Samstag, 18. April 2015

Die gewohnheitsmäßige Lügnerin – Teil II


Es gibt wohl keine zweite Politikerin, die so ungeniert auf Kosten anderer Eigen-PR betreibt, wie Ursula von der Leyen.
„Foto-Uschi“ im Berliner Polit-Sprech.

So ließ sich Vizekanzler Sigmar Gabriel nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in der Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion am Montag spöttisch über die öffentlichen Auftritte der Ministerin aus. Selbst wenn von der Leyen im Kopierraum des Verteidigungsministeriums stehe, schaue sie in die Ferne und lasse sich fotografieren, sagte der SPD-Chef in der Sitzung sinngemäß nach Angaben von Teilnehmern. Er spielte damit auf Fotos an, die von der Leyen zuletzt den Vorwurf eingetragen hatten, sich übertrieben in Szene zu setzen. Unter dem Gelächter der Abgeordneten fuhr Gabriel demnach fort: "Wenn ich am Kopierer stehe, guck' ich runter auf das, was ich kopiere."




Es war schon immer ihre Methode vorzupreschen, um sich mit fremden Lorbeeren zu schmücken – beispielsweise die Eröffnung der ersten Bundeswehr-Kita, die aber schon lange vor ihrem Amtsantritt eröffnet worden war.

Von der Leyen fällt in ihrem Umfeld besonders unangenehm auf, weil sie bei ihren PR-Terminen meistens lügt und wenn diese Lügen später als solche enttarnt werden, taucht sie ganz tief ab und läßt einen ihrer Untergebenen den Kopf dafür hinhalten.
Wenig überraschend, daß sie auch die Ministerin ist, die die höchsten Pensionskosten für den Steuerzahler verursacht, weil sie immer wieder Staatssekretäre und Abteilungsleiter feuert, die nicht mehr mit ihr zusammen arbeiten können.
Ihre Probleme mit der Beschaffungsabteilung des Verteidigungsministeriums machen dies besonders deutlich – da rollten schon einige Köpfe.
In ihren vorherigen Ministerien ging Foto-Uschi aber schon genauso vor.

Blick zurück in die Mottenkiste:

Auch Ursula von der Leyen ist das Lügen in die Wiege gelegt - wie in diesem Blog mehrfach berichtet, hat die jetzige Arbeitsministerin eine interessante Methode entwickelt.

Sie tritt mit großem Tamtam vor die Presse um Jubelbotschaften zu verkünden. 
Wenn sie auftritt, ist die Welt rosig. 
Ob es um Internetsperren zur Pornoverhinderung, gesunkene Sozialhilfeempfängerzahlen, Arbeitslosigkeitsrückgang, oder gestiegene Geburtenraten dreht; stets lobt sich die Ministerin selbst über den grünen Klee.

Daß in allen Fällen die Leyen’schen Aussagen schlichtweg gelogen waren und das Gegenteil der Fall war, räumte sie nicht selbst ein, sondern ließ die „richtige“ Wahrheit später vor kleinster Presserunde von einem untergeordneten Mitarbeiter vortragen. 

Sie ist eine extrem unbeliebte Chefin, die schon zu einem regelrechten Mitarbeiter-Exodus führte, weil sie stets nur danach trachtet sich selbst im besten Licht erstrahlen zu lassen und dann andere ihre Fehlprognosen ausbügeln läßt. 
Von schlechter Presse hält sie sich fern.
Eine erfolgreiche Strategie, denn der notorisch phlegmatisch-desinteressierte Urnenpöbel hat längst das Interesse verloren, wenn sich wieder einmal eine der Leyen‘schen Aussagen als falsch erweist und billigt ihr kontinuierlich Toppositionen im Beliebtheitsranking der Politiker zu.

Ihrem Aufstieg zu höheren Posten steht nichts im Weg. Gerne möchte sie Wulffs oder Merkels Job übernehmen.

An die größten Flops der heutigen Arbeitsministerin erinnert zusammenfassend noch einmal dieses wunderhübsche Lied.


