Samstag, 20. Juli 2013

Witzrepublik Deutschland



Gestern war Merkels traditionelle große Hauptstadtpressekonferenz vor der Urlaubspause.
Das war lustig.
Sieben Wochen nach den Snowden-Enthüllungen hatte Merkel rein gar nichts zur Aufklärung beizutragen.
Sie ist nicht nur ahnungslos; sie erkennt auch keinen Anlass in irgendeiner Form Druck auszuüben, um ihrem Wahlvolk die erwarteten Antworten zu verschaffen.
Ihr hoffnungslos überforderter Innenminister gibt sich auch heute wieder komplett out of order.
Innenminister Friedrich betont, wie "vertrauensvoll" die Nachrichtendienste beider Länder zusammenarbeiten. Doch die jüngsten Äußerungen des NSA-Geheimdienstchefs zum Thema kennt er gar nicht.

"Jetzt wissen die Deutschen Bescheid", hat NSA-Chef Keith Alexander gesagt, nachdem die Spähprogramme des US-Geheimdienstes bekannt wurden. "Wir sagen ihnen nicht alles, was wir machen oder wie wir es machen - aber jetzt wissen sie es", sagte er kühl auf einem Sicherheitsforum in Aspen im US-Bundesstaat Colorado.

Doch ausgerechnet Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist offenbar nicht auf dem Laufenden über die jüngsten Äußerungen des Amerikaners. "Ich weiß nicht, was der Herr Alexander da gesagt hat", sagte der CSU-Politiker dem ZDF - mehr als einen Tag, nachdem die Äußerungen des US-Geheimdienstchefs bekannt geworden sind.

"Ich kann nur sagen: Wir haben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Amerikanern im wirtschaftlichen Gebiet, im gesellschaftlichen, im politischen - auch bei der Zusammenarbeit der Nachrichtendienste", so Friedrich weiter.
Und der zweite Stressminister, dem die Probleme ebenfalls hoffnungslos über den Kopf gewachsen sind, ist mittlerweile eindeutig der Lüge überführt.

Dokument erschüttert de Maizières Glaubwürdigkeit. Verteidigungsminister de Maizière gerät im Zusammenhang mit dem Drohnen-Debakel zunehmend unter Druck. […] In der Euro Hawk-Affäre gibt es einen weiteren Beleg dafür, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) früher als angegeben Kenntnis vom Ausmaß der Probleme hatte. In einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Dokument zur Vorbereitung auf ein Gespräch mit Abgeordneten der Regierungsfraktionen heißt es, die Zulassung der Drohne gestalte sich "als extrem schwierig und risikobehaftet". Es trägt das Datum 6. März 2013, der Minister hat es am 12. März abgezeichnet.   Dies widerspricht seiner Aussage aus dem vergangenen Monat, eine Besprechung am 1. März 2012, bei der er erstmals von Zulassungsproblemen gehört habe, sei "der einzige Zusammenhang" gewesen, in dem er vor dem 13. Mai 2013 "mit dem Thema Euro Hawk befasst worden" sei.

An diesem 13. Mai hat er seiner Schilderung nach die Entscheidung seiner Staatssekretäre gebilligt, die Serienbeschaffung der Aufklärungsdrohne zu stoppen. In dem jetzt aufgetauchten Dokument mit dem Aktenzeichen 01-02-03/BE heißt es aber bereits, die "ursprünglich geplante Serienbeschaffung Euro Hawk" sei "extrem risikobehaftet und derzeit nicht absehbar". Es seien "gegebenenfalls Alternativen" zu "betrachten", die als Trägerplattform für die Aufklärungselektronik in Frage kämen. […]

Der SZ liegt zudem eine E-Mail vor, in der ein Beamter am 11. März die Aussage präzisierte, die Zulassung gestalte sich als äußerst schwierig. Er betont darin, dass der Entscheidungsprozess noch laufe, und empfiehlt vor diesem Hintergrund, die Aussage über die Schwierigkeiten mit der Zulassung "von der aktiven in die reaktive Sprechempfehlung zu übernehmen". Dieser Bitte kam einer der Staatssekretäre dann nach. […]

Der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner sagte der SZ: "Diese schriftliche Vorlage beweist, der Minister hat gelogen. Er wusste sehr wohl vor dem 13. Mai von erheblichen Problemen und Risiken beim Euro Hawk." De Maizière, so Lindner, habe sich "in seinen Unwahrheiten verfangen, die sich schwarz auf weiß, mit schriftlichen Vermerken, belegen lassen".

