Sonntag, 29. Juli 2012

Wenn das der Führer wüßte!



Die ZEIT schickte Marco Ansaldo, Evelyn Finger und Arno Storn nach Rom.
Glaubt man dem ausführlichen Bericht über die angespannte Stimmung im Vatikan, sieht es übel aus für die Katholische Kirche.
Die Geheimnistuerei über die päpstlichen Finanzen und die katastrophale Öffentlichkeitsarbeit passten einfach nicht mehr zur Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts.
Das Autoren-Quintett (neben den oben Genannten arbeiteten auch Kerstin Kohlenberg und Alexander Schwabe an dem Artikel) sieht immer noch durch die nationale Brille und beeilt sich festzustellen wie beliebt Ratzi im Vatikan wäre.
Das unausgesprochene „obwohl er doch Deutscher ist“, schwingt immer mit. 

Die BILD-Zeitung-indoktrinierten Deutschen scheinen immer noch zu glauben, daß der fromme Ratzinger 2005 aus dem Himmel fiel. 
Und wie eigenartig es doch sei, daß in dieser Kurie aus lauter eingeschworenen Italienern nun ausgerechnet dieser Neue, dieser Ausländer, zum Papst gewählt wurde. 
Das müsse ja offensichtlich daran liegen, daß er so integer und gelehrt sei.

Eine völlig absurde Sichtweise. 
Ratzinger hat seit 30 Jahren die Fäden des Vatikans in der Hand. 
Keiner kennt die Fallstricke und Intrigenkultur der kirchlichen Macht so gut wie er. Gezielt und konsequent hat er seine Karriere vorangetrieben. Schon während des Woytila-Pontifikats war es de facto Ratzinger, der herrschte, weil sich sein Papstvorgänger nicht für kuriale Kabale interessierte und viel reiste.

Insofern war es auch alles andere als überraschend, daß Ratzinger ihm auf den Papstthron nachfolgte. Er hatte das richtige Alter (nach einem solchen Megapontifikat wird nie ein junger Kardinal gewählt, weil man eine kürzere Übergangszeit braucht, um sich zu sortieren) und er hatte die richtigen Verbindungen.
 Schließlich verdankte die Mehrzahl der berechtigten Wähler des Konklaves Herrn Ratzinger die Erhebung zum Kardinal.

Der Papst ist ein Vatikangewächs wie kaum ein Pontifex vor ihm.

Obwohl nun alles den Bach runter zu gehen scheint, lieben die Vatikaner ihren Chef, konstatiert die ZEIT:

Wer nur lange genug beim Wein mit den Kirchenmännern zusammensitzt, der hört Vatikankritik, die selbst Luther erblassen ließe. Über den Vatikanstaat: »Wir sind durch Vetternwirtschaft genauso vergiftet wie der ganze politische Organismus Italien. « Über die Kurie: »Wir haben zu viele mittelmäßige Leute, weil die uns von den Bischöfen geschickt werden, und wer gibt schon gern freiwillig einen guten Mann weg.« Über die Kardinäle: »Das Schlimmste ist, wenn ein Priester Macht will. Dann entsteht gottloses Kirchentum. Papst Benedikt hat sich unbeliebt gemacht, weil er gegen eine bestimmte pseudochristliche Betriebsamkeit kämpft.« Ja, das Erstaunliche ist, dass hier keiner den Papst kritisiert. Alle bewundern ihn als Wahrheitsapostel und Vatikanaufklärer, sie preisen seine, wie sie sagen, franziskanische Art der Verkündigung. Anders als in Deutschland kritisiert in Rom niemand seine Härte in Glaubensfragen. Darin liegt die Tragik. Dass der Papst zu Hause als Reaktionär kritisiert und in Rom als Protestantenfreund beargwöhnt wird. Dass der Vatikan aufbrechen muss, aber nicht kann, weil er sich ständig angegriffen fühlt. Sich nach außen verteidigt. Und so scheint gerade den treuesten Gottesdienern die Lage hier manchmal aussichtslos: »Wir sind eine sterbende Kirche. Wir sind eine geschlagene Armee. Das Ende ist abzusehen.«
(26.07.12 s.55)

Ja, der arme Ratzi. So eine Tragik.
 Die nörgelnden Deutschen bezichtigen ihn erzkonservativ zu sein und dabei gibt er sich solche Mühe es Allen Recht zu machen.

In Wahrheit verfolgt der Papst seine reaktionäre Agenda seit Dekaden unverändert. 
Wer es wagte zu widersprechen, wurde von ihm eiskalt abgesetzt.
 Das krasseste Beispiel dafür sind die Befreiungstheologen Südamerikas, die statt der faschistischen Folterregime lieber die notleidenden Armen unterstützen wollten.

Aber nicht mit Diktatorenfreund Ratzinger, der die Kirche der Armen erbarmungslos zerschlug. 

Mitleid kannte er nur gegenüber Kinderfickern, die er mit Engelsgeduld vor Strafverfolgung bewahrte und in der Kirche behielt.

Wie Ratzinger sich die Zukunft der Kirche vorstellt zeigen eindeutig seine Ernennungen:

Ratzinger hat eine tiefe Abneigung gegen Dunkelhäutige und fremdelt erkennbar auf anderen Kontinenten.

Kardinäle aus Entwicklungsländern beruft der gegenwärtige Papst praktisch nicht mehr und bläst stattdessen exzessiv die Europafraktion auf.

Bei der Kreierung der 22 neuen Kardinäle im Februar 2012 waren allein 16 Europäer! 
Obwohl Europa nur noch zehn Prozent der Weltbevölkerung stellt, erhebt Ratzinger 73% Europäer. 

Die Botschaft an die bevölkerungsreichsten katholischen Länder Nigeria oder Brasilien ist klar: „Ich halte Euch für irrelevant. Unwürdig für die höchsten Posten!“

Allein sieben Kardinäle stammen aus Mailand, welches ungefähr so groß wie München ist.

