Sonntag, 6. Januar 2019

Hinsetzen – Teil III


Das ist mehr als „rechts blinken“ oder dog whistle, um AfD-Wähler auf sich aufmerksam zu machen.

Sahra Wagenknecht ist inzwischen voll auf Linie mit rechtsextremen verschwörungstheoretischen Blogs. Sie lässt keinen Pegida-Trigger mehr aus.

Rückblick:
(…..)Sie tickt offensichtlich braun, appelliert immer wieder an dumpfe Abwehr-Gefühle und antihumane Gemeinsamkeiten mit CSU und AfD.

(….) Wie man garantiert eine Bundesregierung mit einer starken Beteiligung der Partei DIE LINKE verhindert, demonstriert gerade Sahra Wagenknecht, die sich ihren Ehemann als Vorbild nahm. Auch der hatte bekanntlich schon höchsteffektiv seine eigene Partei, deren Vorsitzender er war, gespalten, dezimiert und bekämpft.
Das will Wagenknecht auch unbedingt mit der Linken schaffen: Die Partei zerstören, die Mitglieder kurz vor wichtigen Wahlen in Flügelkämpfe treiben und den Bundesbürgern zeigen, daß man derzeit die Linke wirklich nicht wählen kann.
Mit ihrem neo-völkischen Verein #Aufstehen konnte sie bereit gewaltigen Unfrieden säen und der eigenen Linken-Parteiführung viele lange rostige Dolche in den Rücken stoßen. (….)

Wagenknecht ist eindeutig eine Spalterin, die vor keiner Scheußlichkeit zurückschreckt.

[….] Was für eine groteske Schmierenkomödie. Erst verriet Lafontaine seine eigene Partei, deren Vorsitzender er war, um als Linker in ihrem Fleisch zu sektieren, dann heiratete er die Linke Sahra Wagenknecht, die nun etwas Ähnliches in ihrer Partei abzieht: Die Linke in zwei Hälften zu zerteilen.
Beide bedienen sich dabei xenophober Ressentiments und spielen die Ärmsten in Deutschland perfide gegen Flüchtlinge und Asylanten aus. Es gibt eine lange Geschichte dieses Fischens im braunen Sumpf.

Seit ihrer Heirat scheint Wagenknecht sogar deutlich aggressiver gegen Flüchtlinge zu agitieren. Immer wieder robbt sie sich mit Vorurteilen gegen Heimatvertriebene, die den Deutschen etwas wegnähmen, mit ihnen konkurrierten an AfD-Wähler heran.

Sie schafft es nicht bei ihrer neuen linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ auf ausländerfeindliche Untertöne zu verzichten.

[….] In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten spiel­te [Wagenknecht] noch mit Res­sen­ti­ments ge­gen Flücht­lin­ge und Frem­de. [….]  Mat­thi­as Miersch, Frak­ti­ons­vi­ze und ein­fluss­rei­cher Netz­wer­ker des lin­ken Flü­gels, merkt kri­tisch an, dass sich Wa­genk­necht in der Ver­gan­gen­heit aus rot-rot-grü­nen Ge­sprächs­krei­sen »eher her­aus­ge­hal­ten« habe. Und der SPD-Ge­sund­heits­ex­per­te Karl Lau­ter­bach bucht das Pro­jekt schlicht als »Un­sinn« ab. »Wir kön­nen nicht alle drei Jah­re eine neue Par­tei grün­den und die Lin­ke wei­ter spal­ten«, sagt er. [….] Bei den Grü­nen ste­hen Wa­genk­nechts Chan­cen eher noch schlech­ter als bei der SPD. [….] weil sich die Lin­ken-Po­li­ti­ke­rin mit ih­rer kri­ti­schen Po­si­ti­on zu Ein­wan­de­rung und Flücht­lings­auf­nah­me hin­rei­chend un­be­liebt ge­macht hat. Nicht mal die Nach­wuchs­or­ga­ni­sa­ti­on, sonst für lin­ke Pro­jek­te zu ha­ben, mag sich für die Samm­lungs­be­we­gung ein­set­zen. Dass sich lin­ke Ak­teu­re ver­net­zen, sei sinn­voll, sagt Ri­car­da Lang, Spre­che­rin der Grü­nen Ju­gend, »aber Frau Wa­genk­necht ist da­für die Fal­sche«. Sie ori­en­tie­re sich in der Mi­gra­ti­ons­fra­ge an Rech­ten und Kon­ser­va­ti­ven. [….]
(Der Spiegel Nr. 32, 04.08.2018)

Wagenknecht wagt kein Risiko; sie bleibt in der Partei. Klebt an ihren Pöstchen.
Ganz offensichtlich wird mit dem Projekt „Aufstehen“ eher ihre eigene Profilneurose bedient; schließlich waren sie und ihr Ehemann bisher schon das Haupthindernis für rotrotgrüne Zusammenarbeit.
 [….]

