Dienstag, 5. Mai 2020

Bedauern überwiegt.


Johannes Kahrs, 56, SPD-Urgestein, Seeheimer-Boss, Strippenzieher und mächtiger Haushaltspolitiker ist vielleicht der schillerndste Abgeordnete des Bundestags.
Zufällig ist er auch zweifach mein Abgeordneter; ich lebe in dem Bundestagswahlkreis, den er in Berlin vertritt und bin außerdem auch noch seit Jahrzehnten SPD-Mitglied, so daß ich Kahrs schon sehr sehr lange auf kommunaler Ebene hautnah erlebe. Er ist Kreisvorsitzender in Hamburg-Mitte.

Rückblick:
(……) Es ist wohlfeil über Eitelkeiten und Geltungsbewußtsein von Politikern zu klagen.
Menschen mit sympathischen Eigenschaften wie Zurückhaltung, Bescheidenheit, Altruismus, Introvertiertheit, Kontemplation und Besonnenheit werden gar nicht erst Spitzenpolitiker, weil man sich mit so einem Rüstzeug nicht auf der Ochsentour nach Oben durchsetzen kann.
Ja, genau. Das System ist schuld. Und natürlich der Urnenpöbel, der solche unerschütterlichen Typen mit genügend Selbstbewußtsein für eine ganze Stadt offensichtlich so toll findet, daß er sie immer wieder wählt.

Ein solcher Mann mit sehr breitem Kreuz und der unerschütterlichen Überzeugung selbst der beste zu sein, ist mein direkter Vertreter im Parlament.

Es fällt mir immer noch schwer ein Urteil über meinen Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs aus Hamburg-Mitte zu fällen.

Kahrs, 51, Oberst der Reserve, Rechtsanwalt dürfte bundesweit vor allem durch seine Rolle als Sprecher des Seeheimer Kreises bekannt geworden sein.
Der Sohn zweier sozialdemokratischer Senatoren in Bremen, saß zunächst ab 1993 fünf Jahre in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, bevor er 1998 in rabiater Weise einen meiner absoluten Lieblingspolitiker, nämlich den Bundestagsabgeordneten von Hamburg-Mitte, Freimut Duve verdrängte.
Duve war einer dieser Ausnahmepolitiker, der 100% integer und frei von Eitelkeit agierte. Hochgebildet und bescheiden zugleich, gehörte er zu der kleinen Gruppe Parlamentarier, die ihre komplette Steuererklärung veröffentlichten, Diäten spendete und sich stets für die Schwächsten einsetzte.
Ich war sehr wütend, als ich Kahrs vor die Nase gesetzt bekam, zumal Duve 1998 sehr gern weiter gemacht hätte!
Aber, das muß man zugeben; Kahrs sitzt fest im Sattel. Er wurde seit 17 Jahren immer wieder direkt und mit Hamburger Rekordergebnis in den Bundestag geschickt.

Warum sollte ich unzufrieden sein?

In solchen Fällen hilft eine stichwortige Pro- und Contra-Liste (….)
WEITERLESEN: (Komplexe Persönlichkeit, 31.01.2015)

Man kann in epischer Breite seine schlechten Seiten aufzählen. Kahrs ist sicher nicht zimperlich, nutzt jeden Trick und soll Gerüchten zu Folge vor keiner Gemeinheit zurück schrecken.
Andererseits ist er aber auch ein Naturtalent. Kaum einer kann so druckreif und eindrucksvoll ohne Manuskript reden, niemand ist so mutig und legt sich im Dienst der Sache mit der Konkurrenz an.
Und Kahrs ist effektiv für seinen Wahlkreis. Immer wieder schaffte er es große Summen Bundesmittel für Hamburg locker zu machen und beteiligte seine Schäfchen an der Basis vorbildlich. Ich kenne keinen so fleißigen Abgeordneten, der im Wahlkreis so präsent ist, Myriaden Hausbesuche – zu denen er selbstgebackenen Kuchen mitbringt – absolviert hat und unablässig Busladungen voller interessierter Hamburger nach Berlin karren lässt, um ihnen zu zeigen wie der Bundestag arbeitet.

Weniger informierte Linke neigen dazu Kahrs übergroße Nähe zur Union zu attestieren, weil sie „die Seeheimer“ generell für „rechts“ halten.
Nichts könnte falscher sein.
Johannes Kahrs ist im Bundestag als härtester Kritiker Merkels bekannt und schleuderte ihr am Rednerpult des Bundestags nach der Einführung der „Ehe für alle“, die Merkel bekanntlich immer ablehnte, wütend ein „Danke für nichts“ entgegen.