Von den 22 neuen Würdenträgern sind zehn an der Kurie in Rom tätig, 16 stammen aus Europa, vier sind älter als 80 Jahre, darunter auch Kardinal Becker. Mit den jüngsten Ernennungen erhöht sich die Zahl der Kardinäle auf 213, so viele wie noch nie. Unter ihnen sind 125 potentielle Papstwähler. In dieser Gruppe hat das Gewicht der Europäer und vor allem Italiener erneut zugenommen - Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte noch darauf geachtet, die Zahl der Kardinäle aus der so genannten Dritten Welt zu erhöhen. 30 der 67 europäischen Kardinäle unter 80 sind nun Italiener. 22 Purpurträger kommen aus Südamerika, 15 aus dem Norden des Kontinents; elf aus Afrika, zehn aus Asien und dem Pazifikraum.

Aber zurück zum Ist-Zustand. 
Wieso ist der Vatikan in so einer desolaten Verfassung, obwohl er einen derart brillanten und beliebten Chef hat?
Ratzi ist zu isoliert und bekommt nichts mehr mit. Dies beklage auch ein Insider, ein nicht namentlich genannter „Prälat“, der die Journalisten aus Hamburg empfing, um ihnen zu erklären worum es beim Machtkampf in Rom gehe.

»Das Problem sind die Vatikanfinanzen. Ich bete jeden Tag um eine Gelegenheit, dem Papst das zu erklären.« Leider spricht der Papst seit Wochen nur noch mit den allervertrautesten Kardinälen. Um ihm etwas mitzuteilen, muss man den Postweg benutzen, aber die Post öffnet der Heilige Vater natürlich nicht selbst. Manche im Vatikan finden, der letzte sichere Weg der Nachrichtenübermittlung an ihren obersten Chef seien die Zeitungen. Die muss er lesen. Deshalb sitzen wir hier, der Prälat hofft, dass die Journalisten dem Papst seine Wahrheit mitteilen. Dessen einziger offizieller Kommentar zu VatiLeaks bisher war eine Beschimpfung der teuflischen Presse und der angeblich von ihnen angestifteten Geheimnisverräter in den eigenen Reihen. Er wollte sagen, dass die Feinde von draußen kommen. Es ist die Paranoia aller geschlossenen Systeme: Man steckt in einer inneren Krise und fühlt sich bedroht von außen.
(26.07.12 s.55)

Der arme Ratzi.

Unfassbar, daß die Unwissenheitsmasche immer noch zieht. 
Schon 2009 hatte er sich damit rausgeredet nichts von Bischof Williamsons Holocaustleugnung und den ultrareaktionären Ansichten der Pius-Bischöfe gewußt zu haben, als er sie wieder in die Kirche aufnahm.

Der Papst! UNFEHLBAR, aber leider unwissend!

Und das in einer Angelegenheit, für die er über Jahrzehnte als Experte gedient hatte!
 Schließlich war es der Chef der Inquisition, Kardinal Ratzinger, welcher das Exkommunikationsverfahren gegen die Piusbrüder durchgeführt hatte.

Und nun erfahren wir wieder, der gute Papst hocke oben in seinem Arbeitszimmer und wäre so von der Welt isoliert, daß ihn noch nicht mal wichtige Vatikan-Größen sprechen könnten.

Das Schweigen ist Schwerstarbeit, auch für den Papst. Während der heißen Sommertage, als die Ermittlungen in Rom noch laufen, brennt bis spät in die Nacht Licht in seinem Arbeitszimmer im Apostolischen Palast. Man sieht es vom Petersplatz aus, drittes Fenster von rechts. Das Licht beweist, dass es den unnahbaren Pontifex wirklich gibt. Den abwesenden Vater, papa absconditus. Nur manchmal, zur festgelegten Stunde des Tages, schaut er aus dem Fenster zur Piazza San Pietro, zu den Touristen hinunter, um sein Angelusgebet zu sprechen.
(26.07.12 s.55)

Daß ein kleines Problemchen mit dem Istituto per le Opere di Religione (IOR) besteht, hat papa absconditus noch gar nicht bemerken können. 
Das ist ja auch etwas ganz Neues. 
Noch nie in der Vergangenheit gab es Unregelmäßigkeiten bei den Vatikanfinanzen.

Aber vielleicht stimmt es ja tatsächlich, daß sich der Papst nur mit den Glaubens-essentiellen Dingen beschäftigt.

Denn der Pontifex Maximus wird nur bei Vorgängen von universaler Bedeutung persönlich aktiv wird.

Zum Beispiel das Titelbild einer kleinen satirischen Zeitschrift aus Frankfurt.

Da wirft der flotte Ratzi sich in für den Vatikan sagenhafter Geschwindigkeit in die Schlacht.
Eine Fotomontage duldet er nicht.

"Wir danken dem Heiligen Vater für sein Interesse an unserem Magazin und bitten erneut um den päpstlichen Segen", sagte Fischer in einer Mitteilung gewohnt ironisch. Das Verbot der vergangenen Ausgabe habe eine Auflagensteigerung von mehr als 70 Prozent bewirkt, in den Bahnhofsbuchhandlungen sei die Ausgabe ausverkauft gewesen. "Nun hoffen wir, dass der Heilige Stuhl auch diesen neuen Titel ähnlich abwegig und rufschädigend interpretiert", sagte der "Titanic"-Chefredakteur. Es ist das erste Mal, dass ein Papst zivilrechtlich gegen die "Titanic" vorgeht.



Samstag, 28. Juli 2012

Wie man zum führenden Ethiker wird.



Heutzutage ist der ethische Kompass vieler Politiker nicht mehr ganz so ausgeprägt. 
Das war möglicherweise nie anders, aber früher waren gut und böse einfacher zu erkennen.

Es herrschte Konsens über die abzulehnenden Dinge, wie Schwule, Schwarze, Sozialisten, uneheliche Geborene, Langhaarige und Verhütung.

Inzwischen gibt es viele Nörgler, die das manichäische Konstrukt ins Wanken bringen.

Da vertraut eine Bundesregierung nicht mehr ausschließlich auf ihre eigenen Werte, sondern hält sich einen „Ethikrat“, der per di mufti erklärt was moralisch vertretbar ist und was nicht.

Gemäß seinem Auftrag verfolgt der Deutsche Ethikrat die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben.

