Mittwoch, 6. August 2014

Gerechter Krieg


Tammox, es gab, was Bundespraesis angeht schon so einige Griffe ins Klo und Gauck ist, was seine ständige Klage/Beschuldigung des beschämenden Friedenskomplex dieser uneinsichtigen Deutschen angeht, der ekelhafteste.
Dieser ständige Druck die Deutschen auf eine eher warmongerische Linie zu bringen, war schon Jahre vor Gauck ständig präsent und wird auch weiterhin verschärft aggressiv betrieben. Nicht nur, aber gerade was Deutschland angeht, habe ich dafür nicht das geringste Verständnis und jeder Politiker, der tatsächlich so dermaßen verschissen indoktriniert, sollte unverzüglich abgesetzt und vor einem ordentlichen Gericht für diese gröbste Kriegshetze verurteilt werden.
Man darf ihn mir auch gerne vor die Tür stellen. Ein paar Sätze heiße Ohren und die Garantie auf mehr davon, may does the Trick too. :-)


Obwohl ich Wulff und insbesondere Köhler aus tiefen Herzen verachte, bin ich der Meinung, daß Gauck der schlimmste Bundespräsident ist, den Deutschland bisher hatte.
Er mäandert von „grotesk“ (das Streicheln der deutschen Fahre bei der Bundeswehr-Uni) über brutal (Lob des Neoliberalismus, Plädoyer für militärische Außenpolitik) bis zur unsympathischen totalen Selbstüberschätzung.
Neben seiner außerordentlich schlechten Allgemeinbildung halte ich Gauck insbesondere wegen seiner „Double Standards“ für eine Fehlbesetzung.
Er hat eigentlich weder eine pazifistische Überzeugung (Nie wieder Krieg in Europa – so Gauck letzte Woche bei der WK-I-Gedenkfeier in Belgien), noch eine bellizistische Weltsicht (Militärische Mittel darf die Außenpolitik nicht ausschließen, kein reflexhaftes Nein zu Bundeswehreinsätzen).
Das Problem ist, daß er ganz Pfaffe seine angeblichen Überzeugungen jeweils so zu recht biegt, wie sie gerade zu seinen persönlichen Vorurteilen passen.
Gauck ist bekanntermaßen russophob und die Musels kann er erst recht nicht leiden. Deswegen ist Gauck ganz und gar gegen Krieg, wenn er an Westeuropa oder sein geliebtes Amerika denkt. Schweift sein Blick aber gen Osten, findet er Krieg irgendwie doch ganz gut.

Gaucks Kleingeistigkeit wird insbesondere in seiner unterschiedlichen Sicht auf Russland und Amerika deutlich.
 Der deutsche Bundespräsident ist völlig in seinen eigenen Vorurteilen gefangen und nicht in der Lage über seinem kleinen Tellerrand hinaus zu sehen. Russland ist doof und Amerika das Freiheitsparadies. So glaubt Gauck und daran hält er ungeachtet der massiven und extremen amerikanischen Menschenrechtsverletzungen fest.
Zu Snowden, der NSA-Abhörerei, der massenhaft ausgeführten Todesstrafe, Guantanamo, Monsanto-Dominanz, Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten und illegalen  Drohnenangriffen fällt Gauck rein gar nichts ein. All das nimmt er achselzuckend hin.
Die Amis sind in Gaucks Cortex als „gut“ abgespeichert und haben daher generellen Persilschein.
Überhaupt sind Nächstenliebe und Menschenrechte nicht die Sache des Pfaffen Gaucks.
Daß sein Deutschland die Welt mit Waffenexporten überzieht, sich vor Hilfesuchenden abschottet, Flüchtlinge vor Lampedusa krepieren läßt, massenhaft abschiebt, Familien auseinander reißt und Asylanten wie Vieh behandelt stört ihn nicht. Gauck fällt auch nicht einem xenophob pöbelnden Innenminister Friedrich in den Arm, wenn dieser mal wieder gegen Rumänen oder Bulgaren hetzt.
Er setzt sich nicht für die Rechte von Schwulen in Deutschland ein, kämpft nicht für eine doppelte Staatsbürgerschaft.
Mit den Schwachen und Entrechteten will Pfarrer Gauck lieber nichts zu tun haben.
„Mut“ zeigt er nur auf ausgetretenen Pfaden, indem er beispielsweise gegen Russland agitiert. Denn Russland mochte er noch nie. Aus persönlichen Gründen. Und aus seiner Haut kann der geistige Zwerg eben nicht heraus. [….]
Was für ein Wicht! 68 Jahre nach Kriegsende nimmt Gauck Putin immer noch persönlich übel, daß sein Vater in Gefangenschaft geriet.
Dabei teilten das Schicksal Millionen andere auch. Und Russland ging mit den Gefangen noch wesentlich netter um, als die Deutschen mit russischen Gefangenen. Und das sage ich als jemand, der ein Familienmitglied hat, das zwar nachweislich noch 1955 in russischer Gefangenschaft lebte, aber nie zurückkehrte.
20 Millionen Russen wurden im zweiten Weltkrieg durch Deutsche gekillt, allein drei Millionen sowjetische Gefangene ließ Deutschland elendig verhungern.
Und Gauck, dessen persönliche Animositäten für sein Amt ohnehin irrelevant sein sollten, ist sieben Dekaden später immer noch pissed.
Was für ein unfassbar egomaischer und ungeeigneter Bundespräsident!

