Montag, 28. Juni 2021

Wann ist Schluß mit der Meinungsfreiheit?

Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind an dieser Stelle mehrfach ausführlich ausgelotet worden.

Man darf so ziemlich alles sagen, so lange es niemand anderem schadet.

Diejenigen aus der ganz rechten Ecke, die fortwährend den angeblichen Verlust der Meinungsfreiheit und Zensur beklagen, sind verblüffender Weise meist auch genau die Leute, die ständig sehr laut und vernehmlich ihre Meinung ausposaunen.

Sie verwechseln aber Meinungsfreiheit mit ihrer persönlichen Meinungsdiktatur.   Sie glauben, sie hätten das Recht, ihre persönlichen Ansichten auch auf allen privaten Kanälen zu multiplizieren und daß jeder Widerspruch verboten wäre.   Das ist natürlich perfider Unsinn.

Wer beispielsweise davon überzeugt ist, Jesu‘ Vater habe die Erdenscheibe vor 6.000 Jahren ins Zentrum des Universum gesetzt; so daß Sonne und Sterne drum herum kreisen, darf das gern laut sagen, darüber Bücher schreiben, das auf öffentlich Veranstaltungen verkünden, Blogs, Facebook-Gruppen und Instagramstories darüber verfassen.

Es besteht aber weder für die Tagesschau, noch den SPIEGEL oder Markus Lanz die Verpflichtung, diese Meinung zu transportieren.

Es besteht auch kein Zwang für alle Leser und Zuhörer, dem zustimmen. Es besteht auch für keine Schule oder Universität oder Redaktion die Pflicht, einen Vertreter so eines Weltbildes einzustellen.

Die Grenzen der Meinungsfreiheit zeigt der Volksverhetzungsparapraph auf.

Ich meine, während einer tödlichen Pandemie, die bis heute in Deutschland 91.000, in den USA 620.000, in Brasilien 514.000, in Indien 398.000, in Mexico 232.000, in Peru 192.000 und weltweit 3,92 Millionen Tote forderte, besteht hinreichend Grund, diejenigen, die aktiv gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen wettern, nicht frei ihre Meinung sagen zu lassen, weil es leider viele Verblödete gibt, die ihnen glauben.

(…..) Und genau deswegen sollte man einem bösartigen Bornierten wie Trump, der ständig die Pandemie herunterspielt und die Anti-Maskers fördert unbedingt die Social Media-Accounts sperren, so daß sie nicht mehr so leicht ihre letalen Botschaften verbreiten können.

Der irre rechtsextreme verschwörungstheoretische Covidiot David Berger ist ein Paradebeispiel der Desinformation.

In abstruser Weise verkehrt er Ursache und Wirkung, führt die durch viel zu lasche Hygienemaßnahmen steigenden Todeszahlen auf zu viel und zu strenge Maßnahmen zurück.

Ein groteske Umkehrung der Wahrheit und eine tödliche Gefahr.

Er faselt Hildmannsch-morbide von „angeblicher Pandemie“ und fantasiert von bayerischen Kunststoff-Möhren, die man sich in den Hintern stecken soll, falls Corona anal übertragen werden sollte. Ohne NS-Vergleiche (Goebbels: „Wollt ihr den totalen Krieg?“) macht es der knitterköpfige Irre ohnehin nicht.

[…….]  Wollt Ihr den totalen Lockdown?  […….]  Ist Dummheit oder Bösartigkeit der Grund für dieses Versagen der Verantwortlichen? […….]   bei den Reaktionen der großen Mehrheit der Deutschen auf die apokalyptisch anmutende Endschlacht, in die uns Söder, Merkel & Co führen wollen. Wie immer bei solchen nationalen Kraftanstrengungen unterstützt von den zuvor über längere Zeit gleich geschalteten Medien und jenen gesellschaftlichen Kräften, die doch nur gehorsam ausführen, was man ihnen befiehlt. […….]  […….]  Und wer garantiert uns, dass wir in ein paar Monaten nicht zu hören bekommen, man habe die FFP2-Masken völlig vergeblich getragen, jetzt müssen man sich stets eine von einer bayerischen Firma exklusiv angefertigte Kunststoffmöhre in den After stecken, da Lauterbach eine Studie gefunden habe, nach der Corona vor allem anal übertragen werde?   […….]  Das heißt im Klartext: wir setzen hier etwas fort, das nachweislich gegen die angebliche Epidemie nichts hilft, aber enorme Kollateralschäden mit sich bringt, die in ihrer ganzen Wucht überhaupt noch nicht absehbar sind. Und die auf lange Zeit das tausendfache an Todesopfern fordern könnte als die bei dem überwiegenden Großteil der Menschen völlig harmlos verlaufende Corona-Infektion. […….]

(D. Berger, Phimosa Penis, 14.01.2021)

So denken sie an der AfD-Aluhut-Front.   Denken dürfen sie, aber die Verbreitung dieser destruktiven Lügen ist tödlich.   Bitte, Männer im weißen Kittel, holt ihn doch endlich ab und sperrt ihn weg! (….)

(Gefährliche Meinungsfreiheit, 14.01.2021)

Es ist leider zu einfach, sich damit zu beruhigen, Impfgegener, Antimaskers und Covidioten brächten sich nur selbst in Gefahr. Dann wären sie wie Autofahrer, die bei schlechter Sicht auf der Autobahn mit ausgebauten Airbags und nicht angeschnallt Vollgas fahren. Diese erhöhen in erster Linie ihr eigenes Risiko zu sterben.

David Berger-, Xavier Naidoo- und Attila Hildmann-Follower gefährden aber nicht nur sich selbst, weil sie nicht isoliert leben, sondern mitten unter uns Viren verbreiten und damit die Vulnerablen dieser Gesellschaft in tödliche Gefahr bringen.

Berger, der in den letzten sechs Monaten seinen rechtsextremen verschwörungstheoretischen „Hetzblog PP“ weitgehend seinem nicht minder perfiden extremistischen Co-Aufrührer Michael von Laack überlassen hat, ist Gerüchten zu Folge inzwischen so sehr von seinem schweren Drogenmissbrauch und der STD-Induzierten Multimorbidität gezeichnet, daß er trotz seiner sagenhaften Eitelkeit keine Bilder mehr von sich veröffentlicht und offenbar auch nicht mehr in der Lage ist, selbst längere Artikel zu schreiben.    Er meldet sich nur noch sehr selten persönlich zu Wort, aber dann auch nur mit Twitter-Parolen, oder indem er einen Tweed der von ihm meistgehassten Personen aufgreift und Dreck darüber auskübelt.

So geschah es heute mit Prof Karl Lauterbach, 58, der Berger auf vielfache Weise triggert: Lauterbach ist in der SPD, Lauterbach lebt außerordentlich gesund, Lauterbach ist heterosexuell und Affären-frei, Lauterbach bekommt öffentlich ein Forum, gilt als hochseriös und vor Allem ist Lauterbach ein habilitierter Epidemie-Experte, der wirklich weiß, wovon er spricht.

Der prominente Sozialdemokrat ist also in jeder Hinsicht das diametrale Gegenteil Bergers, 53, der zwar jünger ist, aber 20 Jahre älter aussieht.

(Man mag solche Äußerlichkeiten für irrelevant halten und diese Information an dieser Stelle fehlplatziert finden. Für Berger als promisken, schwulen Mann, der geradezu manisch seine sexuelle Aktivität in Internet verbreitet und ganz offensichtlich schwere Minderwertigkeitskomplexe überkompensiert, stellt sein frühes Altern ein entscheidendes Problem dar. Ausführlich beschrieb er in seinem „der Heilige Schein“ wie enorm anziehend sein jugendlicher und trainierter Körper auf die katholischen Geistlichen wirkte. Er pries ungeniert seine sexuelle Potenz und Anziehungskraft auf sehr viel jüngere Männer, prahlte mit seinen Kopulationen. Sein Jugend- und Attraktivitätswahn geht so weit, daß er den SPD-Politiker Johannes Kahrs wegen dessen angeblicher Hässlichkeit attackiert und den in Bergers Augen sagenhaft hübschen Ralf Nolte von der AfD dagegen stellt.

[…..] Als jemand, der Herrn Kahrs […..]  mehrmals persönlich begegnet bin, kann ich nur sagen  […..] … Na, schauen Sie einfach die Fotos und Videos von ihm an (und da sieht man den Rest des Körpers gar nicht).    Und bitte kommen Sie jetzt nicht mit Ralf Stegner – gegen sein sympathisches Gesicht kommt eh keiner wirklich an!   Vergleichen Sie lieber die öffentlich zugänglichen Fotos von Herrn Kahrs (SPD) mit den Fotos von Ralf Nolte von der AfD. Ach so, der wurde jüngst zu Deutschlands attraktivstem Politiker gewählt… Nein, nicht Kahrs, Nolte. Aber was würde Kahrs jetzt nur dazu einfallen? „Schlampe halt“ vermutlich. […..]

(David Berger, 12.09.2018)

Der körperliche Verfall Bergers ist also durchaus relevant, wenn man seine zunehmende Wahnhaftigkeit psychologisch verstehen will. Der Mann kann offenbar immer weniger seinen Selbsthass mit Sex betäuben und braucht andere Ventile.)

Karl Lauterbach blickt besorgt nach England, wo sich trotz hoher Impfquote die Delta-Variante schnell ausbreitet.

[…..] 43% der Covid Toten in UK sind geimpft. Oft nur 1 Impfung. Aber auch doppelt Geimpfte. Bei Älteren ist das Sterberisiko so hoch, dass auch 95% Schutz zu vielen Toten führt. Das heisst: im Winter, wenn Impfwirkung schwächer wird, wird wahrscheinlich eine Boosterimpfung nötig sein. [….]

(Karl Lauterbach, 28.06.2021)

[…..] Gefahren Delta und Lösungen. Ältere können trotz Impfung erkranken und sterben. Lösung: Boosterimpfung im Herbst. Kinder erkranken oft. Lösung Impfung statt Deltadurchseuchung. In Betrieben erkranken Ungeimpfte. Lösung Schnelltests, die Delta gut erkennen. [….]

(Karl Lauterbach, 28.06.2021)

Lauterbachs Anmerkungen sind deswegen so wichtig, weil in Deutschland die große Impfmüdigkeit einsetzt. Das entspricht auch den Erfahrungen, die ich vorgestern machte.

