Samstag, 26. November 2022

Geld auf den größten Haufen.  

Als ich mir ein Bein gebrochen hatte; als ich mit Covid richtig krank war, fragten mich die Ärzte immer freundlich, ob ich einen „gelben Schein“ brauche.

Schön wäre es. Aber eine Krankschreibung nützt mir als Ein-Mann-Selbstständigem natürlich gar nichts. Ob ich arbeiten kann, im Krankenhaus operiert werde oder mit 40° Fieber im Bett klebe, ist egal: Meine Unkosten bleiben: Miete, private Krankenversicherung, genau wie alle anderen Fixkosten. Ich muss auch den Steuerberater bezahlen und als Single in Steuerklasse 1 all die sozialen Wohltaten für Familien mitbezahlen, die ich selbst nie in Anspruch nehme: Kindergeld, Kitas, Schulen. Nun meldet sich auch noch der Steuerberater und weist mich schon mal auf eine Steuernachzahlung für 2020 hin, für die ich dringend Geld zurücklegen muss. Also bloß keine Extra-Ausgaben mehr dieses Jahr.

Das tut psychologisch weh, weil es um Geld geht, das ich schon verdient habe, das auf meinem Konto gelandet ist und das ich nun weg geben muss. Selbst Steuern zu zahlen, macht gar keinen Spaß.

Wenn ich die Perspektive etwas vergrößere, sieht es schon anders aus.

Nur eine gute Hälfte der Bevölkerung zahlt überhaupt Einkommensteuer. Die anderen verdienen zu wenig.

Offenbar habe ich also das Glück zur reicheren Hälfte der Bürger zu gehören.

Wie viel Geld man im Monat erhält, sollte in einer Meritokratie von Fähigkeiten und Fleiß abhängen. Aber diese meritokratischen Überzeugungen habe ich für Deutschland inzwischen sehr stark eingedampft. Ich denke, der entscheidendere Faktor für Wohlstand, ist Glück. Multimillionär oder Milliardär wird man im Jahr 2022 durch Erben. Nicht durch harte Arbeit. Aber auch andere Formen des Wohlstandes hängen vom Zufall der Geburt ab. In welches soziale Umfeld wuchs man hinein, welche Schule konnte man besuchen, wie stabil war das Elternhaus?

Da hatte ich viel Glück, als Hamburger in einem gediegenen Vorstadt-Gymnasium zu starten. Aber auch da war man natürlich nicht gleich und Gleichen. Einige konnten sich keine Nachhilfe oder Klassenreisenteilnahmen leisten. Einige hatten zerrüttete Familien, kein eigenes Zimmer, nie Ruhe, um Hausaufgaben zu machen. Ich schätze meinen Background als mittelglücklich ein. Und ich hatte Glück im Mittelglück, daß ich schlau war und in der Schule keine Hilfe brauchte. Ich hätte niemanden nach Mathe oder Physik fragen können. Mein Vater sprach nicht mal deutsch und war Künstler. Es interessierte sich niemand für Hausaufgaben oder Zeugnisse.

Ich hätte aber viel mehr Pech haben können. Ein paar Kilometer weiter wuchsen Kinder gleichzeitig in Wohnungen auf, in denen nie ein Buch stand, der Vater kriminell war und ein Hauptschulabschluss das Höchste der Gefühle war. Damit ist ein Berufsleben und das finanzielle Auskommen ganz anders determiniert.

Aber auch das wäre mit einer anderen Perspektive noch enormen Glück. Es kommt immer auf die Relation an.  Auch in Hamburger Problemstadtteilen sind Hauptschüler krankenversichert, haben ordentliche Zähne, müssen nicht frieren oder hungern.

Paradiesische Zustände sind das aus der Sicht von Rumänen der 1980er Jahre.

Und was ist, wenn man als Kleinkind in Somalia oder dem Sudan in einem Hungerlager geboren wird? Oder als schwuler Junge in Mauretanien? Oder als indonesischer Gastarbeiter in Katar? Wie sind die Perspektiven als Mädchen in Zentralafrika, wenn man mit HIV geboren wird, die Schamlippen amputiert bekommt und mit 12 an einen Ehemann verkauft wird? Wie lebt es sich als Waisenmädchen in Libyen auf der Straße, wenn sämtliche Verwandte vom IS ermordet wurden?  Wie fühlen sich eigentlich halb russische, halb ukrainische Kinder in der Ostukraine bei Minusgraden ohne Heizung und ohne Strom?

So lange muss ich nicht nachdenken, um meinen Ärger über gestiegene Versicherungsbeiträge runterzuschlucken und willig meine Steuernachzahlung zu überweisen.

Ich bin ein Verfechter des Sozialstaates und der braucht Steuern.

Diese Einnahmen sollte der Finanzminister vorzugsweise von der reicheren Hälfte der Bevölkerung abziehen und insofern bin ich, ganz folgerichtig, auch dran.  Mir geht es gut. Ich hatte Glück. Also zahle ich auch gern für die Unglücklicheren.

Ein Problem bleibt aber.

So wie ich mich finanziell mit den ganz Armen in Afrika vergleichen kann und ein riesiges Wohlstandsgefälle zwischen uns feststelle, lassen sich auch zur anderen Seite des algorithmischen Geldstrahls, absurde Unterschiede feststellen. Klatten, Quandt, Albrecht, Schwarz, Kühne, Porsche, Reimann, Schaeffler leben in völlig anderen finanziellen Dimensionen und leider gelten für sie nicht alle Regeln. Sie müssen auch Steuern zahlen, tun es aber nicht, weil ihre Eltern bevor sie 10 Milliarden Euro vererben, zu findigen Liechtensteiner Steuertricksern gehen, die mit komplizierten Doppelstiftungsmodellen dafür sorgen, daß der Bundesfinanzminister leer ausgeht. Sie verlegen ihre Wohnsitze, verbergen Milliarden in Übersee-Holdings. Sie nutzen alle Schlupflöcher, werden aber nie ernsthaft verfolgt, weil sich Bundesländer wie Bayern geradezu damit brüsten, wenig Steuerfahnder zu haben. Das lockt milliardenschwere Unternehmer ins Bundesland.

Ja, ich bin überzeugter Steuerzahler. Aber ich würde eben noch viel lieber Steuern zahlen, wenn ich wüßte, daß sich Großkonzerne nicht so arm rechnen können, daß sie bei einem Steuersatz von Null rauskommen (Daimler Benz!). Die reichsten Männer der Welt – Bezos, Musk und Co – zahlen nicht nur keine Steuern, sondern greifen auch noch Staatshilfen und Subventionen ab.

