Mittwoch, 16. Juni 2021

Deswegen mag ich keine jungen Leute

Bill Maher sprach mir am Wochenende, wie fast immer, aus der Seele.

Was ist nur mit diesen Jugendlichen los, die so woke sind und erklären, die US-Gesellschaft wäre noch nie so homophob und rassistisch wie jetzt gewesen?

[…] “That’s the phrase coined by Steven Pinker to describe a brain disorder that strikes liberals and makes them incapable of recognizing progress, […] “It’s like situational blindness, only what you can’t see is that your dorm in 2021 is better than the South before the Civil War. …  Acknowledging progress isn’t saying ‘we’re done’ or ‘we don’t need more,’ and being gloomier doesn’t make you a better person.” […] “There is a recurrent theme on the far left that things have never been worse, […] “Kevin Hart expressed a view many hold when he told The New York Times, ‘You’re witnessing White power and White privilege at an all-time high.’ This is one of the big problems with wokeness — that what you say doesn’t have to make sense or jibe with the facts or ever be challenged, lest the challenge itself be conflated with racism. But saying White power and privilege is at an all-time high is just ridiculous. Higher than a century ago — the year of the Tulsa race massacre? Higher than the years when the KKK rode unchecked and Jim Crow went unchallenged? Higher than the 1960s when the Supremes and Willie Mays still couldn’t stay in the same hotel as the White people they were working with? Higher than slavery? And I mean actual slavery, not ‘Prince doesn’t like his record contract’ slavery.” […]

(Bill Maher June 2021)

Das ist das Problem mit dem Internet und den social media.

Die Teens und Twens hocken in ihren Blasen, ganz ohne Rückkopplungen in die Realität und generieren sich ihr eigenes Universum.

Dazu muss man nur einen Blick auf TikTok werfen und 30 Minuten investieren, um den Versuch zu unternehmen, zu verstehen wieso irgendwelche grinsenden Teenie-Boys, die nichts sagen, nichts können, keinerlei Ansichten zu irgendetwas haben, aber für wenige Sekunden süß gucken, oder playback zu ein paar Takten eines Popsongs die Lippen bewegen, 12 Millionen Follower haben, die sie grenzenlos bewundern.

Ich bin über 50; ich muss die Jugend nicht verstehen.  Natürlich ändern sich die Moden. Aber diese radikale Verblödung scheint mir doch ein neues Niveau erreicht zu haben.

Einige Zitate sind so nett, daß man kaum noch den eigentlichen Ursprung feststellen kann, weil sie so oft prominent zitiert werden.

»Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz.  Wer mit 40 immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand.«

(Theodor Fontane)

»Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, hat kein Herz, wer es im Alter noch immer ist, hat keinen Verstand.«

(B.Russell)

»Wer mit zwanzig kein Sozialist ist, hat kein Herz – wer es mit vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand.«

(Winston Churchill)

Tatsächlich waren durchschnittliche Menschen oft in ihrer Jugend revolutionärer eingestellt und passten sich in den nächsten 20 Jahren erstaunlich an.

Ich selbst bin zwar parteipolitisch nie irgendwohin gerutscht, aber ich stelle durchaus fest, daß mir Probleme inzwischen oft vielschichtiger und komplizierter erscheinen, als vor 35 Jahren.
Sich über ein paar Dekaden hinweg von sehr idealistisch-links zu etwas realistischer Mitte-Links zu orientieren, ist also üblich und dem täglichen Hinzulernen geschuldet.

Vermutlich neigt man auch zu mehr Spießertum, wenn man seiner eigenen Jungendzeit entwächst, weil man Gefahren und Risiken besser erfassen kann.

Diese alten Gewissheiten bröckeln.  Die Jugend in der ehemaligen DDR, partiell offenbar nicht mehr zu erreichen für staatliche Bildung, neigt stark zur AfD.

Für Gesamtdeutschland sieht es auch nicht viel rosiger aus.

[…] Die Konservativen und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet kommen bei jungen Wählerinnen und Wählern offenbar besser an, als man es in der CDU/CSU selbst vermutet. Das legt zumindest eine repräsentative Umfrage der Kommunikationsagentur Fischer-Appelt in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Appinio nahe. In der »Teengeist«-Umfrage werden regelmäßig junge Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren zu ihrer Lebenswelt befragt – unter anderem zu politischen Themen und Präferenzen.   Dabei zeigt sich: Bei den Befragten ist die Union stärkste Kraft, 26 Prozent würden für sie stimmen. Damit liegt die CDU/CSU sechs Prozentpunkte vor den Grünen. Die FDP würde bei 14 Prozent landen, die SPD bei elf. [Bah! Unter 25-Jährige finden Lindners Lobby-FDP besser als die SPD!]  […] Nicht nur bei der Sonntagsfrage schneidet die Union besser ab als Grüne und SPD. Auch beim Personal landet sie vor ihren Mitbewerbern. Der beliebteste Spitzenkandidat unter den befragten Jugendlichen ist Armin Laschet mit 17 Prozent. Annalena Baerbock (Grüne) folgt knapp dahinter mit 15 Prozent, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz landet abgeschlagen bei neun Prozent. […]  Das liegt auch daran, dass viele die Kandidierenden nicht kennen: Unter den Befragten können 23 Prozent nichts mit Armin Laschet anfangen, 36 Prozent kennen Annalena Baerbock nicht. Olaf Scholz können 35 Prozent der Jungwähler nicht zuordnen. […]  Die Hälfte der Jugendlichen gibt an, gar keine politischen Inhalte zu konsumieren.  Lediglich 13 Prozent der Befragten suchen aktiv nach Politik-Content. Falls sie doch auf politische Inhalte stoßen, geschieht dies vor allem über die sozialen Netzwerke YouTube, Instagram oder TikTok. […]

(SPON, 16.06.2021)

Pfui Teufel.

In meiner Jugend musste ich liberale, bürgerrechtliche und ökologische Werte gegen die alte Generation durchkämpfen.

Als alter Mann werde ich offenbar liberale, bürgerrechtliche und ökologische Werte gegen die junge Generation durchkämpfen müssen.

Meine Elterngeneration legt schon vor und engagiert sich, während die Twen-Girls mit ihren iPod-verschlossenen Ohren und den Augen auf das Klugtelefon gerichtet, durch die Welt tapern. Stets nur ihre „Likes“ zählend, an ihrem nächsten Instagram-Post interessiert.

[…] Frauke Stolley […] ist eine von rund 300 „Omas“, die sich in Hamburg als „Omas gegen Rechts“ für Demokratie und soziale Gerechtigkeit engagieren. […] Immer wieder macht die Rentnerin in Hamburg Stimmung: Demonstriert für Demokratie, Humanität und soziale Gerechtigkeit. […] Der Zusammenschluss von politisch engagierten, älteren Frauen gründete sich 2017 in Wien, 2018 entstanden die ersten Gruppen in Deutschland. Seitdem setzen sich die „Omas“ (und einige „Opas“) dafür ein, die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht zu vergessen – und einen erneuten Rechtsruck der Gesellschaft zu verhindern. Dafür putzen sie zum Beispiel Stolpersteine, laufen linksherum um die Alster (eben gegen rechts) oder sammeln Spendengelder für Mittelmeer-Rettungsinseln für Geflüchtete. […] Dabei kommen ganz unterschiedliche Frauen zusammen. Einige hatten bisher noch überhaupt nicht protestiert, einige sich auch gar nicht getraut. Das war bei Stolley nicht so. Sie war schon immer ein „Freigeist“ sagt sie, kämpfte ihr Leben lang für ihre politischen Überzeugungen: Protestierte in den 70ern gegen Atomkraft in Gorleben und Brokdorf – und wurde dabei sogar von der Polizei eingekesselt. […] Und derzeit richtet die 72-Jährige ihre Energie gegen die AfD: Seit April veranstaltet sie gemeinsam mit ihren „Oma“-Kolleginnen einmal im Monat Flashmobs, um zu verhindern, dass die AfD bei der Bundestagswahl im September viele Stimmen bekommt. „Die AfD lullt Menschen mit guten Rednern ein“, sagt Stolley. „Sie grenzen aber viele Menschen aus und haben eine arrogante, abweisende Flüchtlingspolitik.“ […]

(Mopo, 16.06.2021)

[…..] 75-Jährige beseitigte mehr als 10.000 Graffiti und Aufkleber

Seit mehr als 30 Jahren fährt Irmela Mensah-Schramm durch Deutschland, um rechtsradikale Schmierereien zu entfernen. Sie wurde bedroht und wegen Sachbeschädigung verurteilt. Warum tut sie sich das an? […..]

(Yannick Ramsel, DER SPIEGEL, 08.01.2021)

Irgendeiner muss es ja tun.

Auf die Tiktok-Generation mit ihrer CDU-Vorliebe können wir nicht hoffen.

Dienstag, 15. Juni 2021

Ärger im Paradies.

 Die christlichen Konfessionen haben in den USA ein anderes Image als in Europa.

