Donnerstag, 6. Januar 2022

Querdenker quer durch

Ganze zwei Republikanische Abgeordnete haben heute an der Schweigeminute zum Jahrestag des tödlichen Sturms auf das US-Parlament teilgenommen.  Unfassbare 40% der US-Amerikaner sind durch die verschwörungstheoretischen faschistoiden Propagandamedien der Trump-Welt so gehirngewaschen, daß sie nicht an den Wahlsieg Joe Bidens im November 2020 glauben.

Das Land ist nicht einfach gespalten, wie es schon zu Zeiten George W. Bushs hieß, sondern die letzten Reste des Konsenses wurden inzwischen vollständig ausgemerzt. Es gibt nur noch blanken Hass von Amerikanern gegen Amerikaner. Man verachtet sich nicht nur, sondern will sich gegenseitig vernichten.

Die Skrupellosigkeit der Rechten hat jede denkbare Dimension gesprengt. Sie lügen, hetzen, verbreiten Hass. Aber sie arbeiten auch sehr systematisch daran die demokratische US-Verfassung zu zerstören und beteiligen sich aktiv an der Tötung möglichst vieler Landsleute, indem sie gegen Maskenpflicht, Abstandsregeln und Corona-Vakzine agitieren. 855.000 Todesopfer forderte Sars-CoV-II bis heute in den USA! Das halbe Land, 75 Millionen Wähler, arbeitet daran, die USA zu zerstören. Verglichen mit der GOP war Al Kaida eine Wohltäterin der USA!

[….] Am 6. Januar 2021 stürmte ein wild gewordener Mob von Donald-Trump-Anhängern das Kapitol in Washington, es war ein historischer Tiefpunkt in der amerikanischen Geschichte. [….]  Einiges spricht dafür, dass der 6. Januar kein Ausrutscher war, kein Unfall der Geschichte. Auf Amerikas Demokratie warten in den kommenden Monaten weit größere Gefahren, es kann mehr Gewalt geben, mehr Chaos. Es kann noch schlimmer kommen als am 6. Januar vergangenen Jahres.  Dass Amerika politisch gespalten ist, ist dabei gar nicht mehr das alleinige Problem. Gespalten war das Land auf unterschiedliche Weise schon häufig im Laufe seiner Geschichte. Viel schwerer wiegt heute, dass sich die unterschiedlichen Lager in einer Spirale des Wahnsinns wiederfinden: Es geht oft nicht mehr allein um das Erreichen eigener politischer Ziele, sondern darum, den Gegner niederzumachen. Da ist viel Misstrauen, das Bedürfnis nach Rache, sogar purer Hass. [….]  Donald Trump und große Teile der von ihm beherrschten Republikanischen Partei sind dabei, sich aus dieser Demokratie mental zu verabschieden. [….] Die »Grand Old Party« hat sich unter Trump auf atemberaubende Weise ins Extreme entwickelt. Trump und seinen radikalsten Anhängern wäre zuzutrauen, dass sie die USA in ein autokratisches Regime verwandeln. Innerhalb der Partei ist Meinungsvielfalt schon jetzt nicht mehr vorgesehen. Stimmen der Vernunft, moderate Parteigrößen werden ausgeschlossen oder isoliert. [….]

(Roland Nelles, Spon, 06.01.2022)

Die Corona-Vakzinierung ist in den USA eine Frage der Parteizugehörigkeit.
Weit über 90% der demokratischen Wähler sind geimpft; bei den Trump-Fans sind es nur die Hälfte.

Bei der gegenwärtigen Omikronwelle, die im Lande Bidens über eine Million neue Infizierte pro Tag bedeutet, sterben also überproportional GOP-Fans.  Da diese Hassfanatiker aber allesamt Christen sind, vermehren sie sich auch überproportional (keine Schwulen, keine Verhütungsmittel, keine Aufklärung, keine Bildung, Frau am Herd), so daß noch lange Karens und Kevin vorhanden sein werden.

Es muss also ein Modus Vivendi gefunden werden.

Glücklicherweise bewegen sich Trumpisten und Biden-Wähler ohnehin weitgehend in getrennten Sphären, so daß sie im Alltag kaum Berührungspunkte haben.  Die einen sind am Schießstand, bei Nascar-Rennen, hören Countrymusik, gehen in die Kirche und fressen Fastfood. Die anderen findet man an Colleges und Universitäten, sie kaufen „organic food“, werden zunehmend atheistisch und rauchen Cannabis.

Im Sommer 2016 fand ein großes Treffen all meiner noch so entfernten Verwandten in New York statt. Ich habe mich natürlich wie üblich jeder Einladung widersetzt, telefonierte aber anschließend mit dem New Yorker Cousin, der das größte Haus hat und in dessen Garten das Familien BBQ stattfand. Solche Nachfragen sind in den USA nur so mittelergiebig, weil sie am Telefon nie schlecht über andere reden und alles immer „nice“ finden. In Deutschland würde man als erstes erfahren, daß Tante Käthe sich betrunken hat, das Kind von Schwager Franz dick und häßlich ist und die Ehe von Cousin Erwin kriselt.

In NY war aber alles harmonisch. Aber, so viel konnte ich entlocken: Es wurde die stricke Regel „no politics, no religion!“ ausgegeben. Darüber durfte niemand sprechen. Für mich war es naheliegend. Die meisten Verwandten sind Demokraten, gerade die von der Ostküste. Aber die dicken Cousins aus Kalifornien sind stramm rechts. In den USA werden solche Hintergründe aber gar nicht ausgesprochen, da es ohnehin üblich ist solche Themen zu vermeiden. Immer alles easy going.

2016 war das Wahljahr Trumps. Im Sommer hielt man seine Siegeschancen noch für gering, aber die Konservativen hassten Hillary Clinton wie die Pest. Für Zündstoff war also a priori gesorgt.

Fünf Jahre später ist so ein Familientreffen gar nicht mehr möglich, selbst wenn man noch so eine strikte Tabu-Themenliste erstellt. GOPer und Dems haben sich nicht nur politisch, sondern auch habituell und kulturell so weit von einander entfernt, daß sie sich im besten Fall nie mehr sehen wollen. In schlechteren Fällen gehen sie sich gleich an die Gurgel. Die eigene politische Verortung wird auch nicht mehr kaschiert (um keinen Ärger zu bekommen), sondern in Form von MAGA-hats und Bumper-Stickern laut rausgeschrien. Zu den politischen Unterschieden von 2016 kommen nun noch die Giga-Streitthemen Trump-Präsidentschaft, Biden-Wahl, Insurrection am 06.01.2021, „Stop the steal“ und Corona.

Ungeheuerlichkeiten also, über die kein Konsens erzielbar ist.

