Dienstag, 23. Mai 2017

Es muß sich wohl um einen Witz handeln.



Der Iran, mit 80 Millionen Einwohnern einer der Großen in der Gegend hielt gerade Präsidentschaftswahlen ab, die wie in Frankeich funktionieren. Erst ein allgemeiner Wahlgang und sollte keiner der Kandidaten über 50% der Stimmen erhalten, erfolgt kurz danach eine Stichwahl der beiden Bestplatzierten.

Soweit kam es letzte Woche aber gar nicht, weil in der jugendlichen und westlichen iranischen Gesellschaft schon im ersten Wahlgang klar für Liberalisierungen votiert wurde.

[…..] Irans Präsident Hassan Ruhani hat viel aufs Spiel gesetzt – und hat gewonnen. Er wurde mit Abstand wiedergewählt. Nach vorläufigem Wahlergebnis bekam der moderate Reformer 57 Prozent der Stimmen und damit ein deutliches Mandat, seinen Kurs der Entspannung und Öffnung des Landes fortzusetzen. Seinen Herausforderer, den Hardliner Ebrahim Raisi wählten nur 38,3 Prozent derer, die zur Wahl gegangen waren. Erstaunlich hoch war diesmal die Wahlbeteiligung – sie lag bei mehr als 70 Prozent. […..]

Natürlich gibt es strenge religiöse Vorschriften im Iran, aber die junge Generation ist hervorragend ausgebildet und internetaffin. Insbesondere junge Frauen drängen in die Berufswelt.

[…..] 60 Prozent der Studierenden im Iran sind Frauen. Außer in den Ingenieurwissenschaften dominieren sie alle Fächer, fast überall schneiden sie besser ab als Männer. [….]

Ja, die westlichen sozialen Medien-Plattformen sind nicht erlaubt, aber wer hält sich schon daran? Iraner sind geschickt und erprobt im Austricksen der Religionspolizei.

[…..] In Teheran bejubeln Tausende den Wahlsieg des Reformers Hassan Rohani. Der meldet sich als Erstes auf Twitter zu Wort - einem eigentlich verbotenen Medium. [….]

Beim großen sunnitischen Gegenspieler Saudi Arabien herrscht noch finsteres Mittelalter.
In der absoluten Monarchie werden hunderte Menschen hingerichtet, die es wagen dem Regime zu widersprechen, sich womöglich als Atheisten und Christen zu erkennen geben.
An freie Wahlen ist gar nicht zu denken, Frauen dürfen noch nicht mal Auto fahren.
Saudi Arabien ist weltweit der größte Terrorfinanzier, aus dem Königreich werden riesige Summen für den Aufbau Wahabitischer Steinzeit-Moscheen in aller Welt überwiesen. Al Kaida wurde weitgehend aus Saudi Arabien finanziert, 19 der Attentäter vom 11.September 2001 waren saudische Staatsbürger.

Riad agiert auch militärisch immer brutaler und ruchloser. Es ist ein massenmordendes Regime. Die Jemeniten werden gerade von den Saudis massakriert. Möglich wird das durch westliche Waffen, die ihnen insbesondere Deutschland und die USA liefern.

Während also Merkel und Gabriel völlig skrupellos vorgehen und den Wunsch der EU ignorieren – während sie es natürlich empörend finden, wenn andere Länder in der Flüchtlingsfrage die Wünsche der EU ignorieren – gibt es in anderen Hauptstädten durchaus noch ein Gewissen.

Das niederländische Parlament hat ein Ende des Exports von Waffen an Saudi-Arabien beschlossen. Laut Reuters handelt es sich um einen Protest gegen die ständigen Menschenrechtsverletzungen des Königshauses.
Der Gesetzesentwurf sieht auch ein striktes Ausfuhrverbot für Dual-Use-Güter vor, also Produkte, die potentiell für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden könnten, bei denen es sich aber nicht um klassische Waffen- oder Rüstungsgüter handelt.

Was macht Saudi-Arabien mit seinem gewaltigen Waffenarsenal?
Einerseits nutzt es deutsche Panzer, um neben an in Bahrain die Demokratie niederzuschlagen.

Der größte Einsatz ist aber der Angriffskrieg gegen schiitische Gruppen im Nachbarland Jemen.
Militärisch läuft es dort bemerkenswert schlecht.