[…..] Es mehren sich die Anzeichen, dass der Impfmotor tatsächlich ein wenig ins Stottern gerät. Das zeigt eine Tagesspiegel-Umfrage in den Gesundheitsministerien aller 16 Bundesländer zu ausgefallenen Impfterminen. Demnach liegt der Anteil gestrichener Impftermine zwischen einem und sechs Prozent. Bei deutschlandweit täglich mehr als 800.000 Impfungen fallen also an jedem Tag Zigtausende komplett aus. […..]

(Fabian Löhe, TS, 25.06.2021)

Der perfide, destruktive Berger verkehrt nun Lauterbachs Aussagen in ihr diametrales Gegenteil und liest statt der Aufforderung, sich impfen zu lassen, die falsche Erkenntnis heraus, Impfungen wären wirkungslos.

[…..] Nachdem sich schon hunderttausende in Deutschland lebender Menschen – meist gezwungen von den durch die Politiker unerträglich gemachten Umständen – auf das Risiko der sog. [verschwörungstheoretisches Vokabular]  Corona-Impfung eingelassen haben, lassen nun echte und selbst ernannte [verschwörungstheoretisches Vokabular] Wissenschaftler die Katze aus dem Sack:[…..] Die mit einigen Nebenwirkungen und nicht voraussehbaren Langzeitfolgen verbundene „Impfung“ [verschwörungstheoretische Anführungszeichen]   (die eigentlich gar keine ist, sondern eine Art Heilmittel für einen milderen Verlauf darstellen soll), scheint auf das Risiko schwer an Covid zu erkranken bzw. mit der Krankheit sogar zu sterben, kaum Einfluss zu haben. Das zeigen die neuesten Zahlen aus den UK.   Erstaunlicherweise gibt dies nun sogar der seuchengeile [verschwörungstheoretisches Vokabular]  Lauterbach zu, freilich nicht ohne eine neue enorme Chance für seine Clique [verschwörungstheoretisches Vokabular]  zu sehen. […..] Immer sicherer können wir also davon ausgehen, dass sich die Corona-Diktatur – die statt mit Glaubwürdigkeit mit Angst, Zwang und Staatsgewalt arbeitet -noch lange halten wird: Die Masken werden bleiben, der Mindestabstand und immer neue Versionen der Lockdowns, die uns immer mehr vergessen lassen, dass der Diebstahl des Staates [verschwörungstheoretisches Vokabular]  an uns zustehenden Rechten, die er nicht verleiht und die er uns auch nicht einfach nehmen kann, ein Skandal erster Güte ist.  Ob sie nun Baerbock, Kretschmer oder Söder heißen: einer Sache können sich die Diktatoren [verschwörungstheoretisches Vokabular] der Zukunft sicher sein. Die Deutschen werden auch diesmal nicht erfolgreich zum Widerstand [verschwörungstheoretisches Vokabular] aufbrechen. Auch diesmal braucht es – wie vom great reset [verschwörungstheoretisches Vokabular] vorgesehen – einen kompletten Zusammenbruch oder des Eingriffs von außen… […..]

(David Berger, 28.06.2021)

Ich denke, dieser Artikel ist für klinische Psychiater durchaus interessant, da er Bergers zutiefst destruktive und maligne Denkmuster zeigt.

Immer schlechter gelingt es ihm seinen blanken Hass („der seuchengeile Lauterbach“) als vermeidliche Objektivität zu tarnen.   Bedauerlicherweise sitzt Berger aber nicht in einer geschlossenen Anstalt, sondern verbreitet auf seinen Plattformen nicht nur antisemitische Verschwörungsformeln („Great Reset“), sondern treibt seine Anhänger in die Impfverweigerung. Damit wird der vielfach von AfD-Politikern zitierte Verschwörer zur gesundheitlichen Gefahr für uns alle.

Das sollte nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sein.

Sonntag, 27. Juni 2021

Der politische Schmerz

Vielleicht spielt das Gehirn uns einen Streich, vielleicht schützt es uns: Man vergisst Schmerzen.

Wenn zum Beispiel die Weisheitszähne unglücklich in den Kiefer gewachsen sind, man zwei Stück auf der einen Seite von einem Kieferorthopäden rausmeißeln läßt, anschließend in brutaler Pein darniederliegt, schwört man, es nicht noch mal zu tun, die beiden Weisheitszähne auf der anderen Seite nicht anzurühren.

Nach ein paar Monaten aber, weiß man zwar noch rational, wie schlimm die Schmerzen waren, kann aber das Gefühl nicht mehr in seiner ganzen Dimension nachempfinden.

Erst, wenn man, entgegen den vorherigen Schwüren, doch Zahn Nr. Drei und Vier ausgraben lassen hat, weiß man wieder: Verdammt, das tut weh!

Donald Trump ist ein kontinuierlicher brutaler politischer Schmerz in vielen Dimensionen: Da ist dieser schreckliche Mensch an sich; seine groteske Optik, die widerlich obszöne Sprache, dieses permanente Lügen, das enorme Unwissen, seine Borniertheit.

Da ist aber auch das Entsetzen über 75 Millionen US-Amerikaner, die ihn lieben, als ihren Kult-Leader bedingungslos unterstützen, ausgerechnet seine angebliche „Ehrlichkeit“ lobpreisen.

Ein weiterer enorm schmerzhafter Aspekt ist die Erkenntnis des Totalversagens großer Teile der US-Medien, die so eine groteske rassistische Type als ihren Messias hervorbringen.

Und wie kann ein Bildungssystem, welches so viel Spitzenforschung und Nobelpreisträger hervorbringt, zig Millionen mal so katastrophal versagen, daß absurde Verschwörungstheorien geglaubt werden?

Der Verlust einer gesamten Großpartei ist zu beklagen; die Republikaner haben alle Werte, alle moralischen Maßstäbe aufgegeben und konzentrieren sich nur noch auf zwei Dinge: Alle Nicht-Trumpisten zu vernichten und ihrem Anführer zu huldigen. Schließlich gehört zum Trump-Schmerzsyndrom das Wissen um die reale Gefahr, wenn man so einen zutiefst verblödeten, destruktiven Psychopathen mit der Machtfülle eines US-Präsidenten ausstattet.

Jedes Jahr richtete er mit seinen katastrophalen Entscheidungen schweren Schaden für die USA an.

Aber selbst dieses Schreckenskonglomerat gerät ein wenig in Vergessenheit, während Joe Biden in Washington regiert, der irre Orange nicht mehr die täglichen Nachrichten dominiert und glücklicherweise sein Social Media-Bann aufrecht erhalten wird.

Dabei werden immer noch abenteuerliche Trump-Episoden enthüllt, die uns verdeutlichen, welche enorme Gefahr der Mann in Oval Office bedeutete.

Vieles ist lange öffentlich bekannt, weil Trump selbst damit prahlte.  Er überlegte Hurrikans mit Atombomben aufzuhalten, bestach die Regierung in Kiew, um gegen Joe Biden vorzugehen, steckte Kinder in Käfige und empfahl die Injektion von Bleichmitteln als Covid-Kur.    Von manchem hanebüchenen Plan konnten ihn seine Mitarbeiter abbringen.   So hatte der Wahnsinnige sich ausgedacht, möglicherweise mit Corona infizierte Amerikaner nach Guantanamo auszufliegen.

Dabei hätten wir im Oktober 2020 fast das Glück gehabt, den gefährlichsten Menschen der Welt loszuwerden.

[…..] Anfang Oktober 2020 machte der ehemalige US-Präsident Donald Trump Schlagzeilen, weil er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Nach einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt schleppte sich Trump die Treppen des Weißen Hauses hinauf. Mit einem Lächeln und zwei Daumen nach oben signalisierte Trump: Coronavirus? Ungefährlich. Dabei war er viel kränker als nach außen kommuniziert. [….]

(FR, 27.06.2021)

In den folgenden Monaten wurde insbesondere mit dem Putschversuch, dem blutigen Sturm auf das Kapitol und die Weigerung fast der gesamten Republikanischen Partei gegen die mörderischen Verfassungsfeinde vorzugehen, jede Hoffnung auf eine Normalisierung des politischen Systems vernichtet.

Trump schmollte zunächst in Mar A Lago, hat aber seine Partei noch fester im Griff als man stets befürchtete.

Die Treue der Senatoren und Abgeordneten zu ihm war so groß, daß sie skrupellos jedes seiner Verbrechen, jede Lüge deckten. Man erklärte sich das mit seinem enorm mächtigen und einflussreichen Amt. Als US-Präsident konnte seine Rache gegenüber Renegaten fürchterlich sein.

Nach Joe Bidens Amtsübernahme ist Trumps administrative Macht futsch. Er ist kein Oberbefehlshaber mehr, verfügt über keine außenpolitische Bedeutung, kann weder Pöstchen beschaffen, noch Getreue für besondere Ämter ernennen. Er kann nicht begnadigen und auch keine Executive Orders mehr schreiben.

Umso unheimlicher, daß sämtliche Top-GOPer dennoch nach Mar A Lago pilgern, um ihrem Messias die Füße zu küssen.   Dabei erscheint Trump bei seinen wenigen öffentlichen Auftritten immer offensichtlicher debil und gestört.

Seine Macht über seine 75 Millionen verschwörungstheoretischen Jünger ist immer noch so groß, daß er jeden abtrünnigen GOPer politisch töten kann.

So ergeht es gerade dem Kongressabgeordneten Anthony Gonzalez aus Ohio, der es gewagt hatte als einer von gerade mal zehn Republikanern für ein zweites Amtsenthebungsverfahren zu stimmen.

So erschien Trump gestern genau in dem Wahlkreis, um für den parteiinternen Gegenkandidaten Max Miller, einen ihm zu 100% Ergebenen, zu trommeln.   Gonzales wird aus dem Kongress fliegen.

[…..] Seine eineinhalbstündige Rede lässt sich schnell zusammenfassen. Die neue Biden-Regierung sei eine "Katastrophe", sagte er. Und die Wahl 2020 das größte Verbrechen in der US-Geschichte. Wieder und wieder behauptet er, er sei es, der die Wahl gewonnen habe. Ein von ihm selbst ins Leben gerufener Verschwörungsmythos. Aber das tut hier nichts zur Sache. Seine Fans glauben ihm jedes Wort. […..]

(Thorsten Denkler, SZ, 27.06.2021)

Trump ist alles andere als Geschichte.

Er ist wieder da. Man erinnert sich, wie schlimm er ist.

Der Schmerz ist wieder da.

Trumps Jünger sind infiziert und gefährlicher denn je.

Samstag, 26. Juni 2021

Im Impfzentrum

Sollte man rückblickend auf fast anderthalb Jahre deutsche Corona-Politik einen charakterisierenden Oberbegriff finden, muss man von „Chaos“ sprechen.