Das Prinzip der Bankenkrise von 2008 – Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren – wird bis heute konsequent angewendet. So lange Konzernbosse märchenhafte Gewinne machen, fordern sie Steuersenkungen und absolute Zurückhaltung des Staates. Wenn sie aber den Karren in den Dreck gefahren haben, sind sie die ersten, die beim Bund die Hand aufhalten und gar nicht daran denken, mit ihrem zur Seite geschafften Privatvermögen für Verluste zu haften.

Es ist extrem ärgerlich, wenn ausgerechnet die allerreichsten Organisationen darüber hinaus auch noch ausdrücklich von Steuern befreit werden und es keine nennenswerte öffentliche Empörung darüber gibt.

Das Vermögen der Kirchen in Deutschland wird auf viele hundert Milliarden Euro geschätzt. Muss ich als Steuerzahler ausgerechnet dazu beitragen, einem Fantastillionen schweren Kinderfic**r-Verein weitere Milliarden auf den Kopf zu scheißen?

[…] Der Kirchenkritiker Carsten Frerk hat 2010 mit seinem "Violettbuch Kirchenfinanzen" für Aufsehen gesorgt. In der Publikation berechnet Frerk, dass der Staat über direkte und indirekte Leistungen die katholische und evangelische Kirche mit jährlich knapp 20 Milliarden Euro unterstützt. Die etwa 45 Milliarden Euro für Caritas und Diakonie sind darin nicht enthalten. Tatsächlich ist es kaum möglich,  verzweigt und hoch komplex. Die katholischen Bistümer gehen, wie auch die Evangelische Kirche in Deutschland, sehr zurückhaltend mit einer transparenten Offenlegung sämtlicher Zahlungsflüsse um.  [….]

(SZ, 14.10.2013)

Die Grünen weisen dankenswerterweise angesichts der ungeheuerlichen Vorgänge in Katar, darauf hin, daß auch FIFA, UEFA und DFB steuerbefreit sind.

Auch Infantino und seine hochkorrupten deutschen Funktionskollegen verdienen Milliarden mit ihren Turnieren, ohne Steuern zu zahlen.

Da tragen sich die Rolex-Uhren gleich mit doppelten Vergnügen.

[….]  Schleswig-Holsteins Grüne haben eine Überprüfung der Gemeinnützigkeit des Deutschen Fußball-Bundes gefordert. "Es widerspricht der Verantwortung als gemeinnütziger Verein, wenn der DFB Menschenrechtsverletzungen, die Diskriminierung queerer Menschen und Frauen sowie massiven strukturellen Rassismus, die Einschränkung der Berichterstattung und die Klimafolgen, die diese WM mit sich bringt, toleriert", sagte der Landesvorsitzende Gazi Freitag am Freitag vor dem Start der Weltmeisterschaft in Katar. Die Landessprecherin der Grünen Jugend, Johanna Schierloh, rief zum Boykott der WM auf. "Die Fußball-WM in Katar stattfinden zu lassen, ist auf sämtlichen Ebenen unverantwortlich", sagte Schierloh. Eine auf Ausbeutung und auf Kosten von Menschenleben und Menschenrechten basierende WM dürfe es nicht geben. DFB und FIFA müssten nachhaltig Verantwortung übernehmen. "Ein erster Schritt sind Entschädigungszahlungen für Betroffene und Hinterbliebene von Menschenrechtsverletzungen." [….]

(ZEIT, 18.11.2022)

Die UEFA denkt gar nicht daran, überhaupt eine Fußball-Europameisterschaft auszurichten, wenn die (Merkel-)Bundesregierung (von 2018)nicht vollständige Steuerbefreiung für die Milliardengewinnen zusichert.

[….]  Deutschland, Fußballfestland: Befreiung der Uefa von Einkommens- und Körperschaftsteuer?

Die Bundesregierung scheint sich vergeblich um Diskretion zu bemühen, was ihre Unterstützung der Bewerbung um die Fußball-Europameisterschaft 2024 betrifft. Einen Bericht, dass sie wie bei der Weltmeisterschaft 2006 dem Veranstalter Steuerfreiheit gewähre, damals dem Weltverband Fifa, in sechs Jahren dem Europa-Verband Uefa, wollten weder das Innen- noch das Finanzministerium bestätigen. Selbst der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Stephan Mayer von der CSU, auf den die Zeitschrift „Focus“ sich berief, als sie am Freitag von der Steuerbefreiung berichtete, wollte seine Aussage nicht bestätigen. Nach Informationen dieser Zeitung kündigte er gegenüber Sportpolitikern seiner Fraktion die Steuerbefreiung an.

Die Uefa macht Steuerfreiheit zur Bedingung ihrer Vergabe. Deutschland gewährte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland dem Weltverband Fifa die Befreiung von der Einkommens- und Körperschaftsteuer. [….]

(FAZ, 23.03.2018)

Dazu sage ich ein kräftiges: GEHT ES NOCH?

Freitag, 25. November 2022

Ministerliche Raffgier.  

Natürlich werden einige Bundesminister, insbesondere die aus der CSU, nur aus Proporzgründen auf ihre Sessel gesetzt und glänzen durch Desinteresse oder Abwesenheit.

Niemand wird, ohne dabei zu lachen, behaupten, daß Michl Glos, Horst Seehofer, Gerda Hasselfeld, Alexander Dobrindt, Ilse Aigner oder Andi Scheuer einen Hauch fachliche Qualifikation besessen hätten.

Die Mehrzahl der Minister, auch die Unfähigen, arbeiten aber weit überdurchschnittlich viel, riskieren ihre Gesundheit, leben mit unerträglichen persönlichen Anfeindungen und verdienen verglichen zu DAX-Managern fast gar nichts.

Ganz unabhängig von Parteifarbe, gebe ich gern zu, daß ich mir auf keinen Fall zutraue, wie Hubertus Heil für 162 Milliarden Euro Sozialetat verantwortlich zu sein. Was für ein Alptraum, eine derartig monströse Summer Steuergeld zu bewegen und potentiell von jedem einzelnen der 84 Millionen Bürger angegriffen zu werden, wenn mal zehn Euro zu viel oder zu wenig überwiesen werden.

Wer einen optimalen Quotient aus Gehalt und Stress erreichen will, sollte Sparkassendirektor werden oder sich einen Job in der kommunalen Verwaltung suchen. Die Chefs der Uniklinik oder der Stadtwerke oder des ÖPNV verdienen alle viel mehr als der Bundeskanzler; bei erheblich weniger Verantwortung. Außerdem sind ihre Anstellungen sicher, während ein Minister immer von eben auf jetzt an die Luft gesetzt werden kann. Womöglich auch für die Dinge, die ihm persönlich nicht anzulasten sind (zB Seiters, Bad Kleinen), für die aber ein politischer Kopf rollen soll. Oder die Wähler entscheiden sich anders.