Wie kommt man in dieses nationale Über-Ich-Gremium?
 Dazu ist am besten Ex-Politiker oder Theologe.

Mitglieder sind unter anderem Prof. Dr. theol. Peter Dabrock, Prof. Dr. theol. Wolfgang Huber, Bischof a. D., Weihbischof Dr. theol. Anton Losinger, Herbert Mertin, FDP, Justizminister a. D, Prof. Dr. theol. h. c. Eckhard Nagel, Edzard Schmidt-Jortzig, FDP- Justizminister a. D., Prof. Dr. theol. Eberhard Schockenhoff, Dr. phil. Michael Wunder (Evangelische Stiftung Alsterdorf).

Nicht in den Bundesethikrat gehören, Humanisten, Freidenker oder, Gott bewahre, Menschen aus armen Verhältnissen.

Prominentester „Ethiker“ des Gremiums ist sicherlich der langjährige EKD-Chef Bischof Huber.

Er hat das richtige Elternhaus.

Sein Großvater mütterlicherseits war der Pietist, Jurist, Politiker, Staatsmann und  Industrielle Walter Simons. 
Als Chef der Weimarer Reichskanzlei lehnte er den Versailler Vertrag ab und wurde leitender Geschäftsführer des Vereins Deutscher Industrieller. 
1920 stieg er zum Reichsaußenminister auf und fungierte als Präsident des Reichsgerichts in Leipzig nach dem Tode des Reichspräsidenten Ebert sogar drei Monate (bis zur Ernennung Hindenburgs) als Reichspräsident.

Hubers Vater war der führende NS-Jurist Ernst Rudolf Huber, der die Nürnberger Rassegesetze mit formulierte.
Der kleine Wolfgang, im jugendlichen Alter von 70 Jahren, schämt sich nun ein bißchen für seinen Vater….

„Etwa wenn er dessen Korrespondenz im Keller des Hauses ordnete und immer mal wieder in den juristischen Schriften des Vaters las – und Stellen fand, in denen er die Judenverfolgung durch die Nazis „im Interesse der Geschlossenheit des Staatsvolkes“ legitimierte.   Wolfgang Huber sagt […]: „Das wirkte grauenhaft auf mich.“ In seiner inneren Haltung zu seinem Vater aber habe ihn das nicht schwankend gemacht: „Einerseits war da der Schock in der Eindeutigkeit, andererseits die Schwierigkeit: Wie soll man das als 14-Jähriger vor seinem Vater ansprechen, ohne dabei die Loyalität aufzukündigen?“

Huber Junior hat ganz eindeutige Positionen.

Huber ist ein Gegner der Embryonenforschung. In der von ihm geführten Diskussion geht es zum einen um die Bestimmung des Menschen. Für ihn ist das Menschsein nicht abhängig von der biologischen Entwicklung, sondern grundsätzlich gegeben durch die Gottesebenbildlichkeit. Die Gleichsetzung des Menschen mit seiner naturalen Ausstattung ist der eine Weg dazu, die Person als Subjekt der Freiheit verschwinden zu lassen. Den anderen Grund sieht er in dem Fortschrittsglauben der Wissenschaft.
(Wiki)

Und wenn die „naturale“ Realität nicht passt, wird sie passend gemacht.

Das erklärte Bischof Wolfgang Huber einst im TV.

Das sagt der Mann, der als oberster Evangele Deutschlands seine Moral beeindruckend unter Beweis stellte.
Dass Huber, der es immerhin fertigbrachte, als EKD-Ratsvorsitzender in einem Schreiben für „Pro Reli“ in 11 Sätzen 6 mal die Unwahrheit zu sagen, heute als Redner und Berater (Hubers Homepage: „Vordenker“) zum Thema „Ethik“ unterwegs ist und sich „vor allem der Wertevermittlung in Wirtschaft und Gesellschaft“ widmet, erinnert in seiner Dreistigkeit ebenfalls an den Verteidigungsminister.)
(Skydaddy 25.02.2011)
Berauscht von seiner eigenen Wichtigkeit stellte er sich ganz selbstverständlich außerhalb der normalen Koordinaten von Anstand und Wahrhaftigkeit.

Er behauptete einfach Dinge, wie es ihm gefiel und ließ sich nicht mehr von Fakten und der Realität verwirren.
Im Fernsehen, in einer Quasselrunde bei Kerner ging er gemeinsam mit seinem katholischen Bischofskollegen Jaschke soweit zu behaupten, daß eine Gesellschaft aus Atheisten eine Horrorvorstellung für ihn wäre, da man ohne Gott nicht über Moral verfüge, also nicht wisse was richtig und was falsch wäre.

Das allein qualifiziert noch nicht für den Ethikrat.

 Man benötigt noch die entsprechende Vernetzung mit publizistischen Leuchttürmen der Ethik. 


Unethischere Menschen wie Niggemeier, Wallraff oder Henschel können dem Chefethiker Huber leider nicht ganz folgen.

Obszönität, Skrupellosigkeit und Niedertracht sind für Gerhard Henschel die wichtigsten Erkennungsmerkmale der größten Medienmacht in Deutschland. In "Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung" wirft er dem Blatt vor, den Verfall der journalistischen Sitten ungehindert voranzutreiben.
"Es ist ja nicht nur einfach ekelerregend, wenn darüber berichtet wird, dass Paris Hilton ins Taxi gepinkelt habe, oder dass sich die Freundin eines britischen Thronfolgers am Hintern gekratzt habe. Das ist einfach geschmacklos, aber es geht um mehr: Es geht darum, dass ein Kretinismus in die Öffentlichkeit Einzug gehalten hat und auch auf andere Medien übergreift..."
"Wenn beispielsweise der evangelische Bischof Wolfgang Huber lustig der 'Bild'-Zeitung ein Interview nach dem anderen gewährt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, was in der Rubrik Telefonservice drinsteht, wo Kai Diekmann und der Rest der 'Bild'-Zeitung ständig so genannte telefonische 'Bumskontakte' vermitteln - ich erkenne hier doch einen gewissen Widerspruch..."

Mit diesem Hintergrund hat sich Bischof Huber dafür prädestiniert in der Springer-Bauer-Burda-CDU-Glotze-Republik Deutschland mit Preisen überhäuft zu werden.

