Mittwoch, 22. Juli 2020

Danke Franzi für Deine Mithilfe.


So ein homophober und misogyner, aber dafür sehr Pädosexuellen-freundlicher Kult wie der römisch-katholische Glaube ist für mich schwer zu verstehen, aber das ist eben keine rationale Angelegenheit, sondern spricht dümmere, ungebildetere oder Menschen, die zumindest unter einer Inselverarmung leiden an.

Zwar treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus….

(…..)  Der eine prominente Kirchenzuwachs steht nämlich in einem krassen Missverhältnis zu 540.000 Austritten und 260.000 mehr Sterbefällen als Taufen.

[…..] Der Mitgliederschwund in der evangelischen und katholischen Kirche beschleunigt sich. Mehr als 800.000 Mitglieder verloren die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr. Das zeigen die Mitgliederstatistiken der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für 2019, die am Freitag veröffentlicht wurden. 2018 war es in der Summe ein Verlust von 704.000 Mitgliedern. […..] Auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen aus den 20 evangelischen Landeskirchen traten etwa 270.000 Menschen aus der Kirche aus. […..] Noch mehr Menschen traten 2019 aus der katholischen Kirche aus: Mehr als 272.700 annullierten ihre Mitgliedschaft - ein Anstieg von 26,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Austrittsrate stieg auf über 1,2 Prozent. So hoch war sie noch nie, sagte der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack dem Evangelischen Pressedienst (epd). […..]

Marx, Müller, Mixa, Käßmann, Bedford-Strohm, Ratzi und Franzi sind also myriadenfach prominenter als Carsten Frerck, Michael Schmidt-Solomon und Philipp Möller.
Vertreter der Atheisten oder Konfessionslosen findet man so gut wie nie in der veröffentlichten Meinung.

Dennoch sieht die Entwicklung der Kirchenmitgliedschaften viel positiver aus als diese extreme öffentliche Unter-Repräsentation befürchten ließe.
Viel mehr Menschen schießen sich den Argumenten von uns Atheisten an, als umgekehrt. […..]


Im Jahr 2019 waren von 83.166.700 Menschen in Deutschland  22.600.371 (=27,2%) katholisch und 20.713.213 (=24,9%) evangelisch.


2019 traten 1,19% aller deutschen Katholiken und 1,28% aller Evangelen aus der Kirche aus.
Das klingt für ein Jahr wenig, aber seit der Wiedervereinigung 1990 traten damit sechs Millionen Katholiken und neun Millionen EKD-Mitglieder aus.
Das sind 15 Millionen Konfessionsfreie mehr.

Dank der intensiven Lobbyarbeit der im Bundestag extrem überproportional vertretenen Christen rollt der Rubel  gewaltig – nie waren die Kirchensteuereinnahmen so hoch wie jetzt:

[…..] Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben 2018 so viel Kirchensteuer erhalten wie nie. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreichten diese Einnahmen nach Kirchenangaben mit insgesamt rund 12,4 Milliarden Euro ein Rekordhoch. Davon erhielt die katholische Kirche 6,643 Milliarden und die evangelische 5,790 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den insgesamt 12,1 Milliarden Euro 2017 ist das ein Anstieg um rund 2,7 Prozent. […..]

[….]  Zahlen und Fakten 2019/20 zur katholischen Kirche erschienen
Neue Zahlen: Rekord-Hoch bei Kirchensteuereinnahmen 2019
Obwohl es immer weniger Kirchenmitglieder gibt, steigen die Einnahmen der Kirche aus der Kirchensteuer. Trotzdem hat die Kirche im vergangenen Jahr bereits weniger Geld ausgegeben als zuvor. Doch mancherorts kann die Statistik auch steigende Zahlen verzeichnen.
2019 sind die Kirchensteuereinnahmen um 1,8 Prozent auf 6,76 Milliarden Euro gestiegen. [….]

[….] Auch die evangelische Kirche hat im vergangenen Jahr erneut einen Anstieg bei den Kirchensteuereinnahmen verzeichnet. Im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betrugen die Einnahmen 5,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund 2,7 Prozent im Vergleich zu 2018. […..]