Während in der alten Welt die Katholiken mit ihrer Homophobie, dem Zölibat und der strikten Verbannung der Frauen von den Kanzeln als stockkonservativ gelten, haben die evangelischen Kirchentage inzwischen eher ein grünes, feministisches Image. Die deutschen Pietisten und evangelischen CSU-Männer (Beckstein, Söder) fühlen sich bei der Synode schon ganz fremd,

 In den Staaten sind die Evangelen eine ganz andere Kategorie, nämlich evangelikal. Das sind die Harcore-Christiban, die die Bibel wörtlich auslegen – natürlich nur jene Stellen, die gut in ihr konservatives Weltbild passen und nicht das sozialistische Zeug mit der Barmherzigkeit und dem Leitbild der Armut.

Der evangelikale Jesus ist Republikaner, hasst Schwule und die allgemeine Krankenversicherung. Dafür liebt er aber Todesstrafe, Folter, Open-Carry-Guns und AR15s.

Damit verglichen, sind die amerikanischen Katholiken eher liberal, weil sie europäisch geprägt sind und sich nicht ganz so extrem an den lokalen NRA-Ausprägungen orientieren. Die Demokraten John F Kennedy und Joe Biden -  beide nach evangelikalen Maßstäben linksextreme Kommunisten – sind Katholiken.

Dies alles ist natürlich eine vereinfachte Darstellung. Auch in Deutschland gibt es eigentümliche evangelische Freikirchen und immerhin über eine Million erzkonservative Evangelikale.

Die US-Protestanten existieren ebenfalls in vielen verschiedenen Ausprägungen, zumal völlig durchgeknallte Irre laufend eigene Kirchen mit sich selbst als Messias gründen. Trumps persönliche religiöse Führerin Paula White ist ein Beispiel für diese völlig aller Moral und aller Realität entrückten faschistoiden Hass-Kirchen, die politisch am äußersten rechten Rand stehen, mit Verve auf alle Schwachen und Minderheiten eindreschen, selbst dabei unfassbar reich werden und das alles als den unverfälschten Jesus pur aus der Bibel verkaufen.

Die Evangelikalen wurden eigentlich erst mit Ronald Reagan und den Bush-Präsidenten eine enorm starke politische Macht.

Sie nannten sich „moral majority“ und bildeten den Gegenpol zu allem, das sie an den 1960er Hippies und den 1970er Feministen und 1980er Schwulen hassten.
Sie trugen das Banner „family values“ wie eine Monstranz vor sich her, bekämpften Verhütung, voreheliche Beziehungen, Schwulerei, aufmüpfige Frauen, sexy Kleidung und waren die Inkarnation der Prüderie.

Ein GOP-Politiker, der mit einer anderen Frau geflirtet hatte, war erledigt, weil die Millionen erzkonservativen weißen Christen mit ihren lautstarken Megachurch-priests die Daumen senkten.

In einer sich lockernden gesellschaftlichen Stimmung, umwarben die Republikaner immer mehr die Evangelikalen, ließen sich regelrecht ihre Agenda diktieren und machten sich vollkommen lächerlich mit ihren öffentlichen Frömmigkeitsbekundungen.

Aber es war ein gutes Geschäft, weil die Evangeliban zuverlässig Wählerstimmen lieferten.

So wurde auch Donald Trump zum Evangelikalen; indem er einfach behauptete es zu sein.

Wieso sich die Apologeten der Prüderie ausgerechnet hinter einem in dritter Ehe Verheirateten sammelten, ist erst auf den zweiten Blick zu verstehen.

Sie hatten die gemeinsamen Feinde. Die People Of Color, Obama, Gay Marriage, liberale Familienplanung, Regenbogenpartnerschaften.

Kurzum, Evangelikale wie auch Trump, sind ungebildet, intolerant, Rassisten, Revanchisten, misogyn, wissenschaftsfeindlich, xenophob, Impfgegner, Nationalisten, Klimawandel-Leugner, Creationisten und homophob.

Es lief auch gut – Trump wurde gewählt und zerschlug sofort alle internationalen Bande, hetzte gegen Muslime und Migranten, schaffte Dutzende Queer-freundliche, ökologische und Klimaschutz-Regeln ab.

Und er ernannte 200 Bundesrichter, sowie drei Supreme Court-Richter, so daß nun alle evangelikalen Wunschträume erfüllt werden können: Ende der Gay Marriage, totales Abtreibungsverbot, Schluß mit allen Antidiskriminierungsregeln und jeder noch so kleinen Einschränkung beim Waffenrecht.

Blöderweise gingen die letzten Wahlen alle schief.  Trump sitzt nicht mehr im Weißen Haus, die GOPer haben keine Mehrheit mehr.

Da gibt es nun doch einige, die zweifeln und es nicht ganz so toll finden, einen Vollproleten, der immer lügt und mit Pornosternchen  kopuliert als ihren Messias anzusehen. 16.000 Evangelikale rotten sich gerade in Nashville bei der Southern Baptist Convention (SBC) zusammen und haben Redebedarf.

[…..] Die US-Evangelikalen diskutieren in Nashville ihre Zukunft - und streiten über ihr Verhältnis zu Donald Trump.  […..] Die größte evangelikale Konfession in den USA ist heillos zerstritten. […..] Wie eng soll das Bündnis der SBC mit den Republikanern sein - sprich: mit Donald Trump, der in der Praxis immer noch der Anführer der Partei ist? Soll die Konfession sich in die von ihm angestachelten Kulturkämpfe stürzen? […..] Die SBC hat gut 14 Millionen Mitglieder, jeden Sonntag gehen um die vier Millionen Southern Baptists in die Kirche. Der politische und gesellschaftliche Einfluss der Konfession ist enorm - von der Gemeindeebene bis hoch nach Washington. Dass Donald Trump, der mehrfach geschiedene Sexprotz, der mit dem sechsten Gebot so wenig anfangen kann wie mit dem achten, es geschafft hat, die überwältigende Mehrheit der evangelikalen Christen auf seine Seite zu ziehen, war eine taktische Meisterleistung und hat erheblich zu seinem Sieg 2016 beigetragen.  Doch die Allianz mit Trump ist für die SBC nicht ohne Folgen geblieben. Es gibt in der Führung durchaus Leute, die mit Entsetzen sehen, wie die Kirche sich an einen Ehebrecher und Lügner gekettet hat. […..] Wo es Reformer gibt, gibt es auch Gegenreformer: Viele Pastoren an der Basis, die die Bibel als politisches Dokument lesen, die Gott für einen Republikaner halten und die in ihren Kirchen für Donald Trump beten lassen, sperren sich gegen alles, was irgendwie links aussieht. Das gilt ganz besonders beim politisch so aufgeladenen Thema Rassismus. […..]

(Hubert Wetzel, SZ, 14.06.2021)

Montag, 14. Juni 2021

Über das Wahlvolk kann ich mich nur wundern.

Die Unions-Parteien haben gar kein Wahlprogramm. Nach 16 Jahren Merkel wissen sie nicht einmal mit welchen Themen sie antreten sollen und weswegen man sie wählen sollte.

Die Grünen haben am Wochenende zwar ein Programm beschlossen, aber das ist auf Wunsch der Parteispitze windelweich ausgefallen, damit es keine Hindernisse für eine Koalition mit der CDU gibt. Niedrigerer CO2-Preis, es können Kampfdrohnen für die Bundeswehr angeschafft werden, keine 13 Euro Mindestlohn, sondern nur 12. Der Abtrag auf einen Spitzensteuersatz von 53% (wie unter Helmut Kohl) wurde ebenso abgeschmettert, wie der Antrag die „Schuldenbremse“ abzuschaffen. Tempolimit 100 auf Autobahnen und 70 auf Landstraßen wurde durch CDU-freundlichere 130 und 100 ersetzt. Und natürlich denken die Grünen an ihre Millionärsfreunde von der FDP. Der Antrag der jungen Grünen für eine Möglichkeit der „Vergesellschaftung der Bestände großer Wohnungskonzerne“ wurde mit 2/3-Mehrheit abgeblockt.

Damit wird es auch bei einer Schwarzgrünen oder Grünschwarzen Regierung bei den paradiesischen Zeiten für Superreiche bleiben.

Der Wohlstand wird in Deutschland weiterhin von der Geburt und nicht der eigenen Hände Arbeit abhängen.

Wer von den Eltern nichts geerbt hat, kann sich abrackern wie er will und wird niemals in den Kreis der Grundbesitzer aufrücken, die von ganz allein durch intensives Ausruhen, sowie Däumchendrehen und Eierschaukeln ihr Vermögen mehren.

In den USA ist das schon lange ein Thema. Die reichsten Männer der Welt, von denen die meisten in den Staaten leben, werden nicht nur in exponentiellem Tempo immer reicher, sondern sie bezahlen auch so gut wie keine Steuern.