Zudem ist Kahrs einer der ganz wenigen Volksvertreter, der so offensiv die AfD angreift, daß die wirklich getroffen aufjaulen.


So sehr, daß sie schon heulend aus dem Bundestag gingen, wenn sie vom Seeheimer-Boss eins übergebraten bekamen.


Johannes Kahrs, 22 Jahre Bundestagsabgeordneter, von 1998 bis 2020 immer mit hervorragenden Ergebnissen direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages, Sprecher der Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss warf heute überraschend alles hin. Keinen Bock mehr?

Ich bin irritiert. Angeblich schlug er schon oft Regierungsämter aus, weil er gar nicht so gierig drauf ist im Rampenlicht zu stehen, sondern es lieber genießt der mächtige Strippenzieher hinter den Kulissen zu sein.
Öffentlich pflegte er dann zu sagen, daß er ohne ein Regierungsamt viel offener sprechen könne und ohne weitere Karriereabsichten nicht erpressbar wäre. Das genieße er, so könne er frei nach Schnauze reden.
Nun heißt es, werfe er hin, weil die SPD Eva Högl als neue Wehrbeauftragte durchsetzte, obwohl Kahrs seit Monaten darauf hinarbeitete Herrn Bartels abzulösen.

[…..] „Ich wollte einen Neuanfang in der Politik. Da mir die Bundeswehr sehr am Herzen liegt, als Oberst der Reserve, ehemaliges Mitglied im Verteidigungsausschuss oder als langjähriger Berichterstatter für das Verteidigungsministerium im Haushaltsausschuss, hätte ich gerne für das Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages kandidiert“, so Kahrs.
„Für das Amt des Wehrbeauftragten bewirbt man sich nicht, man wird vorgeschlagen. Der Fraktionsvorsitzende hat Eva Högl vorgeschlagen. Ich akzeptiere dies und wünsche ihr viel Erfolg“, sagt er. Nun suche er außerhalb der Politik einen Neuanfang – und tritt noch am Dienstag von seinem Mandat und allen politischen Ämtern zurück.
Johannes Kahrs wünscht der SPD Glück und Erfolg
„Ich danke all meinen Weggefährten, meinen Freunden und politischen Begleitern vieler Jahre. Ich bin meiner Partei zutiefst verbunden und wünsche ihr von ganzem Herzen Glück und Erfolg", sagt er. […..]

Kann das sein?
Kahrs gilt als uneitel und unkaputtbar. So einer soll so angefasst sein, daß er den Lafo macht?
Insofern passt es einfach nicht, daß er aus Gram um einen Posten alles hinwirft.

Die Causa Bartels/Högl ist ohnehin undurchsichtig.

Offiziell heißt es, die SPD-Bundestagsfraktion habe Högl statt Kahrs vorgeschlagen, da sich CDU und CSU kategorisch geweigert hätten Kahrs auf dem Posten zu akzeptieren.
Das ist möglich; wie wir gesehen haben, ist Kahrs nicht zimperlich mit der Union und zudem ist Bundeswehr sein Fachgebiet.

Anderseits ist unklar, wieso Bartels überhaupt abgelöst wurde. Die Soldaten vertrauten ihm und er wollte gern weitermachen.
Eva Högl ist zwar kompetent und durchsetzungsfähig, aber doch in dem Politikfeld fremd. Was soll also diese Personalrochade?

[…..] Beim Wechsel im Amt des Wehrbeauftragten ist das Problem nicht die Nachfolgekandidatin selbst. Die Sozialdemokratin Eva Högl gilt als hochkompetente Expertin, allerdings nicht für das Militär, sondern für Justiz und innere Sicherheit. Wer im NSU-Untersuchungsausschuss erlebt hat, mit welcher Toughness und Energie sie auftrat, wenn wieder mal ein Polizeiführer insistierte, er habe doch alles richtig gemacht, nur halt leider nicht an Rechtsterroristen glauben wollen, der weiß: Diese SPD-Abgeordnete lässt sich von niemandem auf der Nase herumtanzen. Nicht sie ist eine falsche Wahl - die Wahl selbst ist falsch.
Der Amtsinhaber, Hans-Peter Bartels, ebenfalls Genosse, wäre gern geblieben, und es gab keinerlei Grund, ihn durch eine Person zu ersetzen, der die Materie völlig neu ist. Bartels hat über Jahre einen guten Job gemacht, kennt Fallstricke und Widersacher und nahm keine falschen Rücksichten, wenn sich Soldaten an ihn wandten, deren Anwalt im Bundestag er ist. Weder er noch die Bundeswehr jedoch haben für diese Personalie eine Rolle gespielt. […..]

