Samstag, 28. April 2012

Überflüssige Studien - Teil VI




Der Glaube ist der Feind des Denkens. 
Die Erkenntnis ist uralt und führte schon vor 1000 Jahren dazu, daß Kleriker ihr Bibelstudium als Herrschaftswissen ansahen. Die gläubigen Schafe hatten IHNEN zuzuhören und sollten bitte nicht selbst anfangen Gott zu interpretieren. 
Daher wurde der Analphabetismus geschätzt und immerhin 1500 Jahre erfolgreich verhindert, daß die Bibel in Sprachen übersetzt wurde, die das gemeine Volk verstehen konnte.

Heute wissen wir auch aus der Hirnforschung, daß religiöse Menschen einen signifikant niedrigeren IQ als Atheisten haben.

Je höher die Bildung, desto größer die Neigung kritisch zu hinterfragen, selbst zu denken und nicht einfach blind den Vorgaben eines Predigers zu folgen.


Die Aufklärung versetzte den Kirchen den größten Schlag. 
Je schlauer das Volk, desto weniger Religion.

Insbesondere in Amerika ist diese Erkenntnis schon weit fortgeschritten. 
Die Gläubigen wehren sich, indem sie mit allen Mitteln versuchen ihre Kinder von Informationen fernzuhalten. Fakten sind nämlich brandgefährlich und könnten dazu führen, daß die lieben Kleinen Widersprüche in der christlichen Lehre hinterfragen. 
Daher home-schooling. Bloß kein Kontakt zu Inhalten, die an öffentlichen Schulen präsentiert werden.

Wissen führt auch zu religiösem Ungehorsam.
Ultraorthodoxe Juden haben genau das gleiche Problem und schotten ihre Brut massiv ab. 
Das Internet ist eine echte Bedrohung für sie, da Kinder im Netz ihre eigenen Recherchen anstellen könnten.

Nichts anderes steckt auch dahinter, daß Taliban ihren Töchtern Schulen verbieten. Aufgeklärte Mädchen lassen sich nicht so einfach in Burkas stecken und herumkommandieren.


Gerade sah ich auf „arte“ die wunderbare Reportage „Kinder der Glücklichen“ über die Bachtiari-Nomaden im Iran (ist noch online zu sehen!), die „zweimal im Jahr im Südwesten des Irans durch das bis zu 4.000 Meter hohe Zagrosgebirge [klettern], um die Winter- beziehungsweise Sommerweiden zu erreichen.
Die Wege über steinige und vereiste Pässe sind so gefährlich, daß ich noch nicht mal hinsehen konnte.
Jedes Jahr stürzen sich Menschen und Tiere dabei zu Tode. Hat es nur ein paar Esel, Ziegen und Hunde erwischt, kann man schon froh sein.
Die Bachtiari-Frauen müssen ihre Babies und Kleinkinder dabei auf dem Rücken und vor den Bauch gebunden mitschleppen. Sie tun was ihnen ihr Ehemann befiehlt.
 Inzwischen gefährdet aber ausgerechnet die Iranische Mullah-Regierung ihre Jahrtausende-alte Lebensweise, indem sie mobile Schulen für die Nomadenkinder einrichtete.
 Ein Alptraum für die patriarchisch-religiöse Bachtiari-Gesellschaft!
 Denn Frauen, die lesen und schreiben können und etwas über die Welt „da draußen“ erfahren, können sich auf einmal vorstellen ihre Männer allein auf den Bergen rumkraxeln zu lassen und wollen stattdessen lieber Lehrerinnen oder Ärztinnen werden.

Bildung, Wissen, Denken ist aber nicht nur der Todfeind der Religiösen, sondern auch der konservativen Politiker.

Wer Süddeutsche Zeitung, Spiegel und ZEIT liest, findet die CDU weniger toll, als derjenige, der die BILD liest.

Überspitzt formuliert:


Wer klug genug ist selbstständig zu promovieren, kann ja nicht gleichzeitig so doof sein und die CDU mögen.

