Donnerstag, 28. August 2014

Naive Sozis



 I am sorry, aber da immer noch die Zeitungen voll sind mit minder oder noch minderen Stellungnahmen zum Thema „Sterbehilfe“, muß ich noch einmal darauf zurückkommen.
Es ist wirklich immer wieder erstaunlich welchen Unsinn Theologen in ihren Hirnen ausbrüten können und umso erstaunlicher, daß diese Typen ob ihres angeblichen moralischen Expertentums in Kommissionen für ethische Fragen berufen werden.
Aktuelles Beispiel ist der evangelische Theologe und Professor für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Peter Dabrock (* 1964), der auch seit 2012 stellvertretender Vorsitzende des „Deutschen Ethikrats“ ist.
Er bekam am 25.08.2014 eine Drittel-Seite in der Süddeutschen Zeitung, vorn auf Seite 2 freigeräumt, um seine Expertenmeinung zum Suizid auszubreiten.
Würde der Gesetzgeber seinen Untertanen die juristische Möglichkeit einräumen, sich frei für einen assistierten Suizid zu entscheiden, läge dem ein „falsches Verständnis von Autonomie zugrunde“, erklärt der Herr Professor Theologe.
Wahre Autonomie erhielte der Mensch demnach nur, wenn man ihm die autonome Entscheidungsfreiheit nimmt.
Und nein, ich wundere mich keineswegs, daß solche Typen die maßgeblichen Ethikberater unserer Bundesregierung sind.
Ich erspare dem gequälten Blog-Leser weitere Zitate aus dem Dabrock-Aufsatz und gebe stattdessen zwei Leserbriefe wider, welche heute dankenswerterweise in der SZ veröffentlicht wurden.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchem rhetorischen Aufwand ein einfacher Vorgang abgewehrt und für illegitim erklärt werden soll: Ein Mensch beschließt nach reiflicher Überlegung und aus Gründen, die nur ihn angehen, dass er sein Leben beenden will und braucht dafür die Hilfe von medizinisch Fachkundigen. Solcher rhetorischer Schwulst bestimmt auch den Beitrag von Peter Dabrock, dessen Titel bereits heuchlerisch und verlogen ist: Natürlich kann man den (eigenen) Tod kontrollieren, wenn man nur dürfte.
Das Wissen darum macht es so unerträglich, dass einflussreiche Moralapostel vom Schlage Dabrocks (seines Zeichens immerhin stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates – und nicht umsonst zugleich Theologieprofessor) sich Entwicklungen und Bestrebungen in den Weg stellen, die, wie die medizinisch assistierte Selbsttötung, die Autonomie des Individuums auch in der Selbstbestimmung über den eigenen Tod ermöglichen, obwohl solche Bestrebungen gesellschaftlich breit akzeptiert sind. Mit hohlem Pathos behauptet er, deren Verbot diene dem „Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft“ und verkauft Autonomie als die Einsicht der Notwendigkeit der Fremdbestimmung, die Einbindung in „tragende Beziehungs- und Fürsorgestrukturen“. Anders gesagt: Wer „schwach“ ist, soll einsehen, dass seine Autonomie in der Preisgabe der Selbstbestimmung liegt – und auf jeden Fall weiterleben, egal, wie unerträglich ihm dieses Leben ist.
(Prof. Hartmut Stenzel, Gießen)

Die Äußerungen von Peter Dabrock in der „Außenansicht“ sollen zwar rational klingen, sind jedoch offensichtlich von seiner persönlichen Glaubensüberzeugung geprägt. Eben diese Überzeugung dürfte rational kaum zu erschüttern sein. Sie führt die Tradition des Ethikrates fort, der sich schon bei der Kodifizierung der Patientenverfügung – glücklicherweise vergeblich – zu großen Teilen abgeneigt zeigte, seine religiös-ethisch gewonnenen Grundsätze gegenüber der Selbstbestimmung des Menschen rational abzuwägen.
So bleibt Herr Dabrock bei der Überzeugung, er wisse besser, was dem Menschen dient, als dieser selbst. […]
Besonders merkwürdig ist in der Diskussion um Sterbehilfe meines Erachtens das gerade von kirchlichen Religionsdienern immer wieder zu hörende Argument, das Leben sei ein Geschenk, das der Mensch nicht zurückweisen dürfe – als müsse man auch ein aufgedrängtes Geschenk annehmen.
(Ekkehard Habel, Medebach)

Wir befinden uns in der klassischen Situation, die immer auftritt, wenn es um „civil rights movements“ geht. Sklaverei, gemischtrassige Ehen, Frauenwahlrecht, Kinderarbeit, Homoehe, Abtreibung usw, usf – es sind immer die Theologen, die sich Arm in Arm mit Reaktionären und Konservativen am meisten gegen solche Entwicklungen auflehnen.
Und die Macht der Theo-Trottel ist groß genug um bis heute – wir schreiben das Jahr 2014 nach Christi Tod – den Menschen ihre Ansichten aufzuoktroyieren.
Bis heute dürfen Menschen nicht frei über ihr eigenes Leben entscheiden, weil vorzugsweise alte Männer in bunten Kleidern, die einem imaginären Freund verfallen sind, das nicht wünschen.

Die SZ läßt aber nicht locker und interviewt die Palliativmedizinerin Petra Anwar, die ernsthaft verkündet: „Sterben ist nicht schrecklich.“
Wie alle organisierten Palliativmediziner lehnt sie Sterbehilfe kategorisch ab und taugt daher nur sehr bedingt als Expertin, weil sie ja eben NICHT den freien Willen der Menschen gelten läßt, sondern ihre „Alternative“ propagiert.
Eine Absurdität, aus der sie sich versucht heraus zu ziehen, indem sie die oftmals suboptimalen Umstände des Sterbens beklagt.