Wolfgang Lieb von den hochgeschätzten „Nachdenkseiten“ ärgert sich zu recht über den Bundespräsidenten.

Gestern in Lüttich und Löwen gab es Gedenken des Bundespräsidenten an den deutschen Überfall auf Belgien, am Sonntag Friedensküsse mit dem französischen Staatspräsidenten am „Menschenfresserberg“ Hartmannsweilerkopf im Elsass.
[….] Da beklagt der Bundespräsident in Belgien „das eklatante Versagen der Diplomatie“, „eine maßlose Propaganda“ und eine „unerhörte Verteufelung des Feindes“ als Ursache für den Kriegsausbruch.
[….] Warum hat eigentlich der Bundespräsident nicht auch zum 1. August eine Gedenkrede gehalten, als vor 100 Jahren das Deutsche Reich Russland den Krieg erklärte? Immerhin hat Russland im Ersten Weltkrieg auch Millionen an toten Soldaten und Zivilisten zu beklagen. An die Kriegserklärung Großbritanniens am 4. Augst hat der Bundespräsident hingegen auf dem Soldatenfriedhof St. Symphorien bei Mons gedacht.
Warum reiste der Bundespräsident zur Fußball-WM nach Brasilien und warum boykottierte er die Olympischen Spiele in Russland? Wo ist er gegen eine „maßlose Propaganda“ gegen Russland oder gegen eine „Verteufelung“ Putins eingetreten. Wo war das Bemühen zu erkennen, eine Kultur des Vertrauens zu schaffen als Putin im Dezember letzten Jahres das Schloss Bellevue besuchte und Gauck ihm die kalte Schulter zeigte. Er polemisierte danach sogar gegen die „Russlandversteher“. Statt nach friedlichen Lösungen im Konflikt des Westens mit Russland zu suchen, forderte er die Nato auf zu ihren „Bündnisverpflichtungen“ zu stehen.
Und wie anders als bei den kalendarisch erzwungenen Gedenkreden redete der Bundespräsident etwa auf der Münchner Sicherheitskonferenz anfangs dieses Jahres: „Manchmal kann auch der Einsatz von Soldaten erforderlich sein… wenn schließlich der äußerste Fall diskutiert wird – der Einsatz der Bundeswehr –, dann gilt: Deutschland darf weder aus Prinzip “nein” noch reflexhaft “ja” sagen… Als äußerstes Mittel ist dann der Einsatz von Militär möglich…“ [….]

So wenig Gaucks Kriegs-Einstellungen stringent sind, weil er Militär mal gut, mal schlecht findet, so schwierig ist das Thema aber auch grundsätzlich.
Es ist schwer erträglich für mich, wenn ich zum Thema Irak oder Afghanistan nach 13, bzw 11 Jahren Krieg die Argumente aufgezählt bekomme, weswegen man diese Kriege nie hätte anfangen sollen.

Ja, natürlich waren diese von Merkel bejubelten Entscheidungen der GWB-Administration dumm, verwerflich, brutal, unverantwortlich und verbrecherisch.
Freilich helfen solche Analysen jetzt nicht mehr weiter. Das Kind ist im Brunnen. Wenn man ein völlig destabilisiertes Land, das man selbst ins Chaos gestürzt hat, indem man beispielsweise die zentralen Gewalten wie Armee und Baath-Partei auflöste, irgendwann strategielos wieder verlässt, weil man einfach keinen Bock mehr hat, macht man sich gleich noch einmal schuldig.
Die Nationen, die stolz in der Bush’schen „coalition of the willing“ den USA in den Irakkrieg folgten  - Italien, Spanien, Polen, England, Australien, Dänemark, Niederlande, Norwegen, Südkorea, Portugal, Ungarn, Japan und viele andere Kleinere – halten jetzt alle die Klappe und tun so, als ob sie nichts damit zu tun gehabt hätten, während vor den Augen der Welt ein IS-Kalifat errichtet wird.

