Montag, 15. November 2021

Der Christ des Tages – Teil XCIV

Wir befinden uns in Edenkoben, der kleinen Weinstraßenstadt mit 6698 Einwohnern im Süden von Rheinland-Pfalz. CDU-Bürgermeister Ludwig Lintz regiert mit absoluter Mehrheit, SPD und Grüne werden bei den Stadtratswahlen regelmäßig marginalisiert. Ein gutes Drittel der Bürger gehört zur Protestantischen Landeskirche Pfalz, ein weiteres gutes Drittel zum katholischen Bistum Speyer.

Aber auch in der tiefen südpfälzischen Provinz, fast 200 km von der Nahles-pfälzischen Provinz Mendig entfernt, bröckelt der Glauben.

Die Edenkobenerin Caroline Gutting, eine aufgeschlossene junge Yogalehrerin mit Nasenpiercing, war offensichtlich nicht mehr ganz zufrieden mit der homophob-misogynen Raffke-Kinderfi**er-Performance ihrer katholischen Gemeinde.

Der zuständige Pfarrer Matthias Pfeiffer von der Pfarrei Heilige Anna ist der Christ des Tages Nr. 94!  Als heimlicher Helfer der atheistischen Bewegung, nutzte er den berüchtigten DBK-Musterbrief von 2012, mit dem die deutschen Bischöfe den verlorenen Schäfchen noch ein paar Messer in den Rücken rammen.

[…..] Die  Erklärung  des  Kirchenaustritts  vor  der  zuständigen  zivilen  Behörde  stellt als  öffentlicher  Akt  eine  willentliche  und  wissentliche  Distanzierung  von  der Kirche dar und ist eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft. Wer vor der zuständigen Behörde seinen Kirchenaustritt erklärt, verstößt gegen die Pflicht, die Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren (c. 209 §  1  CIC)  und  seinen  finanziellen  Beitrag  zu  leisten,  dass  die  Kirche  ihre Sendung erfüllen kann (c. 222 § 1 CIC i.V.m. 1263 CIC). 

Die Erklärung des Kirchenaustritts zieht folgende Rechtsfolgen nach sich: 

Als aus der Kirche ausgetretene Person

- dürfen Sie die Sakramente der Buße, Eucharistie, Firmung und

Krankensalbung – außer in Todesgefahr -  nicht empfangen, 

- können Sie keine kirchlichen Ämter bekleiden und keine Funktionen

in der Kirche wahrnehmen,

- können Sie nicht Taufpate und nicht Firmpate sein,

- können  Sie  nicht  Mitglied  in  pfarrlichen  und  in  diözesanen  Räten  sein (z.B. Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand bzw. Vermögensverwaltungsrat, Diözesanpastoralrat etc.),

- verlieren Sie das aktive und passive Wahlrecht in der Kirche,

- können Sie nicht Mitglied in öffentlichen kirchlichen Vereinen sein.

Wenn Sie eine kirchliche Ehe schließen möchten, muss zuvor eine Erlaubnis zur Eheschließungsassistenz beim Ortsordinarius eingeholt werden. Diese setzt Versprechen über die Bewahrung des Glaubens und die katholische Kindererziehung voraus.

Ebenso  kann  Ihnen,  falls  Sie  nicht  vor  dem  Tod  irgendein  Zeichen  der  Reue  gezeigt  haben,  das kirchliche Begräbnis verweigert werden.

Vielleicht  haben  Sie  die  Tragweite  Ihrer  Entscheidung  nicht  ermessen  und  möchten  diesen  Schritt  rückgängig  machen. […..]

(PM DBK, 20.09.2012)

So klingt wahre Nächstenliebe! Ich bin begeistert.


Statt selbst Reue zu zeigen, sich zu fragen, wieso Hunderttausende jedes Jahr das Weite suchen, reagiert die RKK mit ziemlich perfiden Drohungen, bis hin zu Szenearien von sozialer Isolation und familiären Zerwürfnissen. Sie gibt den Ex-Mitgliedern a posteriori noch mal eine Bestätigung dafür, wie überfällig es war, sich von dem Verein zu trennen.

Über diese garstigen Briefe lacht die atheistische Szene schon seit Jahren. Die Edenkobenerin Caroline Gutting weiß als typisches Kirchenmitglied natürlich nichts von diesen Dingen und hält dieses Schreiben für ein spezielles Machwerk ihrer Pfarrei oder ihres Pfarrers Pfeiffer.

Aber das ist ja das Schöne an Religion: Man kann dazulernen und je mehr man weiß, desto eher lässt man die Kirche hinter sich.

Fromme Gläubige bleiben nur die Doofen.

Gutting ist Instagrammerin und konnte mit Ihrer Empörung über ihren Austritts-Reaktionsbrief immerhin ein paar Hunderttausend Klicks generieren.

[….] „Drohbrief von der Kirche“ - so beschreibt Caroline Gutting den Brief, den sie kurz nach ihrem Kirchenaustritt von der Pfarrei Heilige Anna erhalten hat. Es sind insbesondere Stil und Inhalt des Briefs, die die junge Edenkobenerin verärgern. „Ich weiß jetzt nicht, ob das ‘ne Kampagne ist von der Kirche beziehungsweise von der Pfarrei Heilige Anna, um auf die ganzen austretenden Leute zu reagieren, aber DAMIT erreicht man, glaub ich, nichts!“, kritisiert Caroline Gutting.

Gutting sei aus verschiedenen Gründen aus der katholischen Kirche ausgetreten: Dazu zählen etwa finanzielle, aber auch die Skandale um die katholische Kirche hätten sie zu ihrem Austritt bewegt. Zudem identifiziere sie sich nicht mehr mit dem christlichen Glauben im katholischen Sinne, wie sie in ihrem Video auf Instagram erklärt. 30 Euro habe die Yoga- und Fitnesslehrerin bezahlt, um aus der Kirche auszutreten. „Eine Unverschämtheit sondergleichen“, empört sich Caroline Gutting über den Brief. Er diene lediglich dazu, die Austretenden zu verunsichern und ihnen Angst einzujagen. In einem Hashtag fordert Gutting deshalb ganz klar: „#kirchenaustrittjetzt“. [….]

(Ludwigshafen24, 14.11.2021)

Und so trägt Pfarrer Pfeiffer dazu bei, die Gründe für den Kirchenaustritt zu multiplizieren. Statt nur ein zahlendes Schäfchen zu verlieren, generiert der Mikro-Wölki genügend Empörung, um seine Gemeinde zu entvölkern!

Sonntag, 14. November 2021

Nicht canceln

Als großer Heribert Prantl-Fan habe ich fast alle seine Bücher im Regal stehen, lese mit Genuss seine politischen Kommentare, habe ihn hunderte Male in diesem Blog zitiert.

Prantl, Kurt Kister, Gustav Seibt, Evelyn Roll, Sonja Zekri, Andrian Kreye, Cerstin Gammelin, Constanze von Bullion und Franziska Augstein sind die Namen, die ich mit dem Begriff „Edelfedern“ assoziiere.

