Montag, 2. Juni 2014

Neues von TVE – Teil X




Zuverlässig wie ein Uhrwerk schaufelt er  das Loch, in dem er sitzt kontinuierlich immer tiefer.
Nach einer Kaskade von Lügen und Unverschämtheiten hat er immer noch nicht auch nur ansatzweise verstanden was er angerichtet hat.
Vielleicht wird er zur Kenntnis genommen haben, daß er sich weltweit zum Witzbischof gemacht hat, der rund um den Globus für seine Prunksucht ausgelacht wird.

Das letzte, das wir von unserem Lieblingsbischof erfuhren, war sein stures Sitzenbleiben in seiner Limburger Prachtbehausung.

TVE verläßt sich auf seine extrem mächtigen Freunde Kardinal Müller und Kurienerzbischof Gänswein.
Trotz anderslautender Anweisungen des Papstes bleibt er einfach in seiner luxuriösen Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg hocken.
Er will nicht all die Annehmlichkeiten, die millionenschwere Kunstsammlung, seine private Reliquienkammer und den schönen TVE-Privatgarten verlassen.
In Limburg hat sich auch Monate nach seinem Rausschmiss nichts geändert. All die ultrakonservativen TVE-Zuarbeiter sitzen weiterhin an den Schaltstellen der diözesanen Macht.
Seit Oktober hat Tebartz-van Elst in Limburg nichts mehr zu sagen, im März entband ihn Papst Franziskus endgültig von seinem Amt. Doch die Ära des luxus- verliebten Bischofs scheint noch nicht vorbei. „Von den versprochenen Reformen, von mehr Transparenz und Ehrlichkeit ist wenig zu spüren“, sagt Hubertus Janssen, ein pensionierter Gefängnispfarrer. […] Im Domkapitel sitzen immer noch dieselben hohen Herren, die Tebartz-van Elst einst wählten und den Bau seiner 31-Millionen-Euro- Residenz unkritisch begleiteten. Auch Franz-Peter Tebartz-van Elst kann von seinem Lebenswerk nicht lassen. Er speist, wohnt und schläft bis heute in seinem Luxusbau. […] Neue Bauvorhaben, umstrittene Immobiliengeschäfte, Kontinuität in der Personalpolitik: Seit Wochen staut sich der Unmut unter den Limburger Seelsorgern. Doch bislang finden sie kein Ventil. Der Priesterrat des Bistums kann nicht tagen, solange kein neuer Bischof berufen ist. Und das Domkapitel berät wie stets hinter verschlossenen Türen. Eine offene Diskussion über Kandidaten für die Tebartz-Nachfolge findet nicht statt.
(Der SPIEGEL Nr. 21/2014 s. 40)

Aber wie lange kann TVE das durchziehen, wenn zwei Bistümer weiter, in Regensburg beim 99. Katholikentag der große Neuanfang gefeiert wird und der bescheidene Papst Franz jetzt schon als nächster Heiliger verehrt wird?

Der eben schon erwähnte Pfarrer Janssen schrieb schon vor Monaten in einem Aufsatz für die ZEIT was das Problem ist:
Kein Gläubiger in Limburg traut der Amtskirche noch.
Bischof Tebartz-van-Elst, aber auch das ganze Domkapitel inklusive des von Rom auserkorenen Bischofsvertreters Weihbischof Grothe werden allesamt für abgehobene Lügner gehalten. Das was meiner atheistischen Ansicht nach eine völlig richtige Einschätzung der Katholischen Oberhirten ist, wird auf einmal auch von den Tiefgläubigen geteilt.
Damit hat die RKK ein echtes Problem.

