringer Landtagswahl hatte der völkisch-rechtsextreme AfD-Chef Björn Höcke mit seinem schrillen Tonfall offensichtlich Hitlers Redestil imitiert.
Inzwischen sind weite Teile der Ost-AfD so weit in den braunen Sumpf abgedriftet, daß die westlichen alten Herren Henkel und Lucke, die schon selbst stramm rechts denken, sich kontinuierlich distanzieren müssen.
Die Partei löst sich auf.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie das Schicksal der Piraten-Polit-Pappnasen teilen werden.

In Hamburg vollführt die erste westdeutsche AfD-Fraktion die morialogische Wende in Perfektion.
Zuerst bewiesen sie ihre völlige Konzeptionslosigkeit, Unfähigkeit und Faulheit:

Acht Abgeordnete um ihren Chef Jörn Kruse sitzen für die AfD seit Wochen in der Hamburger Bürgerschaft. Seitdem sie im Parlament mitreden dürfen, schweigen sie eisern und machen durch komplette Arbeitsverweigerung auf sich aufmerksam. Zu den Koalitionsverhandlungen, der neuen Regierung, den Plänen für diese Legislatur gibt es nicht nur keine Stellungnahme im Parlament, sondern überhaupt keine Kommentare der acht stummen AfD-Strohpuppen.
Während die CDU allein bei der letzten Bürgerschaftssitzung zehn Anfragen an den Senat stellte, tat die gesamte AfD rein gar nichts. Keine Wortmeldungen, keine Anfragen, keine Kommentare.
Journalisten von der Morgenpost haben sich bemüht die AfD-Parlamentarier zu erreichen, um wenigstens irgendetwas von ihren zu hören, wenn sie schon von allein nichts sagen wollen.
Aber kein Telefon ist besetzt. Es gibt nur Mailbox-Texte: „Zur Zeit ist niemand erreichbar!“

Das ist ein gutes Zeichen. Wenn man sich schon damit abfindet, daß rechtes Pack immer wieder in Landesparlamenten landet, ist es schön zu wissen, daß sie dort wenigstens rein gar nichts bewirken und ihre Ideologie vollständig verpufft.

[….]  Die Hamburger AfD ist – kaum ins Parlament gewählt – wie vom Erdboden verschluckt.
[….]  Kein Lebenszeichen hat die neue Fraktion bislang von sich gegeben, keine Anfragen, keine Initiativen, keine Pressemitteilungen. Bezüge, Gehälter und Zuschüsse werden dagegen gerne kassiert.
Markige Sprüche, aber nichts dahinter: Erstaunlich, wie schnell die Rechtspopulisten sich selbst entlarven – und beweisen, dass sie in unserem Parlament schlicht überflüssig sind.

Inzwischen wurde Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz mit mehreren Oppositionsstimmen gewählt.
Es folgte eine generelle Aussprache, bei der CDU, FDP und Linke sich ordentlich aufplusterten.
Die AfD nicht. Sie schwänzte die komplette Bürgermeisterwahl.
Entweder alle acht Abgeordneten der AfD waren zufällig an dem Tag krank, oder aber sie haben sich auf dem Weg in die Bürgerschaft verlaufen.
Auch das ist angesichts der zweistelligen Intelligenzquotienten der braunen Trottel durchaus denkbar.
Vielen Dank an die AfD-Wähler, daß solche Polit-Simulanten nun vom Steuerzahler alimentiert werden.

Schneller als erwartet, setzten nun bei der Hanseaten-AfD nach der Konzeptionslosigkeits-, Unfähigkeits- und Faulheitsphase bereits Phase IV und V ein:
Dekonstruktion und Lyse.

Dirk Nockemann, der braune Bewunderer des SAT1-Penisschwenkers Schill, pumpte sich erfolgreich zum Anus des Parlaments auf.

