Donnerstag, 28. Juli 2016

Dritter DNC-Tag



Hillary Clinton sollte eigentlich mit Leichtigkeit gegen so einen hochverlogenen demagogischen Rassisten wie Donald Trump gewinnen.
Im Rest der Welt wird dementsprechend auch gar nicht verstanden, wieso der Milliardär mit den sagenhaft schlechten Manieren überhaupt eine Chance bekommt; ja in Umfragen sogar vor Clinton liegt.

Nur in Amerika kann man begreifen wie das seit 25 Jahren über ihr ausgekübelte republikanische Hass-Gift wirkt. Hillary ist extrem unbeliebt.

[…..] 68 Prozent halten sie für unehrlich. So schlecht wurde die Ex-Außenministerin niemals bewertet (im Mai waren es 59 Prozent) und damit liegt Clinton deutlich hinter Trump - den ständig lügenden Milliardär halten 43 Prozent für ehrlich. Die Werte dürften sich ändern nach dem Parteitag, aber sie belegen eines klar: Die Dämonisierung der Republikaner ("Sperrt sie ein") wirkt zumindest kurzfristig und wird weiter gehen.
Sie war nie unbeliebter. Das Umfrageinstitut Gallup misst seit 24 Jahren die Popularität von Hillary Clinton, und mit 38 Prozent Zustimmung war sie nie unbeliebter als im Juli 2016. Wenn es nach dem Parteitag also Meldungen gibt, wonach sie an Beliebtheit zulegt, dann heißt das wohl von "schlecht" auf "ziemlich mies". […..]

Als jemand, der in Deutschland lebt und daher ständig schlechte, dröge, uninspirierte Reden hört, ist der demokratische Nominierungsparteitag allerdings eine Wohltat. Merkel habe ich schon so unendlich oft ihre immer gleichen völlig nichtssagenden Bausteinsätzchen von sich geben hören.
Ganz abgesehen von den politischen Inhalten, ist es einfach angenehm auch mal sympathische Politiker zu sehen - im Gegensatz zu den schrecklichen GOPern, die man durch das Vorwahlprozedere ständig vor Augen hatte.
Außerdem verfolge ich die Convention als Hobby-Liguistiker und erfreue mich an dem so viel höheren Sprachniveau, als dem, das man aus Deutschland kennt.


Dienstag der sagenhafte Auftritt des Ausnahme-Rhetors Bill Clinton.

Am Mittwoch wurde runnig mate Tim Kaine vorgestellt, der mir am meisten mit seinen linkischen Armbewegungen vor seiner Rede in Erinnerung bleib.
Ich finde es sogar schon lächerlich, wenn Clinton mit aufgerissenem Mund immer wieder mit ausgestrecktem Arm ins Publikum zeigt. Klar, das soll Verbundenheit mit dem Auditorium symbolisieren, wirkt auf mich aber absurd.
Kaine ist aber noch viel schlimmer:
Was soll bloß dieses alberne triumphierende Boxergehabe?





Seine Rede zeigte aber, wieso er als VP gepickt wurde.
Er ist sehr fromm, setzt sich für soziale Dinge ein, war Gouverneur im wichtigen Swingstate Virginia und heiratete in eine prominente republikanische Partei ein.
Schwiegervater Abner Linwood Holton, 93, wurde als 61st Governor of Virginia, from 1970 to 1974 eine republikanische Legende und saß nun im Auditorium, um für die Demokraten zu werben.
Das mag den ein oder anderen überzeugten GOPer mit Trump-Zweifeln doch zum Wechsel bewegen.

 In dieser Hinsicht aber noch effektiver dürfte Michael Bloombergs Auftritt bei der DNC zu sein.
Der ehemalige Republikaner wurde weltberühmt, weil er nach 9/11 zwölf Jahre als New Yorker Bürgermeister amtierte und so demonstrierte, daß er in einer urdemokratischen multikulturellen Stadt gewählt und geachtet werden kann.
Darüber hinaus ist Bloomberg genau wie Trump New Yorker und Milliardär.
Er ist aber mit rund 42 Milliarden noch viel reicher als Trump und daher dürfte seine scharfen Angriffe auf den GOP-Präsidentschaftskandidaten besonders quälend gewesen sein.
Bloomberg sprach aus der Perspektive des Geschäftsmannes.

