Dienstag, 28. August 2012

Ich habe genug von den Claudia Kellers - Teil II




Christen, Muslims, Juden, Hindus, Buddhisten und Co sind meiner Ansicht nach entweder ein bißchen blöd oder denkfaul oder Religioten (= intelligente Menschen mit Inselverarmung).

Jeder engagierte Atheist weiß, daß man in Diskussionen mit Gläubigen relativ mühelos jedes ihrer „Argumente“ widerlegen kann, bis sie entweder aggressiv werden oder aber sich einer Sachdebatte entziehen, indem sie sagen „das musst du eben glauben!“

Die hauptberuflichen Religiösen - Mullahs, Rabbis, Bischöfe und Co - halte ich sogar für potentiell gefährlich, weil ihre Ideologien grausam sind, ausgrenzen und Kinder gefährden.

Deswegen ist natürlich nicht jeder einzelne der weltweit Milliarden Gläubigen ein schlechter Mensch. Es gibt durchaus kulturelle Zwänge und psychologische Prädispositionen für ritualisierten Glauben.
Selbstverständlich ist nicht jeder Mensch mit kritischem Denken und wachen Verstand gesegnet, um seine beschränkte Wahrnehmung ständig zu hinterfragen.
Wir alle kennen doch den ein oder anderen wirklich netten Buddhisten oder Katholiken.

(Wobei ich, rein subjektiv betrachtet fast immer die konfessionslosen und humanistisch eingestellten Menschen sympathischer finde, da sie oft toleranter, weltoffener und gebildeter sind. Studien zeigen tatsächlich, daß Atheisten einen höheren IQ als Religiöse haben, daß sie insbesondere mehr über Religion wissen. Die Hochburg des Atheismus ist traditionell der Akademikerstand.)

Im Gegensatz zu Religiösen, deren Weltanschauung ein starkes „wir sind besser als ihr!“ prägt, die sich selbst also automatisch eine höhere Ethik zugestehen, so daß sie auch in allen Umfragen stärker Kriegen und Folter zustimmen (da „der Feind“ als minderwertig angesehen wird, während man selbst in „Höherem Auftrag“ handelt), würde ich niemals gegen den einzelnen Gläubigen vorgehen.
Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.

Der „Kampf“ gegen „die Religionen“ in Deutschland hat für mich das Ziel frei von Religion zu sein.
Politik muß religionsfreie Zone sein. 
Ich möchte nicht unter Gesetzen leben, die von Religiösen in sogenannten “Ethikräten“ souffliert wurden.

Privat kann jeder tun was er will, aber die Bischöfe sollen nicht bei Regelungen über PID, Transplantationen, Patientenverfügungen, Sterbehilfe und Homoehe mitreden, indem sie sich auf eine archaische Schrift von vor 2000 Jahren stützen, die Sklaverei und Frauenunterdrückung predigt!

Darüber hinaus hätte ich den Wunsch, daß diejenigen, die öffentlich über Religion sprechen klar verortet sein sollten.

Selbstverständlich unterstütze ich das Recht auf freie Meinungsäußerung. 
Religiöse sollen so viel öffentlich reden dürfen, wie sie wollen.

Ich hätte nur gerne die U-Boote enttarnt. 

Es wäre sehr fortschrittlich, wenn diejenigen Journalisten, die in den angeblich neutralen und unabhängigen Medien über Religion berichten, selbst klar als religiöse Menschen auftreten.

Da hapert es leider gewaltig. 

Insbesondere in den beiden angeblich so hochqualitativen und eher liberalen Holzbrinck-Blättern „ZEIT“ und „Tagesspiegel“ erscheinen regelmäßig Artikel, die als neutrale Beschreibung daher kommen, aber in Wahrheit massive Religionspropaganda betreiben, indem sie unwahre und proreligiöse Behauptungen aufstellen und die Fakten manipulieren.

Besonders unangenehm fällt in diesem Zusammenhang immer wieder die Tagesspiegel-Religionsbeauftragte Claudia Keller auf, die den blödsinnigsten Kirchen-Propagandamärchen aufsitzt und ganz offensichtlich nicht mal über rudimentäre Informationen zum Verhältnis Kirche-Staat verfügt.

Immer wieder bejubelt sie Kirchenmänner und stellt dies aber eben nicht als ihre persönliche Meinung dar, sondern verquickt ihre Ansichten in eine grob faktenwidrige Darstellung, die als neutrale Berichterstattung daherkommt.

