Dienstag, 9. August 2016

Donald gegen den Rest der Welt



Im aktuellen SPIEGEL steht, mal wieder, man solle sich ob der eigenen extremen Abneigung, die man gegenüber Donald Trump empfinde, nicht täuschen lassen.
Er habe nach wie vor gute Chancen US-Präsident zu werden.

Da ist sicher etwas Wahres dran. Gerade gestern sah ich in einem CNN-panel mal wieder diverse Trump-Unterstützer, die nicht im Geringsten an ihm zweifeln, auch wenn man ihnen minutenlang Trumps Koprolalie und Lügentiraden vorführt.

Spricht man die glühende Trump-Bewunderin Kayleigh McEnany auf seine ungeheuerlichen Lügen an, rollt die 28-Jährige ihre Barbie-Augen und rattert ihre Bengahzi-Emails-crooked-Hillary-Pseudoargumentation herunter.


Es ist wirklich so, wie Trump sagte. Er könnte auf offener Straße, mitten auf der 5th Avenue jemand erschießen, ohne daß es Jeffrey Lords oder Kayleigh McEnanys Begeisterung für ihn trübte.

Man sehe sich diesen großartigen Zusammenschnitt an und beachte insbesondere das Huhn ganz am Ende. Millionen Amerikaner ticken so. Die wollen Trump glauben und halten alle anderen für Lügner.


Irgendein anderer demokratischer Kandidat müßte einfach gegen Trump gewinnen. Für die zweifellos intelligente, kompetente und erfahrene Hillary Clinton gilt das aber nicht unbedingt. In Amerika ist der Faktor „Show“  nie zu unterschätzen.

Nach wie vor lei­det Clin­ton dar­un­ter, dass über 50 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner sie als küh­le Kan­di­da­tin des Es­ta­blish­ments ab­leh­nen. Die Un­be­liebt­heit von Trump und Clin­ton treibt ent­täusch­te Re­pu­bli­ka­ner an den De­mo­kra­ten vor­bei in die Arme der bei­den un­ab­hän­gi­gen Wahl­kämp­fer: Gary John­son und Jill Stein lie­gen in den Um­fra­gen zu­sam­men bei etwa zehn Pro­zent. Na­tür­lich ha­ben sie kei­ne Chan­ce, doch sie ab­sor­bie­ren ei­nen Vor­teil Clin­tons, der sich aus der Un­be­liebt­heit Trumps er­ge­ben könn­te.
Die größ­te Ge­fahr für Clin­ton liegt in der Zeit zwi­schen Ende Sep­tem­ber und Ende Ok­to­ber. Dann fin­den die drei gro­ßen TV-Du­el­le der Kan­di­da­ten statt. Trump hat im Vor­wahl­kampf 16 par­tei­in­ter­ne Kon­kur­ren­ten aus­ge­schal­tet, die wich­tigs­ten bei Li­ve­du­el­len. Clin­ton ist live weit­ge­hend hu­mor­los, Spon­ta­nei­tät ist nicht ihre Stär­ke.
(DER SPIEGEL 32/2016 s.84)

Trump hat zweifellos ein Heer von begeisterten Anhängern mobilisiert und wird viele Menschen an die Wahlurnen holen, die sonst nie wählen.
Ich mutmaße, daß der Anteil von fanatischen Trump-Fans zusammen mit den fanatischen Demokraten-Hassern aus dem Teebeutel-Reservoir bei etwa einem Drittel (A) der Amerikaner liegt, die tatsächlich zur Wahl gehen.
Ein weiteres Drittel (B) wird genauso sicher garantiert nicht Trump wählen.
Er braucht also aus dem verbliebenen Drittel (C) weitere Stimmen.
Stimmen, die ein GOPer eigentlich holen könnte, da die C-Wähler allesamt Clinton kritisch sehen.
Würde Trump keine gravierenden Fehler machen und hätte er die volle Rückendeckung seiner Partei wäre das sein Durchmarsch ins Oval Office.

Aber er ist eben Trump. Also ein pathologischer Lügner, der sich nicht unter Kontrolle hat und selbst für amerikanische Verhältnisse enorme Wissenslücken aufweist.