In der Schlangengrube SPD-Fraktion ist etwas gründlich schief gelaufen.
Eigenartig, daß es nun mit Kahrs ein Opfer fordert, das selbst als Meister der Strippenzieher gilt.
Ich warte auf weitere Informationen.

Bis jetzt bedauere ich den Rückzug des Johannes Kahrs sehr. Er wird im Bundestag fehlen.

Montag, 4. Mai 2020

Manische Abneigungen


Die meisten von uns haben irgendwelche irrationale Abneigungen, die sich nicht auf reale Gefahren wie Waffenexporte oder Kriminalität beziehen.
Man kann sie genauso wenig erklären wie besondere Zuneigungen. Man muss es auch nicht.
Während meine Freundin den ganzen Tag voller Entzückung Katzenvideos anguckt, liebe ich Zicklein, Lämmer und Vögel viel mehr.
Na und?
Zu den vielen vielen politisch unbedeutenden Dingen, die ich subjektiv nicht mag gehören so unterschiedliche und irrelevante Dinge wie Countrymusik, die Worte „lecker“ und „Stulle“, Sandalen, Tattoos, Litschis, Piercings, die Kombination aus Früchten und Schokolade, Vollbärte, Sächsisch, nackte Füße, Comics oder Schuhe mit dicken Sohlen.
Natürlich weiß ich aber wie persönlich diese Empfindungen sind bin daher völlig zufrieden damit sie zu meiden.
Nie käme ich auf die Idee anderen Menschen Schwarzwälder Kirschtorte, Taylor-Swift-Songs oder Arschgeweihe zu missgönnen oder gar zu verbieten.
Schließlich handelt es sich nur um zufällige, persönliche Abneigungen.

Wenn Abneigungen hingegen so stark werden, daß man sie immer wieder artikuliert und die abgelehnten Dinge/Personen/Phänomene aktiv bekämpft, muß man an einer Art Trauma leiden oder auf andere Art zutiefst persönlich betroffen sein.

Noch mal zur Erinnerung; ich spreche nicht über reale Gefahren wie Trump, die AfD oder Angriffe auf die Pressefreiheit – dagegen sollte man starke Abneigungen empfinden und sie im Interesse der Allgemeinheit aktiv bekämpfen.
Ich betrachte hier lediglich harmlose Dinge, deren Existenz einen gar nicht tangiert.

Abneigungen, die so manisch werden, daß derjenige, der sie empfindet nicht aufhören kann darüber zu sprechen, sie zu verdammen, haben eine tiefenpsychologische Komponente.

Als Beispiel dafür kann das ewige Mega-Faszinosum „Analverkehr“ für die täglich von Millionen Menschen angeklickte katholische Website „Kreuz.net“, 2004-2012.
Jeden Tag kreisten neue „Artikel“ mit kreativen Neologismen um die Sexualpraktiken schwuler Männer im Bett.
Sie wurden in drastischer Anspielung auf die anale Penetration „Kotstecher, Gomorrhisten, Sodomisten, Schokostecher, Widernatürliche, Homoperverse, Praktizierende von Brechreizturnübungen, Bundestagsschwuchtel, Verwender von Gummi-Isolatoren, Homoverrückte“ und vieles andere mehr genannt.
Es war für jeden Leser sofort offensichtlich, daß die Dunkelkatholiken aus dem Umkreis der FSSPX, süddeutschen und österreichischen Diözesen an nichts anderes, als Penisse, die in Mastdärmen stecken denken konnten.
Warum?
Wieso sollte das für heterosexuelle Männer, oder gar Zölibatäre von Interesse sein? Weshalb sprachen sie nie über die tausend weiteren Sexualpraktiken, die sie ebenfalls nicht selbst durchführen?

Eigentlich halte ich es für eine positive Form der Zuwendung und aufmerksames Interesse an den Mitmenschen, wenn man bei Gelegenheit auch mal nachfragt wie sexuelle Vorlieben funktionieren. Übermäßige Verklemmtheit ist kein Wert an sich.
Aber wer über neun Jahre mit erheblichen publizistischem Aufwand, ein Millionenpublikum unterhaltend jeden Tag aufs Neue den Analverkehr thematisiert, sich fasziniert in fäkalen Konnotationen über Schließmuskelstörungen ergeht, handelt es sich eindeutig nicht mehr um ein übliches Grundinteresse an den Mitmenschen, sondern um eine schwere psychische Störung. Die banalste Erklärung; es handele sich dabei in Wahrheit um verdrängte eigene Homosexualität, den unterdrückten und daher überkompensierten Wunsch selbst Analverkehr zu betreiben ist so naheliegend wie vermutlich richtig.