Wer auch immer Schuld war – nun ist ein gigantisches grausames Chaos angerichtet.
Da ist es wohlfeil wie Wolfgang Lieb en passent festzustellen durch Militäreinsätze werde sowieso immer alles nur schlimmer.
Die Schlußfolgerung der Nachdenkseiten ist billig und führt nicht weiter.

Das millionenfache Sterben unserer Vorfahren vor hundert Jahren, scheint offenbar wirklich keinen Sinn gehabt zu haben. Aber selbst die Militäreinsätze in diesem Jahrhundert scheinen schon vergessen zu sein: Wozu haben die westlichen Militäreinsätze in Afghanistan, im Irak, im Libanon, in Libyen eigentlich geführt?
Das Resultat sehen wir nahezu jeden Abend in der Tagesschau: nämlich zu noch mehr Sterben.

Genau dieses Sterben findet aber JETZT statt.
Während man sich gruselnd nachts in der „Tagesschau von vor 20 Jahren“ die Berichte über den Millionenmord in Ruanda ansieht und immer noch den Kopf schüttelt, weswegen eigentlich niemand eingeschritten ist, um das Abschlachten zu verhindern, wird wieder massengemordet und wieder will keiner etwas dagegen unternehmen.

Es sollte den Hardcorepazifisten in Deutschland schon zu denken geben, wenn Vertreter von Hilfsorganisationen vor Ort bitterlich die Wehrlosigkeit gegenüber des IS beklagen.

Thomas von der Osten-Sacken, 46, Geschäftsführer von Wadi, einem Verband für Krisenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit, lebt seit 20 Jahren im Irak und hat so etwas wie jetzt noch nicht gesehen.
Eindringlich bittet er um militärische Hilfe.

Nach dem sehr frühzeitigen Abzug der Amerikaner 2010 haben sich die vielen ungelösten Probleme im Irak zugespitzt. [….]
Als IS im Juni den Nordirak überrollt hat, ist die irakische Armee dort, in Mossul, auseinandergebrochen. Das lag auch an der verfehlten Politik, schiitische Soldaten in diese sunnitischen Gebiete fast wie Besatzungstruppen zu schicken. Seitdem etabliert sich dort diese Terrororganisation und hat dort ein sogenanntes Kalifat ausgerufen.
[….] [Die IS regiert] mit blankem Terror. Die Feier von brutalster Gewalt, mit der IS vorgeht, ist meiner Ansicht nach präzedenzlos, auch in der Geschichte des islamistischen Terrors. Ein Beispiel: In Mossul sind den IS-Kämpfern 1500 junge irakische Soldaten in die Hände gefallen. Man geht davon aus, dass diese alle exekutiert worden sind. Am Ende des Fastenmonats Ramadan wurde ein Video veröffentlicht, in dem diese Exekution regelrecht gefeiert wird.
Das ist ein hochprofessionell gemachtes Video. Unterlegt mit Koransuren sieht man diese jungen Männer weinen und um ihr Leben betteln, sie werden auf Lastwagen verladen und in die Wüste gebracht, wo sie mit Kopfschüssen oder Maschinengewehrsalven hingerichtet werden.
Ähnliche Videos gibt es von Steinigungen von Frauen, denen man Ehebruch vorgeworfen hat, oder von Kreuzigungen. Mit Kreuzigungen töten sie besonders häufig diejenigen Menschen, denen sie Abfall vom "richtigen Glauben" vorwerfen. Diese Videos haben zum einen den Zweck, die eigene Anhängerschaft zu vergrößern. Sie dienen aber natürlich auch der Einschüchterung und Abschreckung der Gegner.
[….] Ich arbeite seit 20 Jahren im Irak, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich die Lage dort in den Jahren 2008 bis 2010 dramatisch verbessert hat.
Erst jetzt, nach dem Abzug der Amerikaner, hat sich die Lage wieder verschlimmert, was aber auch daran liegt, dass man in Syrien nicht interveniert und den Bürgerkrieg dort völlig aus dem Ruder hat laufen lassen.
[….] Ich sage das besonders als Geschäftsführer einer humanitären Organisation nur ungern. Aber zunächst hilft in dieser Situation nur militärisches Eingreifen.
Vorgestern haben IS-Kämpfer im Nordirak etliche Angehörige der Religionsgemeinschaft der Jesiden getötet. Während wir hier reden, sind rund 200.000 Jesiden auf der Flucht. 100.000 weitere sind in die Berge geflüchtet, sie sitzen bei 40 Grad, ohne Nahrung und ohne Wasser auf dem Berg, wo sie sich vor den IS-Kämpfern verstecken. Es gibt keine Versorgung, keine Luftbrücke. Vor unseren Augen beginnen die ersten Frauen und Kinder zu verdursten. Das ist die aktuelle Lage.
[….] Das wichtigste ist also, dass die IS-Kämpfer zurückgedrängt werden. Außerdem sind in der Region knapp zehn Millionen Menschen auf der Flucht. 9,5 Millionen von ihnen sind noch in der Region, Europa hat sich regelrecht abgeschottet und nimmt kaum Flüchtlinge auf. Flüchtlingslager ohne Perspektive sind aber Radikalisierungsbrutstätten, das wissen wir aus Erfahrung. [….]