Eine Rü­pe­lei scha­det Trump mehr als alle bis­he­ri­gen Kri­sen sei­nes Wahl­kampfs. Nach­dem die El­tern des im Irak­krieg ge­tö­te­ten ame­ri­ka­ni­schen Haupt­manns Hu­mayun Khan auf dem Par­tei­tag der De­mo­kra­ten auf­ge­tre­ten wa­ren, be­lei­dig­te Trump das mus­li­mi­sche Ehe­paar. Ihm war of­fen­bar nicht klar, dass die Hin­ter­blie­be­nen von Ge­fal­le­nen, so­ge­nann­te Gold-Star-Fa­mi­li­en, im pa­trio­ti­schen Ame­ri­ka un­an­tast­bar sind, egal an wel­chen Gott sie glau­ben.
[…..] Sein Ver­hal­ten zeigt über­ra­schen­des Un­wis­sen über die Be­deu­tung des Mi­li­tä­ri­schen in der ame­ri­ka­ni­schen Ge­sell­schaft. Als ihm am ver­gan­ge­nen Diens­tag bei ei­ner Wahl­kampf­re­de in Vir­gi­nia ein Ve­te­ran sei­nen Pur­p­le-Heart-Or­den schenk­te, ant­wor­te­te Trump, er habe „schon im­mer“ ein Pur­p­le Heart be­sit­zen wol­len. Auf die­se Art sei es ja „viel leich­ter“, da her­an­zu­kom­men. Dass die Aus­zeich­nung nur im Kriegs­ein­satz Ver­wun­de­ten ver­lie­hen wird, schien Trump nicht be­wusst zu sein. Wie­der folg­te der­be Kri­tik. Mit­te der Wo­che wur­de dann ein Vor­wurf dis­ku­tiert, dem zu­fol­ge Trump sich einst of­fen­bar vor dem Kriegs­dienst in Viet­nam ge­drückt hat: Er ließ sich zu­letzt eine Fuß­er­kran­kung be­schei­ni­gen, ei­nen so­ge­nann­ten Fer­sen­sporn – der ihn aber bis da­hin nicht da­von ab­ge­hal­ten hat­te, Foot­ball, Ten­nis und Squash zu spie­len.
(DER SPIEGEL 32/2016 s.84)

Es sind inzwischen so auffällig viele bekannte Republikaner angewidert von ihrem eigenen Kandidaten, daß diese tiefe Missachtung aus der eigenen Partei den unentschiedenen Wählern nicht verborgen bleiben kann.

Mit Susan Collins, der republikanischen US-Senatorin aus Maine, bekundete soeben ein weiteres Parteischwergewicht Trump nicht zu wählen.

[…..] I will not be voting for Donald Trump for president. This is not a decision I make lightly, for I am a lifelong Republican. […..]  He opted for a constant stream of denigrating comments, including demeaning Sen. John McCain’s (R-Ariz.) heroic military service and repeatedly insulting Fox News host Megyn Kelly.
[…..] My conclusion about Mr. Trump’s unsuitability for office is based on his disregard for the precept of treating others with respect, an idea that should transcend politics. Instead, he opts to mock the vulnerable and inflame prejudices by attacking ethnic and religious minorities. Three incidents in particular have led me to the inescapable conclusion that Mr. Trump lacks the temperament, self-discipline and judgment required to be president.
The first was his mocking of a reporter with disabilities, a shocking display that did not receive the scrutiny it deserved. I kept expecting Mr. Trump to apologize, at least privately, but he did not, instead denying that he had done what seemed undeniable to anyone who watched the video. At the time, I hoped that this was a terrible lapse, not a pattern of abuse.
The second was Mr. Trump’s repeated insistence that Gonzalo Curiel, a federal judge born and raised in Indiana, could not rule fairly in a case involving Trump University because of his Mexican heritage.
For Mr. Trump to insist that Judge Curiel would be biased because of his ethnicity demonstrated a profound lack of respect not only for the judge but also for our constitutional separation of powers, the very foundation of our form of government. Again, I waited in vain for Mr. Trump to retract his words.
Third was Donald Trump’s criticism of the grieving parents of Army Capt. Humayun Khan, who was killed in Iraq. It is inconceivable that anyone, much less a presidential candidate, would attack two Gold Star parents. […..]