Zunächst gab es eine große Bereitschaft, mit dem neuen Bischof zu arbeiten, denn es standen schwierige Aufgaben an. Alle sollten sparen und zugleich erneuern. Meine Gemeinde zum Beispiel sollte 11 000 Euro zusätzlich aufbringen, weil Zuschüsse vom Bistum wegfielen. Ich schrieb damals an alle wahlberechtigten Gemeindemitglieder einen Bettelbrief. Das war kurz vor Weihnachten 2007. Kaum war der Brief bei den Gläubigen angekommen, kam der Donnerschlag aus den bischöflichen Behörden: Es sollte ein neues Bischofshaus gebaut werden für fünf bis sechs Millionen Euro. Die Reaktion der Gläubigen: Staunen, Unverständnis, Frust, Zorn. Ich habe damals als Erster gegen den Bau protestiert.
Bald war vom Geist der Befreiung, der das Bistum seit den sechziger Jahren geprägt hatte, nichts mehr zu spüren. Die Bistumsführung regierte autoritär. Kritik war unerwünscht, ein Klima von Angst und Verschwiegenheit machte sich breit. Nur der Bischof wusste, was für das Bistum gut war.
Heute wissen wir, dass er das Bistum in die Krise geführt hat. Unsere Kontrollgremien haben versagt, am meisten wohl der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls. Plötzlich war alles geheim, es gab überhaupt keine Transparenz mehr.
Jetzt fragen alle: Wäre das verlorene Vertrauen durch Tebartz selbst wieder herstellbar? Ich glaube, dafür ist es inzwischen zu spät. Es geht hier nicht zuerst um die 30 bis 40 Millionen, die für den Bischofsbau auf dem Domberg ausgegeben wurden. Das große Übel war, dass alle Kontrolle durch den Bischof und seinen damaligen Generalvikar Kaspar ausgehebelt wurde. Mir wird fast täglich von Limburgern gesagt oder geschrieben: Das Vertrauen sei zerstört. Ich habe den Eindruck, dass der Bischof immer noch nicht verstanden hat, wie tief gehend der Vertrauensverlust ist.

Papst Franz begeht aus seiner Sicht einen schweren Fehler, indem er die alten toxischen Strukturen der Limburger Diözese einfach so beläßt wie sie sind, statt Tabula Rasa zu machen.
Das Kind ist im Brunnen, aber keiner der mächtigen katholischen Topkleriker, Müller und Marx, scheint willens zu sein, das Kind aus demselben rauszuholen.

Der mächtige apostolische Administrator Grothe immerhin, scheint nun, ein Jahr zu spät, zu ahnen welch ungeheuerliches Desaster die Amtskirche angerichtet hat. Jammernd wendet er sich an die Presse und beklagt sich über den alten Diözesanbischof TVE, der sich in seinem Luxusapartment festgesaugt hat und nicht daran denkt wegzugehen.
Katholische Kirche goes Kindergarten.

"Was sich da ereignet hat, war nicht nur ein kleiner Betriebsunfall, sondern ein Crash", sagte Grothe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vom Mittwoch. [….]  Seit dem Rücktritt von Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Limburger Bischofsamt Ende März leitet er das Bistum mit allen Rechten und Pflichten eines Diözesanbischofs.
"Es ist keine gute Situation", sagte Grothe dazu, dass Tebartz-van Elst nach wie vor in der unter seiner Verantwortung errichteten umstrittenen Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg wohnt. "Tebartz-van Elst spürt doch jeden Tag, dass er in einem goldenen Käfig lebt."  Das Bistum sei Tebartz-van Elst als emeritiertem Bischof aber auch verpflichtet und könne ihn nicht einfach vor die Tür setzen. [….]

Grothe ist eine Freude für einen Atheisten. Denn wenn er wüßte, wie man eine Diözese führt, täte er genau das: TVE vor die Tür setzen. Das wäre der entscheidende Schritt, um die das Vertrauen seiner Schäfchen zurück zu gewinnen.
Stattdessen macht Limburg nun Schlagzeilen damit wie ab sofort die Rentenbezüge des Millionenverschleuderers aussehen. Man kann sich gut vorstellen, wie es mit der Spendenbereitschaft bei den nächsten Kollekten aussehen wird.

 […]   Die Diözese prüft Grothe zufolge mit Kirchenrechtlern und Wirtschaftsprüfern, welcher Schaden im Zusammenhang mit dem Neubau entstanden ist, wen das betrifft - "und wer für den Schaden haftbar ist". Dass Tebartz-van Elst weiterhin in der Wohnung auf dem Limburger Domberg wohnt, bezeichnete er als "keine gute Situation" für beide Seiten. [...]
Der emeritierte Bischof hat sich mit dem Bistum Limburg auf ein Ruhestandsgeld in Höhe von 71 Prozent des letzten Gehalts geeinigt - das wären rund 6600 Euro. Davon werde ein Betrag für die Nutzung der Dienstwohnung abgezogen. Nach Informationen des HR handelt es sich dabei um rund 500 Euro. […]

500 Euro Miete für einen Privatpalast.
40 Millionen Euro verprasst und dann mit einem goldenen Handschlag von monatlich 6.600 Euro Netto im Alter von 54 Jahren in den Ruhestand geschickt.
Das kommt sicher nicht gut an in der Neidrepublik Deutschland.
So viel Nächstenliebe wird sich auch bei den frommen Limburgern nicht finden, daß sie TVE sein finanziell sorgenfreies Leben gönnen.




