Mittwoch, 14. November 2012

Kleine Freuden.



Nichts ist ideal.

Ich schimpfe auf die SPD, bin aber Parteimitglied.
Ich meckere am SPIEGEL rum, behalte aber mein Abo.
Ich verdamme die Religiösität der ZEIT, lese sie aber weiterhin.
Ich verachte viele Aspekte der Obama-Politik, wollte aber unbedingt, daß er wiedergewählt wird.
Ich bekomme jeden Morgen das „Hamburger Abendblatt“ von SPRINGER, obwohl ich fast alle Artikel ungelesen wegschmeiße.

Ich tue das alles, weil es entweder gar keine, oder nur viel schlechtere Alternativen gibt.

Es macht doch noch einen großen Unterschied, ob die SPD oder die CDU die Regierung stellt, auch wenn einige auf Sozialtransfers Fixierte wegen Hartz IV behaupten, das sei alles eine Soße.
Das ist eine These, die ich vehement ablehne.

Außer der Höhe des Hartz-IV-Satzes gibt es noch einige andere wichtige Dinge, für die auch die Integrität und der Anstand der handelnden Politiker entscheidend sind.
Schwarzgelb läßt sich dabei vorzugsweise kaufen und weiß eben nicht mehr was Anstand ist.

Es gibt Dinge, die vielleicht ökonomisch opportun sind, für die aber gilt „das tut man nicht!“
Dazu zählt der Export von dementen Omen und Open nach Osteuropa, Waffenverkauf in Krisengebiete und Shareholder-Value auf dem Rücken von Billigarbeitern.
Angela Merkel ist die Aufrüstungskanzlerin
„2011 hat die Bundesregierung so viele Rüstungsexporte wie noch nie zuvor genehmigt, im Gesamtwert von 10,8 Milliarden Euro. Angela Merkel ist die Aufrüstungskanzlerin. Seitdem sie regiert, ob nun mit FDP oder SPD, bricht sie alle Rekorde bei den Waffenexporten. Im Durchschnitt wurden in jedem ihrer Regierungsjahre Exportgenehmigungen im Wert von über 8 Milliarden Euro erteilt“, kritisiert Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des Kabinettsbeschlusses über den Rüstungsexportbericht 2011. „Dieses Geschäft mit dem Tod geschieht praktisch ohne jede parlamentarische Kontrolle, von der Möglichkeit eines Eingreifens des Souveräns ganz zu schweigen.“ Van Aken weiter:
„Deutschlands Beitrag zum Arabischen Frühling sind Waffen, Waffen, und noch mehr Waffen: Unter den Top 20 der Empfänger deutscher Rüstungsgüter sind gleich fünf Länder aus Nordafrika/Naher Osten: VAE (Platz 3), Irak (6), Algerien (8), Saudi-Arabien (12), Ägypten (18).

Es ist unchristlich, die Welt so hemmungslos aufzurüsten. Wer Waffen in Krisengebiete und an Diktaturen verkauft, macht sich mitschuldig an Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und vielen Kriegstoten. Diese Regierung möge vor Scham im Boden versinken, wenn sie auch nur noch einmal von Abrüstung oder Menschenrechten spricht.
Wie wenig Beschränkungen es bei den Waffenexporten gibt, zeigt sich übrigens an der Zahl der Ablehnungen: Gerade mal 0,005 Prozent der Anträge (105 von 17.586) wurden nicht genehmigt.
DIE LINKE fordert, dass Deutschland nach japanischem Vorbild Waffenexporte generell unterlässt. Als erster Schritt dazu muss sofort jeder Export von Waffenfabriken und Kleinwaffen grundsätzlich verboten werden.“

(Jan van Aken, PM Linke Bundestagsfraktion 14.11.12)

Genehmigungen für Rüstungsexporte wachsen  explosionsartig
Der Anstieg der Rüstungsexportgenehmigungen durch die Bundesregierung  verdeutlicht einmal mehr, dass die sogenannte „Merkel-Doktrin“ offenbar ihre Wirkung entfaltet. […] Damit zeigt sich, dass die schwarz-gelbe Koalition den Export von  Rüstungsgütern offensichtlich als ganz normales Instrument zur Gestaltung  ihrer Außen- und Sicherheitspolitik betrachtet. Bedenken hinsichtlich einer  instabilen Sicherheitslage oder Verletzungen von Menschenrechten werden immer  weiter in den Hintergrund gedrängt.
Es wird höchste Zeit, dass die Rüstungsexportrichtlinien, die die Genehmigung von Rüstungsexporten an klare Vorgaben knüpfen, endlich wieder Beachtung finden. Schwarz-Gelb hat diese Richtlinien trotz verbaler Lippenbekenntnisse seit 2009 kontinuierlich missachtet und die  Öffentlichkeit getäuscht. Ob Panzergeschäfte mit Saudi-Arabien oder  Indonesien: Die Hemmschwelle für solche höchst fragwürdigen Geschäfte   wurde immer weiter herabgesenkt.
(SPD-PM Nr: 1256 vom 14.11.12)