Der Kreis „konservativ-religiös-doof“ schließt sich auch in den USA.

Je religiöser, desto Romney: Das ist das klare Ergebnis einer großen Gallup-Umfrage aus der letzten Woche.

Romney […] erhielt bei den „sehr religiösen“ Befragten 54 Prozent Zustimmung, Obama 37 Prozent. Hingegen votieren die gemäßigt religiösen mehrheitlich für Obama (54 Prozent), während Romney 40 Prozent erreicht. Noch deutlicher ist der Abstand bei den Nicht-Religiösen: 61 Prozent für Obama, 30 Prozent für Romney. […]   Bei den nicht konfessionell gebundenen Wählern hat Obama eine gute Zweidrittelmehrheit (67 Prozent); hinter Romney steht in dieser Gruppe nicht einmal jeder Vierte (23 Prozent). Jedoch führt der Mormone bei den „sehr religiösen“ Protestanten mit 54 Prozent vor Obama (35). […] Fast drei Viertel der weißen Evangelikalen (73 Prozent) votieren laut einer Umfrage des Pew-Forschungsinstituts (Washington) vom 17. April für Romney und jeder fünfte (20 Prozent) für Obama. Den rund 60 Millionen theologisch konservativen Protestanten wird etwa jeder vierte Wähler zugerechnet.

Um dem GOPer den Vorzug vor Obama zu geben, muß eben Dummheit im Spiel sein. Oder zumindest extremes Desinteresse und Faktenferne.

Genau damit können aber die Religiösen punkten.

Analytisches Denken hemmt religiöse Überzeugungen, sagen kanadische Wissenschaftler. Und wer sich intensiv auf die Lösung eines Problems konzentriert, wird empfänglicher für Zweifel und Skeptizismus.
Analytisches Denken hemmt den Glauben religiöser Menschen. Mehr noch: Wer sich konzentriert damit beschäftigt, die Lösung für ein Problem zu finden, erweckt in sich sogar Neigungen zu Zweifel und Skeptizismus - und Menschen mit schwachen religiösen Überzeugungen werden nochmals kritischer.
Das berichten die Psychologen Will Gervais und Ara Norenzayan von der Universität von British Columbia in Vancouver.
[…] Die aktuelle Studie lege nahe, dass die Aktivierung des analytischen kognitiven Systems im Gehirn die intuitive Unterstützung für religiösen Glauben zumindest vorübergehend hemme, argumentieren die Psychologen.

Quot erat expectandum.

Freitag, 27. April 2012

Auf der falschen Seite



Hach ja, das mit den Menschenrechten ist so eine Sache.

Wirklich eingehalten werden sie ja nicht so konsequent. In Deutschland übrigens auch nicht. Hier sperrt man völlig unschuldige Menschen in Abschiebehaft und traktiert sie so, daß immer wieder Menschen aus lauter Verzweiflung Selbstmord begehen.

Andere kümmern sich grundsätzlich nicht um Menschenrechte, unterschreiben entsprechende UN-Konventionen erst gar nicht und können sich das aber ungestört leisten, weil sie reich und/oder mächtig sind. 
Der Vatikan (Frauenrechte, Schwulendiskriminierung) und die USA (Todesstrafe, Guantanamo,..) sind solche Beispiele.
Oder Russland.
Moskaus Vize-Außenminister Sergej Rjabkow verweigert die Zustimmung zu einer Protokollerklärung der G8-Staaten zu den Menschenrechten sexueller Minderheiten.     Bei einem Arbeitstreffen der Außenminister der G8-Staaten in Washington am vergangenen Donnerstag wurde Symbolpolitik für die Menschenrechte zelebriert, die von allen fast mitgetragen wurde. Nur der russische Außenminister klammerte per Fußnote sexuelle Minderheiten aus einer Protokollerklärung aus und setzte damit ebenfalls ein deutliches Signal.
Menschenrechte werden immer nur dann offensiv von einem Land eingefordert, wenn es sich um ein kleines, strategisch nicht sehr wichtiges Land ohne mächtige Freunde handelt.