Ihr neuester Coup zu Weihnachten ist das schäbige Heranrobben an die französischen Gelbwesten.
Das war zu erwarten, nachdem sich schon alle rechten, bzw völkischen Blogs und Parteien von AfD bis David Berger auf den Zug setzten.

Wie kann sich eine intelligente Frau nur so verrennen? Da stümpert die SPD wie noch nie, schrumpft sich auf 14%, so daß es im linken Lager viele Millionen herrenlose Stimmen zu verteilen gibt, die Wagenknecht nur einsammeln müsste, aber sie hetzt nun beinahe im Wochentakt so asozial und unsolidarisch, daß die ganze Partei DIE LINKE sogar hinter das miserable 9,2%-Bundestagswahlergebnis zurück gefallen ist. Und das trotz einer extrem unbeliebten Groko und einer sich in Lyse befindlichen SPD.

Jede einzelne Forderung der Rechtsradikalen übernahm Oskar Lafontaines Ehefrau.
Eine beliebte Verschwörungstheorie der Nazis fehlte noch und wurde heute auch wortgleich übernommen.

 [….] Die "Aufstehen"-Bewegung der Linken-Fraktionschefin Wagenknecht polemisiert gegen ARD und ZDF - und ähnelt in ihrer populistischen Wortwahl der AfD.
Ein Mann, der mit den Schriftzügen "ARD" und "ZDF" versehen ist, hält einen anderen Mann kopfüber und schüttelt diesen, bis der Inhalt aus dessen Taschen auf den Boden fällt. Und dieser Inhalt besteht offenbar hauptsächlich aus Geldscheinen. Über der Grafik steht rot unterlegt die Frage: "Rundfunkbeitrag anheben? Bessere Idee: Einkommen der Fernseh-Intendanten senken!"
Mit diesem Tweet über den Rundfunkbeitrag hat die linke Bewegung "Aufstehen" um die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht am Samstag für Empörung gesorgt. In der Mitteilung wurde zudem die Forderung gestellt: "Bürgermedien statt Regierungsrundfunk!" Vor allem über den Begriff "Regierungsrundfunk" regten sich andere Nutzer in den sozialen Netzwerken auf, klingt er doch nach "Staatsfunk", dem Begriff, mit dem die AfD immer wieder den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu diskreditieren versucht. [….]

Der nächste Schritt Wagenknechts kann eigentlich nur sein sich von Lafontaine zu trennen und Lutz Bachmann, Jürgen Elsässer oder David Berger zu heiraten.

Es ist nur logisch, daß die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry, die an der Grenze auf Kinder schießen lassenund den Begriff „völkisch wieder positiv besetzen“ wollte mit dem Gedanken schwanger geht sich Wagenknecht anzuschließen.

[….] Will sie sich noch einmal neu erfinden und sich womöglich der "Aufstehen"-Bewegung von Sarah Wagenknecht anschließen? Ausgeschlossen erscheint es nicht. Das Projekt betrachtet sie mit großem Interesse. Über Wagenknecht sagt Petry: "Ich habe Sympathie für viele ihrer Positionen, vor allem in der Migrationspolitik." [….]

Die AfD-affine Epoch Times listet genüsslich auf wie sich Wagenknecht von linken Positionen verabschiedet und sich in Richtung Frauke Petry bewegt.

Ob nun ein neorechtes Bündnis einer wie auch immer gearteten „Liste Wagenknecht-Petry“ oder ein direkter Übertritt zur AfD-Fraktion als nächstes ansteht, ist irrelevant für die politische Haltung der ehemaligen Frontfrau der Kommunistischen Plattform.
Sie ist die gesamte Querfront in einer Person.

Samstag, 5. Januar 2019

Evangelische Power


Die EKD ist eine der mächtigsten, größten und reichsten Organisationen in Deutschland. Über 21 Millionen Mitglieder, enge Vernetzung mit den höchsten Stellen des Staates, der amtierende Bundestagspräsident war designierter Kirchentagspräsident, sie verfügt über eine gewaltige Infrastruktur, ein Milliardenvermögen und viele Hunderttausende Angestellte.

Die Evangelen, die als „Deutsche Christen“ eine der wichtigsten Stützen Adolf Hitlers waren und mit ihrem Vordenker Martin Luther über einen der einflussreichsten Antisemiten der Weltgeschichte verfügen, können also durchaus etwas bewirken in diesem Staat.