Leitlinie der Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung bleibt: Alles, was die Bundeswehr im Inland weniger bestellt, wird von Schwarz-Gelb sofort auf den globalen Waffenmarkt geworfen. Die Kanzlerin und ihr Kabinett genehmigen nicht nur fragwürdige Geschäfte. Schlimmer: Indem sie die Verträge großzügig mit Bürgschaften absichern, nehmen sie den Firmen auch noch das reguläre wirtschaftliche Risiko ab.
Es ist schon traurige Tradition: Die Bundesregierung hält die Informationen über ihre Rüstungsexportpolitik solange wie möglich zurück, da sie ihr selbst offensichtlich unangenehm ist. Frau Merkel versucht ihre lockere Genehmigungspraxis neuerdings mit diffusen sicherheitspolitischen Erwägungen zu rechtfertigen, dahinter stecken aber nur die Beharrungstendenzen der Rüstungsindustrie. "Mehr Klarheit, mehr Wahrheit" sollte die Devise sein. Wir brauchen endlich transparente Verfahren, die die Bundesregierung veranlassen, ihre Entscheidungen öffentlich zu begründen und parlamentarische Kontrolle zu ermöglichen. Und zwar nicht erst Monate nachdem diese Entscheidungen getroffen wurden. Nur so kann eine restriktive Exportpolitik, wie sie eigentlich in den Richtlinien der Bundesregierung angelegt ist, wirklich durchgesetzt werden.
(Katja Keul, Grüne PM 0994 vom 14.11.12)
Wer über Rudimente von Anstand verfügt, weiß daß eine einigermaßen moralisch agierende Bundesregierung nicht so handelt.

Jakob Augstein hat dazu anlässlich des Grünen Durchmarsches in Stuttgart (und BW) ein paar treffende Sätze formuliert.
Die Grünen sind für die Moderne zuständig, die CDU für das Ressentiment. Darum siegt die Öko-Partei in Stuttgart. Und die Union führt Wahlkampf auf dem Rücken von Asylbewerbern.
Die Nächte sind jetzt kalt. Aber die Berliner Polizei ist noch kälter: Sie hat den Asylbewerbern, die seit Tagen vor dem Brandenburger Tor ausharren, die Decken weggenommen. Nach Polizeiangaben verstoße der "Einsatz von Übernachtungs-Utensilien" gegen geltendes Recht. So geht eine CDU-geführte Behörde gegen die Ärmsten der Armen vor. Das passt. Gleichzeitig hat Merkels Innenminister Friedrich den Kampf gegen angeblichen Asylmissbrauch entdeckt. Er will Sinti und Roma daran hindern, nach Deutschland zu flüchten. Trotz allen Geredes von der modernisierten Union: CDU und CSU sind immer noch die Parteien des Ressentiments.
[…] Die Grüne Claudia Roth musste nicht übertreiben, als sie am Wochenende sagte: "Zur Union fällt mir Mappus ein, fallen mir Plagiate ein, fällt mir die Art und Weise ein, wie sie mit Griechenland in der Euro-Krise umgehen. Das ist alles andere als bürgerlich und anständig." Das ist das Problem der Union: Vom Plagiator Guttenberg über den Schnäppchenjäger Wulff bis zum Innenminister Friedrich, der seinen Wahlkampf auf dem Rücken von Sinti und Roma führen will, hat die Union vergessen, was sich gehört.
Stichwort Antiziganismus.

Rund 500.000 „Zigeuner“ sind von Deutschen bis 1945 in Konzentrationslagern umgebracht worden.
 Es waren Opfer zweiter Klasse, die genau wie Deserteure und Schwule vielfach bis heute keinerlei Entschuldigung oder Anerkennung erhalten haben. 
Es dauerte fast 70 Jahre bis sich Deutschland bequemte der halben Million umgebrachter Sinti und Roma ein Mahnmal zu errichten.
Erst 1982 sprach der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Sinti und Roma den Opferstatus zu, fast vierzig Jahre nach Kriegsende.  [….] Das Allensbacher Institut [ermittelte]: 68 Prozent aller Deutschen lehnen es ab, neben einer Zigeunerfamilie zu wohnen. Weil sie fürchten, bestohlen zu werden; weil sie glauben, dass von Zigeunern eine irgendwie ungute Schwingung ausgeht. Vielleicht auch, weil den Deutschen trotz Zigeunerbraten, Zigeunersoße und Zigeunerbaronen kein Volk so fremd vorkommt wie das der Sinti und Roma. 'Wir sind die Minderheit, die die größte Xenophobie auf sich zieht', sagt [der Vorsitzende des Landesverbands der Sinti und Roma in Baden-Württemberg]  Daniel Strauß, 'der gesellschaftliche Antiziganismus ist nach wie vor salonfähig.'
(SZ 24.05.12)
 Während die immer noch wenigen Juden in Deutschland (genaue Zahlen kennt man nicht, vermutlich leben aber wieder rund 200.000 Juden hier) öffentlich willkommen geheißen werden, empfinden die meisten Deutschen für die gerade mal 70.000 Sinti und Roma in Deutschland bestenfalls nur Desinteresse.
 CDU- und CSU-Politiker reißen sogar öffentlich ihr Maul auf und orakeln darüber, wie man diese Menschen schnellstmöglich wieder nach Ungarn oder Rumänien abschieben könnte.
 Bloß wieder raus aus Deutschland.
Es sind wirklich Opfer zweiter Klasse. 
Man stelle sich vor Herr Friedrich würde laut darüber nörgeln, daß schon wieder viel zu viele Israelis in Deutschland lebten und die sollten doch mal „in ihr Heimatland“ zurück gehen.
Dann wäre aber was los. 