Das Sterben ist nicht schrecklich, wenn ich Zugang zu Palliativmedizin habe, wenn ich also eingebettet bin in ein sicheres Netzwerk, das mir auch Nestwärme geben kann mit Ärzten und Seelsorgern als Ansprechpartnern. Leider ist das nicht überall so, und dann kann es schon schlimm werden. Dabei will ich jetzt auch nicht so tun, als wäre ich Mrs. Perfekt, und alle können bei mir superselig sterben. Aber wir können schon viel tun.
(Petra Anwar, 25.08.14, SZ)

Am Ende des Interviews gibt sie eine Antwort auf die Frage wann denn der richtige Moment sei, um zum Palliativmediziner zu gehen

Wenn man aus irgendwelchen Gründen mit der Situation nicht mehr zurechtkommt. Das kann psychisch, sozial oder körperlich sein.
(Petra Anwar, 25.08.14, SZ)

Klingt gut; ist aber rein theoretisches Brimborium.
Ich habe seit 2011 in Hamburg allein drei Mal für solche Situationen einen Palliativmediziner gesucht und bin immer gescheitert. Zuletzt hörte ich von einem solchen Arzt, er mache nur bei TUMPORPATIENTEN Hausbesuche. Alle anderen müssten in die Praxis kommen.
SEHR WITZIG - wenn der Betroffene das noch könnte, bräuchte ich keinen Palliativmediziner!

Ich traue mir zu dieses spezielle Thema recht gut beurteilen zu können, weil ich sehr viel Zeit auf Intensivstationen und Pflegeheimen verbracht habe.
Außerdem kenne ich privat Fälle, in denen sich ein Sterbender sehr gut in einem Hospiz versorgt fühlte.
Aber das sind keine Erfahrungen, die man verallgemeinern könnte.
Mal ganz abgesehen, von der Tatsache, daß Deutschland weit davon entfernt ist flächendeckend mit Hospizen und Palliativmedizinern versorgt zu sein, spielt die eigene Veranlagung eine große Rolle. Viele Menschen möchten eben keinesfalls ihre letzten Lebenswochen in einem Hospiz in Abhängigkeit verbringen.

Es gilt einige falsche Vorstellungen von Suizidwilligen auszuräumen.
Die meisten sind eben KEINE Krebspatienten, sondern solche, die um den Verlust ihrer Selbstständigkeit fürchten, oder diese lange verloren haben, weil sie beispielsweise querschnittsgelähmt sind.
Kürzlich hatte lernte ich über zwei Wochen einen Schlaganfallpatienten kennen, der seit sieben Jahren in einem winzigen Heim lebte und unfähig war sich zu artikulieren und zu bewegen.
Ich konnte nicht feststellen, ob er noch klar im Kopf ist oder nicht. Es wirkte fast so, weil er mich immer interessiert beobachtete, als ich am Nachbarbett arbeitete.
Schließlich besuchte ihn seine Frau und ich nutze die Gelegenheit zu fragen, ob ihr Mann noch mitbekomme, was um ihn herum passiere.
Es stellte sie raus, daß das genau die Frage war, welche seine Frau auch umtrieb. Niemand konnte das mit Sicherheit sagen.
Mir liegt es fern für solche Situationen Ratschläge zu erteilen. Aber es steht fest, daß mir dieser Fall Angst macht.

Im US-Bundesstaat ist aktive Sterbehilfe möglich. Inzwischen gibt es Erkenntnisse darüber WER sie in Anspruch nimmt. Es wurde eine direkte Korrelation zum Bildungsstand festgestellt.
Es sind Hochgebildete, die in erster Linie Sterbehilfe wollen, weil ihnen der Verlust der Selbstständigkeit viel mehr zu schaffen macht, als Ungebildeten.
Anders als es Theologen wie Prof Dabrock behaupten, hängt die Entscheidung zum Suizid also weniger von der Art der Krankheit und den palliativmedizinischen Möglichkeiten zusammen, sondern ist von der Persönlichkeit des Kranken abhängig.
Kann und will er die Situation aushalten 100% pflegebedürftig zu sein?

Auch diesen Befund kann ich aus eigener Beobachtung bestätigen.
Für einige Bettlägerige wird es völlig normal gewaschen zu werden; sie verlieren die Scham immer wieder die Genitalien zu entblößen und von fremden Menschen beim Urinieren und Koten angefasst zu werden.
Bei anderen Patienten bleibt das aber bis zur letzten Minute extrem unangenehm; sie quälen sich auch noch bei der 100. Bettpfanne damit sich den Hintern abwischen lassen zu müssen, genau wie beim ersten mal.

Zeit auf den Blog-Titel zu sprechen zu kommen.

Ein der wirklich ärgerlich naiven Sozis, die sich ungeniert mit dem Thema vor die Kameras drängen ist die Bundestagsabgeordnete Griese.
Griese kennt Ihr nicht?
Macht nichts, erklär‘ Ich Euch:
Kerstin Griese, 47, ist Pfarrerstochter aus Münster und offenbar nicht gerade beliebt bei ihren Wählern. Die verlor einmal ihr Direktmandat und rückte später über die NRW-Landesliste nach, als Angelica Schwall-Düren zur Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in die NRW-Landesregierung berufen wurde.
Wie alle Politiker, die sich gern zu ethischen Fragen verbreiten, ist sie schwere Religiotin.