Wir wissen alle wie nachhaltig wenige tausend Aktive ein ganzes Land auf Kurs zwingen können. Man denke nur an die Lokführer, die Gewerkschaft Cockpit oder die Gelbwesten.

Heinrich Bedford-Strohm, HBS, Chef der Massenorganisation EKD setzt dementsprechend auch die Daumenschrauben brutal ein, wenn es gilt christliche Positionen durchzusetzen:
Gebete und wenn die nichts nutzen, verfügt er sogar noch über eine Eskalationsstufe: Die Schweigeminute.
Uiuiui, das erschüttert dann die Grundfeste der Republik, wenn HBS zum Äußersten greift.

 […..] „Als Christinnen und Christen haben wir keine vorschnellen Antworten“, sagt Präses Manfred Rekowski, „aber wir können unsere Fragen und Klagen vor Gott bringen“, und ruft die rheinischen Gemeinden zum Gebet auf.

Gebet angesichts des Absturzes von Flug 4U9525
Von jetzt auf gleich
aus dem Leben gestürzt.
Kinder, Jugendliche, Erwachsene – Menschen.
Ihre Zukunftspläne: vernichtet.
Ihre Träume: zerplatzt.
[…..] Gott, wir flehen dich an:
Weiche nicht von unserer Seite!
Erbarme dich unser!

Schweigeminute für die Opfer des Absturzes um 10.53 Uhr
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Manfred Rekowski hat die Gemeinden in seiner Landeskirche gebeten, sich am heutigen Donnerstag, 26. März, an der Schweigeminute zu beteiligen. […..]

Wozu braucht es Mechaniker bei „Lufthansatechnik“ oder gut ausgebildete Fluglotsen, wenn man doch viel besser Gott das Wohl der Fluggäste anvertrauen kann?

[….] Für die Opfer des Krieges in Syrien findet am 30. November 2016 um 15 Uhr eine Schweigeminute statt. Evangelische Kirchengemeinden im Rheinland, in der Pfalz sowie in Hessen und Nassau sollen sich mit Friedensgebeten beteiligen. „Wir rufen Christinnen und Christen zu Gebeten für die leidenden Menschen in Syrien auf, weil wir gewiss sind, dass Gott mit ihnen ist in ihrem Leiden “, sagt der rheinische Vizepräses Christoph Pistorius. [….]

So ein Glück. Danke für den Einsatz, liebe EKD. Die christlichen Regierungen Europas und Amerikas beendeten sofort alle Waffenexporte in den Nahen Osten und Syrien ist nun befriedet.

 […..] Der Kirchentag unterbricht sein gesamtes Programm für die Toten der europäischen Außengrenzen am Freitag, 26. Mai 2017, um 12 Uhr.
Die Gedenkveranstaltung ab 11 Uhr und die Schweigeminute um 12 Uhr erinnern an die mehr als 10.000 Menschen, die in den letzten drei Jahren auf ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. In Anlehnung an die Losung des Kirchentags steht die Kampagne unter dem Motto „Du siehst mich – Siehst du mich?". Dieses Motto steht auch im Mittelpunkt der Plakatkampagne. „Wir dürfen uns nicht an dieses tausendfache Sterben gewöhnen", so Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): „Wir beklagen nicht die Opfer einer Naturkatastrophe, sondern die Opfer einer Politik, die auf Abschreckung und Abschottung setzt. Dies ist mit dem christlichen Verständnis von Nächstenliebe und einer gottgegebenen Menschenwürde nicht vereinbar." […..]

Danke EKD, nach dieser enormen Machtdemonstration haben die EKD-Mitglieder Merkel und Söder bekanntlich die gesamte Migrationspolitik überdacht und dafür gesorgt, daß niemand mehr auf der Flucht umkommen muss.

[….]  Bischöfin Kirsten Fehrs […..] gedachte heute […..] mit einer öffentlichen Schweigeminute und einem Gebet der Opfer der Messerattacke von Barmbek.
Das Gedenken fand an den Magellan-Terrassen in der Hamburger Hafencity zu Beginn der Veranstaltungen statt, mit denen die evangelische Kirche dort heute und morgen das 500. Jubiläum der Reformation begeht. [….]

Hurra, endlich ein probates Mittel, um rechtsextremen und islamistischen Terror zu beenden.

Da dieses Mittel so ungeheuer effektiv wirkt, setzte es die EKD auch erfolgreich gegen Kinderficken ein. Heiner Keupp, em. Professor für Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität und Mitglied der unabhängigen Aufarbeitungskommission der Bundesregierung ist schwer beeindruckt.