[….] Some of the world’s richest men — Jeff Bezos, Elon Musk, Warren Buffett, Carl Icahn, Michael Bloomberg and George Soros — pay just a tiny fraction of their increasing wealth in taxes.   ProPublica, citing confidential IRS data it obtained on thousands of wealthy people, reported that the 25 richest Americans “saw their worth rise a collective $401 billion from 2014 to 2018.”     But those people paid a total of just $13.6 billion in federal income taxes for those five years, which “amounts to a true tax rate of only 3.4%,” the article noted. […..]

(Dan Mangan, 08.06.2021)

Warren Buffett erzählte schon vor 20 Jahren, daß seine Sekretärin mehr Steuern als er bezahle.

(….) Warren Buffett zahlt weniger Steuern als seine Sekretärin Debbie Bosanek; geschätztes Jahreseinkommen: 50.000 Dollar, für die sie etwa 36 Prozent Steuern zahlt. Ihr Boss zahlt gute 14%.   Multimillionär Mitt Romney zahlte 12,9% Steuern auf seine 22 Millionen Dollar Kapitaleinkünfte.

Das ist so offensichtlich ungerecht, daß amerikanische Millionäre schon seit Jahren regelrecht darum betteln mehr Steuern zu zahlen.

[….] "Erhöht die Steuern für Millionäre". Das fordern nicht etwa linke Aktivisten, sondern 80 Vermögende aus New York. Unter anderem unterzeichneten George Soros, Steven Rockefeller und Abigail Disney den offenen Brief, der am Dienstag veröffentlicht wurde.  Das Schreiben ist an den demokratischen Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, gerichtet. Aus Sicht der Unterzeichner sollten Top-Verdiener mehr für Schulen, Straßenbau oder Programme für Arme und Obdachlose bezahlen. […..]

(Huff Po, 21.03.2017)

Andere Superreiche denken stattdessen lieber an ihr eigenes Wohl und spenden für Konservative.  Für ihr intensives Däumchendrehen und konzentriertes Chillen wuchs beispielweise das Vermögen der Susanne Klatten, geborene Quandt, im vergangenen Jahr um zwei Milliarden Euro.

Susanne Klatten gewinnt zwei Milliarden Dollar hinzu  [….] Schwer genervt ist Susanne Klatten, 54, wenn sie immer nur als die reichste Frau Deutschlands tituliert wird. "Das beschreibt den Menschen nicht, das beschreibt nur einen Status", klagte die Multimilliardärin im vergangenen Sommer in der Zeit. [….] Umso besser läuft es bei BMW. Gemeinsam sind die Geschwister - ihre Mutter Johanna ist vor zwei Jahren gestorben - Großaktionär. Die Dividende wird erneut angehoben, und die Quandt-Erben bekommen alleine etwas mehr als eine Milliarde Euro ausgeschüttet. Auch viele andere Beteiligungen laufen gut, zur Freude Klattens. Gerade wurde wieder die Liste der reichsten Menschen der Welt veröffentlicht, berechnet von dem auf die Superreichen spezialisierten US-Magazin Forbes. Für Susanne Klatten reicht es in der Hitliste auf Platz 38, ihr Vermögen wird jetzt auf 20,4 Milliarden Dollar taxiert, immerhin knapp zwei Milliarden Dollar mehr als 2016. Der jüngere Bruder Stefan Quandt liegt mit 18,3 Milliarden Dollar auf Platz 47. [….]

(Caspar Busse, SZ vom 22.03.2017)

Ich bin übrigens gar kein Linksradikaler, der Frau Klatten und Herrn Quandt alles wegnehmen will. Reichtum an sich stört mich nicht. Ich halte es durchaus für möglich, daß anständige Menschen, die sozial denken mit moralisch akzeptablen Methoden sehr reich werden.   Meinetwegen kann Frau Klatten gern Milliardärin bleiben.

Es stört mich nur, wenn Superreiche steuerlich besser gestellt werden als Normalverdiener, daß es offensichtlich möglich ist mit einem Heer von Anwälten und Steuerberatern die Abgabenlast gen Null zu drücken.

Für Einkommens-Multimillionäre sollte eine staatlich festgelegte Mindeststeuerquote gelten, von der nichts abziehbar ist.

 (Stichwort „Buffett-Steuer“)

Es ist darüber hinaus schon recht ekelhaft, wenn wiederholt der Eindruck entsteht, die Quandt/Klatten-Familie erhielte ihren jährlichen Geldsegen insbesondere durch ihre Finanzierung der CDU.

[….] Eine Spende mit Geschmäckle: 690.000 Euro überwies die BMW-Eignerfamilie Quandt der CDU, Kanzlerin Merkel erstritt Schonung für deutsche Autokonzerne bei EU-Abgasnormen. [….] Die drei Mitglieder der Quandt-Familie haben laut der Bundestagsverwaltung der CDU am vergangenen Mittwoch insgesamt 690.000 Euro an Spenden zukommen lassen. Gemeinsam halten sie 46,7 Prozent der Anteile an BMW. Die Spenden fallen zeitlich mit einer brisanten politischen Entscheidung zusammen. Die Bundesregierung kämpft seit diesem Sommer dafür, strengere Abgasnormen für Autos in Europa später einzuführen als ursprünglich geplant. Mit Erfolg: Am Montag verhinderte die Bundesregierung bei einem Treffen der EU-Umweltminister vorläufig eine Einigung. Davon profitieren insbesondere deutsche Oberklasse-Hersteller wie BMW, aber auch Daimler, Audi oder Porsche. [….]

(Florian Diekmann, 15.10.2013)

Jedes Jahr überweist die Quandt-Sippe sechsstellige Summen an CDU und CSU und; oh Wunder; die Steuer- und Umweltschutzgesetze bleiben kontinuierlich sehr Quandt-freundlich. (….)

(Was wir uns nicht leisten können, 29.03.2017)

Die US-Republikaner kämpfen mit allen Mitteln gegen Steuererhöhungen. Bedauerlicherweise werden sie dabei von einigen gut geschmierten demokratischen Senatoren unterstützt.

Aber selbst wenn Joe Biden einen anderen Einkommenssteuersatz durchsetzen sollte, kann das Bloomberg, Buffett, Gates, Bezos und Co völlig egal sein, da sie auch jetzt nicht ansatzweise den nominal geltenden Steuersatz zahlen, sondern sich mit Steuerberatern herauswinden können.

So wie Buffett auch immer weniger Steuern zahlt – 2017 waren es noch 14%, inzwischen ist er nahe Null – steigerten auch die deutschen Multimilliardäre ausgerechnet während der Corona-Pandemie ihr Einkommen wie nie zuvor.

Boomende Aktienmärkte, Immobilien und krisensichere Branchen (Lidl, Aldi) machen es möglich.

[…..] Der Club der Superreichen, zu dem Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar gehören, wuchs im Krisenjahr in Deutschland um 186 Personen auf 2900. […..] Die Zahl der Dollar-Millionäre in Deutschland erhöhte sich demnach um 35.000 auf 542.000. Die BCG führt den Anstieg auch auf die Entwicklung des Eurokurses zurück, der im Vergleich zum Dollar zugelegt hat. Die Menschen haben damit – nicht nur in Deutschland – im Corona-Krisenjahr 2020 insgesamt so viel Reichtum angehäuft wie nie. […..]

1. Beate Heister und Karl Albrecht Jr.[…..]  erbten die Supermarkt-Kette Aldi Süd von ihrem Vater Karl Albrecht S.r[…..]  Sie waren bereits vor der Corona-Krise im Jahr 2019 die reichsten Menschen Deutschlands mit einem gemeinsamen Vermögen von 36,1 Mrd. US-Dollar.  Dieses Vermögen haben sie bis Mai 2021 laut „Forbes“ um mehr als drei Milliarden US-Dollar wachsen lassen. […..]

2. Dieter Schwarz (81, Lidl/Kaufland) […..] ist derjenige unter den fünf reichsten Deutschen, dessen Vermögen während der Corona-Krise am meisten gewachsen ist – von 22,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf jetzt 36,9 Milliarden. […..]

3. Susanne Klatten (59, Hauptanteilseignerin BMW) […..] Ihr Bruder Stefan Quandt ist mit 21,6 Milliarden US-Dollar die fünftreichste Person Deutschlands. Klattens Vermögen ist laut „Forbes“ weitaus größer und beläuft sich auf 27,7 Milliarden US-Dollar. […..]

4. Klaus-Michael Kühne (83, Kühne + Nagel) […..] ist der einzige unter den fünft reichsten Deutschen, der sein Vermögen seit 2019 mehr als verdoppeln konnte, von 12,9 Milliarden US-Dollar vor der Corona-Krise auf jetzt 26,3 Milliarden. […..]

(Tagesspiegel, 10.06.2021)

Der olle Kühne hat mal eben 13,4 Milliarden Dollar in einem Jahr dazu "verdient".  Das sind 1,12 Milliarden pro Monat. Das sind 248 Millionen Dollar mehr pro Woche, oder 37 Millionen Dollar mehr PRO TAG.