Sonntag, 1. Juni 2014

Impudenz des Monats Mai 2014


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

OH JESUS – heute Morgen habe ich es mal wieder getan. Etwas sehr Schreckliches, das ich mir üblicherweise erspare.
Ich sah mir im Fernsehen, in der ARD, den Abschlußgottesdienst des Regensburger Katholikentags mit Kardinal Marx an.
Als Atheist vergisst man ja hin und wieder WIE schwachsinnig diese organisierten Gläubigen tatsächlich sind.
Die dargebotenen Texte waren derart debil und die aufgeführten Theaterszenen so unfassbar lächerlich, daß ich mich immer wieder kneifen mußte, um mir zu vergegenwärtigen, daß dies KEINE Satire ist. Nein, es gibt Menschen, die das todernst nehmen.
Ich erinnerte mich an die Erzählungen einiger streng religiös erzogenen Atheisten, die auf die Frage wie und wann sie den Glauben verloren, antworteten, dies geschah in dem Moment, als sie anfingen in der Kirche genau zuzuhören.

Es bleibt für mich auch nach Dekaden der intensiven Beschäftigung mit Gläubigen ein Rätsel, wie sie beim Konsumieren ihrer Religion auch offensichtlich unsinnige Dinge mit abgeschalteten Hirn und mildem Lächeln ergeben beklatschen.

Dabei ist es noch nicht einmal eine so gute Show, wie man den Katholiken immer nachsagt.
Diese stundenlangen Gottesdienste sind unfassbar langweilig und zäh.

Spannend ist anders - meiner Meinung nach.
Aber wie schon Jürgen Becker über seine Erfahrungen als Kind beim lateinischen Hochamt sagte - „das war so ungeheuer öde! Wer das überstanden hat, langweilt sich nie wieder im Leben. Ich kann jetzt stundenlang eine weiße Wand ansehen und finde es spannend!“

Offenbar wird aber gerade daraus eine persönliche moralische Hochstufung abgeleitet: Weil man sich diese Tortur antut, ist man den Schwulen, Atheisten und anderen Sündern überlegen. Man hat sich das Recht verdient über sie zu urteilen.

Für einen nicht religiös angespitzten Zuschauer einer solcher stundenlangen Kardinal-Session ist eine weitere Augenfälligkeit nicht zu übersehen:
Der enorme Schwulenanteil unter den Konzelebrierenden.
Klar, die Conchita-Wurst-Witze bieten sich angesichts des bärtigen Marx in seinem bunten Kleid natürlich an. Aber auch ohne besonders ausgeprägten Gaydar, kann man nicht an der offensichtlichen Tatsache vorbei sehen, daß dort am Altar eine Menge Tunten stehen.
Natürlich weiß ich nicht, was sie im Bett tun, oder wovon sie nachts träumen.
Womöglich handelt es sich bloß um „gay acting straights.“, also FAGSTAGS, bzw „gay acting asexuals.“

Spätestens seit David Berger wissen wir alle ganz genau welche psychologischen Mechanismen und welche sozialen Hintergründe Schwule ausgerechnet in die RKK ziehen. Daß sie sich als Ungeoutete in einer per se frauenfreien Welt, in  der niemand komisch guckt, weil sie kein Interesse am weiblichen Geschlecht zeigen, wohl fühlen, ist sogar absolut verständlich.

Sehr bizarr finde ich allerdings, daß sich zunehmend auch geoutete Schwule unbedingt zur extrem homophoben Katholischen Kirche bekennen möchten.
WARUM BLOSS? Und dann noch ausgerechnet in Regensburg, der Heimatdiözese des brutal diskriminierenden Homohasser und Wächters der katholischen Glaubenslehre weltweit, Kardinal Müller.