Es gab so viel Unvernunft, landespolitische Egoismen, mangelnde Voraussicht und immer wieder Fassungslosigkeit, weil Spahns Gesundheitsministerium von Entwicklungen völlig überrascht wurde, die sich seit Monaten ankündigten. Impfstrategie, Vakzinbeschaffung, Maskenverteilung, Corona-App, Teststrategie, Impfnachweis.

Peter Tschentscher und Karl Lauterbach waren neben einigen Virologen, wie  Christian Drosten, die einzigen Menschen, die immer den Überblick behielten und jederzeit klare Auskünfte geben konnten.

Deutschland wäre sehr wahrscheinlich mit deutlich weniger Toten durch die Pandemie bekommen, wenn 2018 im Kampf um die Besetzung des Gesundheitsministeriums der Zweikampf Spahn vs Lauterbach anders ausgegangen wäre.

Leider entschied Merkel klar gegen Kompetenz und für Parteibuch.

Sechs Monate nach den ersten Impfungen in Deutschland, schwand meine Hoffnung eine Impfdosis abzubekommen. Zunächst war ich viel zu jung und als sich in der Priorisierung die Altersgrenze in meine Richtung verschob, war ich plötzlich zu alt, weil Jens Spahn Millionen Vakzin-Dosen für Jugendliche zurückhielt und die die Impfpriorisierung aufhob.

Ich passte nicht in eine der vielen Ausnahmeregelungen, die mich berechtigt hätten, frühzeitig geimpft zu werden, war als Privatpatient ohnehin benachteiligt, weil sich die Impfzentren an den Patientenlisten der kassenärztlichen Vereinigung orientierten und habe als Medizinmuffel auch keinen Hausarzt, der mich großzügig vorziehen würde.

Routiniert wählte ich täglich die Impfhotline an, klicke mich durch die Online-Terminvergabe, um stets zu erfahren, es gäbe keine Slots mehr.

Wäre ich Verschwörungstheoretiker, würde ich an dieser Stelle vermutlich spekulieren, ob Spahn seine eigenen ewigen Irrtümer statthabend, in den Bund-Länder-Konferenzen auf einen stets Recht behaltenden Tschentscher treffend, nun aus Groll, die Hamburger extra knapp hält mit BionTech-Lieferungen.

Letzte Woche erreichte aber eine Großlieferung mit 52.000 Vakzin-Dosen die Hansestadt. Die Impfpriorisierung wurde aber wegen des bisherigen Serum-Mangels beibehalten. Das zentrale Impfzentrum akzeptiert Menschen, die älter als 60 sind (da passe ich noch nicht hinein).

Liest man aber die derzeitigen Kriterien für die Impfberechtigungen in Hamburg genau durch, findet man doch allerlei medizinische Regelungen, die auch unter 60-Jährigen den ersehnten Pieks ermöglichen.

Oh Wunder, auch für mich spuckte das Impfzentrum in den Messehallen einen Termin aus. Und, zweite Überraschung, alles war leicht verständlich, funktionierte einwandfrei. In wenigen Schritten bekam ich Gewissheit über die Art des Vakzins, den Hersteller, Termin und Berechtigungsnachweise.

Heute war es dann soweit.

Ein zentrales Impfzentrum für eine Zwei-Millionenstadt mit überraschenden zusätzlichen 52.000 Terminen!
Das konnte ja was werden! Wo zum Teufel würde man parken können? Muß ich die Zeit, die ich vermutlich anstehen würde einkalkulieren, um zu der bestellten Uhrzeit auch an der Nadel zu sein, oder reicht es pünktlich auf dem Gelände zu erscheinen?
Ich machte mich auf einiges gefasst, sah mich schon im Geiste in der schwülen Sonne nach Stunden in der Schlange kollabieren.

In meine große Tasche steckte ich nicht nur meine Aktenmappe, mit jedem auch noch so weithergeholten Papier über meine Versicherung, Krankengeschichte, Impfterminisierung. Dazu zwei Flaschen Wasser, Traubenzucker, eine Zeitschrift und ein noch nicht angefangenes Buch, ein extra T-Shirt, Desinfektionsmittel. Und ich kam früh an, so rechtzeitig, daß ich auch weit weg parken könnte und mir einen genauen Überblick über die Logistik verschaffen konnte.

Mit allem hätte ich gerechnet; nur nicht mit dem wie es wirklich lief.

Schon einige Straßen vor der „Lagerstraße“, in der das Impfzentrum liegt, tauchten unübersehbare riesige Hinweisschilder mit überdimensionalen Pfeilen auf.

Selbst ohne Brille und im tiefen Nebel wäre ich zielgenau zum Eingang gelotst worden. Es gibt ein paar hundert Meter entfernt einen riesigen kostenlosen Parkplatz und genau neben dem Haupteingang für die Faulen oder Lahmen einen weiteren Parkplatz, der fünf Euro kostet. Dort wird man von freundlichen Menschen empfangen, die einen persönlich zu seiner Parklücke eskortieren.

Vor der Nase hatte ich wieder diese Giganten-Wegweiser. Verirren völlig unmöglich.

Personal war im Überfluss vorhanden. Die Logistik erinnerte an Marathonstrecken; es gab Stationen, die einem frisches Wasser reichten, Sanitäter und eine Auswahl an Rollstühlen mit hilfsbereiten „Schiebern“ für den Fall, daß man sich den weiteren Fußweg nicht zutraute. Der perfekte Service; nur daß ich statt 42 km erst 30 m von meinem Auto hinter mir hatte.

Es gab überhaupt keine Schlangen und Staus, weil das Gelände derart großzügig ausgelegt ist, daß Dutzende Menschen gleichzeitig abgefertigt werden können.

Nicht eine Sekunde musste ich innehalten, um mich zu orientieren, stets lächelten mich freundliche bemaskete Menschen an, begrüßten mich und wiesen mir den Weg. Dazu gab es für diejenigen, die taub sind auch genügend Hinweisschilder wie zB „bitte Personalausweis bereit halten“ oder „gleich Impfberechtigung vorzeigen“.

Noch nie in meinem Leben habe ich bei einer offiziellen „Veranstaltung“ ausschließlich Freundlichkeit und Kompetenz erlebt. Und das in Deutschland.

Insgesamt hatte ich mit drei Ärzten zu tun. Zunächst ein sehr lustiger 55-Jähirger Kanadier, der meine Impfberechtigung überprüfte und mich aufgrund meines US-Passes gleich mit „Oh, Sie sind mein Nachbar“ begrüßte. Nr. Zwei war die Ärztin, die das Aufklärungsgespräch und die Anamnese durchführte, sowie die Impfbescheinigung ausstellte. Nummer Drei schließlich die Medizinerin, die mich piekste.

Überall war es peinlich sauber, gab es Sitzgelegenheiten und wurde Wasser angeboten. Ein Arzt übergab mich stets an den Nächsten, brachte mich persönlich genau dorthin, wo ich sein sollte.

Nach den 15 Minuten, die man nach dem Pieks noch warten muss, wurde ich von einer Mitarbeiterin in fließendem Englisch nach möglichen Auswirkungen gefragt. Sie hatte meinen Pass gesehen und man bemüht sich, die Impflinge in ihrer Sprache anzureden.

Beim Checkout-Schalter traf ich noch einen jungen Mann, den ich aus seinem früheren Job in einem Pflegeheim kenne, in dem ich auch regelmäßig bin. Er nahm sich gleich eine Viertelstunde frei, damit wir noch etwas quatschen konnten.

Ja, heute wäre wirklich nicht so viel los, da täglich 500 bis 1000 Termine verfallen. Impfberechtigte, die sich einen Termin beschaffen und dann nicht auftauchen, weil ihnen einfiel, daß sie am Wochenende lieber ausschlafen oder an die Ostsee fahren möchte. Urlaubssaison eben.

Sagenhaft, 95% der Weltbevölkerung würden mit Kusshand das Vakzin nehmen, haben aber keine Möglichkeit daran zu kommen, weil ihre Regierungen zu arm sind.

Wir werden hingegen kostenlos versorgt und sind dann auch noch zu bequem, um überhaupt zum Impftermin zu erscheinen.

Natürlich fragte ich ihn auch, wie es dazu kam, daß plötzlich 52.000 Impfdosen vorhanden sind.

Er zuckte nur die Achseln; die Hamburger wären vollständig von Spahn abhängig und hätten keinerlei Einfluss. Das sei jeden Tag eine Überraschung, wie viel Spahn springen ließe.

Da ich das in Presseberichten bisher so noch nie gelesen habe, möchte ich an dieser Stelle die Spitzenklasse-Organisation ausdrücklich loben.

Besonders hervorzuheben ist das Personal. Ich habe selten so viele freundliche, geduldige, höfliche Menschen getroffen.

Etwas rätselhaft ist für mich nur die Impfberechtigung für „Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben“.    Als +50er, der aber meist jünger geschätzt wird (so viel Eigenlob muss sein); hatte ich eigentlich abfällige Blicke von all den über 60-Jährigen befürchtet, die sich vielleicht fragten, wieso ich schon dran wäre.

Tatsächlich war ich aber deutlich der Älteste vor Ort. Die Hamburger Gerontenfraktion ist offensichtlich schon durch.

Freitag, 25. Juni 2021

Alt sein ist teuer

Wir West-Menschen des 21. Jahrhunderts sind unfähig geworden, mit dem Tod umzugehen, weil Alter, Krankheit und Leiden aus unserem Alltag verbannt werden.

Dafür gibt es Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Pflegeheime, Hospize.

Kürzlich traf ich eine Freundin des alten Herren, den ich betreue. Sie wollte natürlich wissen wie es ihm geht. „Gut“, sagte ich. Er wisse zwar oft nicht so genau, wo er sei, aber es gefalle ihm dort und die Pfleger wären prima.   „Besuchen Sie ihn doch mal; Sie kennen sich ja schon über 60 Jahre!“ Da verfinsterte sich sofort ihr Gesicht. „Nein, er ist doch dement! Was soll ich denn noch da?“

Es ist eine typische Reaktion. Man bedauert die an Demenz Erkrankten, benutzt es aber gleichzeitig als Ausrede, sich selbst nicht mehr kümmern zu müssen.

Er ist ja im Heim fungiert als Todschlagargument.

Kranke, Behinderte, Hilfsbedürftige sollen aus unseren Augen. Man sieht sie nicht mehr in den eigenen Familien, so daß Kinder auch nie den Umgang mit ihnen lernen. Behinderte werden (wurden) aus den Schulen in Sondereinrichtungen separiert. Wenn man dann doch mal auf nicht toppfitte Personen trifft, ist man entsprechend hilflos und überfordert.