Das sind hochgebildete Leute mit viel Gefühl für die Sprache, die einen erheblichen Mehrwert über die eigentliche Informations-Übermittlung hinaus bieten. Sauber recherchierte Fakten findet man auch im DPA- oder Reuters-Newskanal. Aber die SZ-Edelfedern zaubern daraus einerseits ein Lesevergnügen und regen andererseits die Intelligenz an, weil sie einordnen, vergleichen, verweisen, illustrieren und vertiefen.

Daher zahle ich nicht nur gern für das Süddeutsche Zeitung-Abo, sondern empfehle bei jeder Gelegenheit, es mir gleichzutun, damit diese Form des Spitzenjournalismus nicht ausstirbt.

Es gibt auch in anderen überregionalen Periodika Edelfedern, aber um ehrlich zu sein, liebe ich diejenigen mehr, die an einer ähnlichen Stelle des politischen Koordinatensystems stehen wie ich. Also lieber SZ als WELT.

Hinzu kommen bestimmte Stil-Vorlieben. Die SZ-Autoren schreiben lebendiger und einfallsreicher als die ebenfalls sehr guten FAZ-Leute, die sich aber gern in Monotonie und knochentrockenen Ewig-Texten ergehen.

Über Jahrzehnte liebte ich den ganz spezifischen SPIEGEL-Stil, der in jedem Artikel mit einem neuen Fremdwort spielte, eine wahrnehmbare Sub-Ebene transportierte, so daß der Kenner durchaus verstand, wenn suggeriert wurde, daß ein Politiker fremdging, ohne daß es so deutlich geschrieben wurde, daß der flüchtige Leser damit behelligt wurde. Es gab herrlich konstruierte Einleitungsabsätze und einen unverwechselbaren Humor, den man sich beim Lesen mit einem Filzstift anstrich, um sich die gekonnte Formulierung zu merken.

All das ging aber mit dem Ende der Chefredakteurszeit Böhme verloren. Heute sind SPIEGEL-Texte verwechselbarer. Das liegt aber auch daran, daß ZEIT und SPIEGEL ihr über Jahrzehnte bestehendes Alleinstellungsmerkmal „Topjournalismus und Prägung von Debatten“ verloren haben. Die Tageszeitungen sind besser geworden. Lange war der SPIEGEL das Leitmedium für mich; die Tageszeitungen fungierten als Ergänzung oder regionale Besonderheiten.  Inzwischen stellt die Süddeutsche Zeitung meine Hauptinformationsquelle dar und der SPIEGEL kommt am Samstag eben hinzu. Dieses Wochenende übrigens mit sehr empfehlenswerter Titelgeschichte über das Pandemie-Totalversagen der deutschen Politik und Gesellschaft: „Idiotische Lage von nationaler Tragweite“.

Es macht natürlich auch Spaß, die Redaktion durch viele Jahre Leseerfahrungen gut zu kennen und nicht nur einen Artikel zu lesen, sondern dabei auch den bekannten Autor mitzudenken. Es ist eine zusätzliche Qualitäts- und Vergnügens-Ebene mit Erwartungshaltungen an die Journalisten heran zu gehen.

Marc Pitzke, 58, aus NRW, seit 1993 in den USA, ist insofern eine Wohltat, wenn er über die amerikanische Parteipolitik schreibt, weil er mir immer aus der Seele spricht. Es ist eine enorme Verlässlichkeit; genau wie er es beschreibt, sehe ich es auch.

Andere gute Autoren, wie Kurt Kister, der langjährige SZ-Chefredakteur, sind hingegen eher selten deckungsgleich mit meinen parteipolitischen Ansichten, aber so klug, daß ich gerne seinen Gedankengängen folge.

Heribert Prantl, mittlerweile 68 Jahre alt, 1995 bis 2017 SZ-Innenpolitikchef und 2011 bis 2019 Mitglied der Chefredaktion, gebürtiger Oberpfälzer, stammt aus einem tiefgläubigen katholischen Elternhaus. Seine Karriere begann er als Spitzenjurist. Er war zunächst Rechtsanwalt, dann Richter und schließlich bayerischer Staatsanwalt und Sprecher des Regensburger Landgerichts.

Erst dann kam seine journalistische Karriere, die so weit reichte, daß er sich die Jobs quasi aussuchen konnte. Der SPIEGEL wollte ihn mehrfach als Chefredakteur nach Hamburg locken. Prantl blieb aber in München und betätigt sich bis heute als Tausendsassa.  Er ist Dozent verschiedener Journalistenschulen, Mitglied des Ethikrates der Hamburger Akademie für Publizistik. Aktiv im Pen-Zentrum, Rotarier, Jura-Honorarprofessor der Universität Bielefeld, Theodor-Herzl-Dozent der Universität Wien und in einem Dutzend weiterer hochgradiger akademischer Institutionen tätig. Es lohnt sich immer hinzuhören, wenn dieser hochintelligente fromme Bayer als im besten Sinne liberaler und sozialer Denker etwas sagt.

Prantl ist aber nicht berechenbar und befindet sich eben nicht in völliger Kongruenz zu meinen Ansichten. Er ist natürlich viel zu klug, um ein gläubiger Anhänger der Papstkirche und ihrer Morallehren zu sein. Aber der Atheismus ist im habituell so fremd, daß ihn der Bedeutungsverlust der Kirchen schmerzt. Er ist, meiner Ansicht nach, so sehr im Katholizismus verwurzelt, daß er letztlich nicht so frei denken kann wie ich. Er wird das sicher anders sehen und hat mehr akademische Ehren als ich zu bieten.

Gelegentlich führt dieser religiöse Hintergrund dazu, daß Prantl sogar Forderungen stellt, die ich geradezu haarsträubend finde. So ist er ein ausgesprochener Anhänger des muslimisch-jüdischen Sonderrechtes, kleinen Kindern gegen ihren Willen Stücke des Penis abzuschneiden. Das ist seine Verbeugung vor der 3000-jährigen Religionsgeschichte; oder wie ich es ausdrücken würde: Ein durch eine Inselverarmung generierter Kotau vor dem systematischen Kindesmissbrauch. Massenhafte Genitalverstümmelung von Kleinkindern halte ich für absolut nicht zu rechtfertigen.

Ähnlich leide ich an Prantl, wenn es um die Corona-Bekämpfung geht. Natürlich ist er kein aluhütiger Schwurbler, der Falschinformationen verbreitet. Aber er ist offenbar so sehr ein (liberaler) Jurist, daß er unabhängig von den fatalen Konsequenzen, keinerlei Einschränkungen in die persönlichen Freiheiten zulassen will. Maskenpflicht, Ausgangssperren oder gar Impfpflicht lassen bei ihm die Alarmglocken schrillen. Offensichtlich diskutiert er darüber auch mit seiner Lebensgefährtin Franziska Augstein, die meiner Ansicht nach sogar noch intelligenter und gebildeter als er ist und unglücklicherweise auch die Coronamaßnahmen so kritisiert, daß sie Applaus von der falschen Seite bekommt.