Jemen-Krieg: Saudi-Arabiens militärisches Debakel
[….] Seit einem Jahr ist Krieg im Jemen: zwischen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zur Unterstützung des vertriebenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen. Der Ton der Vereinten Nationen wird immer schärfer. Die saudische Luftwaffe habe im Jemen "ein Gemetzel" angerichtet, sagte jüngst der Hohe Kommissar für Menschenrechte, Seid Raad al-Hussein. Für knapp zwei Drittel der zivilen Opfer und zivilen Zerstörungen sei die Kriegskoalition der Golfstaaten verantwortlich.
Allein bei dem Beschuss eines dicht belebten Marktes in der westlichen Provinz Hajja Anfang letzter Woche kamen 119 Menschen ums Leben, darunter 24 Kinder. "Trotz ständiger internationaler Proteste wiederholen sich solche Vorfälle mit absolut inakzeptabler Regelmäßigkeit", sagte al-Hussein und drohte, diese Kriegsverbrechen durch eine internationale Kommission untersuchen zu lassen. [….] Ein Jahr lang zerbomben modernste Kampfjets von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun schon das arme Land Jemen an der Südspitze der Arabischen Halbinsel – ein Krieg, der ein humanitäres, militärisches und strategisches Desaster angerichtet hat. [….] Allein in der Hauptstadt Sanaa wurden 250.000 Menschen ausgebombt. Denn die saudische Luftaufklärung ist schwach und ungenau, die Kampfpiloten unerfahren und skrupellos. Aus Angst vor Abwehrraketen fliegen sie extrem hoch, so dass sie ihre militärischen Ziele meist verfehlen und stattdessen Krankenhäuser und Schulen, Moscheen und Flughäfen, Fabriken und Marktplätze sowie Hochzeitsgesellschaften und Privathäuser in die Luft jagen. [….]

Blöd an den Kriegen sind für das Riader Königshaus weniger der internationale Ansehensverlust oder gar die Myriaden Toten und Verletzten.

Insgesamt versuchen sich nach UNHCR-Angaben rund 2,4 Millionen Flüchtlinge innerhalb der Landesgrenzen vor den Kriegswirren in Sicherheit zu bringen. Über 8000 Menschen sind durch den Krieg bereits gestorben.

Störend ist aber, daß es so verdammt teuer ist. (……..)

Und nun kommt Trump in da hood.

Als US-Präsident könnte man eine vermittelnde Position einnehmen und versuchen den Iran aus der Isolation zu holen; wie es Obama (halbherzig) immerhin versucht hat. Das wäre naheliegend, da der Iran ein großer Player in Syrien ist, mit den Russen verbandelt ist, enormen Einfluß auf den Irak ausübt und zudem eine prowestliche Bevölkerung nur auf Entspannung wartet.

Die schlechtere Lösung wäre es für die USA sich auf eine Seite zu schlagen.

Trump hingegen wählt die allerschlechteste Möglichkeit und wirft sich dem Saudi-Regime an den Hals, versorgt sie mit Waffen für 110 Milliarden Dollar und pöbelt gegen den Iran – just zu der Zeit, als dort gerade für eine weitere Liberalisierung votiert wurde und das von saudischem Boden aus.

[….] Trump hatte zuvor dem Iran bei einer Rede in Riad Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. «Der Iran finanziert, bewaffnet und bildet Terroristen, Söldner und andere extremistische Gruppen aus», sagte der Präsident. Dies gelte vom Libanon über den Irak bis hin zum Jemen. […..]

Aber gibt es nicht eine Möglichkeit, wie Trump die Krise des Nahen Ostens noch weiter verschärfen könnte?
Welches ist denn das Grundübel dort; die Basis all des Hasses?
Ach ja, die Religion.

[….] Diese Laissez-faire-Politik zeugt von einiger Blauäugigkeit. Gefährlicher noch könnte ein Signal sein, das Trump mit seinem Reiseprogramm aussendet: Er sieht sich offenbar auf heiliger Mission. So hat er in seiner Rede in Riad immer wieder Bezug auf Gott alias Allah genommen. Dann wollte er es sich in Jerusalem nicht nehmen lassen, die jüdische Klagemauer und die christliche Grabeskirche zu besuchen. Die Betonung des Religiösen aber ist pures Gift im Kontext dieses Konflikts. Denn kaum einer in der nahöstlichen Region verbindet damit himmlischen Frieden, sondern viel eher heilige Kriege.
Wenn ein theoretisch vielleicht sogar erfolgversprechender Business-Plan für den Frieden in solch ignoranter Art umgesetzt wird, kann das leicht zum Gegenteil führen: zu einer Verschärfung des Konflikts, zu einem neuen Aufflammen von Gewalt. Der einzige Deal, der dann im Nahen Osten Bestand hat, könnten am Ende die Waffengeschäfte sein.