Herr Schwarz nahm um 14,4 Milliarden Dollar zu.  Das sind 1,2 Milliarden pro Monat. Das sind 275 Millionen Dollar mehr pro Woche, oder 39 Millionen Dollar mehr PRO TAG.

Menschen mit lumpigen 20 oder 30 Milliarden Euro Privatvermögen darf man natürlich nicht mit ketzerischen Gedanken wie MINDESTSSTEUER oder VERMÖGENSSTEUER erschrecken.

Über Einkommenssteuer und Erbschaftssteuer lachen die Herrschaften dieser Größenordnung ohnehin sehr herzlich. Diese Steuern werden nur von der Mittelschicht bezahlt, die ein Haus oder drei vermietete Ferienwohnungen vererben. Wer aber Milliarden sein Eigen nennt, entzieht sich diesen Steuerpflichten durch Doppelstiftungsmodelle, Scheinfirmen in Steueroasen und findige Steuerberater.

Dennoch achten Katten und Co darauf, daß sie auch weiterhin genügend Millionen an die INSM spenden, um zu verhindern, daß der Urnenpöbel auf dumme Ideen am 26.09.2021 kommt.

Scheint aber ganz gut zu funktionieren. Die Masken-CDU und Laschet sind wieder Wählers Liebling.

Wer den milliardenschweren CDUCSUFDP-Spendern hingegen weh tut, ist ein Mann: Olaf Scholz, auf dessen Initiative tatsächlich eine internationale Mindeststeuer auf den Weg gebracht wurde.

Das könnte dem reichsten Mann der Erde, Amazon-Chef-Bezos, sowie den anderen dreistelligen Milliardären wie Zuckerberg eine ganz neue Erfahrung bescheren. Nun könnten auch Facebook und Amazon Steuern zahlen und die lästigen Abgaben nicht den kleinen Händlern überlassen.

[…..] Unternehmen wie Facebook und Google nutzten bislang oft Steueroasen. Doch nun haben sich die G7-Staaten auf eine weltweite Mindeststeuer geeinigt.   Vorbei die Zeiten, in denen Apple, Amazon und Co. Geschäfte machen, ohne dafür Steuern zu zahlen? Noch nicht. Aber ein erster großer Schritt in die Richtung ist seit Samstag geschafft: Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich die Finanzminister der G7-Staaten darauf geeinigt, dass künftig ein Mindeststeuersatz von 15 Prozent gelten soll – am besten überall auf der Welt   "Historisch", nannte das Großbritanniens Finanzminister. "Bedeutend" und "beispiellos", befand US-Finanzministerin Janet Yellen. Und Deutschlands Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach gar von einer "Steuerrevolution". Das sei "der Durchbruch, den wir lange erwartet und erhofft haben." [……]

(T-Online, 06.05.2021)

Um die Megareichen zu Steuerzahlern zu machen, müssten die Deutschen also Olaf Scholz wählen.   Er ist der einzige, der so ein Programm verfolgt und nicht wie die Grünen schon im Wahlkampf alle wirtschaftsunfreundlichen Forderungen abräumt.   Aber das scheint offensichtlich nicht der Wunsch der Mehrheit zu sein.

Die meisten Deutschen wollen, daß es den Bonzen weiterhin besser geht und sie nicht wie gewöhnliche Krankenschwestern oder Büroangestellte automatisch Steuern vom Gehalt abgezogen bekommen.

Das zeigen die CDU/Grünen/FDP-freundlichen Umfragen.

Sonntag, 13. Juni 2021

Endlich wieder Zeit sparen.

Dafür, daß ich mir so viele zeitraubende Hobbys konsequent verkneife – Ausgehen, Sport, Tiere, Familie, Frau, Kinder, Reisen, Computerspiele, Saufen, Drogen, Kino, Theater, Essengehen, Heimwerkern, Garten, Modeleisenbahn, Autowaschen, lange schlafen, Grillen, Videochats, Spieleabende, Krimis, Thriller, Gameshows, Talkshows, uvam – habe ich erstaunliche Probleme mit meinem Zeitmanagement.

Allein zu wohnen bedeutet natürlich; sofern man keine Domestiken hat; schon einen täglichen Zeitverlust von ein paar Stunden.

Es hilft ja nichts. Man muss aufräumen, Fenster putzen, einkaufen, waschen, kochen, bügeln, saubermachen, tanken, abwaschen, Wäsche aufhängen, Überweisungen machen, an Versicherungen schreiben, Insekten hinterher jagen, Krimskrams sortieren, Schuhe putzen, duschen, Haare föhnen, Bett beziehen, Pakete abholen, Müll sortieren, Altpapier wegbringen, Biomüll entsorgen, den ekelhaften Küchenabzugsfilter wechseln.

Hinzu kommt das blöde Geldverdienen und schlafen muss man auch irgendwann; auch wenn das in meinem Fall nie mehr als fünf oder sechs Stunden sind.

Meine ganz großer Zeitfresser sind natürlich das Lesen und das Informationen aufsaugen im Allgemeinen. Und es sind immer mehr Bücher, Dokumentationen und Zeitungsartikel, als ich bewältigen kann in 24 Stunden pro Tag.

Manchmal sagen sich Leute, die so sind wie ich – und die gibt es, auch wenn meine Spezies ausstirbt – es wäre schön, nur noch Bücher zu lesen und sich ganz auf Literatur zu konzentrieren.

Aber natürlich klappt das nicht, weil da so viele Zeitungen sind, die für mich als Gatekeeper meines Vertrauens unter den Milliarden täglichen Meldungen das Promille herausfiltern, das so wesentlich ist, daß man davon wissen sollte.

In der ersten Hälfte meines Lebens funktionierte das ganz gut.

Ein neues Thema in der ZEIT oder dem SPIEGEL wurde dort hinreichend ausführlich besprochen, daß man sich gut informiert fühlte. Faszinierte eine bestimmte Angelegenheit darüber hinaus, kaufte man ein Buch, um sich eingehend damit zu beschäftigen.

Heute ist das Internet Segen und Fluch. Informationen sind nur ein paar Klicks, also wenige Sekunden entfernt und so kann bei Interesse immer mal schnell googeln. Die verdammten Algorithmen kennen mich aber so gut, daß es fast nie klappt, nur diese eine kleine Information nachzusehen, nach der man suchte, sondern man bleibt hängen und saugt noch alle möglichen Aspekte dazu ein, die, weil sie nicht strikt aus einer Gatekeeper-Redaktion stammen, schnell auf Abwege führen. Ob man will oder nicht, nach einer halben Stunde ist das Hirn mit Informationsmüll kontaminiert, den man da eigentlich nie reintun wollte. Was Attila Hildmann nun wieder Ungeheuerliches gepostet hat, daß irgendein Königlicher ein Balg geboren und benamst hat oder daß die Twens von heute von ASMR-Videos geil werden.

Aber zum Glück beginnen gerade wieder einmal internationale Fußballwochen.

Das ist ein Segen für mich, da meine Zeitungen, Nachrichtensendungen und Social-Media-Welten ausführlich über allerlei Spieler, Spiele, Spielerfrauen, Spielerkrankheiten und Spielerbefindlichkeiten berichten.  In der SZ sind das gern mal sechs oder acht Seiten. Im Hamburger Abendblatt vier.   Zehn Seiten, die ich komplett ignorieren kann und ungelesen in den Müll werfe.

Denn nichts finde ich idiotischer, ordinärer und nationalistischer als Fußball.

(…..)  […..] Schwennicke  […..] stellt sich der übergroßen Mehrheit der deutschen Fußballfans entgegen. Er versucht nicht nur die Angelegenheit auf Normalmaß zu schrumpfen – es ist nur ein Sport; es gibt keinen Grund, daß alle Politiker und Journalisten ununterbrochen Fußballmetaphern  verwenden müssen, um sich volksnah zu zeigen – sondern zeigt den Mittelfinger.

 [….] Ich finde Fußball doof. Nein, ich finde Fußball grässlich – und ungemein langweilig. Ein Reigen alter Männer steht am Rand und schreit herum, viele mehr oder weniger junge Männer rennen auf einer Wiese herum, erst alle nach links, dann Ballverlust, dann wieder nach rechts, Ballverlust, wieder nach links. [….] Dieses Spiel ist unästhetisch und ordinär. Schon der Klang, wenn der Ball getreten wird, macht mich übellaunig. Es ist ein zutiefst ordinäres Geräusch, es klingt so ähnlich wie die Schläge von Bud Spencer in den alten Prügelfilmen mit Terence Hill. Die Spieler haben keine Manieren, tun sich absichtlich weh, sind nicht nur furchtbar verschwitzt, sondern oft auch noch sehr verdreckt und vom Regen pitschenass und rotzen dauernd auf die Wiese. Manchmal sogar ins Nackenhaar eines Gegners. Das ist so unappetitlich.   Viele Spieler sehen haarsträubend lächerlich aus, obwohl sie sich unwiderstehlich finden. Bei Bayern München gibt es einen, der hat sich sein glänzendes Hemdchen wie ein Ganzkörperkondom auf den Leib schneidern lassen, dazu tippelt er mit kleinen, wichtigen Schrittchen über den Platz, was so hühnerartig aussieht, dass man sich das Lachen verkneifen muss. Der Mann ist ein Star. Für mich ist er eine Witzfigur.   Vollends peinlich wird es, wenn versucht wird, diesem primitiven Sport eine politische oder philosophische Überhöhung zu geben. Dieser Theweleitismus ist noch schlimmer als die plumpe Fußballleidenschaft, die nach schalem Bier riechend, am Wochenende grölend die Bahnabteile füllt. Das ist wenigstens authentisch und stimmig. [….]