Das nenne ich effektive Lobbyarbeit. Wenn es ums Geld-an-sich-raffen geht, ist die Kirche immer noch einsame Spitze. 700.000 zahlende Mitglieder weniger und die Einnahmen klettern auf immer neue Höchstwerte.

Aber auch wenn es finanziell noch so sensationell läuft und die RKK-Deutschland mit 22,6 Millionen Mitgliedern immer noch ein gewaltiger Player ist, kann das nicht darüber hinwegtäusche, wie altbacken und unattraktiv das Produkt „katholischer Glaube“ ist.
Für die knapp 23 Millionen Gläubigen schaffte es die Weltorganisation im Jahr 2020 gerade mal gut vier Dutzend neue Priester zu weihen.

[….] Laut einer Umfrage der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag) bleibt die Zahl der katholischen Priesterweihen in Deutschland auch 2020 niedrig. Demnach gibt es insgesamt 57 Weihen in den 27 Bistümern bundesweit, davon zwei im Bistum Münster, wobei neue Ordenspriester nicht mitgezählt wurden. Das ist der zweitniedrigste Wert in der Geschichte nach nur 55 Weihen im Vorjahr (fünf im Bistum Münster). In den letzten 20 Jahren ist die Zahl damit um mehr als 60 Prozent gesunken; im Jahr 2000 gab es noch 154 Weihen.
Die Zahl der Priesterweihen in der katholischen Kirche in Deutschland hat sich seit Jahren auf einem niedrigen Niveau eingependelt: Mehr als 100 waren es letztmals 2007. Die Zahl der Neuaufnahmen in den Seminaren zeigt zugleich, dass es auch in den kommenden Jahren keine Trendwende geben dürfte. […..]
(Kirche und Leben, 10.07.2020)

Kaum einer will noch für den Verein arbeiten; die Gemeinden verwaisen.
Seelsorger hoppen jeden Sonntag durch mehrere Gemeinden, viele Schäfchen sind führungslos, Gläubige werden allein gelassen.

Da es immer noch viele aktive Gläubige gibt, sind die Auswege naheliegend:

1.) Ende des Zwangs-Zölibats.
3.) Laien übernehmen die Leitung katholischer Gemeinden.

Punkt 1 und 2 werden prinzipiell aus Rom abgelehnt.
Da riskieren sie lieber das Ende der Kirche.

Aber was ist mit Möglichkeit 3, also nicht an dem heiligen Sakrament der Priesterweihe zu rütteln, aber wenigstens in den Fällen, in denen es keine Priester gibt, Laien aushelfen zu lassen?
Damit könnte die Heiligkeit gewahrt bleiben, aber auch den engagierten Katholiken an der Basis eine Perspektive geboten werden.

Zum Glück kann ich mich hier auf Bergoglio verlassen, der eben keineswegs liberal ist, sondern wie seine beiden Vorgänger als erzkonservativer Katholiban alles dafür tut die Kirchenmitglieder zu vergrätzen und zum Austritt zu treiben.

[…..] Schlag in den Magen
Wieder einmal fällt der Vatikan den Gläubigen in den Rücken.
Für viele Katholiken in Deutschland mag dieses Papier ein weiterer Schlag in die Magengrube sein: Die Kleruskongregation im Vatikan hat in einem am Montag überraschend veröffentlichten Papier Laien als Gemeindeleitern eine Absage erteilt. Allein der geweihte Priester sei der "eigene Hirte der ihm übertragenen Pfarrei". Die Gemeindeleitung sei zwingend an das Sakrament der Weihe gebunden. "Auch nicht im Falle des Priestermangels" dürften Laien Titel oder Funktionen eines Pfarrers annehmen.
[…..]  Genug Katholiken, auch Bischöfe, die Lösungen suchen, wie Gemeinden auch mit weniger Priestern und Gläubigen lebendig bleiben. Diesen fällt Rom einmal mehr in den Rücken. […..]

Als Atheist kann ich nicht zufriedener sein: Der Vatikan selbst tut alles dafür, um die Gläubigen zu vertreiben und nimmt mir die Arbeit ab.

Selbst bei der raren Spezies der extrem aktiven Katholiken, die sich den ganzen Tag für das Wohl ihrer Kirche einsetzen, führt die Kirchenleitung zu Frust und Resignation.