Erneut wurde von der Leyen beim Lügen in der letzten MONITOR-Sendung ertappt.

Es geht um superbillige Textilien, die nur unter extremer Ausbeutung von fast verhungernden Näherinnen in Bangladesch produziert werden können.

Ein T-Shirt für 4,95 Euro kann nicht zu fairen Löhnen produziert worden sein - auch nicht in der Dritten Welt. […] Erschreckend, wie wenig sich seither geändert hat. Trotz aller Versprechen der Firmen. Deshalb ist endlich die Politik gefragt. Und siehe da, unsere Recherchen haben ergeben: Die EU will tatsächlich etwas tun. Nur einer steht offenbar ganz gewaltig auf der Bremse. Die Spur führt nach Berlin."
[…] Bangladesch ist die Nähkammer der Welt. Konzerne wie H&M, KiK, Lidl oder Aldi lassen hier produzieren. Denn nirgendwo sind Arbeitskräfte billiger - 30,- Euro im Monat. Oft schuften Nazma und die anderen bis zu 16 Stunden am Tag. Mit 30,- Euro im Monat kann man auch hier kaum überleben. Gewerkschafter kämpfen deshalb seit Jahren für einen fairen Lohn.

Die EU hat die Nase voll von diesen Ausbeutermethoden und möchte die Importeure solcher Textilien wenigstens dazu zwingen Angaben über die Herstellungsmethoden zu machen, so daß der Kunde selbst entscheiden kann, ob er solche Waren auf Kosten der Ärmsten der Welt kaufen will.

Dazu fordert die EU den Nachweis, dass die gesamte Lieferkette soziale Standards erfüllt. Also keine Kinderarbeit, gerechte Arbeitszeiten und fairer Lohn.

Entzogene Kundenliebe kann für einen Billigheimer tödlich sein - das mußte zuletzt SCHLECKER erfahren, dessen publik gewordenen Methoden zu millionenfachem Kundenboykott führten.

Aber wie das so ist, wenn die EU mal etwas Sinnvolles vorhat - man erinnere sich an die Deklarationspflicht von genetisch veränderten Lebensmitteln und die Offenlegung der Agrar-Subventionsflüsse: 
CDU- und CSU- und FDP-Minister kämpfen hartnäckig gegen Transparenz, setzen alles daran die Verbraucher weiter zu täuschen, um den paar Konzernen, die mit solchen miesen Methoden verdienen, in den Hintern zu kriechen.

Eine geradezu lächerliche Lohnerhöhung ist der Bundesregierung schon zu viel.

Prof. Herbert Loock, Akademie für Mode und Design, Düsseldorf:

"Bei der Verdopplung der Löhne in Bangladesch würde sich der Einkaufspreis eines T-Shirts ungefähr um 15 bis 20 Cent erhöhen."
Gerade mal 15 Cent mehr würde ein einfaches T-Shirt in der Produktion kosten. Eigentlich nicht viel. Der Wettbewerb sei schuld, klagen die Konzerne. Und keiner will zuerst ausscheren aus der Preisspirale nach unten. Und sie sind die Opfer. Nicht nur der Lohn, auch die Arbeitsbedingungen sind oft mies. Unbezahlte Überstunden, Strafen, wenn Stückzahlen nicht erreicht werden, ja sogar Schläge. Sie würden regelmäßig kontrollieren, werben Unternehmen hierzulande, doch bisher hat sich an den menschunwürdigen Bedingungen nur wenig geändert.

In diesem Fall nun ist es von der Leyen, die blockiert und die Näherinnen lieber im Elend und mit Schlägen versorgt sehen will.

Richard Howitt, EU-Parlament Berichterstatter für soziale Standards (Übersetzung MONITOR):

"Ich bin sehr enttäuscht über die deutsche Haltung. Kaum war die neue Strategie veröffentlicht, kam die Ablehnung. Vor allem gegen unsere zentralen Vorschläge zur  Modernisierung und Veränderung der Standards unternehmerischer Verantwortung."