    1982: Theodor-Heuss-Preis (gemeinsam mit der Kammer der EKD für öffentliche Verantwortung)
    1995: Honorarprofessor der Ruprecht-Karls- Universität Heidelberg sowie der Humboldt Universität zu Berlin
    1999: Comenius-Preis
    2004: Ehrenmitglied des Rotary-Clubs Berlin-Kurfürstendamm
    2005: Die Goldene Feder der Bauer-Verlagsgruppe
    2006: Ludwig-Wolker-Plakette des Deutschen Olympischen Sportbunds
    2006: Ehrenmitglied des Johanniterordens
    2007: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland
    2007: Hermann-Ehlers-Medaille des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU
    2007: Ehrenmitglied von Hertha BSC
    2007: Schirmherr des Deutschen Kinderpreises[34]
    2008: Agricola-Medaille der Lutherischen Kirche von Finnland
    2008: Ehrendoktor der Christlichen Akademie in Warschau
    2009: Verdienstorden des Landes Berlin
    2009: Europäischer Kulturpreis für Theologie
    2009: Vordenkerpreis der Plansecur-Unternehmensgruppe
    2010: Sexauer Gemeindepreis für Theologie
    2010: Ehrenmitglied des Rotary-Clubs Brandenburg/Havel
    2011: Gastprofessur des Frank-Loeb-Instituts Landau an der Universität
    2011: Kulturgroschen des Deutschen Kulturrats

So ein Profi-Lügner und BILD-Zeitungsliebling erschien dann auch der früher mal ehrenhaften Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT als perfekter Ethik-Lehrer.

BILD + ETHIK + Religiotismus. Da haben sich drei gefunden.

Die „ZEIT-Akademie“ wirbt massiv für Ethik-Aufklärung. 
Dazu soll man für schlappe € 149,- eine Aufklärungs-DVD des notorischen Lügners und Faktenverdrehers Wolfgang Huber erstehen.

DVD-Seminar »Ethik«
Die Grundfragen unseres Lebens
Was ist gut – und was ist richtig? Leben wir, um zu arbeiten? Wollen wir den perfekten Menschen? Für wen tragen wir Verantwortung? Im neuen Seminar »Ethik« der ZEIT Akademie erörtert der angesehene Theologe Prof. Dr. Wolfgang Huber die ethischen Grundfragen auf dem menschlichen Lebensweg - von der Geburt bis zum Tod.

Da haben di Lorenzo und Co sich ja mit dem Ex-EKD-Vorsitzenden, der gegen Ungläubige hetzt und dafür sorgt, daß kirchliche Mitarbeiter keine normalen Arbeitnehmerrechte genießen dürfen, genau den Richtigen gefunden.

Freitag, 27. Juli 2012

Sarah Palin 2.0





Geahnt hatte ich es ja schon, aber noch bevor die Eröffnungsfeierlichkeiten zur Olympiade in London begannen, absolvierte Mitt Romney schon einige beeindruckende Sprünge direkt in die Fettnäpfchen. 

Sowohl der konservative Bürgermeister Londons auch als der konservative Premier sind so verärgert über den US- Republikaner, daß sie ihm heftig widersprachen.

Es sei "schwer zu sagen, wie gut es werden wird", hatte Romney im US-Fernsehsender NBC erklärt.
Es gebe "beunruhigende Zeichen", ob Großbritannien in der Lage sei, ein Ereignis dieser Größenordnung auszurichten. Romney hatte als Chef des Organisationskomitees die Olympischen Winterspiele von Salt Lake City 2002 mitorganisiert.
Londons Bürgermeister Boris Johnson widersprach dem Amerikaner sofort. "London ist so gut auf die Olympischen Spiele vorbereitet wie jede andere Gastgeberstadt zuvor", sagte er. […]
Einen Seitenhieb auf Romney konnte er sich [auch Premierminister David Cameron] nicht verkneifen: "Wir organisieren die Olympischen Spiele in einer der belebtesten, aktivsten Städte der Welt", sagte er, um dann, mit Blick auf Romney und Salt Lake City, zu lästern: "Es ist natürlich einfacher, wenn man die Spiele mitten im Nirgendwo abhält."

Nach zwölf Stunden in England vollbrachte es der US-Präsidentschaftskandidat schon sich auf der gesamten Insel unbeliebt zu machen.
Wenig verwunderlich; schließlich gehört Großbritannien zum ungeliebten Europa. 
Das reicht eigentlich schon aus, um Romneys Hass auf sich zu ziehen. 
Dem traditionell engsten europäischen Alliierten der Staaten attestierte der morbide Mormone schon in seinem aktuellen Buch „No Apology: Believe in America“ (2011) Lächerlichkeit.



"England is just a small island. Its roads and houses are small. With few exceptions, it doesn't make things that people in the rest of the world want to buy. And if it hadn't been separated from the continent by water, it almost certainly would have been lost to Hitler's ambitions."

The Queen was not amused.


Der globale Horizont des Kandidaten ist so deprimierend unterkomplex, altbacken und plump, daß der republikanische Außenpolitik-Haudegen Henry Kissinger in Depressionen verfällt.

Romneys Weltbild, so wie er es jüngst in einer Rede vor Kriegsveteranen dargelegt hat, ist eine seltsame Mischung. Da ist Amerika: stolz, stark, großartig, eine Macht, deren 'Schicksal' es ist, die freie Welt zu führen und Gutes zu tun. Und da sind die 'Gegner'. Russland gehört irgendwie immer noch in diese Gruppe, Iran sowieso, islamische Terroristen und China, das aber nicht so richtig, denn das Riesenreich ist ja zugleich einer der wichtigsten Handelspartner und der größte Gläubiger der USA. In Romneys Vorstellung ist Amerika immer noch das Amerika der späten vierziger Jahre, das Adolf Hitler besiegt hat und Josef Stalin die Stirn bietet. Und die Welt ist eine, in der die Schurken nicht mehr nur in Moskau sitzen, sondern auch in Teheran. Sonst hat sich eigentlich nichts verändert. […] Romney hat bislang viel Kritik an Obamas Außenpolitik geäußert, aber wenig dazu gesagt, was er eigentlich anders machen würde. Doch das seltsame Weltbild des Kandidaten zeigt, wie erschütternd niedrig das Niveau inzwischen ist, auf dem man als durchaus wichtiger Mensch in den USA über Außenpolitik nachdenken und reden kann.   All die Dinge, die den Umgang von Staaten miteinander beeinflussen - Interessen, geostrategische Gegebenheiten, gegenseitige Abhängigkeiten, Allianzen, Diplomatie -, kommen bei Romney einfach nicht vor. Als einzigen wahren US-Verbündeten erwähnt der Kandidat Israel. Ähnlich unoriginell sind die Stationen seiner derzeitigen Auslandstour: Großbritannien, Polen und wieder Israel.