Joseph Ratzinger ist so etwas wie die menschliche Inkarnation Kreuznets.
Der heute 93-Jährige wurde vor fast genau 15 Jahren zum Papst gewählt. 

Nach katholischem Verständnis führte im Konklave der Heilige Geist – also Gott selbst – den Kardinälen die Hand.
So wurde der vorher schon in der RKK nahezu allmächtige „Panzerkardinal“ unfehlbar. Die päpstliche Unfehlbarkeit – Infallibilitas - ist ein von Pio Nono 1870 eingeführtes Dogma und daher auch nicht zu ändern.
Der Stellvertreter Gottes auf Erden irrt sich nicht.
Eine prima Sache für den bayerischen Geronten, der vor 69 Jahren zum Priester geweiht wurde.

(……) Das Papstamt steht für maximale Machtfülle.
Er wird direkt vom Heiligen Geist (=Gott) ausgesucht, amtiert folglich auf Lebenszeit als Stellvertreter Gottes auf Erden.
Weltlich betrachtet ist es ein absolutistisches Amt. Ein Papst ist nicht nur oberster Chef der Exekutive, Judikative und Legislative, sondern er ist praktischerweise auch noch unfehlbar.
Noch beindruckender ist seine kirchenrechtliche Stellung.

   Franzi verfügt über Primatialgewalt (der Primatsanspruch des Papstes ergibt sich aus Matthäus 16 : Als Nachfolger des Apostels Petrus, irdischer Stellvertreter Jesu Christi und Hirte der Universalkirche verfügt der Papst in der römisch-katholischen Kirche „über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“ (can. 331 CIC).
Der Papst ist Träger der Höchstgewalt (potestas suprema); es steht also nichts und niemand über ihm; und der
 Vollgewalt (potestas plena), also maximale Gewaltenfülle in materieller und formeller Hinsicht. Materiell meint, daß sich päpstliche Gewalt über absolut alle Sachgebiete der Kirche erstreckt. Formal heißt Amtsgewalt des Papstes über Exekutive, Legislative und Judikative umfasst.
Franzi ist oberster Richter der Kirche und zwar ohne sich selbst an kirchliches Recht halten zu müssen (prima sedes a nemine iudicatur). Was er entscheidet ist daher automatisch letztinstanzlich und unanfechtbar.
Die Primatialgewalt ist unmittelbar (potestas immediata), so daß sich der argentinische Einlunger willkürlich in alles was ihm beliebt einschalten kann ohne irgendwelche Vorinstanzen abwarten zu müssen.
Ferner verfügt Bergoglio über Universalgewalt (potestas universalis), kann also seine Primatialgewalt auch auf alle Teile wie Bistümer, Klöster, Pfarren anwenden; und:
bischöfliche Gewalt (potestas vere episcopalis) und frei ausübbare Gewalt. Kein Kardinal, kein Kirchengericht, noch nicht mal alle 4.000 Bischöfe der RKK zusammen können Franzi bei seinem Machtgebrauch hindern. (…..)

Er rehabilitierte die antisemitischen Holocaustleugner der FFSPX, ließ die uralte tridentinische Messe wieder zu, trat allen an der Ökumene Arbeitenden kräftig in den Hintern, beleidigte andere Religionen, erklärte Kondome zu Schuldigen an der HIV-Seuche und bekräftigte die Absage an jede Aufwertung von Frauen in der RKK.
Was man eben so macht als Stellvertreter Gottes.
Aber er hatte ein Thema, das ihn über alle Maßen faszinierte und das er bis heute nicht loslassen kann: Homosexualität.


Er hasst Schwule wie die Pest und kann einfach nicht aufhören sich über Homoehe, homophil veranlagte Priester oder Homo-Toleranz zu beklagen.
Während zu Zeiten JP-IIs (1978-2005) schwul veranlagte Priesteramtskandidaten durchaus studieren durften, weil die sexuelle Vorliebe für Frauen und/oder Männer irrelevant ist, wenn man ohnehin im Zölibat lebt und niemals im Leben Sex hat, verbot Ratzinger weltweit Männern mit den leisesten schwulen Gedanken schon ins Priesterseminar aufgenommen zu werden.
Der Effekt ist natürlich klar: Menschen mit verdrängter eigenen Homosexualität zieht es nun noch mehr in Priesterseminare, weil sie dort die Sicherheit haben, daß niemals drüber gesprochen werden darf.
Da Ratzinger anders als seine Fanseite Kreuznet (im Dezember 2012) bei seinem nur wenige Wochen später im Februar 2013 folgenden Rücktritt aber nicht untertauchte, sondern als unfehlbarer Papst weiterhin im Vatikan sitzt, kann er auch nicht von seinem Lieblingsthema lassen.
Geiferig achtet der Altpapst darauf weiterhin Machtworte sprechen zu können.