In der SZ vom Wochenende preist Heribert Prantl in seiner Kolumne „Prantls Blick“ nicht nur die neue EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus, als brillante Rednerin, sondern verwendet ihren Satz „Hoffnung ist ein rares Gut geworden", als Steilvorlage für eine Suada wider die Wissenschaft.

[….] In der Corona-Krise werden oft apokalyptische Szenarien, Panikmache und Diffamierungen verwendet. Doch sie sind hoffnungslos, weil sie Beziehungen vergiften - und den Willen zur Zukunft brechen.  [….]

(Prantl, SZ, 14.11.2021)

Hier sieht man den liberalen Katholiken, der eine kluge Frau und die Evangelen lobt.  Und hier taucht gleichzeitig der gnadenlos prinzipientreue Jurist Prantl auf, der sich Breitseiten gegen die von ihm als so störend unjuristisch empfundenen Mahner Drosten und Lauterbach nicht verkneifen kann.

Er liegt hier auf FDP-Linie, folgt der apokalyptischen Kubicki-Linder-Buschmann-Argumentation, die lieber mindestens 100.000 zusätzliche Tote akzeptiert, als an ihren hehren Rechtsgrundsätzen zu rütteln.

[…..] Angst ist ein schlechter Ratgeber. Mit dem Schüren von Angst, der Beschimpfung der Ungeimpften (denen Frank Ulrich Montgomery, der Ehrenpräsident der Bundesärztekammer, "Tyrannei" vorgeworfen hat) macht man nichts besser. Wie steht es mit einer Impfpflicht, jedenfalls für bestimmte Berufsgruppen? Wie steht es mit einer generellen Impfpflicht? Ich habe letztere, aus guten Gründen, wie ich meine, stets abgelehnt - unter anderem deswegen, weil so ein Impfzwang viele Impfzögerer und Impfskeptiker in die Impfverweigerung treiben könnte. Eine Impfpflicht setzt sich ja nicht von selbst um. Wer ihr nicht nachkommt, muss also gezwungen werden. Werden da Bußgelder reichen? Was, wenn nicht? Wie sollen die Zwangsmaßnahmen aussehen, mit denen die dezidiert Unwilligen zum Piks gezwungen werden? Das waren und sind meine Überlegungen. Die Impfung braucht Werbung. Drohung und Beschimpfung sind keine Werbung. Ein Lockdown für die Ungeimpften wird jetzt diskutiert. Ich halte das für grundfalsch und grundgefährlich. Warum? Weil so das Reden von der Freiwilligkeit der Impfung ad absurdum geführt wird. Da würde ja eine Impfpflicht vielleicht weniger Aggressionen hervorrufen - weil sie ehrlicher ist als Gerede von Freiwilligkeit bei gleichzeitigen Repressionen. […..]

(Prantl, SZ, 14.11.2021)

Es sind ungeheuerliche Sätze. 98.000 Corona-Tote gibt es schon in Deutschland und es wird fleißig weitergestorben. Alle fünf Minuten ein Toter. Myriadenfaches Elend auf den Intensivstationen, total überlastetes medizinisches Personal.

Aber statt das zu tun, was in anderen Ländern das Sterben aufhielt – nämlich drastische Impfaktionen - setzt Prantl aus juristischer Verbohrtheit lieber auf das Mittel der Überzeugung und Einsicht. Dabei wissen wir nach 11 Monaten BionNTech eins ganz sicher: Covidioten sind eben gerade nicht durch Argumente überzeugbar.

Ich halte es für absolut hanebüchen, in dieser tödlichen vierten Welle des Wahnsinns auf Freiwilligkeit zu setzen.
Das wird uns weitere Myriaden Tote bescheren.

Aber das muss ich jetzt aushalten.

Ich werde ihn nicht canceln.

Samstag, 13. November 2021

Das Elend der nächsten Regierung.

Nach einem aktuellen Bericht der Süddeutschen Zeitung, sieht es bei den Ampelverhandlungen nach einem Finanzminister Lindner aus. Damit erhielte er das nach dem Kanzler wichtigste Amt, weil es in alle anderen Geschäftsbereiche eingreift.

Eigentlich stünde es der zweitgrößten Partei, den Grünen zu, aber die wollen verzichten und sich dieses erneute Einknicken mit einem Zusatzministerium bezahlen lassen. Statt vier oder fünf Ministerien, bekämen sie sogar sechs.

Die SPD beschränke sich demnach neben dem Kanzleramt auf die Klassiker Innen, Verteidigung und Soziales.

Genügend Verteilungsmasse gäbe es schon deshalb, weil das total gefloppte ineffektive Ministeriums-Sammelsurium Seehofers in mehrere Häuser zerschlagen würde.

Damit zeigt sich ein Muster: Wie schon bei den Koalitionsverhandlungen von 2017, sind die Grünen widerstandlos bereit, sich von klimapolitischen und sozialen Inhalten zu trennen, wenn dafür lukrative Posten winken.

Ein Muster gibt es aber auch bei der FDP. Wie 2009 wurde sie ohne eigene Substanz durch glückliche Umstände in die Regierung gespült, obwohl sie personell und inhaltlich gar nicht regierungsfähig ist. Christian Linder kristallisiert sich als der Andreas Scheuer der FDP heraus. Der große Blender mit der bekannten Affinität zur AfD redet allerlei Unsinn.

[…] Christian Lindner hat mit einem Interview in den ARD-»Tagesthemen« für Irritationen gesorgt. In der Sendung war der FDP-Chef von Moderator Ingo Zamperoni gefragt worden, warum mit dem Auslaufen des Rechtsstatus der Epidemischen Notlage nationaler Tragweite auf Eindämmungsmöglichkeiten wie Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen verzichtet werde.  Lindner antwortete: »Weil diese Maßnahmen nach wissenschaftlichen Untersuchungen keine Wirksamkeit haben und weil auch deutsche Gerichte solche Ausgangsbeschränkungen ja bereits verworfen haben.« Auf Zamperonis ungläubige Nachfrage, ob er wirklich behaupte, dass Kontaktbeschränkungen und Ausgehverbote nicht wirksam seien, sagte er: »Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit von Ausgangsbeschränkungen zum Beispiel für geimpfte Menschen, die eben nicht das Infektionsgeschehen eindämmen.«  […]

(SPON, 13.11.2021)

Das ist natürlich haarsträubender Schwachsinn, für den der Kemmerich-Fan nun von den Aluhüten der Republik gefeiert wird.