Die Frage ist jetzt, ob es Romneys (potentielle) Wähler stört, daß der GOPer wie einen Hirn-ektomierter Elefant im Europäischen Porzellan umherstolpert.

Auch George W. reihte Patzer an Patzer, stürzte die ganze Welt in Kriege und in eine Weltfinanzkrise. Amerikas Ansehen in der Welt rutschte unter GWB auf einen historischen Tiefstand. Zumindest die Republikaner mochten das und wählten ihn 2004 gleich noch mal zum Präsidenten. 

On his first visit to Brazil as president, George W. Bush baffled Brazilian President Fernando Henrique Cardoso with the question "Do you have blacks, too?"
Then Secretary of State Condoleezza Rice came to her boss's rescue, telling the new president, "Mr. President, Brazil probably has more blacks than the USA. Some say it's the country with the most blacks outside Africa," Der Spiegel reported.
Cardoso wrote off Bush's remark, saying he was "still in his learning phase."

Daß Romney schon am Anfangstag der Olympiade die Goldmedaille im Fettnapftreten gewann, muß also kein schlechtes Zeichen sein. 

"The only person who has seen Romney's taxes is John McCain and he took one look and picked Sarah Palin"
(James Carville)

Der vorherige Fettnapf-König Silvio Berlusconi stammt immerhin aus einem Land, in dem sehr viel Wert auf „bella figura“ gelegt wird - und dennoch wählten und wählten sie ihn zum Premier.

Nett sein zu den Briten? Warum denn? Daheim sitzen die Erzkonservativen, die Tea-Party-Bewegung, deren Name nicht zufällig an einen Akt des Widerstands gegen die britische Kolonialmacht im Jahr 1773 erinnert. Der Tea Party war Romney bislang viel zu liberal, bei ihr wird er mit seinen Aussagen Eindruck gemacht haben. Oder? Eine Auswahl:
  • [] Nach einem - geheimen - Treffen mit dem Chef des britischen Auslands-Geheimdienstes MI6 erklärte Mitt Romney der Presse, er wisse dessen Ansichten zu schätzen. Womit das Treffen nicht mehr geheim war. Dafür vergab die Londoner Tageszeitung The Guardian fünf von zehn Punkten auf der Schamesröte-Skala.
  • [] "Beunruhigende Anzeichen", sah Romney hinsichtlich der Frage, ob London in der Lage sei, die Olympischen Spiele auszurichten. Es sei "schwer zu sagen, wie gut es werden wird". Romney hatte selbst die Winterspiele 2002 mitorganisiert. Der britische Premier David Cameron konterte im Hinblick auf den damaligen Austragungsort Salt Lake City, Utah: "Es ist natürlich einfacher, wenn man die Spiele mitten im Nirgendwo abhält." Vom Guardian gab es dafür acht von zehn Peinlichkeits-Punkten.
  • [] Noch deutlicher wurde Londons Bürgermeister Boris Johnson, Spitzname "Die blonde Gefahr", der bei der Entzündung des Olympischen Feuers Zehntausenden im Hyde Park zurief: "Wie ich hörte, gibt es einen Typen namens Mitt Romney, der wissen möchte, ob wir bereit sind. Sind wir bereit?" Die Menge antwortete mit einem vielstimmigen "Yes". Vom Guardian erhält Romney für diese Demütigung die volle Peinlichkeits-Punktzahl und den Ratschlag: "Time to go home."
  • [] Nebenbei redete Romney den britischen Oppositionsführer Ed Miliband mit "Mister Leader" an, was amerikanischen Gepflogenheiten entspricht, für die Briten aber nach Nordkorea klang (drei Punkte). Außerdem sprach er von der "Nation of Great Britain", was Blödsinn ist, weil die Nationen England, Schottland und Wales das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland bilden (ohne Wertung).

Bisher schweigen sich die GOPer über Romneys Europäische Eskapaden aus. 
Dafür vernimmt man die Demokraten umso lauter.

He hasn't been in London for two full days and already he's been verbally upbraided by London's mayor and been the subject of a snide comment by the British prime minister. He referred publicly to the head of the British spy agency MI6, which apparently in England is just not done. And he's had an unnamed staffer criticized for comments about a shared "Anglo Saxon heritage."
On Thursday evening on BBC2's "Newsnight," Hugh Robertson, a Conservative member of Parliament and minister for sport and the Olympics, was asked whether Romney might participate in carrying the torch ahead of Friday night's ceremony.
He immediately broke out in laughter. "Certainly not after today," said Robertson.
Stateside, Sen. Harry Reid is not pleased with the presumptive GOP nominee's performance so far in London. "It's not good for us as a country -- it's not good for him -- but as a country to have somebody that's nominated by one of the principal parties to go over and insult everybody," the Nevada Democrat told the Huffington Post.

Für mehr Aufregung könnten die nächsten beiden Etappen sorgen. Man weiß schließlich nicht, was Romney in Polen anstellt.
Es gibt eine Menge polnischstämmiger Amerikaner, die sich persönlich auf den Fuß getreten fühlen könnten.
Und schließlich Israel, der heilige Gral der GOP-Außenpolitik. Auch dort könnte er sich durch allzu viel Dümmlichkeit unbeliebt machen.

Man kann nur froh sein, daß Mitt a) (noch?) nicht Präsident ist und b) nicht in so wichtige Länder wie Russland oder China reist, oder gar Krisenregionen wie Ägypten oder Afghanistan besucht.
Der Mormone könnte dort so nachhaltig palinisieren, daß ernsthafte Krisen ausgelöst werden können.