  (…….)  Die schlichten weißen Gewänder des Polens verachtet Ratzinger und schwelgte im Luxus. Nun konnte es gar nicht genug Gold und Edelsteinig sein.
Benedikt trug Hermelin, rote Prada-Schühchen, verschiedene Camauri in Samt, Seide und Damast – stets mit teuerster Hermelinfütterung. Goldene Luxus-Roben, die er aber stets nur einmal trug.
 Und natürlich immer wieder seine heißgeliebten Pracht-Mozzetti: Die Mozzetta aus weißem Seidendamast mit Hermelin gefüttert, die Mozzetta aus rotem Tuch mit Hermelin gefüttert, seine Mozzetta aus rotem Samt mit Hermelin gefüttert.

Ganz sicher ist immer noch nicht, weswegen Benedikt XVI. im Jahr 2013 zurücktrat. Ich kenne viele Gerüchte, er wäre von dunkeln Kräften rund um den Opus Dei mit Schwulen-Geschichten erpresst worden. Das kann ich aber a) nicht verifizieren und b) wäre es aus Sicht der Legionäre Christi oder des Opus Dei kontraproduktiv einen derart konservativen Papst abzusägen.
Möglicherweise hatte er wirklich einfach keinen Bock mehr. 

Seinem Nachfolger versprach er aufgrund der ungeklärten Machtverhältnisse zwischen zwei Päpsten auf engstem Raum im Vatikan-Kloster Mater Ecclesiae ein Leben in Stille und Gebet zu führen.

Bergoglio wußte aber bald Bescheid. Wieder einmal hatte Joseph Ratzinger gelogen. Keineswegs würde er auf die Insignien seiner Macht verzichten.
Der Ex-Papst nennt nicht wieder „Pater Ratzinger“, verzichtet auf keine Privilegien und schon gar nicht denkt er daran wie andere ehemalige Kardinäle eine einfache schwarze Soutane zu tragen. 


Ratzi fährt das volle Protz- und Prunk-Programm weiter.

[……] Leb­te Ratz­in­ger tat­säch­lich wie ein Ere­mit in sei­nem Klos­ter, wäre vie­les ein­fa­cher. Aber der Mann aus Marktl am Inn un­ter­zeich­net sei­ne Post be­harr­lich mit »Papa eme­ri­tus«, trägt wei­ter die wei­ße Sou­ta­ne und das Schei­tel­käpp­chen ei­nes Pon­ti­fex und er­teilt den apos­to­li­schen Se­gen. Sich nicht von den äu­ße­ren An­zei­chen des Pap­st­amts tren­nen zu wol­len, sei ein Aus­druck un­er­hör­ter Ar­ro­ganz, zürnt ein Ratz­in­ger-kri­ti­scher Kar­di­nal. [….]
(DER SPIEGEL, 01.02.2020) (……)

 
Als Stellvertreter Gottes hackt Ratzinger auch im Jahr 2020 wie eh und je auf Schwule ein.

[…..] Der emeritierte Papst Benedikt XVI. distanziert sich in einer neuen Biografie deutlich von Ehen zwischen Homosexuellen. „Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen.“
Heute sei gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstelle, so der ehemalige Papst. […..] „Die moderne Gesellschaft ist dabei, ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird. Die Furcht vor dieser geistigen Macht des Antichrist ist dann nur allzu natürlich.“ Nach Ansicht des früheren Kardinals Joseph Ratzinger liegt „die eigentliche Bedrohung der Kirche“ in einer „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien“. […..]

 
Ich behaupte: Kein heterosexueller Mann kann über so viele Jahrzehnte eine derart manische Abneigung gegen Schwule kultivieren, wenn er nicht selbst halbschul ist und stets mit entsprechenden Gelüsten hadert.
Auch mit 93 scheint den alten Mann homosexuelle Liebe enorm zu triggern.