In Deutschland entfernen sich die Aluhüte, Pegidioten, „Spaziergänger“ und Covidioten ebenso rasant vom gesellschaftlichen Konsens. Auch mit ihnen ist keine Diskussion mehr möglich, weil sie so sehr in ihren Verschwörungstheorien aufgehen, daß sie extrem aggressiv auf Fakten reagieren. Zum Glück gibt es mit diesen Subhumanen üblicherweise keine Berührungspunkte. Und wer weint schon den ungeimpften AfD-Parlamentariern nach, die aufgrund ihres Fanatismus letztlich im Krematorium landen?

Während mir sympathische Menschen aber kaum jemals zu Antisemiten, Homohassern oder Xenophoben werden, schlägt Covidiotie willkürlicher zu und so muss man immer wieder die bittere Erfahrung machen, daß nicht nur Politiker und Journalisten, die man ohnehin schon immer verachtete – Kubicki, Maaßen, Poschardt, Döpfner, Reichelt – riesige Aluhüte aufsetzen, sondern auch manch eben noch vernünftig Wirkender beginnt zu schwurbeln. Sogar Heribert Prantl und Franziska Augstein sind gefährdet.

(….) Es ist so frustrierend zu sehen, dass neben den Usual Suspects – niemand kann sich ernsthaft über das Covidioten-Geschwurbel von Xavier Naidoo, Til Schweiger, Nena und Attila Hildmann wundern – leider auch Menschen, die man zuvor für hochvernünftig und sympathisch hielt.

Leider traf es nun auch den Musiker Michy Reincke, der nach ein paar mittelgroßen Hits in den 1980ern zwar nie den großen Durchbruch erreichte, wohl aber in Hamburg eine lokale Größe blieb und musikalisch immer besser wurde.   Ein zutiefst sympathischer, intelligenter Kerl, der ganz in der Nähe von mir seit Jahrzehnten in derselben kleinen Wohnung lebt und ohne Plattenvertrag von seiner selbst vermarkteten LIVE-Musik lebt.  Das sind keine Welthits, aber er ist sozial engagiert und ein begnadeter Unterhalter. Er gibt traditionell mehrere „Weihnachtskonzerte“ im Schmidts Tivoli, die immer ausverkauft sind, weil jeder, der da war, wiederkommt. [….]  Nach einem Jahr ohne Auftritte, verbreitet er nun über seine sozialen Medien einen endlosen Text, der im Gegensatz zu den meisten öffentlich auffälligen Aluhut-Elaboraten in perfekter Orthographie und Grammatik daher kommt und durchaus davon zeugt, daß er sich mit der Pandemie-Thematik beschäftigt hat. (…)

(Auf der schiefen rechten Bahn, 08.04.2021)

Nun traf es auch einen der wenigen Sportler, den ich wirklich so sehr mag, daß ich mich als Fan bezeichnen könnte. Das Jahrhundert-Tennistalent Novak Djokovic. Der beste Tennisspieler aller Zeiten bringt nicht nur physisch alles mit – das ist ohnehin Voraussetzung – sondern ist ein richtig schlauer Kerl.

Der Mann sprach schon als 19-Jähriger sechs Sprachen fließend und lässt immer wieder auch außerhalb des Sports erstaunliche Talente aufblitzen. So ist er ein begnadeter Imitator und Parodist, der jeden anderen Spieler mit wenigen Gesten und Bewegungen treffsicher darstellen kann. Ein Zeichen von Intelligenz und Beobachtungsgabe. Sein Tennisspiel ist intelligent. Er kann sich an jede Situation anpassen und Strategien entwickeln. Er ist auf dem Platz klüger als die anderen.

Und nun das, ausgerechnet Novak Djokovic ist ein Hardcore Impfverweigerer, der als Nummer 1 der Welt, peinlich an der Einreise nach Australien gehindert wird.

[….]  Der beste Tennisspieler der Welt sitzt in einem Quarantänehotel in Melbourne fest. [….] Das stundenlange Warten Novak Djokovics im Flughafengebäude von Melbourne hat ein Ende - es wird nun in einem Quarantänehotel der Stadt fortgesetzt. Nachdem der australische Grenzschutz das Visum des serbischen Tennisprofis zurückwies, legten seine Anwälte eiligst Einspruch gegen die umgehende Abschiebung ein. Ob der Weltranglistenerste, der neunmalige Sieger der Australian Open, mitwirken darf an diesem Turnier in der Rod Laver Arena, der Stätte seiner großen Triumphe, die nur drei Kilometer entfernt am Yarra River liegt, werden nun am Montag die Richter am Federal Circuit Court entscheiden.  So ist aus Novak Djokovics Impfstatus, der zunächst eine Privatsache, dann eine Einreiseformalie war, die sich in Australien zum Politikum weitete, nun ein Rechtsfall geworden. Die diplomatischen Verwicklungen haben unterdessen bereits die höchste Staatsebene erreicht. So unterstellte der serbische Präsident Aleksandar Vučić den australischen Behörden Schikane; alle Bemühungen Serbiens seien darauf ausgerichtet, "die Drangsalierung des weltbesten Tennisspielers zu einem sofortigen Ende zu bringen". Er habe "unserem Novak" persönlich erklärt, "ganz Serbien" stehe hinter ihm. Medienberichten zufolge wurde sogar der australische Botschafter in Belgrad einbestellt. In Canberra wiederum wies Australiens Regierungschef Scott Morrison derlei Vorwürfe mit dem Hinweis zurück, sein Land habe "souveräne Grenzen" und klare, nicht-diskriminierende Vorschriften, die für alle gelten. [….]

(SZ, 06.01.2022)

Was für ein Jammer. Es war seine Chance alle statistischen Rekorde zu brechen, Nadal und Federer zu enteilen.

Aber es hilft ja nichts. Nun stellt er sich quer zu mir. Dann kann ich kein Fan mehr sein.

Mittwoch, 5. Januar 2022

Großer Geist versus beschränkter Geist

Das Faszinosum Helmut Schmidt, 1918-2015, speist sich aus vielen Aspekten. Seine Lebensgeschichte, sein legendäres Rede-Talent, das enzyklopädische Wissen über die Welt, Wirtschaft, Finanzen.

Als die NATO 2001 Kabul angriff, weil Osama bin Laden dort Zuflucht gefunden hatte, wußten die meisten von uns über Afghanistan nur, daß die Sowjetunion da jahrelang Krieg geführt hatte und daß die Taliban kuriose Steinzeit-Muslime waren, die Frauen das Autofahren verboten hatten und die uralten riesigen Buddha-Statuen sprengten.

Helmut Schmidt hingegen konnte im Alter von 92 Jahren aus dem Kopf sämtliche einzelnen Volksgruppen am Hindukusch und 2500 Jahre Geschichte der Weltregion rekapitulieren.