[…..] Die Wissenschaftlerin Viola Priesemann hat Äußerungen von FDP-Chef Christian Lindner zur angeblichen Unwirksamkeit bestimmter Corona-Maßnahmen entschieden zurückgewiesen. Auf Twitter verbreitete Priesemann am Samstag drei „Klarstellungen“ zu einem Interview Lindners in den „ARD-Tagesthemen“ vom Vorabend.  Wörtlich schrieb die Physikerin, die sich mit Corona-Themen befasst: „(1) Die Aussage Geimpfte trügen nicht zur Übertragung bei ist und war nie korrekt. (2) Kontaktbeschränkungen haben natürlich eine Wirksamkeit gegen eine Übertragung. (3) Je nach Umsetzung haben auch Ausgangsbeschränkungen eine Wirksamkeit.“ [….]

(TS, 13.11.2021)

Schon bevor ein Koalitionsvertrag vorliegt, lange bevor eine Regierung gebildet ist, talibanisiert die FDP durch hochgradig unsinnige Anliegen (ungehindertes Rasen auf der Autobahn, kein Druck auf Ungeimpfte) die Arbeit der Exekutive.

Gurkentruppe 2.0 ante portas.

Natürlich brauchen wir G2, Lockdown für Ungeimpfte, überfällige Impfpflicht und die Betriebe ungeimpfter Gastronomen/Lebensmittelhändler/Kulturschaffender müssen geschlossen werden.

An den Schlangen vor österreichischen Impfzentren sehen wir, wie effektiv dieser starke Druck auf Covidioten wirkt.

FDP-Volljurist Marco Buschmann, möglicher nächster Bundesjustizminister, setzt stattdessen darauf, daß Corona wie von Zauberhand im März 2022 von ganz allein verschwindet. 100.000 zusätzliche weitere Tote nimmt der parlamentarische Geschäftsführer der FDP offensichtlich tatenlos in Kauf.

 [….] Man muss sich aber die Frage stellen, was mit einer allgemeinen Impflicht gewonnen wird. Verantwortungsethisch muss man berücksichtigen, dass viele Gesundheitsminister vortragen, dass sie mit einer solchen Pflicht Personal verlieren würden. Da wäre eine harte Testpflicht das bessere Instrument. Zudem könnte man eine allgemeine Impfpflicht kaum durchsetzen. Ich kann mir in unserem Rechtsstaat nicht vorstellen, dass die Polizei bei jemandem vorfährt, ihn ins Auto packt und die Person dann unter Zwang geimpft wird. [….]

(M. Buschmann, 08.11.2021)

Ebenso hanebüchen argumentiert der FDP-Vizebundestagspräsident Kubicki angesichts 1000er-Inzidenzen in mehreren Landkreisen, eines Covid-Toten jede fünf Minuten in Deutschland, hoffnungslos überlasteten Pflegepersonals und Triage auf den Intensivstationen.

[….] SPIEGEL: Herr Kubicki, die Zahl der Coronainfektionen und Todesfälle steigt rapide. [….] Wie kann man angesichts der Zahlen zu dem Schluss kommen, es gebe keine epidemische Notlage von nationaler Tragweite mehr?

Kubicki: [….] die sogenannte epidemische Notlage von nationaler Tragweite ist ein Rechtskonstrukt, das die vorige Bundesregierung dazu benutzt hat, um Bund und Länder zu sehr weitreichenden Verordnungen zu ermächtigen. [….]

SPIEGEL: Ihre Partei hat schon im Sommer 2020 dafür plädiert, die epidemische Notlage aufzuheben. Hat sich die FDP in dieser Frage ideologisch verrannt und nimmt sich in einer künftigen Regierung die Flexibilität, auf die Coronalage angemessen zu reagieren?

Kubicki: Die Frage verstehe ich nicht. [….]

SPIEGEL: Eine allgemeine Impfpflicht schließen Sie aus, eine Impfpflicht für Bedienstete im Gesundheit- und Pflegebereich ebenfalls. [….]

Kubicki: Es bringt nichts, Druck auf Ungeimpfte auszuüben. [….]

SPIEGEL: Was spricht dagegen, Ungeimpfte auszuschließen, das könnte Menschen dazu bringen, doch noch über eine Impfung nachzudenken?

Kubicki: [….] Wenn auch von Geimpften ein Infektionsrisiko ausgeht, dürfen Sie Ungeimpfte nicht schlechter stellen. [….][….]

SPIEGEL: Warum sind Sie eigentlich gegen die Maskenpflicht an Schulen?

Kubicki: Weil dort ohnehin schon regelmäßig getestet wird. [….]

(SPON, 13.11.2021)

Offensichtlich ist von den drei Ampelparteien nur die SPD wirklich regierungsfähig. Die Grünen haben Potenzial, die FDP ist wie schon 2009-2013 ein hoffnungsloser Fall. Sie besteht ausschließlich aus inkompetenten Lobbyisten der Superreichen.

Aber unglücklicherweise verlangt der Urnenpöbel eine Regierungsbeteiligung dieser unseriösen Lindner-Truppe. Ohne ihn ginge rechnerisch nur eine Groko; dann säßen wieder Klöckner, Scheuer und Spahn in der Regierung. Das kann sich auch im Ernst niemand wünschen.

Armer Olaf Scholz.

[….] Der Gesetzentwurf für neue Corona-Regeln trägt die Handschrift der Liberalen. Er könnte zu einem Kontrollverlust in der Pandemie führen. Ein Zwischenruf. [….] Die Liberalen beklagten schon länger die Übergriffigkeit der Exekutive bei der Coronabekämpfung. Und diesen Geist atmet auch der Entwurf. [….][Man kann] den Eindruck bekommen, dass die Ampelparteien - und hier vor allem die FDP - den Ernst der Lage nicht erkannt haben. Sie regieren an der Realität vorbei. Deutlich wurde das schon Anfang der Woche. „Unser Gesundheitssystem ist stabil, die Gesundheitsversorgung der Bürger gesichert, die ‚epidemische Notlage von nationaler Tragweite’ kann aufgehoben werden“, twitterte da FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Konkret soll die Notlage am 25. November enden. [….] Der Sturm der Entrüstung war heftig. Wissing löschte den Tweet. Er ahnte wohl, dass die Aussage vom stabilen Gesundheitssystem schlecht altern würde. [….] So sind die Coronapläne der Ampel ein Scheitern mit Ansage. Die FDP hat sich, ihren Partnerinnen und dem Land im Kampf gegen Corona Fesseln angelegt. Wie die ohne Schaden für das neue Bündnis wieder zu lösen sind, ist schleierhaft. [….]

(Benjamin Reuter, Tagesspiegel, 10.11.2021)

Freitag, 12. November 2021

Es wäre so schön, eine funktionierende Opposition zu haben.

Jutta Ditfurth und ich warnen schon seit mindestens sechs Jahren vor den kontinuierlichen AfD-affinen querfrontigen Ausfällen Sahra Wagenknechts und ihres Ehemanns.

Gegen beide, Sarah Sarrazin selbst und auch Oskar Lafontaine, laufen Parteiausschlussverfahren, weil sie der Linken schwer schaden, indem sie rechtsradikale Verschwörungsstories ventilieren.