[….] SZ: Kürzlich hat die Synode der evangelischen Kirche eine Schweigeminute für die Opfer von sexuellem Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter eingelegt. Eine Schweigeminute nach jahrzehntelangem Schweigen - wäre ein Aufschrei nicht angebrachter?

Heiner Keupp: Was ich mir vor allem gewünscht hätte, ist die Mitsprache der Betroffenen. Dass sie der Synode von ihrer eigenen Erfahrung hätten berichten dürfen. Man muss ihnen mehr zuhören.

SZ: Sie sind unzufrieden?

Heiner Keupp: Ja, mit beiden Kirchen, auch wenn sich inzwischen etwas bewegt. Unter den katholischen Bischöfen, die ich selbst bei ihrer Versammlung in Fulda erlebt habe, waren einige dabei, denen merkst du an, dass sie tief erschüttert sind und etwas ändern wollen. Aber die große Mehrheit sitzt da, und man versteht nicht, was hinter ihrer Fassade abläuft. Ich glaube, dass viele das Thema aussitzen wollen. [….]

SZ: Die evangelische Kirche geht das Thema Missbrauch erst jetzt offensiv an. Dabei sieht sie seit Jahren bei den katholischen Kollegen, wie deren Institution erschüttert wird.

Heiner Keupp: Der Windschatten war ein Schutz. Die Medien hatten lange nur die katholische Kirche im Blick. Das hat die Protestanten glauben lassen, nicht unbedingt an die Öffentlichkeit gehen zu müssen. Wie bei der Autoindustrie und dem Dieselskandal habe ich den Eindruck: Die geben nur das zu, was ihnen öffentlich nachgewiesen wird. Ich nenne das den institutionellen Narzissmus. Man will die schöne Fassade der Kirche nicht beschmutzt haben. [….]

Ach, Papperlapapp, die Opfer sollen sich mal nicht so anstellen.
Mehr als eine Schweigeminute kann man nun wirklich nicht verlangen.
Das ist doch eine mehr als großzügige Aktion der EKD!

Freitag, 4. Januar 2019

Zurück ins Mittelalter

Unglücklicherweise lässt sich jeder Fortschritt zurückdrehen.
Polen und Ungarn waren in den 1980er und 1990ern Vorreiter der Liberalität, öffneten die Grenzen als die DDR noch steinzeitkommunistisch war.
Ausgerechnet das Gorbatschow-Russland wurde 1985 Anführer einer Bewegung für Demokratie und Bürgerrechte.
Und wir alle kennen die Bilder von fröhlichen Studentinnen mit modischen Frisuren und kurzen Röcken, die in den 1970ern im Irak und Afghanistan unbeschwert auf der Straße spazierten.
Die Attatürk-Türkei war eins der säkularsten Länder der Welt. Dort durften in öffentlichen Gebäuden keine Kopftücher getragen werden, weil religiöse Bekundungen in staatlichen Angelegenheiten verboten waren. Eine türkische Muslimin, die den ganzen Tag Kopftuch tragen wollte, musste dafür nach Deutschland auswandern.
Nun trägt Emine, Gattin des almmächtigen Staatschefs selbst Kopftuch.

Wer hätte gedacht, die mühsam erkämpfen Homo- und Trans-Rechte ließen sich in den USA wieder zurückdrehen?
Aber das ist die Realität der Trumpjahre. Alle geistigen Errungenschaften werden geschliffen. Umweltschutz, Menschenrechte, Folterverbot.
Und der Süd-Trump, Jeir Bolsonaro, rechtsradikaler Hassfanatiker, gibt als erste präsidentielle Handlung den brasilianischen Urwald zur Rodung frei.

Wie konnte das passieren?

So ein backlash entsteht, wenn sich der Staat aus der Bildung zurück zieht und den Religiösen den Raum freimacht, um sich zu entfalten.

Unter Erdoğan kehrte der Koran in die Schulen und Universitäten zurück.
Die Amerikaner fingen während der verhängnisvollen Reaganomics an die staatlichen Schulen kaputtzusparen und überließen Millionen Kinder dem evangelikalen Irrsinn ihrer religiotischen Homeschooling-Eltern.
Es waren auch die USA, die zusammen mit islamischen Kämpfern aus Saudi Arabien die sowjetisch-staatlichen Strukturen in Afghanistan zerschlugen und so die Taliban an die Macht brachten. Da steckt es schon im Wort „Taliban“, welches aus dem arabischen talib (طالب),  „Schüler“ stammt. Taliban sind Koranschüler. Sie warfen die Frauen aus den Bildungsanstalten und steckten sie in Burkas.