Was mich aber am meisten an Schmidt begeisterte, ist daß er sich immer weiter entwickelte. Er war nie religiös, weil er humanistisch gebildet war, sah aber bekanntlich nach der totalen Vernichtung Deutschlands 1945 in den Kirchen einen stabilisierenden Faktor, den es zu schützen gelte.

Er schwor seine Eide „so wahr mir Gott helfe“, erlangte aber kontinuierlich zunehmend so viel Wissen über andere Religionen, daß er das Christentum immer mehr relativierte.
Hoch in den 80ern war er Zweifler, Agnostiker, ohne persönlichen Hang zur Metaphysik. Mit über 90 hingegen bekannte er sich klar dazu, Atheist zu sein, sah den überwiegend negativen Einfluss der Kirchen.

Der Mann, der als Kanzler, die sich gründenden Grünen kaum ernst nahm, ihre Anliegen für albern hielt, fand auf seine alten Tage lobende Worte für Joschka Fischer, erkannte den Klimawandel als riesiges Problem.

Als der finanzpolitische Welt-Experte des 20. Jahrhunderts warnte er früher und energischer als alle anderen vor den dramatischen Folgen des Turbo-Kapitalismus, den Machenschaften der Trader von Finanzprodukten.

Er lernte bis zu seinem Tod mit fast 97 Jahren stets dazu.

Das dramatischste Problem unserer Welt erkannte er in der galoppierenden Überbevölkerung und malte die schrecklichen Folgen der rasanten Vermehrung der Gattung Mensch in immer neuen Bildern aus, so beispielsweise im NZZ-Gespräch im Jahr 2009 mit fast 91 Jahren.

Das diametrale Gegenteil eines solchen wachen Geistes, der sich immer weiter entwickelt, findet man in Jorge Bergoglio, geboren 1936, der zurzeit als Papst jobbt.

Bergoglio verfügt über einen gewaltigen diplomatischen Apparat, hat Zugang zu allen Informationen und kann, mehr noch als Helmut Schmidt, mit jedem Regierungschef der Welt, mit jeder Berühmtheit, jedem Wissenschaftler in Kontakt treten.
Es nützt nur nichts, da sein Geist beschränkt ist, er nicht fähig ist außerhalb seiner festen Vorurteile zu denken.

Frauen findet er immer noch minderwertig, das Christentum als alleinseligmachend und nun empfiehlt er zu allem Übel auch noch zur alles zerstörenden katastrophalen Überbevölkerung, die Menschen sollten mehr Kinder bekommen.

Die einzige Möglichkeit unseren Planeten noch zu retten, ist auf Kinder zu verzichten. Und Bergoglio beschimpft Paare für ihre Kinderlosigkeit.

Kann man sich nicht ausdenken. Wie kann in einem Mann so viel Unsinn zusammen kommen? Ausgerechnet einer, der die Flüchtlingsströme anspricht, schon selbst Flüchtlingslager besuchte, in Italien lebt. Italien, das aufgrund seiner Lage nahe Afrika Hauptzielland verzweifelter Migranten ist, von denen im Jahr 2021 über 4.000 Menschen im Mittelmeer ertranken, weil kein europäisches Land noch mehr Menschen aufnehmen will.

[….] Generalaudienz: Papst ermuntert Paare zu Kindern

Vor einem „demografischen Winter“ in den überalterten Gesellschaften Europas hat Papst Franziskus an Weihnachten gewarnt. An diesem Mittwoch legte er nach: „Unsere Zivilisation ist ein wenig verwaist“, sagte er bei seiner Generalaudienz. [….]  Für Gesellschaften, in denen Kinder fast gar nicht mehr vorkommen, hat Franziskus nicht viel übrig, das machte er in seiner Katechese klar. „Viele, viele Paare haben keine Kinder, weil sie nicht wollen, oder sie haben eines und nicht mehr - aber sie haben zwei Hunde, zwei Katzen ... Ja, Hunde und Katzen ersetzen Kinder. Das bringt einen zum Lachen, das verstehe ich, aber es ist die Realität!“ [….]

(Vatikan News, 05.01.2022)

Wir kratzen an der 8 Milliarden Menschen-Marke und zerstören damit die gesamte Umwelt und ausgerechnet der Chef einer Armee von über 400.000 Zölibatären fordert, die Menschen sollten mehr Babys machen!

Wie viel Weihrauch muss man in seine Bong füllen, um auf solche Ideen zu kommen?

Aber Spaß bei Seite: Wozu sich katholische Geistliche dringend mehr kleine Jungs wünschen, wissen wir nur allzu gut.





Dienstag, 4. Januar 2022

Ganz alte Neuigkeiten

Manchmal nervt es, wenn Artikel aus völlig seriösen Zeitungen in den sozialen Medien aufpoppen, die User ganz entrüstet reagieren und dabei handelt es sich um eine Geschichte, die jeder, der ein bißchen Interesse mitbringt, schon längst singen kann.

Homöopathie wirkt gar nicht und wird trotzdem von der Kasse bezahlt?
Donnerschlach!

Christian Lindner ist privat finanziell unfähig, hat mehrere Unternehmen mit Millionenverlust an die Wand gefahren?

Sag bloß!

Von Caritas und Diakonie betriebene Kinderheime und Pflegeeinrichtungen werden gar nicht aus der Kirchensteuer bezahlt?
Ganz was Neues!

Man kann sich mit Corona anstecken, obwohl man geimpft ist? 

Wer hätte das gedacht!

Die stets klammen Bundestagsparteien bekommen noch mal knapp 600 Millionen Euro aus dem Steuersäckel über ihre „parteinahen Stiftungen“?
Ist ja ein Ding!

Heute schwappt wieder so eine Meldung durch den Blätterwald, die ich schon auswendig und rückwärts runterbeten kann: Papst Ratzinger machte sich auch persönlich die Hände schmutzig beim Beschützen von Kinderfic**rn in Soutane.

What else is new?

Das kann man seit 2007 immer wieder auf diesem Blog lesen.

Da Ratzinger allgemein als Kinderfi**erförderer bekannt war, betrübte es mich sehr, als er 2013 keinen Bock mehr hatte, den Bettel hinwarf und ein Nicht-Kurialer auf den Papst-Thron kletterte.

(…..) Seine ersten Worte als Papst waren völlig unprätentiös "Buona Sera", er trug weiterhin seine gemütlichen schwarzen Treter, statt edler Purpur-roter Prada-Slipper, verzichtete auch den Einzug in die päpstliche Palastwohnung und mischte sich gern unter das Volk. Schlagartig war Schluss mit Ratzis Prunksucht, mit Hermelin, güldenen Kleidern und edelsteinbestickten Pracht-Mozetten.