According to Mitt Romney, Russia is America's "No. 1 geopolitical foe."
Not Iran, whom the U.S. has heavily sanctioned in an attempt to prevent it from getting a nuclear weapon, nor North Korea, whom the U.S. has asked the United Nations to more harshly sanction, but Russia, a country that the U.S. has diplomatic relations with and which is considered an ally in the war in Afghanistan.
In a March interview shortly after Obama's open mic moment with Medvedev, Romney said Russia "always stands up for the world's worst actors."
"They fight every cause for the world's worst actors," Romney told CNN's Wolf Blitzer, noting that Russia often opposes the U.S. in the United Nations Security Council.
(AMY BINGHAM 26.07.12)


Donnerstag, 26. Juli 2012

Der Christ des Tages - Teil LXIV




Man soll sich ja nicht über Behinderte lustig machen. 
Also auch nicht über Geronten, bei denen die Altersdemenz schon voll zugeschlagen hat. 

Der Christ des Tages Nr. 64, wurde im Jahr 1927 geboren, genießt also eigentlich schon Opi-Schutz. Allerdings hat er auch bereits in jungen Jahren mit Doofheit brilliert und somit kann ich Robert Spaemann tatsächlich heute „würdigen“.

Er ist Philosoph und hatte Lehrstühle in Stuttgart (bis 1968), Heidelberg (bis 1972) und München inne.
Spaemann ist katholisch. Und zwar nicht zu knapp.

Hans Küngs planetaren Erfolg mit dem „Projekt Weltethos“ bei dem oberhalb der religiösen Strömungen weltweit verbindliche Ethik-Standards formuliert werden, treibt Spaemann zur Weißglut. Alles außer Katholizismus darf nicht sein.

Als Philosoph agitiert er auch gegen humanistischen Anliegen wie Sterbehilfe oder straffreien Schwangerschaftsabbruch.
Ähnlich wie beim Maischberger-Will-Möbelstück Arnulf Baring gilt auch bei Robert Spaemann „Je älter, desto weiter rechts“. 

Er kämpft beispielsweise für das Kreuz.net-Partnerblatt „Junge Freiheit“.

So viel erzkonservativer Irrsinn hat Spaemann einen neuen Freund beschert. Der Papst schätzt seinen Rat so sehr, daß er ihn im September 2006 privat nach Castel Gandolfo einlud.

Gerne beschäftigt sich Spaemann mit Gottesbeweisen. 
An Gott zu glauben ist für ihn ein Resultat der Vernunft. Agnostizismus hingegen lehnt er radikal ab.
 Kein Wunder, daß er sich mit Ratzi so gut versteht und die Ehrendoktorwürde der Opus-Dei-Universität Navarra in Pamplona erhielt.

Anlässlich des inzwischen legendären „Beschneidungsurteils“ des LG Köln lief Religiot Spaemann zur Hochform auf und verfasste für die ZEIT (Nr. 28/12) einen Aufsatz, der jeden denkenden Menschen mit den Ohren schlackern läßt.

Da dieses Thema inhaltlich schon mehrfach ausführlich getammoxt wurde, belasse ich es dabei ein paar Spaemann-Sätze unkommentiert zu zitieren.

Das ist ein beispielloser Angriff auf die Identität religiöser Familien.
Das Kölner Landgericht hat die Beschneidung eines kleinen Kindes für strafbar erklärt. Dieses Urteil ist entweder ein Fanal für die Befreiung von Millionen von Kindern der ganzen Welt, oder es ist eines der Ungeheuer auf Goyas enigmatischem Stich »Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer«. In diesem Fall sollte es allerdings wiederum ein Fanal sein, nämlich für den Widerstand gegen einen mächtigen Trend innerhalb der westlichen Welt.
[…] Die Verletzung [durch die Genitalverstümmelung- T.] ist aber geringfügig. Sie entspricht in ihrer Schwere zum Beispiel einer Masernimpfung, die bekanntlich von manchen Ärzten abgelehnt wird und bei der es Recht der Eltern ist, zu entscheiden, welcher Schulmeinung sie sich im Interesse des Kindes anschließen. […] Die Beschneidung von Knaben [….]  fügt keine großen Schmerzen zu, sie hinterlässt keine körperliche Verunstaltung und keine seelische Traumatisierung. […]  Das Gericht hat den soziologischen, ethnokulturellen Aspekt gänzlich ignoriert und einen beispiellosen Angriff auf die Identität jüdischer Familien geführt. […] Das eigentliche, das Hintergrundargument scheint mir zu sein, dass religiöse Erziehung von Kindern überhaupt verschwinden müsse, weil sie die spätere religiöse Selbstbestimmung präjudiziere und beeinträchtige.

Selbst der immer religiöser werdenden ZEIT war diese Einschätzung nun doch zu vernagelt und so erschien in der Woche drauf eine Replik des emeritierten Jura-Professors Rolf Dietrich Herzberg, welcher das LGKöln-Urteil ausdrücklich verteidigte.

Spaemanns erzkatholische Ausbrüche erfolgen inzwischen in immer kürzeren Abständen. 

Während die Feuilletons noch zirkumzisionistisch glühen und die Bundestagsentschließung zur Straffreiheit der Genitalverkrüppelung mittlerweile schon als ähnlich großer Polit-Murx wie das Meldegesetz oder das Bundestagswahlrecht von 2011 gewertet wird, wirft sich der Christ des Tages schon in die nächste Schlacht.

Er springt auf den Martin-Mosebach-Zug auf. 
Hardcore-Religiot Mosebach hatte sich leidenschaftlich für eine Verschärfung des Gotteslästerungsparagraphen eingesetzt.
Ein Spaemann mag da nicht schweigen. 
Harte Strafen für Blasphemisten befürwortet der Philosoph.

 Eine Plattform bietet ihm diesmal die FAZ, die Spaemanns Aufsatz leider nicht online gestellt hat. Die Zitate anderer Medien sind aber ausreichend, um sich ein Bild zu machen.