Auf diese „Baustellen“ angesprochen, lächelte Merkel nur und erklärte hartnäckig ihre Regierung sei die ERFOLGREICHSTE seit Gründung der Bundesrepublik.

 Auch in der aktuellen NSA-Affäre scheint sich ihre gewohnte Strategie zu bewähren: Tatenlosigkeit.  […] In keiner Umfrage ist der Abstand zwischen Union und SPD kleiner als zehn Prozent, zeitweise hat sich diese Differenz sogar der 20-Prozent-Marke angenähert. Der SPD ist es - Stand Mitte Juli 2013 - nicht gelungen, hinreichend viele Wähler von ihrem Kanzlerkandidaten zu überzeugen oder sich in genug Themen von der Union abzusetzen.

[….]  Die konservativen Merkel-Gegner bleiben im Splitterpartei-Bereich. Der Mehrzahl der CDU-Sympathisanten und potenziellen Wähler ist die zwischen Feuilleton und Scholastik changierende Diskussion darüber, was es heute bedeuten mag, konservativ zu sein, ziemlich egal. Merkel hat die relevanten Teile der Partei nicht gerade planvoll, aber in ihrem Sinne effizient zur Merkel-Regierungserhaltungspartei umgebaut. […]

Ein Beispiel ist die öffentliche Wahrnehmung der NSA-Affäre. Dass die Sozialdemokraten der Kanzlerin Tatenlosigkeit vorwerfen, ist ungefähr so, wie wenn man als Glasbenutzer einem Elefanten vorwirft, dass er mit Hilfe seines Rüssels trinkt. (Der Elefant ist nun einmal ein Elefant, und er kommt ganz gut über die Runden damit.) Merkel vermeidet es bei heiklen Themen nach Kräften, sich um das zu kümmern, was sie für Einzelheiten hält. Das hat sie nie gemacht, weil das gefährlich werden kann, und das wird sie auch, wie sie am Freitag bei ihrer Pressekonferenz wieder demonstriert hat, in Sachen NSA nicht tun. Man mag das zynisch nennen, aber zu ihrem Kalkül gehört dabei auch, dass die Affäre jene, die CDU wählen wollen, nicht davon abhalten wird.

[…]  Merkel und auch der jederzeit wendige Horst Seehofer […] bekennen sich mehr oder weniger offenherzig zum Umfallen als politischer Taktik und durchaus auch zur Ausnutzung des Plagiats. […]  Seehofer ist in diesem Sinne ein skrupelloser Opportunist. Auch deswegen könnte er die Landtagswahl gewinnen. Merkel ist ein wenig skrupulöser, aber Berufs-Opportunistin ist auch sie.
Die Strategie der Tatenlosigkeit“ ist dabei tatsächlich noch besser, als Taten à la Schwarzgelb.
Der neueste Coup, der mal wieder etwas unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des sonnenhungrigen urlaubenden Urnenpöbels stattfindet, ist auch ein Schildbürgerstreich erster Güte.
Der nächste Irrsinn.

Der Atomenergie in Europa geht es schlecht. Sehr schlecht. Dies hat jedoch wenig mit Fukushima zu tun, dafür umso mehr mit dem Boom erneuerbarer Energien. Wenn Brüssel nun versucht, Kernkraftwerke zu subventionieren, dann ist dies keine kleine Beihilfe. Es ist der Versuch, den Lauf der Dinge zu ändern - und weitere Milliarden in eine Technologie zu pumpen, die sich am Markt nicht behaupten kann.

Es muss wirklich hundsmiserabel um die Atomenergie in Europa stehen. Da haben die Staaten über Jahrzehnte alles getan, die Nuklearwirtschaft zu päppeln. Sie haben zinsgünstige Kredite lockergemacht, sie haben große Teile der nuklearen Risiken vergemeinschaftet, sie blicken großzügig darüber hinweg, dass es für den Atommüll bis heute keine Lösung gibt. Und jetzt das: Brüssel will den Weg frei machen für neue Atom-Subventionen. Billiges Geld, bis hin zu Einspeisetarifen für Atomstrom, soll zögerlichen Investoren auf die Sprünge helfen. So weit ist es also gekommen mit der Kernkraft.