Und so kommt es in einem Hightechland wie den USA zur Bildung einer Bildungs-Unterschicht aus zig Millionen Menschen, die Evolution für Unfug halten, das Erdalter auf 6.000 Jahre schätzen und die Bibel in Erwartung der Endzeit wörtlich auslegen.

Noch hanebüchener sind die Verhältnisse im noch jüngeren und technikaffineren Israel.
Der erst 70 Jahre alte Staat mit seinen 8,9 Millionen Einwohner ist technisch in vieler Hinsicht weltweit führend.
Software, Kommunikation, Gentechnik, aber auch die modernste Landwirtschaft der Erde kommt aus Israel.
Und dennoch leistet sich das Land eine Regierung, in der Ultraorthodoxe sitzen, die dafür sorgen, daß ihre Kinder konsequent von Bildung und Internet ferngehalten werden, daß Mädchen möglichst gar nichts lernen, sondern nur gebären, während sich ihre Ehemänner ihr Leben lang auf Poppen und den Talmud konzentrieren.
So sehr, daß sie nicht zur Armee können und üblicherweise niemals einer Erwerbsarbeit nachgehen.
Ja, knapp die Hälfte der Israelis sind säkular und interessieren sich kaum für Religion, aber 15 % sind orthodox und die völlig fanatischen Charedim (ultraorthodoxe Juden) stellen weitere 7-8% der Bevölkerung. Jeder fünfte Israeli liebäugelt also mit dem Gedanken das Land in eine fundamentalistische Theokratie umzuwandeln.
Genau wie salafistische Muslime und evangelikale Christen sind auch die Charedim eine echte Gefahr für die Demokratie.
Alle drei Gruppen zeichnen sich durch extreme Bildungsferne und extreme Vermehrung aus. Ihre Frauen sind partiell entrechtete Gebärmaschinen, die möglichst kontinuierlich schwanger sein sollen; kochen und putzen müssen.

Diese ultraorthodoxen Juden lehnen des Staat Israel ab.

[….] Micha Brumlik: „Die Satmarer Chassidim sind gegründet worden schon vor dem Holocaust – von Rabbi Yoel Teitelbaum, der die geschichtsphilosophische These vertreten hat, dass der Holocaust, also die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden Gottes Strafe für Zionismus und Assimilation gewesen sei.“
Micha Brumlik lehrt und forscht am Berliner Zentrum für Jüdische Studien zur Geschichte des Judentums und der Diaspora. Als deutscher Jude kann er Rabbiner Yisroels Sicht auf die Dinge nicht nachvollziehen:
„Der Zionismus war eine zeitgemäß nationalistische Reaktion auf den Judenhass und das hat sich dann natürlich nach dem zweiten Weltkrieg durch die Erfahrung der Ermordung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland verstärkt und heute sagen viele Jüdinnen und Juden, ob sie mehr oder weniger Antisemitismus erfahren, dass das im Zweifelsfall so etwas wie eine letzte Fluchtmöglichkeit ist, weil ja der Staat Israel allen Jüdinnen und Juden sofort bei Eintritt auf das staatliche Territorium die Staatsbürgerschaft gewährt.“ [….]

Ein sehr schönes Beispiel dafür, daß sich die Strenggläubigen aller Abrahamitischen Religionen in nichts nachstehen.
Sie alle sind völlig irre.

Zu allem Unglück haben diese extremistischen Strömungen mindestens ein Bein in ihrer jeweiligen Regierung.
Der ganze Staat Saudi Arabien wird wahabitisch regiert.

Für die völlig erkenntnisresistenten Kreationisten stellt Mike Pence den US-Vizepräsident.

Diese Spinner sind so durchgedreht, daß die Darwins Erkenntnisse rundherum ablehnen, Dinosaurierknochen für maximal 6.000 Jahre alt halten, so daß T-Rex und Veloraptoren gemeinsam mit den ersten Menschen auf der Erde umherspazierten.
Sie glauben daran, daß ihr LIEBER Gott aber eines Tages keine Lust mehr auf seine Schöpfung hatte und deswegen bis auf eine Familie  und ein Pärchen jeder Tierart alle Lebewesen der Welt in einer gigantischen Flut vernichtete.

[….] Gott hat die ganze Welt vor 6000 Jahren binnen sieben Tagen erschaffen. Daran glaubt man besser - sonst kommt es zu Horrorszenarien wie dem Nürnberger Reichsparteitag. Wer daran zweifelt, sollte das Museum der Kreationisten in Kentucky besuchen. [….]

15% der amerikanischen Schüler hören in der Schule nichts von Evolution. Dafür bauen Extremisten extra ein Kreationismus-Museum, um dort Kinder zu „unterrichten“.