Der Harvard Republican Club, der sich seit 1888 hinter jeden republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestellt hatte, verkünde in einem offenen Brief sich für Donald Trump zu schämen.

But for the first time in 128 years, we, the oldest College Republicans chapter in the nation, will not be endorsing the Republican nominee.
Donald Trump holds views that are antithetical to our values not only as Republicans, but as Americans. The rhetoric he espouses –from racist slander to misogynistic taunts– is not consistent with our conservative principles, and his repeated mocking of the disabled and belittling of the sacrifices made by prisoners of war, Gold Star families, and Purple Heart recipients is not only bad politics, but absurdly cruel.
If enacted, Donald Trump’s platform would endanger our security both at home and abroad. Domestically, his protectionist trade policies and draconian immigration restrictions would enlarge our federal deficit, raise prices for consumers, and throw our economy back into recession. Trump’s global outlook, steeped in isolationism, is considerably out-of-step with the traditional Republican stance as well. The flippancy with which he is willing to abdicate the United States’ responsibility to lead is alarming. Calling for the US’ withdrawal from NATO and actively endorsing nuclear proliferation, Donald Trump’s foreign policy would wreak havoc on the established world order which has held aggressive foreign powers in check since World War II.   Perhaps most importantly, however, Donald Trump simply does not possess the temperament and character necessary to lead the United States through an increasingly perilous world.

Mit dem konservativen ehemaligen CIA-Offizier Evan McMullin gibt es sogar einen offiziellen Gegenkandidaten zu Trump.

Der nächste und schwerste Tiefschlag für Trump kam gestern Nacht – verfasst von 50 prominenten republikanischen Außen- und Sicherheitspolitikern.

Fifty of the nation’s most senior Republican national security officials, many of them former top aides or cabinet members for President George W. Bush, have signed a letter declaring that Donald J. Trump “lacks the character, values and experience” to be president and “would put at risk our country’s national security and well-being.”
Mr. Trump, the officials warn, “would be the most reckless president in American history.”
The letter says Mr. Trump would weaken the United States’ moral authority and questions his knowledge of and belief in the Constitution. It says he has “demonstrated repeatedly that he has little understanding” of the nation’s “vital national interests, its complex diplomatic challenges, its indispensable alliances and the democratic values” on which American policy should be based. And it laments that “Mr. Trump has shown no interest in educating himself.” […..]


Eigentlich wollte Trump gestern mit seinem Wirtschaftsprogramm punkten, aber das ging im innerparteilichen Shitstorm beinahe unter.

Donald Trumps Wirtschaftsberater sind so wie er selbst. Natürlich ist ihre Haut nicht so orangefarben, und ihre Haare sind nicht so geföhnt wie bei dem Mann, der im November für die Republikanische Partei Präsident der Vereinigten Staaten werden will. Doch auf der Liste der Berater, die Trump jetzt veröffentlicht hat und die mit ihm ein Programm für die Zukunft der USA entwickeln sollen, stehen fast nur: weiße, alte Männer. Und fast alle sind schwerreich - so wie auch der Immobilienunternehmer selbst, der ständig den Eindruck erweckt, er mache Politik für die kleinen Leute in den USA, für Gering- und Durchschnittsverdiener.
Kurioserweise heißen auch noch fünf von 14 Beratern Steve. Frauen fehlen dagegen komplett auf der Liste. Dafür ist einer von Trumps besten Freunden dabei: Howard Lorber, Multimillionär, einer von Trumps besten Freunden und Chef des Hot-Dog-Verkäufers Nathan's Famous. "Ich bin sehr zufrieden, dass wir so eine formidable Gruppe an erfahrenen und talentierten Menschen haben, die mit mir an echten Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme arbeiten werden, vor denen unser Land steht", sagte Trump. Fast alle Berater zählen zu den Spendern, die Trumps Kandidatur mit Millionen unterstützen. [….]
(Kathrin Werner, SZ, 09.08.2016)