Von MONITOR auf diese skandalöse Haltung angesprochen, tut von der Leyen das was sie immer macht: Grinsen und Lügen.

Die Erfahrung gibt ihr Recht. Sie kommt damit durch.

Aktuell ist nun das G-36-Gewehr Foto-Uschis Problem.
Das Ding ist zwar ganz hübsch, trifft aber nicht, wenn man zufällig in warmen Gegenden stationiert ist und schon gar nicht, wenn man schon ein paar Mal geschossen hat.
Auf das Desaster angesprochen verkündet von der Leyen, sie habe das ja nicht gewußt.
Das ist wie meistens bei ihr EINE LÜGE!

Interne Dokumente belasten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in der Affäre um die mangelnde Treffsicherheit des Sturmgewehrs G36.
Demnach hat sie noch im Mai 2014 vor einem Parlamentsausschuss behauptet, es lägen keine neuen Erkenntnisse zu den Problemen des Gewehres vor. Dabei hatte der Bundesrechnungshof nach SPIEGEL-Informationen einen Monat zuvor ihrem Ministerium den Entwurf eines Berichts zukommen lassen, in dem er über das Verteidigungsministerium schreibt: "Die Ursachen der von Experten der Bundeswehr als inakzeptabel bewerteten Präzisionseinschränkungen hat es bis heute weder folgerichtig aufgearbeitet noch zweifelsfrei aufgeklärt."
In dem vertraulich eingestuften Bericht, der dem SPIEGEL vorliegt, kritisieren die Prüfer, das Ministerium vertrete "weiterhin die uneingeschränkte Tauglichkeit und Zuverlässigkeit des Gewehres G36, ohne alle bisherigen Untersuchungen in der Gesamtheit zu würdigen, und die Schießerfahrungen der Bundeswehr in der Ausbildung zu berücksichtigen".

Wäre der Urnenpöbel etwas weniger doof, wäre die schon von den Ministern Stoltenberg, Googelberg und de Maizière in derselben Funktion verwendete Ausrede „Ich wußte von nichts!“ ohnehin nicht praktikabel.
Als Minister nicht zu wissen was im Ministerium vorgeht, disqualifiziert genauso für das Amt wie öffentliches Lügen.


Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg hatte trotz des ausdrücklichen Neins des Bundessicherheitsrates im Jahr 1991 diverse Panzer und Raketen der Bundeswehr an den Mossad liefern lassen.
Als das aufflog, entschuldigte er sich damit, er habe davon keine Ahnung gehabt.
Na dann ist ja gut, dachte sich die Öffentlichkeit: Woher soll auch der Verteidigungsminister wissen was im Verteidigungsministerium passiert?
Im März 1992 kam heraus, daß trotz eines ausdrücklichen Verbots 15 Bundeswehr-Panzer an die Türkei geliefert wurden. Stoltenberg wußte wieder mal nichts.

Von und zu Guttenberg wußte nichts über die Tanklasterkatastrophe in Kundus, sprach aber den Oberst von jeder Verantwortung frei und außerdem wußte er nicht was mit einer Kadettin auf der Gorch Fock geschehen war, feuerte aber ihren Kapitän. Als jeweils heraus kam, daß Guttenberg falsch gelegen hatte, schoB er die Schuld auf seine Untergebenen, ließ dort Köpfe rollen und wusch seine Hände in Unschuld. Er hätte ja nichts gewußt.

Bei Verteidigungsminister de Maizière war es dann das Euro-Hawk-Projekt, das sinnlos fast eine Milliarde Euro kostete.
Er hatte allerdings nichts davon mitbekommen. Eine besonders freche Lüge, denn er persönlich hatte entsprechende Berichte unterdrücken lassen.

Die beliebteste Kanzlerin aller Zeiten hat allerdings einen großen Faible für Lügner. So machte sie den notorischen Lügner Schäuble genauso wie später de Maiziere zum Innen- und somit Verfassungsminister.
Auch Merkels dritter Innenminister – Herr Friedrich – hatte gelogen, daß sie die Balken biegen.
Von der Leyen ist nun Verteidigungsministerin und lügt sich dort ihre Welt weiterhin zu Recht wie es ihr gefällt.