[….] Ich sitze in einem halbrunden Raum und schaue mir gerade ein Video über die Erschaffung der Welt an. „An Tag sechs hat Gott alle Landtiere geschaffen und auch den Menschen …“ dröhnt es auf Englisch aus Lautsprechern. Außer der sehr tiefen Erzählerstimme ist es still im Raum. Alle anderen Besucher*innen starren gebannt auf den Bildschirm. Vor mir sitzt eine Familie, die sich ehrfürchtig im Arm hält. Als die Projektion endet, steht ein Mann aus der ersten Reihe auf und murmelt: „That was amazing!“
Das ist nur einer von vielen Räumen des Kreationismus-Museums, irgendwo auf einem einsamen Feld im Norden Kentuckys. Zum Zeitpunkt des Videos bin ich noch guter Dinge, bestens von den irrwitzigen Darstellungen unterhalten und nicht ahnend, dass mich der Rundgang noch fast drei Stunden kosten wird. Die Ausstellung präsentiert die Schöpfung der Welt, wie sie in der Bibel wörtlich beschrieben wird. Bibelzitate ersetzen Erklärtafeln und wo selbst die fehlen, gilt Gott als Ultima Ratio. [….]

In Israel wird Evolution in Museen nur verschämt in der letzten Ecke hinter Vorhängen gezeigt. Mit einem ultraorthodoxen Wachmann, der aufpasst, daß kein Charedim aus Versehen mit wissenschaftlichen Fakten konfrontiert wird.

Fakten nur hinter Vorhängen; verschämt in der schmuddeligen FSK18-Ecke?
Wie kann das angehen in einem Hightechland mit hochgebildeter junger Bevölkerung? Wieso macht das Bildungsministerium den Wahnsinn mit?

Ganz einfach, die Charedim sitzen in der Netanjahu-Regierung. Gegen ihren Willen geht gar nichts und wenn man ohne Warnung Kindern Wissenschaft zugänglich machte, würden diese nur noch radikaler von solchen Einrichtungen ferngehalten werden.
Schon jetzt werden in 25% der staatlichen Schulen Israels keine der Bibel widersprechenden Erkenntnisse über das Erdalter oder die Entstehung der Arten gelehrt.

[…..] Im Naturgeschichtlichen Museum in Jerusalem haben sie sich für Vorhänge entschieden. Sie verdecken alle Exponate, die der biblischen Schöpfungsgeschichte widersprechen - egal ob es sich um Schädel früher Menschen handelt oder um Dinosaurier. Religiöse Menschen, heißt es aus dem Museum, hätten andernfalls überhaupt keine Begegnung mit der Naturgeschichte. Wer wolle, könne einen Blick hinter den Vorhang werfen. […..] Als nun das neue nationale Museum zur Naturgeschichte in Tel Aviv eröffnet wurde, warteten viele gespannt darauf, wie man damit umgeht. "Es ist wirklich ein heikles Thema im Land", gesteht Israel Herschkowitz ein. Der Anthropologieprofessor der Tel Aviver Universität hat an der ersten Schau mit dem Titel "Was macht uns menschlich?" mitgearbeitet. Die Evolution wird in dem modernen Bau zwar nicht ausgespart, aber in den letzten Winkel verbannt. Jener Teil, bei dem es um die Entwicklung des Menschen geht, wurde im letzten Stockwerk platziert. "So kann jeder entscheiden, ob er die anthropologische Schau sehen will oder nicht."
Wer sich dorthin wagt, findet neben einer Zeittafel und sechs ausgestellten Schädeln einen ultraorthodoxen Juden als Aufpasser vor. Er sei einer von zwei religiösen Museumsmitarbeitern, erzählt der junge Mann. "Das ist der Teil, den Ultraorthodoxe gar nicht mögen." […..]

Donnerstag, 3. Januar 2019

Fliegen, Flirten, Fleisch


Als Bewohner eines Industrielandes mit hoher Wirtschaftskraft lebe ich mit der zweifelhaften Gewissheit Hauptverursacher des Elends in südlichen ärmeren Ländern zu sein. Hungersnöte, Kriege und Klimawandel werden insbesondere durch die Export-, Agrar- und Klimapolitik des Westens befeuert.


Gleichzeitig lassen sich in Deutschland die katastrophalen Folgen der globalen Temperatur und des steigenden Meeresspiegels am beste ignorieren, weil wir reich genug sind hohe Deiche und stabile Häuser zu bauen.
Von immer höheren Sturmfluten bekommen wir Hamburger fast nichts mit, während in Bangladesch  immer wieder Tausende ertrinken und ganze Inselstaaten des Pazifiks überflutet werden.