Montag, 8. August 2016

Soldaten



Es liegt mir fern mich für Militärs zu begeistern.
Das ständige Bohei, welches die Amerikaner mit ihren „veterans“ anzetteln, ist mir vollkommen unverständlich.
Ich verstehe allerdings auch noch nicht mal den Begriff „Hero“; da habe ich tatsächlich eine Gemeinsamkeit mit Donald Trump.
Man ist also automatisch ein Held, wenn man sich im Irak erschießen lässt?
Der Soldatentod ist doch eher eine Tragödie, wenn man eingezogen wird und im Einsatz getötet wird. Der Soldatentod ist bitter, wenn jemand gezwungen wird ihn zu erleiden, weil sein Land von einer fremden Macht überfallen wird und man sich notgedrungen zur Wehr setzt, um seine Freunde zu verteidigen.
Wenn man aber freiwillig der Armee beitritt, dort gut bezahlt wird und dann zu denjenigen gehört, die nicht angegriffen werden, sondern in andere Teile der Welt reisen, um dort anzugreifen, erscheint mir der Soldatentod als normales Berufsrisiko.
Natürlich ist der persönliche Tod immer einer Tragödie für die Angehörigen, aber darüber hinaus kann ich keine spezifische soldatische Tragik erkennen.
Vielleicht bin ich unfair, weil mir alles widerstrebt, das gemeinhin positiv mit Soldatentum konnotiert wird.
Gehorsam, Befehle, Hierarchie, Uniformität, Patriotismus, Waffen, Gewaltanwendung, ritualisierte Männlichkeit, Orden, Sterne, Abzeichen, Wimpel, Ränge, Regeln, Gleichschritt, Kameradschaft, Homogenität und normierte Sprache kann ich nicht ausstehen.
Ich habe keinen Funken Nationalismus in mir; schätze Extravaganz und Individualität. All das was einen Mann zu einem schlechten Soldaten machen würde, ist mir sympathisch.
Genauso wenig taugte ich dazu bei Schützenvereinen, der Polizei, Rotariern, Bürgerwehren oder Freimaurern mitzumachen.
Ich stelle das neutral fest; wohlwissend, daß im Jahr 2016 natürlich Soldaten und Polizisten gebraucht werden; wohlwissend daß es gute individuelle Gründe geben mag einer Armee beizutreten.
Außerdem geht auch an Armeen die Zeit nicht vorbei. Sie wandeln sich. Stumpfes Exerzieren und Schießen sind schon lange keine ausreichenden Qualifikationen mehr. Es gibt Frauen in „der Truppe“, vermutlich gibt es sogar Wege sich gegen übermäßige Schikanen zu wehren.
Ich nehme an, daß im 21. Jahrhundert auch keine Vollidioten mehr Generäle werden können.
Sie müssen sich auf dem internationalen Parkett bewegen können, diplomatischen und technischen Verstand mitbringen.

Ein recht guter Offizier scheint der Zweisternchen-General Achim Lidsba zu sein.
Lidsba, 61, Generalmajor, ist seit 2011 Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Der Mann verweigerte einst den Wehrdienst und ist heute beliebt bei seinen Leuten. Er soll ein Kümmerer sein, der sich selbst wenig in Szene setzt und für die Untergebenen immer ansprechbar ist.

2005 bis 2006 kommandierte Lidsba das deutsche Kontingent am Hindukusch und hat am eigenen Leib erlebt wie grausam das sein kann.

Deshalb ist das Verständnis groß für die Männer und Frauen, die traumatisiert aus ihren Einsätzen zurückkommen. Sein Appell ist deutlich: "Noch immer gibt es zu viele Rückkehrer, denen der Mut fehlt, Schwächen zuzugeben. Als Vorgesetzter muss man das erkennen. Wir müssen in die Köpfe unserer Soldatinnen und Soldaten hineinbekommen, dass posttraumatische Belastungsstörungen keine Schwäche, sondern eine Krankheit sind. Und dass sie ärztlich behandelt werden müssen."
[….] "Für die Angehörigen ist es am schlimmsten", sagt er. "Wir Soldaten haben unsere prall gefüllte Tagesstruktur während der Einsätze. Und wenig Zeit, nachzudenken, zu reflektieren. Aber zu Hause, da sehen sie die Bilder von den Selbstmord-Attentaten oder den Erdbeben." Dennoch raten die erfahrenen Berufssoldaten den jungen, nicht zwischendurch nach Hause zu fahren. "Wenn man wieder los muss für drei Monate, ist der Abschied kaum auszuhalten", sagt der Führungsoffizier Lidsba. "Aber am Ende trifft jeder selbst die Entscheidung."