(CICERO, 28.04.2013)

Für diese wahren Worte werde ich dem CICERO-Chef ewig dankbar sein.

Er hat so Recht; als Nicht-Fußballer gewinnt man so viel schöne Lebenszeit und erspart sich all die Frustration und schlechte Laune. (…..)

(Ordinär und national, 16.05.2018)

Das Fernsehprogramm, die Zeitungsinhalte, die Internetmeldungen schrumpfen derzeit erheblich für mich. Ich komme viel schneller als sonst durch die Nachrichten, weil ich so viel „Schland“-Müll auslassen kann.

Sogar die TV-Sender, die keinen Fußball zeigen, passen sich an, da sie annehmen, wegen der Bällchentreter-Übertragungen ohnehin keine Einschaltquoten erzielen zu können. Die parallel zum Fußball laufenden Fernsehprogramme sind also ohnehin so ausgedünnt, daß man auch dort auf keine zeitraubenden Inhalte trifft. Derzeit gibt es kein ZAPP, kein Extra3, keine Heute Show, keinen Böhmermann.

SPIELANALYSE

Der Sieg war von uns angedacht.

Dann fiel das null zu eins.

Der Gegner hat ein Tor gemacht,

Nur wir, wir hatten keins.

 

Nach vier Minuten null zu zwei.

Darauf ein Eigentor,

Dann greift der Tormann knapp vorbei,

Das kommt halt leider vor.

 

Beim null zu sieben dachte ich,

Das Spiel ist noch zu drehn.

Am Ende waren’s neunzehn, nich‘?

Jetzt muss man weitersehn.

(Gunnar Homann, Titanic, 05/21)

Samstag, 12. Juni 2021

Quot Erat Expectandum – Teil IV

Diese gespielte Empörung lesbischer, schwuler, geschiedener, ungläubiger Angestellter bei katholisch geführten Firmen kann ich nicht mehr ertragen.

Irgendwann werden sie gemaßregelt oder entlassen und dann ist das Gejammer groß.

KITA-Eltern regen dich fürchterlich auf, wenn die beliebte lesbische Kindergärtnerin gefeuert wird. Patienten beklagen sich, wenn die äußerst fähige Chirurg gehen muss, weil er sich nach seiner Scheidung in eine neue Frau verliebt hat und in Hamburg ist man wütend, wenn Christiane Hartkopf, die vorbildliche Leiterin der Obdachlosen-Einrichtung „Alimaus“ gehen muss, weil sie dem Erzbischof nicht katholisch genug ist.

Das sind aber alles keine Opfer des Katholizismus, sondern eher Mittäter.

Diskriminierung liegt in der DNA der katholischen Kirche. So steht es im Katechismus. Andersgläubige, Frauen oder Schwule haben dort eben nicht die gleichen Rechte. Im Gegenteil; der Vatikan ist der Hauptakteur für die Beibehaltung von Diskriminierung.

Der Vatikan ist einer der ganz ganz wenigen Staaten, der die Menschenrechtscharta der UNO ablehnt und demonstrativ nicht unterzeichnet, weil er weiterhin diskriminieren will.

Wer für so eine Organisation arbeitet und sie finanziell durch Mitgliedsbeiträge unterstützt, soll sich nicht beklagen, wenn die RKK genauso so antidemokratisch handelt, wie sie ist.

 Wer innerhalb der FDP eine kommunistische Plattform etablieren will,

wer bei der „veganen Gesellschaft Deutschland“ einen Schweinefleischtag einführen will,

wer beim KuKluxklan Schwarze in Führungspositionen bringen möchte,

wer im FKK-Verein für züchtige Verhüllung am Strand plädiert, hat auch kein Mitleid verdient.

Solche Ansinnen würden verständlicherweise als verrückt betrachtet.  Genauso absurd sind Feministen und Queer-Aktivisten in der RKK.  Sie sollten den Katholizismus nicht durch ihre Arbeit und ihr Geld stärken, sondern austreten.

Gerade machen zwei schwule Lehrer auf katholischen Schulen in den USA Schlagzeilen, die 2017 geheiratet hatten. Der Erzbischof kündigte ihnen anschließend. Das ist so überraschend wie das „Amen“ in der Kirche!

 […..] Eine Jesuitenschule in Indianapolis (US-Bundesstaat Indiana) hat im Vatikan interveniert um dem Erzbischof ihrer Diözese nicht gehorchen zu müssen. Charles Thompson, der Erzbischof von Indianapolis, hat der Brebeuf Jesuit Preparatory School die Anerkennung als katholische Schule entzogen, weil diese sich geweigert hatte einen Lehrer zu kündigen, der in einer gleichgeschlechtlichen „Zivilehe“ lebt. Dies berichtet Sandro Magister in einem Artikel für L’Espresso.   Der Lehrer hatte 2017 „geheiratet“. Sein Partner war ebenfalls Lehrer, aber an einer anderen katholischen Schule in Indianapolis, der Cathedral High School. Im Juni 2019 ordnete Erzbischof Thompson die Kündigung beider Lehrer an, da ihr Lebenswandel im Widerspruch zur katholischen Morallehre steht. Die Cathedral High School kam der Anweisung des Erzbischofs nach, die Brebeuf Jesuit Preparatory School nicht. […..]

(Kathnet)

Statt nun Mitleid für die angeblich so ungerechte Kündigung zu erheischen, sollten sich die beiden Lehrer lieber dafür schämen, daß sie so lange mithalfen unschuldige Kinder katholisch zu indoktrinieren.

Sie sollten sich unbedingt einen anderen Arbeitgeber suchen; eine Schulleitung, die nicht darauf besteht den Kindern Intoleranz gegenüber Minderheiten einzuimpfen!

Freitag, 11. Juni 2021

Werbung.

Mein Vater arbeitete Jahrzehnte in der Creativ-Abteilung einer internationalen Werbeagentur.

Der ewige Frust der Werber sind die Kundenpräsentationen. Ich habe oft die wirklich genialen und zum Schreien komischen Entwürfe gesehen. Aber es war ein ehernes Gesetz, daß der Kunde immer die langweiligste und biederste Variante wählt. Niemand traut sich Geld für etwas wirklich Aufregendes auszugeben.

Daher sind die wenigen Werbekampagnen, in denen sich die zu bewerbende Firma etwas traut auch so beeindruckend, daß sie jeder kennt: SIXT oder BENNETON. Auch die Davidoff-Kampagnen der 1980er für „Zino Davidoff“ und „Cool Water“ erregten ungeheures Aufsehen und führten zu durchschlagendem Erfolg der Produkte.

Deutsche Werbekunden sind ähnlich dröge wie deutsche Musiker oder deutsche Wähler: Keine Experimente! Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. 4,5 Millionen langweilige gleich aussehende VW Golf fahren auf deutschen Straßen. Ein öderes Auto kann man sich kaum vorstellen und genau deswegen ist das Modell so ungeheuer erfolgreich in Deutschland.

Deutsche Politik, deutsche Musik und deutsche Werbung, deutsche Mode sind so langweilig, daß man sie kaum erträgt. Aufkleber mit „KEINE WERBUNG“ kleben daher auf jedem zweiten privaten Briefkasten.

Dabei sind es schließlich diese Deutschen selbst, die sich stets für das Langweiligste entscheiden. 16 Jahre der Aussitzer Kohl, 16 Jahre die bräsige Merkel, die mit ihren 80% Zustimmungswerten auch für 20 oder 24 Jahre gewählt werden würde, wenn sie denn wollte.

Werbung kann aber auch fürchterlich schief gehen. Gelegentlich müssen ganze Kampagnen eingestampft werden, weil die Konsumenten dadurch eher gegen das Produkt aufgebracht werden.

Recht schlecht kommt es an, wenn sich ein übermächtiger reicher Auftraggeber höhnisch auf eine Einzelperson stürzt.

So geschah es heute in vielen großen überregionalen Zeitungen, die eine antisemitisch, verschwörungstheoretisch angehauchte Hetzkampagne der notorischen Friedrich Merz-Fans von der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) gegen Annalena Baerbock abdruckten.

Neben dem nahezu allmächtigen und von Merkels Busenfreundin Hildegard Müller geführten „Verband der Automobilindustrie“ (VDA) ist die INSM vermutlich die schädlichste und reichste Lobbyorganisation für FDP, CDU und CSU.