[…] Er stichelt gern, wird bei seinen Reden in der Bürgerschaft zur Mäßigung ermahnt: Dirk Nockemann, Ex-Schillianer und stellvertretender Fraktions-Chef der Hamburger AfD. Wenn er im Rathaus ans Pult tritt, rollen viele Abgeordnete mit den Augen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Nockemann nun schon zum zweiten Mal mit seiner Kandidatur für die Härtefallkommission gescheitert ist.
[…] Dass ausgerechnet der rechtskonservative Hardliner Nockemann Mitglied dieses Gremiums werden will, scheint dem Großteil der Bürgerschaftsabgeordneten Bauschmerzen zu bereiten: Gerade einmal elf Stimmen konnte der Ex-Schillianer für sich gewinnen – von 109!
Auch unabhängig von der wiederholten Wahlniederlage ist der 57-Jährige wohl schon jetzt der unbeliebteste Redner im Rathaus. […] Gleichzeitig verschwindet Parteichef Jörn Kruse immer mehr im Schatten des Ex-Schillianers. […] Für ein Gespräch war Nockemann gestern nicht erreichbar. Und auch bei der AfD-Pressestelle ist niemand ans Telefon gegangen. Wie üblich.

Die AfD-Erbsenhirne machen sich aber nicht nur bei allen anderen Parteien unbeliebt, sondern sie hassen sich bereits auch gegenseitig wie die Pest.

AfD-Chef Kruse und sein Vize Nockemann grüßen sich nicht mehr und gehen mit ihrem Zwist den bei Braunen üblichen unprofessionellen Weg:
Sie fahren die Fraktion an die Wand, legen es auf eine Spaltung an, statt zu Gunsten „der Sache“ persönliche Streitigkeiten zu überwinden.

[…] Knapp drei Monate nach der Bürgerschaftswahl ist das Verhältnis der beiden bekanntesten Hamburger AfD-Politiker vermutlich irreparabel beschädigt. Die beiden grüßen sich kaum noch und beschränken ihre Kommunikation auch sonst auf das Allernotwendigste – gelegentliche wechselseitige Tiraden per E-Mail eingeschlossen. […] Heute wirft Kruse Nockemann vor, sich im Wahlkampf kaum engagiert zu haben. Und umgekehrt ist Kruse aus der Sicht des Ex-Schillianers im Grunde ungeeignet, die Fraktion zu führen. […]
Mit einem Antrag, einer Großen Anfrage an den Senat und fünf Kleinen Anfragen können die AfD-Abgeordneten keinen Fleißpreis gewinnen.
Schon machen Gerüchte die Runde, dass sich die Fraktion spalten könnte. Mal wird Nockemann unterstellt, er könnte sich mit seinen Getreuen absetzen. Dann heißt es, es gebe Pläne auf der Kruse-Seite, die anderen rauszuwerfen. Dem Nockemann-Lager wird der Arzt Ludwig Flocken zugerechnet, der die Pegida-Demonstrationen unterstützt und die nationalkonservative Erfurter Resolution ("gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands") von AfD-Mitgliedern unterzeichnet hat.
Auch Rechtsanwalt Alexander Wolf, "Alter Herr" der rechten Burschenschaft "Danubia" und Ex-Republikaner, soll dazu gehören. […] Eine Spaltung der kleinsten Fraktion wäre gleichbedeutend mit dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit. […]

Nockemann, Gauland und Höcke (der kackbraune Thüringer AfD-Chef, den Bundeschef Lucke gerade zum Parteiaustritt aufforderte) sind für die AfD das, was Mixa, Tebartz-van-Elst und Müller für die RKK sind: Garanten des Misserfolgs!

Freitag, 8. Mai 2015

Nach Merkel die Sintflut.



Bei Merkels ureigener Affäre, die sich um die ungeheuerlich schludrigen Zustände in ihrem Kanzleramt dreht, verfällt sie sofort in ihr Erfolgsmuster:
Sie stiehlt sich davon, tut so, als ob sie überhaupt nichts mit der Regierung zu tun habe und gibt lediglich völlig inhaltslose Satzhülsen von sich.
Das muss man ihr lassen: Sie hat das Phrasendreschen zur Perfektion gebracht.


Man kann es ihr noch nicht mal richtig übel nehmen. Denn immerhin ist diese Methode machtpolitisch extrem erfolgreich. Für politisch Interessierte ist der Merkel-Stil ungefähr so befriedigend wie ein schlimmer Niesreiz ohne Niesen, aber da sich die Kanzlerin selbst nicht die Bohne für Politik zu interessieren scheint, kann ihr das egal sein.
Einen Vorwurf kann man nur dem deutschen Urnenpöbel machen, der sich bereitwillig von diesem Nonsens einlullen lässt und Merkel manisch immer wieder wählt.