[….] In der Diskussion um das Sturmgewehr G36 verfährt Ursula von der Leyen nach der Devise: Viel hilft viel. Am Freitag hat eine von der Verteidigungsministerin eingesetzte Kommission ihren Bericht vorgelegt, zwei weitere Kommissionen hat sie bereits initiiert. Schon möglich, dass es am Ende noch einer Kommission bedarf, um sämtliche Kommissionsergebnisse auszuwerten. [….] Mindestens eine kommunikative Ungenauigkeit ist von der Leyens Haus nun nachgewiesen worden: Entgegen bisheriger Darstellung prüft die Bundeswehr sehr wohl Schadenersatzansprüche gegen Heckler & Koch, den Hersteller des G36.
So ein Fehler im Detail ist schon nicht schön. [….]
(Nico Fried, SZ, 19.04.15)

Das Lügen an sich wird offensichtlich schon gar nicht mehr thematisiert. Das nennt sich jetzt „kommunikative Ungenauigkeit“.
So ist das eben bei CDU-Ministern.

 [….] Hässliche Affären, ja gar der Beginn des Absturzes eines Verteidigungsministers beginnen manchmal mit einem einzigen Satz. Meist hat er den Tenor, dass der Minister von einem peinlichen Vorgang bei der Truppe nichts wusste, dass ihm eine Panne bei einem milliardenschweren Projekt vom Apparat oder einem kleinen Beamten verheimlicht wurde. Auf jeden Fall aber, dass den Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt keinerlei Schuld trifft, wenn etwas schiefgelaufen ist bei der Bundeswehr.
[….] Mehr als eine Stunde lang musste sich Jens Flosdorff, Ursula von der Leyens Pressesprecher, von der Hauptstadtpresse löchern lassen. [….] Der Satz, der hängenblieb, [...]  fiel nach rund 45 Minuten. "Die Ministerin ist keine Sachverständige für Gewehre", räumte Flosdorff ein.
Solche Sätze können Karrieren beenden. Von der Leyens Vorgänger Thomas de Maizière wurde wegen seiner Aussagen, er habe von den Problemen bei der Pannen-Drohne "Euro Hawk" nichts erfahren, als "Minister Ahnungslos" verspottet. Von der Leyen, von manchen als "Flinten-Uschi" belächelt, versucht nun die gleiche, gefährliche Taktik. Von den Problemen beim G36, die der SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE seit Mai 2012 immer wieder detailliert ausleuchteten, will sie erst im Sommer 2014 erfahren und dann reagiert haben.
[….] Das Team von der Leyens ist hochnervös, erste Fehler schleichen sich ein. Ein Beispiel: Am Wochenende dementierte ein Sprecher eine kleine Meldung der "Bild", im Verteidigungsressort würden wegen der Probleme bereits Schadenersatzansprüche gegen den G36-Hersteller Heckler & Koch geprüft. Da die Rechtsabteilung im Bendler-Block diese Option aber natürlich durchspielt und es Papiere dazu gibt, musste die Chefin am Donnerstag in der "Bild" den berechtigten Vorwurf lesen, das Ministerium habe gelogen. [….]


Freitag, 17. April 2015

Rätsel Mensch Teil II




I don't need your god.
I don't need your eternal, paternal god.
Don't need your reassuringly protective,
good and evil in perspective god.
Don't need no imported, distorted, inflated, updated holy roller, save your soul, or anaesthetisingly opiate god.
Don't need no, "All creatures that on earth do dwell; be good or you go to hell" god.
Don't need no "Hare Krishna! Hare Krishna! Hail Mary! Hail Mary!" god.
Got no yen for zen, Bhagavad Gita, or gurus.
No mormons, methodists, seventh-day adventist gods. No absolutes beyond refute - the reverential, preferential, Judaic, messianic god.
No bibles, no mahajanas, instant dharma gods.
Don't need no spiritual suicide, prefrontal lobotomising god.
Don't need no stoic, sexless, antiseptic god.
Don't need no neon crucifix.
No crusade, no burka, or kabbalah.
No camels, or needles, or papal decrees.
No mail order icons, korans or mandalas.
No Meher Babas.
No imams or ayatollahs.
No sharia.
No opus dei.
No dianetics.
No tarot or beads.
No devadasi.
No immortal, invisible "God's only wise."
(……)