Grotesker geht es nicht mehr.
Die Nation, die sich als „Land of te free“ versteht, wählt mit Stimmenminderheit einen unqualifizierten Kleptokraten als Chef, dessen erste Auslandsreise in das neben Nordkorea unfreieste und undemokratischste Land der Erde führt; der sich dort schmieren lässt und gegen die regionalen Nachbarn pöbelt - barbarische Kriminelle und Terrorfinanzier -, die sich (langsam, aber stetig) demokratisch öffnen.

 […..] Der weltweit wichtigste staatliche Unterstützer und Finanzier dieser „barbarischen Kriminellen“ ist allerdings die – durch den ersten Auslandsbesuch des US-Präsidenten hofierte und gestärkte – wahhabitische Königshausdiktatur in Riad. Und das seit den ersten Anschlägen sunnitischer Islamisten im Afghanistan der 80er Jahre bis hin zur aktuellen Unterstützung für den „Islamischen Staat“ und andere aktive sunnitische Terrorgruppen.
Diese Fakten sind der US-Regierung natürlich bekannt. Doch die Aussicht auf die milliardenschweren Rüstungsgeschäfte mit Riad haben in Washington offensichtlich zur Verdrängung dieser Tatsachen beigetragen. Die von Trump angekündigten Abkommen mit den Golfstaaten zur Trockenlegung der Finanzquellen von Terroristen sind reine Symbolpolitik. Dazu sind diese Staaten bereits seit einer völkerrechtlichen verbindlichen Stattdessen erklären die Trump-Regierung und – mit auffallend wortgleichen Formulierungen – auch die Regierungen Saudi-Arabiens und Israels in grotesker Verdrehung der Fakten den schiitischen Iran zum „staatlichen Hauptsponsor des weltweiten Terrorismus“ und zum „gemeinsamen Feind“. Das stärkt die Hardliner in Teheran und ist eine schallende Ohrfeige für die Millionen reformwilliger IranerInnen, die erst vor wenigen Tagen Präsident Hassan Rohani zur Wiederwahl verhalfen. […..]

Montag, 22. Mai 2017

Ganz einfach


Was hatten die Großen in der Welt nicht für Sorgen.
Wie würde man wohl mit Trump international zusammenarbeiten; diesem Kai aus der Kiste, der so offensichtlich nicht für Argumente der Vernunft empfänglich ist und unter dem Einfluss der katholofaschistischen Bannon steht?

Die Laune im Kreml, im Zhongnanhai und im Al-Murabba Palast hellte sich inzwischen aber merklich auf.

Wie sich herausstellte, ist Trump gar kein Ideologe, weil ihm dazu die Bildung fehlt. Er ist noch nicht mal ideologische beeinflussbar von den rechtsextremen Stephens (Miller und Bannon), da Trump zu dumm ist, um ihn briefen zu können.
Aus diesen Gründen lassen sich auch die Republikaner in House und Senat das totale Chaos im Weißen Haus bieten. Sie können nach Herzenslust rechtsideologische Gesetze verabschieden. Trump wird alles unterschreiben, weil er es ohnehin nicht versteht.

Für Regierungs- und Staatschefs in aller Welt bedeutet #45, daß sie es mit einem zu tun haben, den sie bequem lenken und manipulieren können.

Trump ist manisch gefallsüchtig. Er will unbedingt gelobt und bewundert werden. Versagt man ihm das, fängt er an zu toben und schlägt um sich. Umschmeichelt man ihn aber, gratuliert zu seinem größten Wahlsieg aller Zeiten, läßt er alles mit sich machen.
Die beiden Sergeis (Lawrow und Kisljak) zeigten letzte Woche wie das geht: Man schmiere dem Clownpräsidenten etwas Honig ums Maul und schon plappert der Gebummfidelte geheimste Informationen aus, die die Russen schon immer haben wollten.

Noch besser als umschmeicheln funktioniert Bestechung.
Dazu schiebt man einfach ein paar Millionen zum dem einzigen Menschen, der Donald Trump etwas bedeutet außer ihm selbst: Ivanka.