[….] Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, kritisierte die Instruktion aus Rom scharf: "Sie zeichnet etwas als Ideal, was biblisch und historisch, theologisch und praktisch weder wünschenswert noch real ist", sagte er den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse. [….]

Saubere Arbeit Papst Franz! Immer weiter so!


Dienstag, 21. Juli 2020

Frauenklischees


Das war immer anstrengend, als wir noch kleine Kinder waren und diese herkömmlichen Familienurlaube machten: Irgendwo hinfliegen, irgendeine Unterkunft und ein Auto mieten und damit umherfahren.
Das Problem war, daß natürlich mein Vater am Steuer saß und meine Mutter ob seiner Fahrweise tausend Tode starb.
 Wir erklärten es uns so, daß er in den USA nur auf dem Land mit endlosen breiten gerade Straßen ohne Verkehr gefahren war. Mit Automatik-Getriebe. Später in New York hatte er kein Auto – wie die meisten Bürger Manhattans.
Kleine winkelige sich mäandernde Straßen mit enorm viel Verkehr, Serpentinen, Schaltgetriebe und das alles ohne Geschwindigkeitsbegrenzung war da schon eine andere Nummer.
Ich erinnere mich insbesondere an einen Sommer in Irland, weil mein Vater nicht in der Lage war sich an den Linksverkehr anzupassen und nach jeder Kreuzung auf der falschen Spur landete. Mein Bruder und ich waren schon heiser, weil wir vom Rücksitz ständig „drive left!“ krähten.

Jahrzehnte später fragte ich meine Mutter wieso sie sich das eigentlich bieten ließ. Denn groteskerweise war sie im Gegensatz zu ihm eine ausgezeichnete Autofahrerin. Sie war schon mit Anfang 20 Jahrelang im Käfer durch Südeuropa, den Nahen Osten und den Maghreb gefahren.
‚Kind, wie haben uns Anfang der 60er kennengelernt und er war doch der Mann, also musste er auch fahren‘ war ihre Antwort. Es war eben so. Mein Vater stammte aus der US-amerikanischen Macho-Kultur und war von seiner Mutter als kleiner Prinz erzogen worden.
Er war dafür sehr liberal. Sonst wäre er schließlich nicht durch Europa gereist und meine Mutter erkannte es auch immer an, daß er sich nie darum drückte die Babys zu wickeln oder uns umher zu schleppen.
Das war zu der Zeit durchaus noch ungewöhnlich für Männer.
Aber Kochen war Frauensache, Autofahren Männersache.

Wieso waren meine Mutter und ihre Schwestern ausgezeichnete Autofahrerinnen?
Dafür muss ich zwei Generationen zurückgreifen. Mein Uropa Wilhelm, geboren 1850 war ein Freigeist, der auch schon viel reiste und sich für Technik begeisterte. Er hatte eins der ersten Autos und er war stolz darauf seinen Töchtern fahren beizubringen.
Meine Oma, die auch noch im 19. Jahrhundert geboren wurde, lernte während des ersten Weltkrieges fahren und war sehr traurig, als das Auto von der Wehrmacht eingezogen wurde.
In den 1920ern hatte sie aber wieder eins; ein Cabrio mit einem kleinen ausklappbaren Notsitz, in den meine Tante (*1921) und mein zwei Jahre jüngerer Onkel gesetzt wurden, wenn Oma zum Einkaufen fuhr.
Sie war auffällig wie ein bunter Hund mit dem Auto und den kleinen Gören hinten im Notsitz, aber ganz offensichtlich selbstbewußt genug, um sich nicht irritieren zu lassen. Mein Opa (*1889) war ebenfalls ein Kind seiner Zeit. Daß seine Töchter in seiner Firma mitarbeiten könnten oder gar als Erbinnen in Frage kämen, war außerhalb seiner Vorstellungskraft. Die Mädchen sollten Hauswirtschaft lernen und er suchte einen passenden Ehemann unter den Kindern seiner Geschäftsfreunde aus.
Funktioniert hat das allerdings nicht. Meine Tante und später meine Mutter warfen die von ihrem Vater offerierten Verlobten empört hinaus und suchten sich beide selbst einen Ehemann. In beiden Fällen jemand, der so gar nicht den Vorstellungen meines Opas entsprach. Künstler, Ausländern, arm, unregelmäßiges Einkommen.
Aber mein Opa liebte seine Ehefrau und hatte sie sich schließlich ausgesucht. Offenbar gefiel ihm ihr Selbstbewußtsein und tatsächlich überließ er meiner Oma das Steuer und amüsierte sich über die abfälligen Blicke der Passanten, wenn sie ihn auf dem Beifahrersitz und die Frau am Steuer sahen.
Die Toleranz der Menschen  seiner Alterskohorte hatte Grenzen; vermutlich hätte er nie einen schwulen Sohn akzeptiert.
Aber er war doch seiner Zeit so weit voraus, daß seine Töchter nicht nur Autofahren lernten, sondern er sich alle Mühe gab die letzten Groschen zusammen zu kratzen, damit sie auch einen klapprigen alten Käfer bekamen und mit seinem Segen loszogen, um sich die Welt anzusehen.