Im Februar 2012 fabulierte Keller davon, daß gerade ein Protestanten-Prediger wie Gauck über das moralische Rüstzeug zum Bundespräsidenten verfüge, während ein Atheist zu beschränkt für den Job sei.

 Einen Konfessionslosen gab es noch nie in diesem Amt. Das ist kein Zufall. Der Bundespräsident sollte jemand sein, der über den Tag hinausdenkt und gesellschaftliche Zusammenhänge vor einem Horizont zu deuten vermag, der den Alltag übersteigt.  Wer an Gott glaubt, hat einen solchen Horizont. Er weiß, dass es eine Alternative gibt, dass das Naheliegende nicht immer das Beste ist.

Zuletzt beklagte ich Claudia Kellers kümmerliches journalistisches Niveau im Juni 2012, als sie ausgerechnet einen Kirchenjuristen als angeblich neutralen Experten für die Penisschneiderei an Kleinkindern heranzog - natürlich ohne dazu zu schreiben, daß es sich um einen Mann der Kirche handelte. 
Keller tat so als ob es ein Jurist wäre, der die gängige juristische Meinung widergäbe - was grob falsch ist.

Heute ist Keller wieder am Zug und überschüttet den konservativen Opus Dei-Kardinal Woelki mit Lob.

Das anfängliche Misstrauen, mit dem Woelki in Berlin empfangen wurde, hat er zerstreut. Seine rheinisch-selbstironische Art hat viel dazu beigetragen. Außerdem wirken seine tiefe Frömmigkeit und das, was er sagt und tut, authentisch und wahrhaftig. Das kommt an.

Der „liberale“ Tagesspiegel klingt verblüffend nach „Domradio“, dem Privat-Medium des ultrakonservativen Nazivergleich-Liebhabers Kardinal Meisner:

Als Kölner Weihbischof war Woelki zuvor bundesweit so gut wie unbekannt. Aussagen zu politischen Streitfragen gab es nicht in den Archiven. So nahmen Kritiker vor allem sein Promotionsstudium an der römischen Opus-Dei-Universität und Äußerungen zur Homosexualität aufs Korn. Vor allem Sozialdemokraten und Grüne sprachen ihm die Eignung als Bischof einer pluralen Metropole ab.
Nun sind die Kritiker weitgehend verstummt. Als Nachfolger von Kardinal Georg Sterzinsky hat Woelki seinen eigenen Weg gefunden. Schon bei der ersten großen Begegnung mit den Medien parierte er die Attacken mit Bravour.

Keller befragt sogar Woelki nach dem Opus Dei, gibt sich aber mit seiner Antwort, er sei nicht Mitglied zufrieden. 
Welch brutales Regime mit körperlichen Züchtigungen, Bußgürteln und Selbstgeißelungen beim „Werk Gottes“ herrscht, weiß die Religionsfrau des TS offenbar gar nicht:

Keller: Gleich nach Ihrer Ernennung wurde bekannt, dass Sie Ihre Doktorarbeit an der Opus-Dei-Universität in Rom geschrieben haben.
Das hat viele beunruhigt. Warum ausgerechnet dort?

Woelki: In Köln haben wir ein entspanntes Verhältnis zum Opus Dei. Kardinal Joseph Höffner hat in den 80er Jahren Opus-Priester nach Köln geholt, Kardinal Joachim Meisner schickt öfter Studenten an ihre Universität nach Rom. Ich kannte Studenten und Professoren dort, wir haben über mein Thema gesprochen, das fanden sie interessant.

Keller: Opus Dei gehört zum erzkonservativen, papsttreuen Flügel der Kirche. Dort zu studieren, ist auch eine Aussage, oder?

Woelki: Papsttreu zu sein, ist nicht verwerflich. Die Mythen und Vorurteile, die sich um das Opus Dei ranken, kann ich nicht entkräften. Ich bin nicht Mitglied, das ist nicht meine Spiritualität.

 Ganz so einfach ist es aber nicht!

Die Spurensuche führt von Köln über rheinische Gemeinden nach Rom. "Der neue Erzbischof von Berlin beginnt sein Amt mit einer Lüge", sagt David Berger, ein Kölner Theologe und Enfant terrible der konservativen Katholiken, seit er sich im vergangenen Jahr als schwul geoutet und ein kenntnisreiches Buch über rechtskatholische Kreise geschrieben hat.
Berger war 2008 bei einem Festakt in der Kölner Opus-Dei-Gemeinde St. Pantaleon dabei, als Woelki in einer Predigt dem Gründer des "Werkes Gottes" Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás huldigte. "Beim Opus Dei wird als Redner nur eingeladen, wer entweder Mitglied oder dem Werk verbunden ist", sagt Berger. Auch reiche man seine Dissertation "nicht einfach so" bei der Opus-Dei-Universität Santa Croce in Rom ein, so Berger: "Dort bekommt man keinen Fuß auf den Boden, wenn man nicht sehr d'accord ist", sagt er.