Dennoch muss man Minister insofern nicht bedauern, weil sie ihren Job schließlich freiwillig übernommen haben. Sie können nach einem Jobverlust in der Politik bleiben und an anderer Stelle das Geschehen mitgestalten. Oder aber, wenn es ihnen doch eines Tages um Geld gehen sollte, ihre Kontakte versilbern, indem sie Lobbyist werden.

Fast alle CDU-, CSU- und FDP-Ex-Minister und Ex-Staatssekretäre gehen diesen Weg; werden teilweise schon in absurd jungen Jahren Vollzeit-Lobbyisten (Daniel Bahr, von Klaeden, Philipp Rösler, Hildegard Müller) und verdienen Millionen.

Da immer die Möglichkeit bleibt, nach dem Ausscheiden aus dem Ministeramt richtigen Reibach zu machen, erstaunt die Geldgier der wenigen Minister, die schon zu ihrer aktiven Zeit intensiv daran arbeiten, Millionen an sich zu raffen. Das kommt relativ selten vor, weil es politisch sehr dumm und sehr riskant ist, so offensichtlich käuflich und egoistisch zu sein. Es ist eigentlich unverständlich, wieso ein junger Minister überhaupt das Risiko eingeht, neben seinen zeitraubenden Amtsgeschäften, weitere Gelder auf sein Privatkonto zu schaufeln. Die Öffentlichkeit erwartet schließlich, daß ein Mitglied der Bundesregierung nur für den Job lebt und man steht unter genauster Beobachtung von Myriaden Journalisten.

Besser, man verschiebt seine Lust auf Mammon auf die Ex-Minister-Zeit, wenn das öffentliche Interesse abgeklungen ist.

Während der aktiven Zeit müssen eben die 20.000 EURO brutto im Monat ausreichen. Noch einmal; das ist verglichen zu DAX-Vorständen sehr wenig; aber in Relation zum Durchschnittslohn doch sehr viel, so daß man eigentlich zumindest eine Zeit lang damit auskommen müsste.

Zudem wenigen Top-Ministern, die es nicht aushalten können und von Raffgier zerfressen ihre Privatschatullen füllen, gehören Christian Lindner und sein Kumpel/Vermieter Jens Spahn.

[….] Christian Lindner bevorzugt gehobenen Lebensstandard. Das ist kein Geheimnis - er lässt ja gern die ganze Republik dabei zusehen: Lindners Porsche, Linders Hochzeit auf Sylt, Deutschland kennt die Vorlieben des Bundesfinanzministers. Es verwundert also wenig, dass Lindner auch beim Kauf einer privaten Immobilie nicht im günstigen Segment gestöbert hat. Doch wie er dieses Geschäft finanziert hat, das wirft nun eine Menge Fragen auf. Im Januar 2021 soll Lindner ein Haus im Berliner Stadtteil Nikolassee erworben haben. Angeblicher Kaufpreis: 1,65 Millionen Euro, so berichtet es das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Den Kredit dafür bekam er bei der BBBank. Und die Details dieses Kredits scheinen mindestens ungewöhnlich zu sein.  So bekam Lindner deutlich mehr Geld, als er für den Kauf des Hauses benötigt hätte: Eingetragen wird eine Grundschuld von 2,35 Millionen Euro zugunsten der BBBank. Eineinhalb Jahre später wird sein Grundstück mit weiteren 450 000 Euro belastet. Selbst wenn man von einem sehr hohen Sanierungsbedarf des Hauses ausgeht, ist die Höhe der geliehenen Summe bemerkenswert. [….] Die Konditionen von Lindners Kredit und die Frage, ob er möglicherweise bevorzugt behandelt worden sein könnte, sind aus zwei Gründen relevant. Zum einen ist Lindner in seiner heutigen Funktion als Bundesfinanzminister der Bankenaufsichtsbehörde Bafin unterstellt. Ein sehr günstiger Kredit wäre also mindestens politisch heikel, zumal Lindner beim zweiten Teil des Darlehens - also den 450 000 Euro - schon Minister war.  [….]

(Angelika Slavik, 23.10.2022)

Jens Spahns Immobiliendeals – er erwarb erstaunlich günstig Wohnungen von Leuten, denen er dafür Top-Jobs im Ministerium verschaffte – sind noch deutlich anrüchiger.

Offensichtlich weiß die Öffentlichkeit aber noch lange nicht, wie dreist Spahn für sein eigenes finanzielles Wohl sorgte, während er die Corona-Pandemie debakulierte.

[….] [Daniel Funke]  ist heute verheiratet mit einem der bekanntesten deutschen Politiker, Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn – und mit Spahn zusammen gehört ihm eine herrschaftliche Villa in Berlin. Kaufpreis: 4,125 Millionen Euro. [….] Seit dem Kauf im Juli 2020 Jahr gibt es Spekulationen darüber, wie sich der CDU-Minister und sein Mann die Luxusimmobilie leisten konnten. Und warum die Sparkasse Westmünsterland, 500 Kilometer entfernt, so mutig war, sie offenbar voll zu finanzieren. Mehr sogar: gemeinsam mit der Provinzial-Versicherung, die aber nur einen Mini-Anteil hatte, zu gut 110 Prozent, Nebenkosten inklusive. Das war auch in Zeiten extrem billiger Immobilienkredite ungewöhnlich. Erst recht, weil bei einem Politiker keiner sagen kann, wie viel er nach der nächsten Wahl verdient. [….] Als Absicherung für den Kredit in Westfalen diente nach SPIEGEL-Recherchen ein größeres Vermögen, das sein Sohn Daniel bei der Raiffeisenbank Attersee in Österreich verwalten ließ. [….] Das Pikante am Vermögen in Österreich aber war, dass Funke es geerbt haben sollte. [….] vom Vater.  Der SPIEGEL hat deshalb in Thomas Funkes Heimatort Krautheim und am Attersee recherchiert. Das Ergebnis: Die Geschichte vom stattlichen Erbe des Vaters ist Unsinn. Vom SPIEGEL mit den Fakten konfrontiert, beerdigten Funke und Spahn denn auch umgehend die Version, dass die Berliner Villa zu großen Teilen mit einer Erbschaft abgesichert gewesen sei. [….] Was nun zwei Fragen aufwirft: Wenn es kein Erbe war, woher stammt das Geld am Attersee, das bei der Villa in Berlin als Garantie diente? Und warum hätten Spahns Leute die »Zeit«-Journalisten auf eine falsche Spur schicken sollen, wenn doch bei der Finanzierung alles sauber lief, wie das Paar beteuert? [….] [….] (SPIEGEL, 25.11.2022)

Aber dem Urnenpöbel gefällt es.

Nach wie vor liegt die CDU, Partei des Blackrock-Multimillionärs Merz und des Immobilienraffkes Spahn in der Wählergunst weit vor allen anderen Parteien.

Das erklärt auch, weswegen Lindner und Spahn sich so verhalten. Gewählt werden sie dennoch.