[….] Most of us who have created a business know that we're only as good as the way our employees, clients, and partners view us. Most of us don't pretend that we're smart enough to make every big decision by ourselves. And most of us who have our names on the door know that we're only as good as our word. But not Donald Trump.
Throughout his career, Trump has left behind a well-documented record of bankruptcies, thousands of lawsuits, angry shareholders, and contractors who feel cheated, and disillusioned customers who feel ripped off. Trump says he wants to run the nation like he's run his business. God help us.
I'm a New Yorker, and New Yorkers know a con when we see one! Trump says he'll punish manufacturers that move to Mexico or China, but the clothes he sells are made overseas in low-wage factories. He says he wants to put Americans back to work, but he games the US visa system so he can hire temporary foreign workers at low wages. He says he wants to deport 11 million undocumented people, but he seems to have no problem in hiring them. What'd I miss here?!
Truth be told, the richest thing about Donald Trump is his hypocrisy.[….]


"Ich verstehe den Reiz, einen Geschäftsmann als Präsidenten zu haben", legt Bloomberg los, "aber Trumps Plan wäre ein Desaster mit Ansage." Gute Unternehmer würden erkennen, dass sie nur so gut sind, wie ihre Geschäftspartner, Mitarbeiter und Klienten sie sehen. Dass sie nicht jede Entscheidung alleine treffen könnten. Dass sie nur so viel wert seien wie das Wort, das sie geben.
Trump habe als Unternehmer dagegen verbrannte Erde hinterlassen und sei mehrmals bankrott gewesen. "Er sagt, er will diese Nation wie sein Geschäft führen. Gott steh uns bei!" Trump rede von Handelsbeschränkungen und ließe seine Waren in Schwellenländern fertigen; wettere gegen Einwanderer und würde gleichzeitig Visa für Niedriglohn-Arbeiter für seine Firmen beantragen. Seine Politik sei fatal und Trump vor allem ein Heuchler. Und Bloomberg geht sogar noch weiter: "Ich bin ein New Yorker und ich erkenne einen Betrüger, wenn ich ihn sehe."
Clinton sei nicht perfekt, aber sie verstehe, dass die Welt kein Reality-TV, sondern die Realität sei. Trump dagegen sei "risikoreich, rücksichtslos und radikal". Genau deshalb müssten unabhängige Wähler der Demokratin im November die Stimme geben. "Lasst uns gemeinsam eine geistig gesunde, kompetente Person wählen", schließt er.
[…..]  Bloomberg ist damit der erste prominente Politiker, der offen Trumps geistigen Zustand in Frage stellt. Und er greift den Republikaner so hart an wie noch kein anderer Redner dieses Parteitags. […..]

Man sollte meinen, daß Bloombergs Auftritt eine Wirkung wie Donnerhall bei den GOPern hinterlassen haben müßte.
Allerdings wurde er deswegen auch von den meisten konservativen Medien verschwiegen. Der wichtigste rechte Sender FOX-News zeigte diese erstaunliche  Rede gar nicht.

Und dann kam noch Barack Obama.
Viele hatten schon Montagabend gesagt, Barack Obama sei nur der zweitbeste Redner in der Familie, nachdem Michelle so brilliert hatte.

Ich bezweifele das.
Präsident Obamas Parteitagsrede zur Wahl Hillary Clintons war ein Meisterwerk.

In diesem Blog habe ich seit Jahren Obamas Politik, insbesondere seine Außenpolitik scharf kritisiert.
Ich bin noch nicht mal extrem enttäuscht von ihm, weil ich nie zu seinen großen Fans gehörte.
Davon einmal abgesehen schätze ich es aber sehr, daß er im Gegensatz zu GWB wenigstens bella figura macht, gut aussieht, sich fabelhaft ausdrücken kann, ein belesener und gebildeter Typ ist.
Zudem ist Obama die Inkarnation eines gepflegten Typs.  Seine Anzüge sind nicht faltig, er bewegt sich elegant, hat wunderbare Hände und würde sicherlich auch nie wie Papst Franz oder Angela Merkel beim Nasenpopel-Fressen gefilmt werden. Wenn ich nur an Merkels chronisch ungepflege abgekaute Fingernägel denke, kriege ich die Krise und erfreue mich umso mehr an Obamas Erscheinung.
Sicher, das mag wie auch mangelhafte Rechtschreibung kein hartes Kriterium sein, aber ich meine es nur partiell ironisch, wenn ich diese Äußerlichkeiten erwähne.
Jemand, der so sehr in der Öffentlichkeit steht und sich dennoch nicht darum schert ungepflegt auszusehen, oder präpubertäre Frisuren wie Trump, Wilders oder Johnson spazieren führt, versteht seinen Job nicht richtig.