Als Atheist war ich natürlich besorgt. Ratzinger war ein wertvoller Agent der Konfessionsfreien im Herzen der Katholischen Kirche. Er war nicht nur persönlich abstoßend und unfreundlich, sondern holte Holocaustleugner in den Schoß der Kirche zurück, brach den ökumenischen Prozess zu den Protestanten ab, wetterte gegen Kondomgebrauch in der HIV-Krise, versorgte seine Spezis mit Posten, ließ wieder die mittelalterliche tridentinische Messe lesen und schob die Schuld an den Myriaden kinderfi**enden Priestern den liberalen Medien und den 68ern in die Schuhe.

Einfach großartig. So trieb er Millionen gläubige, zahlende Katholiken der westlichen Hemisphäre aus der RKK. Wie sollte da der Neue mithalten?   (….)
(Mein Papst, 25.09.2021)

Das Erzbistum München und Freising ist ein Augiasstall.

Mindestens die letzten drei leitenden Kardinäle, die Metropoliten Ratzinger, Wetter und Marx, haben schwerste Schuld auf sich geladen.

Ratzis Vorgänger Julius August Kardinal Döpfner, 1961-1976 Chef der Erzdiözese des Grauens, erscheint uns mutmaßlich nur deshalb in milderem Licht, weil er schon im Alter von 62 Jahren einen tödlichen Herzinfarkt erlitt und sein Tod annähernd ein halbes Jahrhundert zurückliegt.

Nun wird noch mal der „Fall Pater H.“ aufgewärmt, auch ein ganz alter Hut, über den schon 2005, zum Anfang des Ratzinger-Pontifikats ausführlich berichtet wurde.

[….] Ein Fall in dieser Untersuchung ist so wichtig, dass die Anwälte ihm besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben dürften, der Fall Peter H.: Zwischen 1973 und 1996 soll er als junger Kaplan und Pfarrer im Ruhrgebiet mindestens 23 Jungen im Alter von 8 bis 16 Jahren missbraucht haben, später konnte er seine Macht- und Vertrauensposition als Seelsorger in Bayern ausnutzen. Seine Vorgesetzten taten nichts. Oder jedenfalls nichts, was ihn stoppte. Nun ergeben Recherchen der ZEIT, wie deutlich die Kirche selbst das Verhalten hoher Kleriker einschließlich das von Papst Benedikt moniert hat – und zwar ganz offiziell. Es handelt sich um ein sogenanntes Verwaltungsstrafverfahren der Kirche gegen H. Dessen Ergebnis, ein "Außergerichtliches Dekret" des Kirchlichen Gerichts der Erzdiözese München und Freising, liegt der ZEIT vollständig vor. Es wurde am 9. Mai 2016 ausgefertigt. Unterzeichnet haben es der Münchner Kirchengerichtschef Lorenz Wolf, zwei weitere Kirchenrichter und ein kirchlicher Notar. Die Echtheit des Dokuments bestätigt eine zweite Quelle. Über das Dekret berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits 2018, die Süddeutsche Zeitung 2020.  Die Kirchenrichter beantworteten 2016 die Frage nach den Konsequenzen für Peter H.: Er musste drei Monatsgehälter an die Tabaluga-Kinderstiftung zahlen. Zudem wurde er in den Ruhestand versetzt, er durfte sein Priesteramt nicht mehr ausüben. Nur von der Höchststrafe, der Entlassung aus dem Klerikerstand, blieb er verschont.  [….]

(Die Zeit, 04.01.2022)

Ich habe noch die SPIEGEL-TV-Sendung von vor ca 20 Jahren vor Auge, als Reporter die Gemeindemitglieder von Peter H. informierten und von wütenden frommen Omen und Open weggejagt wurden. „Wer denn nicht?“ schrien sie den fliehenden SPIEGEL-Journalisten hinterher, denn schon damals war allgemein bekannt, daß katholische Pfaffen Kinder sexuell missbrauchten. Es störte aber niemanden in der Gemeinde. Nur wenn eins der Opfer wagte, darüber zu sprechen. Dann wurde es ausgegrenzt. Man hielt zum Täter.

[….] Gutachter werfen Ex-Papst und Kardinal Marx Versäumnisse in Missbrauchsskandal vor.  Ratzinger soll 1980 Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester nicht nachgegangen sein. Auch die Amtszeit von Kardinal Marx wurde untersucht.  [….] Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche sind neue Details über das Handeln des früheren Papstes Benedikt XVI. und des Münchner Kardinals Reinhard Marx ans Licht gekommen. Nach Recherchen der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ wird insbesondere Joseph Ratzinger durch das dem Blatt vorliegende Dekret eines Münchner Kirchengerichts von 2016 belastet. Im Zentrum der Vorwürfe steht der Umgang mit einem Essener Diözesanpriester, der nach sexuellen Vergehen an Minderjährigen 1980 nach München geschickt wurde. Ratzinger, damals Münchner Erzbischof, habe von der Sachlage gewusst und der Aufnahme von Peter H. zugestimmt. Mehrere Bischöfe, darunter auch Ratzinger, hätten „bewusst auf eine Sanktionierung der Straftat verzichtet“. [….] Die beiden Kirchenrechtsprofessoren Norbert Lüdecke (Bonn) und Bernhard Anuth (Tübingen) werfen in einem „Zeit“-Interview auch Kardinal Marx Pflichtverletzungen im Umgang mit dem Missbrauchstäter vor. [….] 

(Tagesspiegel, 04.01.2022) 

Ich muss schon sehr gähnen, diese Meldungen über Ratzinger zu lesen.

Der 94-Jährige wird natürlich nie mehr dafür zur Rechenschaft gezogen, was er Myriaden Kindern weltweit antat. Seit Jahrzehnten wissen die Staatsanwaltschaften und die Gläubigen Bescheid und haben ihn trotzdem wie ein Mann mit Standig Ovations im Bundestag bejubelt. 

Die spätere SPD-Chefin Andrea Nahles applaudierte 2010 dem Kinderfic**rfreund Benedikt so enthusiastisch, daß sie vor Glück einen Eisprung bekam. Dem Grünen Genitalverstümmlungsfan Volker Beck ging es genauso. Nur Christian Ströbele verließ leicht angewidert den Plenarsaal. Offensichtlich gibt es immer noch so sehr hinter dem Mond lebende Menschen, daß sie von diesen uralten „neuen Enthüllungen“ überrascht und empört sind. 