Donnerstag, 24. November 2022

Bürger selbst schuld.  

Die Bahn ist langsam, unpünktlich, chaotisch und teuer.

Es wäre müßig, an dieser Stelle als 27 Millionster Blogger wortreich auf „die Bahn“ zu schimpfen. Seit vielen Jahren kommt keine Satiresendung, kein Comedy-Programm ohne Bahnwitze aus.

Unglücklicherweise lassen die von 16 Jahren Merkel völlig vergeigte Energiewende, der eskalierende Klimawandel und Abkopplung von russischem Gas nicht zu, weiterhin ironisch über das Versagen der Deutschen Bahn zu lachen. Wir erleben bekanntlich eine „Zeitenwende.“ Das jahrein, jahraus erprobte Aussitzen des Schienendesaster darf nicht so weitergehen. Um die Missstände zu überwinden, muss man sie erst einmal benennen.

Die bequemste Methode ist der zutreffende Hinweis auf 13 Jahre Totalversagen völlig unqualifizierter Bundesverkehrsminister, die tumb den Lobbyinteressen der Autoindustrie folgten. 4 Jahre CSU-Ramsauer, 4 Jahre CSU-Dobrindt, 4 Jahre CSU-Scheuer, 1 Jahr FDP-Wissing.

So wird es natürlich nichts mit der klimapolitischen Verkehrswende und dem Umstieg von Straße auf Schiene.  Nach 12 Jahren CSU im Bundesverkehrsministerium ist die deutschen Infrastruktur Schrott.

Selbst wenn nicht mehr ausrangierte CDUCSU-Minister wie Pofalla und Wiesheu in den Bahn-Vorstand geschickt würden und stattdessen fähige Manager ans Ruder kämen, könnten sie die Bahn gar nicht effizient und pünktlich wie in Japan machen, weil es viel zu wenig Schienen gibt, die zu allem Übel auch noch so marode sind, daß sie kaum mit Höchstgeschwindigkeit befahren werden können. Das Trassennetz kollabiert vor unseren Augen; immer mehr Züge müssen stoppen und warten, weil die Schiene nicht frei ist.

Besserung ist nicht in Aussicht. Beispiel Hamburg: Die Stadt wird bekanntlich von der Elbe in einen Nord- und einen Südteil geteilt. Pendler, Touristen müssen irgendwie drüber oder drunter fahren. Die Bahnbrücke über die Elbinsel Veddel wurde vor 120 Jahren gebaut und muss dringend erneuert werden. Die Neubauten über Süder- und Norderelbe werden in diesem Jahrzehnt begonnen. Die kleinere nördliche Brücke entsteht ab 2024. Die 130 m lange Süderelbebahnbrücke wird von 2028 bis 2036 erneuert. Während der Baumaßnahmen droht ein beispielloses Chaos, da jetzt schon täglich über 1.000 Züge das Nadelöhr passieren  - darunter der ÖPNV. Die S-Bahnen sind aber jetzt schon dermaßen überfüllt, daß Pendler jeden Tag in den Wahnsinn getrieben werden.  Das größte Problem bleibt aber, daß auch mit dem Neubau die jetzt schon erschöpfen Kapazitäten nicht erhöht werden. Dafür bräuchte es mehr parallele Gleise.

[….] Diese Maßnahmen dienen nur der Bestandserneuerung. Die von vielen für notwendig erachtete Kapazitätserweiterung um zwei Gleise ist damit noch nicht verbunden! [….] Nach den Vorstellungen der DB sollen die Bauarbeiten nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens 2028 beginnen und 2036!!! beendet sein und nach heutigem Kostenstand allein für die Süder- elbbrücken 800 Mio. Euro kosten.  Parallel läuft in diesem Zeitraum der Ausbau der A1 auf je vier Fahrspuren (was besonders gut zur Verwirklichung der Klimaziele passt!!). Also massivste Behinderungen für Pendler aus dem Süderelberaum, ob nun mit Bahn oder Auto, für bald ein Jahrzehnt!!! sind vorprogrammiert. [….]  Die Erneuerung der Eisenbahnbrücken auf der Elbinsel löst aber immer noch nicht das Problem, dass die Elbbrücken ein risikobehaftetes und störanfälliges Nadelöhr im Hamburger Eisenbahnverkehr sind. Daher fordert Prellbock schon seit mehr als drei Jahren, den Bau einer Eisenbahnelbquerung im Hamburger Westen, parallel zur A7. Diese würde nicht nur zusätzliche Kapazitäten, sondern auch die dringend gebotene Redundanz für Störfälle schaffen, und gleichzeitig zu einer erheblichen Fahrzeitverkürzung zwischen dem Westen Hamburgs und Schleswig-Holsteins und dem nordöstlichen Niedersachsen beitragen. [….]

(Prellbock Altona, 15.11.2022)

Hier kulminieren die Probleme. Aus ökologischer Sicht braucht es viel mehr Bahnverkehr und weniger Individualverkehr. Dafür existieren aber keine Schienen. Selbst die Milliarden, die gegenwärtig für Neubau ausgegeben werden, erhalten bestenfalls bestehende Strecken.

[….] Im Juli lag die Pünktlichkeit von Fernzügen deutschlandweit bei nicht einmal 60 Prozent. Die Hauptursache dafür sehen Experten im Zustand des Schienennetzes: Zum einen seien Strecken und Gleise über viele Jahre vernachlässigt worden. Das habe nach und nach zu immer mehr Probleme geführt, sagt Bahnexperte Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin: "Jetzt haben wir einen Punkt erreicht, wo man mehr Geld reinstecken muss. Und die Bauarbeiten bedeuten dann eben auch zugleich immer stärkere Sperrungen und damit eben weitere Verzögerungen." Ein zweiter wesentlicher Punkt für Verspätungen sind zu wenige Gleise. An vielen Stellen im Netz wurde jahrelang versäumt, weitere Gleise zu bauen. Für Ingulf Leuschel ein zentrales Problem. Als ehemaliger Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn weiß er, wie anfällig das System ist - und wie notwendig genügend Gleise für einen reibungslosen Schienenverkehr sind: "Sie müssen Ausweichstrecken haben, Sie müssen Umfahrungsmöglichkeiten haben im Störfall, wie Sie es bei jeder Autobahn haben, aber das haben wir eben zu wenig." Überfällige Reparaturen verzögern den Verkehr, und der Bau neuer Gleise lässt auf sich warten. [….]

(NDR, Deutsche Bahn: Schienennetz vor dem Kollaps, 07.09.2022)

Ökologische Politik, Klimapolitik, und Energiepolitik erfordern dringend den Neubau von Gleisen. Das Gleis-Nadelöhr über die Elbe sollte also bei der Gelegenheit rechts und links gleich ein Gleis dazu bekommen.