Russland und China sind aber ökonomisch zu stark, bzw wegen der Rohstoffe zu wichtig, um es sich mit ihnen zu verscherzen.

Deswegen können auch Winzländer wie Bahrain oder das fundamentalistische Steinzeit-Königreich Saudi-Arabien Schwule aufknüpfen, Frauen verbrennen oder auf Oppositionelle schießen lassen: Geld und Öl sind ihr Persilschein.

Da will niemand mit Sanktionen kommen, weil die eher ins eigene Fleisch schneiden würden.

Man könnte in solchen Fällen wenigstens im sportlichen oder kulturellen Bereich sein Unbehagen ausdrücken und Fußballweltmeisterschaften, Song-Contests, Olympiaden oder Formel1-Rennen nicht ausgerechnet dorthin vergeben, wo sich die miesesten Unterdrücker dann im Glanz der Weltöffentlichkeit sonnen.
Aber das ginge natürlich nur, wenn die beteiligten Sportler, bzw Musiker ansatzweise über ein Rückgrat verfügten und nicht nur geldgierig wären.
Solche Athleten oder Sängerknaben haben wir aber leider nicht.
Sebastian Vettel freute sich nach seinem Sieg von Bahrain, als sei ihm gar nicht bewusst gewesen, welche Farce da gerade abgelaufen war. Man muss schon ein Höchstmaß an Ignoranz aufbringen, um in diesen Zeiten überhaupt noch Formel-1-Rennen zu fahren. Erderwärmung, Energieverknappung und dann diese sinnlose Benzinverschwendung - es passt einfach nicht mehr zusammen. Mit dem Spektakel von Bahrain aber hat sich der Wanderzirkus der Ignoranten selbst übertroffen.
Seit Ausbruch des arabischen Frühlings herrscht auch in diesem Inselstaat mit seinen 800. 000 Bewohnern Aufruhr. […] Oppositionelle werden blutig unterdrückt, brutal verfolgt, verhaftet, gefoltert. Regimekritische Journalisten werden mundtot gemacht. In den vergangenen zwei Jahren gab es mindestens 50 Tote.
Mit dem Formel-1-Spektakel wollten Bahrains Herrscher sich vor der Welt aufwerten. […]   Formel-1-Legende Michael Schumacher freute sich, es werde in Bahrain alles dafür getan, "dass wir keine Probleme haben werden. Ich will den Sport nicht mit der Politik mischen."
[…]   Besonders dämlich hatte Weltmeister Sebastian Vettel in Bahrain daherfabuliert. "Unser Job ist der Sport, sonst nichts." Die Berichte über die Lage in Bahrein seien ein "großer Hype". Abwandlung einer altdeutschen Spruchweisheit: Was man nicht im Kopf hat, hat man im Gasfuß.
So finden auch die unfreundlichsten Regime immer willige Idioten, um sich gute PR zu verschaffen.
Und wenn doch mal außenpolitische Shitstorms losgehen sollten, können sich Horrorregime wie das Assadsche in Syrien immer noch auf die Christen im eigenen Land verlassen. 

Christen arrangieren sich traditionell gerne mit Diktatoren; je blutiger, desto besser.

Selbstverständlich stehen auch die US-Christen eher rechts und sind die eifrigsten Verfechter von Waffenwahn und Kriegseinsätzen. 