Von 1979 bis 1989 war Griese in der Jugendarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Urdenbach und im Kirchenkreis Düsseldorf aktiv. Von 1987 bis 1989 war sie Jugenddelegierte zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Seit 2001 ist sie stellvertretendes Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland, seit 2003 Mitglied der EKD-Synode, der sie zuvor sechs Jahre lang als stellvertretendes Mitglied angehörte.
Von 2009 bis 2010 war sie als hauptamtliches Bundesvorstandsmitglied des Diakonischen Werks der EKD zuständig für den Arbeitsbereich Sozialpolitik.
Griese ist Landes-Vizepräsidentin des Arbeiter-Samariter-Bundes NRW (2006–09 und seit 2011)

Als Hardcore-Kirchistin erklärt sie den Menschen, wie die ihr Lebensende zu gestalten haben.
Dabei offenbart sie so heftige Wissenslücken und geradezu Käßmannsche Naivität, daß sich der langjährige Zeit-Feuilletonist Prof. Fritz Raddatz nur schütten kann.

Es ist schändlich, Tränen zu vergießen bei Michael Hanekes Film "L'Amour" oder Klaus Maria Brandauer in "Die Auslöschung" aufregend-genial zu finden; sich erschüttert zu zeigen darüber, dass der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf sich erschoss (Beihilfe durch Verkauf der Pistole?) oder dass Helmut Kohls Frau Hannelore sich umbrachte (Beihilfe durch Verkauf des Medikaments?) – und dann wie die Talkshow-Mamsell Kerstin Griese, sie nennt sich "Sozialpolitikerin", über "Rechtssicherheit und Freiheit für Abwägungen" zu perorieren. Den Quatsch, Dame, begehr ich nicht. Da reimt sich infam auf inhuman. Das ist genau jene Spezies Staatsbeamte, die uns mit ihrer menschenfremden Stumpfheit weit wegtreiben von der Politik; der wir nicht zu dienen haben.

Ich weiß nicht, ob der arme Herr Raddatz auch die SPD-Mitgliederzeitung „Vorwärts“ liest. Ich wünsche es ihm nicht, denn dann würde er wie ich diese Woche das Missvergnügen gehabt haben einen ganzen Griese-Aufsatz zum Thema lesen zu müssen.

Es gibt in Deutschland Vereine, deren Zweck der Tod ist. Sie bieten die Dienstleistung "Sterbehilfe" nicht nur unheilbar Kranken an, sondern auch Menschen, die den Mut zum Leben verloren haben, weil sie schwer depressiv oder einsam, behindert und alt sind. Bei einigen Vereinen bekommt man den Tod schneller, wenn man mehr zahlt. Ist das mit Menschenwürde und mit Humanität vereinbar? Ich meine Nein.
Was wir statt solcher "Sterbehilfevereine" brauchen, ist eine bessere Versorgung mit Palliativmedizin. Wir brauchen mehr Hospize, in denen Sterbende mit berührender Fürsorge begleitet werden. Wenn Jeder die spezialisierte ambulante Palliativversorgung kennen und in Anspruch nehmen könnte, wäre der Ruf nach dem angeblich so schönen Tod in der Schweiz überflüssig.

Um nicht wieder unflätig zu werden, kontere ich diesen Unsinn mit zwei Professoren.

1.) (noch einmal Stenzel, s.o.)

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchem rhetorischen Aufwand ein einfacher Vorgang abgewehrt und für illegitim erklärt werden soll: Ein Mensch beschließt nach reiflicher Überlegung und aus Gründen, die nur ihn angehen, dass er sein Leben beenden will und braucht dafür die Hilfe von medizinisch Fachkundigen
(Prof. Hartmut Stenzel, Gießen)

2.) (noch einmal Raddatz)

Das wirft neben den ethischen auch einige andere Fragen auf, die zu beantworten fast alle kommentierenden Journalisten zu faul waren. Die nämlich – leider auch das Ehepaar Schneider – tun so, als gebe es da einen mühelosen Sterbetourismus in die Schweiz, als könne man dorthin einfach den ICE nehmen und das berüchtigte "Glas" bestellen wie einen Drink an der Bar des Baur au Lac. Das stimmt schlichtweg so nicht. Wieder einmal hat die Publizistik (mit Ausnahme des "Welt"-Kollegen Matthias Kamann) geschluchzt, gedroht, geschimpft und von der Möglichkeit "der Reichen" gefaselt – aber nicht recherchiert.
Es gibt in der Schweiz überhaupt nur eine einzige Institution, die deutschen Staatsbürgern Hilfe beim Suizid anbietet. Im Gegensatz zu meinen fahrlässig insinuierenden Kollegen habe ich mich ausgiebig mit deren Leiter Ludwig Minelli und seinen Mitarbeitern unterhalten und kann Auskunft geben: geradezu bürokratische, jedenfalls ausgefeilt penible Prozeduren müssen absolviert, mehrere Gutachten deutscher, dann schweizerischer Ärzte müssen eingeholt werden, der "Preis" ist geringer als die Kosten für einen Flachbildfernseher. Minellis Organisation ist so seriös wie hochprofessionell.

Griese vollführt im Vorwärts dann aber noch einen regelrechten Parforce-Ritt durch sämtliche billigen Klischees der Religioten.
Die bösen Sterbehilfevereine wollten die gar nicht so Kranken einfach „wegspritzen“, obwohl diese doch eigentlich nur Zuwendung und Liebe ihrer Angehörigen brauchten. Außerdem wären die meisten Sterbewilligen einfach nur depressiv und das könne man ja schließlich gut behandeln.