Houston, wir haben ein Problem.
Und nun, liebe Nachdenkseiten und liebe Linke?
Was machen wir JETZT, in diesem Moment, während 100.000 Jesiden, hauptsächlich Frauen und Kinder bei 40°C verrecken, weil keine Hilfsorganisation zu ihnen durch kommt und die IS alles abschlachtet, was einen Puls hat?

Ja, richtig, wäre die Koalition der Willigen doch bloß nie da rein gegangen.
Aber diesen Menschen, die in diesem Moment hingerichtet werden oder in den Bergen verdursten, helfen Ursachenanalysen kein Stück weiter.
Ihnen helfen auch sicher keine Online-Petitionen an den Bundestag.

Wenn wir diese Menschen NICHT elendig verrecken lassen wollen, geht das im Moment nur durch massives militärisches Eingreifen.
Das tut aber keiner, davon redet keiner.
Gauck erwähnt es nicht, von der Leyen fühlt sich nicht zuständig, Merkel ist im Urlaub und auch die Amerikaner denken gar nicht daran Syrien, den Irak und Jordanien zu besetzen, um das IS-Terrorregime zu stoppen.

Da gucken wir lieber zu.
 Genau wie bei den Massenmorden im Südsudan, in Syrien, in der Ostukraine, in Gaza.
Ist es da nicht letztlich völlig egal, ob man grundsätzlich Pazifist ist (wie Gysi), oder mit militärischen Optionen spielt (wie Gauck), oder sogar ganz gerne mal irgendwo ein bißchen rumbombt (wie McCain)?
Ist die Offenbarung der eigenen Gesinnung da nicht reiner Selbstbetrug, wenn ohnehin niemand etwas unternimmt?

Die humanitären Großkatastrophen laufen ohnehin weiter. Genauso wie „der Westen“ achselzuckend dem Hungertod von Myriaden Kindern JEDEN TAG zusieht, interessiert sich hier auch niemand Millionen Syrische Flüchtlinge oder 200.000 krepierende Jesiden.

Im Gegenteil, die Waffenexportpolitik des Westens versorgt ausgerechnet über Saudi Arabien, Ägypten und Katar die Militärs der IS.
Die einzigen, die sich dem entgegenstellen, die Peschmerga des Iraks, Syriens und der Türkei werden von Washington ausdrücklich nicht logistisch und militärisch unterstützt.

Auch wenn Peschmerga-Kämpfer bis Dienstag Teile der Gebiete zurückerobern konnten, verschärft der Vormarsch der Dschihadisten im Norden die Flüchtlingssituation. Mehr als 200.000 Menschen suchen nach Angaben der Uno Schutz in den umliegenden Bergen. "Sie sind ohne Essen und Wasser, einige sind schon gestorben", sagte Chodr Domli, der in der kurdischen Stadt Dohuk für die Rechte der Jesiden eintritt. Den IS-Kämpfern warf er gegen Jesiden gerichtete "ethnische Säuberungen" vor. […] Die USA haben [...]  bislang Ölexporte aus den kurdischen Regionen blockiert und Waffenverkäufe an die Kurden unterbunden. Für eine Kurswechsel gibt es keine Anzeichen. Als eine kurdische Delegation zuletzt auf das Recht beharrte, Öl verkaufen zu dürfen, lehnte Washington ab. Eine Pipeline, die ins türkische Ceyhan führt, wurde am 2. Mai in Betrieb genommen. Aber unter Druck der USA kauft die Türkei kein Öl von den Kurden im Irak. Auch lehnt es die Regierung von US-Präsident Barack Obama weiterhin ab, die Peschmerga-Milizen mit Waffen zu unterstützen. […]

Und Deutschland schläft ruhig, während sich Gaucks und Merkels Beliebtheit der 80%-Marke nähert.

Da werden es wohl bald 200.000 Jesiden weniger sein. Das entspräche einem Exodus von 25% der gesamten Population.
Und dabei sind Jesiden, als eine der ganz wenigen nicht missionierenden Religiösen, die also niemanden ihren Glauben aufdrängen, noch eine vergleichsweise sympathische Truppe.