[….] #Wagenknecht bei #AnneWill

@MMittermeier nennt sie „diese Thermomixvirologin“. Wagenknecht bleibt ungeimpft, versucht Querfront-Mist schlau zu formulieren. Sie versteht weder Impfung noch #Corona Sie versteht naturwiss Ergebnisse nicht. Sie leugnet sogar #LongCovid #coronavirus [….]

(Jutta Ditfurth, 01.11.2021)

Es stellt sich, wie so oft, die Frage nach der Mitverantwortung.

2014 und 2015 machten die deutschen Talkshows Pegida und die AfD groß, indem sie ununterbrochen rechten Ideologen den roten Teppich ausrollten, um über die „Flüchtlingsflut“ zu schwadronieren.

2021 werden sie zur Multiplikatoren der Aluhut-Szene, indem sie ungefiltert Seuchenfreunden ein Podium bieten.



Lafontaine, der Destruktive, wird wohl als der einzige Mann der Welt in die Geschichte eingehen, der als Vorsitzender gleich zweier großer und regierender Parteien, alles tat, um sie zu zerstören.


[….]  Im Saarland kämpft die Opposition mit sich selbst, dabei wird in gut vier Monaten ein neuer Landtag gewählt. [….]  die Staatsanwaltschaft, die wegen mutmaßlicher Urkundenfälschung gegen drei Mitglieder der Linken ermittelt. [….]  Es waren noch etwas mehr als drei Monate bis zur Bundestagswahl, als der Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine den Saarländerinnen und Saarländern riet, die Linke nicht zu wählen. Und es waren nur wenige Stunden nach der Wahl vergangen, als er ankündigte, bei der Landtagswahl im März nicht mehr antreten zu wollen.  Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit mit dem Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze. Gegen den ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen mutmaßlicher Urkundenfälschung.

[….]  Lutze habe jedem Mitglied, das ihn wählt, 50 Euro geben wollen, braune Umschläge mit Geld hätten dann auch den Besitzer, die Besitzerin gewechselt. Lutze bestreitet die Vorwürfe. Darüber hinaus laufen Vorermittlungen gegen ihn wegen mutmaßlicher Untreue, auch diese Vorwürfe bestreitet er. Seine Anhänger vermuten stattdessen eine "innerparteiliche Schlammschlacht" von Lafontaine.  Lutze gegen Lafontaine, dieser Streit beschäftigt nicht nur das Gericht, er hat die Linke unter anderem einen Geschäftsführer, einen Vorsitzenden, eine stellvertretende Vorsitzende gekostet. Und es geht weiter: Vor einigen Tagen hat die Landtagsfraktion (Lafontaine-Lager) eine langjährige Abgeordnete ausgeschlossen, weil sie sich nicht entschieden genug gegen die Angriffe des Landesvorstands (Lutze-Lager) gewehrt haben soll. Die Antwort kam postwendend: Einige Mitglieder aus dem Landesvorstand haben den Parteiausschluss von Lafontaine beantragt. Die ausgeschlossene Abgeordnete hat wiederum eine neue Fraktion gegründet, die "Fraktion Saar-Linke".[….] 

(Gianna Niewel, 12.11.2021)

Das Saar-Paar Sahra/Oscar ist wie eine schmutzige Atombombe. Sie sind die gemeinsame Reinkarnation des Römers Tullius Destructivus aus „Streit um Asterix“, jener Comicfigur von 1970, deren Superkraft es war, in jeder Gruppe unweigerlich Streit hervorzurufen. Hoffentlich treten sie wirklich bald in den AfD ein. In zwei, drei Jahren hätten sie die Nazis auch unter 5% gedrückt.

Nun kann jede liberale Partei mit prominenten Mitgliedern Pech haben. Die Sozis hatten Sarrazin und Clement, haben Griese und Thierse. Die Grünen hatten Metzger, haben Palmer und Beck. Den Linken kleben Wagenknecht und Lafontaine am Leib.

Das ist alles verzeihlich, wenn es sich um einzelne handelt und die Partei in der Lage ist, die Abgedrifteten rauszuschmeißen, oder wenigstens wie in den quälenden Jahren vor Sarrazins Rausschmiss, glaubhaft aussagt, ihn loswerden zu wollen.

Die Linke findet aber seit Jahren nicht diese Kraft. 2021 inszenierten die beiden Bundeschefinnen Susanne Hennig-Wellsow Janine Wissler einen Monat vor der entscheidenden Bundestagswahl die große öffentliche Versöhnung mit dem völkischen Schwurbel-Paar. Der mächtigste Landesverband, die Linke NRW, kürte Wagenknecht sogar zur Spitzenkandidatin. Das gab selbstverständlich die Quittung vom Wähler. Wieder erkannte Jutta Ditfurth klar das Problem.

@GildaSahebi 26. Sep.2021

Sarah Wagenknecht sagt in der ARD, dass man jetzt nach den Ursachen für das schlechte Abschneiden der Linken suchen müsse. Dass sie eine der Ursachen sein könnte, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen. #btw21

@jutta_ditfurth Ob Sahra #Wagenknecht begreift, was ihr Anteil an Wahlniederlage ist, ist mir egal. Wichtiger ist, dass die Linkspartei es endlich begreift + ihre Querfront rauswirft. Großen Teil der gesellschaftl Linken haben sie verloren und vermeiden off Diskussionen.

(Twitter, 26.09., Bundestagswahl)

Wenn sowohl die alte Noch-Groko, als auch die Noch-Nicht-Ampel so eklatant schwächeln, wie im Moment dieser Corona-Katastrophe, wäre es umso wichtiger, daß die einzige ernst zu nehmende Opposition – nämlich die Linke – sich profiliert, indem sie den politisch Verantwortlichen schonungslos die Fehler aufzeigt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Das wäre umso wirkungsvoller, als die zweite Oppositionspartei, die AfD, mit einer infizierten ungeimpften Vorsitzenden da steht und zwei Dutzend fanatische Covidioten-Mitglieder auf der Seuchentribüne parken muss.

Unglücklicherweise hat sich die Linke selbst politisch kastriert, weil ihre prominenteste Abgeordnete und langjährige Fraktionsvorsitzende selbst zur Ikone der Aluhüte mutierte.

[….] Heldin der Ungeimpften: Sahra Wagenknecht fasziniert Linke, Rechte und Desorientierte [….]  Warum sie sich nicht impfen lasse, fragte die Moderatorin Anne Will ihren Gast Sahra Wagenknecht in ihrer Talkshow. Es war der Sonntag vor zwei Wochen. »Ich finde es ein Problem, dass man das öffentlich begründen muss«, antwortete die 52-jährige Politikerin der Linken. Sie habe Angst vor Corona, »keine Frage«. Aber jeder müsse selbst abwägen, ob er einem neuartigen Impfstoff traue.