Daß Woelki sich sogar einmal mit echten Schwulen vom LSV traf überwältigt Claudia Keller regelrecht.

Sofort jubilierte sie, der Kardinal zeige „Verständnis für die Sünder“; Woelki schlage „neue Wege“ ein! Kellers Kronzeuge für die kühne These ist natürlich mal wieder ein Kirchenmann.

„Ich bin begeistert“, kommentiert Wolfgang Klose Woelkis Vorstöße. Klose ist der Vorsitzende des Berliner Diözesanrates, der Vertretung der Berliner Katholiken. „Der Kardinal zeigt ein hohes Maß an Empathie für die Situation von Homosexuellen und Wiederverheirateten, die es in unserer Kirche ja nicht ganz einfach haben.“ Woelki denke positiv und wolle das Gute in den Menschen sehen.
„In dieser Haltung des wechselseitigen Wohlwollens können wir die Probleme und den Reformstau in unserer Kirche angehen. Mir scheint, mit Kardinal Woelki könnte noch Bewegung in so manche festgefahrene Frage kommen“, sagt Klose.

Woelki, der Homofreund?

Einen Monat später schreibt Keller in ihrer Lobeshymne über ihren Kardinal:

Öffentlichkeitswirksame Auftritte mit dem bekennend schwul lebenden Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit meidet er jetzt allerdings.
(Claudia Keller 27.08.12)

Bloß Abstand halten von den „Homoperversen“ - das ist schon länger die Linie Woelkis.


Dem Katholiken Georg Schwikart aus Sankt Augustin verweigerte das Erzbistum kürzlich die Weihe als Diakon.    Meisner hatte Anstoß an einem acht Jahre alten Aufklärungsbuch von Schwikart genommen, in dem es heißt: "Es gibt auch Männer, die Männer lieben." Im Gespräch mit Meisners Weihbischof Rainer Woelki verteidigte Schwikart sich, Homosexualität gebe es nun einmal. Antwort von Meisners Weihbischof: "Das verstößt aber gegen die Schöpfungsordnung."

Noch heute lobt Meisners „Domradio“ die klare Haltung:

Auch mit Blick auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften zeigt Woelki sich ohne Berührungsängste. Von der Position, dass homosexuelle Handlungen "in sich nicht in Ordnung sind", rückt er nicht ab

Macht nichts in Berlin.

Wowereit muß man ja nicht treffen.

 Die Tagesspiegel-Frau hält sich mit ihrer Kardinals-Sympathie nicht zurück.

Schon als Woelki im Februar 2012 Kardinal wurde, lobte Claudia Keller die Bescheidenheit, Demut und Menschenliebe des Berliner Erzbischofs.

Daß Keller noch nicht einmal über die grundlegenden katholischen Angelegenheiten Bescheid weiß, zeigt schon ihre Überschrift „Papst Benedikt ernennt Woelki zum Kardinal“. 
Natürlich werden Kardinäle nicht „ernannt“ sondern „kreiert“. 

In richtigem Deutsch hieße es:
„Papst Benedikt ERHEBT Woelki zum Kardinal.“

„Christ und Welt“, die katholische Beilage des Holzbrinck-Partnerblattes „ZEIT“ mag Keller den Weg vorgegeben haben. 

Schon zur „100-Tage Bilanz“ des erzkonservativen Opus-Dei-Mannes wußte man nur Gutes zu berichten.

Der Anfang wurde einfach. „Die Gläubigen und die Verantwortlichen in der Diözese haben es mir leicht gemacht, hier anzukommen“, sagt Woelki. „Alle sind mit offenen Armen auf mich zugekommen und haben mir bei meinen ersten Schritten sehr geholfen.“ Zum Anfang gehörte auch Woelkis Auftritt bei der Amtseinführung. Der neue Erzbischof wirkte fromm und offen, theologisch firm und sozial orientiert, etwas sperrig, aber auch jovial. Seltene Mischung? Eine Stadt, in der es fast alles gibt, mag das Seltene. Und Woelki mag Berlin, die religiöse Vielfalt, das ethnische Patchwork, das Kulturleben. Zweimal schon hat er es ins Museum geschafft. Arbeit frisst Zeit.