Xi Jinping begriff als Präsident des Landes, welches Trump im Wahlkampf am meisten beschimpfte, als Erster wie man sich Trump gefügig macht.
Er schob Ivanka während seines Besuchs in den USA mehrere exklusive Markenrechte in China zu.

[….]  Ivanka Trump Marks LLC [verfügt] nach aktuellem Stand über 16 registrierte Marken in der Volksrepublik. Mit diesen bekäme die "First Daughter" angeblich Monopolrechte für den Verkauf von Schmuck, Taschen und Wellness-Dienstleistungen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.
Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP bekam die Firma an dem Tag den Zuschlag, als Ivanka Trump am 6. April abends mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida zusammensaß. [….]

Die Einnahmen sprudeln nur so; um zwei Drittel zogen Ivankas Verkäufe in China in den letzten 12 Monaten an. Genau wie ihr antimoralischer Vater kennt sie dabei keinerlei Skrupel. Der Renminbi rollt.

[….] 1 Dollar Stundenlohn: Ivanka Trump soll chinesische Arbeiter ausbeuten.
Ivanka Trump lässt ihre Kollektion in China produzieren - offenbar unter erschreckenden Arbeitsbedingungen. Hungerlöhne und 12-Stunden-Schichten seien an der Tagesordnung, so eine Arbeitsrechtsorganisation. [….]

König Salman, als Hüter der heiligsten Stätten des Islams und reichster und mächtigster Sunnit, war wie Xi indirekt eins der Hauptangriffsziele Trumps.
“Donald Trump calls for a total and complete shutdown of Muslims entering the United States” tönte er im Wahlkampf undversuchte sich als Präsident mehrfach (vergeblich) an einem Travel-Ban für Muslime.
Da kann ein Saudischer Herrscher schon nervös werden.
Aber Salman guckte sich bei Xi ab wie es geht.
Donald Trump steht auf Gold, Geld und Schmeicheleien.
Glücklicherweise verfügt das märchenhaft reiche Haus Saud über Gold-Paläste gegen die Mar A Lago ärmlich wirkt.
Und um den Sack zuzumachen, gab es wieder Millionen für Ivanka.

[….] Für Ivanka Trump hat sich die erste Auslandsreise ihres Vaters bereits jetzt gelohnt: Die Lieblingstochter von US-Präsident Donald Trump eroberte am Wochenende zunächst die sozialen Netzwerke der arabischen Welt. Dort entwickelte sich der Hashtag "Bint Trump" - auf Deutsch: "Trumps Tochter" - zum Top-Suchbegriff.
Dann erhielt Ivanka Trump von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Riesenspende in Höhe von 100 Millionen Dollar. Das Geld ist für einen von ihr mitinitiierten Fonds der Weltbank bestimmt, mit dem Unternehmerinnen gefördert werden sollen. [….]

Trump war sehr zufrieden. Nun bekommt Salman alles was er von den USA will.

Angela Merkel begriff diese extreme Ausprägung der nepotistischen Kleptokratie ebenfalls sehr schnell und lud Ivanka nach Berlin zu offiziellen Terminen ein, obwohl die Frau über keinerlei Qualifikationen oder Regierungsämter verfügt.


Unglücklicherweise nützt der Bundeskanzlerin die Erkenntnis der Käuflichkeit Trumps nicht viel, da sie anders als Autokraten des Schlages Salman, Xi oder Putin nicht mal eben 100 Millionen Euro aus der Staatskasse an Ivanka überweisen kann.

Das sollte eigentlich die Stunde der deutschen Großlobbyisten sein, die sich vor amerikanischen Strafzöllen fürchten.
Matthias Wissmann (Präsident VDA), Dieter Kempf (BDI-Präsident) und Eric Schweitzer (DIHT-Präsident) sollten dringend zusammenlegen und auch 100 Millionen Dollar an Ivanka schicken.
Dann hätten sie das Weiße Haus in der Tasche und könnten weiter ungestört Geschäfte mit den USA tätigen.

Sonntag, 21. Mai 2017

Grün damals und heute.