Der gegenwärtige US-Präsident hatte nun die schwierige Aufgabe zu erklären wie erfolgreich er war, so daß man diese Politik mit Clinton fortsetzen sollte, und gleichzeig auch zu verdeutlichen welches Clintons eigene Pläne sind wieso die Demokraten in den letzten acht Jahren so vieles nicht umsetzen konnten.

….after almost two terms as your president, to tell you I am more optimistic about the future of America than ever before. (Applause.) How could I not be -- after all that we’ve achieved together?  After the worst recession in 80 years, we fought our way back. We’ve seen deficits come down, 401(k)s recover, an auto industry set new records, unemployment reach eight-year lows, and our businesses create 15 million new jobs. (Applause.)
After a century of trying, we declared that healthcare in America is not a privilege for a few, it is a right for everybody. (Applause.) After decades of talk, we finally began to wean ourselves off foreign oil. We doubled our production of clean energy. (Applause.) We brought more of our troops home to their families, and we delivered justice to Osama bin Laden. (Applause.) Through diplomacy, we shut down Iran’s nuclear weapons program. (Applause.) We opened up a new chapter with the people of Cuba, brought nearly 200 nations together around a climate agreement that could save this planet for our children. (Applause.)
We put policies in place to help students with loans; protect consumers from fraud; cut veteran homelessness almost in half. (Applause.) And through countless acts of quiet courage, America learned that love has no limits, and marriage equality is now a reality across the land. 

Als Drittes hatte er dem extrem düsteren, pessimistischen, ja geradezu apokalyptischen Amerika-Bild der Republikaner etwas entgegen zu setzen.

Geschickt setzte er den Republikanern, die immer noch extrem gegen Marriage-equality, gegen das Recht auf Schwangerschaftsunterbrechung, gegen Einwanderung kämpfen, diese Dinge als positive Errungenschaften entgegen.

It can be frustrating, this business of democracy. Trust me, I know. Hillary knows, too. When the other side refuses to compromise, progress can stall. People are hurt by the inaction. Supporters can grow impatient and worry that you’re not trying hard enough; that you’ve maybe sold out.  But I promise you, when we keep at it, when we change enough minds, when we deliver enough votes, then progress does happen. And if you doubt that, just ask the 20 million more people who have healthcare today.  (Applause.) Just ask the Marine who proudly serves his country without hiding the husband that he loves. 

Die GOPer empfehlen bekanntlich einen strong leader.

Ronald Reagan called America “a shining city on a hill.”  Donald Trump calls it “a divided crime scene” that only he can fix. It doesn’t matter to him that illegal immigration and the crime rate are as low as they’ve been in decades -- (applause) -- because he’s not actually offering any real solutions to those issues. He’s just offering slogans, and he’s offering fear. He’s betting that if he scares enough people, he might score just enough votes to win this election.
And that's another bet that Donald Trump will lose.  (Applause.) And the reason he'll lose it is because he’s selling the American people short. We're not a fragile people. We're not a frightful people. Our power doesn’t come from some self-declared savior promising that he alone can restore order as long as we do things his way.  We don’t look to be ruled. (Applause.) Our power comes from those immortal declarations first put to paper right here in Philadelphia all those years ago: We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal; that We the People, can form a more perfect union.

Obama mußte den Spagat schaffen Clinton als erfahrene, bestens präparierte Kraft und gleichzeig auch frische und neue Kandidatin vorzustellen.

And that is why I have confidence, as I leave this stage tonight, that the Democratic Party is in good hands. My time in this office, it hasn’t fixed everything. As much as we’ve done, there’s still so much I want to do. But for all the tough lessons I’ve had to learn, for all the places where I’ve fallen short -- I’ve told Hillary, and I’ll tell you, what’s picked me back up every single time: It’s been you. The American people.

Es gelang ihm mit Bravour.