Dienstag, 5. August 2014

BTW, Spiegel…


Letzte Woche war ich ganz schön wütend auf den SPIEGEL und schickte anlässlich des indiskutablen Titels einen ausführlichen Leserbrief an die Redaktion. Abgedruckt wurde der nicht und ich erhielt auch keinerlei Reaktion vom SPIEGEL, aber immerhin war ich offensichtlich nicht der einzige, der entsetzt war.
Es spricht für den SPIEGEL, daß er wenigstens einige sehr kritische Leserbriefe zum Putin-Hetztitel abdruckte.
Diese Woche nun wird in der Titelgeschichte statt Putin der türkische Regierungschef Tayyip Erdoğan verdammt; also ein Mann, den ich ungefähr genauso sympathisch finde, wie seinen Busenfreund Silvio Berlusconi.
Es ist immer angenehmer eine SPIEGEL-Suada gegen jemand zu lesen, der es wirklich verdient hat. Insofern las ich mit Genugtuung die Attacke auf die Lügnerin Christine Haderthauer. Offenbar hat Seehofers Kanzleichefin derartig dreist und wiederholt gelogen, daß selbst in ihrer Partei der Korrupten Absetzbewegungen stattfinden. Auf crazy Horsts „vollstes Vertrauen“ ist ohnehin nicht mehr Verlass, als auf das der Kanzlerin.

Aber um noch mal auf meine SPIEGEL-Kritik zurück zu kommen; da hatte ich viele Redakteure namentlich genannt, von denen vier mindestens untragbar wurden (H.M. Broder) , bzw nie tragbar waren (Steingart, Matussek und Blome).

Da ist heute noch ein kleiner Nachtrag fällig.
Unerklärlicherweise hatte den kleinen schwarzbraunen Angstbeißer Fleischhauer von SPON und SPIEGEL vergessen.
Das ist auch so ein CDU-affiner Troglodyt, der besser nicht unter seinem Stein hervorkriechen sollte. Stattdessen wertete der Büchner-SPIEGEL Fleischhauer vom wöchentlichen Online-Kolumnisten („Der schwarze Kanal“) zusätzlich zum Print-Kolumnisten auf.

Wie alle Konvertiten, ist er extremer als die Natur-Konservativen.
Der 52-jährige Hamburger wuchs in einem Sozialdemokratischen Elternhaus auf und beschrieb seine Konversion zum stramm Konservativen in dem 2009ner Bestseller „Unter Linken“.

Seine Metamorphose ist gut nachzuvollziehen. Anders als normale Linke, die vorurteilsfrei an die Dinge heran gehen und neugierig auf Anderes/Fremdes/Exotisches zugehen, kultiviert Fleischhauer seine Vorurteile, die unverrückbar feststehen.
Die Griechen sind alle faul, die Briten alle schwul, die Italiener alle Anarchisten und die jeder Pole klaut. Und selbstverständlich ist der Iwan grundsätzlich böse.

Für den „Schwarzen Kanal“ ist es klar, daß ein Schiff wie die Costa Concordia nur deswegen untergegangen ist, weil der Kapitän ein Italiener war.
Das mußte ja schief gehen; die Itaker sind doch alle rund um die Uhr spitz wie Nachbars Lumpi und grundsätzlich für gewissenhafte Arbeiten nicht zu gebrauchen.

Italienische Fahrerflucht
[…] Hand aufs Herz: Hat es irgendjemanden überrascht, dass der Unglückskapitän der "Costa Concordia" Italiener ist? Kann man sich vorstellen, dass ein solches Manöver inklusive sich anschließender Fahrerflucht auch einem deutschen oder, sagen wir lieber, britischen Schiffsführer unterlaufen wäre?
Man kennt diesen Typus aus dem Strandurlaub: ein Mann der großen Geste und sprechenden Finger. Im Prinzip harmlos, man sollte ihn nur nicht zu nahe an schweres Gerät lassen, wie sich zeigt. "Bella figura" machen, heißt der italienische Volkssport, bei dem es darum geht, andere zu beeindrucken. Auch Francesco Schettino wollte eine gute Figur machen, leider war ihm ein Felsen im Weg.  […] Man muss keine Vererbungslehren bemühen, um zur Auffassung zu gelangen, dass sich Nationen unterscheiden. Es gibt dafür klimatische Gründe, auch Sprache spielt eine Rolle. Normalerweise ist das nicht weiter von Belang, man sollte nur keine Politik auf der Annahme begründen, dass Grenzen lediglich im übertragenen Sinn noch ihre Bedeutung haben. Was passieren kann, wenn man aus politischen Gründen von der Psychologie der Völker absieht, zeigt die Währungskrise, die uns in diesen Tagen ja nur deshalb aus den Augen geraten ist, weil der Mann im Schloss alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Fels vor dem Schiff ist hier der Zinssatz des Marktes. […]