Da der Tod aber jeden trifft, wird man früher oder später auch in der eigenen Familie, im Freundeskreis damit konfrontiert. Schön ist das nie.

Stirbt der Ehemann/Vater/Bruder mit 46 Jahren urplötzlich an einem Herzinfarkt, ist das Entsetzen groß. Er war doch viel zu jung, hatte noch so viel vor sich, wie sollen die Angehörigen damit zu Recht kommen? Wie brutal, daß man sich noch nicht mal verabschieden konnte, so viele Dinge ungesagt bleiben.

Stirbt man aber alt, nach einem langen Leidensweg mit vielen Jahren des Autonomieverlusts, ist es den Angehörigen auch nicht recht.  Die Qualen, die Sorgen und teuer ist es auch noch!

Natürlich gibt es Krankheitsbilder, die so fordernd sind, daß sie nur in stationärer Pflege zu bewältigen sind; insbesondere wenn es einen der vielen Singles trifft, der/die keine Freunde/Kinder/Partner aufweist, die jeden Tag viele Stunden Zeit investieren können.

In idealen Fällen gelingt es älter werdenden Menschen, die zur Einsamkeit neigen, sich rechtzeitig um ihren Lebensabend zu kümmern, so daß sie glücklich in einer Senioren-WG, einem „Betreutes Wohnen“-Apartment oder dem schönen Altersheim ihrer Wahl unterkommen. Sie haben dann vielleicht noch viele angenehme Jahre vor sich.

In den allermeisten Fällen gelingt das aber nicht, weil wir nun einmal Idioten sind, die den Gedanken an die eigene Vergänglichkeit verdrängen, fest die Augen vor dem Unausweichlichen verschließen, prokrastinieren, statt zu handeln.

Altersheime sind außerdem eine Typ-Frage. Manchem gefällt es, immer Menschen der eigenen Alterskohorte um sich zu haben, die durchgetaktete Mahlzeitenroutine zu absolvieren. Vielleicht finden sie auch ihr neues Zimmer, ihre Altenwohnung, viel besser und praktischer, als die vorherige Bude.

Manche wollen aber genau das auf gar keinen Fall, weil sie sich nicht einem Leben unter Beobachtung unterwerfen wollen, oder weil sie einfach an ihrer gewohnten Umgebung hängen.

Es gibt natürlich auch sehr schöne Senioren-Wohnanlagen mit großartigen Angeboten und luxuriöser Verpflegung. Aber dann muss man auch 5.000 oder 7.000 oder 10.000 Euro monatlich netto dafür übrig haben. Dafür gibt es durchaus Nachfrage.

Aber, Überraschung, die meisten von uns werden als tatteriger Wackelkopp keine fünfstelligen Unterbringungskosten im Monat bezahlen können.   Für die meisten von uns kommen nur Alters- und Pflegeheime in Frage, die man sich eben nicht freiwillig aussuchen würde.  Umso mehr klammert man sich an die heimische Umgebung. Es gibt alte Menschen, die sich mit schweren Verletzungen nicht trauen einen Arzt zu rufen, weil sie sich viel zu sehr davor fürchten ins Heim gesteckt zu werden.

Das kann böse enden; denn wenn man in so einem kläglichen Zustand, nachdem man Jahre peinlich vermied, einen Arzt zu sehen, doch irgendwann im Krankenhaus landet, weil man vielleicht auf der Straße zusammengebrochen ist, wird nach der Akutbehandlung nicht mehr nach Hause entlassen werden können. Sondern von der Krankenhaus-Geriatrie über die Sozialabteilung direkt in ein Pflegeheim gesteckt. Eins, das man sich nicht ausgesucht hat und in das man bestimmt nie wollte.

In der riesigen Grauzone zwischen „etwas Alltagshilfe benötigen“ und „bettlägeriger schwerer Pflegefall“ wird man rechnen und planen und probieren müssen.

Ambulante Pflegedienste können ein Segen sein, weil deren Sachleistungen zum Teil über die Pflegeversicherung abgedeckt sind.

Der Pflegebedürftige bekommt dringend notwendige Hilfe und seine Angehörigen haben die angenehme Gewissheit, daß morgens und abends jemand nach Opa sieht.

Ob die ambulante Hilfe ausreicht, ist abhängig von der Pflegestufe und bedeutet für die Pfleger enormen Zeitdruck. Oft müssen die Patienten über die Leistungen der Pflegekasse hinaus Zeit kaufen. Das wird aber schnell teuer und man muss sich genau überlegen, ob man sich morgens zusätzliche 18 Minuten bucht, weil man es nicht schafft sich allein zu versorgen.

Ein Problem taucht auf, wenn im Haushalt Arbeiten zu verrichten sind. Waschen, Küche putzen, Blumen gießen – all das ist zeitaufwändig und in der Regel bei einem Stundensatz von 45 bis 50 Euro beim Pflegedienst nicht bezahlbar.

Ein ganz gewaltiges Problem taucht auf, wenn die Krankheit mehr Aufmerksamkeit fordert, als man es mit zwei mal fünf Minuten am Tag bewältigen kann. Worst Case ist die Kombination aus Alleinleben und Demenz. Letztere kommt schleichend und in Schüben. Anfangs ist man noch in der Lage die Fassade zu wahren, lediglich ein bißchen vergesslich zu erscheinen, aber schon in dem frühen Stadium lässt man den Herd an, das Badewannenwasser laufen oder die Kerzen unbeaufsichtigt.

Wer immer noch nicht ins Heim möchte, oder nicht kann, weil es keinen Heimplatz gibt, der kann sich natürlich eine 24Stunden-Pflege organisieren.

(…..)Wer sich gesetzestreu verhalten will, wendet sich an einen professionellen Hilfsdienst wie „Hamburg Care“. Eine vorbildliche Firma, die ich nur empfehlen kann. Dort kauft man gewissermaßen Zeit und bekommt eine geduldige Fachkraft in die Wohnung geschickt, die nicht ständig auf die Uhr sieht, weil sie in 20 Minuten beim nächsten Patienten sein muss, sondern sich zwei oder vier Stunden nur für eine Person reserviert hat, ohne daß ein bestimmtes Pensum erledigt werden muß.

Mit diesen Damen und Herren kann man klönen, sich etwas vorlesen lassen, sich im Haushalt helfen lassen oder auch spazieren gehen.   Kostet pro Stunde 32 Euro zuzüglich Wegpauschale, Investitionskosten, Ausbildungsumlage und Mehrwertsteuer.   Das sind bei einer 24/7-Betreuung etwa 17.000 Euro im Monat. [Anmerkung: Der Preis ist nicht mehr aktuell. 2021 erhöhte HH Care die Stundensätze deutlich]

Bucht man hingegen lediglich am Wochenende vier Stunden und verzichtet auf einen ausgebildete Kraft, kommt man schon mit 1.636,46 Euro weg.  Vier Stunden jeden Tag kosten 5.500,-

Hinzu kommen Verbrauchmaterialien wie Desinfektionsmittel. Besonders teuer sind die vielfach notwendigen Hilfen bei Inkontinenz. Es gibt aber auch viele einmalige Anschaffungen, wie Haltegriffe, Dusch-Sitze, Rollatoren, Rollstühle, Gehhilfen, Greifhilfen, physiotherapeutische Hilfsmittel. (….)

(Realistische Kosten, 23.11.2019)

Wer keine 17.000,- im Monat übrig hat, muss sich nun notgedrungen in eine rechtliche Grauzone wagen, da die zuständigen Merkel-Gesundheitsminister Rösler, Bahr, Gröhe, Spahn nie auch nur anfingen, das Problem anzugehen.

Arme Leute, die auch noch hilfsbedürftig sind, können ihnen offensichtlich auch egal sein – sie werden dennoch immer wieder gewählt. (Die CDU steigt auch heute weiter in der Wählergunst.)

Wenn billige Dienstleistungen unbedingt gebraucht werden, ducken sich die verantwortlichen Politiker gern weg, auch wenn illegal gehandelt wird.

Jeder, der in einem Restaurant, einem Supermarkt mal in die Küche gucken konnte, sieht dort Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe, sehr wenig Deutschkenntnissen und lächerlichem Stundenlohn. Natürlich werden dort aber nicht Aufenthaltsstatus, Arbeitserlaubnis und Lohnabrechnung regelmäßig überprüft, weil dann die gesamte Gastronomie und das Gesundheitswesen zusammenbrechen würden.

Das gilt auch für private Putzfrauen.

Bei der häuslichen Pflege sind „die Polinnen“ das Pendant.  Das ist lange kein Geheimtipp mehr, sondern jeder, der als Pflegebedürftiger nicht ins Heim will oder kann, ahnt irgendwann „eine Polin“ bei sich einziehen lassen zu müssen.

So eine Polin, eine „Pani“, ist im Jahr 2021 eher eine Ukrainerin, Rumänin oder Weißrussin, weil es den Polen allgemein ökonomisch inzwischen so gut geht, daß sie nicht mehr für Hungerlöhne im Ausland Akkord arbeiten müssen.

So eine Vereinbarung mit einer ausländischen Hilfskraft kann eine sehr gute Sache sein, wenn sich alle Seiten fair verhalten. Dazu gehört natürlich eine freundliche, seriöse Vermittlungsagentur, die es wirklich gibt, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Dazu gehört eine Pflegerin/Pfleger, der/die nicht aus purer Not widerwillig so einen Job annimmt und möglichst Fachkenntnisse hat, sowie deutsch spricht.

Natürlich braucht es auch einen Auftragsgeber, der eher 2.100,- als 1.200,- im Monat ausgeben kann, seine „Polin“ in einer angenehmen Atmosphäre mit eigenem Schlafzimmer und Bad unterbringen kann; der aber vor allem nicht anfängt, sie auszubeuten, indem sie noch den Garten bestellen, das Dach decken und das Haus streichen muss.

So ein Arbeitsvertrag wird natürlich in dem Heimatland abgeschlossen. Darin befinden sich ganz übliche Arbeitszeiten. Z.B. sieben Stunden am Tag „Hilfe bei der Haushaltsführung“, einen Tag in der Woche frei.

Man darf nur nicht so genau nachfragen, wie das eigentlich gemeint ist. Was ist, wenn man die Pflegerin außerhalb der sieben Stunden benötigt?