Montag, 27. August 2012

Penis-Update




Finger weg von meinem Pimmel - so lautet der Name einer Facebook-Gruppe mit 824 „Gefällt mir“-Angaben.


824 ist nichts, verglichen mit Lady Gaga und ihrer 8-stelligen Anhängerschaft, aber allein der Titel regt die Religioten in Deutschland und anderswo so dermaßen auf, daß die Genitalverstümmelungsbefürworter immer wieder besonders empört auf die „Finger weg von meinem Pimmel“-Gruppe hinweisen.

Wer sich so nenne, sei mindestens antisemitisch und/oder religionsfeindlich.

Heute mußte ich, als Beschneidungsgegner, mir sogar von Rudolf Taschner, einem in Österreich anscheinend recht bekannten Mathematik-Professoren und Wissenschaftsjournalisten vorhalten lassen, ich sei als Kulturkämpfer ein „Antisemit reinsten Wassers“!

Hierzulande jedenfalls versucht eine sich laut gebärdende Menge fundamentalistischer Befürworter eines Verbots der Beschneidung – nennen wir sie kurz „Kulturkämpfer“, denn sie sind es – die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen.  
 Endlich hat, so verkünden die Kulturkämpfer, ein Gericht in Köln den Mut aufgebracht, ein Urteil gegen das für die Zugehörigkeit zum Judentum fundamentale Zeichen zu fällen. Und sie preisen die Begründung des Richterspruchs als so stringent, dass nur Verstockte ihm nicht folgen könnten: Die Beschneidung sei eine Verletzung ohne jeglichen Nutzen für den Betroffenen. Sie stehe der prinzipiell zu achtenden körperlichen Unversehrtheit eines Menschen entgegen. Religiöse Gesetze seien ohne Belang. Punkt. Wobei die brutale Heftigkeit, mit der sie vernünftigen Argumenten für die Zulässigkeit der Beschneidung begegnen, atemberaubend ist.  [….] Sie vertreten deshalb so heftig und unnachgiebig ihren Standpunkt, weil sie es damit „Anhängern atavistischer Bräuche“, „verstockten Leuten, die auf uralten Mythen beharren“, „überholten und vom modernen Menschenrecht überwundenen Traditionalisten“, „Anhängern einer barbarischen Religion“ – auf Deutsch und unverhüllt: „den Juden“ – endlich, endlich, endlich einmal zeigen können: „Kommt in der Moderne an!“, rufen sie den Juden zu. „Werdet endlich normal!“
Und sie trumpfen auf, weil ihnen die Menschenrechte selbst scheinbar das Mittel in die Hand drückten, um gegen die elementare jüdische Zeremonie der Beschneidung vorgehen zu können. Und bedienen sich dabei hinterlistig des althergebrachten Opfermythos: Diesmal, so behaupten sie, sei der jüdische Säugling das Opfer. Und das Niederträchtigste in ihrer Gedankenkette: Diesmal seien sie fein raus. Denn die jüdische Gemeinde selbst, vertreten vom Beschneider mit seinem Skalpell, machte das Judenkind zum Opfer.
„Endlich, endlich, endlich haben wir sie“, frohlocken die Kulturkämpfer in ihrem Herzen, „die immer anders sein wollenden Juden.“ Endlich müssten sie ihre Sonderstellung räumen. Wie kämen sie dazu, dass viele ihr Jude-Sein auf der von ihren Vätern tradierten Religion begründen, obwohl manche unter ihnen selbst gar nicht mehr an Gott glauben, aber trotzdem die Zeremonien mit der gesamten Familie so halten wie noch vor Jahrtausenden? Dass andere wieder sich nur deshalb als Juden definieren, weil sie eine jüdische Mutter haben und – wenn männlich – natürlich beschnitten sind?
Die Kulturkämpfer sind Antisemiten reinsten Wassers.

Man weiß gar nicht wo man anfangen soll den Schwachsinn zu widerlegen, den Taschner in dem Aufsatz von sich gibt. 
Da stimmt einfach nichts. Erwähnen möchte ich nur, daß hier keineswegs ein Richterspruch „gegen die Juden“ formuliert wurde, sondern daß nur BESTEHENDES Recht auf einen muslimischen Jungen angewandt wurde.
Juden wird keinerlei Sonderstellung eingeräumt, nein, es wird nur allgemein festgestellt, daß KEINER seinem Kind Schmerzen oder gar irreparable körperliche Schäden zufügen darf.