[…] Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, ist der Ökostrom konkurrenzlos billig. Denn im Unterschied zu den konventionellen Kraftwerken müssen die Betreiber von Windrädern und Solarmodulen nichts für Brennstoffe zahlen. Das ist ihr Charme.

Gegen diese Art Wettbewerb kommt das billigste Atomkraftwerk nicht an. […] Mag die Kernkraft also rein wirtschaftlich erledigt sein, politisch ist sie es noch lange nicht. […] Wer Atomstrom erzeugt, kann sich auf einen gesetzlich garantierten Strompreis freuen. Es wäre eine jener unverhohlenen Hilfen für die Atomwirtschaft, die Brüssel nun womöglich legitimiert.  Nicht nur energiepolitisch, sondern auch ökonomisch wäre das ein Irrsinn. Ökonomisch, weil die Europäer damit einer Technologie Milliarden hinterherwerfen, die sich ganz offensichtlich am Markt nicht mehr behaupten kann - von den Sicherheitsrisiken und dem ungeklärten Verbleib des Atommülls ganz zu schweigen. Energiewirtschaftlich, weil damit ausgerechnet jene Kraftwerke gefördert werden, die sich mit erneuerbaren Energien am wenigsten vertragen.

The Urnenpöbel loves it.

Freitag, 19. Juli 2013

Der Christ des Tages Teil LXXVI



Ach, wie ich Kreuznet vermisse! 
Im Gegensatz zu anderen ultrarechten faschistoid daherredenden Fanatikern, hatte Kreuznet immer noch diese unfreiwillige Komik. 
PI, Junge Freiheit, Burschenschaftler, Vertriebenenverbände oder NPD sind dagegen nüchtern-humorlos.
Klar, die NPD’ler sind natürlich solche Deppen, daß man sie vorzüglich verarschen kann, aber von allein sind sie humorlos wie ein Fusselsieb nach hundert Trommeln Herrensocken.
Kreuznet hingegen kreierte Ausdrücke wie „Brechreiz-Turnübungen mit seinem Unzuchtspartner“ (=David Berger hat Sex) oder „Gummiisolatoren für das männliche Geschlechtsteil (=Kondom).
Besonderes Augenmerkt richtete das dunkelkatholische Hetzportal naturgemäß auf die verschiedenen Bischöfe. Wenn auch 90% der „Inhalte“ Homosexualität und dabei ganz besonders den Analsex zum Gegenstand hatten. Darin gleichen sich fundamentale Christen überall auf der Welt: Sie beschäftigen sich manisch mit rektalen Sexualpraktiken, welche eindeutig ihr größtes Faszinosum darstellen.
Die Bischöfe wurden entsprechend der Begeisterung für anale Penetration weitgehend anhand ihrer Einstellungen zur Homosexualität bewertet.
Ein konservativer Bischof, der wiederholt homophob auffällig wurde, bekam das Etikett „neokonservativ.“ 
Drifteten seine antischwulen Ausfälle nicht in den Bereich der Volksverhetzung ab, lief der Bischof unter „altliberal“.
Selbst ein ganz konservativer Knüppel wie Bischof Mixa wurden noch despektierlich als „Fluchtbischof“ bezeichnet. Und wenn einer wie der adelige Wiener Erzbischof Schönborn auch einmal Milde gegenüber „Gomorrhisten“ walten ließ, wurde er fürderhin als „Homoporn-Kardinal“ beschrieben.
Gnade vor den Augen Kreuznets bekam eigentlich nur der stets als „Heldenbischof“ titulierte FSSPX-Bischof Williamson, der seine üblichen reaktionären und homophoben Ansichten noch mit Holocaustleugnung und Nazi-Ansichten würzte. 
Einen jovial-umgänglichen konservativen Kirchenfürsten wie Kardinal Lehmann traf die ganze Wucht des Kreuznet-Hasses: „Kriechen trotz Übergewicht“ und daß der Fuldaer Bischof Algermissen anders als sein ultrakonservativer und schwulenhassende Vorgänger Erzbischof Dyba menschliches Verhalten zeigen konnte, brachte ihm das Urteil „Solariumsbischof“ ein.
Dabei war es eher der Kreuznet-Liebling Mixa, der durch Protz und Solarium auffiel:
Empfohlen hatte sich Mixa damals durch seine besondere Liebe zur Förderung junger Priester und durch die Disziplinierung eines Pfarrers, der beim Ökumenischen Kirchentag an einem evangelischen Abendmahl teilgenommen hatte - trotz großer Widerstände der Kirchenbasis. […]   Scheinheilig in einer vergoldeten Parallelwelt. Bischof Walter Mixa war für Benedikt XVI., alias Joseph Ratzinger, ein wichtiger Mann zur Durchsetzung seiner kirchenpolitischen Linie in Deutschland. Er bezeichnete sich selbst als "kultivierten Konservativen". Mixa verkörperte eine Kirche, wie sie der Papst will. Ein Fundamentalist, ein Hardliner, ein Rückwärtsgewandter - doch der papsttreue Stadtpfarrer von Schrobenhausen hat sich als Scheinheiliger enttarnt.   Je frommer und schriller seine Sprüche wurden, desto größer wurde die Kluft zu Mixas Parallelwelt, in der er lebte und sich dazu auch noch ganz komfortabel mit Wein, Solarium und Blattgold eingerichtet hatte. Bischöfe wie Mixa sind das Ergebnis einer negativen Auslese: Nicht seelsorgerliche oder theologische Qualifikationen entschieden über ihren Aufstieg, sondern Papsttreue und blindes Befolgen römischer Anweisungen.
(Peter Wensierski, 08.05.10)
Ach, wie ich Kreuznet vermisse! 
Was hätten sie wohl zu Ratzingers Flucht vor der Verantwortung geschrieben? Eine schöne Verschwörungsgeschichte wäre ihnen sicherlich eingefallen.
Wie würde Kreuznet auf Franzis mangelnde Homophobie reagiert haben? Es vergehen inzwischen mehrere Tage am Stück, in denen keine einzige Hassattacke gegen Schwule aus dem Vatikan kommt. Nur eben die üblichen Schwuchtelein.
Ein von Papst Franziskus in eine Schlüsselposition im Vatikan berufener Prälat hat einem Medienbericht zufolge mehrere homosexuelle Affären gehabt. Battista Ricca habe in seiner Zeit als Botschafter des Vatikans in Montevideo Affären mit Männern gehabt, berichtete am Freitag die italienische Wochenzeitschrift "L'Espresso". Der Kirchenmann sei in der Hauptstadt Uruguays auch einmal zusammengeschlagen worden, nachdem er mehrere Schwulen-Bars besucht habe.
Auch wenn die Homoattacken aus Rom derzeit seltener werden, weil Franzi offenbar weniger manisch auf Analsex fixiert ist als Joseph Ratzinger und sein Freund Georg Gänswein, so ist die RKK-Leitungsebene selbstverständlich nicht weniger homo-hysterisch.
Ausgerechnet der als „Solarium-Algermissen“ Gescholtene legte zuletzt nach.
Heinz Josef Algermissen, 70, seit 12 Jahren Bischof in Fulda, mag auch kein Homoperversen.
Das erklärte der Christ des Tages Nr 76 im legendären „Bonifatiusboten.“
In dem Kirchenblatt hatte sich schon der olle Dyba über Schwule ausgelassen:
Zum katholischen Priesteramt taugen nun aber nicht alle Hodenträger.
Naive Menschen könnten meinen, daß in einem Beruf, der ohnehin zum Zölibat verpflichtet Penisgröße, Potenz und sexuelle Orientierung irrelevant wären - aber weit gefehlt:
Es ist außerdem zwischen guten (=heterosexuellen) und schlechten (=homosexuellen) Enthaltsamen zu unterscheiden.
Letztere dürfen auf Anweisung des aktuellen Pontifex‘ gar nicht erst zum Priesterseminar zugelassen werden.
Aufklären kann hier der stets brillante Erzbischof Dyba, der zwar zur Zeit tot ist, aber ob seines frommen Adlerblicks in die erotischen Abgründe mit Sicherheit bereits einen Ehrenplatz auf Wolke 7 in Gottes Himmel ergattert hat.
Im Bonifatiusboten verkündete er schon 1997, daß nur derjenige katholischer Priester werden könne, „der das Zeug zu einem gesunden und guten Familienvater“ hätte. Homosexuellen fehle dagegen das „Opferbewusstsein“ für das Priesteramt. 
(Tammox 06.03.2011)
Homosexuelle können aber nicht nur NICHT Priester werden, sie sind auch gemeingefährlich – so Algermissen in eben jenem Bonifatiusboten:
 „Der ideologische Kulturkampf zur Relativierung der treuen und lebenslangen Ehe“ wurde „deutlich verschärft“ - Pervertierte Journalisten-Sprachregelung hat sogar den Begriff „Hetero-Ehe“ geprägt. […]