[…..] Mit faktenferner Propaganda gegen Baerbock

[…..] Die grüne Spitzenkandidatin Annalena Baerbock als Moses mit den Steintafel mit den Geboten. Der Text groß: “Wir brauchen keine Staatsreligion”. Auf den Tafeln (ganz klein) vermeintliche “Gebote” der Grünen, darunter dass “Verbote der Grünen” das “Land lähmen” würden. […..] Dieses Ausmaß an “negative campaigning“, das offenbar mit allen Mitteln versucht, Baerbock und die Grünen mit faktenfernen Argumenten schlecht zu sprechen – und dafür offenbar viel Geld auszugeben – ist man in Deutschland nicht gewohnt. […..] Die Argumente sind derart verkürzt, verzerrt und unvollständig und dienen offensichtlich nur dem Zweck, eine einseitige und falsche Darstellung von Baerbock und dem Programm der Grünen zu erzeugen, dass es sich nun mal um Propaganda und Fake News handelt, wie wir finden. […..] Es sind typische, wissenschaftsfeindliche talking points, die die Fakten um die Klimakrise vertuschen und falsche Dichotomien aufbauen. […..] Und sicherlich keine Absicht, aber eine extrem unglückliche Konnotation kritisiert der Antisemitismusbeauftrage von Baden-Württemberg, Michael Blume, so: Baerbock wird mit einem Juden gleichgesetzt und will eine “Staatsreligion” aufdrängen, das erinnere an antisemitische Verschwörungsmythen. Er warnt vor solchen Bildern, denn Antisemit:innen verbreiten diese Verschwörungserzählung völlig ernst gemeint: Von mächtigen, jüdischen Eliten – und Baerbock als ihre Ausführende (mehr dazu). [……]

(Volksverpetzer, 11.06.2021)

Bekanntlich bin ich kein riesengroßer Baerbock-Freund, kein Fan ihrer rechtslastig-CDU-affinen Partei, aber angesichts einer so perfiden, demagogischen Kampagne, solidarisiere ich mich natürlich mit ihr.

Allerdings wird Annalena Baerbock meine Unterstützung kaum brauchen, da die INSM-Anzeigenkampagne so abstoßend ist, daß sich sogar CDU und Arbeitgeberverbände distanzieren.

Wenn die deutschen Konzerne, die Millionen an die C-Parteien zahlen, nun noch mal Millionen Euro für ganzseitige Anzeigen ausgeben, um die Grünen zu sabotieren, spricht das für die Grünen.

Ein klassisches INSM-Eigentor. Aus Hessen und Baden Württemberg sollten sie wissen, daß Grüne Minister in der Regierung sofort zu eifrigen Lobbyisten-Huren mutieren.

[…..] Eine Anzeigenkampagne der Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gegen Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sorgt für Unmut im Arbeitgeberlager. »Persönliche Herabsetzungen und eine misslingende Verwendung christlicher Symbolik sind kein angemessener Umgang im notwendigen Wettstreit um politische Inhalte«, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit[…..] Auch die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, warnte auf Twitter vor Vorurteilen: »Die INSM wäre gut beraten, das Thema Religion, von dem sie offensichtlich nichts versteht, anderen zu überlassen«, twitterte Knobloch. Die Initiative habe »sich völlig im Ton vergriffen«. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer forderte, die INSM solle ihre Kritik »sachlich-fundiert darlegen und nicht so armselig-plump«.[…..] Die INSM wird von der Metall- und Elektroindustrie finanziert, ihre Kampagnen sorgten gerade in Wahlkampfzeiten immer wieder für Aufsehen. […..]  Vor der Bundestagswahl 2017 warf die INSM dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vor, er wolle eine Reichensteuer ab 60.000 Euro erheben – was nicht korrekt war. […..]

(Spon, 11.06.2021)

Der SPIEGEL weist darauf hin, daß die INSM auch bei ihm die Anti-Baerbock-Anzeige schalten wollte. Das wäre für den Hamburger Verlag sehr lukrativ gewesen. Man lehnte aber wegen der unseriösen INSM-Lügen ab.

Heute ging noch eine zweite Werbekampagne ganz fürchterlich schief.

Ein offensichtlich sehr berühmter deutscher Youtuber namens Philipp Mickenbecker (ich hörte den Namen heute das erste mal) geistert als extrem frommer Christ durch die sozialen Medien. Er, sein Zwillingsbruder, seine Familie und die BILD-Zeitung sind von dem Wunsch beseelt, alle Menschen mögen zu Jesus finden. 1,4 Millionen Follower auf dem Hauptkanal und weitere Hunderttausende für „krasse Sachen mit Gott“.   Sogar Mickenbeckers Tod nutzen sie dafür aus und schreiben:

[…..]  Philipp ist gestern Abend im Krankenhaus von uns gegangen. Wir waren alle bei ihm.
Er hat in den letzten Wochen oft starke Schmerzen gehabt und wir sind uns sicher, dass er jetzt an einem besseren Ort ist. Jesus hat gestern seine Hand über uns gehalten. Wir sind unglaublich dankbar so einen unfassbar tollen Freund gehabt zu haben und sind dankbar für jeden Moment, den wir mit ihm in den letzten Jahren erleben durften.
Philipp hatte vollen Frieden mit der Situation und hat sich sehr über all eure Gebete gefreut. Er hat sich für euch gewünscht, dass ihr Jesus persönlich kennenlernt und ihn in euer Herz schließt.
Einer seiner Lieblingsbibelverse war:
„Alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Jesaja 40,31
[…..]
(Real life Guys, Instagram, 11.06.2021)

Ich bin nicht davon überzeugt, daß Jesus sehr hilfreich ist, wenn er selbst die Gläubigsten im Alter von 16 Jahren mit Lymphdrüsenkrebs straft und ihn als Teenager und Twen solche Dinge erleben lässt:

[…..] Hey Leute! Mein neues Gesundheitsupdate ist jetzt online, ich habe lange überlegt ob ich es überhaupt mit euch teilen soll, da das Thema tatsächlich sehr ekelhaft ist. Wahrscheinlich hat sich eine Fliege auf meine mittlerweile 12x11cm große Wunde gesetzt, woraufhin unzählige Maden geschlüpft sind. Ich glaube ich habe noch nie so etwas Ekelhaftes gesehen und das Gefühl bei lebendigem Leib aufgefressen zu werden kann man wohl auch kaum übertreffen (auch wenn die Maden hoffentlich nur totes Gewebe gefressen haben).  Wie es mir aktuell geht und welche Bibelgeschichte mich diesmal durch diese ganze Situation getragen und sehr inspiriert hat, habe ich euch auf dem Life Lion YouTube Kanal erzählt! […..]

(Philipp Mickenbecker, 02.05.2021)

Insbesondere ist die Mickenbecker Jesus-Kampagne natürlich durch seinen gestrigen Tod im Alter von 23 Jahren wenig überzeugend.

Der allmächtige Jesus gab ihm also nicht nur Krebs, sondern rettete ihn auch trotz all der Gebete und Bibelverse nicht.

Die Mickenbecker-Familie erlebte Jesu Liebe schon im Jahr 2018, als die Schwester der Zwillinge, Elli Mickenberger in Hessen mit 18 Jahren bei einem Flugzeugsabsturz starb.

Christen lieben es zu leiden. Woytila schrieb eine ganze Leidens-Enzyklika und die Heilige Mutter Teresa war so begeistert davon Todkranke besonders leiden zu sehen, daß sie hartnäckig in ihren Einrichtungen Medikamente und Schmerzmittel verweigerte. Je mehr ein Mensch an Krebs- oder anderen Schmerzen leide, desto näher wäre er ihrer Ansicht nach, dem leidenden Jesus.

Gebete sind offensichtlich völlig sinnlos; das beweist die fromme Familie Mickenbecker. Jesus nützt nichts.

Falls ich jemals mit dem Gedanken gespielt haben sollte, Christ zu werden, würde ich spätestens nach dieser Jesus-Werbung davon ablassen.

Donnerstag, 10. Juni 2021

Annalena Schulz

Es ist ein Muster.

Als vor vier Jahren nicht wie erwartet Sigmar Gabriel, sondern der dem deutschen Michel unbekanntere Martin Schulz, als Kanzlerkandidat präsentiert wurde, war er begeistert von dem Neuen. Endlich ein Neuanfang, er wirkte so frisch, so anders als der Berliner GroKo-Betrieb; die demoskopischen Werte der SPD gingen durch die Decke.

Als vor vier Wochen nicht wie erwartet Robert Habeck, sondern die dem deutschen Michel unbekanntere Annalena Baerbock, als Kanzlerkandidatin präsentiert wurde, war er begeistert von der Neuen. Endlich ein Neuanfang, sie wirkte so frisch, so anders als der Berliner GroKo-Betrieb; die demoskopischen Werte der Grünen gingen durch die Decke.