So persönliche, streckenweise pathetische, idealistische Reden passen nicht zu Deutschland. Ich würde das gar nicht wollen.
Aber es ein Genuss mal jemand zu hören, der das kann, der 45 Minuten nicht langweilt.
Der mitreißt.


Ich kann es nicht mehr hören, daß gerade deutsche Linke immer wieder behaupten, es mache keinen Unterschied, ob Republikaner oder Demokraten in Amerika regierten.

Dazu muß man sich nur anhören mit wieviel Leidenschaft jeder Redner, inklusive Clinton, Kaine und Obama Schwulenehe begrüßt, für Obamacare wirbt, gegen die NRA wettert.
Es liegen Welten zwischen diesen Parteien.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Zweiter DNC-Tag



Im Jahr 1787 trafen sich die „founding fathers“ der USA, um eine Verfassung zu diskutieren.
Auch im 21. Jahrhundert gibt es kaum eine große politische Rede in Amerika, die nicht voller Stolz auf die „constitution“ verweist, die nun fast 230 Jahre in Kraft ist. In der vergleichsweise jungen Nation USA gilt also eine der ältesten Verfassungen der Welt.
Auch wenn die US-Republikaner fast geschlossen das Gegenteil behaupten und sich als christliche Nation verstehen, ist die constitution ein bewußt säkuklares Werk ohne Gottesbezug.
Die einige Jahre später hinzu gefügte „Bill of Rights“ mit ihren bis heute hochgradig kontrovers interpretierten Zusatzartikeln ist ein weiteres amerikanisches Heiligtum.

Noch älter ist die weltberühmte Unabhängigkeitserklärung vom 04.07.1776, die bis heute den amerikanischen Nationalfeiertag bestimmt.
In der Präambel steht der billionenfach zitierte Satz:

„We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.“

Die Rede ist also von Männern.
Weißen Männern.
Männliche „African Americans“ durften offiziell nach dem Bürgerkrieg ab 1870 auch wählen. Theoretisch. Viele Bundesstaaten erließen aber spezielle Gesetze, die Schwarze von der Wahl ausschlossen.
Es dauerte bis 1968 und bedurfte des Mutes von Menschen wie der legendären Rosa Parks, das allgemeine Wahlrecht für alle Rassen durchzusetzen.
Als Barack Obama 1961 geboren wurde, war es in den meisten Bundesstaaten, zB auch in Washington DC, noch illegal gemischtrassig zu heiraten.

Das volle Wahlrecht für alle Frauen ist in den USA noch nicht mal 100 Jahre alt und wurde erst 1920 eingeführt.

LGBTI-Rechte standen sogar erst im 21. Jahrhundert auf dem Plan und sind auch 2016 noch heftig umstritten.

Es dauerte also von 1776 aus betrachtet wirklich extrem lange bis die certain unalienable Rights tatsächlich in die Realität umgesetzt wurden, bzw noch werden.
Der Grund für diese Jahrhunderte währende Verzögerung liegt in den gewaltigen Beharrungskräften der religiösen Konservativen und Kirchen, die sich stets vehement gegen Menschenrechte für alle stemmen.

Vom ersten US-Präsidenten George Washington (30. April 1789 - 4. März 1797) bis zur Nummer 43, GWB (20. Januar 2001 - 20. Januar 2009) blieben alle Amtsinhaber weiße männliche Christen, wenn es auch bei Lincoln und Jefferson Zweifel gibt.
Für einen bekennenden Atheisten ist die Zeit immer noch nicht reif.
Aber Barack Obama hatte nur ein weißes Elternteil, erfüllt aber noch die Kriterien „Penis“ und „Christ.“

Unglaublich, aber angesichts des bisherigen Geschlechterverhältnisses von 44:0 für die Männer, befürchten Trump-Supporter schon, mit der Wahl Clintons könnten Jungs benachteiligt werden.

Donald Trump surrogate Scottie Nell Hughes lashed out at Democratic presidential nominee Hillary Clinton on Wednesday for failing to acknowledge that boys could grow up to be president after her historic nomination.
After Hillary Clinton became the first female nominee for president on Tuesday, Hughes argued on CNN the next morning that it was “sexist” for women to vote for Clinton “just because she’s a woman.”
“Hillary Clinton, when she was in that room of girls, said if you’re a daughter or if you’re a girl you could be president too,” Hughes observed, “this would have been an excellent opportunity to say, ‘You know what, whether you are a boy or a girl, both of you, my job will be to make sure it’s equally an option for both of you.'”
“That’s the problem,” she continued. “We’ve continued to say we want equality, we want equal but we then tear down one group and tried to build up another. That’s what I heard last night.”
Hughes remarks were met with quizzical looks from the CNN panel.