„Wer heute den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon ein Witwer“, hat vor Jahren bereits der große Theologe Hans Urs von Balthasar festgestellt.

Wer jedem Trend hinterherläuft und auf jeder neuen Welle mitschwimmt, wird notgedrungen oberflächlich, dessen Handlungskriterien werden schnell beliebig.

[…]  Daneben wurde der ideologische Kulturkampf zur Relativierung der treuen und lebenslangen Ehe in den letzten Jahren deutlich verschärft. Die rechtliche Anerkennung eingetragener Lebenspartnerschaften als Resultat eines „Emanzipationsprozesses“ war die Bresche, um den Konsens über die Besonderheit und Bedeutung der Ehe als Verantwortungsgemeinschaft für Fruchtbarkeit, Generationensolidarität und gesellschaftliches wie staatliches Wohl sozusagen amtlich endgültig zu zerbrechen.

Das geht schon so weit, dass eine pervertierte Sprachregelung unter Journalisten den Begriff „Hetero-Ehe“ geprägt hat, um damit das zu bezeichnen, was vor einigen Jahren fraglos das Normale und Gesunde war. Andererseits schienen sogar führende CDU-Politiker vom Etikettenschwindel der „Homo-Ehe“ befallen zu sein.

Ist uns eigentlich nicht mehr bewusst, dass derartige Begriffe in kurzer Zeit Wahrheit verändern und stabile Haltungen zerstören? Über die Folgen werden wir uns noch wundern.

Mit den Irrungen und Wirrungen über das Wesen der Ehe hat der Artikel 6 sein geistiges Fundament verloren, das den Vätern des Grundgesetzes noch plausibel war.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Wenn die Gutmenschen kommen.



Das war schon lustig, daß der Typ, den sich die SCHWARZGRÜNE Landesregierung von Hamburg holte, um die IGS (Internationale Gartenschau) zu planen, ausgerechnet Herr „Baumgarten“ hieß.
Als die Grünen im November 2010 die K.O.alition platzen ließen, waren es noch zweieinhalb Jahre hin bis zur Eröffnung der igs auf der Hamburger Insel Wilhelmsburg.
Das Ziel der Schau wurde enthusiastisch von der Planungsgruppe beschrieben:
100 Hektar Fläche umfasst das zukünftige Gelände der internationalen gartenschau hamburg 2013 und somit auch der neue Park für Wilhelmsburg. ….Ein beeindruckender alter Baumstand und gepflegte Kleingartenparzellen prägen schon heute den Charakter des Parks. Auf dem Rundweg durch das Gartenschaugelände werden die Besucher sieben thematisch gestaltete Passagen erkunden. Diese bilden die intensiven Ausstellungsflächen der igs 2013.
Das klingt doch erst mal ganz gut.
Den Satzbeginn vom „beeindruckenden alten Baumstand“ interpretierte man Anfang 2010 unter grüner Landesregierung auf spezielle  Art.
Bäume erschienen irgendwie störend, so groß und grün, wie sie sind.
Und was haben Bäume eigentlich in einem großen Garten zu suchen?
Die Grün-Schwarz regierte Vorzeige-Umweltstadt Hamburg setzte Zeichen und ließ für die IGS Weiden, Pappeln, Erlen und Ahorne abholzen.
Bis zur Eröffnung ließ die „igs Hamburg 2013 GmbH“, eine 100%-Tochtergesellschaft der Stadt, knapp 3000 der lästigen Holz-Großpflanzen auf dem Gartenschaugelände weggerockern. 