Der „lupenreine Demokrat“ Putin entdeckt in seiner dritten Präsidentschaft immer mehr die Freuden des Diktatorendaseins. 
Von Menschenrechten und Pressefreiheit, die man zu Beginn seiner ersten Amtszeit 1999/2000 noch im Aufwind sah, will er immer weniger wissen.
Hassgesetz jetzt auch in der russischen Duma.
Das öffentliche Sprechen über Homosexualität soll in Russland nun auch landesweit unter Strafe gestellt werden. Abgeordnete aus Nowosibirsk brachten einen entsprechenden Gesetzentwurf in das Parlament ein, berichtet die russische Presseagentur Interfax.
Ähnliche Gesetze, die "Propaganda für Homosexualität" verbieten, waren zuvor trotz internationaler Proteste in St. Petersburg und anderen Regionen Russlands verabschiedet worden  Wer in der Öffentlichkeit über Homosexualität spricht, muss beispielsweise in St. Petersburg bis zu 500.000 Rubel (ca. 12.800 Euro) Strafe zahlen - mehr als ein durchschnittliches Jahresgehalt.
Erst in der vergangenen Woche verteidigte der russische Außenminister Sergej Lawrow die regionalen Verbote mit der Begründung, dass Russland unabhängig von europäischen Werten das Recht haben müsse, die Gesellschaft vor "Homosexuellen-Propaganda" zu schützen. Auch die einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche sowie prominente Vertreter der von Präsident Wladimir Putin geführten Regierungspartei "Einiges Russland" hatten sich zuvor in den Medien für eine landesweite Ausweitung des Gesetzes ausgesprochen.

Das Regionalparlament von Nowosibirsk hat heute nachgezogen und kann sich dabei auf einen besonders eifrigen Unterstützer der Homo-Hetze verlassen: Die russisch-Orthodoxe Kirche, welche umso mehr an Putin ranrobbt, desto diktatorischer er sich geriert.

Daß es überhaupt Protest gegen diskriminatorische Maßnahmen gibt, führt zum direkten Schulterschluß der kirchlichen Menschenhassern mit dem herrschenden Regime. 