Als Generalmajor steht Lidsba eine große Villa zu, aber das schlug er aus und wohnt lieber ein einem winzigen Apartment auf dem Gelände der Führungsakademie. Was soll er mit einem repräsentativen Amtssitz, wenn er nur zum Arbeiten in Hamburg ist und in seiner Freizeit mit der Bahn nach Hause zu seiner Frau pendelt?
Seine Familie scheint ebenfalls wenig an soldatischem Pomp interessiert zu sein.

Stephan, der älteste Sohn, lebt mit Familie im pakistanischen Islamabad, von wo aus er politische und soziale Projektarbeit leitet.
Sohn Nummer zwei, Christian, ist Musiker. Seit ihm die Eltern Ende der 80er-Jahre eine spanische Gitarre schenkten – damals lebte die Familie in Brüssel, weil der Vater bei der Nato arbeitete –, war sein Berufswunsch klar. "Die Musikalität hat er nicht von mir", sagt er gleichwohl stolz. "Meine Frau spielt Klavier, von ihr hat er dieses Talent geerbt."
[….]  Sohn Nummer drei, Thomas, ist Polizist. Noch arbeitet er in Mecklenburg-Vorpommern, doch demnächst wechselt er nach Hamburg. "Bei der Bundeswehr war übrigens keiner von meinen Jungs", sagt Lidsba.

Für einen General ist dieser Typ offensichtlich ein ziemlich netter Mann.
Er hat allerdings nicht nur Fans.
Eine kann ihn gar nicht leiden.
Das ist Ursula von der Leyen, der Lidsbas demonstratives Understatement missfällt.
Sie möchte lieber Celebrity-Generäle, die für die Bundeswehr und die Ministerin werbend durch Talkshows und Empfänge ziehen.

Bevor jemand unnötig rätselt; der folgende Satz ist keine Satire, sondern völlig ernst gemeint:
Die Verteidigungsministerin entließ den General mit der Begründung, er gehe zu wenig auf Partys!

Völlig überraschend wird nach Informationen dieses Senders Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Achim Lidsba, zum 1. September ablösen und in den einstweiligen Ruhestand versetzen.
Der Entlassungstermin ist völlig unüblich, die Kurzfristigkeit der Ankündigung auch. [….] Lidsba habe die Bundeswehr auf dem Hamburger und Berliner Pakett nicht ausreichend vertreten, wird ihm vorgehalten. Er gilt nicht als Partylöwe und hat gesellschaftliche Verpflichtungen nicht sonderlich gerne wahrgenommen. [….] Lidsba hat die Führungsakademie innerhalb der NATO sehr eng vernetzt, was ihm hoch angerechnet wird. Und er hat eine enge Zusammenarbeit mit der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg begründet mit dem Ziel, dass die Soldaten nach ihrer Zeit an der Führungsakademie auch einen zivil verwertbaren Abschluss mitnehmen können. [….]

Was auf den ersten Blick absurd wirkt, hat auf den zweiten Blick durchaus Sinn.
Sie will Konkurrenten und Kritiker mundtot machen.

Von der Leyen will immer selbst glänzen und kann keine kompetenten Fachleute neben sich gebrauchen, wenn diese auch noch bei den Soldaten sehr beliebt sind.

Das ist die Kehrseite der Selbstverliebtheit von der Leyens; sie ist außerordentlich unbeliebt bei den Kollegen und in der Parteispitze, da sie über Leichen geht, um selbst gut auszusehen.
Sie übernimmt nie selbst Verantwortung für ihre Fehler, läßt immer andere die Suppe auslöffeln.
Auch innerhalb ihres neuen Ministeriums praktiziert die mögliche Merkel-Nachfolgerin die Methode, indem sie Staatssekretäre feuert.
Aber je länger sie den Posten innehat, desto schwieriger wird es für sie die permanenten Pannen auf andere abzuwälzen.