Als ich in den  80er Jahren zur Schule ging, war Ökologie ein echtes Thema. Am Tag meiner ersten Abi-Klausur gab es zum ersten mal SMOG-Alarm in Hamburg.
Gerade war Tschernobyl passiert, das Gemüse wurde knapp.
Wir diskutierten auf dem Schulhof über die Strategic Arms Limitation Talks (SALT I und SALT II), warfen uns Zahlen über die Submarine-launched ballistic missiles (SLBM) gegenseitig an den Kopf, weil die JU-Fraktion der Schüler „die Russen“ unmittelbar vor einem Einmarsch wähnte.
Der ABM-Vertrag von 1972 (Anti-Ballistic Missile Treaty) war jedem bekannt.
Was bedeutete die Machtübernahme Gorbatschows für die Verschrottung von Atomraketen, über die seit 1985 bei den Strategic Arms Reduction Treatys (START) verhandelt wurde?

Jeder hatte „The Day After“ und „War Games" gesehen. Ich erinnere mich an heulende Mitschülerinnen im Kino und sehr ernste anschließende Diskussionen darüber wer von uns sich im Atomkriegsfall wie verhalten würde.
Es gab die Flüchter, diejenigen, die sich im Keller verkriechen wollten und die kleinere Fraktion der Hafen-Kids, zu denen ich gehörte. Wir wollten bei Atomalarm nicht aus der Stadt raus fliehen, sondern lieber direkt in Richtung Hafen, dem mutmaßlichen Einschlagsort laufen, um wenigstens schnell zu sterben, statt am Fall Out zu verrecken.

Der Wahnsinn einer Welt, die sich mit SDI auch vom Weltraum aus noch mal vernichten wollte, obwohl das schon 1000fach mit den auf der Planetenoberfläche gehorteten Raketen möglich war, sprang uns damalige Teenager so an, daß wir in der Mehrzahl zu den großen Nachrüstungs-Demos gingen. Noch mehr Pershing-II-Atomraken? Das war so absurd, daß wie selbstverständlich bei den Friedensdemonstrationen 400.000 oder 500.000 Menschen zusammenkamen. Und wie sollte man da nicht die Grünen wählen, wenn man jung war und deswegen noch keine feste Parteienbindung generiert hatte?

Wir wollten durchaus weiterleben. Dabei empfanden wir die atomare Apokalypse ähnlich störend, wie die rapide Umweltverseuchung.
Dünnsäureverklappung in die Nordsee, Waldsterben, Luftverpestung, saurer Regen – das konnte niemand ernsthaft wollen.

In den nächsten 30 Jahren wurde mit entscheidender Hilfe der Grünen ein ganz anderes gesellschaftliches Bewußtsein geschaffen.
Inzwischen stören sich auch Konservative daran Plastikmüll ins Meer zu werfen.
Undenkbar, daß heute noch ein Auto ohne Katalysator fährt.

Die Probleme sind allerdings nicht weniger, sondern mehr geworden.
Globalisierung, Fanatisierung, Religiotisierung, Klimawandel und Bevölkerungsexplosion bedrohen die Mutter Erde mehr denn je.

Hatte man es in den 1980ern in Amerika mit Ronald Reagan bloß mit einem ideologischen Kommunistenhasser zu tun, der nichts gegen HIV unternehmen wollte, weil er Schwule pervers fand, so ist die gegenwärtige Führungsriege noch wesentlich untauglicher.
Die Industrielobby ist mächtiger denn je, die globalen Kräfteverhältnisse sind unübersichtlich und im Weißen Haus sitzt ein Depp, der die Begriffe „SALT“ oder „START“ noch nie gehört hat und auch intellektuell nicht in der Lage wäre sie zu verstehen.

Es gibt aber keine 500.000 Mann zählenden Großdemos mehr, weil „die Jugend“ aus indolenten Smombis besteht, die es sich in ihren Facebook-Filterblasen kommod eingerichtet haben.

Es gibt allerdings auch keine Partei mehr, die den Wahnsinn der Welt erfasst und dagegen aufsteht.
Es gibt keine Partei mehr für die Jugend. Auch bei Bündnis90/Die Grünen haben sich die grauhaarigen Anzugträger durchgesetzt, wie Frau Eisenhardt, die Geschäftsführerin der Grünen Jugend in Hessen resigniert feststellt.

[….] "Ich bin ziemlich sauer gewesen"
Nina Eisenhardt ist wütend, weil bei den Grünen niemand unter 30 Aussichten auf ein Bundestagsmandat hat. […..]

Die Grünen regieren. Das ist gut und wichtig, um es besser zu machen.
Aber regieren, um des Regierens willen?