Mit Sinti und Roma kann man es machen und kein Bischof, keine christliche Kanzlerin empört sich.

Und dann stellt sich aber doch heraus, daß es einen Unterschied macht, welche Partei man wählt. Seit die Bürger Schleswig-Holsteins im Mai dieses Jahres CDU und FDP auf die Oppositionsbank geschickt haben, geht es doch etwas anständiger zu im hohen Norden der Republik.
Die etwa 5000 Sinti und Roma Schleswig-Holsteins werden jetzt genau wie die dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe verfassungsrechtlich geschützt und gefördert. 

Rot, Grün und SSW sei Dank.
Es geht dabei um, wie Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagt, 'sieben kleine Worte, die eine große Wirkung haben würden'. Es sind sieben Worte, die in Artikel 5 der Landesverfassung von Schleswig-Holstein aufgenommen werden und garantieren sollen, dass auch 'die Minderheit der deutschen Sinti und Roma' Anspruch auf Schutz und Förderung hat. […]
Die Aufnahme in die Landesverfassung aber wäre ein einmaliger Schritt. 'Es bedeutet uns sehr viel', sagt Verbandschef Weiß. Es sei ein Symbol, das mehr Sicherheit geben werde. Seit dem 15. Jahrhunderts leben Angehörige der Minderheit im Norden, wurden aber immer wieder ausgegrenzt und verfolgt. In der NS-Zeit starben etwa 400 Angehörige der Minderheit aus dem Land in Vernichtungslagern.
Für die Verfassungsänderung wird im Landtag eine Zweidrittel-Mehrheit gebraucht, in früheren Legislaturperioden scheiterte das Vorhaben an der CDU. Sie begründete ihre Ablehnung stets damit, dass die Sinti und Roma - anders als Dänen und Friesen - keine landesspezifische Minderheit sei. Diesmal reichen die Stimmen von SPD, SSW, Grünen, FDP und Piraten.
 Das war der CDU dann doch heute zu peinlich als antiziganistische beleidigte Leberwurst aufzufallen und so stimmte sie lieber mit den anderen Parteien.

 Die Verfassungsänderung kam heute einstimmig zustande.
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sprach von einem historischen Beschluss. "Die Sinti und Roma leben seit mehr als sechs Jahrhunderten in Schleswig-Holstein und gehören zu diesem Land wie Deutsche, Dänen und Friesen." Es sei ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung, dass sich dies jetzt auch in der Landesverfassung widerspiegele, sagte Albig.
Auch die Minderheitenbeauftragte Renate Schnack (SPD) begrüßte die Geschlossenheit des Parlaments bei der Abstimmung. Sie verwies darauf, dass der heutige Beschluss des Landtages europaweit beachtet werde: "Die lange verwehrte Anerkennung der Sinti und Roma war ein Fleck auf der weißen Weste unseres Landes. Seit heute kann Schleswig-Holstein wieder zu Recht für sich in Anspruch nehmen, eine faire und international vorbildliche Minderheitenpolitik zu führen."
(NDR 14.11.12)

Dienstag, 13. November 2012

Australien Pervers


Twittern ist schon ein nützlicher Informationsweg, wenn ein Mensch, der wirklich was zu sagen hat, damit viele andere Menschen auf einmal erreichen will.
 Blöd ist natürlich, daß sich auch und gerade die Hohlbratzen und Vakuumköppe bemüßigt sehen ihre unterbelichteten Ungeistesblitze zu verbreiten.
Doofsein ist ja prinzipiell OK, aber wenn man seine Doofheit jedem auf die Nase bindet, kann es leicht peinlich werden.
 So erging es just der 18-Jährigen Republikaner-Aktivistin Kristin Neel aus Georgia.

Sie fühlte sich offenbar ziemlich unwohl mit der Wiederwahl Obamas und tweetete nun auf der Stelle auswandern zu wollen.
"I'm moving to Australia, because their president is a Christian
 and actually supports what he says''
(@KristenNeel_ 07.11.12)
 Die atheistische Premierministerin Julia Gillard war über diese Aussage vermutlich genauso verwundert, wie das Staatsoberhaupt Queen Elisabeth II; die ebenfalls wenig männlich ist.

Die Antworten hagelten tausendfach zurück, bis die Romney-Anhängerin mit dem Erbsenhirn ihren Account löschte.


our "president" is a prime minister, is a woman, and is an atheist. I think you meant Antarctica. Move there.

Not one word of that sentence is true. I'm not even angry, I'm impressed.

Our prime minister is a woman, an atheist who lives with a man she hasn't married. I don't think you'd like it here.
Nun wissen wir einmal mehr wes Geistes Kind die Romney-Wähler sind und PM Gillard hatte was zu lachen.
Ansonsten ist ihr Job zur Zeit nicht gerade lustig.

Just setzte sie eine „Königliche Kommission“ (Royal Commission) ein, die es sehr selten in Australien gibt, die aber über enorme Befugnisse verfügt, wenn es darum geht schwere Skandale zu untersuchen.