Es tut mir wirklich leid; ich weiß, man soll nicht über Äußerlichkeiten richten.
Aber wenn ein erwachsener Mann, der phänotypisch ohnehin etwas unglücklich ausgeformt wurde – insgesamt 18 Zähne und dazu einen drei Nummern zu kleiner Kugelkopf – dazu auch noch eine extrem unglückliche Perücke mit aufgerollten rotem Kondom auf der Birne und bunte Kleider trägt, ist das keine ideale Voraussetzung, um ernst genommen zu werden.
Aber Rainer-Maria hat es sich ja ausgesucht Prälat in einer homophob-misogynen Organisation mit Kinderfick-Affinität zu werden.
Und heute stand er nun da in seinem superreichen, milliardenschweren Kölner Dom und sollte den Angehörigen des Germanwings Fluges 4U9525 erzählen was sich der allmächtige Gott dabei gedacht hat ihre Geliebten sinnfrei auf einem Berg zerschellen zu lassen.
Gar nicht so einfach; denn entweder ist Gott nicht allmächtig oder nicht lieb. Beides geht nicht.

Fall A) Ein allmächtiger Gott existiert nicht.

Fall B) Ein allmächtiger Gott existiert. Dann zeigen aber Auschwitz und die weiteren bekannten Genozide, daß er ein Arschloch sein muß und das ist per Definition eben nicht göttlich. Also existiert eben doch kein (lieber) Gott.

Was ich hier wieder einmal skizziere, ist das alte Theodizee-Problem.
Der Begriff wurde durch Gottfried Wilhelm Leibniz, dem letzten Universalgelehrten der Geschichte in seiner Abhandlung  „Essai de Théodicée“ (1710) geprägt.

Damit griff er aber eine Jahrtausende alten Gedankengang auf.

Die große Theodizee-Frage [teodiˈt͜seː] (frz. théodicée, v. altgriech. θεός theós Gott und δίκη díke Gerechtigkeit) wird immer wieder gestellt - seit Jahrtausenden, seit Epicur.

Sextus Empiricus, der Arzt und Philosoph des 2. Jahrhunderts, formulierte das Dilemma folgendermaßen:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

„In letzter Zeit war die Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade überwältigend." Er könne nicht zugleich allmächtig und gerecht sein - denn wäre er es, hätte er Ausschwitz nicht zugelassen. Doch offensichtlich konnte er es nicht verhindern.
Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber nicht konnte?

Auch dazu hat Bauer eine einfache Antwort: „Ein armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß - einen solchen Gott brauche ich nicht!“

Interessanter als die große Theodizee-Frage an sich finde ich die Tatsache, daß professionelle Priester, Ordensleute und klerikaler Hochadel nach 2000 Jahren Kopfzerbrechen immer noch keine Alibi-Antwort gefunden haben.

All die vom Steuerzahler finanzierten Theologiestudiengänge, all die Jahren in den Priesterseminaren – es hat alles nichts genützt.
Die Kirchisten sind nicht einen Schritt weiter. Bei jedem Unglück fangen sie wieder an zu Stammeln und winden sich.

Nach dem Germanwings-Absturz über den französischen Alpen ging es wieder los mit den verstandesfeindlichen Plattitüden.