[….] Frü­her ha­ben die Grü­nen mit un­kon­ven­tio­nel­len Ide­en die bür­ger­li­chen Par­tei­en vor sich her­ge­trie­ben. Nun müs­sen sie se­hen, dass sie den An­schluss nicht ver­pas­sen. […..] Be­sich­ti­gen kann man das im hes­sisch-thü­rin­gi­schen Grenz­ge­biet, wo der Ka­li­kon­zern K+S rie­si­ge Men­gen salz­hal­ti­gen Ab­was­sers in den Un­ter­grund pumpt. Seit Jah­ren strei­ten dort zwei grü­ne Um­welt­mi­nis­te­rin­nen öf­fent­lich dar­über, ob die Fol­gen für die Um­welt und das Grund­was­ser noch län­ger hin­ge­nom­men wer­den dür­fen.

Im schwarz-grün re­gier­ten Hes­sen ha­ben die Be­hör­den un­ter der Ver­ant­wor­tung der Grü­nen-Mi­nis­te­rin Pris­ka Hinz die Ver­senk­ge­neh­mi­gung für K+S kürz­lich noch um ein paar Jah­re ver­län­gert. Im Nach­bar­land Thü­rin­gen, wo ein Teil der salz­hal­ti­gen Brü­he aus dem Un­ter­grund wie­der nach oben quillt, pro­tes­tiert da­ge­gen Um­welt­mi­nis­te­rin Anja Sie­ges­mund. [….] Am Frank­fur­ter Flug­ha­fen, ge­gen des­sen Aus­bau die Grü­nen frü­her en­ga­giert strit­ten, bil­lig­te der grü­ne Wirt­schafts- und Ver­kehrs­mi­nis­ter Tarek Al-Wa­zir vor ei­ni­gen Mo­na­ten eine um­strit­te­ne neue Ge­büh­ren­ord­nung, die zu­sätz­li­chen Flug­ver­kehr nach Frank­furt lot­sen soll. Aus­ge­rech­net der Bil­lig­flie­ger Rya­nair wird zum Schre­cken von An­woh­nern mit ho­hen Preis­nach­läs­sen an­ge­lockt, um die re­la­tiv neue vier­te Lan­de­bahn so­wie ei­nen ge­plan­ten wei­te­ren Ter­mi­nal bes­ser aus­zu­nut­zen. [….]

(DER SPIEGEL, 20.05.2017, s.37)


Die Parteispitze um Göring-Kirchentag ist das Gegenteil der kämpferischen Grünen à la Thomas Ebermann und Jutta Dittfurth, die ich in meiner Jugend erlebte.

[…..] Noch gravierender sind die Schwierigkeiten von Göring-Eckardt. Sie sagt nie das Falsche; sie ist eine mittlerweile unglaublich geschickte Parteipolitikerin, die vor allem die jungen Mitglieder der Fraktion klug und geschickt einsetzt. Als Machtmanagerin würde sie viele Punkte einheimsen. Nur bei der Frage, wie man der Partei Feuer und Leidenschaft einflößt, kommt sie nicht weiter. Wofür brennt sie? Niemand kann das wirklich sagen. Sie bräuchte noch mehr als Özdemir ein Herzensthema oder die Unterstützung derer in der Partei, die selbst brennen und sie anstecken. [….]

Es ist ein Elend, wo diese Partei angelangt ist.
Dann doch lieber SPD.

[….] Reflexhaft wehrten sich die NRWler gegen die Angriffe, die Realos gegen den Linksflügel und umgekehrt. Anstatt ernsthaft an den eigenen Problem zu arbeiten, verheddert sich die Partei wieder einmal in einer ermüdenden Endlosschleife: Krise -> Kritik -> Kritisierte, die sich die Kritik der Kritiker verbitten -> Krise.
Niemand will einen stummen Kuschelverein, Politik braucht Auseinandersetzung. Und eine souveräne Partei hält Differenzen aus, kann im Idealfall daran wachsen. Doch anstatt zu wachsen, geht es für die Grünen in der Zustimmung abwärts. Das einstige Selbstbewusstsein nach Fukushima modert im Legenden-Leitzordner. [….]