Es kann also, wie sollte es anders sein, nur um eine Kirchliche Perversion gehen.

In diesem Fall um die grauenerregenden Folter- und Missbrauchsfälle, die sich die Australische Katholische Kirche zu Schulden kommen lassen hatte.
Die in vergangener Zeit bekannt gewordenen Vorwürfe seien herzzerreißend, sagte Gillard. 'Das sind widerliche, üble Akte, denen kein Kind ausgesetzt sein sollte.' Mit der Einsetzung der Kommission reagierte die Premierministerin auf den zunehmenden öffentlichen Druck, nachdem immer neue Vorwürfe über die Vertuschung von Missbrauchsfällen laut geworden waren.
(SZ 13. November 2012)
 Erst vor wenigen Wochen, also zehn Jahre nach dem Hochkochen des myriadenfachen Kindesmissbrauchs in den USA und Jahre nachdem Ratzi verprach, diese Dinge aufzuklären, hatte auch die Australische RKK zugegeben, dass seit den 30er Jahren in Australien über 600 Kinder von Priestern missbraucht wurden.
 Einzelne Bundesstaaten haben bereits Untersuchungskommission eingesetzt.
In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria gibt es eigne Kommissionen.
Die Leitung der RKK-Australien hatte bisher eher für die Täter gebetet und versteht gar nicht recht, daß diese atheistische Premierministerin nun auf einmal so einen Wirbel macht.
"There have been too many revelations of adults who have averted their eyes from this evil," [Gillard] said.
[…]   "This is a Royal Commission which will be looking across religious organizations as well as state-based care and the not-for-profit sector. It is not targeted at any one section or religion," she said.
However, the only religious leader Gillard consulted after she decided on the Royal Commission was the Catholic Archbishop, Cardinal George Pell.
A divisive figure, Cardinal Pell defended himself and his church against claims last week of systemic cover-ups by the church hierarchy.
As calls for a national inquiry grew louder in the wake of explosive claims by a senior police officer that the church was complicit in the crimes by moving offending priests and destroying crucial evidence to stymie prosecutions, Cardinal Pell said the Catholic Church was being disproportionately targeted.
"We have to answer up for what we've done," Cardinal Pell told his congregation on the weekend.
"But any suggestion that we are the only culprit or only community producing culprits is entirely misleading," he preached.
But others disagree.    "This is really an inquiry into the Catholic Church and the cover-up," Foster told CNN.   "It's all the revelations of abuse in the church that brought this to a head. We know there is other sexual abuse, but this has come about because of rampant sexual abuse by Catholic Church clergy," he said.
For Pat Feenan and her son Daniel, the Royal Commission is most certainly about the sins of the Catholic Church and what he sees as the lack of compassion shown to its victims.
"We went through the whole trial with no support from the church," she told CNN.
"The priests supported Fletcher, to see how he was, to pray with him. We were in the same courthouse, and no one came near us. The church community were not encouraged to be mindful of the victim. There were prayers for the priests and not for the victim. That's not fair," she said.
 Die Premierministerin mußte durchgreifen, weil Ratzis Kirche ganz offensichtlich bis heute nicht einsieht, daß ihre Priester sich nicht an kleinen Kindern vergreifen dürfen. 
Allein im kleinen Canberra haben sich bisher 100 von Priestern geprügelte und gefickte Männer bei den Behörden gemeldet.
More than 100 Canberra men have come forward saying they were abused while at school at two Canberra Catholic colleges between the 1970s and 1990s.
Lawyers acting for the victims say the national royal commission announced by the Prime Minister on Monday was the only acceptable response to the legacy of institutional sexual abuse.
[…] ''It has to be done on a national basis because the Catholic orders transferred their paedophiles all around Australia through jurisdictions so they could avoid or stymie police inquiries,'' [Opfer-Anwalt Jason Parkinson] said.
[…] Mr Parkinson, a former policeman, said references to offending as ''historical'' was cruel and demeaning to victims.
''What really annoys me is when I hear these cases referred to as 'historical' because the fact is that I'm dealing every day with people who are referred to as historical,'' Mr Parkinson said.
''They're now in their 40s, 50s and 60s, there's no one older because they don't live that long after they've been sexually abused.
Unterdessen muss sich in Melbourne der Katholische Priester David Edwin Rapson vor Gericht dafür verantworten am Salesian College Rupertswood in Sunbury mindestens zwölf Jungs unter 16 Jahren missbraucht zu haben. 
Rapson und weitere Angeklagte sind dabei keineswegs unbeschriebene Blätter. 
Sie waren allesamt bereits wegen sexueller Übergriffe auf kleine Jungs aufgefallen und von ihrer Kirche „versetzt“ worden, um ihnen stets neues Frischfleisch zuzuführen.
Rapson had been a teacher and vice-principal at Rupertswood.
Prosecutor Anne Hassan told the court the charges against Rapson involved seven complainants who had been aged in their early to mid-teens at the time of the alleged abuse.  Ms Hassan said identity was not an issue as the complainants ''clearly identify him as the perpetrator''. She told magistrate Greg McNamara she didn't oppose Rapson's defence lawyer, Brad Newton, asking witnesses if they had been abused by other priests at Rupertswood.
Mr Newton said he had subpoenaed Victoria Police for copies of the files on three other former priests at Rupertswood - Father Julian Fox, Father Frank Klep and Father Michael Aulsebrook.
He criticised police for failing to respond to the subpoena relating to Father Fox.
[…] Fox is the former college principal accused of abusing students during the 1970s and '80s. He has been banned from contact with children by the Salesians and now works for the order's head office in Rome, 10 kilometres from the Vatican.
Kelp is a former college principal who was moved by the Salesians to Samoa in 1998 just before he was to face court on five charges of indecent assault, having served nine months (doing community work) in 1994. He returned to Australia in 2004 and was jailed in 2006 for five years and 10 months.
Father Aulsebrook was boarding master at Rupertswood in the early 1990s and later stood down as principal at the Salesians' St Mark's College in South Australia. He was sentenced in 2011 to two years' jail with 15 months suspended after pleading guilty to assaulting a 12-year-old victim five times.
 Australiens oberster Katholik, Schorsch Kardinal Pell von Sydney hatte schon zu Ratzis Besuch im Jahr 2008 alles dafür getan die Kinderfickerfälle unter den Teppich zu kehren. Und nun tut er so, als sei ihm das alles neu.
 „On Tuesday continued to describe the instances of child sex abuse as "historic"
Der katholische Psychologe Andrew Fuller lobt unterdessen die vielen „terrific“ katholischen Schulen des Landes und befürchtet, daß nun einige der durchgefickten Opfer den Glauben verlieren könnten. Insofern gefiele ihm Gillards königliche Kommission gar nicht.
Mr Fuller said a royal commission would be difficult for Catholics generally because it could lead to a crisis of faith.
"I imagine many Catholics might lose faith over what they hear. It is sad, but it is not a reason for people to lose what they believe in. For people who are religious, [religion] is often part of who they are."
 Damit die lieben Schäfchen nicht den Glauben verlieren, hatten Australiens Oberkatholiken auch Missbräuche besser nicht der Polizei gemeldet.
Was stören schon ein paar Hundert oder tausend kollabierte Kinderseelen, wenn es um das Renommee der katholischen Kirche geht? 
Außerdem sei das Beichtgeheimnis allemal wichtiger als ein paar gerissene Schließmuskel kleiner Jungs.
NSW Premier Barry O'Farrell has become emotional telling parliament that he doesn't understand how Catholic priests who admit to paedophilia in confession aren't reported to police.
[…] "I heard Cardinal Pell today indicate that the bonds of the confessional remain intact," an emotional Mr O'Farrell told question time.
"And I understand that as a Catholic, not a particularly good Catholic, that that is an important sacrament within my church.
"But I struggle to understand that if a priest confesses to another priest that he has been involved in paedophile activities, that that information should not be brought to police."
Cardinal Pell said priests should avoid hearing confession from colleagues suspected of committing child sex abuse to avoid being bound by the Seal of Confession.
 Und dann diese blöden weltlichen Gerichte!