Daher ist es auch richtig und gut, die katholische Missbrauchs-Sau erneut durchs Dorf zu treiben. Gerechtigkeit wird es nie geben. Aber immerhin können wir auf ein paar zusätzliche Kirchenaustritte hoffen. Also freue ich mich, wenn immer mehr Medien den Fall aufgreifen und berichten, daß Marx und Ratzinger persönlich dafür sorgten, daß Priester H. immer mehr Kinder grausam misshandeln konnte.

[….] Peter H. kam 1980 aus dem Bistum Essen, um in Bayern eine Therapie zu machen, nachdem er bereits als Kaplan übergriffig geworden war. Doch kurze Zeit nach seinem Wechsel an die Isar wurde er erneut in der Seelsorge eingesetzt – und erneut übergriffig. Insgesamt 29 Betroffene sind in München und Essen mittlerweile aktenkundig. Es könnten durchaus noch mehr sein, heißt es. Selbst als H. 1986 vom Amtsgericht Ebersberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, hielt das die Verantwortlichen nicht davon ab, ihn wieder in einer Pfarrgemeinde einzusetzen. [….]

(RWM, 04.01.2022)

Montag, 3. Januar 2022

Omikron mit zweimal BioNTech im Arm – Teil VI

Hurra, heute konnte ich in mein Corona-Symptomtagebuch für das Gesundheitsamt eine „leichte Besserung“ eintragen.

Die vom Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne läuft bis zum 04.01. – sofern ich symptomfrei bin. Aber was bedeutet das streng genommen? Bin ich ab morgen frei? In einer Stunde?

Ist das schon der Fall, wenn ich zwar noch ein bißchen Schnupfen und Husten habe, andererseits meine Antigen-Selbsttests von gestern und heute wieder negativ sind?

Mutmaßlich trage ich also nach gut 14 Tagen noch eine kleine Virus-Last mit mir herum, die aber der AG-Test nicht mehr wahrnimmt.

Um ganz sicher zu sein, bräuchte ich noch einen PCR-Test.

Das ist aber gar nicht so einfach, weil das Gesundheitsamt komplett überlastet ist und kaum noch PCR-Test-Termine zu bekommen sind.

[…] In Hamburg bleiben die Corona-Neuinfektionen auf hohem Niveau. Die Fallzahlen sind derzeit so hoch, dass nicht alle Betroffenen vom Gesundheitsamt informiert werden können. Bestimmte Regeln gelten für Infizierte trotzdem.

Im Fall eines positiven Corona-Testergebnisses gilt es einige Dinge zu beachten. Doch viele Menschen sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie sich mit dem Virus angesteckt haben.

Wichtigste Regel: Sie müssen Kontakte vermeiden und zu Hause bleiben. Dazu ist man verpflichtet, sobald der Schnelltest ein positives Ergebnis anzeigt - auch ohne dass das Gesundheitsamt ausdrücklich eine Quarantäne anordnet. Um eine sichere Diagnose zu bekommen, muss ein PCR-Test durchgeführt werden. Einen Termin bekommt man beim Hausarzt, über die Terminvergabe oder an einer der Teststellen der Stadt.   [….]

(NDR, 03.01.2022)

Mein positiver PCR in der Nacht vom 23.12. auf den  24.12. fand in meiner Wohnung statt. Der „Patientenservice 116117“ hatte einen Tester geschickt. Deren Kapazitäten sind aber mittlerweile weitgehend erschöpft. Andererseits kann ich OHNE den PCR nicht die Quarantäne brechen, um irgendwo anders einen PCR zu machen.

In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich bei dem ersten PCR-Test, zu dem ich nach dem positiven AG-Test verpflichtet war, angenommen, das wäre so eine Art „hoheitliche Aufgabe“ und somit wie die Corona-Schutzimpfung kostenlos.

Aber weit gefehlt; die Abrechnungsstelle funktioniert sogar wesentlich schneller als das Gesundheitsamt, von dem ich bisher noch keine offizielle Benachrichtigung per Post bekommen habe.

Die Rechnung von knapp 90 Euro für den PCR-Test flatterte schon am 27.12.21 in meinen Briefkasten.

Auch die Impfkampagne in Hamburg stockt weiterhin, da durch Spahns ungeheuerliches Versagen immer noch nicht genügend Impfstoff geliefert werden kann.

[….] Vorerst keine neuen Termine im Hamburger Kinderimpfzentrum!

Die Stadt Hamburg weiß noch nicht, wie viel Corona-Impfstoff für Kinder in den kommenden Wochen geliefert wird. Vorerst gibt es deshalb keine neuen Termine im Kinderimpfzentrum in der Neustadt. Schon vor dem Jahreswechsel waren alle Termine bis Mitte Januar ausgebucht - sowohl für das Kinderimpfzentrum als auch für die Impfstellen in den Kinderkrankenhäusern. Wer Glück hat, könnte aber noch einen Termin in einer Arzt-Praxis bekommen. Von den rund 110.000 Kindern in Hamburg haben bisher rund 10.000 mindestens eine Impfung bekommen - also weniger als zehn Prozent.  [….]

(NDR, 03.01.22)

Sonntag, 2. Januar 2022

Ausgrenzung

Die rechtsextreme Verschwörungstheoretikerin und Hassfanatikerin Marjorie Taylor Greene, inzwischen so bekannt, daß sie wie „AOC“ Alexandria Ocasio-Cortez  unter einem Akronym - MTG - firmiert, führt ein perfektes Leben.

Die US-Kongressabgeordnete ist so irre, daß sie aus allen Ausschüssen entfernt wurde. Sie muss also nicht arbeiten und kann sich zu 100% ihrer Passion, dem Hass auf andere Menschen widmen.

(….) David Miles Hogg, 21, überlebte am 14. Februar 2018 das Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland (Florida), bei dem 14 seiner Mitschüler und drei Lehrer getötet wurden. Jeder Mensch, der auch nur über einen winzigen Rest menschlichen Anstandes verfügt, empfindet Mitleid mit den „Parkland-Survivors“ und versteht, daß sie keine Waffenfreunde sind.

Marjorie Taylor Greene, 46, republikanische Kongressabgeordnete aus Georgia, gehört nicht dazu.   Die fanatische Christin ist zutiefst bösartig, stürzt sich höhnisch lachend auf Opfer, bei denen sich Schwäche wittert.  Daher verfolgte und belästigte sie 2019 das traumatisierte Opfer David Hogg erneut, versuchte ihn damit zu triggern, daß sie eine Waffe trage.

[……] Rep. Marjorie Taylor Greene, R-Ga., mocked a Florida school shooting survivor as an "idiot" who "only talks when he is scripted" in a 2019 interview with a Georgia gun group, according to a previously unreported video obtained by NBC News.   "He is very trained. He's like a dog. He's completely trained," Greene said of the survivor, David Hogg, now 20, in an interview with Georgia Gun Owners Inc. in April 2019, less than two years before she was elected to Congress.   Videos of Greene, a freshman Republican, berating Hogg in Washington surfaced last week after she was appointed to the House Education and Labor Committee. […..]