Ja, meine Oma konnte wirklich ausgezeichnet Autofahren, hatte sicher Talent und Selbstbewußtsein dafür. Aber ehrlicherweise hätte das allein nicht ausgereicht. Sie hatte zudem das Glück erst einen Vater, dann einen Ehemann zu haben, der ihr diese Freiheit ließ.

Wie ich in diesem Blog schon 100 mal erwähnte, verehre ich die Autorin, Zeit-Herausgeberin, Hamburger Ehrenbürgerin, Trägerin des Theodor-Heuss-Preises, des Four Freedoms Awards, des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, des Heinrich-Heine-Preises, die Ehrensenatorin der Universität Hamburg, das Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und bis ins höchste Alter passionierte Porsche-Fahrerin Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002) über alle Maßen.
Ich halte sie für einen der weltweit größten Geister des 20.Jahrhunderts.
Sie hat das alles aus eigener Kraft erreicht und ihren eigenen Fähigkeiten zu verdanken.
Aber es kommen zwei Aspekte dazu. Sie erreichte so viel, obwohl sie eine Frau war, weil

1.) Auch ihr die Umstände zu Gute kamen. Ihr Vater war liberal und sie stieg in den 1930ern zur Verwalterin der gewaltigen Dönhoff-Güter, des Schlosses Friedrichstein und des Gutes Quittanien auf, weil die Männer der Familie tot oder im Krieg waren.
2.) Sie sich de facto wie ein Mann benahm. Sie bekam keine Kinder, verschrieb sich vollkommen der Karriere, heiratete nie und war das Gegenteil aller Eigenschaften, die man damals negativ den Frauen zuschrieb: Emotional, unzuverlässig, Irrational.

Natürlich will ich meine Familie nicht mit den großen Dönhoffs vergleichen, aber ich behaupte, daß die (wenigen) Frauen, die sich schon vor über 100 Jahren in vermeidlichen Männerdomänen durchsetzen, wenigstens ein bißchen Toleranz in ihrem engeren Umfeld brauchten.

Im Jahr 2020 kann es anders als zu den Zeiten als meine Oma Autofahren lernte keine Zweifel mehr daran geben, daß Frauen für genauso qualifiziert sind Busfahrerin, Ärztin, Generalin, DAX-Chefin oder Bundeskanzlerin zu werden wie Männer.

Erstaunlich ist viel mehr, daß Frauen nach so langer Zeit immer noch an vielen Positionen so unterrepräsentiert sind.
Ganz Bibliotheken sind über die Ursachen dafür geschrieben worden; daher will ich das nicht alles nacherzählen, sondern mich auf den Aspekt des Autofahren konzentrieren.
Der wer kennt nicht das Klischee von den Frauen, die nicht Auto fahren und insbesondere nicht einparken können?

Ich habe mich ob der geschilderten Fahrkünste meines Vaters sehr amüsiert, wenn er mal abfällig äußerte „typisch Frau am Steuer“, wenn jemand nicht einparken konnte.
Eine andere seiner Erkenntnisse war, daß Frauen in Hamburg deswegen bevorzugt riesige SUVs fahren, weil sie nicht eben nicht Auto fahren könnten. Das mache sie so unsicher, daß sie sich in einem so gewaltigen Panzer-artigen Wagen einfach besser fühlten. Ich ließ ihn in dem Glauben, ob wohl ich ihm hätte widersprechen sollen. Aber es war so unfreiwillig komisch diese Bemerkungen ausgerechnet von dem schlechtesten Autofahrer, den ich kenne zu hören.