Es gibt einen weiteren Grund für die schäbige Lidsba-Abberufung.
Von der Leyen will offenbar ihrem treu ergebenen Günstling Carsten Breuer, der nur ein Sternchen hat, befördern und braucht daher eine angemessene Stelle, um ihn zum Zweisternchengeneral machen zu können.

[….] Carsten Breuer (51) ist Brigadegeneral, hat also „nur“ einen goldenen Stern auf den Schulterklappen. Damit es bald zwei werden, soll Breuer nun Nachfolger des bei der Truppe äußerst anerkannten Achim Lidsba werden. Breuer war zuletzt Unterabteilungsleiter „Politik I“ im Verteidigungsministerium und genoss die besondere Gunst der Ministerin.  Zum 1. September soll er jetzt in Hamburg antreten und vorher noch von  Ursula von der Leyen zum Generamajor befördert werden.
Intern wird der Ministerin bei diesem Personalwechsel „Respektlosigkeit“  gegenüber dem Afghanistan-Veteranen Lidsba vorgeworfen. Normalerweise werden Generäle im Fall der Versetzung in den einstweiligen Ruhestand nach Berlin befohlen, wo sie dann die Gründe in einem Vier-Augen-Gespräch von der Ministerin erfahren.
In diesem Fall bekam Lidsba in Hamburg aber nur zwei Anrufe von Generalskameraden aus Berlin, die ihm seine Absetzung knapp mitteilten.

Ein wahrlich miese Nummer den verdienten General Lidsba zwei Jahre vor seiner geplanten Pensionierung im Oktober 2018 rauszuschmeißen und dann noch nicht mal das Rückgrat zu haben ihm selbst zu sagen warum.

Die Kriegsministerin und Möchtegern-Merkel-Nachfolgerin ist nur deswegen so weit oben im Beliebtheitsranking, weil der Urnenpöbel zu desinteressiert ist, um zu wissen, was diese Frau treibt.

[….] Ursula von der Leyen ist eine Meisterin des politischen Marketings, und in diesem Sommer übertrifft sie sich wieder einmal selbst. Unverfroren nutzte die Verteidigungsministerin die tödlichen Schüsse von München, um in der ansonsten nachrichtenarmen Zeit die Debatte über Bundeswehr-Einsätze im Innern von Neuem zu beginnen. Doch es handelt sich um eine Scheindebatte. Ernsthaft zu diskutieren gibt es nichts.
Einsätze der Truppe im Fall einer sogenannten terroristischen Großlage? Wären ohnehin bereits zulässig - womit eine Grundgesetzänderung überflüssig ist. Die gemeinsamen Übungen von Polizei und Bundeswehr, die es künftig geben soll? Waren schon beschlossen, bevor die Schüsse von München fielen. Warum die Debatte trotzdem geführt wird? Weil sie für von der Leyen äußerst nützlich ist. [….]

Von der Leyen geht über Leichen, wenn es ihrer Karriere nützt.

Regierung und Koalition mißbrauchen Terroranschläge. Das darf nicht sein. [….] [….] Und jetzt will die BMV v. d. Leyen ein letztes Tabu der Nachkriegszeit schleifen, den Einsatz der Armee im Inneren - natürlich angeblich wieder nur zur Bekämpfung des Terrorismus. Wiederbewaffnung und Notstandsgesetze mit Bundeswehreinsatz im Inneren waren die großen Themen der unmittelbaren Zeit nach dem Krieg. Mit viel Demonstrationen und Widerstand wurden 1968 Grenzen für solche Einsätze im Grundgesetz erkämpft. Die sollen jetzt fallen. Im neuesten Weißbuch [Verfasser ist Einsternchenmann Carsten Breuer – T.] deuteten sich solche Pläne schon an. Entweder wird das geschehen durch eine Verfassungsänderung oder, wenn sich die Mehrheit dafür noch nicht findet, schleichend durch eine Praxis von Einsatzübungen. Wir sollen uns daran gewöhnen. Öffentlich begründet wird das alles durch die Notwendigkeit der Bekämpfung des Terrorismus. Lassen wir uns nichts vormachen. Diese Ministerin beschert uns fast unbemerkt schon Buwe-Bewaffnung mit Drohnen, die töten können.