Ja, Menschen wollen über ihr Lebensende selbst bestimmen. Wir alle wollen möglichst schmerzfrei sterben können. Unsere Verwandten und Liebsten wollen und sollten wissen, wie wir über unser Lebensende denken, wenn wir nicht mehr selbst entscheiden können. Das kann kein anonymer "Sterbehilfeverein" ersetzen. Deshalb plädiere ich dafür, die Tätigkeit dieser Vereine zu unterbinden.

Diese Religiotin lebt ich weiß nicht wo, jedenfalls NICHT in der realen Welt.
Abgesehen davon, daß es Frau Griese einen feuchten Kehricht angeht wie krank jemand ist und ob er überhaupt krank ist, wenn er sich selbst zum Suizid entscheidet, scheint diese Person offenbar nicht zu wissen, daß es Millionen Pflegebedürftige gibt, die in Alters- und Pflegeheime abgeschoben worden sind, weil sie eben nicht dieses liebliche 50er Jahre Heile-Welt-Netzwerk haben.
Das ist noch nicht einmal unbedingt eine beklagenswerte Tatsache, denn der Verlust der früheren Großfamilienstruktur zeigt eben auch, daß es heute Wahlfreiheit gibt. Man DARF sich scheiden lassen, Frauen brauchen keine Erlaubnis mehr, um arbeiten zu gehen, Männer dürfen ihre Frauen nicht mehr in der Ehe vergewaltigen, Kinder dürfen nicht geschlagen werden.
In Hamburg sind deutlich über 50% der Haushalte Singlewohnungen – und das ist auch gut so.
Als Großstadtkind bin ich beispielsweise in einer Familie aufgewachsen, die aus lauter Single-Haushalten besteht.
Ich behaupte, daß wir uns dadurch sogar besonders nahe stehen, weil alle Zusammenkünfte freiwillig und gewollt sind. Aber jeder schätzt umso mehr seine Privatsphäre, die Konflikte verhindert.
Klar, wer eine schwere Grippe hat, muß sich dann lästigerweise dennoch allein versorgen, aber ich zum Beispiel bin längst so sozialisiert, daß ich in solchen Situationen auch hartnäckig angebotene Hilfe ausschlage.
Ich will niemanden um mich haben, wenn ich Fieber habe und Schleim aus meinen Körperöffnungen tritt.

Das muß Frau Griese nicht verstehen. Sie kann sehr gerne, wenn sie einmal so weit ist, in einem Hospiz liegen und sich für Wochen oder Monate rund um die Uhr pflegen, beatmen, medikamentieren, waschen und umbetten lassen.

ICH will das aber nicht und offenbar bin ich damit nicht allein.

Griese wäre aber keine richtige Religiotin, wenn nicht zum Schluß noch ein besonders wischiwaschi-waberiger Schwall käme:

Jeder Fall ist individuell und kann nur in Beziehung zum Betroffenen beurteilt werden. Es gibt in dieser ethischen Frage kein Schwarz und kein Weiß. Die Würde des Menschen gilt auch dann weiter, wenn er schwer krank und hilfsbedürftig ist. Und ein würdiger Tod gehört zum Leben.

Was ein „würdiger Tod“ ist, sehen wir offenbar völlig unterschiedlich.
Griese will mit dem von ihr angeregten totalen Verbot von Sterbehilfevereinen aber vielen Menschen die Würde nehmen sich selbst zu entscheiden. Insbesondere dann, wenn er in ihren Augen nicht schwer krank ist.

Was für eine inhumane Sicht auf den Menschen.
Typisch für Christen.
Christen, wie sie in der Politik nichts zu suchen haben.


Mittwoch, 27. August 2014

Zahlenverhältnisse



Mit der amerikanischen Presse ist das so eine Sache.

Bei der „foreign policy“ darf man nur wenig bis gar keine Kenntnis der Leser/Zuschauer/Hörer voraussetzen.
Daher berichtet es sich immer gut und ausführlich über Naturkatastrophen und Verbrechen. Die erfordern nicht allzu viel Hintergrundwissen.
Das außenpolitische Desinteresse der Amerikaner steht in einem sonderbar umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihrer Macht in der Welt.

Wenn US-Politiker ihr Volk für eine Intervention einstimmen wollen, betonen sie immer die direkte Gefährdung von Amerikanern.
Daß Obama Kalifatstruppen vor Erbil bombardieren lässt, hat offiziell weniger damit zu tun, daß dort Myriaden Jesiden abgeschlachtet werden, sondern wird mit der Anwesenheit amerikanischer Diplomaten in der Stadt gerechtfertigt.

Die Tatsache ignorierend, daß ein paar Tausend Kilometer Ozean zwischen dem Irak und der USA liegen, versucht Hagel seinem Volk ein neues Feindbild zu lehren.

Die Angst vor der islamistischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wächst: US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat die Organisation als große Bedrohung für die Vereinigten Staaten bezeichnet. "Es ist weit mehr als eine Terrorgruppe", sagte Hagel. Sie sei "so hoch entwickelt und gut finanziert wie keine andere".
"Sie sind eine große Bedrohung für alle unsere Interessen, sei es im Irak oder irgendwo anders", sagte Hagel. Sie verfügten über ein hohes Maß an militärischem Können und seien daher besonders gefährlich. "Das ist jenseits von allem, was wir kennen", so Hagel weiter.