Samstag, 20. Mai 2017

Trumpologiefolgenabschätzung Teil VII



Was gibt es Neues von Trump?
Nun, das kann ein einmal am Tag erscheinender Blog nicht klären, da das Weiße Hause Groß-Skandale im Stundentakt produziert.
Über Jahrzehnte war „Watergate“ die größte verbale Keule, mit der man Verwerfungen in der US-Politik treffen konnte. Aber die Untersuchung von Nixons Abhöraktion zog sich über Jahre hin.
Trump erschafft Empörungspotenzial im Superzeitraffertempo.
Beim ihm gibt es keine „Anfängerfehler“, weil das Fehler sind, die man gemäß Definition nicht mehr macht, wenn man länger dabei ist und dazu gelernt hat.
Trump macht Trumpfehler und die sind sich selbst verstärkende, nicht abstellbare Kardinalfehler in immer schneller Frequenz. Der Mann ist nicht nur beratungsresistent und unbelehrbar; er ist nicht nur sagenhaft ungebildet, sondern wie sich jetzt erst richtig herausstellt, verfügt er noch nicht mal über Bauernschläue. Trump ist schlicht und ergreifend dumm.

Dumm wie Bohnenstroh. Das zeigt sein Verhalten als Hausherr:

[….] Beim Abendessen gibt es [....] eine klare Trennung zwischen dem Präsidenten und seinen Gästen:
    Cola Light für Trump, Wasser für die Journalisten
    Zum Salat Thousand-Island-Dressing für Trump, Vinaigrette für die Gäste
    Zum Hähnchen bekommt nur der Präsident eine Extraportion Soße.
    Zum Nachtisch gibt es für Trump zwei Kugeln Eis mit Schokokuchen; der Rest   am Tisch muss sich mit einer Kugel begnügen. [….]

Trump fehlt die grundsätzliche Klugheit, um zu bemerken wie lächerlich er sich macht.

Natürlich bietet der Oval-Office-Okkupant nicht nur Comedians mehr Material, als man verarbeiten kann. Auch die seriösen Politjournalisten müssen mit dem Phänomen einer Witzfigur als mächtigstem Mann der Welt umgehen.

 [….] Dem "Economist" gab Trump allerdings ein langes Interview - es ist eine Offenbarung.
It sounds like you're imagining a pretty big renegotiation of Nafta. What would a fair Nafta look like? Big isn't a good enough word. Massive.
Huge? It's got to be. It's got to be.
Das ist die einzig offen satirische Stelle in dem Interview, das der "Economist" am 4. Mai - also vor der Entlassung des FBI-Chefs - mit Donald Trump geführt hat. Nicht, dass Trump das bemerkt hätte.
Es ist auch die einzige Stelle, an der kurz, aber unübersehbar aufblitzt, was das Magazin vom US-Präsidenten hält. Donald Trump zu fragen, ob etwas "huge" (riesig) werde, ist die kürzeste denkbare Methode, sich über dessen sprachliche Manierismen lustig zu machen, spätestens seit den zahllosen Satirevideos, in denen Länder und Regionen Trump bitten, doch ihr Land bitte schön als Nummer zwei hinter Amerika zu akzeptieren.
[….]  Sonst ist nirgendwo in dem langen Transkript zu erkennen, ob und wie oft sich der Journalist im Laufe des Gesprächs das Lachen verbeißen musste oder ungläubig den Kopf schüttelte. Einmal mehr zeigt sich, wenn man den ganzen Text liest: Sooft man Donald Trump mittlerweile reden gehört hat, man kann sich nicht daran gewöhnen, wie der Mann spricht, was er sagt. Schlimmer noch: Was er nicht sagt. [….]
Wieder und wieder gerät Trump in Situationen, in denen seine umfassende Unkenntnis elementarer Fakten und Zusammenhänge so deutlich zutage tritt, dass die meisten anderen Menschen vor Scham im Boden versinken würden. Trump aber scheint all das nicht einmal zu bemerken. Der Kaiser ist nackt, aber es ist ihm egal.[…..]

Trumps Doofheit bleibt aber bedauerlicherweise nicht nur Objekt der satirischen Betrachtung, sondern hat praktische Auswirkungen auf die Politik.

Trump, der nie ein Buch gelesen hat, ist nicht in der Lage Akten zu studieren. Das liegt einerseits daran, daß er kompliziertere Sätze gar nicht erfassen kann und anderseits an seiner extrem limitierten Aufmerksamkeitsspanne.