Mit wohlwollender Neugier erkundeten die Bürger erst mal seinen Lebenslauf. So, so, der Mann spricht sechs Sprachen. Kluger Kerl. Sehr religionsfreundlich. Spielte in der Jugend Fußball, begeisterter Fußballfan. Aber beim genaueren Hinsehen wurden Zweifel an seiner Qualifikation geweckt. Noch nie ein Regierungsamt gehabt. Nur Realschulabschluss. Reicht das zum Bundeskanzler?

Mit wohlwollender Neugier erkundeten die Bürger erst mal ihren Lebenslauf. So, so, die Frau ist Völkerrechtlerin. Kluge Frau. Sehr religionsfreundlich. Spielte in der Jugend Fußball, begeisterter Fußballfan. Aber beim genaueren Hinsehen wurden Zweifel an ihrer Qualifikation geweckt. Noch nie ein Regierungsamt gehabt. Nur Vordiplom an der Uni Hamburg. Reicht das zum Bundeskanzler?

Etwas bange wurde den Wählern, als Schulz konkretere Änderungen vorschlug, wie zB Managergehälter zu begrenzen. Zudem gehört er innerhalb seiner Partei zum konservativen Seeheimer Kreis.

Etwas bange wurde den Wählern, als Baerbock konkretere Änderungen vorschlug, wie zB den Benzinpreis zu erhöhen. Zudem gehört sie innerhalb ihrer Partei zum konservativen CDU-affinen Flügel.

Den Wählern dämmerte es; unter einem Kanzler Schulz könnte sich womöglich wirklich etwas ändern. Und nichts hasst der Wähler so sehr wie Reformen; es soll immer alles so bleiben wie es ist. Daher setzten sie lieber auf Schlafwagen-Merkel.    Bei den folgenden Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen ging es drastisch bergab.   Nach den Landtagswahlpleiten ließen die Umfrageergebnisse der SPD im Bund wieder nach.

Den Wählern dämmerte es; unter einer Kanzlerin Baerbock könnte sich womöglich wirklich etwas ändern. Und nichts hasst der Wähler so sehr wie Reformen; es soll immer alles so bleiben wie es ist. Daher setzten sie lieber auf Schlafwagen-Laschet.   Bei den folgenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ging es drastisch bergab. Nur 5,9%.   Nach den Landtagswahlpleiten ließen die Umfrageergebnisse der Grünen im Bund wieder nach



Mehrere Institute melden einen drastischen Rückgang der Grünen Werte.

[…..] Baerbock mit deutlichen Einbußen.   Nach 43 Prozent im Mai meinen jetzt nur noch 28 Prozent, dass Annalena Baerbock als Kanzlerin geeignet ist, 64 Prozent (Mai I: 50 Prozent) bezweifeln das […..] Etwas mehr Zuspruch in dieser Frage bekommen dagegen jetzt die Kandidaten von CDU/CSU und SPD: Armin Laschet halten 43 Prozent (Mai I: 37 Prozent) und Olaf Scholz 48 Prozent (Mai I: 42 Prozent) für kanzlertauglich. […..]

(ZDF Politbarometer, 10.06.21)


Dabei sind die inhaltlichen Neuerungen, die Baerbock vorschlägt, minimal.

Sie will den Benzinpreis bis 2023 um 16 Cent erhöhen. CDU-Wirtschaftsminister Altmaier plant eine Erhöhung um 15 Cent bis 2025.

Die Grünen stellen es nur sehr dumm an und beherzigen nicht die ehernen deutschen Wahlkampfregeln: Reinheitsgebot, Tempolimit und Benzinpreis sind heilig. Wer es wagt darüber zu sprechen, wird abgestraft.

Anders als die SPD betreibt Baerbock auch noch ein klar unsoziales Programm, das eindeutig zu Lasten „ der kleinen Leute“ geht. Die Grünen als „herzlose Preistreiber“.

Parteien, die so etwas wollen (FDP, CDU, CSU, AfD), bekommen zwar gute Wahlergebnisse, aber man darf nicht drüber sprechen.  Diese Eigenschaften des Urnenpöbels sind zwar hochgradig dämlich, aber noch dämlicher ist es von den Grünen, das nicht zu wissen.

Noch viel dämlicher als dämlich sind aber Annalena Baerbocks Schummeleien in ihrem Lebenslauf.

Damit gab es nämlich nie etwas zu gewinnen. Ob sie nun in Brüssel oder in Berlin arbeitete, ob sie nun für den UNHCR spendete oder Mitglied war und wie nun ganz genau ihr Uni-Abschluss lautet, ist für die Wahlchancen irrelevant.   Sie hätte mit den „schickeren“ Varianten auch keine zusätzlichen Wähler gewonnen.

Nun aber verliert sie Wähler, weil man sich entweder über die Schummelei ärgert oder wie ich, entsetzt ist über die mangelnde Professionalität in Baerbocks Umkreis. Was für Deppen beschäftigt sie bloß, daß niemand auf die Idee kam, ihr Lebenslauf könnte auch überprüft werden, wenn sich die gesamte Presse eines 83-Millionen-Volks auf ihre Kandidatur stürzt? Wie will sie denn das Kanzleramt besetzten, wenn sie jetzt schon auf keine fähigen Mitarbeiter findet?

Armin Laschet hingegen tut das, was CDUCSU-Leute meistens mit Erfolg tun: Er holt sich gleich einen Lügen-Vollprofi, nämlich jemanden aus der BILD-Chefetage als Wahlkampfmanager.

[…..] Intellektuell beweglich, international interessiert, empathisch konservativ: Mit der Berufung der früheren "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch als Wahlkampfberaterin ist Kanzlerkandidat Armin Laschet ein Coup gelungen. [….]

(Nils Minkmar, 10.06.2021)

Die Grünen sehen wie Trottel, wie überforderte Amateure aus, die noch nicht mal eine Kampagne managen können.

Das war doch bisher die Spezialität des Willy-Brandt-Hauses!

Zum Glück für die Grünen, ist die SPD-Spitze immer noch hoffnungslos mit dem Wahlkampf überfordert und macht alles das nicht, das man tun müsste.

Aber wenigstens ist der Kanzlerkandidat Olaf Scholz selbst sehr schlau, sehr erfahren und hat ein hochprofessionelles Team um sich geschart.   Sollte Olaf Scholz Bundeskanzler werden, wird er zumindest den Job können.

Das alte von Bullion-Bonmot stimmt: Olaf Scholz ist ein schlechter Bundeskanzlerkandidat, wäre aber ein guter Kanzler.

Bei Annalena Baerbock weiß man das noch nicht. Im Moment ist sie damit beschäftigt ihre Kandidatur zu zertrümmern.

[……] Die nächste deutsche Bundeskanzlerin wird nicht Annalena Baerbock heißen. Daran besteht nach den letzten Tagen kaum ein vernünftiger Zweifel. [……] Es war vorhersehbar, dass manche Medien Kampagnenjournalismus betreiben würden. Dass sie kleine Fehler der grünen Kandidatin zu einem riesigen Ballon aufblasen und sachliche Aussagen radikalisieren würden. Derlei ist nicht schön, aber erwartbar. Und wer ganz vorn auf der politischen Bühne, sogar auf der weltpolitischen Bühne mitspielen möchte, muss damit umgehen können.   [……] Wie kann man so blöd oder so eitel oder beides sein, einen aufgehübschten Lebenslauf im Netz stehen zu lassen, bei dem sich alle Gegnerinnen und Gegner einfach bedienen können? Nehmt, was ihr wollt. Ist ja genug da. Wir korrigieren gern auch mehrfach.   Es gibt sicher viele Leute, die das Thema gar nicht interessiert oder die Kritik an Baerbock für übertrieben halten. [……] Annalena Baerbock hat sich sehr viel weniger zuschulden kommen lassen als andere politische Führungskräfte. Aber ihre Popularität war noch nicht gefestigt genug, um diese Affäre aussitzen zu können. [……] Tagelang musste jetzt Robert Habeck im Fernsehen und überall sonst das schlechte Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt und die Ungereimtheiten im Lebenslauf der Spitzenkandidatin erklären. Machte er auch brav, mal mehr, mal weniger schmallippig. Annalena Baerbock war weitgehend abgetaucht. Souverän wirkte das nicht. [……]

(Bettina Gaus, SPON, 10.06.2021)

Mittwoch, 9. Juni 2021

Lächerliche Konservative im Aufwind.

Das konservative Beharrungsvermögen dient nie der Sache, sondern den eigenen Interessen.

In der Regel fügen sie der Gesellschaft damit schweren Schaden zu.

Sie bringen Not und Unglück über die Menschen, indem sie sich gegen Gleichberechtigung, gegen Homorechte stellen, darauf beharren, daß Ehemänner ihre Ehefrauen straflos vergewaltigen dürfen (so die CDU/CSU noch im Jahr 1997), daß Eltern ihre Kinder verprügeln dürfen.

Obwohl es weltweit eindeutig erweisen ist, daß das Strafrecht bei der Abtreibungsfrage zu Panik und einer Vervielfachung der Schwangerschaftsabbrüche führt, wollen CDUler unbedingt die §218 und §219a-Anachronismen fortführen.