Fleischhauer verhält sich zu einem Journalisten wie der Religiöse zum Atheisten: Er sucht die Natur nach Belegen für seine unverrückbar feststehenden Vorurteile ab und festigt damit stets nur seine Meinung, während der Atheist/Journalist/Wissenschaftler die Welt vorurteilsfrei betrachtet und erst aufgrund der Beobachtungen eine Theorie aufstellt und nicht umgekehrt.

Natürlich schreibt Fleischhauer auch für das Broder-Blog „Ach gut“ und sieht bei allem, das schief geht, irgendwelche verhärmten Linken die Strippen ziehen.

Die Liste dieser schwarzen Provokateure deckt sich in weiten Teilen mit Broders-Blog-Kollektiv „Achgut“, welches ein erlesenes Konglomerat rechten Gedankenguts zusammenbringt:

Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Wolf Biermann, Gideon Böss, Claudio Casula, Jan Fleischhauer, Dr. Josef Joffe, Matthias Horx, Prof. Dr. Walter Krämer, Vera Lengsfeld, Matthias Matussek, Dr. Patrick Moore, Chaim Noll, Christian Ortner, Dr. Benny Peiser, Karl Pfeifer, Udo Pollmer, Lutz Rathenow, Hannes Stein, Hans-Hermann Tiedje, Arnold Vaatz, Dr. Wolfram Weimer, Benjamin Weinthal, Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Gil Yaron

Klassischerweise reagieren diese Autoren hochallergisch auf alles, das irgendwie als „politisch korrekt“, "gutmenschenartig“ oder „multikulti“ bezeichnet werden könnte.

 Das größte Ärgernis ist ihnen aber Komplexität oder Tiefgründigkeit, wie sie beispielsweise der Aktivist, Kabarettist und Aufklärer Georg Schramm vermittelt.

Komplex mag es Fleischhauer gar nicht.
Er trägt seine Borniertheit wie eine Monstranz vor sich.
„Die Linken sind schuld!“  - mehr muß man als Politkolumnist gar nicht wissen.

Jan Fleischhauer ist ein Spiegel-Redakteur, der auf den Onlineseiten des Magazins seit Menschengedenken – genauer gesagt, seit dem Erfolg seines Buches Unter Linken – ein Blog unterhält, in dem er sich, nun ja: mit den Linken beschäftigt. Letzte Woche hat er sich überraschend der Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) zugewandt. Bisher hatten wir sie eher am bürgerlichen Rand der Sozialdemokratie verortet; aber das ist nicht der Punkt. Fleischhauers Pointe besteht vielmehr darin, dass er Gaschkes derzeitige politische Schwierigkeiten nicht auf den umstrittenen Steuerdeal zurückführt, den ihr die Opposition zum Vorwurf macht, sondern auf ihre Vergangenheit als Redakteurin der ZEIT. "Tatsächlich zeigt die Affäre um die ehemalige Politikredakteurin, was passiert, wenn man den parlamentarischen Alltag mit der Redaktionskonferenz der  'Zeit' verwechselt." […] Auf jeden Fall unterstellt er Susanne Gaschke eine hochproblematische Menschenfreundlichkeit, die sie bei der ZEIT gelernt habe. "Wo Gaschke herkommt, glaubt man fest daran, dass es nur ein wenig guten Willen braucht, damit sich die Dinge zum Besseren wenden." Ja, Teufel auch! Wir würden gerne Fleischhauer dabei beobachten, wie er versucht, mit viel bösem Willen die Dinge zum Guten zu wenden. […]

In der aktuellen Print-Ausgabe des SPIEGELs widmet sich der braune Jan den Spannungen mit Russland.

Dabei kommt ihm aus Versehen auch eine richtige Einschätzung zwischen die Tasten. Körnchen. Huhn, blindes. Die doofen Linken muß er allerdings schon noch einflechten.