Das geschieht aber nicht, weil dieselben Bahnkunden und Journalisten, die vehement den Streckenausbau fordern, sofort auf die Barrikaden gehen, wenn in ihrem Vorgarten ein neues Gleis verlegt werden soll.   Die wichtigste Nord-Süd-Achse Deutschlands zwischen Hamburg und Hannover scheint ein immerwährender Engpass zu sein. Seit über 20 Jahren versucht „die Politik“ Hannover, Bremen und Hamburg mit mehr Schienen besser verbinden. Aber jede mögliche Streckenführung wurde von Bürgerinitiativen verhindert, die keine Gleise in ihren Gärten oder der nahen Natur wollten.

[….] Also wurde der Kompromiss verworfen und ein neuer Plan ausgetüftelt. Statt einem Gleis, brauchte man nun zwei Gleise und nicht nur zwischen Lüneburg und Uelzen. Bloß wohin? Neben der Autobahn A7? Durch unberührte Wiesen? Oder neben der vorhandenen Strecke? Dann müssten vielleicht Häuser weg. Oder mit Ortsumfahrungen in den grau markierten Bereichen? Die Politik verlangt: Mehr Gleise, aber bitte keinen Ärger. Für die Bahn fast die Quadratur des Kreises, sagt Ingulf Leuschel, der ehemalige Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn.

Ingulf Leuschel [….]:

„Das ist mal ganz egal, wo die längs geführt werden, an der Bestandsstrecke oder neben der Autobahn. Es gibt verschiedene Ideen und sie haben überall eine Bürgerinitiative dagegen und sie haben Politiker dagegen. Wir müssen einfach wissen: Wenn man die Bestandstrecke ausbaut, dann müssen wir in den einzelnen Orten Häuser abreißen, um dort zwei zusätzliche Gleise zu bauen. Baut man neben der Autobahn, dann kommt man sicherlich in Regionen rein, wo noch gar keine Eisenbahn fährt und sich die Leute auch dagegen wehren.“

Ohne Ärger wird es also nicht gehen. Eine unangenehme Aufgabe, aber dafür sind Politiker gewählt. [….]

(Panorama, 07.09.2022)

Aus ökologischen Gründen werden mehr Bahngleise gefordert und aus ökologischen Gründen werden mehr Bahngleise abgelehnt.

Dieselben Journalisten, die sich über die nicht funktionierende Bahn beklagen, feiern Bürger, die sich erbittert gegen Bahntrassen wehren.

Bei so einem verblödeten Volk, erfordert es kaum noch CSU-Verkehrsminister, um die Deutsche Bahn in den Kollaps zu reiten.

Die 60-Jährige CDU-Politikerin Emily Weede, seit 2021 hauptamtliche Bürgermeisterin Seevetals, wütet heftiger als jeder Klimakleber, wenn es um mögliche Bahntrassen durch ihre Gemeinde geht.


[….]  Kämpferische Bürgermeisterin droht: Das gibt Proteste wie beim Atomtransport!  Gelbe Kreuze waren in den 80er Jahren das Symbol des Widerstands gegen Atomtransporte im Wendland. Heute säumen rote und gelbe Kreuze viele Straßen im Landkreis Harburg, denn die Deutsche Bahn plant eine neue Trasse zwischen Hamburg und Hannover, die Ortschaften und Natur brutal zerschneiden würde. Teils mit mindestens 15 Meter hohen Dämmen. Besonders betroffen ist die Gemeinde Seevetal. Ihre kampfbereite Bürgermeisterin Emily Weede kündigt an: „Der Bund kann sich auf Proteste wie im Wendland einstellen.“ [….]

(MoPo, 09.11.2022)

Anders als Russland und China ist Deutschland glücklicherweise ein Rechtsstaat, in dem die Staatsführung keine Infrastruktur-Großprojekte per Order Di Mufti durchsetzen kann. Die betroffenen Anlieger müssen gehört werden, können sich wehren. Die Kehrseite ist das dadurch herrschende St. Floriansprinzip, welches es unmöglich macht, Stromtrassen, Windräder, Funkmasten oder eben Bahngleise zu verlegen.

[….] Der Konflikt um die geplante Schnellzug- und Güterbahn-Neubautrasse zwischen Hamburg und Hannover spitzt sich besonders in Seevetal weiter zu. Seevetals Bürgermeisterin Emily Weede (CDU) wirft der Deutschen Bahn vor, das Vorhaben im Geheimen deutlich intensiver voranzutreiben, als das Unternehmen öffentlich behauptet. Die Deutsche Bahn frage bereits nach dem Verlauf von verlegten Leitungen für Abwasser, Gas, Elektrizität oder Trinkwasser im geplanten Trassenverlauf. Das sei außergewöhnlich für eine Planung, die sich angeblich nur im Stadium einer Variantenprüfung befände, sagte Emily Weede gestern Abend bei einer Bürgerinformationsveranstaltung vor 130 Besuchern in der Wassermühle Karoxbostel. Die Gemeinde Seevetal werde die Herausgabe der Informationen an die Deutsche Bahn verweigern, sagte Emily Weede. "Wir sind dazu nicht verpflichtet."

Seevetals Bürgermeisterin und andere Mitglieder der Bürgerinitiative "Seevetal sagt Nein" zeigen sich davon überzeugt, dass die zusätzliche Eisenbahn-Neubautrasse zwischen Hamburg und Hannover für den Betrieb von Güterzügen vorgesehen sei. Denn die Planung der Schnellzug-Neubautrasse biete keine Antwort darauf, wie die Personenzüge auf der überlasteten Strecke zwischen Hamburg-Harburg und dem Hamburger Hauptbahnhof vorankämen. Treibende Kraft der Planung sei die Hamburger Hafenwirtschaft. "Die Freie und Hansestadt Hamburg will sich einen Standortvorteil gegenüber dem Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven sichern", sagte Emily Weede. 

Die Auswirkungen der Neubau-Eisenbahntrasse auf Seevetal schilderte Emily Weede als fatales Szenario: Die Deutsche Bahn werde Dämme bauen, teilweise 25 Meter hoch. Ein Bauernhof in Glüsingen würde dann nicht mehr existent sein. Die Moore in Lindhorst und Helmstorf würden angegriffen, eine Seenplatte entstehen. "Das ist nicht notwendig, das ist zerstörerisch", sagte Emily Weede.

Stefan Mundt aus Meckelfeld betreibt die Facebook-Seite "Wie sagen Nein zum ICE/Güter-Trassenneubau durch Seevetal". Er kündigte eine weitere Protestaktion an. "Wir werden in Glüsingen eine 50 Meter breite Schneise pflügen, um das Ausmaß der Bahntrasse zu verdeutlichen."  [….]

(Kreiszeitung, 21.10.2022)

Deutschland muss sich eben mit nicht funktionierender Infrastruktur abfinden und allmählich zum Dritte Welt-Staat werden, der hoffnungslos von asiatischen Autokratien abgehängt wird.