 Die Beleidigung von Religion sollte nach Ansicht des Philosophen Robert Spaemann (85) unter Strafe gestellt werden. Der Staat dürfe nicht zulassen, dass das, was religiösen Bürgern das Heiligste sei, «ungestraft öffentlich verhöhnt, lächerlich gemacht und mit Schmutzkübeln übergossen werden darf», schreibt Spaemann in einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Donnerstag). […]  
Nach Spaemanns Worten sollte Beleidigung von Religion etwa doppelt so schwer bestraft werden wie die Beleidigung von Menschen, weil sie die Gläubigen stärker verletze als die Beleidigung der eigenen Person. Der Ermessensspielraum der Richter müsse dabei weit genug sein, um echte von vermeintlicher Blasphemie zu unterscheiden. Schon aus Eigeninteresse sollte der Staat den Respekt vor der christlichen Religion pflegen, die «zu den wichtigsten Wurzeln unserer Zivilisation» gehöre.   […] Die Leugnung des Holocaust sollte nach Meinung von Robert Spaemann nicht strafbar sein. […]
«Der Völkermord an den Juden in Europa ist seit den 70er Jahren in eine quasi sakrale Ebene erhoben worden», kritisiert der Philosoph. Einige, wie der frühere Außenminister Joschka Fischer, wollten im Holocaust sogar den «Gründungsmythos» der Bundesrepublik sehen.

Und wieder hat Prof Spaemann neue Freunde gefunden. 

Die Kreuznet-Redaktion ist begeistert von ihm:

Der Philosoph erklärt, daß der säkulare deutsche Staat trotz seiner Religionsneutralität dem deutschen „Völkermord an den Juden“ eine Quasi-Sakralität zuerkennt „wie dem Kreuzestod Jesu“.
Die „Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden“ sollte nach Spaemann nicht strafbar sein – ebenso wenig „wie die Leugnung des Kreuzestodes Jesu zum Beispiel im Koran.“
 (Hakenkreuznet 26.07.12)

Mittwoch, 25. Juli 2012

Wie sich das Klein Mitt so vorstellt.



Die Geographie-Unfähigkeiten der Durchschnittsamerikaner sind Legende.


 Angeblich kann nur eine Minderheit der USAner die Nachbarländer ihrer eigenen Nation aufzählen. Dabei ist die Liste - Mexico und Kanada - durchaus überschaulich.
(Michael Moore schlug einst vor, Amerika dürfe keinen Krieg gegen ein Land beginnen, welches der Präsident nicht auf dem Globus finden könne. Der Irakkrieg wäre uns sicherlich erspart geblieben.)



Da ich diese Statistiken nicht selbst gefälscht habe, weiß ich nicht ob man ihnen trauen kann. Fest steht, daß solche Umfragen auch in Deutschland sagenhafte Unkenntnisse hervorbringen. Zeigt man einem Jugendlichen in Berlin bei einer Straßenumfrage eine Blind-Karte von Europa und bittet ihn die Länder zu benennen, wird er in vielen Fällen noch nicht einmal Deutschland finden.


Der Unterschied zu Amerika besteht darin, daß völlige erdkundliche und geopolitische Ahnungslosigkeit tendenziell eher peinlich ist.
Spitzenpolitiker, die wie Guido Westerwelle über keinerlei außenpolitisches Interesse verfügen und das Amt des Außenministers antreten, ohne jemals im Leben in Washington oder Paris gewesen zu sein, sind eher selten.
Es bekommt ihm auch nicht.
Den Job als Deutschlands oberster Diplomat gemütlich nebenbei auf einer Arschbacke abzusitzen, während er weiterhin seiner Vorliebe für Parteipolitik frönt und die innenpolitischen Strippen zieht, war der Plan.
Ein Plan, der katastrophal scheiterte.
Westerwelle verlor zwei seiner drei Ämter, riss seine Partei und die Regierung in den Abgrund und hat heute die politische Autorität eines Plattwurms.
Vermutlich würde er es noch nicht mal mehr schaffen zu röslern (=durch dummerhaftige Bemerkungen Europas Börsen abstürzen lassen). Selbst, wenn er wollte, gelänge dies nicht, weil ganz Europa weiß, das Wort des deutschen Außenministers ist bedeutungslos - und wenn er mit dem Fuß aufstampfend noch so einen Veitstanz aufführte.
 „Ich bin nicht als Tourist in kurzen Hosen hier. Was ich sage, zählt!“


Der deutsche Urnenpöbel weiß zwar auch keine Lösungen für die europäische Finanzkrise, den Afghanistanabzug oder die Lyse Syriens, aber er ärgert sich dennoch, wenn der zuständige Minister geistig entleert von Fettnapf zu Fettnapf hüpft.

In Amerika läuft das ziemlich anders. Es gibt zwar durchaus professionelle Außenpolitik-Experten und Personen, die sich wie Hillary Clinton so sehr in die Sache hängen, daß sie sich beim vielen Rumfliegen gelegentlich schon selbst begegnen. 


Aber selbst der mächtige Außenpolitik-Ausschuss des Senats (U.S. Senate Committee on Foreign Relations) wird zunehmend von Vollhorsten besetzt.


Hinter dem Politfuchs und Vorsitzenden John Kerry gibt es unter den weiteren 18 Mitgliedern auch Typen wie die beiden 41-Jährigen Teebeutler Marco Rubio (Senator aus Florida) und Mike Lee (Senator aus Utah). 

Mitglied des Außenpolitikausschusses ist außerdem der ultrakonservative Quäker James Mountain „Jim“ Inhofe aus Oklahoma, der sich den Kampf gegen Schwule auf die Fahnen geschrieben hat. 



Weiterhin setzt er sich massiv für totale Waffenfreiheit und Pflichtschulgebete ein.
Ein Chefaußenpolitiker ist außerdem Senator James Warren „Jim“ DeMint (South Carolina)
Nach einem Ranking des National Journal war DeMint im Jahr 2007 der Senator mit dem konservativstem Abstimmverhalten. […]  Während der Regierungszeiten der Präsidenten Bush und Obama lehnte er regelmäßig Ausgabensteigerungen ab und stimmte auch gegen die „Bailouts“ für Banken und Firmen während der Finanzkrise 2008.  Er ist Mitglied der christlich-fundamentalistischen Organisation The Family und lehnt Abtreibungen kategorisch, d.h. auch nach Inzest oder Vergewaltigung ab und tritt für das Schulgebet ein.
(Wiki)

Für Republikaner gilt es geradezu als eine Art Vaterlandsverrat außenpolitische Kenntnisse zu haben.