Woelki ist auch noch nichts Besseres eingefallen und so ließ er erst mal die Ketzer-Kollegin (Protestanten-Frauen im Dom! Wenn Ratzi das wüßte, würde er Gänsi aus Wut ohne Gutenachtkuss ins Bettchen gehen lassen.)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.
Unbegreifliches wurde getan. [….]
Unbegreiflich! Das Unbegreifliche muss ausgehalten werden. [….] Unbegreiflich auch das. Und doch – Gott sei Dank! – wirklich. [….] Mitten da hinein hören wir – wiederum unbegreiflich, ja beinahe unsagbar: Einmal und einst komme eine Zeit, in der all dies aufhören wird.[….] Weil Gott selbst alles neu macht. Weil Gott selbst abwischen wird alle Tränen. [….] Gott, sammle meine Tränen in deinen Krug. So betet ein Mensch in der Bibel Israels. [….] Gott selbst muss da sein für mich und für die, die ich verloren habe. Gott selbst muss einstehen für das, was geschehen ist und was er hat geschehen lassen. Gott selbst muss das Unbegreifliche zu seiner Sache machen. Bis hin zur kleinsten Träne, die ich geweint habe, die ich noch weinen muss oder schon gar nicht mehr weinen kann.
Gott, sammle meine Tränen in deinen Krug, bittet dieser Mensch. Mehr nicht. Aber weniger kann er nicht verlangen. Wir rufen heute mit seinen Worten. Rufen miteinander und füreinander: Ach Gott, in Jesu Namen sammle doch unsere Tränen in deinen Krug. Mach Menschentränen zu Gottestränen.
[….] Ja, wir müssen es erbitten: Ach Gott, im Namen Jesu, der lachte und litt und weinte und starb, sammle doch nicht nur meine Tränen in deinen Krug. Die, die ich vergoss und noch vergießen werde. Ach Gott, sammle und bewahre das ungelebte Leben, das ungeweinte und das ungelachte Leben derer, die wir verloren haben.
[….] Vergänglich sind sie, die Tränen. Und deshalb unendlich kostbar – wie das Leben selbst. Auch bei Gott. Gerade bei Gott. Ob dann, wenn in Gottes Krug eine jede Träne gesammelt und gezählt und bewahrt ist – ob dann auch Menschen aufhören können und aufhören dürfen, über dem Unbegreiflichen zu weinen?
An dieser Hoffnung will ich festhalten. Darum will ich und muss ich Gott bitten. Auch für alle, die es jetzt nicht können: Sammle du, Gott, unsere Tränen in deinen Krug. [….]
(Präses Annette Kurschus 17.04.15 im Kölner Dom)

Ich bleibe dabei:
Was ist denn das für eine gequirlte Biberkacke, die das Evangelen-Huhn da heute im Kölner Dom abgelassen hat?
Klingt für mich wie Satire.
Das könnte ein RTL-II-Witzbold im Quatsch-Comedy-Club auf der Reeperbahn vortragen und alle würden sich totlachen. Wigald Boning oder so.

 Der Kardinal versuchte die ungelöste Sinnfrage einfach an eine höhere Stelle zu delegieren und stellte sich mit einem theologischen „Was weiß denn ich!? Ist ja auch egal. Wir leben ja eh alle ewig!“  vor die Menschen.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! Vielleicht werden das einige von Ihnen gedacht haben, wenn Sie überhaupt an Gott glauben. Natürlich gibt es die Erinnerungen an die geliebten Menschen, und es ist gut, diese kostbaren Erinnerungen wach zu halten. Aber gibt es mehr als diese Erinnerungen? Wir Christen glauben das. Wir glauben an das Ewige Leben. [….]  Wir glauben an das Ewige Leben, das die Zeit außer Kraft setzt, das über den Tod hinausgeht, aber das wir schon in diesem Leben erfahren können. [….] Kann man das glauben? In diesem Jahr habe ich mit ganz besonderer Aufmerksamkeit und besonderer Intensität den Karfreitag begangen. Und als dann beim Vortrag der Leidensgeschichte Jesu dessen Ausruf kam „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“, da habe ich besonders an Sie gedacht, liebe Angehörige und Freunde, denn Ihnen ist ja das Liebste in Ihrem Leben genommen worden. „Mein Gott, mein Gott warum hast Du mich verlassen“, das ruft nicht irgendwer. Jesus Christus ist es, der das ruft, der Sohn Gottes. Er leidet unschuldig – nicht scheinbar –, sondern wirklich. Er hat sich das nicht ausgesucht. Er leidet aus Liebe. Wie Sie. [….]
(Rainer Maria Woelki 17.04.15)