Mittwoch, 23. November 2022

Mehr Fußball geht gar nicht.  

Manchmal bedauere ich es regelrecht, niemals Mitglied der Kirche gewesen zu sein, weil mich das um das Vergnügen des Austritts bringt. Sehr gern würde ich das obligatorische Gespräch mit dem zuständigen Pfaff führen, um ihm ein paar Stunden lang die Gründe zu nennen, wieso ich seinen Verein verlasse. 

So ist es auch ein kleines bißchen schade, mich nie im Leben für Fußball interessiert zu haben. Sonst könnte ich jetzt die WM-Farce im Katar boykottieren und die Rückgrat-losen Spieler mit Nichtachtung strafen.

Da ich aber noch nie ein einziges Fußballspiel gesehen habe und diesen nationalistischen Multimillionärs-Sport ohnehin zutiefst verachte, macht es für mich keinen Unterschied, ob Turniere in Scharia-Emiraten oder liberalen Demokratien stattfinden.

Aber ich fühle ein gewisses Amüsement dabei zu beobachten, wie die hochkorrupten deutschen Funktionäre sich täglich noch mehr blamieren, so daß auch hartgesottene Fans vergrault werden und sich weigern, die erbärmliche Kommerzialisierung mitzumachen.

Uli Hoeneß, Beckenbauer, Rummenigge, Bierhoff, Egidius Braun, Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel, Fritz Keller – einer unsympathischer, als der nächste. 


Alle stopfen sich die Taschen voll, fast alle sind politisch stramm rechts und in einem Maße korrupt, daß sie für Geld alles tun.

Sie alle sind die Woelkis des DFB, die durch ihre persönliche Widerlichkeit zahlende Vereinsmitglieder vertreiben. 

Besonders widerlich ist ihre Inszenierung als Opfer der FIFA, als ob sie nicht selbst zur FIFA gehörten, genauso gekauft wie Infantino wären und ebenfalls mit fetten Rolex-Uhren am Arm aus Katar zurückkehrten, um fortan den Emir zu lobpreisen.



[….]  ich habe einen viel großartigeren Traum. Und der geht so:

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat nach seinem Kniefall vor der FIFA doch noch in den aufrechten Gang zurückgefunden und lässt Kapitän Manuel Neuer wenn nicht mit der Regenbogen-, dann wenigstens mit der „One-Love“-Armbinde auflaufen. Der schreckliche Fifa-Präsident Infantino würde in seinem klimatisierten Stadion-Sessel hyperventilieren, wild rumgestikulieren und der Schiedsrichter müsste irgendwie eingreifen. Dann gäbe es diverse Möglichkeiten. Die hat Schiedsrichter-Legende Manuel Gräfe neulich im ZDF aufgezeigt: Von der gelben Karte bis zum Spielabbruch, weil die FIFA die „One-Love“-Armbinde für unerlaubte Propaganda hält. Und dann könnte es richtig lustig werden.

Ich träume weiter: Natürlich hätte sich der DFB vorher mit den sieben anderen Mannschaften verständigt, die allesamt jene Armbinde tragen wollten, jenen harmlosen Stoff-Fetzen der doch nur für Vielfalt, Offenheit und Toleranz werben soll. Zu diesen Mannschaften gehören die Größten des Weltfußballs, ohne die jede WM völlig wertlos wäre: Neben Deutschland auch England, Niederlande, Belgien, Frankreich, und Dänemark. Blieben die allesamt hart und konsequent – ich träume ja nur – müsste die FIFA mit jedem dieser Verbände bei jedem Match in den Clinch gehen. Der Spielbetrieb würde nachhaltig gestört, die Eskalation könnte bis zum Abbruch der jeweiligen Spiele und bis zur Abreise der Mannschaften führen. […..]

(Christoph Lütgert, 22.11.2022)


Meine einzige Verbindung zu Fußball besteht in meinem Stamm-REWE-Markt „Stanislawski und Laas“, der einem ehemaligen FC St. Pauli-Trainer und einem ehemaligen HSV-Spieler gehört.


Da trifft es sich nur zu gut, daß REWE, also ausgerechnet die Vollfußballer-Betreiber, die Reißleine zieht und nichts mehr mit dem DFB zu tun haben will.

[….] Die REWE Group steht für Diversität und Vielfalt. Und ist langjähriger aktiver Fußballsponsor: „Fußball ist für uns unter anderem Fair Play, Toleranz und Zusammenhalt – diese Werte halten auch wir hoch“, so REWE Group CEO Lionel Souque. „Wir stehen ein für Diversität – und auch Fußball ist Diversität. Diese Haltung leben wir und diese Haltung verteidigen wir – auch gegen mögliche Widerstände. Die skandalöse Haltung der FIFA ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel.“

REWE hatte bereits im Oktober dem DFB kommuniziert, den langjährigen Partnerschaftsvertrag nicht weiterzuführen – dies ohne inhaltliche Verbindung zur Weltmeisterschaft. Nach den aktuellen Entscheidungen der FIFA sowie den Aussagen von FIFA Präsident Infantino allerdings sieht sich das Unternehmen aufgefordert, sich in aller Deutlichkeit von der Haltung der FIFA zu distanzieren und auf seine Werberechte aus dem Vertrag mit dem DFB- insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft – zu verzichten. Dies hat das Unternehmen dem DFB heute mitgeteilt.  [….]

(REWE, 22.11.22)




Fußballspiele gucke ich ohnehin nicht, aber die WM, die FIFA und der DFBG sind ein guter Anlass, um die REWE zu fahren und eine Menge Geld da zu lassen




Dienstag, 22. November 2022

Das kommt von sowas – Teil IV  

Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März 2019, beeindruckte mich die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern über alle Maßen mit ihren einfühlsamen Auftritten, ihrer Fähigkeit Trost zu spenden und der strikten Weigerung den Namen des Attentäters auch nur ein einziges mal auszusprechen. Der rechtsextreme Terrorist hatte die Tat gefilmt und wollte international berühmt werden. Wenigstens diese Genugtuung , daß nun jeder seinen Namen kenne, verweigerte ihm die Frau der Stunde.

Natürlich wurde seine Motive international recherchiert; „man“ weiß alles über ihn. Aber ich halte mich an Arderns Vorbild und werde den Namen nicht nennen.

Die Berichterstattung sollte den Opfern und nicht den Tätern gehören. Ich erinnere mich mit Gänsehaut daran, wie CNN-Anchor Anderson Cooper nach dem Massaker in Orlando am 12. Juni 2016, mit tränenerstickter Stimme in einem längeren Segment alle im „Pulse“ getöteten 49 Menschen nacheinander vorstellte, ihnen ein Gesicht gab.