Die Amis sollen lernen, daß IS böse ist. So wie Saddam, Osama oder Putin.
Amerikanische Ansichten verändern sich aber nur träge.
Dazu muß man nur ein paar Minuten amerikanische News-Channel einschalten.
Obwohl sich die ISIS schon im Juni in „IS“ umbenannte und nun ein Kalifat mit Abu Bakr al-Baghdadi an der Spitze ausgerufen hat, bleiben CNN und Co immer noch hartnäckig bei der Bezeichnung „isis“.
Obwohl Wladimir Putin schon seit 14 Jahren ununterbrochen an der Spitze Russlands steht, können Amis noch nicht einmal diesen einfachen Namen aussprechen.

Bei diesen internationalen Verwicklungen ist es immer sinnvoll sich andere Perspektiven anzueignen und so konnte ich es mir nicht verkneifen mir letzte Nacht eine Stunde CNN zum Thema Krim anzusehen.
Das Verständnis für die Situation war recht gut damit charakterisiert, daß nicht ein einziger der US-„Experten“ den Namen Putin richtig ausspricht. Im Russischen wird die zweite Silbe betont. Der Mann heißt Vladimir Putin. Durch die Bank weg sind aber die Amerikaner so ignorant, daß sie die zweite Silbe regelrecht verschlucken und immer von Putn sprechen.
Die schlauen GOPer haben glücklicherweise erkannt, wer die eigentliche Ursache der Krimkrise ist: Obama!


Klar, säße der schwule atheistische Moslem aus Kenia nicht als Präsident im Weißen Haus, würde Putin nicht solche Aktionen wagen, weil er genügend Angst vor einem strammen republikanischen Durchgreifen hätte.
Genau.

Während Amerika also außerordentlich phlegmatisch auf Krisen in der Welt regiert und sich kaum daran stört, wenn durch seine Politik hier und da ein paar Hunderttausend Menschen gekillt werden, wird es umso hysterischer wenn es mal einen Amerikaner erwischt.

Da ist es schon angebracht, wenn man durch plakative Comics versucht die Verhältnisse gerade zu rücken.


Wenn man aber solche Bilder postet, werden natürlich die Zahlen hinterfragt.
Ich bin fast der Ansicht, daß es auf die genaue Zahl der Todesopfer im Irak nicht ankommt, wenn man das krasse Missverhältnis zu den amerikanischen Opfern aufzeigen will.

Dennoch will ich an dieser Stelle die „1,5 Millionen Toten“, die durch die von Angela Merkel so begeistert unterstützte GWB-Intervention 2003 verursacht wurden, versuchen zu erläutern.

Natürlich gibt es keine seriöse Organisation auf diesem Planeten, die im Nahen Osten jede einzelne Leiche gezählt und die jeweilige Todesursache genau ermittelt hat.
Es gibt aber recht präzise Schätzungen.

Die Zahl der Kriegstoten ist bis heute umstritten. Eine Studie der renommierten medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" bezifferte sie bereits im Jahr 2006 auf 655.000; kritische Beobachter gehen davon aus, dass sie mittlerweile auf bis zu eine Million Menschen angewachsen ist.

Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete IPPNW ("International Physicians for the Prevention of Nuclear War".  In Deutschland: "IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.") versucht sich ebenfalls an einem „Body-count“.

Der "Krieg gegen den Terror" hat allein im Irak, Afghanistan und Pakistan zu 1,7 Millionen Todes-Opfern geführt. Das ist das Ergebnis des IPPNW-Reports "Body Count - Opferzahlen nach zehn Jahren Krieg gegen den Terror". "Präzisionswaffen ändern nichts am hohen Prozentsatz getöteter Zivilisten in asymmetrischen Kriegen", erklärt IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Jens Wagner. Der Einsatz von Phosphorbomben, Streumunition, DIME- und Uranmunition sowie das brutale Vorgehen der Besatzungstruppen zum Beispiel in Fallujah und Basrah zeigten das unmenschliche Gesicht des Krieges.
Die Autoren Joachim Guilliard, Lühr Henken und Knut Mellenthin haben für den Report systematisch wissenschaftliche Studien über die Toten auf beiden Seiten der Kriege im Irak, Afghanistan und Pakistan zusammengestellt und aktualisiert. Für diese Länder ziehen sie eine Bilanz über den humanitären Preis des Krieges.
So hat der Irak von der Invasion im Jahr 2003 bis heute 1,5 Millionen Todesopfer durch direkte Gewalteinwirkung zu verzeichnen. Spätestens seit der medizinisch-epidemiologischen Studie in der Zeitschrift Lancet über die Mortalität im Irak von 2006, dürfte das wahre Ausmaß der Zerstörung durch das überlegene US-Waffenarsenal und das entstandene Chaos durch die Besatzungstruppen deutlich geworden sein. Trotzdem beziehen sich fast alle Medien bezüglich der Opferzahlen im Irak bis heute auf den Irak Body Count, ein Projekt, das weniger als 10% der Kriegsopfer registriert.
Was die Opferzahlen in Afghanistan betrifft, ist die Datenlage schlechter als im Irak. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Kriegsopfer inklusive Mitarbeitern von Nicht-Regierungsorganisationen, afghanischen Sicherheitskräften, ISAF und OEF Soldaten keinesfalls unter 70.604 liegt. Wahrscheinlich ist die Anzahl getöteter Zivilisten höher als 43.000. Die Anzahl der durch den Krieg indirekt, also durch Flucht, Hunger und medizinische Mangelversorgung zu Tode gekommenen Afghanen wird nach den Bombenangriffen 2001 bis zum Mai 2002 auf 20.000-49.600 geschätzt.
In Pakistan fielen bisher 2.300 bis 3.000 Menschen US-Drohnenangriffen zum Opfer, davon ca. 80% Zivilisten. Die weitaus größte Anzahl von Kriegsopfern (40.000-60.000) entsteht allerdings durch Kämpfe der von der US-Regierung unterstützten pakistanischen Armee mit unterschiedlichen Widerstandsgruppen.
(IPPNW-Pressemitteilung vom 18.5.2012)                                 