Nachdem die Penis-ab-Debatte sechs Wochen läuft und immer bösartigere Kommentare auf den Markt kommen, muß ich feststellen, daß wir eben nicht auf den Konsens gekommen sind, den ich meinte ausgemacht zu haben.

Ich fasse möglichst neutral den Stand bis heute zusammen:

Das LG Köln fällt überraschend ein Urteil, das eine Thematik auf den Tisch holt, die bisher aus unerfindlichen Gründen nicht debattiert wurde. 
(Ich gebe zu, daß ich mich vorher auch nicht bewußt damit beschäftigt habe, wie viele Kinder in Deutschland zwangsbeschnitten werden). 
Da das Thema neu und heikel war, hielten sich zunächst so gut wie alle relevanten Politiker auffällig mit Stellungnahmen zurück. 
Man konnte die juristischen Schwierigkeiten nicht übersehen und hatte ganz offensichtlich keinerlei medizinischen und psychologischen Informationen über die Bedeutung des Vorhautverlustes. 
Sehr schrill wagten sich dann offizielle Muslime, offizielle Juden und Volker Beck hervor, die a) betonten, wie minimal und zu vernachlässigen der Eingriff sei und sich b) das Mandat nahmen für ALLE Juden, bzw Muslime zu sprechen.

(Dazu der später noch ausführlicher erwähnte Prof. Merkel:
Grob unterschätzt werden hierzulande die möglichen Folgen des Eingriffs. Da selbst gravierende Komplikationen wegen der vorherigen Übereinkunft der Beteiligten (außer dem beschnittenen Kind, versteht sich) regelmäßig nirgendwo festgehalten werden, lassen sich rationale Schätzungen nur auf komplexe statistische Modelle gründen. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer. Einzelne Fälle katastrophaler Konsequenzen kommen trotzdem immer wieder an die Öffentlichkeit, vollständige Penisamputationen etwa, weil der Schnitt wegen bestimmter genetischer Dispositionen des Kindes, die vorher niemand kennt, zur rapiden Nekrotisierung des umgebenden Gewebes führt. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2010 kommt in einer umfassend begründeten wissenschaftlichen Schätzung auf über hundert Todesfälle pro Jahr im Zusammenhang mit Beschneidungen von Knaben - nicht etwa weltweit oder unter den hygienischen Bedingungen der afrikanischen Savanne, sondern im medizinisch höchstentwickelten Land, den USA.
Gewiss macht die Zahl bei über einer Million Beschneidungen pro Jahr in Amerika nur einen winzigen Anteil aus. Da der Eingriff medizinisch nicht indiziert ist, liegt gleichwohl auch die Todesgefahr jenseits dessen, was Juristen 'erlaubtes Risiko' nennen.)

Der Frontverlauf sollte klar zwischen den Juden und Moslems einerseits und den herzlosen deutschen Juristen andererseits verlaufen.
 Daß die organisierten Christen beisprangen, verstärkte das Gefühl, es handele sich um einen Konflikt zwischen DEN Deutschen und DEN Abrahamitischen Kulturen.

Aufgeschreckt von der Holokaust-Keule fielen dann schlagartig 90% der Parlamentarier um und schwenkten auf Rabbiner-Kurs.
 Ein bißchen Pimmel-Abschneiden sollte den Juden doch nicht verboten werden; schon gar nicht in Deutschland. 
Der Konflikt zwischen Religionsfreiheit und Kindeswohl müsse zugunsten der Religionsfreiheit der Eltern gedehnt werden.
Damit sollte das Thema schnell beerdigt werden.

Erst nach der Bundestagsentschließung am 19. Juli 2012 dämmerte den Politikern, daß das juristische Problem ERHEBLICH größer als gedacht war. 
Plötzlich fiel den Juristen ein, daß die KINDER auch ein Recht auf Religionsfreiheit haben müßten. 
Die vom ganzen Plenum fast einmütig beklatschte Darstellung des Volker Beck erwies sich als Holzweg. 
Der „Frontverlauf“ wurde immer diffuser. 

Auch die Bundesjustizministerin, die mal wieder wochenlang abgetaucht war, wurde wiedergefunden und befand ernsthaft in Schwierigkeiten zu stecken mit dem Gesetzentwurf.