Ein rumänische Pflegerin wollte auch gern mal wissen, ob und wie ihre Bereitschaftsstunden eigentlich bezahlt werden; wenn sie laut Vertrag streng genommen frei hat, aber in Wahrheit doch anwesend sein muss und durch die geöffnete Tür immer einen Blick auf ihren Schützling haben muss.

[…..] Experten schätzen, dass zwischen 300.000 bis 600.000 ausländische Arbeitskräfte bei der Betreuung im häuslichen Bereich tätig sind - meist Frauen aus ost- und mitteleuropäischen EU-Staaten und der Ukraine. Sie reisen für zwei bis drei Monate an und kehren dann wieder in ihre Heimat zurück. Die meisten sind bei einer Agentur in ihrem Land angestellt. Manche kommen als Selbstständige. Das Deutsche Institut für Menschenrechte bilanzierte 2020, viele der Hilfskräfte seien "von schwerster Arbeitsausbeutung" betroffen. Mangelnde Sprachkenntnisse, ausufernde Arbeitszeiten, wechselnde Einsatzorte sowie Angst vor Behörden führten dazu, dass sie in Deutschland in sozialer Isolation lebten.  Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat dem Laissez-Faire durch ein Grundsatzurteil nun Grenzen gesetzt. Das höchste deutsche Arbeitsgericht entschied, dass einer Bulgarin, die von einer bulgarischen Agentur vermittelt wurde und die nach eigenen Angaben rund um die Uhr eine über 90 Jahre alte Seniorin in Berlin versorgte, der deutsche Mindestlohn zusteht - auch für Bereitschaftszeiten. Das System der 24-Stunden-Pflege gerät damit ins Wanken. […..]

(Tagesschau, 25.06.2021)

Das Ausmaß des Totalversagens des zuständigen Mangelministers Jens Spahn zeigt sich unter anderem daran, daß man noch nicht einmal weiß, wie viele ausländische Pflegerinnen überhaupt in Deutschland sind, geschweige denn wie viele von ihnen halbwegs anständig bezahlt werden, oder total missbraucht und ausgebeutet werden.

[…..] Laut Statistischem Bundesamt gibt es derzeit etwa 4,1 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland, 80 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt. Zu den ausländischen Haushalts- und Pflegehilfen existieren keine offiziellen Zahlen, Verdi-Experte Erdmeier geht von Hunderttausenden solcher Arbeitsverhältnisse aus, manche rechnen mit bis zu 800 000. Erdmeier sagt, einige Agenturen hätten bereits begonnen, nicht mehr eigene Angestellte zur 24-Stunden-Pflege zu entsenden, sondern freischaffende Kräfte zu vermitteln; dahinter könne sich freilich auch Scheinselbständigkeit verbergen. Inwieweit solche Arbeitsverhältnisse von dem Urteil erfasst werden, ist unklar. [….]

(SZ, 24.06.2021)

Ver.di freut sich über das Urteil im Sinne der Pflegerinnen, die derzeit umgerechnet für Stundenlähne von einem oder zwei Euro arbeiten müssen.

Was die bis zu Million Pflegebedürftigen nun tun sollen (oft betreut eine Pflegerin allein auch Paare), steht in den Sternen.

Dazu fällt auch Ver.di nichts ein. Thomas Eisenreich, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Betreuungsdienste (BBD) stellt eine einfache Rechnung auf:

"Wenn wir nationale Maßstäbe an eine 24-Stunden-Betreuung anlegen, sind das etwa 3,5 Stellen, damit Urlaub, freie Tage und Urlaubszeiten gewährt werden können. Das wären circa 9100 Euro pro Monat."

Man wird selbst in Spahns generell eher ahnungslosem Gesundheitsministerium wissen, wie wenig Senioren sich knapp 10.000 Euro im Monat für eine heimische Pflegerin leisten können.   Spahn versuchte auch dieses Problem mit intensivem Kopf-in-den-Sand-stecken und offensivem Ignorieren zu lösen.

[…..] Es ist nicht so, dass das Thema überraschend aufkommt. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hatte bereits im Mai auf den dringenden Handlungsbedarf bei der 24-Stunden-Betreuung hingewiesen. "Unzulässige Arbeitszeiten, mangelnde Integration und soziale Absicherung, aber auch unklare Qualifikation und Haftung sind nur einige der kritischen Punkte", so Westerfellhaus damals in seinem Forderungskatalog. Die 24-Stunden-Betreuung müsse daher zu einem "Megathema der Politik" werden. Das Ziel sei, weder funktionierende Pflegesettings zu zerstören noch prekäre Arbeitsbedingungen und fragwürdige rechtliche Konstellationen zu tolerieren.   Das Gesundheitsministerium sieht das offenbar anders. Es gebe keine Pläne, die in Deutschland geltenden Ausnahmen von internationalen Arbeitsschutz-Vorschriften für 24-Stunden-Pflegekräfte zu ändern, schreibt das Ressort von Jens Spahn. "Bedarf für Änderungen mit Blick auf das von Deutschland ratifizierte Übereinkommen Nr. 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte der internationalen Arbeitsorganisation sieht die Bundesregierung nicht", heißt es in der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei. […..]

(Tagesschau, 25.06.2021)

Wie soll man sich nach den geballten Spahn-Affären, seinen Milliardenverschwendungen, seinen dreisten Lügen, seinem totalen Corona-Missmanagement noch über irgendetwas wundern?

Nachdem er versuchte unbrauchbare FFP-Masken an Behinderte zu verteilen, weil ihm deren Überleben weniger wichtig war, versucht er nun verzweifelt, 835.000 Pulsoxymeter verschwinden zu lassen, die er versehentlich auf Steuerzahlerkosten kaufte.

Verglichen mit Spahn, ist sogar Gaga-Scheuer ein recht brauchbarer Minister.

Nun ist sie da, die Giga-GAK, die größte anzunehmende Pflegekatastrophe.

[……] Viele, gerade ärmere Familien, werden sich diese Hilfen kaum noch leisten können. Hier muss die Allgemeinheit helfen, und das heißt: steigende Pflegebeiträge oder ein höherer Zuschuss aus der Steuerkasse.  Zum Zweiten müsste in vielen Fällen - wenn auch die deutschen Arbeitszeitgesetze eingehalten werden sollen - die Betreuungsleistung, die bis dato eine Pflegerin erledigte, eigentlich auf drei oder vier Kräfte verteilt werden. Dieses Problem, von dem wegen des Pflegemangels bisher niemand weiß, wie es zu lösen ist, lässt sich nun nicht länger ignorieren. […..]

(Rainer Stadler, 25.06.2021)

Millionen Pflegebedürftige sind nun in allerhöchster Not.

Aber Spahn sitzt in einer 4,125 Mio-Euro-Villa in Berlin-Dahlem, die er sich während der Pandemie anschaffte und luxuriös ausbaute.

Millionen Menschen verlieren nun womöglich ihre Pflegerinnen, können nicht mehr zu Hause bleiben.

Sie können aber auch nirgendwo anders hin, da es natürlich nicht von eben auf jetzt eine Million zusätzliche Pflegeheimplätze gibt. Heime, in denen schließlich auch schon dramatischer Personalmangel herrscht, weil, Überraschung, der zuständige Minister Spahn auch schon in dieser Angelegenheit total versagte.

(….) Und eins muss man sagen, Spahn schafft was weg (Merkel): Ein gutes Jahr nach seiner Ankündigung bundesweit 13.000 zusätzliche Pfleger einzustellen (gebraucht werden mindestens 50.000 Zusätzliche), hat er bundesweit schon fast 300 Neueinstellungen geschafft! Yippie, wenn das in dem Tempo weitergeht, sind die 13.000 Stellen in etwa 43 Jahren, also 2062 besetzt. Die 50.000 benötigten Kräfte wären dann im Jahr 2186 einsatzbereit. (….)

(Geld oder berufliches Ansehen, 31.08.2019)

Nun verlieren eine Million der Schwächsten in Deutschland Dank Spahn und der Untätigkeit der Merkel-Regierung ihre Lebensgrundlage.

Es gibt keine Alternative, weil es keine Heimplätze gibt und ganz abgesehen davon verlieren auch noch womöglich über eine Million ostdeutsche Pflegekräfte ihre Einkommen.

(Wenn 800.000 Pflegerinnen gleichzeitig in Deutschland arbeiten, gibt es vermutlich mindestens doppelt so viele Menschen, die diesen Job ausüben, da sie sich abwechseln.)

Willkommen in der sozialen und pflegerischen GAK.

Dem Urnenpöbel gefällt es; er möchte wieder einen CDU-Kanzler. Am liebsten den Spahn-Verbündeten Armin Laschet.

Donnerstag, 24. Juni 2021

Buntwashing

Wenn wie gestern ganz Fußball-Deutschland die Regenbogenfahne hisst, kostet es keine Überwindung, sein Twitter-Profilbild regebogig zu umranden.

Die Konservativen sehen es als nationales Symbol, um die deutsche Mannschaft zu unterstützen und gegen die Ausländer Ungarn Partei zu ergreifen.

Die Schwulen freuen sich, daß endlich ihre Farben so weit verbreitet werden. Die Linken erfreuen sich an den hysterischen Abwehrreaktionen der AfD/Werteunion, Gerhard Papke(FDP), Erika Steinbach, PP, RKK. Die Aktivisten und Journalisten begeistert das kolossale UEFA-Eigentor, die mit dem Verbot des Regenbogenprotests durch ihre eigene Doofheit nun die Proteste so richtig angefeuert hat.

Nun sind Regenbogenflaggen in Deutschland so en vogue, daß es geradezu geschäftsschädigend erscheint, wenn Firmen sich dieser sichtbaren Homo-Solidarität verweigern.

Und es geht schließlich immer nur um Geschäftsinteressen und nicht um Moral oder gar Homorechte.

BMW, Mercedes, Lenovo, Cisco färben daher ihre Logos in den sozialen Medien regenbogig ein. In Deutschland. Irland, Spanien. Also dort, wo homofreundlich zu sein bei den Konsumenten gut ankommt.

BMW, Mercedes, Lenovo, Cisco färben daher ihre Logos in den sozialen Medien der Auftritte in Russland, der Türkei oder arabischen Ländern natürlich nicht regenbogig ein! Da wäre es zwar ein wirksameres Mittel gegen Homophobie, würde ihren finanziellen Interessen aber eher schaden, statt wie in Deutschland nutzen. Siehe oben.

In den USA werben sogar dieselben Firmen je nach wirtschaftlichen Interessen mal für Homorechte, mal dagegen.

Im Pride-Month Juni wird es regenbogig, in den übrigen Monaten fließen die Werbegelder lieber an die stramm homophobe GOP, die gegen GayMarriage kämpft.