Der Autor Joachim Guilliard aktualisierte seine Erkenntnisse zuletzt in einem lesenswerten und ausführlichen Beitrag für die „Junge Welt“, der die Befürwortung von militärischer Außenpolitik durch von der Leyen, Gauck und Steinmeier als Perversion entlarvt.

Wenn Bundespräsident Joachim Gauck, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Wehrministerin Ursula von der Leyen die angebliche bisherige »deutsche Zurückhaltung« bei westlichen Interventionen beklagen, so können sie damit nur das Nein zum Libyen-Krieg meinen, dessen Beginn sich im März zum dritten Mal jährte. Die angreifenden NATO-Mächte hatten damals monatelang Angriff für Angriff stets aufs neue behauptet, ihre Bombenkampagne gegen das ölreiche Land diene allein dem »Schutze der Zivilbevölkerung«. Wenn das stimmen soll, dann wäre die Bilanz vernichtend, denn Tausende Libyer und Libyerinnen haben diesen »Schutz« nicht überlebt. Fundierte Zahlen gibt es jedoch bis heute nicht. Die Schätzungen schwanken von 10000 bis 50000 Kriegstoten. Angesichts von 9700 Angriffsflügen, rund 30000 abgeworfenen Bomben und einem halben Jahr heftiger Bodenkämpfe dürfte die tatsächliche Zahl der Opfer aber wesentlich höher sein. [….]
Die meist von den Medien angegebenen Zahlen basieren auf der Arbeit des britischen »Iraq Body Count« (IBC). Dieses Projekt versucht, die zivilen Opfer im Irak zu erfassen, indem es alle Fälle, die in renommierten englischsprachigen Medien gemeldet oder in Kranken- und Leichenhäusern registriert wurden, in einer Datenbank sammelt. Bis 2013 wurden so rund 110000 zivile Opfer ermittelt.
Die in sich stimmigen Ergebnisse der statischen Erhebungen der Johns Hopkins University in Baltimore, die 2004 und 2006 in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden, sowie die des britischen Meinungsforschungsinstituts »Opinion Research Business« (ORB) von 2007 legen hingegen nahe, daß über eine Million Iraker dem Krieg, der Besatzung und dem dadurch entfesselten Wüten von Milizen zum Opfer gefallen waren – die meisten von ihnen ab Mitte 2005, Tendenz von 2003 bis 2007 stark steigend.
[….] Recht gut dokumentiert ist z.B. das Schicksal irakischer Ärzte. Von 34000 registrierten Ärzten wurden nach Angaben der unabhängigen Iraq Medical Association fast 2000 getötet, 20000 hatten das Land 2006 bereits verlassen. Der Iraq Body Count führt in seiner Datenbank jedoch nur 70 getötete Ärzte auf. Auch wenn dies teilweise an fehlenden Berufsangaben liegen kann, deutet dies bereits auf sehr großen Lücken hin.
[….] Insgesamt wird die Zahl der Opfer in den Erhebungen eher unter- als überschätzt. Das liegt auch daran, daß die hohe Zahl von Verschleppten und Verschwundenen nicht berücksichtigt werden kann. Gemäß der Internationalen Kommission für vermißte Personen (ICMP) gelten im Irak zwischen 250000 und einer Million Menschen als Folge von über 30 Jahren Kriege und Konflikte als vermißt, die meisten von ihnen seit 2003. [….] Man kann selbstverständlich die Erkenntnisse aus dem Irak nicht eins zu eins auf den Krieg in Afghanistan übertragen. Sie legen jedoch nahe, daß auch hier die Gesamtzahl der Opfer ein Vielfaches über der Zahl der gemeldeten liegt und 200000 übersteigen könnte – eine vernichtende Bilanz für eine NATO-Operation, deren Einsatzkräfte als »Internationale Sicherheits- und Unterstützungstruppe« firmieren. [….]

Syrien ist in dieser Betrachtung noch gar nicht eingerechnet.

Im syrischen Bürgerkrieg sind in den vergangenen drei Jahren nach UN-Angaben fast 200.000 Menschen getötet worden.
Bis Ende April seien mindestens 191.369 Tote registriert worden, sagte die UN-Menschenrechtsbeauftragte Navi Pillay am Freitag in Genf. Damit habe sich die Zahl der Todesopfer binnen Jahresfrist verdoppelt. Vermutlich liege sie aber noch viel höher, da viele Opfer überhaupt nicht gemeldet würden, sagte Pillay.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, daß die Nahost-Politik des Westens auf ganzer Linie gescheitert ist.

GFP leitet sogar eine direkte Verantwortung Deutschlands und der USA für die Millionen Toten ab, weil deutsche Geheimdiensterkenntnisse und deutsche Luftwaffenbasen bei diesem Massenmord eine Rolle spielten. Natürlich auch, weil es Deutschland war, das wesentlich dazu beitrug die IS-Truppen massiv aufzurüsten, indem beispielsweise Merkel und Westerwelle persönlich in totalitären Staaten wie Saudi Arabien Waffengeschäfte einfädelten.