Parallel dazu drangen immer mehr Informationen über die tatsächlichen Gefahren der Penisabschneidung an die Öffentlichkeit, so daß der Anteil der klaren Gegner wuchs.

Tragischerweise, so die Experten des "AK Kinderrechte", sei das Wissen über die tatsächlichen Folgen der Vorhautbeschneidung, die sehr wohl mit "milderen" Formen der weiblichen Genitalbeschneidung vergleichbar sei, in der Gesellschaft kaum vorhanden.
So wüssten viele Eltern nicht, dass Säuglinge während der Beschneidung besonders schwere Schmerzen erleiden, weil das schmerzunterdrückende System erst Monate nach der Geburt funktionstüchtig sei. Fallen die Kinder aufgrund der ungefilterten Qualen in einen traumatischen Schockzustand, würden die Eltern die plötzliche Ruhe sogar als Zeichen für die vermeintliche Harmlosigkeit der Beschneidung fehlinterpretieren.
In der hier zum Ausdruck kommenden "fehlenden Aufklärung beziehungsweise gezielten Desinformation der Eltern" liegt nach Ansicht des "AK Kinderrechte" das "Hauptproblem der gegenwärtigen Debatte": "Wüssten die Eltern über die dramatischen Konsequenzen der Zirkumzision Bescheid, müsste man über ein Beschneidungsverbot gar nicht mehr diskutieren, da die meisten Mütter und Väter von sich aus den Gedanken verwerfen würden, ihre Kinder beschneiden zu lassen."

Der deutsche Ethikrat, der nach den Vorstellungen der Parlamentarier mal eben Richtungsweisendes zur Beschneidungserlaubnis formulieren sollte, konnte nicht liefern.

Der Deutsche Ethikrat steht vor einem Problem, das er nicht lösen kann. Er soll am Donnerstag in Berlin eine Empfehlung darüber aussprechen, wie die Beschneidung kleiner Jungen aus religiösen Motiven künftig im Gesetz geregelt werden soll. Die Forderungen der muslimischen und jüdischen Verbände, die Interessen der Ärzte und das Strafrecht lassen sich aber nicht in einem Kompromiss vereinbaren.

Die Moralischsten aller Deutschen hatten aber am Ende wenige Probleme damit das Grundgesetz bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen.

Eine Prozedur, wie der Genitalverstümmelung, bei der allein in den USA jährlich 100 Babies sterben sei zumutbar:

UNSER CHEFETHIKER Bischof Huber:
"Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist auch nicht schrankenlos."

Die Töne aus Israel wurden zuletzt immer angriffslustiger.

Präsident Peres dringt bei Gauck nun auf eine schnelle und klare rechtliche Regelung. "Die Beschneidung", so schreibt er, "ist seit Tausenden Jahren ein zentraler Aspekt unserer jüdischen Identität." Während Peres jedoch gewohnt konziliant zugleich sein Vertrauen ausdrückt, dass die demokratischen Institutionen Deutschlands die freie Religionsausübung gewährleisten, scheint Innenminister Eli Jischai das Thema zur politischen Profilierung bei seiner strenggläubigen Klientel nutzen zu wollen.
In seinem Brief an Merkel, der vorab über die Medien bekannt gemacht wurde, warnt er, dass Juden in Deutschland nicht gezwungen werden dürften, sich "zwischen der Einhaltung nationaler und göttlicher Gesetze" zu entscheiden. "Als Stellvertretender Ministerpräsident, Innenminister und Vorsitzender der größten religiösen Partei, aber vor allem als Jude wende ich mich an Sie mit der Bitte, dieses Phänomen zu beenden", schreibt er.

Zwei Spitzenpolitiker des Landes, das sich stets rühmt die einzige Demokratie des Nahen Ostens zu sein, offenbaren enorme Mängel ihres Demokratieverständnisses.

Hierzulande werden Gesetze von den PARLAMENTEN verabschiedet und dann anschließend ggf. vom Bundesverfassungsgericht dahingehend überprüft, ob sie überhaupt grundgesetzkonform sind. Das ist nämlich keineswegs immer so.
 In jüngster Zeit hat das BVG etliche schwarzgelbe Gesetze an den Absender zurück geschickt, weil sie gegen die Grundrechte verstießen.