Skydaddy schrieb dazu heute die beiden sinnvollsten Sätze, die ich zum Thema gehört habe:


Unbegreiflich sind die Christen-Redakteure, die wieder einmal nicht abstrahieren können und ihre persönlichen christlichen Irrationalitäten einfach auf alle anderen extrapolieren und dann in einem bizarren Zirkelschluss eine völlige Irrationalität damit rechtfertigen, daß sie zufällig selbst irrational sind.
Sie schließen nicht nur von sich auf andere, sondern gleich auf alle.
Das ist kein Journalismus, sondern Theo-Projektion auf Kindergarten-Niveau.
In der SZ hieß es heute wieder Doof, Doofer, Drobinski!

Das Unfassbare bekommt eine Fassung
Ein Gottesdienst mit Kerzen, Gebet und Gesang macht die Welt nach der Germanwings-Katastrophe nicht wieder heil. Er [….] gibt der Trauer eine rituelle Form - und gerade darin liegt sein Wert.
[….] Die Leute [versammeln sich]  in der Kirche, wenn eine Katastrophe über sie hereingebrochen ist und der Boden erschüttert, auf dem sie eben noch glaubten, sicher zu stehen - die Mächtigen und Wichtigen des Landes eingeschlossen. Am Abend des 11. September 2001 war das so, als die Türme des World Trade Centers einstürzten; da saßen selbst die Abgeordneten der Linken im Berliner evangelischen Dom und wippten verlegen mit den Füßen. Diesmal bot der Kölner Dom den Trauernden und Weinenden einen Ort, den Erschütterten und Mitleidenden. Man musste nicht religiös sein, um zu merken, wie dringend eine Gesellschaft solche Orte und Rituale braucht, wie säkular sie sonst durchs Leben zu gehen pflegt.
[….]  Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki und Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, haben gut gepredigt, ohne die Trauer und die Fassungslosigkeit mit Selbstgewissheit zuzukleistern. Vor allem Annette Kurschus hat das gut gemacht, als sie sagte, keine Bischöfin und kein Kardinal könne Brücken über den Abgrund schlagen, der sich da auftue. [….] Das Unfassbare bekommt eine Fassung, die amorphe Trauer eine Form, das ist das zutiefst Menschliche einer solchen Feier. [….] Es war die Pädagogik, die den Wert der festen Formen wiederentdeckte: Kinder brauchen Rituale, abends, damit sie einschlafen können, morgens, damit sie in den Tag kommen, zwischendurch, um ruhig und selbstsicher groß zu werden. Das hat ziemlich viele Eltern dazu gebracht, mit ihren Kindern abends zu lesen, zu singen und auch zu beten. [….]

Atheisten haben gegenüber Religiösen einen enormen Nachteil. Sie sind klüger, wie just wieder Studien beweisen.
Nicht so doof wie Religiöse zu sein führt dazu, daß man seinen Verstand nicht ausschaltet und auch in Extremsituationen rational denkt.

Ich kann aus mehrfacher eigener Erfahrung sagen, daß es extrem beschissen ist mitzuerleben wie engste Freunde und Familienangehörige sterben.
Noch schlimmer wird es aber, wenn das unglücklicherweise auf einer Intensivstation eines Krankenhauses mit Seelsorgebegleitung passiert und einem sofort ein Pfaff mit Plattitüden wie „Gott holt die, die er am meisten liebt zuerst zu sich“ in die Seite springt.
In allen TV-Berichten zum Germanwings-Absturz wurden die Notfallseelsorger über den grünen Klee gelobt.
Ich will das gar nicht bestreiten. Für viele Menschen in solchen Situationen ist das vermutlich ein Segen.
Es gibt aber auch andere Menschen, wie mich zum Beispiel, denen theologisches Geschwafel den Rest gibt.