Zur aktuellen Situation fällt der deutschen Regierung ein, das künftige Kurdistan noch weiter aufzurüsten.

Was für eine Perversion.

Leider weiß ich auch keine Alternative.

Ach, warte, doch, es gibt eine Möglichkeit dort Frieden zu stiften.
Schickt Margot Käßmann nach Falludscha und lasst sie gemeinsam mit Abu Bakr al-Baghdadi beten. Dann wird alles gut.

Dienstag, 26. August 2014

Der Christ des Tages – Teil LXXX


Das war natürlich schon praktisch als junger polnischer katholischer Geistlicher in einer Zeit Karriere zu machen, in der der große Johannes Paul II die Weltkirche beherrschte.
Da konnte es schnell aufwärts gehen.
Józef Wesołowski (* 1948 in Nowy Targ, Woiwodschaft Kleinpolen) wurde im Alter von nur 24 Jahren in Karol Woytilas Erzdiözese Krakau zum Priester geweiht. Später schickte er ihn als vatikanischen Nuntius in verschiedene Staaten und weihte Wesołowski am 6. Januar 2000 persönlich zum Bischof.

Im Januar 2008 erhob Ratzi den Polen zum Erzbischof und schickte ihn auf eine Traumposition als Nuntius in die Karibik. El paraíso pederastico catolico.

Die Päpste Woytila, Ratzinger und Bergoglio sind sich in einer Beziehung völlig gleich: Sie haben ein großes Herz für Kinderficker, fördern diese, schützen sie vor der Justiz und lachen dadurch den Opfern hämisch ins Gesicht.
Und ja, ich nenne es Kinderficken und verwende niemals den Begriff "Kinderschänder", weil "schänden" impliziert, die Kinder wären mit der Schande behaftet.
Die Kinder sind aber UNSCHULDIG und sollen sich weder schämen, noch in Schande leben.
Schande ist das nur für den Täter und die RKK!!

Daß Wesołowski, den ich hiermit zum Christen des Tages Nr. 80 ernenne, sich an kleinen Jungs vergreift weiß man schon relativ lange. Mir ist der Name schon geraume Zeit geläufig.

Schon vor einem Jahr brachte ihn der neue Papst vor Generalstaatsanwalt Francisco Dominguez Brito der Dominikanischen Justiz in Sicherheit. Getreu dem vatikanischen Motto „Scheiß auf die Opfer und Gerechtigkeit – Hauptsache die Kinderficker bleiben unbehelligt“, ließ Franz den Ephebo-Erzbischof hinter Vatikanischen Mauern in Sicherheit bringen.

Der Vatikan hat seinen Botschafter in der Dominikanischen Republik abgerufen, nachdem gegen ihn Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben worden waren. Die Kirche untersuche die Vorwürfe gegen Erzbischof Josef Wesolowski, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch. Einzelheiten nannte er nicht. […..]
In dem Ort erhoben Bewohner auch Anschuldigungen gegen einen weiteren Priester, einen Freund von Wesolowski. Der hielt sich, als die Anschuldigungen bekannt wurden, gerade zum Urlaub in Polen auf und kehrte nicht mehr in die Dominikanische Republik zurück.

 Der erzkonservative polnische Klerus scheint neben dem Spanischen und Bayerischen einer der Übelsten Europas zu sein. Gerne wird auch aus den Reihen des hohen Polnischen Klerus den Opfern die Schuld in die Schuhe geschoben – so wie wir das auch von Bischöfen in Teneriffa und Deutschland kennen.

Die katholische Kirche in Polen wird von einem Missbrauchs-Skandal erschüttert: Erzbischof Wesołowski soll in der Dominikanischen Republik minderjährige Jungen zum Oralsex gezwungen haben.  […] Der Fall hat nicht nur in der Dominikanischen Republik hohe Wellen geschlagen, sondern auch in Polen. Dabei ist der päpstliche Botschafter zwar bisher der ranghöchste, aber bei weitem nicht der einzige polnische Geistliche, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.
Wie in anderen Ländern, etwa Deutschland oder Irland, ist die katholische Kirche auch in Polen mit einer Welle solcher Sex-Skandale konfrontiert, die man früher unter der Decke halten konnte. […] Nicht weniger als 27 Priester sind nach Presseberichten seit 2001 in Polen vor Gericht gestellt worden. Das bisher härteste Urteil sprach vor einem Monat ein Bezirksgericht in Rawa Mazowiecka bei Łódź. Ein Pfarrer erhielt eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren, weil er fünf minderjährige Messdiener sexuell missbraucht hatte. […] In Białystok wurde ein anderer Priester zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er ein behindertes 19-jähriges Mädchen mindestens acht Mal zum Sex genötigt hatte. Die Sache flog auf, als das Mädchen schwanger wurde und zur Polizei ging. Einem Garnisonspfarrer aus Legionowo in Zentralpolen, der sich lange bei einer Familie verstecken konnte, wurde vorgeworfen, minderjährige Mädchen über längere Zeit zum Sex gezwungen zu haben. In einem Fall soll er ein Opfer vergewaltigt und zum Schwangerschaftsabbruch überredet haben. […]  Im Fall des Garnisonspfarrers entschuldigte sich der zuständige Militärbischof öffentlich bei den Geschädigten. Die Bischofskonferenz erklärte, man übe "null Toleranz", und verabschiedete Leitlinien. Doch dürfen Opfer von der Kirche als Institution keine Entschädigung erhoffen. Einen Aufschrei der Empörung löste Erzbischof Józef Michalik, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, aus, als er zerrüttete Familien als Ursache pädophiler Entgleisungen nannte. Ein Kind aus einer schlechten Ehe suche Anlehnung, "es verliert sich und zieht noch einen anderen Menschen da hinein". […]