(….) Spahn und Co argumentieren, sie wären Lebensschützer.   Das ist natürlich grober Unfug. Ihnen geht es a) darum konservative Christen bei der Stange zu halten und b) die frechen Emanzen einzunorden. (….)

(Ohne Uterus über Leute mit Uterus befinden, 08.06.2021)

Völlig eindeutig ist auch die wissenschaftliche und empirische Lage beim „war on drugs“. Das Strafrecht ist weltweit krachend gescheitert, ruinierte Millionen Existenzen, machte ungezählte Drogenkartelle und Verbrecher reich, trieb Millionen Menschen in Beschaffungskriminalität oder Elendsprostitution, führte zu Elend und Überdosen, weil Kriminelle nun einmal nicht transparent und verlässlich über Inhaltsstoffe informieren.

Prohibition funktioniert nicht. Das ist so sicher, daß immer mehr Länder diese Irrsinnspolitik aufgeben und insbesondere Polizisten auf ein liberales Drogenrecht drängen.

Ich bin aus grundsätzlichen moralischen Erwägungen für die vollständige Freigabe aller Drogen. Ein erwachsener Mensch soll sich amüsieren können, wie er möchte.

Vollständig absurd bleibt aber das Beharren auf der Kriminalisierung von Cannabis, da die Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol an sich wesentlich ungiftiger als Alkohol sind und ihnen sogar allerlei positive Eigenschaften zugeschrieben werden.

[…..] Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt zum Beispiel sagt angesichts seiner Parteizugehörigkeit etwas Bemerkenswertes: "Ich bin für eine kontrollierte Freigabe von Cannabis." Man müsse einfach anerkennen, dass der Konsum in breiten Gesellschaftsschichten akzeptiert sei. Die allermeisten seien Gelegenheitskonsumenten, "die sehen das als Genussmittel".  Die Menschen dafür bestrafen zu wollen, hält Wendt nicht für sinnvoll, allein schon wegen der überlasteten Justiz: 228 000 Cannabisdelikte führt die polizeiliche Kriminalstatistik 2020 auf. Zehn Jahre zuvor waren es noch 129 000. […..]

(SZ, 04.06.2021)

Es ist der reine Wahnsinn. Die Stelle des Drogenbeauftragten der Bundesregierung wird von der CDUCSU traditionell nach Proporz besetzt. Also nominiert die Männerpartei CSU irgendeine schlicht denkende unwissende konservative Hausfrau, die vor Antritt des Amtes noch nie etwas von Drogen gehört hat.

(…..)  Daneben gibt, bzw gab es noch die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler aus der CSU, die nicht nur mit völliger Ignoranz geschlagen ist, sondern dabei auch noch so borniert dummes Zeug redet, daß sie geradezu einen ikonographischen Status unter Fachleuten und Comediens erreichte. Cannabis müsse verboten sein, weil es illegal sei, befand sie staunenden Interviewern, als sie auf das Missverhältnis von legalem Alkohol und illegalen Gras angesprochen wurde.   (…..) Das Verdammen von Haschisch/Gras/Dope/Cannabis wird den Weg so vieler gesellschaftlicher Verbote zuvor gehen.

Verbot gemischtkonfessioneller Ehen, Frauenwahlrecht, Ius Prima Noctis, Prügelstrafe, Sklaverei, Homosexualität, Religionszwang oder Apartheid.

Religioten und Konservative klammern sich mit aller Macht an diese Freiheitseinschränkungen und Diskriminierungen, aber letztlich verlieren sie alle Kämpfe. Das kann zwar lange dauern und insofern „lohnt“ es sich wohl für Blöderfoerde und Kuby immer wieder zu versuchen die Zeit zurückzudrehen.
  Aber irgendwann wird sie die Geschichte als das betrachten, was sie jetzt schon sind: Irrende Relikte mit einer erstaunlichen Portion Bosheit und Borniertheit.    In der Zeit, in der ich lebe, sind einige dieser Kämpfe glücklicherweise schon vorbei. So stehen Sklaverei und Verbot von Frauenwahlrecht nicht mehr auf der Tagesordnung

Einige Kämpfe sind noch am Anfang; deren Ausgang werde ich vermutlich nicht mehr erleben: Vollständiger Rückzug der Religionen aus dem Staat, Verbot von Geschwistersex, Ehe zu Dritt oder Tierrechte.

Andere Kämpfe befinden sich eher in der Endphase.

 Tempolimit wird überall akzeptiert mit der Ausnahme von Deutschland und auch bei der Bewaffnung mit automatischen Waffen für jedermann, Folter und Todesstrafe gibt es „im Westen“ de facto nur noch eine einzige rückständige Nation.

Schwule und Cannabis werden in Westeuropa, Amerika und Australien von deutlichen Mehrheiten akzeptiert.   Sie zu diskriminieren taugt nur noch für ein paar rechts- und rückständige Parteien, die wenigstens noch ein Alleinstellungsmerkmal behalten wollen. (…..)

(Kiffen, 03.04.2017)

Man glaubt es kaum, aber Mortlers Nachfolgerin, Frau Günter, ebenfalls CSU, ist sogar noch doofer. Auch sie generierte sogleich einen Signatur-Satz, der ihre ganze Schwachsinnigkeit entlarvte.

[…..] Es gibt Sätze, die hängen denen, die sie ausgesprochen haben, lange nach, im guten oder im schlechten Sinne. Die CSU-Politikerin Daniela Ludwig hat zwar nicht gesagt, dass sie mehr Demokratie wagen wolle oder gar, dass die Rente sicher sei, aber vor fast genau einem Jahr sagte sie in ihrer Funktion als Drogenbeauftragte der Bundesregierung etwas, das sie seitdem verfolgt: "Nur weil Alkohol gefährlich ist, unbestritten, ist Cannabis kein Brokkoli." Subtext: Gras ist gefährlicher als Gemüse, deshalb bleibt's verboten. Punkt. […..]

(SZ, 04.06.2021)

Aus Dankbarkeit für die Beschickung der Bundesregierung mit total schwachsinnigen Volltrotteln der Kategorie Scheuer und Spahn.



Die Reaktion des Urnenpöbels ist eindeutig: Die CDUCSU steigt in den Umfragen deutlich an.

[….] Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen CDU und CSU demnach auf 29 Prozent, eine Verbesserung von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Anfang Mai erzielten Wert. Die Grünen, damals noch bei 25 Prozent, büßten zuletzt ein. Sie liegen aktuell bei 21 Prozent. [….]

(SPON, 09.06.2021)

Von den Parteien möchten die Deutschen regiert werden.

PS: Lustige Zitate der CSU-Drogenbeauftragten Mortler


Wenn ich nicht weiß, was drin ist, dann kann ich das nicht konsumieren."

"Es gibt immer Menschen, die sagen 'Ich hab alles im Griff, so wie mein Lenkrad. Und wenn ich Auto fahre, dann kann mir nichts passieren.' Aber die Übergänge sind fließend. Und es gibt eben Menschen in unserem Land, die ihr Leben nicht so im Griff haben."

"Sollen wir lockern in Richtung Legalisierung? Ich habe noch keine Stimme gefunden, die hier 'Ja' gesagt hat."

Interviewer: "Wird Deutschland von der portugiesischen Erfahrung profitieren wollen?"
M. M.; "Äh, welche portugiesische Erfahrung? Meinst du jetzt Fußball, oder was?"
Interviewer: "Ne, Portugal hat doch die Drogen entkriminalisiert. Oder jedenfalls Marihuana."
M.M.: "Äh, von Portugal ist mir das jetzt nicht bekannt. Ich war jetzt mehrfach mit den portugiesischen Kollegen zusammen. Ähm, da muss ich jetzt passen."

Konsument: "[...] gerade wenn man sich anschaut, dass es im Rest der Welt scheinbar ja auch funktioniert, in genug Ländern legal Cannabis abzugeben, ohne dass Sodom und Gomorra entsteht."
Interviewer: "Das ist doch schon ein Argument, oder?"
M.M.: "Es ist eine absolute Einzelmeinung."

M.M. auf das Gesetz, das verbietet, in Gaststätten zu rauchen: "Wer raucht, hört besser heute als morgen auf. Aber muss ich dieses Ziel mit einem Gesetz zu erreichen versuchen, das ein Klima der Angst erzeugt und Menschen gesellschaftlich ausgrenzt, die ein legales Produkt konsumieren?"

"Warum konsumieren wir Alkohol? - Weil es zum Ritual gehört. Weil es sich so eingespielt hat."

M.M.: "Kann man nicht auch feiern ohne Alkohol? Ein tolles Beispiel war der 60. Geburtstag unserer Bundeskanzlerin. Da gab es als Aperitif einen alkoholfreien Aperitif. Und mir hat der total geschmeckt. Und ich mache dafür Werbung, dass es auch so geht."
Interviewer: "Und was gab es danach?"
M.M.: "Danach gab es Bier aus ihrer Region."