Die Vorstellung aber, daß Merkel, oder gar Gauck, einfach von oben hinab Gesetze erlassen könnten - so wie sich das der Israelische Präsident Peres oder der Israelische stellvertretende Ministerpräsident Eli Jischai scheinbar vorstellen - ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Nachdem ein Thema mal in der Gesetzgebungsmühle gelandet ist, geht es darum juristisch sauber und verfassungskonform zu arbeiten.
Dazu ist es nicht hilfreich, wenn juristische Laien wie Volker Beck das Alte Testament zitieren, bar jeden Wissens an den Strippen der Lobbyisten zappeln und sich nicht mehr um ihr Mandat und die Gesetze oder die Wahrheit scheren. 

Zeit ein weiteres Mitglied des Ethikrates zu zitieren. 
Und zwar den  Strafrechtler und Rechtsphilosophen Prof. Dr. iur. Reinhard Merkel aus Hamburg.

Kern des verhandelten Problems sei, so pars pro toto die Formel des Grünen Volker Beck, 'ein klassischer Grundrechtskonflikt': der zwischen dem Freiheitsrecht der Eltern auf ungestörte Ausübung ihrer Religion und dem Integritätsrecht des Kindes auf seine körperliche Unversehrtheit. Zu lösen sei er durch eine vernünftige Abwägung. Sie ergebe den Vorrang der elterlichen Religionsfreiheit, also die Zulässigkeit der frühkindlichen Beschneidung. Das werde man im Herbst gesetzlich klarstellen.
Die Überlegung ist schon im Grundsatz verfehlt und zwar, mit Verlaub, bis zum Abwegigen. Kein Freiheitsgrundrecht, welchen Gewichts immer, gestattet, unter welchen Bedingungen immer, das direkte Eindringen in den Körper eines anderen, und wäre der Eingriff noch so bagatellhaft. Das folgt nicht erst aus irgendeiner Abwägung. Auch eine solche kommt von Anfang an nicht in Betracht. Notrechte, die Körperverletzungen erlauben, gibt es selbstverständlich, die Notwehr etwa oder, in engen Grenzen, den Notstand. Und manche Kollisionen personaler Freiheitsrechte mit der physischen Sphäre Dritter im gemeinsam beanspruchten öffentlichen Raum sind tatsächlich nur durch Abwägung lösbar - man denke an das Läuten der Kirchenglocke und das davon behelligte Ohr des ungeneigten Atheisten. Aber ein Freiheitsrecht, unmittelbar in den Körper anderer einzugreifen, ist nicht denkbar. Jede aktive Entfaltung eigener Freiheit, sei es der Religion, der Kunst, des Gewissens oder der, den eigenen Arm zu schwingen, endet an der Nase des andern (um von dessen Vorhaut nicht zu reden).
Nehmen wir die Kunstfreiheit. Formal ist sie im Grundgesetz genauso unbeschränkt gewährleistet wie die der Religion. Und ihr pauschal ein geringeres Gewicht zuzuschreiben als dieser, wäre juristisch falsch und für Millionen Nichtgläubige hierzulande eine Zumutung. Nun stelle man sich den berühmten Künstler X vor, der für sein neues Werk einer 'Bio-Plastik' den blonden Zopf seiner Nachbarin benötigt und dieser, die sich widerspenstig zeigt, allen Ernstes eine Abwägung zwischen seiner Kunstfreiheit und ihrem Recht auf körperliche Integrität ansinnt (welches übrigens nur federleicht beeinträchtigt werde, also dem Rang seiner Kunstfreiheit zu weichen habe). Oder, und näher an unserem Problem: eine christliche Sekte, deren profundester kultischer Ritus darin besteht, alle Neugeborenen am ersten Karfreitag ihres Lebens mit vier Rutenstreichen in eine blutige Schmerzgemeinschaft mit dem Gekreuzigten zu zwingen, weil ihnen nur so der spirituelle Zugang zur Gottheit ermöglicht werde. Glaubt man im Ernst, die Rechtswidrigkeit einer solchen Körperverletzung ergebe sich erst aus einer Abwägung? Sie steht a limine fest, wiewohl übrigens Eingriffstiefe und Folgen einer moderaten Geißelung hinter denen einer frühkindlichen Beschneidung bei weitem zurückbleiben.
In Wahrheit hat die Religionsfreiheit der Eltern in den Erwägungen zur Legitimation der Beschneidung ihrer Kinder keinen Platz. Vornehmlich dieses Recht haben jüdische und muslimische Sprecher im Protest gegen das Urteil des Kölner Landgerichts stark gemacht und bedroht gesehen. Aber das ist einfach irrig. Hier gibt es nichts abzuwägen. Das folgt aus dem rechtstheoretischen Fundament, dem Vernunftbegriff personaler Rechte, vor allem des Rechts am eigenen Körper. Einer Auskunft des Bundesverfassungsgerichts bedarf es dafür nicht. Man trete einmal aus der hitzigen Debatte um das Kölner Urteil einen Schritt der Besinnung zurück: Wäre es nicht grotesk, hätten Religionsgemeinschaften eine autonome Definitionsmacht, wann und wie sie in den Körper von Personen, die dazu keine Einwilligung gegeben haben, eindringen oder auch nur ein abwägendes Räsonnement darüber verlangen dürfen?
 (R. Merkel SZ 25.08.12)