Ein Bekannter, der gerade in Saint-Tropez mit seiner Familie Urlaub macht, be- richtet, dass man an der Hafenpromenade auf dem Weg zu seinem Boot nicht mehr über betrunkene Russen steigen müsse. Er ist als überzeugter Linker eigentlich strikt gegen unseren Kurs in der Russlandfrage, aber über diese Entwicklung ist er sehr froh. Der Zweck der Sanktionen ist es, Putin zum Einlenken zu zwingen, indem man den Russen vor Augen führt, was sie aufs Spiel setzen, wenn sie ihm nicht in den Arm fallen. Ich bin ehrlich gesagt skeptisch, was das Erreichen dieses Ziels angeht. Meiner Erfahrung nach schließen sich Leute unter Druck von außen eher zusammen. Die Deutschen ließen sich nicht einmal von den Brandbomben der Alliierten dazu bringen, ihrer Führung die Gefolgschaft aufzukündigen.
(J.F. DER SPIEGEL, 04.08.14, s.13)

Aber daß der Iwan, der natürlich überall peinlich auffällt, weil er ständig „voll wie 40 Russen“ randaliert, nun durch die Sanktionen etwas geärgert wird, gefällt Fleischhauer schon.

Man muss zugeben, die Russen sind für die Rolle des fremden Volkes die ideale Besetzung. Ein Drittel der männlichen Bevölkerung ist dauernd betrunken. Die Frauen sehen immer so aus, als ob sie morgens nicht genug zum Anziehen gefunden hätten, und wenn die Russen Urlaub machen, ist die Hölle los. Es heißt, dass sie abends die Sonnenliegen ins Zimmer schleppen, damit sie morgens nicht so lange suchen müssen. In vielen Luxushotels musste man Russen-Quoten einführen, damit die Dinge nicht völlig außer Kontrolle geraten. Für den Psychohaushalt der Nation hat der Russe also durchaus eine stabilisierende Funktion, wir sollten hoffen, dass er uns noch einige Zeit begleitet.
(J.F. DER SPIEGEL, 04.08.14, s.13)

Na, für solche Texte zahlt man doch gerne € 4,40!

Montag, 4. August 2014

Dröhnendes Schweigen.


Also das mit dem Rüstungsexport-Stopp ist keine einfache Sache.
Es war natürlich zu erwarten, daß die Lobbyisten dieser recht kleinen Branche gegen Einschränkungen PR machen werden. Es war natürlich zu erwarten, daß einige der moralisch völlig verkommenen politischen Kräfte wie Waffen-Volker Kauder und der psychotische Seehofer sich heldenhaft vor die Killerkonzerne werfen würden.

Aber es sind nicht nur die politisch korrumpierten Kriegs-freundlichen Konservativen, die deutsches Tötungswerkzeug in alle Welt liefern wollen, damit noch mehr Menschen verletzt werden und sterben.

Da Wirtschaftsminister Gabriel jetzt tatsächlich ernst macht und massiv die Waffenexportgenehmigungen verweigert und sogar von schwarz-gelb genehmigte Rüstungsdeals a posteriori zurückzieht, formiert sich jetzt massiver Widerstand.
CDU und CSU wollen Gabriel die Kompetenz für Rüstungsexportgenehmigungen entziehen.
Einige SPD-Verteidigungspolitiker wie Hans-Peter Bartels begehren inzwischen gegen den harten Gabriel-Kurs auf.
Geradezu unverfroren schmeißen sich die angeblich so friedensbewegten Gewerkschaftler auf die Seite der kriminellen Waffenschmieden.
Eine Päppelung mit Steuergeldern, die den Bossen der Mördermafia noch nicht mal selbst eingefallen war.

Löwe Gabriel brüllt im Moment ziemlich laut und er hat offenbar ein breites Kreuz.

Kauder und Seehofer verhalten sich wie erwartet.

Interessant ist aber wer in diesem Konflikt gar nichts sagt.

Da ist zunächst einmal die Kriegsministerin von der Leyen; also Hauptabnehmerin der deutschen Waffenproduzenten. Sie ginge es direkt etwas an, wenn die Vorwürfe aus ihrer Partei stimmten, daß Gabriel die deutsche Rüstungsindustrie kaputt mache. Die Bundeswehr braucht diese Lieferungen.

Aber von der Leyen ist nicht ohne Grund viel beliebter als Gabriel. Sie hält sich aus allen Problemen raus und sagt öffentlich nicht ihre Meinung zu den Waffenexporten.
Sie taucht wie ihr Vorbild Merkel ab, wenn es brenzlig wird.

Dann ist da die fromme Faschisten-Freundin Kathrin Göring-Kirchentag, die die militanten Brutalos der nicht gerade legitim gebildeten und zur Zeit auch zurückgetretenen Ukrainischen Regierung unterstützt.
Hat die Grüne Theologin eine Meinung zum Thema Waffenindustrie?
Man weiß es nicht.
Und schließlich ist da unser ach so meinungsstarker Bundespräsident  Gauck, diese Rostocker Dreifaltigkeit aus Dorfpfaff, Bundespräsident und gleichzeitig seinem eigenen größten Fan.