Der Gast, der neben ihr saß, räusperte sich, seine Mundwinkel zuckten, er rutschte im Sessel hin und her. Als der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach das Wort bekam, sagte er: »Man darf die Menschen nicht verunsichern, die wir jetzt zur Impfung bitten. Die Impfstoffe sind sicher. Man muss vorsichtig sein, dass keine Räuberpistolen auf den Tisch gelegt werden.« Für Lauterbach ist Sahra Wagenknecht eine Frau mit gezückter Räuberpistole.

Sie hörte zu, saß aufrecht, die Beine übereinandergeschlagen, ihre Augen konzentriert auf ihren Nebenmann gerichtet. Es sind die Momente, in denen die Politikerin so vornehm wirkt, so überlegen, dass die Sätze, die sie sagt, in ihrer Härte kaum zu fassen sind. Wagenknecht warf Lauterbach Alarmismus vor, »Long Covid«, die Langzeitfolgen der Corona-Erkrankung, sagte sie, sei umstritten. Ein harter Schlag und noch einer und noch einer. Sie traf damit nicht nur Lauterbach, sondern auch Leute ihrer eigenen Partei. Nur wenige Stunden nach dem Ende der Sendung rief Daphne Weber, Mitglied im Linken-Parteivorstand, zur Impfung auf. »Sahra Wagenknecht hat komplett den Kontakt zur Partei, den Positionen und Aktiven verloren.« Long Covid zu bestreiten sei ein »Schlag ins Gesicht Tausender und Abertausender Menschen«, schrieb Niema Movassat, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Parteivorstands. Er schäme sich, dass Wagenknecht sich im Namen seiner Partei so äußere. [….]  Nicht erst seit ihrem Auftritt bei Anne Will ist Wagenknecht eine harte Kritikerin der Coronapolitik der Bundesregierung. Auf YouTube betreibt sie den Blog »Wagenknechts Wochenschau«, der Hunderttausende Zuschauer findet und auf dem sie seit Monaten dieselben Thesen verbreitet. Schon im März äußerte sie sich skeptisch zu den neuartigen Impfstoffen und warnte vor zu hohem Druck auf Nichtgeimpfte. [….] 

(Spon, 12.11.2021)

Die Linke muss sich an Ditfurths Worte erinnern: Bevor sie Wagenknecht nicht loswird, ist sie nicht wieder ernst zu nehmen.

Immerhin begreifen es einige.

[….]  Das Linken-Vorstandsmitglied Maximilian Becker legt der früheren Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht nahe, die Linke zu verlassen und der AfD beizutreten. »Also ich finde, wenn eine Person haargenau die gleichen Positionen wie die AfD vertritt, sollte sie sich der Partei auch anschließen und der Linken den Rücken kehren. Es reicht!«, schrieb Becker auf Twitter. Darunter sind Äußerungen von Wagenknecht und eines AfD-Politikers zu sehen. Beide sprechen mit Blick auf die hohen Corona-Infektionszahlen von einer »Pandemie der Geimpften«.[….]  Unterstützung für Beckers Tweet kommt von der stellvertretenden Parteivorsitzenden Martina Renner. Sie stimme Becker »voll und ganz« zu, schrieb Renner als Reaktion auf dessen Post. Es gehe um »Ignoranz von Fakten«.[….] 

(SPON, 12.11.2021)

Donnerstag, 11. November 2021

Verbotene Corona-Gedanken

Inzwischen habe ich auch keine Lust mehr zu 27sten mal aufzuschreiben, wie dramatisch die politisch Handelnden in der Corona-Bekämpfung versagen, welcher Irrsinn zugelassen wird und welche Maßnahmen versäumt werden.

Dem armen Karl Lauterbach platzte in der heutigen Bundestagssitzung vor Fassungslosigkeit fast der Kopf.

Aus heiterem Himmel eintretende Katastrophen, wie Meteoriteneinschläge oder Tsunamis sind schon schwer erträglich für das Publikum, aber sehenden Auges und selbstverschuldet trotz der Warnungen Tausender Kassandras, in ein Desaster zu stolpern, eskaliert die Unerträglichkeit.

So war es beim Golf-Krieg von 2003, so wird es bei der Klimakatastrophe und so ist es jetzt bei der Corona-Pandemie.

Kurioserweise werden alte, weiße, christliche, konservative Männer wie Wolfgang Schäuble, der bei so ziemlich jeder wichtigen politischen Weichenstellung katastrophal falsch* lag, heute als besonders weise, integer und kompetent angesehen.

*

-Schäuble setzte zusammen mit Krause beim Einigungsvertrag das desaströse „Rückgabe vor Entschädigung“-Prinzip durch.

-Schäuble glaubte, Kohls schwarzen Spendensumpf weiterführen zu können, indem er das Parlament über einen Koffer mit 100.000 DM belog.

-Schäuble wetterte gegen Christos Reichstagsverhüllung, behauptete, damit werde die Demokratie beschädigt.

-Schäuble stritt ausdrücklich für den Irakwaffengang von 2003, wollte daran deutsche Soldaten beteiligen.

-Schäuble wollte als Innenminister 2007 Internierungslager für „Gefährder“ schaffen und den „finalen Rettungsschuss“ einführen.

-Schäuble spaltete als Finanzminister mit seine katastrophalen Austeritätspolitik ganz Europa.

-Schäuble war der entscheidende Faktor, der Armin Laschet zum CDU/CSU-Kanzlerkandidaten machte.

-Schäuble empfahl in seiner Abschiedsrede als Bundestagspräsident, den Parlamentariern in der Corona-Krise weniger auf die Wissenschaft zu hören.

Die Doofheit ist groß in der politischen Führung und so tapsen wir nun schnurgerade in eine gewaltige vierte Pandemiewelle, die genauso und genau dann eintritt, wie sie prophezeit worden war.

Die Genfer Top-Virologin Isabella Eckerle, Mitglied der Europäischen Covid-19-Expertengruppe der WHO, stellt lakonisch fest:

[…..] SPIEGEL: Frau Eckerle, die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen dramatisch, in einigen Regionen sind die Intensivstationen schon wieder kurz vor der Überfüllung, die Berliner Charité kündigte bereits an, Operationen abzusagen, die nicht dringend nötig seien. Überrascht Sie diese Entwicklung?

 Eckerle: Die Dynamik des Virus überrascht mich überhaupt nicht. Überraschend finde ich nur, dass es uns jetzt zum vierten Mal so unvorbereitet trifft. Die vierte Welle kam wirklich mit Ansage. Viele Experten haben sich seit Monaten den Mund fusselig geredet und genau vor der Entwicklung gewarnt, die jetzt eintritt.

SPIEGEL: Wie ernst ist die Situation?