Und somit komme ich endlich zur Impudenz des Monats Mai 2014.

Die Krone bekommt die „KJGay“.

KJGay kennt Ihr nicht? Macht nichts, erklär‘ ich Euch:

Die KJGay ist eine inoffizielle Arbeitsgruppe der KJG, also der „Katholischen Jungen Gemeinde“, welche die Anliegen der christlichen Jugend in der RKK vertritt.

Das ist an sich schon recht bizarr, denn die RKK wird wie kein anderer Verein in der Welt von alten Männern geprägt.
Wenn jemand mit unter 60 Jahren Kardinal wird, gilt er schon ob seiner Jugend als Sensation. Ein 77-Jähriger galt bekanntlich als frischer Neuanfang für die Kirchenleitung, als der Vor-Geront Ratzinger nicht mehr mochte.

Innerhalb der Jugendgruppe auch noch eine Homoabteilung zu bilden ist quasi die infantile Katholoversion der HUK, also der Organisation, deren Wirken ich gerne mit der Implementierung einer kommunistischen Plattform in der FDP vergleiche.
Das Anliegen ist nicht nur zweckfrei, sondern in erster Linie erbärmlich!
Wie kann man sich nur so erniedrigen? Und das freiwillig.
Wieso gehen Menschen, die überhaupt nichts Falsches getan haben zu der Organisation, die sie diskriminiert und betteln um Anerkennung?
Genauso gut könnten Afrikaner zur NPD gehen und sich vor ihnen in den Staub werfen: Bitte, bitte akzeptiert uns doch, wie wir sind.

Die Homoverachtung der RKK ist aber keine kurze Episode, sondern seit Jahrhunderten Doktrin.
Es steht in den unerschütterlichen Regeln, dem KKK geschrieben, daß man homosexuelle Liebe nicht praktizieren darf. Simple as that.

Die KJGay ist also noch nicht einmal bei der reformerischen KJG offiziell anerkannt, sondern darf sich buckelnd glücklich schätzen überhaupt existieren zu dürfen.

Die KjGay ist das Netzwerk der schwul-lesbisch-bisexuell-transsexuellen KjGler_innen. Wir sind offen für alle Menschen, ungeachtet ihrer sexuellen Identität, und falls du dich in der obigen Liste nicht wiederfindest, bist du bei uns trotzdem richtig :) […]
KjGay ist kein offizielles Gremium der Katholischen jungen Gemeinde; wir sind vielmehr eine Initiative von KjGler_innen.

Die Impudenzen des Monats Mai 2014 kommen daher mit der Attitüde eines immer wieder geschlagenen Hundes, der ergriffen vor Glück mit dem Schwanz wedelt, wenn man ihm doch mal einen abgenagten Knochen hinwirft.

Es ist doch das große Erfolgsgeheimnis der Katholischen Kirche, daß sie gerade die Handlung verteufeln, die jeder irgendwann doch begehen will: SEX.
Denn so stellt die RKK sicher, daß jedes ihrer Mitglieder unter schlechtem Gewissen leidet und sich dann wiederum nur beim Priester die Absolution dafür holen kann.
Das Geschäftsprinzip Kirche würde gar nicht funktionieren, wenn etwas zur Sünde erklärt würde, das nur wenige tun möchten.
Sex zu verteufeln ist aber ein genialer Schachzug, weil damit ein Urtrieb wie Fressen (=> Sünde Völlerei) getroffen wird.
Darum zu betteln, da doch bitte künftig ein Auge zuzudrücken, ist wirklich erbärmlich.