[……] Während seiner Amtszeit von 2005 bis 2013 hatte Ratzinger immer wieder vor eine Ausweitung von LGBTI-Rechten gewarnt. So behauptete er 2012, die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sei eine "Manipulation der Natur" und führe zum Verlust der "Würde des Menschen" (queer.de berichtete). […..]


Soso, der Mann, der den ganzen Tag bunte Kleider trägt, nie was mit einer Frau hatte, aber glücklich mit seinem hübschen Gänsi in einem Staat mit einer mutmaßlichen Zweidrittel-Schwulenquote lebt, ist gegen die Homoehe.
Was ist er so garstig? Hat ihm wieder ein Messdiener in die Eichel gebissen?


Sonntag, 3. Mai 2020

Nicht weiter so


Gemessen an den kriminell-tödlichen Schreihälsen in Brasilia, London oder Washington ist es ganz schön eine Bundeskanzlerin zu haben, die in ganzen Sätzen sprechen kann und die im Gegensatz zu Beispielsweise Ministerpräsident Laschet auch weiß was ein „R-Wert“ ist.

Quelle: "Spiegel" Nr. 19 vom 2.5.2020, S.26

Kein Journalist im deutschen Sprachraum schreibt über den erratisch lügenden Trump und seine vollkommen irren Presse-Rallies, ohne im Angela Merkels moderierende Methode lobend zu erwähnen.
„Moderierend“ ist ihr signature-move, um es neudeutsch auszudrücken.
Der Terminus ist insofern passend, daß die Kanzlerin tatsächlich allgemeine Ruhe bevorzugt und aufbrausende Charaktere wie Johnson, Erdoğan, Berlusconi, Seehofer oder Trump gern an sich abtropfen lässt, indem sie deren Attacken stoisch ignoriert und zumindest öffentlich vollkommen unfähig ist zu schmollen, beleidigt zu sein oder Ehrverletzungen zu fühlen.
Typischerweise wendet sie sich bei den nun so üblichen Bund-Länder-Konferenzen an sachorientierte, ruhige, kompetente Player wie Tschentscher und Scholz, während sie ADHS-Armin wie ein Kindergarten-Blag nach einem Pfund Zucker unter die stille Treppe stellt.
Diese moderierende Merkel-Methode (MMM) ist sehr nützlich, wenn man beispielsweise als Mediatorin für frisch zerstrittene Scheidungspaare arbeitet. Oder es als Kindergärtnerin mit zu vielen verhaltensauffälligen Gören zu tun hat.
Während andere Kindergärtnerinnen darüber Burnout und Depressionen entwickeln, würde Merkel den Job einfach aussitzen.

Tatsächlich ist Angela Merkel allerdings Bundeskanzlerin und entschied sich damit für einen wesentlich verantwortungsvolleren Job.
Die Wähler mögen „moderierend“ und wählen sie gerade wegen MMM immer wieder. Tritt sie von dem Rücktritt 2021 zurück, könnte sie locker auch noch zehn Jahre weiter amtieren.
Während Laschet, AKK, Schulz, Nahles, Merz und Co sich so sehr aufregen, daß sie allesamt beweisen viel zu kleine Füße für die Bundeskanzlerschuhe zu haben, könnte Merkel einfach vor sich hindämmern.
Diese Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben. Das sieht man insbesondere seit Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember 2018 CDU-Bundesvorsitzende wurde.
Merkel tauchte bei allen innenpolitischen Fragen endgültig ab. Sie hielt sich aus allem raus, sagte kein Wort mehr zu den Landtagswahlen, gab keine Kommentare zu ihrer Partei ab, war manchmal wochenlang überhaupt nicht mehr zu sehen. Ob sie dabei auf ausgedehnten Afrikareisen war oder in der Uckermark Kartoffelsuppe kochte, merkte das Merkel-Volk gar nicht.
Nach anderthalb Jahren Bundesvorsitz ist AKK inzwischen erledigt, Merkels möglicher Nach-Nachfolger Laschet erledigt sich ebenfalls schon selbst und ausgerechnet ihr langjähriger Erzfeind Seehofer, der spätestens ab 2015 alles unternahm, um Merkel zu schaden, empfiehlt ihr nun eine fünfte Amtszeit anzustreben.

MMM ist also hervorragend geeignet zum persönlichen und parteipolitischen Machterhalt.
Für Deutschlands Zukunft ist MMM allerdings ganz großer Mist, da „moderierend“ in der Praxis auch bedeutet dreisten Lobbyforderungen immer nachzugeben, alle notwendigen Reformen zu verschlafen, keine Weichen zu stellen und die Zukunftsfähigkeit zu verspielen.