Die allermeisten Amerikaner und Europäer ignorieren diese Zusammenhänge; einige wenige setzen sich aktiv dafür ein den Irrsinn zu beenden und einige überprüfen und verändern ihr eigenes Konsumverhalten.

Meine persönliche Klimaweste ist relativ rein.
Die drei allergrößten Klimasünden eines Deutschen oder Amerikaners sind

1.) Kinder bekommen
2.) Fleisch essen und
3.) Flugreisen

Ich bin geradezu vorbildlich: Kinderlos, letzter Flug war 1995 und seit 30 Jahren Vegetarier.

Diesen persönlichen CO2-Footprint könnte ich stolz wie eine Monstranz vor mir hertragen.
Aber ehrlich gesagt habe ich diese Entscheidungen weitgehend schon getroffen, als ich noch gar nicht die konkreten Zusammenhänge von Fleischproduktion und Kohlendioxid-Ausstoß kannte, Kinder wollte ich ob meiner misanthropen Überzeugung noch nie.
Nur meine Einsicht in die katastrophalen Folgen des Massentourismus‘ und Kerosion-Ausstoßes in hohen Atmosphärenschichten ist schon sehr alt.

In den vergangenen Dekaden habe ich sehr viele Diskussionen über diese Themen geführt und eine gewisse Äquidistanz zu Veganern und Fleischfressern aufgebaut.
Nach meiner Überzeugung ist eine radikale Einschränkung des Fleischkonsums dringend notwendig, der Planet ist eklatant überbevölkert und sowohl der Klimawandel, als auch die Endlichkeit der Ressource Erdöl werden das private Gefliege für 10 EURO nach Mallorca ohnehin eines Tages unmöglich machen.
Da können sich die Fleischesser noch so sehr echauffieren; die Zeit der extrem billigen Verfügbarkeit und Massenproduktion von Fleisch wird ohnehin vorbei gehen, in 50 Jahren wird Fliegen ein seltener Luxus sein (es sei denn, es werden völlig emissionsfreie Antriebe entwickelt) und das explosionsartige Vermehren der Gattung Mensch muss drastisch eingedämmt sein.
Diese Schritte sind zwar nicht alternativlos, aber die einzige Alternative ist eben das Aussterben der Menschheit. Das wäre natürlich die beste Option.

Gesetzt den Fall man wünscht sich ein Überleben der Menschheit, weil man zufällig selbst Kinder hat, fragt sich wie man diese grundlegenden Konsumveränderungen bewirkt.
Meiner Ansicht nach wird das schlecht mit Maximalforderungen funktionieren.
Der flexitarische Weg wird eher funktionieren als der Vegane, weil zu wenige sich radikal ändern wollen.

Ich zum Beispiel bin Lakto-Vegetarier. Ich esse viel Milchprodukte, aber keine Eier und grundsätzlich nichts, das im Wasser lebt.
Das sind zwei unideologische Einschränkungen. Ich mag Geruch, Geschmack und Konsistenz von Fisch und Eiern nicht. Fand ich schon als kleines Kind ekelhaft.
Fleisch hingegen gewöhnte ich mir absichtlich ab.
Dafür gibt es drei Gründe.

1.) Fleischesser sind ungesünder und leben kürzer
2.) Grundsätzliche moralische Erwägungen zum Tiere töten
3.) Klimatischer Aspekt.

Völlig konsequent wäre es vegan zu leben, aber da ich gern Käse, Joghurt und Quark esse und die Milch irgendwo herkommen muss, akzeptiere ich ja offensichtlich Tierhaltung. Natürlich möchte ich, daß Milchkühe nicht gequält werden, sondern glücklich und zufrieden frei auf saftigen Wiesen rumlaufen und schließlich eines natürlichen Todes sterben.
Die Kadaver dann nicht zu verwenden, sondern zu beerdigen, wäre natürlich Blödsinn.
Also fiele in meiner perfekten Traumwelt auch ein wenig Fleisch zum Verzehr an.
Ich mag auch sehr gern freilaufende Hühner und Enten. Warum sollten die kein glückliches Leben in Coexistenz mit dem Menschen führen? Sie könnten nach ihrem eigenen Rhythmus Eier legen und wenn sie mal alt sind und sterben, soll sie auch jemand essen dürfen.

In meiner Traumwelt dürfte es Kobe-Rindfleisch auf Speisekarten geben. Tiere, deren Leben vergnüglich und stressfrei gestaltet wird. Mit der allerbesten Pflege, dem allerbesten Futter, Massagen und den tiergerechtesten Lebensräumen.