Der Christ des Tages ist selbst unter den vielen weltweit aktiven katholischen Kinderfickern ein besonders mieses Exemplar

Er hatte schon ein paar Bier getrunken, als er durch die Rotlichtviertel von Santo Domingo zog, genügend Geld in der Tasche, auf der Suche nach schnellem Sex. Er suchte nach ganz jungen Männern, er suchte nach Kindern. Er nannte sich nur "Josie". Viele wussten dennoch, wer er war: Der Botschafter des Heiligen Stuhls, der vatikanische Nuntius, vom Papst in die Dominikanische Republik entsandt – der polnische Erzbischof Josef Wesolowski.
Im Schatten der ältesten katholischen Kathedrale Amerikas betrieb er jahrelang sexuellen Missbrauch. Gemeinsam mit dem polnischen Pater Wojciech Gil soll er sich mit jungen Messdienern in seinem Haus am Strand vergnügt haben. Zwei weitere Geistliche aus seiner Botschaft stehen unter Verdacht, Frauen und Kinder zum Sex gezwungen haben. Ein dominikanischer TV-Sender soll Wesolowski dabei gefilmt haben, wie er ein Kinderbordell in Santo Domingo betrat.
[…]  Die Wellen der Empörung schlagen hoch, wenn in der Dominikanischen Republik die Rede auf Josef Wesolowski kommt.  […] Und die Fassungslosigkeit über die Tatsache, dass Wesolowski nicht vor ein Gericht in Santo Domingo gestellt wird, wächst, je mehr Details aus dem Fall an die Öffentlichkeit dringen. Schon die Gerüchte um ihn hatten den Papst vor einem Jahr zu eiligem Handeln getrieben. […] Der Bischof soll auch einen Elfjährigen dazu gebracht haben, sich vor ihm selbst zu befriedigen. Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft von Santo Domingo vier Jungen zwischen zwölf und 17 Jahren ausfindig gemacht, die aussagen, von Wesolowski für sexuelle Handlungen bezahlt worden zu sein.
Besonders Perfide ist der Fall des heute 17-Jährigen. Er leidet unter Epilepsie. Seit er 13 war, stand er im sexuellen Kontakt zu Wesolowski – der ihn für seine Dienstleistungen mit Medikamenten bezahlte und so nicht nur die Armut des Jungen, sondern auch dessen Krankheit ausnutzte.
[…] Dem Vatikan wird jetzt vorgeworfen, Wesolowski zu früh aus der Dominikanischen Republik geholt zu haben. Ganz offensichtlich reiste der einstige Bischof sogar mit falscher Identität und machte einen Umweg über Haiti, um Spuren zu verwischen – die Ermittler konnten keinen Flugpassagier mit seinem Namen finden. […]
(Constanze Reuscher, 23.08.14)

Schwerverbrecher mit vatikanischen Papieren vor der Justiz quer über den Atlantik in Sicherheit zu bringen, ist die leichteste Übung des Vatikans. Hunderte der schlimmsten Nazi- und SS-Schergen hatte Kurienerzbischof Hudal über die sogenannte „Rattenlinie“ vor der alliierten Justiz nach Südamerika in Sicherheit bringen lassen.
Darunter waren auch Typen wie Josef Mengele und Adolf Eichmann. Für diese Menschen konnte sich der Vatikan nämlich wesentlich mehr erwärmen, als beispielsweise eine lesbische Kindergärtnerin von heute. Die wird nach wie vor einfach fallengelassen.

Józef Wesołowski, dem in Polen und der Dominikanischen Republik lange Haftstrafen drohen, läßt es sich unterdessen gut gehen und genießt sein Leben in Rom – unter der schützenden Hand des Papstes, der die Auslieferung der perfiden Verbrechers blockiert.
Der Christ des Tages findet es allerdings nicht schön nun offiziell in den Laienstand versetzt zu sein und klagt nach Vatikanischem Recht dagegen.
Zuständig ist der als ausdrücklicher Kindermissbrauchsfreund bekannte Kurienkardinal Müller.

Der wegen Kindsmissbrauch zur Versetzung in den Laienstand verurteilte ehemalige Vatikanbotschafter in der Dominikanischen Republik, Erzbischof Jozef Wesolowski, hat Berufung eingelegt.
Die vatikanische Glaubenskongregation werde die endgültige Entscheidung in dem kirchenrechtlichen Verfahren voraussichtlich im Oktober fällen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montagabend in Rom mit.
Lombardi wies in diesem Zusammenhang Medienberichte zurück, wonach der Vatikan den polnischen Geistlichen vor Verfolgung durch die Justizbehörden der Dominikanischen Republik und seines Heimatlands Polen schütze. Der Heilige Stuhl habe "umgehend und korrekt" auf die Vorwürfe gegen Wesolowski reagiert. Dabei sei sein damaliger Diplomatenstatus berücksichtigt worden.
(epd 26.08.14)

Ach sooo, ich vergaß. Józef Wesołowski ist Diplomat!
Naja, dann muß man ihm ja wohl nachsehen, daß er in der Dom Rep kranke Kinder fickte.