Aber mein Vater konnte als Künstler sehr gut beobachten.  Immer wieder staunte ich welche Details er wahrnahm mit seinem geschulten Auge.
Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland erklärte er mir „nur Frauen haben Fennschn“ am Auto. Ein typischer Spruch meines Vaters, dachte ich zuerst. Aber dann fing ich an systematisch nach FÄHNCHEN (Fennschn in der Aussprache meines Vaters) an Autos zu gucken und die mit dem Geschlecht des Fahrers abzugleichen.
Und potzblitz, es stimmte.
95% der schwarzrotgold-beflaggten Autos wurden von Frauen gefahren.
(Ausnahme Geschäftswagen von zB Handwerkern).
Konnte das sein?
Klischees und Vorurteile bestätigen sich üblicherweise durch selektive Wahrnehmung.
Man bemerkt also nur die Fälle, die ins eigene Vorurteil passen.
Ein xenophober Mensch, der neunmal nacheinander auf sehr höfliche Dunkelhäutige trifft, wird seine Meinung nicht ändern, aber wenn die Zehnte zufällig unhöflich ist, wird er sagen: „Typisch Ausländer!“
Wer also glaubt, Frauen könnten nicht einparken, bemerkt nicht die 99 Frauen, die perfekt einparken, sondern beißt sich an der einen fest, die Dutzende mal rangiert, bis sie irgendwann senkrecht zur Parklücke steht.
Um nicht diesem Effekt anheim zu fallen, habe ich versucht im Straßenverkehr während der unsäglichen internationalen Sportveranstaltungen, die zur Autobeflaggung führen systematisch auf jedes Fahrzeug zu achten und ich meine, es stimmt: Frauen tun das; Männer eher nicht.
Ich erkläre mir das mit der bizarren fetisch-artigen Beziehung vieler Männer zu ihrem Auto. Es soll nicht verunstaltet werden, während Frauen eher den praktischen Wert des Autos sehen und dazu neigen Dinge zu dekorieren (um gleich drei weitere Geschlechterklischees zu bemühen).

Über die Jahre habe ich viele Freunde auf diesen Zusammenhang hingewiesen und erbeten selbst drauf zu achten. Ich wurde ausschließlich bestätigt.

Inzwischen habe ich neben des Frauen-Fähnchen- (1) und des Frauen-Einparken-Klischees (2) drei weitere Autofahrer-Eigenschaften detektiert, die offenbar auf dem XX-Chromosomenpaar liegen:

3) Hamburg ist deutsche Cabrio-Hauptstadt. Sobald es über zehn Grad und sonnig ist, fahren die Hamburger oben ohne. Das gilt für Frauen und Männer als Fahrer. Aber wenn ein gegengeschlechtliches Pärchen Cabrio fährt, sitzt in 99% der Fälle der Mann am Steuer und die Frau spielt auf dem Beifahrersitz mit dem Handy.

4) Schlaglöcher. In vielen kleinen Straßen gibt es so heftige Straßenschäden, daß man sie schon vorher erkennen kann. Daher sieht man gelegentlich, daß der vor einem fahrende Wagen urplötzlich kurz ausschert, um zu vermeiden genau durch das Schlagloch zu fahren – mußmaßlich um die Reifen zu schonen. Ich behaupte 99% dieser Ausweicher sind Männer. Frauen am Steuer brettern ungerührt genau durch die Schlaglöcher.

5) Enge, zugeparkte Straßen mit Gegenverkehr. Es gibt auch mehr und mehr fest installierte „Schikanen“, also künstliche Fahrbahnverengungen, die verhindern, daß zwei Autos aneinander vorbei fahren. Ich konnte keinen geschlechterspezifischen Unterschied bei der Bereitschaft zur Seite zu steuern, um erst mal den Entgegenkommenden durchzulassen erkennen.
Das ist eher eine Frage der Automarke und des Fahrzeugwertes. Große Mercedesse lassen einen nie vor, je kleiner und billiger das Fabrikat, desto höflicher der Fahrer. Aber wenn ich derjenige bin, der den Entgegenkommenden erst fahren lässt sind 99% der Derjenigen, die sich mit einer Höflichkeitsgeste (Hand heben) bedanken Männer. Frauen tun das nie.