Merkel erinnert an die sich ausbreitenden Flächen des „Nichts“, die in Michael Endes „Phantásien“ alles Umliegende verschlingen.

     Bei uns im Moder-Moor, fuhr das Irrlicht stockend fort, ist etwas geschehen - etwas Unbegreifliches - das heißt, es geschieht eigentlich immer noch - es ist schwer zu beschreiben - es begann damit, daß - also im Osten unseres Landes gibt es einen See - oder vielmehr, es gab ihn - er hieß Brodelbrüh. Und es begann also damit, daß der See Brodelbrüh eines Tages nicht mehr da war - einfach weg, versteht ihr?

      Wollen Sie sagen, erkundigte sich Ückück, er sei ausgetrocknet?

      Nein, versetzte das Irrlicht, dann wäre eben dort jetzt ein ausgetrockneter See. Aber das ist nicht der Fall. Dort, wo der See war, ist jetzt gar nichts mehr - einfach gar nichts, versteht ihr?

      Ein Loch? grunzte der Felsenbeißer.

      Nein, auch kein Loch, - das Irrlicht wirkte zusehends hilfloser - ein Loch ist ja irgendetwas. Aber dort ist nichts.

      Die drei anderen Boten wechselten Blicke miteinander.

      Wie sieht denn das aus - huhu - dieses Nichts? fragte der Nachtalb.

      Das ist es ja gerade, was so schwer zu beschreiben ist, versicherte das Irrlicht unglücklich. Es sieht eigentlich gar nicht aus. Es ist - es ist wie - ach, es gibt kein Wort dafür!

      Es ist, fiel der Winzling ein, als ob man blind wäre, wenn man auf die Stelle schaut, nicht wahr?

      Das Irrlicht starrte ihn mit offenem Mund an.

      Das ist der richtige Ausdruck! rief es. Aber woher - ich meine, wieso - oder kennt ihr auch dieses -?

      Augenblick! knarrte der Felsenbeißer dazwischen. Ist es bei der einen Stelle geblieben, sag?

      Zunächst ja, erklärte das Irrlicht, das heißt, die Stelle wurde nach und nach immer größer. Irgendwie fehlte immer mehr von der Gegend. Die Ur-Unke Umpf, die mit ihrem Volk im Brodelbrüh-See lebte, war dann auch plötzlich einfach weg. Andere Einwohner begannen zu fliehen. Aber nach und nach fing es auch an anderen Stellen im Moder-Moor an. Manchmal war es anfangs nur ganz klein, ein Nichts, so groß wie ein Sumpfhuhn-Ei. Aber diese Stellen machten sich breit. Wenn jemand aus Versehen mit dem Fuß hineintrat, dann war auch der Fuß weg - oder die Hand - oder was eben sonst hineingeraten war. Es tut übrigens nicht weh - nur daß dem Betreffenden dann eben plötzlich ein Stück fehlt. Manche haben sich sogar absichtlich hineinfallen lassen, wenn sie dem Nichts zu nahe gekommen sind. Es übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, die umso stärker wird, je größer die Stelle ist. Niemand von uns konnte sich erklären, was diese schreckliche Sache sein konnte, woher sie kam und was man dagegen tun sollte. Und da es von selbst nicht wieder verschwand, sondern sich immer mehr ausbreitete, wurde schließlich beschlossen, einen Boten zur Kindlichen Kaiserin zu senden, um sie um Rat und Hilfe zu bitten.
(Michael Ende: Die unendliche Geschichte 1979)

Genauso verschlingt Merkel als inhaltliches Nichts ihre Koalitionspartner und insbesondere ihre Vizekanzler.
Niko Fried nannte es in der gestrigen SZ „die Entfremdung“ von allen ihren bisherigen fünf Vizekanzlern.