Der Planet kann es auch fraglos verkraften, wenn ab und zu mal einzelne Flugzeuge umherfliegen. Man könnte argumentieren, daß Regierungsmitglieder fliegen können müssen, daß Katastrophenhilfe und ähnliches nicht ohne Flugzeuge möglich ist.

Die massenhafte und extrem billige Verfügbarkeit muss aber aufhören. Nicht jeder der 82 Millionen Deutschen kann drei Mal im Jahr eine Fernreise unternehmen.

Vor 50 Jahren gab es diese Klimaproblematik noch nicht in dem Maße, weil Fleisch viel zu teuer war. Da gab es einmal in der Woche Fleisch und nicht drei Mal am Tag für einen Spottpreis.
Meine Mutter ist noch in den 1960er Jahren mit dem Schiff nach Amerika gereist, weil Flugtickets für Normalbürger total unerschwinglich waren.

Der soziale Fortschritt und die allgemeine Erschwinglichkeit haben zu einer völligen Perversion der Freiheit geführt. Homo Demens meint nun ein Recht auf spottbillige Flugreisen mehrfach im Jahr zu haben.
Weil es alle machen. Wer auch nur daran denkt das ein bißchen einzuschränken, wird mit Shitstorms überzogen.
Insbesondere, wenn derjenige sich nicht selbst sklavisch an vegane Prinzipien hält.

Die bayerische Grünen-Vorsitzende Schulze erlebt das gerade nach ihrem Silvesterposting auf Instagram.


Der ehemalige Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir tat es ihr nach.


Das Internet ist erstaunlich. Welche enorme Masse abgrundtiefer Hass sich da binnen Stunden zusammenrottet.

[……] Ganz entspannt ist Katharina Schulze, Vorsitzende der Grünen in Bayern, 10.000 km nach Kalifornien geflogen, um dort ins neue Jahr zu schaukeln. Zumindest ist davon auszugehen, dass sie nicht im CO2-neutralen Floß nach Amerika gepaddelt ist.
Im Wahlkampf setzt sie sich hingegen dafür ein, dass der Münchener Flughafen aus Klimaschutzgründen nicht ausgebaut wird.
In den Hashtags möchte sie ihr grünes Ich dann aber nicht verschweigen und ihrer politischen Linie treu bleiben. #sonnestattböller dürfte ein Verweis auf die gravierenden Feinstaubbelastungen durch Feuerwerkskörper und die eigene fortschrittliche Haltung in diesem Bereich sein, die Ausdruck des gelebten Umweltbewusstseins ist.
Der Verzicht auf Feuerwerkskörper wird ihren ökologischen Fußabdruck nach der Aufrechnung mit einem Transatlantikflug nicht verbessern. Katharina Schulze predigt Wasser und trinkt Wein. [….]

Ja, und dann geht es los….





So absurd diese Hassattacken sind, so wenig überraschend sind sie.
Daher finde ich etwas besorgniserregend, wenn Spitzenpolitiker solche Scheißestürme nicht kommen sehen, sondern mit Kalifornischen Schaukelbildern dazu einladen.

Träfe das zu, was die AfD-Fans den Grünen unterstellten – Autos, Flugreisen, Fleisch nur noch für Bonzen und andere Superreiche, während das arme deutsche Volk zu Hause bleiben und Salat fressen muss – wäre der Umwelt und dem Klima übrigens tatsächlich geholfen.
Ein Steak 1000 Euro. Ein Flug nach Mallorca 50.000 Euro. Kinder bekommen nur gegen eine Gebühr von 1.000.000 Euro.
Ja, das wäre eine klimapolitisch höchst effektive Maßnahme, die allen Lebewesen letztendlich zu Gute käme.

Gerecht wäre das natürlich nicht, aber es ist nicht sehr schwer sich sozialverträgliche Modelle zu überlegen, die zu einer ähnlichen Konsumeinschränkung führten.
Man könnte beispielsweise ähnlich wie beim Emissionshandel jedem Menschen auf der Welt jährlich die Erlaubnis zum Verzehr einer geringen Menge Fleisch, ein paar Flugmeilen und alle 10 Jahre ein Kind zusprechen.

Diese individuellen Kontingente wären verkäuflich.
Wer sein Jahreskilo Rindfleisch nicht isst, könnte das Recht dazu an einen reichen Menschen verkaufen. Wer seine Flugmeilen nicht nutzen will ebenso.

Damit könnte ein Superreicher immer noch nach Australien fliegen. Aber er wäre gezwungen seinen Reichtum erheblich nach unten umzuverteilen.