So ehrenwert diese Versuche sind, die Opfer zu würdigen und den Tätern keine Titelseiten zu bescheren, muss man doch eins konstatieren: Die US-amerikanische Gesellschaft insgesamt bringt nicht genügend Ehre und Mitgefühl auf, um die nahezu täglichen Massenmorde zu unterbinden. Die Opfer gehören oft zu Minderheiten. Queere, Schwarze, Juden, Muslime, Kinder. Teile der Gesellschaft, die US-Amerikaner offenbar als verzichtbar betrachten. Die Mehrheit lehnt sich eben nicht gegen diese Massenmorde auf, ist abgestumpft.

Ich bezweifele, daß die Republikaner immer noch so verbissen für die freie Verfügbarkeit von automatischen Waffen kämpfen würden, wenn die Opfer der Schießereien hauptsächlich alte reiche weiße Männer wären.

Viele USA-Korrespondenten verfügen inzwischen über resignierte Feuilleton-Satzbausteine, mit denen sie nach jedem großen Mass Shooting die Waffenvernarrtheit der US-Amerikaner erklären, die Abstumpfung gegenüber den jährlich 40.000 Schusswaffenopfer analysieren und prognostizieren, daß es keine Änderungen geben wird.

In der Tat ist der white domestic terrorism – fast immer sind es weiß junge christliche Männer, die ihre Landsleute umbringen – so alltäglich, daß es schon besonders abstruse Umstände erfordert, um sich überhaupt noch an einzelne Massenmorde zu erinnern.

Das Mass Shooting am 24.05.2022 an der Robb Elementary School in Uvalde, als ein 18-Jähriger Texaner 19 Kinder und zwei Lehrer ermordete, war so ein Fall, da vor der Schule über 100 schwer bewaffnete Polizisten aufliefen, die sich aber zu sehr fürchteten, um den Täter mit seiner AR15 zu stoppen und ihn daher in Ruhe sein Massaker durchführen ließen.

Die US-Amerikaner sind nicht nur abgestumpft gegenüber solcher Gewalt; es ist schlimmer; sie fördern Mass Shootings durch ihre Wahlentscheidungen. Der Texanische Gouverneur Abbott hatte mit zahlreichen Gesetzen dafür gesorgt, daß  jeder Minderjährige und jeder psychisch Angeschlagene eine AR15 bekommt. Sein demokratischer Gegenkandidat „Beto“ O’Rouke ist leidenschaftlicher Verfechter strengerer Waffengesetze, widersprach Abbott nach dem 24.05. so heftig, daß er aus dem Saal geführt werden musste.

Am 08.11.2022 gaben die Texaner Abbott eine deutliche Mehrheit und wollten Beto nicht als Gouverneur.

Nun der Mordanschlag von Colorado Springs im Club Q.

Es ist Zeit, den Namen Anderson Lee Aldrich zu nennen. Der übergewichtige weiße 22-Jährige Mörder passt nämlich schmerzhaft gut ins Muster. Der dicke Christ wurde schon zuvor für Gewalttaten angeklagt und kommt aus der entsprechenden Familie. Sein Opa ist ein MAGA-Hassfanatiker.

[….]  Aldrich’s grandfather is allegedly Randy Voepel, a Republican state lawmaker in the California State Assembly 

Voepel compared the January 6, 2021 attack on the U.S. Capitol to the Revolutionary War - Voepel lost his seat to a challenger in the midterm elections 

Aldrich’s mother, Laura Voepel told police her son threatened her with a homemade bomb and other weapons last June

Aldrich was charged with two counts of felony menacing and three counts of first-degree kidnapping, but the charges were later dropped and records sealed  [….]

(Daily Mail, 22.11.22)

Der evangelikale Soundtrack liefert die „Wir sind besser als die“-Überzeugung, der republikanische Trumpfan-Opa die Gewalttätigkeit.


Republikaner und rechte Medien zusammen schüren Hass und Hetze, um solche Typen wie Aldrich den letzten Ansporn zu geben, endlich loszulegen, endlich zu töten.

Gerade gewann mit Lauren Boebert in Colorado eine moralisch völlig verdorbene und abgrundtief bösartige Hass-Fanatikerin mit absoluter Mehrheit erneut ihren Sitz im US-Kongress. Sie tat in den letzten zwei Jahren alles dafür, um Attentäter mit Waffen auszustatten und sie auf ihre Opfer zu hetzten.

[….] 12 times that Colorado Rep. Lauren Boebert stoked anti-LGBTQ violence that led to a mass shooting

She has spent years accusing LGBTQ people of mutilating kids and threatening civilization.[….]

It’s remarkable that Boebert — who just narrowly won her re-election bid in a deep red district — would pray for queer people since she is the third most responsible person driving anti-LGBTQ hate speech on Twitter. Among her many bigoted statements, Boebert has accused LGBTQ people of “spitting in God’s face,” “butchering” children, and “perverting” the nation.

Accused LGBTQ allies of indoctrinating children.  In September 2022, she reposted an article from the far-right outlet Breitbart while praising Florida’s “Don’t Say Gay” law, which bans LGBTQ content from public school classrooms. Christina Pushaw, the press secretary of Gov. Ron DeSantis (R-Fla.), said anyone who opposes the law is a pedophile.

Saying LGBTQ civil rights threaten all Americans. Boebert said the Equality Act — a bill that would outlaw LGBTQ discrimination — is a “radical ideology… monstrosity” from “the power-hungry left” which would result in a “confused man trying to catch a peek” in girls’ locker rooms, church leaders being imprisoned for misgendering people, and kids removed from their parents for denying them gender-affirming care.  […] [….]

(LGBTQ Nation, 20.11.22)

Der Hass auf Minderheiten fällt nicht vom Himmel, die Waffen fallen nicht vom Himmel, die Attentäter kommen nicht von allein auf ihre Mordphantasien.

Die GOP, FOX, die Evangelikalen und die anderen rechten Medien heizen das Mass-Shooting-Klima an.

Und noch schlimmer: Die US-Amerikaner wählen solche Leute mit Mehrheit in den Kongress.

Statt immer „nur“ zu trauern, sollten die Opfer dazu übergehen, klar Ross und Reiter zu nennen. Die Republikaner müssen öffentlich verurteilt werden. Die Namen die geistigen Täter müssen genannt werden.





Montag, 21. November 2022

Neue christliche Traditionen  

Annette Zoch, die viel besser als ihr Vorgänger Matthias Dobrinski bei der Süddeutschen Zeitung über Kirchenthemen schreibt, weil sie auf dessen larmoyanten prokatholischen Ton verzichtet, nimmt einen Rom-kritischen Standpunkt ein.