Sind die nicht eh immer irgendwie voreingenommen gegenüber Patern, nur weil diese ihr Kribbeln im Genital-urologischen Bereich gerne mal von ihnen anvertrauten Kinderchen behandeln lassen?
A BROTHER at a Sydney Catholic school has become the latest member of the Church charged with child molestation.
Patrician Brothers College Blacktown Brother Martin Harmata did not appear in Wyong Court this morning after being arrested on the NSW Central Coast yesterday evening.   The 59-year-old allegedly molested two boys aged 12 and 13 in his care during the late 1980s.   […] Harmata, whose address on court documents is still listed as the Patrician Brother College, did not appear after being refused bail on five counts of indecent assault on a child under 16 and one count of committing an indecent act on a child under 16.

Wer immer noch nicht genug hat, kann hier weiterlesen:














http://www.smh.com.au/opinion/politics/eyes-are-averted-to-indigenous-abuse-20121113-29adw.html

Montag, 12. November 2012

Sehr tief gesunken!

Früher war alles besser!
Habe ich das schon mal gesagt?



Zurück beamen lassen würde ich mich aber trotzdem nicht, da ich damals zwar schöner und fitter war, aber noch nicht so schlau.
Das ist das Elend - wenn man jung ist, ist man auch noch zu verblödet, um zu begreifen welches Privileg es ist, gut gucken zu können, den Haarwuchs an den richtigen Körperpartien konzentriert zu finden, über elastische Gelenke zu verfügen, sowie Alkohol, Schlafmangel und nervende Geräuschkulissen locker wegzustecken.
Jugend ist eine wunderbare Sache - nur schade, daß sie an Kinder verschwendet wird!
(frei nach Peter Ustinov)
 Cool war auch mal mein SPIEGEL-Abo, das ich schon als Teenager bekam, weil es schon zu lange immer am Montag Streit gab, wer als erstes das Heft zu fassen bekam.

SPIEGEL zu lesen war erstens ungeheuer spannend, zweitens lehrreich und drittens auch noch von praktischem Nutzen. In der Schule bekam ich in den Fächern Gemeinschaftskunde und Politik schon automatisch mindestens 13 Punkte, weil ich immer bestens up to date war.