“So was Hillary Clinton tearing down men?” CNN’s Carol Costello wondered.

“I think she was,” Hughes insisted. “What about my son? Does my son from what she said — your daughter can become one as well — I immediately [thought] what about making it equal so both of them have the opportunity? Why is it that she’s going to sit there and put favor on one?”

Hillary Clinton und die Demokraten haben also Recht, ihre Nominierung als „historisch“ zu bezeichnen.

Klar, für deutsche Verhältnisse ist es kitschig was die US-Demokraten am zweiten Tag ihrer Convention nach der so gelungenen Inszenierung des Ersten aufgeführt haben, aber in der Halle blieben wenige Augen trocken.


In den TV penals wurde richtigerweise immer wieder betont, daß Hillary Clinton die wohl unbekannteste weltbekannte Persönlichkeit wäre.

Diesem Phänomen widmete sich dieses Jahr schon eine ausführliche SPIEGEL-Titelgeschichte.
Über 40 Jahre betreibt Mrs. Clinton Politik, setzte sich kontinuierlich für die Benachteiligten ein.
Im konservativen Arkansas erlebte sie dabei als Gouverneursgattin auf wie viel Widerstand man dabei trifft und legte sich einen Panzer zu.
Welche Wunder bei dem ungefilterten Hass, der ihr seit 1992 bundesweit entgegenspringt.

[…] Es ist eine sehr männ­li­che Art, Po­li­tik zu ma­chen. Clin­ton be­herrscht sie be­mer­kens­wert gut, wirkt da­bei aber oft un­nah­bar und ar­ro­gant.

Die Hil­la­ry, die Ver­veer be­schreibt, hat we­nig ge­mein mit der Po­li­ti­ke­rin Clin­ton. Ver­veer zeich­net das Bild ei­ner warm­her­zi­gen Frau mit viel Mit­ge­fühl für an­de­re Men­schen. Sie sei zwar ein „wonk“, so Ver­veer, eine Aktenfres­se­rin, ein Nerd, ver­liebt in die De­tails von Po­li­tik. Aber sie kön­ne auch lei­den­schaft­lich und über­ra­schend lus­tig sein. „Wenn sie et­was ko­misch fin­det, lacht sie manch­mal ge­ra­de­zu hys­te­risch.“ Es sind Sei­ten, die Hil­la­ry Clin­ton nicht öf­fent­lich zeigt, die sie er­stickt in ih­rem Be­mü­hen um Kon­trol­le. War­um ist das so? [….]

Gestern nun war es an Bill Clinton, einem der erfolgreichsten Präsidenten des 20. Jahrhunderts das Ruder herum zu drehen.

Mr. Clinton kann das. Das bewies er 2012, als er Barack Obama die Wiederwahl sicherte. In seiner legendären Rede fand der Ex-Präsident die Worte, die es brauchte.

An dieser Stelle sei erwähnt, daß das vielgescholtene Amerika auf politischer (demokratischer) Ebene mit erstaunlich guten Rednern glänzt.
Allein in den letzten Tagen erlebte ich Dutzende Reden, die rhetorisch auf einem Niveau waren, von dem dröge Langweiler wie Hollande oder Merkel oder Kauder oder Gauck nur träumen können.
Beide Obamas sind begnadete Redner, aber vermutlich ist der Geschichtenerzähler Bill Clinton weltweit der beste politische Rhetor überhaupt.
Nach wie vor vertrete ich übrigens die These, daß Bill Clinton (vergl. Joe Klein: „Das Naturtalent“) der intelligenteste und gebildetste amerikanische Präsident seines Jahrhunderts war.

Herr Clinton, inzwischen deutlich gealtert, mit brüchigerer Stimme, sollte also gestern seine Frau bewerben und das erzählen, was man noch nicht über sie wußte.