Die Heuchelei bei dem Thema ist sagenhaft.

Sogar Markus Söder, Vorsitzender der Partei, die nicht nur stets am lautesten gegen Homorechte polterte, sondern demonstrativ als so enger Verbündeter des ungarischen Regierungschefs und seiner radikal homophoben und menschenfeindlichen Migrantenpolitik erschein, daß Viktor Orbán seit Jahren Stargast auf CSU-Parteitagen ist.

[….] Es heuchelt gewaltig unter dem Regenbogen. Sich Toleranz, Vielfalt und Selbstbestimmung auf die Fahnen zu schreiben, ist nämlich einfach - die entsprechende Politik zu machen, schon schwerer. [….] Stichwort Transsexuellengesetz: Vor 40 Jahren in Kraft getreten, steht darin bis heute, dass Transmenschen ihren Personenstand nur ändern dürfen, wenn sie dauerhaft fortpflanzungsunfähig sind. Jahrzehntelang hieß das faktisch unter anderem Zwangssterilisationen, wenn sie ihren Personenstand angleichen, also etwa nicht länger als Mann, sondern als Frau geführt werden wollten. Dieser Passus darf seit 2011, nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nicht mehr angewendet werden - gestrichen wurde er nicht. Entschädigungen für Betroffene? Fehlanzeige.

Die vom Gericht angemahnte Reform des Gesetzes steht bis heute aus. [….] Dass die Union, speziell die CSU, jahrelang heftig mit Orban gekuschelt hat? Geschenkt. Dass die deutsche Rüstungsindustrie derweil bestens an der Modernisierung der ungarischen Streitkräfte verdient, stört offenbar ebenfalls niemanden. Dabei lief 2018, als Viktor Orban seine Einkaufsliste schickte und die Klausur der CSU-Landesgruppe in Seeon besuchte, der Angriff seiner Regierung auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit schon längst. Jetzt trifft es noch weitere Grund- und Menschenrechte.  Wichtiger als die Tatsache, welche Fahne man gerade demonstrativ schwenkt, ist doch, welche Politik man macht, dass es wirklich um die Rechte der Betroffenen geht. Aber vielleicht liegt ja doch irgendwann am Ende des Regenbogens auch das Ende der Heuchelei.  […..]

(Franka Welz, Tagesschau, 23.06.2021)

Sich gegen Homophobie zu engagieren, wenn es wirklich nichts kostet und sogar opportun erscheint, ist aber nicht nur die Methode konservativer Parteien und Wirtschaftsunternehmen, sondern auch der Mehrheit der Bürger.

Nicht nur Markus Söder ist Gegner der Homoehe. Auch Angela Merkel stimmte dagegen, ihre Nachfolgerin im CDU-Parteivorsitz Kramp-Karrenbauer ebenso und insbesondere der radikal religiöse Armin Laschet mit seinem Opus Dei-Umfeld sind Feinde der LGBTIQ-Bewegung.

Laschet und Söder sind aber die liebsten Kanzlerkandidaten der Deutschen. Ihre CDUCSU führt mit Abstand die Umfragen zur Bundestagswahl an.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann wählt nicht CDU, CSU, AfD.

Ein weiterer ganz großer Akteur wider die Homo-Gleichstellung ist die Römisch-Katholische Kirche, die von weit über 20 Millionen Deutschen jedes Jahr mit Milliarden Euro unterstützt wird.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann tretet aus den Kirchen aus!

Im Moment wird die UEFA von allen Seiten für ihre servile Haltung gegenüber homophoben Diktatoren kritisiert. Der Protest gegen die UEFA mit Regenbogensymbolen ist aber für den milliardenschweren Funktionärsverein so lächerlich, daß er kurzerhand selbst sein Logo entsprechend einfärbte. Auch das kostet die UEFA nichts. Die verkrusteten Strukturen bleiben.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann kauft keine Tickets für Fußballspiele, boykottiert die TV-Übertragungen, gebt kein Geld für Fan-Artikel aus! All das ist nämlich nichts anderes als UEFA-Sponsoring und damit Unterstützung für die Homophoben.

Auch der Deutsche Fußball-Bund e. V. (DFB) mit sieben Millionen Mitgliedern ist als Dachverband von 26 deutschen Fußballverbänden Teil des homophoben Establishments. An der Spitze sitzen stets weit rechts stehende Unionspolitiker, die nahezu durch die Bank weg korrupt sind.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann tretet aus den Fußballvereinen aus.

Der DFB ist einer von 55 Mitgliedsverbänden eben dieser Union of European Football Association, UEFA, die vor Orbán und Putin kuscht.  Der CDU-Politiker Reinhard Grindel, 2002 bis 2016 weit rechts außen stehendes homophobes Mitglied des Deutschen Bundestags, ist UEFA-Vizepräsident, obwohl er so korrupt und verlogen ist, daß er 2019 vom DFB-Vorsitz zurücktreten musste.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann boykottiert Fußballübertragungen, verlaßt DFB-Vereine und wählt nicht CDUCSU.

Der DFB ist Teil der UEFA, die wiederum eine von sechs Kontinental-Konföderationen des Weltfußballverbandes FIFA ist.

Die FIFA dürfte in Punkto Korruption, Skrupellosigkeit und Diktaturaffinität unübertroffen sein.

Die nächsten Weltmeisterschaften vergab sie nach Katar. Dort gilt das Schariarecht. Frauen sind nicht gleichberechtigt und Schwule können von der Rechtssicherheit und Freiheit, die sie in Ungarn oder Polen genießen, nur träumen. In Katar gibt es drei Jahre Gefängnisstrafe, wenn man als Homosexueller enttarnt wird.

Wenn es Euch ernst ist mit Homorechten, dann werdet Ihr sicherlich nicht nur aus DFB-Vereinen austreten, nicht mehr CDU wählen, sondern ganz sicher auch kein einziges Spiel der WM 2024 gucken, demonstrativ jeden Fanartikel meiden, kein einziges Trikot kaufen, alle schwarzrotgoldenen Werbewimpel links liegen lassen und jede Fußballübertragung mit Einschaltquote Null quittieren. Oder sind Euch Homorechte so wenig wert, daß Ihr dafür noch nicht mal für zwei Stunden ein anderes TV-Programm einscalten würdet?

Mittwoch, 23. Juni 2021

Die Frauen sind schuld!

So wie wir heute ganz selbstverständlich mit der katholischen Kirchen massenhaften Kindermissbrauch assoziierten, weil jeder schon so viele Berichte davon gehört hat, wie sich katholische Geistliche sexuell an Messdienern vergreifen, hat der Islam ein Imageproblem bezüglich der Frauen.

Es wäre unfair Misogynie nur dem Islam in die Schuhe zu schieben; Jesus denkt auch nicht daran, Frauen gleichberechtigt zu behandeln.

Sie haben gemäß der Bibel stets ihre Klappe zu halten, zu tun was der Mann sagt und sind natürlich ethisch zu minderwertig, um Priesterin zu werden.

Massenvergewaltigungen werden in den letzten Jahren regelmäßig aus dem hinduistischen Indien berichtet.  Frauenfeindlichkeit ist eine Frage der Kultur. Dabei können Religionen, die immer „die anderen“ als minderwertiger darstellen aber sehr hilfreich sein.   Ob nun das Kastensystem im Hinduismus, oder das Wiedergeburtssystem in Buddhismus, das einem von Mitleid entbindet, da diejenige, die gequält wird, ohnehin selbst schuld ist, weil sie sich offenbar im vorherigen Leben so viel zu schulden kommen ließ.

Eins ist jedenfalls in allen Fällen klar: Wenn eine Frau „geschändet“ wird, ist nicht der Schänder schuld, sondern die Geschändete selbst.

Das stellte auch im Jahr 2021 der freundliche pakistanische Ministerpräsident Imran Khan noch einmal klar.  Der ehemalige Weltklasse Cricket-Spieler kennt sich mit Frauen aus.

Er führte schon mit den illustresten Damen Beziehungen. Drei Jahre lebte er mit der MTV-Moderatorin Kristiane Backer, heiratete dann Jemima, Tochter des Milliardärs James Goldsmith. Seine zweite Ehe führte er mit der Journalistin Reham Khan, ließ sich wieder scheiden, um dann die Sufi-Predigerin Bushra Wattoo als Ehefrau Nr. Drei zu nehmen.

Befragt zur Lage der Menschrechte und der drastischen Zunahme sexueller Gewalt gegen Frauen, wußte er, daß Männer, sofern sie keine Roboter wären, gar nicht anders könnten, als Frauen zu vergewaltigen, wenn diese sich nicht sittlich verhüllt kleideten.

[…..] The controversial statements aired over the weekend came in an interview on Axios, a documentary news series on HBO.

"If a woman is wearing very few clothes it will have an impact, it will have an impact on the men, unless they're robots," the Prime Minister said.

"I mean it's common sense."   Asked directly by interviewer Jonathan Swan whether the way that women dress could provoke acts of sexual violence, Mr Khan said: "It depends on which society you live in. If in a society where people haven't seen that sort of thing, it will have an impact on them." […..]

(ABC, 22.06.2021)

Frauenrechtlerinnen beklagen sich über diese aus ihrer Sicht misogyne Aussage des Regierungschefs.

Khans Exfrau Jemima findet es auch nicht gut.

Aber ist es nicht auch ziemlich männerfeindlich, seine Geschlechtsgenossen als triebgesteuerte Gewalttäter zu sehen, die gar nicht anders können, als zu vergewaltigen?

Ich möchte an dieser Stelle betonen, daß ich durchaus in der Lage bin, im Hamburger Sommer auf der Alsterwiese, Frauen im Bikini oder auch ganz nackt, anzusehen, ohne sofort loszurasen, um sie zu vergewaltigen.

Dienstag, 22. Juni 2021

Völlig an der Realität vorbei

Gerade  rauscht es vernehmlich im deutschen Blätterwald.

Später als alle anderen Parteien haben sich Söder und Laschet auf so eine Art Wahlprogramm geeinigt.

„Wahlprogramm der Union“ ist quasi ein Widerspruch in sich; ein Oxymoron.

CDU und CDU waren nie Programmparteien, ihre Wähler sind Inkarnationen des „Weiter so!“, „keine Experimente!“ oder „die Karawane zieht weiter!“.

Wer programmatisch denkt, wählt ohnehin nicht die Union.

Anhänger des ewigen Kohl oder der ewigen Merkel wünschen sich nichts sehnlicher, als daß alles so bleiben möge, wie es immer war.