Die Staffer des Weißen Hauses mußten sich inzwischen spezielle Methoden ausdenken, um Trump überhaupt briefen zu können:
Ihm vorgelegte Texte dürfen grundsätzlich nicht länger als eine Seite sein, müssen in großer Schrift verfasst sein und möglichst auch noch Bilder und Graphiken enthalten.
Da sich Trump nicht länger als zwei Minuten auf ein Thema konzentrieren kann, sind seine Mitarbeiter dazu übergegangen in jedem Absatz einmal das Wort „Trump“ unterzubringen.

[….] “It’s kind of ridiculous how they are preparing to deal with Trump,” said one source briefed extensively on the meeting’s preparations. “It’s like they’re preparing to deal with a child — someone with a short attention span and mood who has no knowledge of NATO, no interest in in-depth policy issues, nothing,” said the source, who spoke on condition of anonymity. “They’re freaking out.” […..]

Ein genialer Trick, um ihn bei der Stange zu halten. Für sich selbst interessiert sich Trump am meisten und so kann man etwas mehr Aufmerksamkeit generieren, bevor die wirren Gedanken des Golf-Greises wieder abschweifen.


Es ist ohnehin schwer einem Deppen Dinge zu erklären.
Einem extrem mächtigen Deppen aber die ganze Welt zu erklären, muß scheitern. Um mit Trump zu reden, muß man sich extrem vereinfachter Kindersprache bedienen, darf nur kurze Sätze verwenden und muß ihn minütlich loben.

NATO und G7 müssen aber mit Trump zu Recht kommen.
Um zu vermeiden, daß der Doofe aus Washington ausflippt, hält sich das größte und mächtigste Militärbündnis der Erde nun ebenfalls an die speziellen Trump-Regeln.

[….] Speeches at President Trump’s first Nato summit next week will be limited to four minutes, in order to keep him engaged.
Nato officials may also adopt tactics from the White House, such as repeating the president’s name and using maps and graphs, to keep him interested in proceedings. Mr Trump asks his staff to restrict memos to one page and few of his meetings last more than 15 minutes.
The National Security Council officials have taken to including Mr Trump’s name in “as many paragraphs as we can because he keeps reading if he’s mentioned”, a source said yesterday. [….]

Dabei mag Trump das Militär sehr. Beim G7-Treffen mit so vielen Europäern wird es noch schwerer, weil der geriatrische Geisteszwerg dafür noch weniger Interesse aufbringen kann.
Um Doofi nicht aufzuregen, müssen alle anderen Regierungschefs noch einmal geistig abrüsten.

[….]  Donald Trump startet zu seiner ersten Auslandsreise. Naher Osten und Europa, neun Tage, ein Kraftakt. Er will zeigen, dass er die Welt im Griff hat. Die Erwartungen sind so niedrig wie an keinen anderen Präsidenten zuvor.
[….] Seine heute beginnende Reise in den Nahen Osten wird die Reise eines Mannes, der sich für die Welt nie interessiert hat.
[….] Die Nato hat deshalb schon vor Trumps Landung am kommenden Donnerstag beschlossen, während des Treffens die Redezeit pro Staatschef auf zwei Minuten zu begrenzen. Der Mann aus Washington soll sich nicht langweilen. Trumps Herausforderung unterwegs wird sein, sich die Gleichgültigkeit gegenüber seinen Gesprächspartnern nicht allzu sehr anmerken zu lassen. [….]

Ob die Trump-Maßnahmen der G7 ausreichen steht in den Sternen, da seine „attention span“ womöglich noch viel kürzer ist als zwei Minuten.
Lange Sitzungen und Diskussionen mit so vielen verschiedenen fremden Leuten aus Ländern, von denen er noch nie gehört hat, dürften Donald Doof völlig überfordern. Man kann nur hoffen, daß Melania ihm genügend Ritalin ins Essen rührt.

[….] Politico Magazine reported Friday that a former senior official claimed Secretary General Jens Stoltenberg criticized Trump's attention bandwidth.
“The president of the United States has a 12-second attention span,” Stoltenberg reportedly said, Politico reported.
The senior official, according to the report, added that the president appeared unprepared for his meeting with the Norwegian Stoltenberg. He reportedly brought up recent events surrounding North Korea, which does not involve NATO.  [….]

Die Welt ist kompliziert.
Man darf gespannt sein wie die internationale Kommunikation funktioniert, wenn durch Twitter-Trump alle Redebeiträge auf 12 Sekunden verkürzt werden müssen.
kein Wunder, daß Fidel Castro am Tag der Wahl Trumps starb.