Er tat das in bester Südstaaten-Erzähltradition, man fühlte sich an Harper Lee und Mark Twain erinnert.
Es war eine völlig andere Rede als seine Convention-Speech von 2012.
Ein erzählerisches Meisterwerk meiner Meinung nach.
Da war alles drin, Wärme, Persönliches, ein großer Spannungsbogen, äußerst geschickte Vereinnahmungen der verschiedenen US-Staaten, elegante Hiebe auf Trump, ohne dessen Namen zu nennen und eine flammende Wahlkampfempfehlung.
Viele Kommentatoren waren anschließend richtig gerührt und selbst die, die Hillary persönlich kannten, beeindruckte wie viel neue Informationen der mutmaßliche neue First Husband preisgab.


Wie so oft stelle ich bei Nachbetrachtungen eines Ereignisses fest, daß Profi-Kritiker offenbar etwas anderes hörten, als ich.

Veit Medick sieht die Angelegenheit kritisch, glaubt offenbar Clinton habe erst während seiner Rede überlegt was er sagen solle.
Nörgelt, er habe seine angeblichen außerehelichen Affären verschwiegen.

Vielleicht wurde bei Spiegel-Online nicht ganz verstanden, daß wir nicht mehr beim RNC sind und Hillary schlecht machen wollen, sondern daß jetzt DNC ist und dabei für Hillary geworben wird.
Und BTW, Medick, weder geht das Sexualleben eines Expräsidenten die Öffentlichkeit etwas an, noch spielt das auch nur die geringste Rolle für die Qualifikation Hillarys.

Der Ex-Präsident stellt seine Frau als linke Kämpferin vor, die sich schon während ihrer Zeit an der Yale-Universität für benachteiligte Kinder und für gleiche Bildungschancen einsetzte. Ein geschickter Zug, denn die Präsidentschaftskandidatin gilt vielen in ihrer Partei heute als Vertreterin des rechten Flügels. Hillary hat auch eine andere Seite, so die Botschaft ihres Ehemanns. "Sie hat immer schon das Leben der Menschen besser gemacht. Sie ist die beste Agentin des Wandels, die ich jemals getroffen habe", ruft er.

Dienstag, 26. Juli 2016

Erster DNC-Tag.



Das war gut. Nach Monaten des puren Wahnsinns aus dem GOPer Lager und dem blanken Hass, der von ganz links bis ganz rechts auf Hillary Clinton einprasselt, hatte ich offensichtlich schon in meinem Unterbewußtsein abgespeichert, daß alle Amis irre sind.

Aber ich habe mir letzte Nacht den ersten Tag der demokratischen Convention in Philadelphia von A bis Z, inklusive der obligatorischen a posteriori CNN-panels angesehen.
Jede einzelne Rede.
Warren war etwas schwächer als ich erwartete.
Ohnehin bin ich kein Freund von Bernie Sanders als Redner. Ich finde ihn rhetorisch grauenhaft.
Er beschränkte sich aber nicht auf die simple Argumentation - Hillary ist wenigstens nicht so schlimm wir Trump - sondern listete en Detail inhaltlich auf, wieso er stolz für Hillary stimme.
Die Partei habe sich unter dem Einfluss seines „Struggles“ und seinen 13 Millionen Wählern weit bewegt.
Eine ganze Kaskade von klar progressiven und liberalen Ansichten sind nun offizielle Parteilinie.

This election is about overturning Citizens United, one of the worst Supreme Court decisions in the history of our country. That decision allows the wealthiest people in America, like the billionaire Koch brothers, to spend hundreds of millions of dollars buying elections and, in the process, undermine American democracy.

Hillary Clinton will nominate justices to the Supreme Court who are prepared to overturn Citizens United and end the movement toward oligarchy in this country. Her Supreme Court appointments will also defend a woman’s right to choose, workers’ rights, the rights of the LGBT community, the needs of minorities and immigrants and the government’s ability to protect the environment.

If you don’t believe this election is important, if you think you can sit it out, take a moment to think about the Supreme Court justices that Donald Trump would nominate and what that would mean to civil liberties, equal rights and the future of our country.

This election is about the thousands of young people I have met who have left college deeply in debt, and the many others who cannot afford to go to college. [….]

This election is about climate change, the greatest environmental crisis facing our planet, and the need to leave this world in a way that is healthy and habitable for our kids and future generations. [….]

This campaign is about moving the United States toward universal health care and reducing the number of people who are uninsured or under-insured. [….]