Ich schließe aus den Beobachtungen, daß Frauen immer noch nicht von ihrer Umwelt so selbstverständlich als Autofahrerinnen, bzw Autokennerinnen angesehen werden wie Männer.

Kann das sein im Jahr 2020????

Montag, 20. Juli 2020

Neue Anti-Trump-Strategie?


Wie wir immer wieder gesehen haben, ist es nahezu unmöglich Trump-Fans oder Hildmann-Gläubige mit rationalen Argumenten von ihrem Wahn abzubringen, da es eben gerade nicht rational ist sich so einem Kult zu verschreiben.
Man kann diese Leute aber auch nicht ignorieren, da ihre Wahlstimmen gemeingefährlich sind und uns allen den Untergang bringen können.
Was also tun, wenn Trumpisten sich andererseits als vollkommen erkenntnisresistent zeigen?


Es hat keinen Sinn mit journalistischer Aufklärung, mit Rekapitulieren der Fakten, mit Widerlegungen der Trump-Lügen auf seine fanatischen Fans zu zielen, weil sie nicht zuhören, nicht verstehen und alles was ihrer Hass-Ideologie widerspricht ohnehin nicht glauben.

Wenn man aber die Wähler schon nicht dazu bringen kann zu denken, also das aktive Wahlrecht nicht reparieren kann, dann muss man eben das Objekt des passiven Wahlrechts attackieren; Trump selbst.
Er muss dazu gebracht werden noch mehr auszuflippen, in Rage zu geraten und sich derartig lächerlich zu machen, daß außer dem harten Kern niemand mehr sein Kreuz bei ihm macht.

Glücklicherweise ist es leicht Trump zu triggern, da er ein Psychopath mit schwerer Bestätigungssucht und gewaltigem Minderwertigkeitskomplex ist.
Er ist auch dem geistigen Niveau eines schmollenden Kleinkindes, das missgünstig die Portraits seiner Vorgänger GW Bush und Bill Clinton aus dem Weißen Haus verbannt, das manisch alles zerstört, das mit dem Namen Obama verbunden ist und hysterisch nach Lob verlangt.

Die Werbespots des „Lincoln Projects“, einigen abtrünnigen Republikanern um Kellyanne Conways Ehemann George Conway versuchen das.
Sie sind kleine fiese, einminütige Attacken auf Trumps seelisches Gleichgewicht.
Sie nutzen exakt seine maximal attention span und triggern seine Schwachpunkte.




Mit 368.000 Abonnenten ist das Lincoln-Project nur ein sehr kleiner Youtube-Kanal. Nur ein paar Hunderttausend Menschen sehen diese Spots und von ihnen sind 99% mutmaßlich ohnehin demokratische Wähler.
Aber darauf kommt es nicht an; die Macher versuchen dafür zu sorgen, daß Donald Trump die Clips sieht.

[…..] Dass die konservativen Trump-Gegner beim Versuch, Trump unter die Haut zu gehen, recht erfolgreich sind, verriet dessen Reaktion auf einen Clip mit dem Titel "Mourning in America", den die Gruppe im Mai veröffentlichte. Er zeigt ein Land, das unter Trumps Führung in Ruinen liegt, verwüstet von der Corona-Pandemie.
Trump griff nach Mitternacht zum Handy und twitterte eine Reihe von Beleidigungen über das Lincoln Project. Damit verhalf er dem Video zu Gratiswerbung und Reichweite - und dessen Machern zu neuen Spenden.
Fraglich ist, ob die Wahlkampfspots auch tatsächlich etwas bewirken, was die Einstellung der Wähler gegenüber Trump betrifft. Wenn das Lincoln Project für seine Clips teure Sendeplätze im Fernsehen bucht, dann kaum in den umkämpften Bundesstaaten - sondern zumeist in Washington, das für den Ausgang der Wahl bedeutungslos ist. Die Zielgruppe sind damit klar erkennbar nicht Wechselwähler, sondern eine einzige Person: Trump.
[…..]