2011 gab es bekanntlich einen Regierungswechsel in Hamburg. Nun müssen die Sozis unter Olaf Scholz die von Schwarz und Grün angefangenen Desaster irgendwie handhaben.
Aber auch die igs plante die Vorgängerregierung nach ihrem bewährten Motto „wir vergeigen alles!“
Der Standort Wilhelmsburg ist natürlich absurd. Niemand fährt extra dahin und keiner hat Lust die von den Grünen gerodete Fläche zum Eintrittspreis von 21 Euro (ohne jegliche Nachlässe für Rentner oder Familien!) anzuglotzen.
Trauerspiel Gartenschau.

Die Besucherzahlen sind ernüchternd, die Preise viel zu hoch und die Stimmung passt sich dem miesen Wetter an. […]    Schon am Haupteingang wird am Donnerstagmittag deutlich: Hier stimmt etwas nicht. Von den zahlreichen Kassen sind nur zwei Schalter besetzt, selbst dort herrscht gähnende Leere. „Hier ist nichts los“, sagt der Security-Mann. […] Tatsächlich: Besuchermassen sucht man auf dem riesigen Gelände vergeblich. Die Schwebebahn fährt fast leer im Kreis. Drei Jungs drehen in der Skate-Anlage ihre Runden, eine Rentner-Truppe bestaunt einen Rhododendron und ein Ehepaar liest die Infotafel vor der leeren Wasserball-Anlage.

Selbst im riesigen Essens-Pavillon präsentiert sich uns ein trauriges Bild. Kein Mensch isst hier ein Franzbrötchen für 3 Euro oder eine Frikadelle mit Kartoffelsalat für deftige 7,50 Euro. Immerhin keine langen Schlangen, könnte man es sich schönreden.

„Der Stand lohnt sich überhaupt nicht“, sagt eine Verkäuferin aus dem Alten Land. Würde sie nicht selbst hier stehen, wären die Lohnkosten untragbar. Ein Bauer soll, so erzählt sie, seinen Stand deshalb schon aufgegeben haben. […]    Nach knapp drei Stunden haben wir genug – sind uns einig: 21 Euro Eintritt pro Person hätten wir nicht ausgegeben. Dann lieber ins Kino. Da ist die Stimmung besser. Und es regnet nicht.
Das Projekt igs ist aber nicht nur ein totaler Flop, weil dort gähnende Leere herrscht; es ist vor allem auch wieder einmal ein finanzieller Keulenschlag auf den Steuerzahler, den CDU und Grüne verursacht haben. Rund 30 Millionen Miese wird das Projekt der GAL-Senatorin Hajduk dem Steuerzahler hinterlassen.
Die Sonne lacht, die Blumen blühen nur für die Internationale Gartenschau (igs) in Wilhelmsburg ziehen dicke Wolken am Horizont auf. Der Veranstaltung droht ein Verlust von 25,95 Millionen Euro. Diese Zahl hat der Bund der Steuerzahler ermittelt für den Fall, dass bis zum Ende der Gartenschau am 13. Oktober weiter so hinter den erwarteten Besucherzahlen zurück bleibt. Wie abendblatt.de berichtet hat, kommen zurzeit täglich nur etwa 7219 Besucher, 15.000 müssten es sein, damit die Schau sich rechnet. Selbst bei einer Steigerung der Besucherzahlen auf drei Viertel der prognostizierten Besucherzahl, bliebe laut Steuerzahlerbund ein Defizit von 11,44 Millionen Euro. Und das müsste die Stadt, also der Steuerzahler ausgleichen.
(HH Abla 18.07.13)
Mit Bäumen haben die Konservativen oft ihre Probleme und lassen gerne alles abhacken.
Das ist wohl ihre Auslegung der biblischen Maxime „Macht euch die Erde untertan“.
300 Jahre alter Regenwald wegen Papstbesuch gefällt.

In Brasilien gehen die Wogen hoch, nachdem bekannt geworden ist, dass für den Papstbesuch in diesem Monat Teile eines dreihundert Jahre alten Regenwaldes abgeholzt wurden. Die Verantwortlichen der katholischen Kirche rechtfertigen sich mit der Begründung, Platz für die vielen Pilger zu benötigen, doch nicht nur die Behörden des Landes bezeichneten die Aktion als "kriminell".