George W. Bush, der vor seinem Wahlkampf 2000 angeblich noch nicht einmal einen Reisepass besaß, weil er die USA nie verlassen hatte, kokettierte geradezu damit nichts von der Welt zu wissen. Es funktionierte und machte ihn sympathisch für all die amerikanischen Hillibillies, die auch nie im Leben das Land verlassen würden.

Auch Sarah Palin beantragte im Präsidentschaftswahlkampf 2008 ihren ersten Pass. 
Vorher begnügte sie sich damit Russland quasi von ihrem Wohnzimmer aus sehen zu können und bewies ihre sagenhafte Ahnungslosigkeit Tag für Tag. Auch sie wurde zur Ikone und hat Millionen Fans.
Diese Zimmertemperatur-IQ-Frau erschien McCain damals übrigens wesentlich geeigneter für das Vizepräsidentenamt als ein gewisser Mitt Romney, der ebenfalls im Gespräch war.


GOPer können mit ihrer Doofheit punkten.

 Auch die Kandidaten Rick Perry und Herman Cain waren beinahe stolz, als ihre enormen außenpolitischen Bildungslücken offenbar wurden.



Der hochgebildete John Kerry scheiterte unter anderem 2004 daran, daß er UND seine Frau als „Polyglotte“ enttarnt wurden.
 Wer noch andere Sprachen außer „amerikanisch“ spricht, gilt als suspekt.

Der aktuelle Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist ebenfalls ein außenpolitisches Greenhorn. Man weiß aber, daß er theoretisch französisch sprechen können sollte, da er zwei Jahre als Mormonen-Missionar in Frankreich lebte.
Romney weigert sich aber aus gutem Grund beharrlich in der Öffentlichkeit ein einziges französisches Wort zu reden - seine teebeutelnden Wähler würden es ihm verdammt übel nehmen.



Selbst für die weit nach rechts in politische Abseits gerutschten US-Republikaner gehört es sich aber traditionell im Wahlkampf eine Auslandsreise anzutreten.
Es könnte ja noch zwei oder gar drei Wähler geben, denen Außenpolitik nicht völlig egal ist
Dabei hatte Romney schon im Vorwahlkampf klar gemacht was er von der „Welt da draußen“ hält: 

Militärische Aktionen sind gut, Israel muß bedingungslos unterstützt werden und alle Europäer sind böse sozialistische Scheißer.

"Zum Teufel", hat der Präsidentschaftskandidat gerufen, "Europa funktioniert nicht mal in Europa!" Und der Präsident? Barack Obama hole sich Rat bei den Europäern, "er will uns zu einer Nation der Leistungsempfänger machen".
So munter ging es zu während des Vorwahlkampfs der Republikaner. Auf Veranstaltungen, wo sie Obama für einen Sozialisten halten, also quasi einen Europäer. Der Kandidat Romney indes ließ keinen Zweifel daran, dass er keineswegs gedenkt, sich und Amerika in den Strudel des untergehenden Abendlands hineinziehen zu lassen. […] Neben stetem Europa-Bashing ist er mit Verbal-Attacken auf Chinesen und Russen aufgefallen. Das rote Riesenreich nannte er einen Währungsmanipulator; Russland "ohne Frage unseren geopolitischen Gegner Nummer eins". Gegen Irans Mullah-Regime fordert er eine härtere Linie, Obama wirft er vor, Israel zu "opfern". Den US-Militärhaushalt will er aufstocken, 100.000 zusätzliche Soldaten rekrutieren. Die Festlegung auf 2014 als Jahr des Abzugs aus Afghanistan hat er stets kritisiert.

Romneys „Weltreise“ beginnt jetzt.
Natürlich fragte man sich, welche Länder er besuchen würde.
 China und Russland, die Schlüsselstaaten im UN-Sicherheitsrat?
 Würde er es Obama nachmachen und in Berlin aufschlagen? Immerhin ist Deutschland zweifelsohne der Hauptakteur der Europäischen Finanzkrise. Ohne Berlin geht nichts.
Der Nahe Osten? Wird der GOPer sich selbst ein Bild von den Umbrüchen in Ägypten und Tunesien machen?
 Oder denkt er womöglich an das für die USA so ungemein wichtige Süd- und Mittelamerika? Mexiko? Brasilien? 

Truppenbesuche in Bagdad oder Kabul?

Von Mittwoch an bereist er in sechs Tagen drei Länder: Großbritannien, Israel, Polen. Der Kandidat, so erklärt seine Kampagne, wolle demütig "lernen und zuhören". Und der Trip folge einem roten Faden. Alle drei Nationen seien "Säulen der Freiheit" und treueste Verbündete.
[…] Romneys Berater wollten katholische und jüdische Wähler umgarnen - und von unterwegs eine bekannte Kernbotschaft nach Amerika schicken: "Sie wollen das Argument unterstreichen, Obama habe sich zu sehr um Amerikas Feinde gekümmert - und zeigen, dass Romney vor allem Amerikas Freunde und Alliierte unterstützen werde."
[…] Am wichtigsten ist Romneys PR-Beratern der Termin am Freitagabend. Da wird Romney allerlei US-Olympioniken treffen, und er wird an der Eröffnung der Olympischen Spiele teilnehmen.
Beispiel zwei, Israel. […]
Premier Benjamin Netanjahu, mit dem Romney seit Mitte der siebziger Jahre nach ihrer Zeit bei einer Consultingfirma in Boston befreundet ist, diente den Republikanern mehrfach als Kronzeuge [der Obama-] Kritik: Während einer Rede vor dem US-Kongress, in der Netanjahu sich ungewöhnlich offen gegen Obamas Nahost-Politik verwahrte, erntete der Israeli frenetischen Beifall.
 (Christian Wernicke, 25.07.2012)