(02.02.2021)

Die Schäbigkeit und Brutalität der Retrumplicans lässt sich eigentlich nicht unterschätzen, aber Taylor Greene ist selbst für GOP eine besonders abstoßende Kreatur der Niedertracht.

Sie verhöhnt die Opfer, indem sie  School-shootings als „false flag operations“, also liberale Inszenierungen bezeichnet, um den Waffenbesitzern zu schaden. Demokratische Politiker solle man exekutieren. David Hogg beschimpfte sie als „Feigling“, nachdem dieser sich weigerte auf ihr aggressives Stalking zu reagieren. Die frommen weißen Christen in Georgia waren von solchen Aktionen so begeistert, daß sie die QAnon-Verschwörerin 2020 in den US-Kongress wählten.  (…)

(Abgründe unter Abgründigen, 15.05.2021)

Die Cro-Magnon-Frau lebt ihren zutiefst bösartigen Sadismus nicht nur verbal und politisch aus, sondern wird auch handgreiflich, stachelte den Mord-Mob vom 06.01.2020 an, versorgte die Umstürzler mit logistischen Informationen und bedroht, wie ihre waffenstarrende enthirnte Kollegin Lauren Boebert, ihre Kollegen im Kongress auch physisch.



Demokratische Abgeordnete vom progressiven Flügel wie Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley, Rashida Tlaib, Jamaal Bowman und Cori Bush sind selbst im US-Kapitol, der Herzkammer der amerikanischen Demokratie, ihres Lebens nicht mehr sicher.

Sie werden nicht nur durch Schläge und Schusswaffen einiger GOP-Abgeordneten bedroht, sondern inmitten der Omikronwelle verbreiten MTG und Co auch vorsätzlich Viren.

[….] 2 Georgia Republicans Rack Up Fines for Defying House’s Mask Mandate.  Representatives Marjorie Taylor Greene and Andrew Clyde have incurred more than $100,000 combined in penalties for dozens of violations. [….]

(New York Times, 29.12.2021)

Die 100.000 Dollar Strafe für die Verstöße gegen die Maskenpflicht im US-Kongress sind ein gutes Investment. Dadurch stieg MTG zur Ikone der irren Covidioten auf und sammelte schon in den ersten drei Monaten im Kongress 3,2 Millionen Dollar Spenden ein.

[….] We have a scoop for you this morning: Freshman Rep. Marjorie Taylor Greene (R-Ga.), the controversial MAGA firebrand, raised over $3.2 million in the first three months of this year, according to a source close to her campaign. [….]

(Politico, 04.07.21)

In den USA, dem Land der irren Hassfanatiker mit 75 Millionen Trump-Fans, kann die irrste Hassfanatikerin ihre fanatische Basis bequem ausmelken.

Wie die meisten GOP-Abgeordneten, die radikal das Geld zu dem obersten 1% umschaufeln, gehört auch MTG selbst zum obersten 1%. Sie ist nicht so reich wie Trump, hat aber in ihrem Leben bereits rund 50 Millionen Dollar an sich gerafft. Wie ganz genau, wird derzeit untersucht. Ich lehne mich sicher nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich mutmaße, daß es sich dabei nicht um ehrliche Arbeit als Medizinerin oder Handwerkerin handelte.

Bis zum September 2021 konnte MTG über sechs Millionen Dollar für ihren antisemitischen Hass-Wahnsinn und die Mordaufrufe an Spenden generieren.

Die republikanische Parteiführung stört es nicht, daß MGT wie gedruckt lügt, andere Abgeordnete physisch bedroht, brutal antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und dazu aufruft die Kongress-Sprecherin Nany Pelosi zu hängen.   Trumps GOP lässt sie gern weiter wüten. Die Mordaufrufe, Gewaltphantasien, der Judenhass und die Lügen hatten bisher keinerlei Konsequenzen für die blondierte millionenschwere Furie aus Georgia.

Aber immerhin führten ihre Corona-Lügen nun dazu, daß das private Unternehmen Twitter sie rauswarf.

[….] Marjorie Taylor Greene verglich in einem Interview das Maskentragen mit dem Holocaust. Nun hat Twitter einen Account der Trump-Anhängerin gesperrt – wegen wiederholter Falschinformation. [….] Unter dem Namen @mtgreenee schwurbelte Marjorie Taylor Greene auf Twitter über QAnon, leugnete die Wirkung von Corona-Schutzimpfungen und verharmloste die Krankheit, die von dem Virus ausgeht. Wegen unter anderem dieser Verstöße hat das soziale Netzwerk einen Account der republikanischen Kongressabgeordneten und Trump-Anhängerin nun abgeschaltet. [….] Das Unternehmen habe den Account »wegen wiederholter Verstöße gegen unsere Covid-19-Richtlinie für Fehlinformationen dauerhaft gesperrt«, zitiert etwa CNN einen Twitter-Sprecher. Laut »New York Times« war Greene zuvor bereits viermal vorübergehend gesperrt worden.  Die Politikerin aus dem US-Bundesstaat Georgia neigt auch abseits der sozialen Medien zu Ausfällen. Im Mai hatte sie im Sender Real America's Voice das Maskentragen mit dem Holocaust und der Pflicht des Tragens eines Judensterns verglichen. [….] Ganz aus dem Twitter-Kosmos verschwunden ist Greene nun jedoch nicht. Sie hat weiterhin Zugang zu ihrem offiziellen Kongresskonto @RepMTG. [….]

(SPON, 02.01.2022)

Ein überfälliger Schritt. MGT ist die Apotheose der hochgefährlichen Quer-Schwurbulanten, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, sondern konsequent ausgrenzen muss.

Natürlich kreischen die Rechtsextremen nun, das sei Zensur. Die linke Regierung wolle Konservative zum Schweigen bringen. Natürlich ist das ganz großer Bullshit, denn bei Twitter handelt es sich um ein Privatunternehmen, das ganz im Sinne der Republikaner unbeeinflusst von der Regierung handelt.

[….] Now comes the part where the free enterprise-loving conservatives whine that they’re being silenced and canceled and censored because a private company enforced its own terms of service.  [….]

(Brian Tyler Cohen, 02.01.2022)

Samstag, 1. Januar 2022

Impudenz des Jahres 2021

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender einen „1.1.“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Jahres zu küren.

Auf allen Kontinenten gilt es seit Jahrhunderten als Makel, ungebildet zu sein.  Homo Sapiens soll von Natur aus sehr neugierig sein und daher nahmen und nehmen Kinder große Strapazen auf sich, um zu lernen. Lehrer wurden hochverehrt und viele Eltern gehen erhebliche finanzielle Belastungen ein, um ihren Nachwuchs mit Bildung zu versehen.