Sonntag, 7. August 2016

Der Wille der Kanzlerin.



Das kenne ich jetzt seit 18 Jahren, nämlich seit Angela Merkel CDU-Generalsekretärin wurde.
In schöner Regelmäßigkeit beklagen sich Journalisten über ihre Vagheit, über ihr Schweigen.
Man kennt die Ansichten der Kanzlerin zu den meisten Themen gar nicht.

·        Terrorgefahr in Deutschland?
·        Bundeswehreinsätze im Inneren?
·        Umgang mit dem Brexit?
·        Visa-Freiheit für Türken?
·        Bekommt Deutschland ein Glasfasernetz?
·        Wird es ein Einwanderungsrecht geben? 
·        Muß das Rentenniveau wieder erhöht werden?
·        Brauchen wir Ceta?
·        Soll der BND weiter für die NSA spionieren?
·        Sollte EDEKA Tengelmann übernehmen dürfen?
·        Werden eigentlich irgendwann mal Stromtrassen von der Nordsee nach Bayern gebaut?
·        Ist der Flüchtlingsdeal mit der Türkei auch tot, wenn der Präsident die Todesstrafe einführt?
·        Wer wird der Nachfolger Joachim Gaucks?
·        Ist die Türkei ein sicheres Herkunftsland?

Merkel tut immer so, als ginge sie das alles gar nichts an.
Sollen sich doch die anderen Politiker darum streiten.
Natürlich wird Merkels Entscheidungsschwäche beklagt, verzweifelt auf ihre „Richtlinienkompetenz“ verwiesen und der Stillstand in Deutschland beweint.

Genauso regelmäßig treten aber die Claqueure der Kanzlerin auf den Plan und preisen ihr taktisches Geschick. Sie halte sich eben alle Wege offen, bleibe gerade deshalb handlungsfähiger und flexibler als andere.

Tatsächlich hilft Merkels Schweigen mit Sicherheit ihrem Machterhalt. Sie verprellt möglichst wenige und bietet als Kanzler-Präsidenten viel Projektionsfläche für das Gros der Wähler, die sich vor Veränderungen fürchten.
Das macht die CDU stark und eröffnet nebenbei auch noch Koalitionsoptionen mit fast jeder Partei.
Merkels Schweigen ist gut für sie, aber ganz schlecht für das Land, welches schon viel weiter sein könnte, wenn aus dem Kanzleramt Impulse kämen.

Ich bin ebenfalls ein Unterstützer des Merkelschen Schweigen, da ihre Entscheidungen üblicherweise so sagenhaft kontraproduktiv sind.
Die Kanzlerin trifft dabei nicht nur katastrophale Personalentscheidungen, sondern greift auch in der Sache grundsätzlich daneben – in den wenigen Fällen, in denen sie klar für eine Position eintritt:
·       
1996. Atomfan Merkel ignoriert Studien die zum gegenteiligen Ergebnis kommen und genehmigt als Umweltministerin zur Freude des Atomoligopols die katastrophal ungeeigneten „Endlager“ Morsleben, Asse und Gorleben; hebt damit ein zweistelliges Milliardengrab zu Lasten der Steuerzahler aus.

·        Februar 2003, Merkel reist zu ihrem legendären Bückling vor George W. Bush nach Amerika, schreibt in einem Beitrag für die Washington Post heftig gegen den Friedenskurs der Schröder-Regierung an und will unbedingt am Irak-Krieg teilnehmen.

·        Dezember 2003, Leipziger Parteitag, Merkel drückt das Konzept der zutiefst unsolidarischen Gesundheitskopfprämie von 200 Euro durch, außerdem soll es massive Steuererleichterungen für Superreiche geben, indem eine Flattax eingeführt werde.

·        April 2010, Merkel ruiniert auf Jahrzehnte die Wirtschaft in Griechenland, indem sie eine Umschuldung ausschließt und die EU auf einen harten Austeritätskurs zwingt.