[…] 334 Bäume am Rande des Nationalparks Serra da Tiririca, einer Gegend im Besitz der Kirche, seien der Aktion zum Opfer gefallen, berichtete der Vizebürgermeister Niterois, Axel Grael, gegenüber der Zeitung "O Globo". Um Erlaubnis habe die katholische Kirche dabei aber nicht gefragt. "Der Vorfall ist bedauernswert", so Grael. "Eine Veranstaltung für die Jugend sollte pädagogisch wertvoll sein und eine Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Zukunft demonstrieren. Diese Abholzung ist ein krimineller Akt."

[…] Es ist bereits der zweite Streit dieser Art rund um den Papstbesuch: Erst vor Kurzem sollten in Rio de Janeiro elf Kokosnusspalmen wegen einer Messe von Papst Franziskus gefällt werden. Nach einem öffentlichen Aufschrei wurde die Erlaubnis hierfür allerdings rückgängig gemacht.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Trostpflaster



CDU und CSU sind offensichtlich immun gegen Realität und moralische Ansprüche.
Für mich ist das natürlich extrem frustrierend. Zeigt sich doch an den Wahlabsichten der Deutschen, daß Aufdeckung und Entlarvung der Machenschaften des rechten politischen Lagers nutzlose Unterfangen sind.

Glücklicherweise funktioniert Aufklärung auf einem anderen Schauplatz deutlich besser.
Nämlich bei den Religiösen.
Ihre Führer sind genauso doppelmoralisch wie die CDU-Führer, aber den Kirchen nimmt man es durchaus noch übel, wenn sie beim Mauscheln mit Geldern oder dem Vertuschen von Kinderfickerfällen ertappt werden.

Zum Beispiel im Bistum Augsburg, Mixas ehemaliger Großdiözese.
Im Juni 2013 hatte Bischof Konrad Zdarsa still und heimlich Pfarrer Thomas Schilling von der Pfarreiengemeinschaft Unterthürheim auf dessen Wunsch „beurlaubt.“
Daß Schilling sich an Messdienerchen vergriffen haben soll, führt mal wieder zu Solidarisierungen mit ihm. Wie immer steht die Kirchenleitung voller Empathie zu dem Täter; hat aber für die Opfer kein Wort des Bedauerns übrig.
Der Pfarrgemeinderatsvorsitzender von Maria Hilf (Unterthürheim), Karl-Heinz Deisenhofer, will dem beurlaubten Pfarrer Unterstützung anbieten, damit der Geistliche „nicht alleine dastehe“. Mit der Sache sei er nicht glücklich. „Ein Mensch, der einem solchen Vorwurf ausgesetzt ist, ist schnell abgestempelt.“

Für Anna Cordes, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Oberthürheim, ist die Situation „extrem überraschend“. „Wir, in Oberthürheim, können nur sagen, dass wir uns diesen Vorwurf nicht in Verbindung mit der Persönlichkeit unseres Pfarrers vorstellen können“, erklärt sie. „Es passt unserer Meinung nach einfach nicht zu ihm.“
Für den Bischof offenbart sich aber mit jedem abgängigen Pfaff die Schwäche seiner Kirche. Sowohl Kirchgänger, als auch Pastoren sind absolute Mangelware. Selbst im frommen Bayern haben mehr und mehr Bürger die Nase voll von den organisierten Religioten.
Es werden systematisch eigenständige Kirchengemeinden geschlossen und zu großen Bet-Konglomeraten zusammengefasst, welche dann mit einem Mietpfaff aus Osteuropa, Asien oder Afrika besetzt werden.
Ab September legt das Bistum Augsburg die beiden [Pfarreiengemeinschaften Unterthürheim und Buttenwiesen…] zusammen. Sie firmieren fortan unter der Bezeichnung Pfarreiengemeinschaft Buttenwiesen. Sie beinhaltet dann die Pfarreien Buttenwiesen, Frauenstetten mit Vorder- und Hinterried, Lauterbach, Wortelstetten mit Neuweiler, Ober- und Unterthürheim sowie Pfaffenhofen. Bischof Konrad Zdarsa reagiert mit der Pastoralen Raumordnung auf den bestehenden Priestermangel, den Glaubensschwund und den vermehrten Kirchenaustritt der Gläubigen. […]   Der Wegfall des Wortgottesdienstes am Sonntag und an Feiertagen wird dort heftig moniert. Er sei ein wichtiges und identitätsstiftendes Element vor allem der Kirchen auf dem Land. Die Hoffnung, dass sich auch ältere und gebrechliche Menschen problemlos an einen zentralen Ort zur Eucharistiefeier begeben, widerspreche eindeutig die bisherige Erfahrung, so das Urteil der Hinterfrager der Diözese. […] Pater Soni Abraham Plathottam setzt, wie zu hören ist, auf Gemeinsamkeit und Teamgeist. Der Karmelitenpater ist für die neugeordnete Pfarreiengemeinschaft Buttenwiesen ab 1. September zuständig. Der aus Indien stammende Geistliche kam 1999 nach Deutschland, leitete ab 2004 in Kenia eine Pfarrei und kehrte 2008 wieder in unser Land zurück. […]
Die Pfarreien Ober- und Unterthürheim haben in diesem Kontext bereits Konsequenzen gezogen. Sie verzichten heuer auf ihre Pfarrfeste. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Oberthürheim, Anna Cordes, meinte gegenüber unserer Zeitung, dass zum Feiern derzeit die Motivation fehle.
In Berlin, wo die frommen Merkel, Nahles, Thierse und Schavan wirken, schreckt ihre Religiosität massiv ab.
Den Glaubensgemeinschaften in Berlin laufen offenbar massenhaft die Schäfchen davon.