Später an der Uni war es eher ein gegenteiliger Effekt, weil ich meine Vorbereitungen für Seminare und Kolloquien immer so getimed hatte, daß ich noch vorher im Bus schnell die wichtigsten Dinge nachlas. Das kam mir dann aber immer so langweilig vor; verglichen zum SPIEGEL, den ich sattdessen regelrecht aufsaugte.

Besonders heiß war man im Familien-internen Wettstreit immer darauf als erster den Lach-Artikel zu finden. 
In jeder Ausgabe war damals eine völlig normale Geschichte zu einem auf den ersten Blick unauffälligen Thema, bei dem der Autor aber solche Formulierungskünste losließ, daß man laut lachen mußte.
Im prädigitalen Zeitalter erforderte dies natürlich auch regelmäßig zum Copy-shop zu gehen, um die besten SPIEGEL-Artikel mehrfach zu kopieren und weiter zu geben. 
Noch heute habe ich zwei dicke Leitz-Ordner mit SPIEGEL-Kuriosa.

Erich Böhme war allerdings ein bißchen sehr lang Chefredakteur; 1973-1989.
Seine Nachfolger Hans Werner Kilz und Wolfgang Kaden transformierten das Blatt gruseligerweise bis zum Beginn der Ära Aust (1994-2008) immer mehr in Richtung Boulevard.
Der Start von Burdas Konkurrenzblatt „Focus“ (Januar 1993) verstärkte den SPIEGEL-Trend zu immer kürzeren und bunteren Artikeln. 
Die Sprachkunst wurde langsam, aber kontinuierlich aus dem Blatt gedrängt.

Das Internet spielte noch keine Rolle, aber die Vormachtstellung als einziges investigatives Blatt bröckelte. Tatsächlich hatten außer ein paar TV-Politmagazinen und in Abstrichen der STERN ganz allein SPIEGEL-Redakteure sämtliche Politskandale aufgedeckt.
Langsam aber wurden die Tageszeitungen besser, bissiger und aktiver. 
Heute koordiniert das beste Politmagazin Deutschlands, PANORAMA, große und aufwändige Recherchen eher mit der „Süddeutschen Zeitung“, während sich der SPIEGEL auf bizarre Allianzen mit Springer oder der FAZ einläßt.
 Der 2002 verstorbene Rudolf Augstein, mit Sicherheit einer der intelligentesten und gebildetsten Bürger Nachkriegsdeutschlands, hat zum Glück nicht mehr mitbekommen, wie sehr der vollkommen auf neoliberal getrimmte Gabor-Steingart-SPIEGEL ab ca 2001 begann, massiv Rot/Grün zu demontieren und in Allianz mit Westerwelle-Fan Hans Ulrich Jörges vom STERN ihre schwarzgelbe Wunschkoalition herbei zu schreiben. 
Seit an Seit mit der BILD und Springer focht der SPIEGEL später wider die Rechtschreibreform.

Ein Elend.

Stefan Aust, ebenfalls einer der intelligenteren Journalisten, erkannte immerhin, daß mit Anbiederung an die Leser der BUNTEn kein Blumentopf zu gewinnen sei, entbuntete das Blatt wieder und setzte auf gut recherchierte Geschichten. 
Die Ressourcen hatte der SPIEGEL. Man war reich, personell gut besetzt und verfügte über das legendäre SPIEGEL-Archiv mit einer Hundertschaft professioneller Dokumententare, die jede Information akribisch checkten.
Vermutlich wollte Augstein genau das von Aust, der in der Redaktion zwar unbeliebt, aber anerkannt war. 
Außerdem hatte er das Plazet Augsteins, den jeder SPIEGEL-Redakteur wie einen Gott verehrte.

Allerdings driftete Stefan Aust inhaltlich mehr und mehr auf Abwege. 
Er ließ beispielsweise lange Geschichten wider sie Windkraft schreiben, weil er sich persönlich von einem Windrad neben seinem Gestüt genervt fühlte. 
Und er verbiss sich in persönliche Animositäten. Gefühlte 37.000 mal mußte man im SPIEGEL Spekulationen lesen, ob nicht Manfred Stolpe doch vor 30 Jahren einmal fünf Minuten mit der Stati gesprochen habe. Ähnliches galt für Gregor Gysi, den Aust hasst.
Und er ließ Steingarts Merkel-Westerwelle-Jubelarien geschehen, obwohl dies nicht nur zu Empörung der Alt-Abonnenten, sondern auch zu einem Redakteurs-Exodus führte.

Neben Steingart und Aust war der größte SPIEGEL-interne Problemfall eindeutig Matthias Matussek, 58. 
Der Leiter verschiedener Korrespondentenbüros des SPIEGEL übernahm 2005 den Chefsessel des Kulturressorts und machte sich dort so viele Feinde, daß gestandene Redakteure, die seit Jahrzehnten beim SPIEGEL dienten, wutentbrannt oder gar weinend kündigten.
Es wird von diversen Vorfällen gemunkelt, bei denen Matussek gegenüber seinen Mitarbeitern sogar handgreiflich geworden sein soll.
Jähzorn und Brüllattacken waren ohnehin an der Tagesordnung. 
Das wird niemanden überraschen, der MM schon in TV-Diskussionen erlebt hat.
 Es endet so gut wie immer mit einem laut brüllenden Matussek, der andere Diskutanten auf Übelste beschimpft. Der Mann hat sich absolut nicht unter Kontrolle; wird von Größenwahn und Religiotie gesteuert.