Sie schreibt aber nicht offen atheistisch oder Glaubens-kritisch. Während ich mich, als extrem kirchenkritischer Mensch, über Bischöfe wie Woelki und abgehobene Homophobe, misogyne Vatikanische Bullen freue, weil sie den Niedergang der Kirchen fördern, schwingt bei Zoch klares Missfallen mit.

Offensichtlich hält sich nichts von den Kurienkardinälen, die sich einen Dreck um die Bedürfnisse der deutschen gläubigen Katholiken scheren.

[….] Alle seien sich aber bewusst, so heißt es dann noch salbungsvoll im Kommuniqué, "dass sie mit dem gesamten heiligen und geduldigen Gottesvolk auf dem Weg sind, auch wenn verschiedene Positionen aufeinanderstoßen". Da aber schätzt die Kurie die Lage falsch ein: wenn die überwiegende Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken in Deutschland eines nicht mehr hat, dann dies: Geduld. […]

(Annette Zoch, SZ, 21.11.2022)

Indem sich die Kurienkardinäle kategorisch gegen Neuerungen stellen, schaffen sie automatisch Neuerungen an anderer Stelle.

So zwingen Priestermangel und Gläubigenschwund die deutschen Bistümer dazu, im großen Stil Kirchen zu entwidmen, die Gebäude zu verkaufen und so dem verbliebenen Kern der regelmäßigen Gottesdienstbesucher, einen kräftigen Tritt in den Hintern zu versetzen.

Da ich generell alte Menschen mag, tut es mir beim Zusehen Leid, wenn in den diversen TV-Dokumentationen über Kirchenschließungen, das unvermeidliche Häufchen geriatrischer Gläubiger singend und betend auf ihre Rollatoren gestützt verfolgt, wie die Abrissbirne in den Kirchenturm einschlägt.

Die armen grauen Geronten sind zu unflexibel, um sich noch zu ändern. Aber sich an einer misogynen, antidemokratischen, hochkriminellen, raffgierigen, homophoben Kinderfic**rorganisation festzukrallen, ist kein zukunftsträchtiges Konzept.

Die modernen Gottesdienste der Kirche sind Profanierungs-Riten.

Die Kerzen werden gelöscht, Messdiener räumen huldvoll den Altar ab, legen die Kerzenhalter zu Boden. Kirchliche Pfadfinder transportieren die heiligen Figuren in andere Kirchen, bleiummantelte Reliquien werden gesegnet in bischöfliche Tresore getragen und die Geistlichen sind mit allerlei kirchenrechtlichen Vorschriften beschäftigt.

[….] Das katholische Kirchenrecht differenziert zwischen der notwendigen Weihe oder Segnung einer Kirche (Kirchweihe, can. 1217 CIC) und der notwendigen Weihe eines feststehenden Altars (can. 1237 §1 CIC). Beide (can. 1238 §2 CIC) bedürfen einer gesonderten Profanierung, die ausschließlich und wirksam durch ein Dekret des Ordinarius vollzogen wird (can. 1212 CIC und can. 1222 CIC) und daher keiner liturgischen Handlung bedarf. Im Fall einer Kirche muss der Ortsbischof zuvor den Priesterrat anhören (ohne auf die Befolgung von dessen Votum verpflichtet zu sein) und die Zustimmung derer einholen, die „rechtmäßig Rechte an der Kirche beanspruchen“ (can. 1222 §2 CIC), was in Deutschland den Kirchenvorstand (nicht den Pfarrgemeinderat) oder einen Patron betrifft.  [….]

(Wiki)

Es gibt viel zu tun, denn in den letzten 30 Jahren wurden in Deutschland über 1.000 Kirchen profaniert. Tendenz schnell steigend.

Nicht nur die Kirchengebäude muss man loswerden, sondern auch Kirchenorgeln, Heiligenfiguren, Kirchenbänke, Bibeln, geschnitzte Kanzeln, Altäre und eingemauerte Reliquien fallen in den deutschsprachigen, sowie den skandinavischen  Ländern, massenhaft an. Wohin also mit all dem religiösen Tand?

Zum Glück gibt es Osteuropa! Dort sind homophobe zölibatäre Kinderfic**er in bunten Kleidern immer noch sehr populär.

Der der fromme Wuppertaler Gebraucht-Kirchenorgel-Händler Andreas Ladach macht so gute Geschäfte mit polnischen Orgelkäufern, daß er die Sprache lernte.

[….] In fast jedem Ort in Deutschland gibt es eine Kirche. Und sie bleibt immer häufiger leer. Oft werden die Gotteshäuser dann geschlossen, entweiht oder entwidmet, verkauft und sogar abgerissen. Wenn eine Kirche aufgegeben wird, erfährt es der Orgelmakler Andreas Ladach als einer der ersten. Dann kümmert er sich um den Abbau der Kirchenorgel, die er meist nach Osteuropa verkauft.  [….]

(Echtes Leben: Gotteshaus zu verkaufen, ARD, 20.11.2022)

Wird in Deutschland wieder einmal eine Kirchen zugemacht, ist er in Windeseile zur Stelle, demontiert die Orgelpfeifen und schickt sie bald mit einem hübschen Gewinn für die Gemeinde gen Osten.

Der Ukraine-Krieg ist eine feine Sache für die Gebraucht-Kircheninventar-Händler. Denn je mehr das Elend und die Armut in Osteuropa um sich greift, je autoritärer und damit kirchenaffiner die Regime werden, desto frommer werden die Bürger und pressen such nur zu gern auf ausrangierte Kirchenbänke aus Köln-Nippes oder Recklinghausen.

Problematisch sind allerdings die vielen Bibel und Gesangbücher, die in der Ukraine oder Polen durch die deutsche Sprache unnütz sind.

Dafür ließ sich der Göttinger Pfaff Harald Storz aber ein schönes Ritual einfallen.

[….] Der ehemalige Pastor Harald Storz hat in Göttingen nicht mehr gebrauchte Bibeln begraben. Die Bücher wurden nach dem Gottesdienst ohne Kreuz oder Grabstein in der Nähe der St.-Albani-Kirche beigesetzt. Vergleichbare Aktionen habe es in Deutschland bisher kaum gegeben, sagte Storz. Das Begräbnis sei angelehnt an eine jüdische Tradition. Während seiner aktiven Zeit als Pastor für die St.-Jacobi-Kirche in Göttingen seien ihm öfter alte Bibeln überlassen worden, sagte Storz. "Menschen haben die Bücher etwa bei Haushaltsauflösungen von verstorbenen Familienmitgliedern gefunden und wollten sie nicht wegwerfen", sagte Storz. Doch er habe auch nicht gewusst, was er mit den Werken hätte anfangen sollen - und sie letztlich mit einem unguten Gefühl in den Müll geworfen.  [….]

(SZ/dpa, 20.11.2022)

Abreißen, verkaufen, vergraben – diese drei Worte stehen für das christliche Leben in Deutschland 2022. I LIKE!