Eine ähnliche Methode wandte auch FOX-Moderator Chris Wallace in seinem letzten Trump-Interview an.
Er weiß natürlich, daß die FOX-Zuschauer wie ein Mann hinter IQ45 stehen und er deren Meinung nicht mit Fakten verändern kann.
Also triezte er Trump mit gezielten Richtigstellungen seiner perfiden Lügen so, daß er wie erwünscht ausflippte und von Stuhl sprang, als Wallace ihm seine Lüge Biden wolle die Polizei entwaffnen nicht durchgehen ließ.

Das Interview wurde zum kompletten Desaster, bei dem sich Trump in epischer Länge selbst dafür gratulierte einen Demenztest absolviert zu haben, in dem er einen Elefant als Elefant erkannt, die Uhrzeit ablesen konnte, sowie die gewaltige Matheaufgabe 100-7 löste.
Minutenlang prahlte er.


[…..] Als Trump zum Beispiel behauptete, sein demokratischer Rivale Joe Biden wolle die Budgets der Polizei zusammenstreichen, erwiderte Wallace freundlich, das stimme nicht. Trump empörte sich, Wallace blieb ruhig und beharrlich. Schließlich ließ sich der Präsident Unterlagen bringen, um seine Äußerungen zu beweisen. Wallace behielt recht.
Als Trump damit prahlte, er habe bei einem Test seiner kognitiven Fähigkeiten brilliert, konterte Wallace, er habe den Test auch gemacht, und schwierig sei das nicht gewesen. Zum Beispiel habe man das Bild eines Elefanten als Elefant identifizieren müssen. Oder sieben von 100 subtrahieren. Trump schien nicht zu merken, wie er sich selbst untergrub, als er darauf beharrte, der Test sei wirklich schwierig gewesen. Eher nebenbei fragte Wallace, ob Trump das Ergebnis der Wahl im November unabhängig vom Ergebnis anerkennen werde. Trump wollte diese Frage nicht bejahen, was für einen Präsidenten der USA mehr als bemerkenswert ist.
In den dreieinhalb Jahren seiner Präsidentschaft hat Trump wohl nie schlechter ausgesehen in einem Interview. [….]


Trump wird nun wieder toben und ragetweeten.
Und sich hoffentlich selbst damit weiter in den Abgrund reiten während die zweite Corona-Welle durch die republikanischen Trump-Bundesstaaten pflügt und bereits 140.000 US-Amerikaner an Covid19 gestorben sind.

[…..] Es ist ein ungewohnt harter Gang für Trump. Wallace kontert so gut wie jede Falschbehauptung von Trump mit "Das stimmt nicht" oder "Das ist nicht wahr". Trump behauptet etwa, die Corona-Todesrate in den USA sei eine der niedrigsten der Welt. Wallace: "Das ist nicht wahr, Sir." Die USA hätten die siebthöchste Rate unter den am meisten betroffenen Staaten der Erde. Er beruft sich auf Daten der Johns-Hopkins-Universität.
Trump glaubt Wallace nicht. Er lässt sich von seinen Presseleuten eine Grafik geben und wirft einen kurzen Blick darauf. "Nummer eins in niedriger Todesrate", sagt er und hält sie ins Bild. Stimmt aber wieder nicht. Die Grafik zeigt die USA auf Platz drei. Und Staaten mit weitaus geringerer Todesrate tauchen darauf nicht auf. Wallace muss sich dennoch anhören, er sei "Fake News".
Und die vielen neuen Corona-Fälle in den USA? Mehr als 75 000 registrierte Neuinfektionen am Tag sind es inzwischen. Und täglich gut 1000 weitere Tote. Trump tut immer noch so, als wäre das ausgebaute Testprogramm dafür verantwortlich. Wallace stellt richtig: Es gebe 37 Prozent mehr Tests - aber im gleichen Zeitraum 194 Prozent mehr Fälle. Trump versteht offenbar den Zusammenhang nicht. Viele junge Leute hätten doch "nur einen leichten Schnupfen und wir tun so, als wäre das ein Test", sagt er. [….]
Ich hoffe. Die Moderatoren der drei Präsidentschaftsdebatten mit Joe Biden schreiben sich diese Methode hinter die Ohren und werden jeder einzelnen Trump-Lüge akribisch und ruhig widersprechen – auch wenn das ein sehr langer Abend werden sollte.