Gauck, der so gerne in politische Debatten eingreift und sich für die größte moralische Instanz der Erde hält, fiele es nicht ein den Waffenstopp-Kurs Gabriels gegen die CSU zu verteidigen.
Im Gegenteil, ein bißchen Krieg spielen, findet der Pfarrer richtig prima.

»Germans to the front!« Seit einiger Zeit versucht Bundespräsident Joachim Gauck, die Deutschen auf mehr Auslandseinsätze der Bundeswehr einzustimmen. So etwa in seiner Eröffnungsrede auf der Münchner Sicherheitskonferenz Ende Januar. Bei einem möglichen Einsatz der Bundeswehr dürfe Deutschland »weder aus Prinzip ›nein‹ noch reflexhaft ›ja‹ sagen«. Im »Deutschlandfunk« betonte der ehemalige Pfarrer jüngst, dass die Bundesrepublik »an der Seite der Unterdrückten« stehe. »In diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen«, so Gauck.

Da hat ein Mann sein Thema gefunden.
Daß die Deutschen ja nicht allzu sehr in den Pazifismus abgleiten, will der erste Mann im Staat unbedingt verhindern.


Den reinen Pazifismus mag er nicht.
Daß seine ehemaligen Pfaffenkollegen im Osten das anders sehen, missfällt dem Bellizisten-Joachim. 67 Ost-Theologen um die Initiatoren Klaus Galley und Siegfried Menthel widersprachen Gauck öffentlich und forderten den Verzicht auf militärische Gewalt als politisches Mittel. Der Präsident is not amused.

Offenbar wollte Gauck die Kritik nicht unwidersprochen lassen. Am Freitag wurde bekannt, dass mittlerweile ein Antwortschreiben des Staatsoberhauptes vorliegt. Wie wichtig ihm dieser theologische Disput ist, zeigt der Umstand, dass nicht Gauck persönlich, sondern der Chef des Bundespräsidialamtes David Gill die Antwort verfasste. »Ohne Einsatz bewaffneter Kräfte« wäre »keine Befreiung von der Hitler-Diktatur möglich gewesen«, heißt es in dem Brief, aus dem die »Berliner Zeitung« zitierte. Er könne nicht erkennen, so Gauck bzw. Gill weiter, dass »der vom Evangelium gewiesene Weg ausschließlich der Pazifismus sei«.
[…] Der Theologe Siegfried Menthel zeigte sich gegenüber »Zeit Online« enttäuscht: »Gauck liefert nur erneut die Begründung, warum er Krieg als Ultima Ratio für legitim hält«. […] Der DDR-Bürgerrechtler und Pazifist Georg Meusel kündigte am Freitag an, aus Protest gegen Gaucks Äußerungen sein Bundesverdienstkreuz zurückzugeben.

Bekanntlich waren Christen in den letzten 2000 Jahren fast immer die größten Förderer von Mord, Totschlag, Krieg und Gewalt. 



Die Bibel ist ein Gewalt-propagierendes Buch. Gott geht mit dem Beispiel von brutaler Gewalt voran.




Frage also, wie sich eigentlich die andere große christliche Konfession im deutschen Protestantenstreit um das Gewaltgebot des Evangeliums positioniert.

Nun, um es vorweg zu nehmen: Wie es zu erwarten war. Krieg = gut

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, stärkt Bundespräsident Joachim Gauck in der Debatte über die Beteiligung Deutschlands an Militäreinsätzen den Rücken. "Ich halte es für absolut richtig und notwendig, dass der Bundespräsident darauf hinweist, dass wir international mehr Verantwortung übernehmen müssen", sagte Glück dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag).
"Wir sind weltweit zunehmend eine Schicksalsgemeinschaft. Wir werden damit auch immer mehr Betroffene von Konflikten in der Welt. In dem Zusammenhang können militärische Einsätze zum Schutze von Menschen auch die Teilnahme der Bundesrepublik erfordern", sagte Glück.
(KNA 04.08.2014)

Eines ist damit klar: Der Christ Gabriel kann sich bei seinem Vorhaben die deutschen Waffenexporte in Krisengebiete völlig zu stoppen jedenfalls nicht auf die Kirchen stützen.
Die sagen nun nichts mehr öffentlich zu dem Thema, da es um die Wurst geht.
„Schwerter zu Pflugscharen“ war nur so lange populär, solange sicher war, daß es bei Schwertern bleibt.
Nun, da erstmals einer tatsächlich Pflugscharen machen will, werfen sich die Kirchen auf die Seite der Bellizisten.
Bei den Kardinälen herrscht das große Schweigen.