Um 2008 kam es zu einem reinigenden Gewitter.
 Die SPIEGEL-Mitarbeiter, die über eine Mehrheit der Anteile verfügen, sorgten nach erheblichen Intrigen und Kabeln im Verein mit den Augstein-Erben dafür, daß Steingart, Aust und Matussek ihre Posten verloren.
Tabula rasa. 
Endlich. 
War ich erleichtert!

Rückblick:
 
Nach der Aust-Demission zittere ich zwar immer noch, daß uns demnächst Gabor Steingart als Chefredakteur droht und damit ein offizielles Merkel-Zäpfchen und stramm Neoliberaler das Ruder übernimmt, aber immerhin ist sieht es nicht gerade rosig aus für den augenblicklichen New Yorker.
Heute ist nämlich auch Matthias Matussek gegangen worden, der rabiate Kulturchef des SPIEGELs. Der Neokonservative und neonationale Haudegen, der spätestens mit seinem Buch „Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können“ (S. Fischer, Frankfurt a.M. 2006) nach ganz rechts gerutscht war und sich zudem auch noch benahm wie die Axt im Walde, entfremdelte sich den SPIEGEL-Mitarbeitern.
Daß er als der meistgehasste Redakteur innerhalb des Blattes galt, amüsierte ihn, aber ohne Papa Stefan A. fehlte ihm wohl doch das Rückgrat, um seinen stramm teutonischen Kurs durchzustehen. Matussek gibt in seinem Buch den Linken und politisch Korrekten Schuld, dass es immer wieder ums Dritte Reich geht, wenn von deutscher Geschichte die Rede ist. Auf Seite 14 schreibt er: „(…) keiner wagte auch nur den Gedanken, dass Hitler ein Freak-Unfall der Deutschen war (…)“.
Politisch verwirrt sind zwar noch andere Redakteure, aber ich erinnere mich mit Schaudern daran, daß er zudem auch noch furchtbar schlecht schreibt.
Ich stimme auch kaum jemals mit Henryk Broder überein – aber seine Beiträge sind immer lesenswert und geistreich.
Matussek kriegt es aber hin eine ganze Titelstory (wie die über Romy Schneider – eine immerhin interessante Schauspielerin) vollkommen lahm zu verhunzen – das hätte jeder Redakteur des Käseblattes Buxtehude flüssiger geschrieben.

Seine Auftritte im TV sind dementsprechend gewürzt, um seine mangelnden Schreiberfähigkeiten überzukompensieren.
So z.B. im Mai 2006 bei Beckmann, als Matthias Matussek fragte: „Was sollen wir machen: Sollen wir die erste Strophe wieder singen?“
Wenn dem Mann, der mit seinem großkotzig-restaurativen Schlichtnationalismus immer mehr der Realität entschwebt, nicht einer seiner Kumpels von FAZ oder WamS aufnehmen sollte (sein letztes Buch erschien dort in Auszügen), würde ich empfehlen eine Wrestling-Karriere ins Auge zu fassen.
Hatte er doch kurz nach seinem Beckmann-Auftritt im Juni 2006 im Presseclub auch handgreiflich argumentiert und versucht Handelsblatt-Vize-Chef Tichy zu würgen, während er zappelnd und zornend zeterte: „Sie sind ein ganz linker Finger! Sie mache ich fertig! Sie merke ich mir!".
Eine Szene, die der zuständige WDR-Redakteur in einem Parade-Euphemismus zusammen fasste:
"Das war eher eine Frage der Kinderstube. Herr Matussek hat ein sehr hohes Erregungspotential." Künftig werde man mit temperamentvollen Gästen vor der Sendung ein Gespräch über das "erforderliche Mindestmaß an bürgerlichen Umgangsformen" führen, so WDR-Mann Hirz.


 Bis 2008 war Matussek aber „nur“ ein aggressiver Rechter, der schlecht schreibt, schlicht denkt und schwach argumentiert. 
Dann aber folgte sein Gang in die Religiotie, seinen Ratzinger-Fanatismus, der in immer wüsteren Hassausbrüchen gegen Andersdenkende mündete.
MM schaffte dabei das Kunststück nicht nur alle klar denkenden und liberalen Geister zu schockieren, sondern gleichzeitig auch noch konservative Katholiken vor den Kopf zu stoßen, weil seine Papst-und-Kirche-Jubelarien von derartig mangelhaften Hintergrundwissen zeugten, daß er noch nicht einmal die einfachsten Grundlagen der katholischen Lehre richtig widergeben konnte; wiewohl er aber im Brustton der Empörung andere belehrte.