Eckerle: Sehr ernst. Man hat viel zu lange zugeschaut, wie sich die Welle an Infektionen aufgebaut hat. Es zeigt sich jetzt, wie unklug es war, die Sieben-Tage-Inzidenz als Frühwarnsignal durch die Hospitalisierungsrate zu ersetzen. Jetzt, da die hohen Fallzahlen anfangen, sich in den Kliniken und auf den Intensivstationen widerzuspiegeln, bleibt nicht mehr viel Zeit zum Handeln. Und was man wohl auch nicht bedacht hat: Das Alter der Coronapatienten auf den Intensivstationen ist deutlich gesunken. Die Jüngeren belegen die Betten aber viel länger als die Älteren, teilweise wochen- oder sogar monatelang, bevor sie genesen oder leider doch sterben. Zusammen mit dem Mangel an Pflegepersonal verschärft das die Situation auf den Intensivstationen dramatisch. [….]

(SPON, 11.11.2021)

Die durch das politische Totalversagen in Deutschland zusätzlich mindestens 100.000 Toten, sind offenbar kein ausreichender Ansporn für Lindner oder den immer noch gegen eine Impfpflicht streitenden Jens Spahn, Maßnahmen zu ergreifen, um Menschenleben zu retten.

[…..] SPIEGEL: Wie oft haben Sie sich schon dafür verflucht, dass Sie von Anfang an eine Impfpflicht ausgeschlossen haben?

Spahn: Noch nie. Wollen Sie im Ernst über eine allgemeine Impfpflicht reden? Ich habe das Bild schon vor Augen, wie wir Sahra Wagenknecht dann mit der Landespolizei zum Impfen schleppen. Das ist absurd, eine allgemeine Impfpflicht wäre nicht durchzusetzen. Das würde unser Land zerreißen.  […..]

(SPON, 11.11.2021)

Weil das absurd ist, nimmt Spahn lieber weitere 100.000 Tote in Kauf. Das ist viel weniger absurd?

Wirklich absurd ist nur eins: Daß in derselben Pandemie mit den gleichen Viren viele andere Europäische Länder, die Infektionszahlen in den Griff bekommen und sich nur die südosteuropäischen und deutschsprachigen Länder beharrlich weigern, Corona sinnvoll zu bekämpfen.

[…..] Impfen in Europa: Deutsch und dumm

In Frankreich, Spanien, Italien fragen sie sich derzeit, was mit den angeblich so rationalen Deutschen passiert ist. Grund: Die deutschsprachigen Länder haben die niedrigsten Impfquoten in Westeuropa. Selbst in mehrsprachigen Staaten wie Belgien, Italien oder der Schweiz sind die Deutsch-Sprecher deutlich seltener geimpft. Nur im alten Ostblock sieht es noch schlechter aus, dort gilt bereits die Triage, von der wir jetzt hier auch wieder sprechen. Wie kann das sein im angeblichen Land der Denker? Sind wir dümmer als gedacht? [….]

(MoPo, 11.11.2021)

Es gibt also Möglichkeiten die Pandemie einzudämmen und es gibt mehr als genug Wissende und Kundige, die täglich laut vernehmbar erklären, wie genau das umzusetzen ist.

Es gibt sogar nach einer dpa-Umfrage deutliche Mehrheiten in der Bevölkerung für solche Eindämmungsmaßnahmen.

[….] Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) gaben an, mindestens eine Corona*-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zu befürworten. 44 Prozent davon sprachen sich sogar dafür aus, alle Menschen zur Immunisierung gegen das Coronavirus zu verpflichten. Nur 27 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen gaben an, dass sie generell gegen eine Impfpflicht sind.  [….]

(FR, 11.11.2021)

Was kann man noch tun, wenn weder der einhellige und eindringliche Expertenrat, noch die positiven Beispiele aus anderen europäischen Ländern, noch der Wille der Bevölkerung, Einsicht bei Bundes- und Landesregierungen bewirken?

Nun können wir nur noch auf das Sterben selbst setzen.

Die ungeimpfte Alice Weidel wurde mit Corona infiziert. Fußballer Kimmich befindet sich Quarantäne, nachdem er, ungeimpft, mit dem Corona-positiven Bällchentreter Niklas Süle in Kontakt war.

Um zu begreifen, in welch katastrophaler Lage wir sind, müssen vermutlich alle Promi-Covidioten, nicht nur ernsthaft erkranken, sondern unter den Social-Media-Augen all ihrer aluhütigen Follower qualvoll sterben.

Von Lafontaine und Wagenkecht, über den Wendler, Nena, Naidoo, Hildmann, über Jan Josef Liefers, Til Schweiger bis zu David Berger und den 23 AfD-Seuchenfreunden im Bundestag, sollte der Sensemann keinen auslassen – es geschieht zum Besten der Nation.

Mittwoch, 10. November 2021

Kapitulation vor der Unvernunft.

 In ein paar Stunden geht der rheinische Karneval los. Das Kölner Dreigestirn fällt allerdings aus, weil der Karnevalsprinz Corona hat.

Sich eng zusammenrotten, saufen, einhaken und Rudelbumsen findet aber dennoch statt.

[….]  Trotz stark gestiegener Corona-Inzidenzen soll am Donnerstag um 11.11 Uhr die neue Karnevalssaison mit Tausenden Feiernden eröffnet werden. Dabei gilt in den Hochburgen Köln und Düsseldorf die 2G-Regel: In den abgesperrten Feier-Zonen draußen haben nur Geimpfte und Genesene Zugang. […]

(SPON, 10.11.2021)

Kein Problem für den Innenminister des Inzidenz 150-Bundeslandes NRW.

Der Blick auf Impfquoten und Inzidenzen in Europa zeigt wie sehr es auf entschlossenes Regierungshandeln ankommt.  Deutschland liegt heute mit 39.676 Neuinfektionen an der Spitze Europas. In keinem anderen Land infizieren sich mehr Menschen mit dem Sars-CoV2. 236 Menschen starben in Deutschland innerhalb der letzten 24 Stunden an Covid19.

Spanien, Irland und Belgien hatten keinen einzigen Corona-Todesfall im selben Zeitraum. In Dänemark starben 2, in Norwegen 3, in Schweden und Portugal je 8 Einwohner.

Spanien, Frankreich, Italien und Portugal haben die pandemische Lage dank konsequenter Impfpolitik derzeit im Griff.

Aus den vier Schwurbel-Bundesländern, die an einer Kombination aus AfD-Affinität, Unfähigkeit der Landesregierungen (Aiwanger!) und realitätsnegierenden Esoterikern leiden, gibt es heute wieder grausame Inzidenz-Zahlen: Sachsen 460, Thüringen 455, Bayern 396 und Baden-Württemberg 297.

Ministerpräsident Söder, einst polternder Vorturner der Corona-MPKs („Team Vorsicht“) ist die Lage komplett entglitten; er musste heute den landesweiten Katastrophenfall ausrufen, weil die bayerischen Intensivstation mit intubierten Seuchenfreunden vollgestopft sind.