Kanzlerin Merkel in der BND-Affäre: Schweigen und strahlen
[…]  Und wie es Angela Merkels Art ist, schweigt sie nun öffentlich über Gabriels Verhalten hinweg, getreu der Erfahrung, dass ihr Licht in umso hellerem Glanz erstrahlt, je höher sie über jeglichen Streitereien zu stehen scheint.
[…] Das Verhältnis der Kanzlerin zu ihren Stellvertretern ist der entscheidende Nukleus in allen drei Koalitionen gewesen, die Merkel bislang geführt hat, zumal, wenn die Vizekanzler auch Parteivorsitzende waren. […] Franz Müntefering fühlte sich von Merkel hintergangen, weil sie in der Union Bestrebungen keinen Riegel vorschob, rot-grüne Reformen zurückzudrehen.  Mit Frank-Walter Steinmeier gab es in der Außenpolitik sowieso dauernd Differenzen, vorneweg in der Russland-Politik. An Guido Westerwelle irritierte Merkel alsbald, dass ein politisches Talent wie er nie in ganzer Länge den Schritt vom Oppositions- zum Regierungspolitiker schaffte. Und das Verhältnis zu Philipp Rösler war nicht erschüttert, weil er Joachim Gauck als Bundespräsidenten gegen Merkel durchsetzte, sondern erst als er diesen Triumph zu genüsslich auskostete. […]

Weiter führt der SZ-Kommentator aus, das Aneinanderrasseln mit Gabriel könne für Merkel gefährlicher werden, da der Anlass des Streites diesmal aus dem Nukleus des Kanzleramt komme und daher an ihr kleben bleibe.

Schwer zu beurteilen, aber ich will an dieser Stelle mal einen Blick auf Merkels andere Vizes werfen.
Die Menschen, die ihr als Vize-Vorsitzende der CDU dienten.

2000 hießen Merkels Vizeparteivorsitzende     Volker Rühe, Jürgen Rüttgers, Annette Schavan, Christian Wulff.

2002, 2004: Christoph Böhr, Jürgen Rüttgers, Annette Schavan, Christian Wulff

2006, 2008: Roland Koch, Jürgen Rüttgers, Annette Schavan, Christian Wulff

2010: Volker Bouffier, Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen, Annette Schavan

2012: Volker Bouffier, Julia Klöckner, Ursula von der Leyen, Armin Laschet, Thomas Strobl

Das Polit-Nichts Merkel schrumpft also nicht nur ihre Koalitionspartner bis zur Unkenntlichkeit, sondern saugt auch ihren Parteistellvertretern die Existenz aus.
In den 15 Jahren ihres Vorsitzes sind alle Vizes de facto verschlissen, vergessen oder der Lächerlichkeit preisgegeben worden.

Gegenwärtig dienen der Vorsitzenden fünf Sockenpuppen als Vizes: Volker Bouffier, Julia Klöckner, Armin Laschet, Dr. Ursula von der Leyen und Thomas Strobl.
Bundespolitisches Format hat eindeutig nur von der Leyen und die gewohnheitsmäßige Lügnerin versinkt in gewaltigen Affären.
Die vier anderen sind alles lediglich Landeslichter, von denen auch noch drei Opposition sind und keinerlei Amt in die Waagschale werfen.

Als SPD-Mitglied sehe ich die Sache nüchtern: Sollte Merkel im Jahr 2017 Lust verspüren noch einmal zur Bundestagswahl anzutreten, wird sie auch gewählt werden. Der Urnenpöbel kann gar nicht anders. Das ist pawlowsch antrainiert, sobald ihr Name auf einem Wahlzettel erscheint.

Aber die CDU hat keinen einzigen/ keine einzige Papabile.
Den gesamten CDU-Nachwuchs hat sie systematisch verdorren lassen. Gerade die Jüngeren auf dem Sprung in den Zenit der Macht wurden alle aus der Politik getrieben: Dafür stehen Hildegard Müller und Ecki von Klaeden.

Und nun erscheinen solche Umfragen.


Gysi, seit 25 in der ersten Reihe der Bundespolitik ist jetzt bei den Deutschen beliebter als von der Leyen, de Maizière oder Seehofer.
Gut gemacht, Frau Merkel!
Ihre potentiellen CDU-Kanzlernachfolger allesamt unbeliebter als der Mann, den die CDU seit 25 Jahren als Stasi, SED-PDS oder Kommunisten beschimpft!
Diejenigen, die ihn über zweieinhalb Dekaden vom Konrad-Adenauer-Haus aus verdammten sind alle ins Nichts geplumpst.