Zu Beginn seien sie noch ein verschwörerischer Haufen gewesen, sagt Nils Rusche. Schwule, Lesben, Bisexuelle - darf es so etwas überhaupt geben in der katholischen Jugend? Der 30-Jährige koordiniert das Netzwerk "KJGay" in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG).
Vor 13 Jahren hätten sie ihre Mitgliedschaft so geheim halten müssen wie ihre Lebensgefährten - vor allem, wenn sie Mitarbeiter der Kirche waren. Sie hätten sonst womöglich ihren Arbeitsplatz verloren. Die Kirche habe ihm aber auch viel Kraft gegeben, sagt Rusche: Durch die "KJGay" habe er den Mut gefunden, sich als bisexuell zu outen. "Das sind eben die Widersprüche der Kirche: Hier wird man mit Liebe aufgenommen, dort rennt man gegen Wände."
Die katholische Kirche und der Sex. Das Thema schien erledigt zu sein: Hier die Institution mit ihren Verboten - kein Sex vor der Ehe, keine künstlichen Verhütungsmittel, praktizierte Homosexualität ist Sünde. Dort das Leben der Katholiken, und dazwischen ein tiefer Graben, der Graben des Unverständnisses, der gegenseitigen Vorwürfe und auch des autoritären Machtanspruchs. Kirchengruppen, die diesen Graben überspringen und offen über Sexualität reden wollten, riskierten vor allem erst einmal Ärger.
[….]  Es herrsche da mittlerweile eine "Kultur der Beliebigkeit", klagte am Donnerstag der Wiener Moraltheologe und Medizinethiker Matthias Beck - und das beste Beispiel dafür sei Conchita Wurst, die Gewinnerin des Eurovision Song Contest. Die hätte gesagt, dass Aussehen und Geschlecht völlig egal seien - dies aber sei "die größte Katastrophe unserer Zeit". Man sollte ihn mal mit Nils Rusche zum Diskutieren zusammenbringen.

Samstag, 31. Mai 2014

One Man, Some Vote



Letzten Sonntag gingen Heinz-Jürgen und Sigrun Müller in Molfsee (Schleswig Holstein) in ihr Wahllokal und wollten an der Europawahl teilnehmen.
Obwohl sie ihre Wahlbenachrichtigungskarte dabei hatten, klappte es nicht. Ihre Namen waren in der Wahlliste schon abgehakt. Jemand anderes hatte offenbar schon für sie gewählt. Ihnen blieb nichts anderes übrig als unverrichteter Dinge nach Hause zu gehen. Sie durften nicht wählen.
Bürgermeister Roman Hoppe nahm es locker. Der Name „Müller“ sei nun einmal so häufig; da könnten sich mal Fehler einschleichen.
Giovanni di Lorenzo wählte dafür gleich zweimal. Auch das war illegal, aber woher sollte er das wissen? Der Mann ist schön. Das reicht doch. Er muß sich nicht auch noch mit Politik auskennen.
Ich spekuliere an dieser Stelle, daß der Fall Müller aus Molfsee nicht der einzige Wahlbetrug war in Europa war. Ob wohl jeder Roma in Ungarn ungehindert im Wahllokal seine Stimme abgeben konnte? Lief wirklich alles glatt in der Slowakei und auf Zypern?
Die Unregelmäßigkeiten in Deutschland fallen allerdings weniger ins Gewicht, weil es kaum irgendwo so viele Stimmen für einen EU-Parlamentssitz bedarf wie bei Merkel.
Europa wählt nämlich mit degressiver Proportionalität. Je mehr Einwohner ein Land hat, desto weniger zählt die Wahlstimme eines einzelnen Wahlberechtigten.
Das Prinzip wird immer dann verwendet, wenn sehr unterschiedlich große Einheiten verbunden werden. Wir kennen das aus dem deutschen Bundesrat, in dem die Sitze ebenfalls degressiv proportional zur Einwohnerzahl der Bundesländer vergeben werden. Das Bundesland Bremen hat beispielsweise 656.000 Einwohner und bekommt dafür drei Bundestagssitze. Es erhält also einen Sitz auf rund 220.000 Einwohner.
Nach diesem Schlüssel erhielte das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfahlen mit seinen 17,5 Millionen Einwohnern satte 80 Sitze! Niedersachsen könnte noch 36 Vertreter in den Bundesrat entsenden, wenn jeder Einwohner Deutschlands das gleiche Stimmengewicht hätte.
Tatsächlich haben NRW und NdS aber nur je sechs Sitze.
In Nordrhein-Westfalen braucht man aber fast drei Millionen Menschen für einen Bundesratssitz.
Das heißt also, daß die vier Städte Köln (1 Mio Einwohner), Düsseldorf (600.000), Dortmund (570.000) und Essen (560.000) zusammen gerade mal einen Sitz bekommen, während Bremen allein mit 650.000 Einwohnern gleich drei Sitze innehat. Ein Bremer ist demokratisch betrachtet 13 mal so viel wert wie ein Kölner.