Daher werden sie auch so garstig, wenn ausgerechnet unter CDU-Herrschaft alte Gewohnheiten abgeschafft werden: Wehrpflicht, Atomausstieg und Homo-Toleranz haben die Basis-CDUler bis heute nicht verkraftet. Sie verteufeln das als ähnlich historisch dramatisch-schlimme Umwälzungen wie die Benutzung eines Gendersterns.

Eins konnte nicht überraschen: In Laschets Wahlprogramm befindet sich nicht die geringste Überraschung.

Es wäre allerdings ehrlicher und souveräner gewesen, weiterhin völlig auf inhaltliche Aussagen zu verzichten. Genau mit der Methode kamen die letzten beiden CDU-Kanzler zu ihren 16-jährigen Amtszeiten.

[….] Klingt wie: fünfte Amtszeit für Merkel!  Der Ort hip, die Inszenierung lässig – doch das Programm bleibt bieder: CDU-Chef Armin Laschet vermeidet auf dem Weg ins Kanzleramt jedes Risiko. […..]

(Florian Gathmann, 21.06.2021)

Zu den in 16 Jahren aufgetürmten Mega-Reformstaus – Klima, Digitalisierung verschlafen, marodes Bildungssystem, Agrarwende, Immobilienwahn, drastisch ungerechte Lastenverteilung, Rechtsextremismus – weiß niemand in der CDUCSU etwas  zu sagen.

Alles andere wäre auch wirklich extrem überraschend. Hätte irgendeiner in der Union Ideen für die Zukunft und/oder Tatkraft, um so etwas umzusetzen, hätte das längst passieren können. Schließlich saß man mit beachtlichen Mehrheiten 16 Jahre an den Hebeln der Macht.

Es war immer das Markenzeichen der CDU-Minister in ihren Häusern bloß nichts anzufassen und die Regierungspolitik vollständig der Koalitionspartei zu überlassen. So dämmern Seehofer, Karliczek, Bär, Klöckner und AKK matt dem Ende der Legislatur entgegen, während sich die Sozis abstrampeln.

Die Taktik funktioniert. Während die Linken und Sozis nicht nur ständig nach Veränderungen lechzen, sondern diese, wenn sie denn mal kommen, mit ihrer chronischen Unzufriedenheit kritisieren, müssen die Unionisten keine Basiskritik fürchten, so lange sie fest schlafen und jede Regierungsarbeit verweigern.

[…..] Valium fürs Volk!   Das Wahlprogramm der Union grenzt an Arbeitsverweigerung. Derart ideenlos kann man kein Land regieren – die Bundestagswahl gewinnen aber schon. […..]

(Anna Clauß, SPON, 21.06.2021)

Überhaupt ein Programm vorzulegen, ist also riskant für die CDUCSU.

Auch wenn es maximal schwammig und ideenarm bleibt, sind die beiden genannten Punkte – Steuersenkungen für die Superreichen, Schuldenbremse einhalten – schon grundsätzlich hanebüchener Unsinn.

Wenn man ein fettes Minus in der Kasse hat, sich aber Schulden verweigert und gleichzeitig auch noch viel weniger einnehmen will, weil man den reichsten 10% Deutschlands die Soli-Zahlungen erlässt und dann auch noch Steuererhöhungen ausschließt, kann das nur in Schilda funktionieren, wenn Mathematik nicht existiert.

[…..] Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Carsten Schneider hat das Programm der Union für die Bundestagswahl kritisiert. »Die Steuersenkungen für Spitzenverdiener und Konzerne gefährden den Zusammenhalt unseres Landes und sind auch ökonomisch völlig aus der Zeit gefallen«, sagte Schneider dem SPIEGEL. […..] Schneider sagte weiter: »Die vielen leeren Versprechen in dem hastig zusammengeklöppelten Wahlprogramm zeigen deutlich, dass CDU und CSU in die Opposition müssen.« […..] Auch der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil, hat das Wahlprogramm kritisiert. »Das, was die Union vorlegt, ist ein Programm, bei dem auf den Vorstandsetagen die Sektkorken knallen«, sagte Klingbeil bei RTL. Für die Erzieherin oder die Pflegekraft – »also für all die Menschen, für die wir auf den Balkonen standen während der Pandemie« – passiere nichts. Stattdessen sollten Steuern für Unternehmen gesenkt und der Solidaritätszuschlag für Spitzenverdiener abgeschafft werden. […..]   Ähnlich äußerte sich Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen: »Union wählen muss man sich leisten können«, schrieb sie auf Twitter. »Die Weigerung der Union, eine solide Finanzpolitik zu machen, gefährdet die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.« Lang warf CDU und CSU vor, die soziale Ungleichheit im Land aktiv voranzutreiben. […..]   Die Grundidee der Union sei die Umverteilung »von unten nach oben in der Hoffnung, dass Spitzenverdiener und Unternehmen dieses zusätzliche Geld klug investieren, damit Innovation gefördert, gute Arbeitsplätze gesichert und Fortschritt beim Klimawandel gemacht wird«, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). »Die letzten 30 Jahre des Neoliberalismus haben jedoch überall in der Welt gezeigt, dass dieses Modell gescheitert ist.« […..]

 (SPON, 21.06.2021)

Natürlich sind die Vorwürfe politisch richtig.

Laschets Wahlchancen werden mit diesem nichtssagenden Murxprogramm zu Gunsten der Superreichen aber steigen, weil er niemanden verschreckt.

Diesen Fehler machte Angela Merkel im Jahr 2005 einmal, als sie getrieben von Friedrich Merz eine ganze Reihe klarer Reformschritte ankündigte. Damals stand ihre CDUCSU in Umfragen kurz vor der absoluten Mehrheit und so dachte sich die CDU-Chefin, sie könne etwas wagen.

Ihre marktradikalen von Paul Kirchhof entwickelten Ideen wurden enorm effektiv von Gerd Schröder im Wahlkampf zerpflückt. Sie CDU-Werte sackten weg. Statt absoluter Mehrheit, landete sie nur ganz knapp vor der SPD, so daß es nicht mal für Schwarzgelb reichte.

Immerhin; Merkel lernte daraus und gab nie wieder konkrete politische Ansichten bekannt. So wurde sie zur Regierungschefin mit den kaum jemals dagewesenen Zufriedenheitswerten. Die Groko dämmert dahin, hat die Arbeit auf CDUCSU-Seite vollständig eingestellt und der Urnenpöbel liebt es.

Die Groko sonnt sich 2020 in der Gewissheit von der Bevölkerung die besten Bewertungen aller Regierungen seit 20 Jahren zu erhalten und die Kanzlerin sonnt sich in unfassbaren Zustimmungsraten von 80%!

Armin Laschet begreift diesen Zusammenhang und orientiert sich an der Erfolgsstrategie. Bloß nicht die scheuen Wahlrehe aufschrecken.

Unverständlich ist nur, wie gestandene Journalisten (beispielsweise Antje Hönig) auf die hanebüchene Idee verfallen, der gemeine CDU-Wähler interessiere sich für das Wahlprogramm oder würde es gar lesen.

So ein Unsinn.

Montag, 21. Juni 2021

Mainstreamkulturwandel.

Ende der 1980er Jahre studierte ich schon, lebte allein, verdiente Geld, verbrachte meine Zeit in der Uni oder „auf der Piste“. Da fühlte ich mich durchaus erwachsen und wunderte mich dementsprechend, als um 1990 herum aus den USA eine massive Welle der „Jugendkultur“ über Deutschland hereinbrach.

Es gab nun Boybands und während die Musiker wenige Jahre zuvor noch versuchten durch Sangestalent zu überzeugen, spielten auf einmal makellose Körper, Muskeln und choreographierte Tanzeinlagen die Hauptrolle.

Mit „The New Kids On The Block” ging es los und ob des sagenhaften Erfolges gab es bald so viele gecastete künstliche Jung-Tanz-Popgruppen, daß ich schon den Überblick verloren hatte, bevor ich mich damit beschäftigen konnte.

Als Jung-Mann wurde man vor völlig neue Probleme gestellt; so musste man entsprechend der plötzlich auftauchenden Werbung mit nackten Muskelmodels plötzlich auch gut riechen und deckte sich mit Lagerfeld-, Cool Water und Zino-Davidoff-Parfum ein.

Die TV-Entsprechung war die neue weltweit megaerfolgreiche Teenie-Serie „Beverly Hills 90210“.   Ich erinnere mich an eine Abschiedsparty eines ehemaligen Schulfreundes, der einen Job in L.A. bekommen hatte. Irgendjemand sagte ihm er solle „Brenda und Brandon Walsh“ grüßen. Ich verstand nicht sofort und so wurde mir von lauter anderen Leuten, die allesamt schworen „den 90210-Scheiß“ garantiert nicht zu gucken, detail- und kenntnisreich darüber berichtet. Eine ultraerfolgreiche Teenagerserie, in der alle reich und schön sind.

Da ich schon bei der „Lindenstraße“ – noch so etwas, das alle doof fanden, aber erstaunlicherweise dennoch akribisch verfolgten – nicht mitreden konnte, sah ich mir in den nächsten Wochen auch einige Folgen „Beverly Hills 90210“ an.

Tatsächlich war die Produktion qualitativ deutschen Serien um Lichtjahre voraus.   Die Autos und die Villen der Serienfiguren waren natürlich atemberaubend. Die perfekte Kulisse für lauter Typen, die auch nur aus Oberfläche bestanden und außer ein paar amourösen Verwicklungen keine Probleme kannten.

Ein echtes Drama entspann sich nur, wenn einer der Protagonisten in den Verdachte geriet, sich finanziell einschränken zu müssen.

Ich kann nicht bestreiten, daß diese fremde Welt eine gewisse Faszination auf mich ausstrahlte, musste aber recht bald wieder aufhören die Serie zu verfolgen, da ich eine optische Aversion gegen mehrere Schauspieler entwickelte.

Da war zunächst einmal die schon im Teenageralter grotesk durch Schönheits-OPs suboptimierte Tori Spelling, dann dieses vollkommen ausdruckslose Mondgesicht Shannon Doherty, der ewig debil grinsenden Muskelmann Ian Ziering, der grotesk weiße künstliche Zähne zeigte und eigenartige krisselige blonde Schamhaare auf dem Kopf trug und natürlich diese physiognomisch extrem abstoßende Jennie Garth, die einen viel zu kleinen runden Neunaugen-Mund hatte, wie man ihn ein Vierteljahrhundert später dann wieder bei Donald Trumps typischen Gesichtsausdruck sah, wenn er den analen Schließmuskel nachmacht.