Ein Alptraum.
 MM spielt in einer Liga mit den radikalen Eiferern Andreas Englisch, Gabriele Kuby, Martin Mosebach, Martin Lohmann und Alexander Kissler.
Sogar Hakenkreuznet liebt Matussek.
 Sage und schreibe 44 Artikel des Hassblattes preisen ihn ob seiner Bischofs-Kritik von ganz rechts:
„Wie mißtrauisch muß die deutsche Katholische Kirche sein, die Sakramente an Mitgliedsbeiträge zu binden?“
Diese Frage stellte der Journalist Matthias Matussek gestern in dem von einem ehemaligen NS-Journalisten mit Hilfe seiner SS-Freunde gegründeten deutschen Kirchenhaß-Magazins ‘Spiegel’.   […] Der Journalist prophezeit: „So wird die Kirche in sich zusammensinken: Alte sterben, Junge bleiben weg. Die Kirche sollte auf Freiwilligkeit bauen.“  […]
Matussek sieht in Sachen Kirchensteuer eine „haarsträubende, aber bislang offenbar haltbare Allianz, an der alle partizipieren.“    […] Zugleich ist die deutsche Amtskirche nach Matussek „außen prächtig, innen aber leer“.
  […] Für Matussek geben die deutschen Bischöfe mit der Erklärung, die Steuerrebellion sei eine „schwere Verfehlung“ gegen die Kirchliche Gemeinschaft ein „klägliches Bild“.
  […] Matussek vergleicht die Situation mit einer „mittlerweilen skandalösen Form des Ablaßhandels in einer Welt, in der alles nur noch käuflich ist“
 (Hakenkreuznet 28.09.12)
 Man versteht sich.

Was ich NICHT verstehe ist, wieso auch heute noch, vier Jahre nach seinem Abgang als Kulturchef, dieser Wahnsinnige für den SPIEGEL schreibt.
In der Ausgabe von heute ist Matthias Matussek gar alleiniger Autor der Titelstory.
Das Lodern von innen
Barack Obama hat es wiedergefunden, Angela Merkel wird es wohl nie besitzen: Charisma, die Kraft, andere zu bewegen, unsere Welt zu gestalten und nicht nur zu verwalten. Ist der Zauber erlernbar?
 Ich kann auf Details nicht genauer eingehen, weil ich dann einem Herzinfarkt erliege.
Erwähnt sei nur, daß der SPIEGEL wie immer, wenn die Titelgeschichte allzu dünn ist, versucht dieses Manko mit bunten Spielchen zu übertünchen. 
So erscheint die heutige Druckausgabe mit sieben verschiedenen Titelbildern, die jeweils eine angeblich besonders charismatische Person zeigen.
(Ich hatte Glück, mein Exemplar ziert Helmut Schmidt)
Man kann aber auch einen strahlenden Laberer Gauck oder das verblödete Naivchen Lady Diana erwischen.

Die eigentliche Matussek-Story ist mit den "charismatischen" Typen Mutter Teresa, Hitler und Johannes-Paul II. bebildert.

Auszüge:
Sicherlich nicht wie die Rechnerin Angela Merkel, der man vorwirft, sie habe "keine Vision", sie könne "nicht kommunizieren", sie habe "keine große Erzählung" - alles Code-Namen für das, was ihr fehlt: Charisma. Der Einzige, der in diesen Monaten eine Erzählung hat und ein Thema, nämlich die "Freiheit", ist Bundespräsident Joachim Gauck. Er hat Charisma, aber keine Macht. […]Um Charisma zu verstehen, müssen wir an die Wurzel, an jene Urszene, die sich am Pfingsttag vor knapp 2000 Jahren in Jerusalem zugetragen hat, am fünfzigsten Tag nach dem Osterfest, und wir müssen es schon deshalb, weil 76 Prozent der Deutschen nicht mehr wissen, was Pfingsten ist. Geschweige denn Charisma. Wir sind entwöhnt, nicht ohne Grund.
So soll sich das damals angekündigt haben, dem Evangelisten Lukas zufolge: mit einem Brausen in der Luft, dem Sturm, dem Geist.
Die Jünger haben sich versammelt, sie denken an ihren Herrn, der ihnen erschienen war nach Ostern und dann vor ihren Augen in den Himmel auffuhr, was für ein Abschied, was für ein Versprechen auf baldige Wiederkehr!
Und plötzlich kommt dieser Sturm auf, sie fürchten sich, ihr Beten schwillt an, und dann tanzen Feuerzungen im Raum, über den Köpfen der zwölf!
Was für eine großartige Halluzination, um mal kurz von der Sprache der Apostelgeschichte in die der Psychologie zu wechseln, und gleichzeitig schwindet die Angst und macht einer Verwunderung Platz, plötzlich ist da ein antikes Woodstock, ein Fest der Entgrenzungen und des Glücks, ja der Ekstase, einige fallen um wie in Trance, und die anderen sprechen in Zungen, sie lallen in allen bekannten Sprachen, sie wirken auf die Umstehenden wie betrunken, und sie werden keinen Moment zögern, sich steinigen zu lassen für ihre Botschaft.
Und der Heilige Geist, so wird er genannt, ergießt sich über alle Jünger, sie werden ausgestattet mit Gnadengaben, sie können plötzlich prophezeien und heilen und den Geist durch Handauflegen weiterreichen. Sie sagen: "Yes, we can."
(Matthias Matussek 12.11.12)
Mehr hält man nicht aus.

Ich frage mich nur eins:

Was hat MM wohl in der Hand gegen die SPIEGEL-Chefredaktion?

 Womit erpresst er wohl Georg Mascolo?

Ich fordere alle SPIEGEL-Abonnenten auf sich schriftlich bei Mascolo zu beschweren!