·        August 2010, Atomfan Merkel lässt die Laufzeiten der Kernkraftwerke um 15 Jahre verlängern; steigt aus dem Atomausstieg aus.

·        März 2014, auf Betreiben Merkels setzt die EU widersinnige Sanktionen gegen Russland in Kraft, schließt die russische Regierung von internationalen Treffen aus und torpediert damit eine Lösung in vielen internationalen Problemen, die ohne Russland nicht zu beheben sind (Iran, Syrien, IS…)

Angela Merkel kann sich in Deutschland gut an der Macht halten, weiß wie sie hier Wahlen gewinnt.
Aber ihr politischer Instinkt ist nur auf ihr eigenes Wohl gerichtet.
In nahezu allen politischen Großkrisen versagt sie völlig.
Sie verfügt über keinerlei außenpolitisches Gespür. Unter ihrer Führung hat sich die EU in den Scherbenhaufen aus gegenseitigen Misstrauen entwickelt, der sie 2016 ist.

Die Kanzlerin debakuliert aber nicht nur, sondern setzt eher unbemerkt von der Presse völlig falsche Akzente. Sie fügt der Welt großen Schaden zu.

·        Merkel ist die große Förderin der klimaschädlichen Autoindustrie Deutschlands.

·        Merkel schwang sich zu der großen Lobbyistin für Waffenexporte in Krisenregionen auf.

·        Merkel beschleunigt das Verarmen der Armen und den Vermögenszuwachs der Superreichen; mit ihr klafft die soziale Schere immer radikaler auseinander.

·        Merkel ist inzwischen die größte internationale Bremserin in der Klimapolitik, schwänzt demonstrativ Klimagipfel, um währenddessen den Industriebossen zu huldigen – zum Schaden der nachfolgenden Generationen.

Merkel ist für den Steuerzahler richtig teuer. Zur Freude der Atomlobbyisten, sorgt sie dafür, daß der Staat eine dreistellige Milliardensumme beim Umgang mit dem Atommüll übernimmt, während die Herren von RWE, EnBW,, Vattenfall und Eon ihre Gewinne horten.

[…..] Auf insgesamt 170 Milliarden Euro sollen sich die Gesamtkosten allein bis zum Ende dieses Jahrhunderts belaufen - nach offizieller Schätzung. Die Recherchen von Jan Schmitt zeigen jedoch: Es wird wohl deutlich teurer werden, zulasten der Steuerzahler. Die Behauptung, Atomstrom sei billig, entlarvt sich damit nach Meinung vieler Experten als Lüge.
Die Reportage führt an Orte, an dem die Altlasten der Atomenergie besonders gut sichtbar werden: zu den abgeschalteten Atomkraftwerken nach Biblis und Greifswald sowie 750 Meter unter die Erde, ins marode ehemalige Endlager Asse. Jan Schmitt war dabei, als die Konzerne Anfang des Jahres vor das Bundesverfassungsgericht zogen, um den Staat auf Schadenersatz für den Atomausstieg zu verklagen, obwohl sie jahrzehntelang Milliarden mit der Atomwirtschaft verdient haben. Und der Film zeigt, wie in diesem Jahr der vorerst letzte große Deal zwischen Politik und Konzernen über die Bühne ging. Ein Deal, der die Experten zu einem einhelligen Urteil kommen lässt: Den Großteil der Kosten für den Atomausstieg wird am Ende der Steuerzahler tragen müssen.
Aber es geht um noch mehr: "Der große Atom-Deal" führt vor Augen, wie eng Politik und Atomkraftkonzerne beim Atomausstieg zusammen gearbeitet haben, und wie den Konzernen von Regierungspolitikern der Boden bereitet wurde für milliardenschwere Schadenersatzklagen. […..]

Das ist Merkel-Politik.
Es wäre so schön, wenn sie einfach schwiege, nichts täte.
Stattdessen bürdet sie dem Steuerzahler Zahlungen über 100 Milliarden Euro auf und sorgt dafür, daß die Gewinne derjenigen, die die Kosten verursacht haben, unangetastet bleiben.