Seit Jahren berichtet eine eindrucksvolle ARD-Produktion von den „gefährlichsten Schulwegen der Welt“.

[….] Die gefährlichsten Schulwege der Welt: Philippinen

Die Kinder aus Madibago im Nordwesten der Philippinen müssen auf ihrem Schulweg eine Steilwand mitten im Dschungel erklimmen. Lediglich ein paar Wurzeln geben den Schülern etwas Halt. Schon viele Kinder sind hier abgestürzt und haben sich verletzt. Aber Aible und ihre Mitschüler wagen sich trotzdem jeden Tag erneut an die Wand - getrieben von der Hoffnung, durch ihre Schulbildung ein besseres Leben zu haben. [….]

(3Sat 2021)

[….] Die gefährlichsten Schulwege der Welt: Bolivien

Die Yungas-Täler liegen zwischen den Anden und dem Amazonasbecken. Die Kinder in dieser abgeschiedenen und armen Region Boliviens legen weite und unvorstellbar gefährliche Wege zurück. Sie trotzen Naturgewalten, Hunger und Erschöpfung. Diese kleinen Helden haben ihren Traum immer fest im Blick: durch Bildung die Berge verlassen und in die Stadt ziehen zu können - raus aus der Armut. [….]

(3Sat)

Der SPD-Vorläufer und 1863 von Ferdinand Lassalle gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (1869: Sozialdemokratische Arbeiterpartei, 1875 Zusammenschluss zur Sozialistischen Arbeiterpartei), setzte ganz auf Bildung.

Alle Arbeiter strebten nach Bildung und nahmen nach ihren 12- oder 14-Stunden-Arbeitstagen begierig jedes Angebot an, zu lernen.

[….] Insbesondere während des „Sozialistengesetzes“ (1878–1890) erlebten die meist sozialdemokratischen Arbeiterbildungsvereine einen massenhaften Aufschwung als wichtiger Teil der Arbeiterkulturbewegung.  Während der Weimarer Republik waren die Arbeiterbildungsvereine Teil eines ausdifferenzierten Vereinswesens und des sozialdemokratischen Milieus. Es gab Neugründungen im Bereich der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, aber auch eine Öffnung hin zu pluralistisch eingestellten Bildungseinrichtungen – wie beispielsweise den Volkshochschulen – fand statt. Vorbildhaft hierfür waren die Leipziger Volkshochschule oder auch die Heimvolkshochschule Sachsenburg, hier gelten Hildegard Reisig und Gertrud Hermes als Vorreiterinnen. Sie entwickelten erste theoretische Ansätze zur Arbeiterbildung.  Seit 1945 wird die Arbeiterbildung stark von der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und der Organisation „Arbeit und Leben“ (eine Kooperation von Gewerkschaften und Volkshochschulen) bestimmt. Insbesondere Oskar Negt, Adolf Brock und auch Paul Röhrig entwickelten über einen spezifischen an die „Klasse“ gebundenen exemplarischen Lernbegriff die Theorie der Arbeiterbildung weiter.  Im Rahmen der Geschichte der Erwachsenenbildung haben die Arbeiterbildungsvereine als international bedeutende soziale Bewegung, im Sinne der Selbstorganisation unterdrückter Bildungsinteressen, einen hohen Stellenwert gewonnen. [….]

(Friedrich Ebert Stiftung)

Die Covidioten, die schon zur Impudenz des Jahres 2020 erkoren wurden, stellen dieses Prinzip auf den Kopf.

Sie frönen mit großer Lust ihrer eigenen Borniertheit, verachten Bildung.

So erkämpften sich die Leerdenker, Anti-Impf-Spaziergänger, die mit Fackeln losziehen, um Politiker und Wissenschaftler zu lynchen, auch im Jahr 2021 den großen Pokal als schlimmste Blödmänner des Jahres.

Diese brüllenden Inkarnationen des Dunning-Kruger-Effekts werden durch die Selbst-Anstachlungen in ihren Inkompetenzblasen immer gewalttätiger.

Von den Social-Media-Algorithmen in immer dichtere Aggro-Cluster zusammengepresst, halten sie sich inzwischen nicht nur für klüger, als die „Schlafschafe“, sondern leiten daraus auch einen Anspruch ab, mit Gewalt gegen die Gesellschaft vorzugehen.

Sollte die Corona-Pandemie jemals besiegt werden (und genau diesen Durchbruch blockieren die Impf- und Maskenpflicht-Gegner), besteht leider dennoch keine Hoffnung, dieses brutale Pack der Dummheit loszuwerden.

Denn ihre Themen sind letztendlich austauschbar.

Ob sie nun am 06.01.2020 als mordender Mob den US-Kongress stürmen, voller Hass für den Brexit stimmen, als hasserfüllte Xenophobe den kriminellen PEGIDA-Machern nachlaufen, Asylunterkünfte niederbrennen, Menschen erschießen, die sie auf Maskenpflicht hinweisen, oder als sächsische Covid-Orks nachts durch die Kleinstädte marodieren – es steckt der gleiche hässliche Homo Demens dahinter. Diese Typen sind zwar glücklicherweise keine Mehrheit, aber doch eine lautstarke, sich selbst replizierende Minderheit.

So wie die zutiefst destruktive faschistoide AfD erst gegen den Euro, dann gegen die EU, später gegen Flüchtlinge, anschließend gegen „den Islam“, die „Mainstreammedien“ und schließlich gegen Maskenverordnungen, Impfpflicht und überhaupt alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hetzt, finden auch die Schwurbler immer etwas, das sie hassen.

Sie werden garantiert auch in Zukunft Themen okkupieren, mit denen sie Verschwörungstheorien frönen können und ihrem eigentlichen inneren Antrieb, dem Ausleben ihres inneren Hasses folgen können.

Diese Aluhütigen sind durch Argumente, Fakten und Realität nicht mehr einzufangen. Zig Millionen QTrumpliKKKans sind fest von dem Sieg ihres orangen Idols über Joe Biden überzeugt, obwohl kontinuierlich nachgezählt wurde, republikanische Gouverneure den Sieg Bidens bestätigten und republikanische Richter Dutzende Klagen abschmetterten. Sie sind immun gegen Wahrheit.

Intensivpfleger berichten von schwersten Covid-Fällen, die intubiert und an einem Dutzend Infusionen hängend, auf der Intensivstation die Existenz des Corona-Virus leugnen.

Es gibt keine Gesprächsgrundlage mit diesen Typen, keine Gemeinsamkeiten und eben auch keine Veranlassung der Mehrheitsgesellschaft weiterhin Rücksicht auf die marschierenden Neandertaler zu nehmen.