Es geht in dieser Debatte nicht GEGEN Religionsfreiheit, es geht auch nicht GEGEN Religionen und schon gar nicht GEGEN die Juden.

Es geht lediglich darum im Grundgesetz verbrieftes Recht auch anzuwenden und dementsprechend dem Wohl eines Kindes Priorität einzuräumen.

Prof. Merkel hat das sehr ausführlich und sehr überzeugend dargelegt. 
Viele andere vor ihm auch.
 Die Argumente liegen alle auf dem Tisch. 
Mustergültig zusammengefasst beispielsweise hier.

Nun fragt man sich als rationaler Menschen, wieso sich so viele Politiker und Journalisten nicht die überwältigenden Argumentation anschließen.

Da gibt es drei verschiedene Typen der Penisverstümmelungsfreunde.

1.)
Der Religiot. Er leidet an einer „Inselverarmung“ und kann trotz durchschnittlicher Intelligenz religiöse Aspekte nicht rational erfassen. Dazu zählen beispielsweise Rabbiner Yitshak Ehrenberg oder Prof. Robert Spaemann.

2.)
Der Ignorant. Er nimmt Fakten nicht zur Kenntnis und folgt blind einer Lobby, die ihm politisch vorgibt was er zu sagen hat. Um seinen Penisabschneidungswahn zu rechtfertigen lügt er ungeniert. Dazu zählt Volker Beck. Eine milde Form davon ist Claudia Roth, die zunächst in überbordender Zuneigung zu Juden und Muslimen ihnen zur Seite sprang und pro „Pimmel ab“ argumentierte. Im Laufe der Zeit begriff sie aber, was für einen Unsinn sie redete, löschte ihre dementsprechenden facebook-threads und hält sich nun aus dem Thema raus.

3.)
Der Rätselhafte. Er ist eigentlich ein vernünftiger und rationaler Mensch, der bisher nicht durch übermäßige Religiosität aufgefallen ist. Unerklärlicherweise entdeckt er aber trotzdem seine Vorliebe für die Scheinargumente der Typen „Ignorant“ und „Religiot“. Dazu zählt der meistens von mir sehr geschätzte Heribert Prantl.

Er ist als Mitglied der SZ-Chefredaktion dafür verantwortlich, daß die Reinhard-Merkel-Stellungnahme ausführlich in der Samstags-Ausgabe veröffentlicht wurde (Gut so!). 
In der nächsten Ausgabe jedoch - der vom heutigen Montag - schreibt er selbst den Leitartikel der Kommentarseite und gibt davon Zeugnis immer noch nichts begriffen zu haben.

Für die Veränderung einer alten Kultur wirbt man nicht mit den Mitteln des Strafrechts. Es wäre pervers, wenn ausgerechnet die Deutschen als einzige auf der Welt Juden mit Geld- und Haftstrafen erziehen wollen.
[…] Man könne und dürfe, so sagen die Befürworter des Strafurteils, nicht einen bestimmten Personenkreis von der Allgemeingültigkeit des Rechts ausnehmen. Indes: Darf das Beharren auf strafrechtlicher Dogmatik zur Störung des Rechtsfriedens führen? […]
Die Sprache dieser Debatte ist oft drastisch, nicht selten sehr respektlos - gegenüber der Religion im Allgemeinen und gegenüber Judentum und Islam im Besonderen. Bei böswilligen Beschneidungskritikern kommen der alte Antisemitismus und die Islamophobie im neuen Gewand daher, nämlich im Strampelanzug; es strampelt da leider viel in Deutschland. […]
Bald wird man in deutschen Haushalten wieder die Krippenfiguren aus dem Zeitungspapier des Vorjahres wickeln. Man sollte es nicht im Bewusstsein tun müssen, dass Maria und Josef eigentlich Straftäter sind, weil sie das biblische Jesuskind haben beschneiden lassen.
(Heribert Prantl 27.08.12)