Sehr wichtig auch, daß Sanders noch einmal klar machte, wie viel besser die Lage in Amerika nach siebeneinhalb Jahren demokratischer Regierung geworden ist – verglichen zu den GWB-Jahren.

This election is about remembering where we were 7 1/2 years ago when President Obama came into office after eight years of Republican trickle-down economics.
The Republicans want us to forget that as a result of the greed, recklessness and illegal behavior on Wall Street, our economy was in the worst economic downturn since the Great Depression. Some 800,000 people a month were losing their jobs. We were running up a record-breaking deficit of $1.4 trillion and the world’s financial system was on the verge of collapse.
We have come a long way in the last 7 1/2 years, and I thank President Obama and Vice President Biden for their leadership in pulling us out of that terrible recession.
Yes, we have made progress, but I think we can all agree that much, much more needs to be done.

Es sind eben nicht nur Personen, sondern die Demokraten stehen inhaltlich in fast jedem Aspekt für etwas ganz anderes als die GOPer.

Die große Sanders-Unterstützerin Sarah Silvermann nannte es völlig zu Recht lächerlich, wenn jetzt immer noch Feel-the-Bern-Leute aus Frust über ihre Niederlage Clinton die Unterstützung verweigerten und dann lieber Trump im Weißen Haus sähen.

Abgesehen von Warren und Sanders waren alle anderen Redner richtig gut.

Durch die über 60 Beiträge zog sich ein ganz klarer Gegenentwurf zum Hass-Parteitag der GOPer, auf dem jede inhaltliche Aussage vermieden und dafür nur der Gegner dämonisiert wurde.


Der erste DNC-Tag war eine gelungene Veranstaltung, bei der positive und inhaltliche Signale gesetzt wurden.
Man hat sich nicht auf das Niveau der Gegenerbeschimpfung herabgelassen.
Das war keine Negativ-Convention wie bei den GOPern, sondern es wurden positive, perspektivische Signale gesetzt.

US-Senator Cory Booker, 47, aus New Jersey begeisterte mit seiner optimistischen Rede das Convention Center wie 12 Jahre zuvor ein unbekannter Jungsenator namens Barack Obama.

Nicht viele Zuschauer konnten unberührt bleiben von Michelle Obamas persönlicher Empfehlung für Hillary Clinton.

Für europäische Verhältnisse war die Ansprache der First Lady sehr emotional und eher unpolitisch. Aber in Amerika dürfte sie genau den richtigen Ton getroffen haben. Jeder Ami, der kein Hardcore-Republikaner ist, lag ihr anschließend zu Füßen.


Ich gebe zu, daß auch ich beeindruckt davon bin, wenn ein Kandidat Amerika zurück in die 1950er Jahre führen will, als Schwule, Schwarze und Frauen noch nichts zu melden hatten, von einer schwarzen First Lady belehrt wird, daß die USA eben nicht total runtergekommen sei wegen der Diversität, sondern größer als je zuvor wäre.

The story that has brought me to this stage tonight. The story of generations of people who felt the lash of bondage, the shame of servitude, the sting of segregation, but who kept on striving and hoping and doing what needed to be done so that today, I wake up every morning in a house that was built by slaves. And I watch my daughters, two beautiful, intelligent, black young women, playing with their dogs on the White House lawn. And because of Hillary Clinton, my daughters and all our sons and daughters now take for granted that a woman can be president of the United States.

Die Parteitags-Inszenierung war durchaus beeindruckend.
Wie man illegalen Immigranten, Behinderten und Schwulen eine Stimme gab und sie im direkten Kontrast zu Trumps Abscheulichkeiten bejubelte.
Stronger together.

Da bleiben kaum Augen trocken, wenn man direkt nacheinander sieht, wie Trump sich über Behinderte lustig macht und anschließend die Demokraten Anastasia Somoza die Bühne bereiten.


Es sagt schon viel über die charakterliche Verkommenheit der Millionen Trump-Fans aus, daß sie ihm seine Widerwärtigkeit gegenüber NYT-Mann Serge F. Kovaleski durchgehen lassen.



Wenn das so weiter geht, wähle ich im November nicht nur aus Mangel an Alternative Hillary, sondern voller Überzeugung und Begeisterung.

Nur Paul Simon ist irgendwie außer Form...