Denn die kennen keinerlei Anstand und keine Hemmungen. Sie nutzen ihre eigenen Kleinkinder als Schild und stellen eine tödliche Gefahr für die vulnerablen Teile unserer Gesellschaft dar.

Sie müssen strikt ausgegrenzt werden.

Freitag, 31. Dezember 2021

Der Gewinner des Jahres 2021

Die meiner Ansicht nach abscheulichste Meldung des Jahres 2021 in Deutschland, war die investigative SPIEGEL-Recherche über den abgrundtiefen Kindersex-Sumpf im Bistum Trier.

Die Story ist ein absolutes „must read“ und würde in einem funktionierenden Rechtsstaat ein politisches Erdbeben auslösen, umfangreichste Ermittlungen des Bundesanwaltschaft nach sich ziehen und die römisch-katholischen Kirche in Deutschland mindestens die Gemeinnützigkeit entziehen. Die Bundesländer würden solchen Bischöfen nicht mehr ihr Gehalt zahlen und die RKK-Vertreter aus ihren Ethikräten werfen.

(….) Extrem brisant sind die Namen der moralischen Hauptschuldigen:

1.) Der Trierer Bischof Reinhard Marx (2001 bis 2008), dem ausgerechnet einer der perfidesten Kinderfi**er-Schützer Kardinal Degenhardt 1996 die Bischofsweihe spendete.  Später stieg Marx zum Erzbischof von München und Freising, Metropoliten der zugehörigen Kirchenprovinz, Kardinalpriester von San Corbiniano, Präsidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE), Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Großprior der deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Mitglied des Kardinalrates und Papst-Vertrauten auf.

2.) Der seit 2009 amtierende Trierer Bischof Stefan Ackermann, der 2010 zum Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz aufstieg.

3.) Georg Bätzing, ab 1996 Regens des Priesterseminars in Trier, ab 2012 Generalvikar des Bistums Trier, 2016 Franz-Peter Tebartz-van Elst-Nachfolger als 13. Bischof von Limburg und schließlich seit 2020 Nachfolger von Reinhard Kardinal Marx als Chef der deutschen Bischofskonferenz.

Es sind also gewissermaßen die prominentesten deutschen Top-Kleriker überhaupt, die sich die Hände im Missbrauchssumpf von Trier so unfassbar dreckig gemacht haben.

So erklärt sich mutmaßlich auch der von Marx im Juni 2021 angebotene und von Bergoglio prompt verwehrte Rücktritt als Erzbischof von München und Freising. Wahrscheinlich überwältigte ihn die Angst vor weiteren Enthüllungen. (….)

(Der kriminelle Sumpf von Trier, 12.12.2021)

Statt in Schimpf und Schande abgewickelt zu werden, saßen die hochbezahlten zölibatären Moralapostel in den bunten Kleidern, die Enthüllung einfach aus.

Offenbar schert sich keiner der kirchentreuen Politiker um ein paar Zehntausend sexuell missbrauchte und lebenslang brutal psychisch gequälte Kinder.

Besonders erbärmlich fallen in dieser Hinsicht die neuen FDP-Bundesminister auf, die allesamt „so wahr mir Gott helfe“ schworen.

Verkehrsminister Wissing ist tief fromm, spielt im Gottesdienst die Orgel.

Justizminister Buschmann ist überzeugter Katholik und offensichtlich ebenfalls gewillt, die Sextäter seiner Kirche zu beschützen und den Myriaden Opfern den Mittelfinger zu zeigen.

Es gab nach meiner Erinnerung so gut wie gar kein Medienecho auf die Enthüllungen von Trier. Kaum eine andere Zeitung griff das Thema auf, kein namhafter Politiker fühlte sich zu einem Kommentar bemüßigt und die Kinderfi**er-Schützer-Bischöfe gaben erst Recht keine Anzeichen von Scham oder Reue zu erkennen.

Warum auch? Sie haben die schlimmsten überhaupt denkbaren Verbrechen in ihrem Verein gefördert, die Strafverfolgung der Täter behindert und bekommen seit 12 Jahren das eindeutige politische Signal „Ihr dürft das!“.

Wie sollten sie das dröhnende Schweigen der gesamten politischen Klasse und des gesamtes Justizapparates anders verstehen als

„verprügelt, foltert, missbraucht, quält, misshandelt weiter so viele Kinder, wie Ihr mögt. Ihr habt Generalpardon und könnt Euren Sadismus gegenüber Hilflosen und Schwachen mit freundlichen Grüßen aus Parlament und Regierung gern weiter nach Lust und Laune ausleben!“

Georg Bätzing, als Vorsitzender der Bischofskonferenz, Chef der Katholischen Geistlichen in Deutschland, legt sogar noch einen drauf.

Den Hunderttausenden, die als Kinder Opfer von sexuell übergriffigen Priestern wurden oder in katholischen Kinderheimen grausam misshandelt wurden, aber auch den Angehörigen der über 100.000 Covid-Toten in Deutschland ätzt Bätzing entgegen, sie sollten Gott für das Jahr 2021 danken. Die missbrauchten Kinder im Bistum Trier zu seiner Zeit als Generalvikar, als er alles tat, um die Verbrechen zu vertuschen, erwähnte er mit keinem Wort.

Was für eine perfide, vollkommen schamlose Person!

[….] Das zu Ende gehende Jahr war nach Auffassung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nicht nur schlecht. »2021 mit all seiner Beschwer, mit der Dramatik einer weltweiten Pandemie, mit Kriegen, Flucht und Vertreibung, Naturkatastrophen und Hungersnöten, mit politischen Zuspitzungen und neuen Hoffnungsträgern – es war nicht nur ein Jahr großer Zumutungen, wir haben persönlich und im Miteinander manch Gutes erfahren«, sagte der Limburger Bischof  [….] Für die erfahrenen Wohltaten dränge es Christinnen und Christen, Gott am Ende des Jahres zu danken. [….] Bätzing erinnerte daran, dass sich die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Großen Zapfenstreich der Bundeswehr zu ihrem Abschied unter anderem das Kirchenlied »Großer Gott, wir loben dich« gewünscht habe. [….]  Sie habe Gott damit aber auch ganz unbefangen zum Abschied gedankt.  [….]

(SPON, 31.12.2021)

Daß Bätzing von seinen Schäfchen nicht mit Forken und Mistgabeln davon gejagt wurde, macht ihn wahrlich zum großen Gewinner des Jahres.

Immerhin beweist er mit seiner Existenz, seiner Position und der angehäuften Ehrungen, daß es eins offensichtlich nicht gibt: Einen gerechten Gott.