[….] Neuer Impf-Wirbel um Aiwanger: Eigene Partei zweifelt - „Kann Amt kaum ausüben“ [….] Droht Bayerns Vize-Ministerpräsidenten das politische Abseits? Angesichts der aktuellen Corona-Situation hält Parteifreund Fabian Mehring das – sollte Hubert Aiwanger weiterhin auf eine Corona-Impfung verzichten – für möglich. [….] Aiwanger ist der einzige Minister im bayerischen Kabinett, der sich bisher nicht für eine Corona-Impfung entschieden hat. [….] Im Falle einer landesweiten 2G-Regel wäre Aiwanger diese Möglichkeit aber verwehrt, da dann auch Getestete den Zugangsbeschränkungen bei öffentlichen Veranstaltungen unterliegen. In der Praxis dürfte Aiwanger dieses Prinzip bereits in der kommenden Woche zu spüren bekommen: Beim Presseempfang seiner eigenen Landtagsfraktion gilt dann bereits die 2G-Regel - somit hat Aiwanger hier keinen Zugang. [….]

(DPA, 10.11.2021)

Aber nicht nur der ungeimpfte Aluthut Aiwanger auf dem Stuhl des stellvertretenden Ministerpräsidenten ist ein Armutszeugnis Bayerns.

Sagenhaftes lässt auch der bajuwarische Gesundheitsminister verlautbaren.

[….] Was kommt dabei heraus, wenn Regierungen die Wissenschaft lieber ignorieren und nur noch auf Stimmungen achten? Man sieht's bei der Pandemie, aber nicht nur dort. [….] Nun hat die wohl künftige Regierung in Sachen Corona erstmals konkrete Entscheidungen präsentiert - und damit sogleich das Vertrauen in ihre Zukunftsfähigkeit erschüttert. Denn nach ihrem Willen soll die Corona-Politik künftig nicht mehr aus der Feststellung einer "epidemischen Notlage nationaler Tragweite" erwachsen. [….]  Flankiert wurde dieser Vorschlag noch von der Behauptung, mit Beginn des Frühlings könnten alle Corona-Maßnahmen fallen.  Es ist erschütternd, dieses Potpourri an Fehleinschätzungen zu hören. [….]  Die Vorschläge der Ampel-Koalition scheinen mehr auf Wunschdenken zu fußen denn auf vorausschauender Analyse von Fakten. [….]  Zuletzt behauptete der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), dass die derzeitige Dynamik der Pandemie "wirklich nicht vorhersehbar" gewesen sei. Dabei prophezeien Wissenschaftler seit Monaten, dass die Impfquote nicht reicht, um einen schweren Winter zu verhindern. Und wie schon die große Koalition und die zur Kakophonie neigenden Landesregierungen beginnt nun auch die Ampel als Panikorchester: Ihr Spiel korrigiert sie erst dann, wenn die neueste Welle schon die Notenblätter wegschwemmt. [….]

 (Christina Berndt, 10.11.2021)

Was für ein gewaltiges politisches Versagen nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie! Jeder kann sich leicht informieren. Die bekannten Virologen sind allesamt Stars der sozialen Medien und Talkshows geworden, werden jeden Tag in den großen Zeitungen zitiert – mit dem Hinweis, daß all ihre Prognosen sich später als zutreffend erwiesen.

Man kann die Expertenanalysen, ihre Prognosen und Handlungsempfehlungen überall nachlesen – heute beispielsweise übersichtlich in der Süddeutschen Zeitung topaktuell zusammengestellt.

Aber FDP-Ampelmann Marco Buschmann und der zuständige Gesundheitsminister eines Hochinzidenzlandes im Katastrophenmodus erklären dem staunenden Publikum im November 2021 immer noch Trumpisch, sie wären überrascht von der Entwicklung und die Pandemie werde auf wundersame Weise von ganz allein bald verschwunden sein.

Nein, Corona löst sich nicht in Luft auf, weil wir alle irgendwie keine Lust mehr haben uns an Regeln zu halten, Masken höchstens als Kinnwärmer tragen und bei 2G-Veranstaltungen die Kontrollen auf Zuruf – „Geimpft? – Ju!“ – erfolgen, statt Impfnachweis in Kombination mit dem Personalausweis zu kontrollieren.

Wir brauchen selbstverständlich eine Impfpflicht, wir brauchen bundesweit 2G und wir brauchen selbstverständlich eine Totallockdown für alle Ungeimpften.

Stattdessen versündigen sich Merkel und Spahn durch Untätigkeit an Deutschland. Leider sind auch viele Landesregierung  - insbesondere die der Freistaaten und BWs – nicht fähig, exekutiv einzuspringen.

Und so Leid es mir tut; Olaf Scholz ist amtierender Vizekanzler. Ich nehme auch an, daß er über Merkels und Spahns Telefonnummer verfügt.  Er muss dringend initiativ werden. Ein gewaltiges Problem ist natürlich die unverantwortlich handelnde FDP, die, siehe Buschmann, hanebüchenen Unsinn von sich gibt, oder, noch schlimmer, generell die Tyrannei der Impf-Feinde mit „Freiheits“-Parolen verteidigt.

Durch diese allgemeine politische Doofheit Deutschlands kreieren wir uns gerade 100.000 weitere Tote.

[….] Drosten warnt vor 100.000 weiteren Coronatoten in Deutschland. Noch immer gibt es zu viele Ungeimpfte in Deutschland. Ohne härtere Coronamaßnahmen drohen nach Ansicht des Virologen Christian Drosten viele Opfer. Tests allein könnten die vierte Welle nicht brechen, nur neue Kontaktbeschränkungen. [….]

(SPON, 09.11.2021)

Aber 100.000 Tote scheinen nicht als irgendwie störend empfunden zu werden von der Spezies Homo Demes Teutonis.

Lieber Karneval feiern. Und die Masken sind auch so lästig.

In Bayern sowieso.

[….] Man nehme den Landkreis Miesbach. Schliersee, Tegernsee, Almen, Hütten. Tagelang lag die Corona-Inzidenz dort über 700, die höchste bundesweit. Nun liegt sie schon bei 875, übertroffen nur noch von den Landkreisen Rottal-Inn, Traunstein, Dingolfing-Landau. [….] Die Situation sei außer Kontrolle, heißt es im Landratsamt. Die Infektionsketten können nicht mehr nachverfolgt werden, [….] Was hat zu dieser Situation geführt? [….] Womöglich ist der gewichtigste Faktor: Sorglosigkeit - zu einem beträchtlichen Teil mitgebracht aus einem Sommer, in dem vieles möglich war. Hochzeiten durften stattfinden, doch in manchen Fällen endete das für die Feiernden samt Brautpaar in Quarantäne. Und was man in Vereinen oder Feuerwehren weiß, aber nie einer Behörde melden würde: Es gab häufig größere, private Stadelfeste. Diese wurden auch von Infizierten besucht, die Folgen waren fatal: reihenweise junge, teils schwer Erkrankte. [….]

 (Johanna Pfund, 10.11.2021)