Derzeit wird intensiv darüber diskutiert wann und unter welchen Umständen die Kinder wieder in die Schule können. Dabei wird ernsthaft empfohlen Seife und Handtücher mitzunehmen, da die hygienischen Verhältnisse in deutschen Schulen so mangelhaft sind, daß außer kaltem Wasser in vollkommen verdreckten Klos gar nicht geboten wird.
Das fällt nicht vom Himmel, sondern wird seit vielen Jahren immer wieder in großen Kampagnen, Reportagen und Büchern angeprangert. In ihren 15 Jahren Kanzlerschaft veranstaltete Merkel daher auch schon viele Bildungsgipfel, auf denen sie moderierte.
Sie erzielte aber nie Ergebnisse, weil sie einerseits selbst keine Idee von der Zukunft der deutschen Bildung hat und andererseits nie die Energie aufbrachte, das Grundproblem der föderalen Zuständigkeiten anzupacken.

Entsprechendes lässt sich auch über Klimapolitik, erneuerbare Energien, Infrastruktur, schnelles Internet, Steuersystem und Alterssicherung sagen.
Es gab allerlei Gipfel und sehr viel Merkelsche Moderation, aber nie Ergebnisse, weil sie nicht entschieden wollte und nie die Kraft entwickelte etwas Gefordertes auch durchzusetzen.

Die Automobilkonzerne wünschen sich jetzt eine neue staatliche Abwrackprämie.
Aber ökologisch betrachtet geht das nicht, da BMW, Mercedes und VW am langen lockeren Arm der Auto-Lobbyisten aus Merkels Kanzleramt alle modernen Techniken verschlafen haben.

„Merkel kann Krise“ heißt es jetzt wieder überall. Aber das ist falsch. Nur weil sie während des Corona-Peaks nicht debakuliert wie Trump, ist sie noch lange nicht in der Lage nun die einmalige Gelegenheit zu nutzen, um seit mindestens einer Dekade überfällige Zukunftsentscheidungen zu treffen, geschweige denn diese auch durchzusetzen.

[….] Wenn das Haus voll Was­ser läuft, muss erst ein­mal der Kel­ler leer ge­pumpt wer­den. Aber dann? Wenn die Schä­den be­sich­tigt sind, baut man das Ei­gen­heim dann ex­akt wie­der auf, wie es war? Mit un­dich­ten Fens­tern und Ölhei­zung? In der Hoff­nung, die alte Mu­cke­lig­keit kommt mit den al­ten Mö­beln zu­rück?

Die Po­li­tik re­agiert ge­ra­de ge­nau so. Mit der wie­der­be­leb­ten Idee ei­ner Ab­wrack­prä­mie, da­mit die Deut­schen in die Au­to­häu­ser lau­fen und VW, BMW und Mer­ce­des kau­fen, egal ob Elek­tro­mo­to­ren oder Kli­ma­kil­ler un­ter der Hau­be ste­cken. Mit Ret­tungs­mil­li­ar­den für Luft­han­sa und für TUI, egal ob der Mas­sen­tou­ris­mus mit am meis­ten zur Um­welt­zer­stö­rung bei­trägt. Was kommt als Nächs­tes? Eine Prä­mie für Plas­tik­tü­ten? Frei­flü­ge? […..]
(SPIEGEL-Leitartikel, 02.05.2020)

Kann es ernsthaft eine Option sein nach Corona einfach zu den verschlafenen Uralt-Techniken zurück zu kehren?
Aber Tranquilizer-Merkel scheint entschlossen zu sein auch diesmal auf Arbeitsverweigerung zu setzen und will anders als alle Vorgänger partout keine Initiativen ergreifen. Schon gar nicht international.
Dabei ist gerade durch Corona mehr als offensichtlich geworden, welchen gewaltigen Schaden Spahns und Merkels Desinteresse an den Strukturen irgendetwas zu ändern Deutschland schadet.
Wollen wir sofort wieder in den Dämmerschlaf verfallen und uns lethargisch in chinesische Abhängigkeit begeben?