Das Prinzip gilt auch in der EU. Nach dem Vertrag von Lissabon (2007) wurden die Sitze sogar noch etwas unproportionaler als nach dem vorherigen System (Vertrag von Nizza 2000) verteilt.
Deutschland verlor drei Sitze, während das winzige Malta einen Abgeordneten gewann.
Das höchste Stimmengewicht hat ein Wähler in Malta. Es braucht nur 68.000 von ihnen für einen Sitz im EU-Parlament.
84.000 Luxemburger, 133.000 Zyprioten und 250.000 Letten repräsentieren jeweils einen Sitz im Brüssel.
Ein Franzose, Spanier, Italiener, Brite oder ein Deutscher hat relativ gesehen nur ein Zehntel des Stimmrechtes.
Es braucht jeweils deutlich über 800.000 Einwohner pro EU-Sitz. Das ungünstigste Verhältnis hat dabei nicht etwa das bevölkerungsreichstes Land Deutschland (852.083 Stimmen pro Sitz) sondern Frankreich mit sogar 874.514 Stimmen. Aber auch ein Spanier ist noch weniger wert als ein Deutscher.

Das Prinzip der degressiven Proportionalität führt also zu extremen Verzerrungen der Grundregel „One man, one vote“.
Rechtfertigen läßt es sich allerdings mit der Rücksicht auf die historisch entstandenen Nationen. Malta oder Luxemburg würden bei proportionaler Stimmenverteilung völlig untergehen, da sie jeweils nur ein Promille der EU-Bürger stellen.

EU-Wahlen sind aber auch auf nationaler Ebene keineswegs gleich.
Unser deutsches Wahlrecht und Auszählungssystem führt zu weiteren extremen Verzerrungen.
Martin Sonneborn bekam mit seiner PARTEI 184.525 Stimmen und damit genau einen Sitz in Brüssel. Damit sind die Satirepartei-Wähler die potentesten ganz Deutschlands!
Obwohl die Piraten mehr als doppelt so viele Stimmen bekamen, nämlich 424.510 Stimmen, erhalten sie ebenfalls nur einen Sitz. Wären ihre Wähler genauso viel wert wie Sonneborns Epigonen, könnten 2,3 Piraten in Brüssel sitzen.
Schuld ist das Auszählungssystem.
Während CDU und SPD jeweils rund 300.000 Wähler pro EU-Sitz stellen, gibt es bei ÖDP, freien Wählern und Piraten grobe Verzerrungen. Es liegt am mathematischen Mandatszuteilungsverfahren.
Steinmeier ist schon schwer genervt.

 „Hände weg von deutschen Titten! Nein zur EU-Norm-Brust“, stand auf Wahlplakaten von Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn und seinen Mitstreitern. Kaum war Sonneborn gewählt, verkündete er, sein Mandat bereits in einem Monat wieder niederlegen zu wollen. Frank-Walter Steinmeier regt das auf. „Parteien, die sich am Tag nach der Wahl einen Spaß daraus machen, sich publikumswirksam zurückziehen, leisten keinen Beitrag zur Demokratie, eher das Gegenteil“, sagt er am Freitag der FAZ. […] Die Freien Wähler benötigten knapp 429000Stimmen je Mandat, die größeren Parteien um die 300000. Sonneborn kam aber ins Europaparlament, obwohl seine Partei nur 184525 Stimmen erhielt. [….]   Bei den ersten beiden Europawahlen wurde das Verfahren von Victor d’Hondt eingesetzt, später das von Thomas Hare und Horst Niemeyer. Seit der Wahl 2009 wird das Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren verwendet. Das hat sich eigentlich bewährt, der Wegfall der Sperrklausel hat jetzt aber eine Schwäche offenbart, von der Sonneborn profitiert. Das ist auch deshalb delikat, weil das Bundesverfassungsgericht die Hürden gekippt hat, um die Wahlrechtsgleichheit zu verbessern. Wegen des Wegfalls der Sperrklausel kann es jetzt aber passieren, dass eine Partei mehr als doppelt so viele Stimmen wie eine andere gewonnen hat, sich aber trotzdem mit derselben Zahl an Mandaten begnügen muss. So ist es diesmal jedenfalls den Freien Wählern im Vergleich zu Sonneborn ergangen.[…]