Ich verstand aber als junger Twen vor allem eins nicht; wieso war es nun auf einmal für die Teens so ein Kult Teen zu sein, daß sie ihrer speziellen Teen-Kultur frönen wollten?

Zehn Jahre vorher, als ich ein Teen wurde, wollte ich immer erwachsen sein und hoffte möglichst bald dem Teeni-Alter mit seinen rechtlichen Einschränkungen und der Schule zu entkommen!  Ich konnte die Zeit kaum abwarten endlich 18 zu werden, selbstständig zu leben, Führerschein machen, alles zu dürfen.

(…..) und auch in meiner Teenagerwelt dominierten diese Themen.

An erster Stelle die Nachrüstungs-Debatte der frühen 1980er.   In den Schulpausen sprachen wir über SALT- und START-Abkommen, opponierten gegen den NATO-Doppelbeschluss, kannten sämtliche Spezifikationen der Pershing-II und SS20-Raketen. Ronald Reagan mit seinem SDI-Weltraum-Raketenprogramm, seinen militärischen Attacken auf kleine Länder, war für uns das Feindbild schlechthin.

Die sandinistische Freiheitsbewegung Nicaraguas hatte Che Guevara als Jugendidol ersetzt, wir sorgten uns um die ausgebeutete Kaffeebauern Mittelamerikas, trugen Palästinenser-Schals, eruierten das Leben in Kibbuzim, während wir Backgammon spielten.

Riesige Aufmerksamkeit zogen allabendlich auch die Vorgänge in Warschau um Lech Walesa und die Gewerkschaft Solidarność auf sich. Wir waren zwar außerordentlich NATO-kritisch, freuten uns aber auch über die derben Tritte, die dieses kleine aufmüpfige Polen dem Warschauer Pakt versetzte.

In Ungarn herrschte doch ohnehin nur noch „Gulasch-Kommunismus“, der Steinzeit-Kommunist Nicolae Ceaușescu tanzte ebenfalls aus der Reihe, ließ Rumänien trotz des Boykott-Aufrufs aus Moskau an den Olympischen Spielen von 1984 teilnehmen. Das sozialistische Tito-Jugoslawien verstand sich sogar als „blockfrei“.

Die deutsche Politik spiegelte die enorme Bedeutung der Außenpolitik wider.   (….)

(Außenpolitische Positionierung, 24.05.2021)

Ich wollte immer erwachsen sein, interessierte mich für erwachsene Themen, freute mich, wenn ich von Erwachsenen als „erwachsen“ betrachtet wurde und mochte es, wenn Erwachsene mir bescheinigten, die Musik, die ich ihnen vorspielte oder die neuen Romane, die ich ihnen empfahl, wären durchaus für sie interessant.

Aber die Folgegeneration tickte offensichtlich anders. Beverly Hills 90210. Lagerfeld-Parfum und Boybands waren speziell für sie ersonnen worden. Niemals hätten sich Erwachsene dafür erwärmt.

 In den folgenden Jahren, beschleunigt durch das Internet, bildeten sich immer schneller neue Jugendkulturen heraus, die ich längst nicht mehr verfolge.

Das muss ich in meinem Alter auch nicht. Die Jugend von heute mag ich ohnehin nicht.

„Beverly Hills 90210“ (1990-2000), die Schwesterserie „Melrose Place“ (1992-1999) und der dritte megaerfolgreiche Serienhit „Friends“ (1994-2004) zeigen von heute aus betrachtet, allerdings auch, wie extrem sich amerikanische Serien entwickelten.

Diese sinnlosen problemfreien TV-Phantasien, in der jede einzelne Rolle weiß, hetero, schlank, mit makelloser Haut und perfekten Zähnen besetzt ist, wirken nur eine Generation später, wie völlig aus der Zeit gefallen.

Six Feet Under, Northern Exposure, The Sopranos, Breaking Bad spielen intellektuell zehn Ebenen höher. Die Charaktere sind hochkomplex, die Handlungsstränge meisterlich durchdacht und kein Casting-director würde heute noch alle Rollen straight and white besetzen. Natürlich gibt es jetzt auch People of Color, Queere und in jeder denkbaren anderen Hinsicht minderheitenaffine Personen, die 1990 niemals für Hollywoods Hochglanz-Serienprojekte gecastet worden wären.

So viel die AfD, Hedwig Beverfoerde, CSU, PP, PI, Werteunion, Kirche und Sachsen-CDU auch rumnörgeln mögen: Ich vermisse die Zeiten nicht, als die komplette Jugendkultur aus schönen weißen Heteros bestand.

Früher war nicht alles besser!
Es ist gut, daß heute in einer Vorabendserie ein schwules Paar nicht wie beim ersten Männerkuss 1990 in der Lindenstraße, so sehr homophobe Gefühle triggert, daß die CSU gleich den Bayerischen Rundfunk die böse Szene rausschneiden lässt, weil sie fürchtet ihre Bayern könnten anderenfalls eine Herzinfarkt erleiden.

Heute würde wohl kaum ein Hollywoodproduzent eine ganz große Serie aufziehen und sie wie FRIENDS nur mit weißen Heteros besetzen.

Nun gibt es auch mal eine Lesbe oder einen Schwarzen zu sehen, ohne das lesbisch sein oder schwarz sein, überhaupt zum Thema wird.    Und das ist auch gut so.

Tori Spelling, geboren 1973, die 1990 eine Hauptrolle in „Beverly Hills 90210“ übernahm, nachdem ihr Vater Aaron Spelling, diese extra für sie hineinschreiben ließ, passte gut in die Szenerie.

Rolle und Schauspielerin vermischen sich. Spelling wurde ebenfalls in Los Angelas geboren, ihr Vater war der extrem mächtige Produzent Aaron Spelling und Schriftsteller-Mutter Candy, 75, brachte schon 600 Millionen Dollar mit in die Ehe. Mit den Taufpaten Dean Martin und Barbara Stanwyck musste sie quasi selbst berühmt werden.

Mama Candy Spelling verwurstete sogar ihren letzten Umzug als Reality-TV-Format und ließ sich 2011 in einem Zweistunden-Special dabei filmen, wie sie ihr 5.300-Quadratmeter Haus mit 123 Räumen verkaufte  - für lumpige 85 Millionen Dollar. Sie wollte sich verkleinern zog in ein lediglich 1.700 Quadratmeter großes Penthouse in New York, das sie für den Spottpreis von 35 Millionen Dollar kaufte.

Macht so viel Ruhm und Reichtum nun glücklich?

Leider kann man es an dem Gesicht der heute 48-Jährigen Tori schlecht ablesen.




Sonntag, 20. Juni 2021

Ein Leben lang Christentum pur.

Seit 2.000 Jahren missionieren Christen. Sie überbringen die „frohe Botschaft“, beschreiben die Bibel als „Gute Nachricht“, erachten Jesus Christus als „Erlöser“ und „Heilsbringer“. Der Mann machte Blinde sehend, Lahme laufend und Tote lebendig.

Reliquien, Devotionalien, Wasser aus Lourdes, Weihwasser sind die ultimativen Gesundmacher.

Wie gesund und fit muss also erst ein katholischer Priester sein, der schließlich selbst langweiliges Esspapier in Fleisch von Jesus, Rotwein in Jesu‘ Blut und Wasser in Weihwasser verwandeln kann?

Zudem liest er jeden Tag die heiligen Worte Gottes aus der „Guten Nachricht“, verschreibt sich also 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche der HEILS-Lehre.

Von so einem erwarte ich, wenn schon nicht Unsterblichkeit, so doch wenigstens eine Lebensspanne von 200 Jahren bei bester Gesundheit und seelischer Zufriedenheit. Sicherlich sind alle gertenschlank; immerhin ist Völlerei eine der sieben Todsünden. Alles andere wäre für vom Stellvertreter Gottes geschickte professionelle Seelsorger enttäuschend.

Das dachte sich vermutlich auch letztes Jahr die französische Bischofskonferenz und hakte systematisch nach, indem sie mehr als 6.000 Priester, die jünger als 75 Jahre waren, nach ihrem Gesundheitszustand befragen ließ.

Nach sieben Priesterselbstmorden – immerhin eine Todsünde – dämmerte einigen Kleriker-Chefs offensichtlich, die Hirnchemie der Hirten könnte womöglich doch nicht so gesund, heil, selig, erlöst und gut sein, wie sie es selbst propagierten.

[…..] Alkoholmissbrauch gaben rund 40 Prozent zu. Ein erheblicher Anteil der Priester beklagte Isolation und Einsamkeit. [….]   Im Durchschnitt kommt ein Priester in Frankreich der Umfrage zufolge auf 9,4 Arbeitsstunden täglich, was 20 Prozent der Befragten als zu viel bezeichneten. Trotz des subjektiven Wohlbefindens, von dem 93 Prozent der Geistlichen berichteten, leiden 45 Prozent von ihnen an einer chronischen Krankheit. Geraucht wird wenig, doch mit 43 Prozent Übergewichtigen und 20 Prozent Fettsüchtigen sind Priester in Frankreich einem hohen Risiko für chronische Krankheiten ausgesetzt. Rund 20 Prozent zeigen Anzeichen einer Depression, sieben Prozent berichten von beruflicher Überforderung, zwei Prozent von einem echten Burnout. [……]

(Vaticannews, 27.11.2021)

Eigenartig, wieso sind katholische, französische Priester einsam? Offensichtlich haben sie doch ein erfülltes Liebesleben.

[….] Der Pariser Strafgerichtshof hat den ehemaligen Papstbotschafter in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, wegen sexueller Übergriffe zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Wie französische Medien unter Berufung auf das am Mittwoch verkündete Urteil berichteten, muss Ventura für Schadenersatz und Anwaltskosten in Höhe von mehr als 23.000 Euro aufkommen.  Dem 76-jährigen Ex-Diplomaten wurde sexuell übergriffiges Verhalten gegenüber vier jungen Männern vorgeworfen. So soll Ventura, der als päpstlicher Nuntius Doyen des Diplomatischen Korps war, im Januar eine junge Führungskraft des Pariser Rathauses, die zu seiner Betreuung abgestellt war, belästigt, über ihr Privatleben befragt und mehrfach unsittlich berührt haben.  Ein weiterer Zeuge, ein früherer Priesteramtskandidat, sagte aus, Ventura habe ihn einen Monat zuvor, im Dezember 2018, im Seminar von Issy-les-Moulineaux bei Paris sexuell belästigt. […..]

(Katholisch, 17.12.2020)