[….] Diese Virus-Krise ist ein guter Zeitpunkt für die Frage, wofür Unternehmen da sind. Sind sie allein den Interessen ihrer Aktionäre verpflichtet? Sollten sie sich auch für Belange interessieren, die außerhalb ihrer eigenen Bilanz liegen, und sich auch um Interessen anderer kümmern, um die Mitarbeiter, um einen fairen Umgang mit Lieferanten, um die Gesellschaft drum herum und nicht zuletzt um Klima und Umwelt? Schon nach der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren war der Turbo-Kapitalismus mit seinen Superrenditen für Konzerne in schwere Kritik geraten, und die Frage wurde aufgeworfen, ob diese Wirtschaftsordnung ausreichend den Menschen dient. Jetzt kommt die Frage wieder.
Warum kann diese Marktwirtschaft hohe Gewinne und Börsenkurse erzeugen, aber warum kriegt sie es nicht hin, der reichsten Industrienation in Europa dringend benötigte medizinische Geräte zur Verfügung zu stellen? Warum ist die Industrie dieses Landes so abhängig von ausländischen Zulieferprodukten, dass viele Fabriken sofort stillstehen, wenn die Grenzen wegen einer Epidemie geschlossen werden müssen?
Offenbar hat das Shareholder-Value-Denken, wie das betonte Profit- und Kostendenken der Unternehmen genannt wird, fragwürdige Seiten. Es reicht nicht, wenn Manager nur daran gemessen werden, wie stark sie die Kosten senken und einen Börsenkurs in die Höhe treiben. […..]

Nun, da die grandiosen deutschen Manager, die nicht für genügend Masken, Desinfektionsmittel sorgen können, nicht in der Lage sind ein vernünftiges Elektroauto herzustellen, geschweige denn dazu fähig wären so etwas wie ein Smartphone herzustellen – von Großprojekten rede ich erst gar nicht – allesamt so auf die Nase gefallen sind, daß sie hunderte Milliarden Steuergelder – VON UNS ALLEN  wollen, muss die Bundesregierung verdammt noch mal strenge Vorgaben entwickeln, die keine vagen Absichtserklärungen à la Klöckner sind (die auch 2020 noch Glyphosat, Ferkelkastration ohne Betäubung und Kükenschreddern großzügig erlaubt).
Jetzt hat die Kanzlerin zu regieren und durchzugreifen. Steuermilliarden bekommen die Software-Betrüger-Autobosse, die selbst aber keine Steuern zahlen, selbstverständlich nur, wenn sie die Ruder vollständig umlegen und Schluss machen mit ihrer Technik der Riesenverbrenner aus dem letzten Jahrtausend.

Wie viele Jahre diskutieren wir schon über die Energiewende?
Wie lange will Merkel noch alles laufen lassen, den Lobbyisten freie Hand lassen und Deutschland um Jahrzehnte hinter Asien zurück fallen lassen?
Nun ist der ganz große Masterplan gefordert, bei dem ein(e) starke(r) Kanzler(in) fest die Zügel in die Hand nimmt, die Industrie zu ganz neuen Strategien verdonnert. Den Pharmakonzernen Vorgaben für eine medikamentöse Grundversorgung diktiert, erneuerbare Energien tatsächlich einführt und verdammt noch mal endlich eine digitale Infrastruktur schafft, so daß Deutschlands Internet nicht mehr lahmer als das Albanische ist.
Moderieren nützt da gar nichts.

[…..] Es wäre doch end­lich an der Zeit, dass der Staat die Be­din­gun­gen schafft für eine neue Form des Wirt­schaf­tens. In­dem er Kon­sum be­lohnt, der kli­ma­freund­lich ist. In­dem er In­no­va­tio­nen för­dert, die die­sen Kon­sum mög­lich ma­chen. In­dem er end­lich die En­er­gie­wen­de ernst­haft in An­griff nimmt, die Ver­kehrs­wen­de und all die an­de­ren Wen­den, die seit Jah­ren ver­spro­chen und dann in Ar­beits­krei­se ver­la­gert wer­den, wo sie un­ter dem Ein­fluss der Lob­by­grup­pen auf die Grö­ße ei­nes Ak­ten­de­ckels schrump­fen. Und wo, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen, ein Jahr­hun­dert­pro­jekt wie die En­er­gie­wen­de an der Fra­ge zer­brö­selt, wie viel Ab­stand zu ei­nem Wind­rad dem Bür­ger zu­zu­mu­ten ist.
[…..] Der Job des Staa­tes ist der des gro­ßen Len­kers, und er ist es mehr denn je. Er zeigt ja ge­ra­de, wel­che Kraft er hat, und er muss, wenn er ernst ge­nom­men wer­den will, die­se Macht­fül­le nicht nur ein­set­zen, wenn es um die Fol­gen ei­ner Na­tur­ge­walt wie die­ser Pan­de­mie geht, son­dern auch wenn sie Kli­ma­wan­del heißt. War­um also legt die Re­gie­rung nicht end­lich ein­fach den Schal­ter um? [….]