In diesem Jahr sind allein in den ersten drei Monaten 4046 Berliner aus der Kirche ausgetreten. 2012 waren es laut Senat 12.206. Experten rechnen damit, dass 2013 so viele Berliner wie nie ihrer Religionsgemeinschaft den Rücken kehren.

Die meisten Austritte zählt die evangelische Kirche (2382) vor der römisch-katholischen (1617). Vor allem in den Amtsgerichten Tempelhof-Kreuzberg (738), Mitte (617) und Schöneberg (588) gehen Anträge ein. Für den Anstieg bei den Kirchenaustritten machen Gerichtsmitarbeiter die geplanten Gebühren für Kirchenaustritte verantwortlich.

Künftig sind 30 Euro fällig. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt im Abgeordnetenhaus.
In Finnland jagt eine ultrafundamentalistische Ministerin die Gläubigen aus der Kirche.
Hardcore-Protestanten in Finnland.

Päivi Räsänen zieht wieder gegen Homos, Abtreibungen und „lustbetonten“ Lebensstil zu Felde. […] Päivi Räsänen dürfte das teuerste Mitglied der finnischen protestantischen Kirche sein. Die 53-jährige Innenministerin, zuständig auch für Kirchenfragen, hat in der vergangenen Woche für eine neue Welle von Kirchenaustritten gesorgt. Und damit jährliche Kirchensteuerverluste für die evangelisch-lutherische Kirche in Höhe von mehreren hunderttausend Euro verursacht.

Schon vor drei Jahren führten Räsänens Äußerungen in einer Talkshow dazu, dass binnen zehn Tagen so viel FinnInnen ihren Kirchenaustritt erklärten wie sonst in einem ganzen Jahr: 34.000. Der Verlust der Kirchensteuereinnahmen pro Jahr beläuft sich auf 8 Millionen Euro. Räsänen hatte damals Homosexualität als Sünde und gleichgeschlechtliche Paare als „schlechtere Eltern“ bezeichnet; jetzt proklamierte sie, die Lehren der Bibel stünden über der weltlichen Gesetzgebung.
 (R. Wolff, taz, 14.07.13)
Viele finnische Kirchenmitglieder traten aus der Kirche aus. Allein am vergangenen Donnerstag waren es rund 2.500 Personen. Laut der Internetseite eroakirkosta.fi treten im Juli normalerweise täglich rund 70 Mitglieder aus.

[…] Räsänen sagte, sie werde aber zur ihrem Wort stehen, und weiterhin die Ministerverantwortungen für Kirchenfragen behalten, für die sie als Innenministerin zuständig ist. […]  Die Kirche selbst distanzierte sich von Räsänens Äußerungen. […] Die Bischöfin in Helsinki, Irja Askola, sei „traurig und etwas verärgert“: „Es ist uns nicht gelungen, die Botschaft rüber zubringen, dass die Kirche etwas anderes ist als diese einzelnen Aussagen.“
(pro 16.07.13)