Wenn Aktivisten und Freiheitskämpfer einen Kulturkampf gegen Unterdrückung und Unfreiheit anzetteln, wendet sich die Kirche scharf gegen diese Tendenzen.
Russischer Staat und orthodoxe Kirche stehen dabei fest zusammen gegen angebliche Angriffe eines 'aggressiven Liberalismus'. Auslöser war ein Ereignis, bei dem wieder Punk und Kirche aufeinandergetroffen sind - diesmal unter ganz anderen Vorzeichen: Auf dem Höhepunkt des Präsidentschaftswahlkampfs, als im ganzen Land Hunderttausende für faire Wahlen demonstrierten, drang am 21. Februar eine Gruppe junger Frauen in die Christ-Erlöser-Kathedrale im Zentrum Moskaus ein. Vermummt mit gehäkelten Skimasken in grellen Farben veranstalteten sie vor dem Altar eine 'Punk-Andacht'; der Refrain, gesungen im Stil eines orthodoxen Chores: 'Jungfrau und Gottesmutter, vertreibe Putin!*
[….]      Wenige Tage nach dem Auftritt wurden drei Frauen verhaftet, die Wachleute als Mitglieder der Gruppe identifiziert haben wollen. Sie müssen sich nun vor Gericht wegen 'Rowdytums' verantworten, das Gesetz sieht dafür eine Höchststrafe von sieben Jahren vor. Eben erst hat der Richter die Untersuchungshaft bis Juni verlängert, obwohl die Beschuldigten mit einem festen Wohnsitz in Moskau gemeldet sind, zwei von ihnen haben kleine Kinder. Bei der ersten Anhörung wurden die Beschuldigten im Käfig vorgeführt. Der Oberste Rat der Russisch Orthodoxen Kirche schrieb in einer Erklärung Anfang des Monats: 'Die kirchenfeindlichen Kräfte fürchten ein Erstarken der Orthodoxie im Land. Diesen Kräften schließen sich jene an, die die verlogenen Werte eines aggressiven Liberalismus vertreten.' Das seien nicht viele, aber einige von ihnen verfügten über Einfluss und seien bereit, ihre finanziellen Mittel und den Zugang zu Medien zu nutzen, um den Klerus zu diskreditieren und die Menschen von der Kirche abzuspalten. Dass die Attacken gegen die Kirche im Umfeld der Wahlen aufgetreten seien, belege ihren politischen Hintergrund, unter anderem seien sie antirussisch. […]     Die Spitzen des Staates zeigen sich regelmäßig zu den Feiertagen beim Gottesdienst, der Klerus wurde in politische Gremien eingebunden, Patriarch Kyrill macht vor Wahlen stets klar, wen die Kirche für den richtigen Kandidaten hält, und preist die Putin-Ära als 'ein Wunder Gottes'.  […] Besonders die Jungen und die Angehörigen der Intelligenzija, […] stoßen sich heute daran, dass Würdenträger in Staat und Kirche sich in ihrem zynischen Verhältnis zur Macht immer ähnlicher werden. Selbstverständlich werden die Straßen gesperrt, wenn der Patriarch in seinem Maybach mit Begleitkolonne durch Moskau fährt, genauso wie das für den russischen Präsidenten oder Premier geschieht. […]  
Der Hang hochgestellter Kirchenmänner zu Prunk und Luxusgütern weckt bisweilen den Eindruck, als würde der Klerus jetzt nachholen, was die Oligarchen in den wilden Zeiten des Banditenkapitalismus vorgelebt haben. Der Ärger darüber entlud sich jüngst im Skandal um die magische Uhr des Patriarchen. Journalisten hatten berichtet, er trage ein goldenes Modell der Schweizer Luxusmarke Breguet im Wert von 23000 Euro. Kyrill ließ das dementieren, aber einem aufmerksamen Blogger fiel ein Foto auf der offiziellen Website des Patriarchats auf. Es zeigte Kyrill im Gespräch mit dem Justizminister - ohne Uhr am Arm. Doch im polierten Holz des Konferenztisches spiegelte sich deutlich ein goldenes Ziffernblatt, das jemand bei der Retusche offenbar übersehen hatte.
 (Sueddeutsche Zeitung 27.04.12)
Der Prass- und Prunk-begeisterte Metropolit Kyrill rafft aber nicht nur Luxusgüter an sich und spannt den Staat für seine Geldgier ein, sondern er unterstützt auch euphorisch die diskriminierende Hetze gegen sexuelle Minderheiten in Russland. 
"Moral ist entweder absolut, oder es gibt sie nicht. Wenn Sie Homosexualität rechtfertigen, warum dann nicht gleich Pädophilie?", erklärte Kyrill vor einem Jahr im Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“.
 Der neue Chef der 135 Millionen Russisch-Orthodoxen Christen begründete seinen Vergleich mit der Heiligen Schrift: "Die Bibel nennt das Sünde", so Kyrill zur Homosexualität. Der CSD Moskau sei daher lediglich "eine aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht".
(Queer.de 02.02.2009)
Kein Wunder, daß sich Rylli und Ratzi so gut verstehen.

 Diese Performance hätte er nicht gemocht:



Er steht mehr auf die Regensburger Drecksspatzen.

Donnerstag, 26. April 2012

Post!



Als Teenager liebte ich es in den Briefkasten zu sehen.
 Ich war ein eifriger Briefschreiber und bekam zu gerne Post. 

Die Quantität der Post ist nicht weniger geworden, aber die Freude hält sich erheblich in Grenzen, wenn ich heute den Briefkasten leere.
Heute zum Beispiel erhielt ich eine MAHNUNG aus dem Krankenhaus wegen einer Rechnung aus dem März. Sauerei. Auf die Rechnung hatte ich schon gewartet; die kam aber nie. Und nun hauen die gleich eine Mahnung mit Mahngebühren raus?

Außerdem waren gleich DREI offizielle Schreiben von Behörden dabei. 

Zunächst mal Post vom Finanzamt: „Erinnerung an die Abgabe der Steuererklärung Umsatzsteuer 2010“
Geht es noch? Das habe ich schon Ende letztes Jahres abgegeben. Vermutlich schläft mein Steuerberater, den ich natürlich auch schon vor Monaten bezahlt habe.

Dann ein Brief von der Innenbehörde. Auch lustig. Da habe ich innerhalb von 30 Minuten zwei Park-Tickets von demselben Polizisten bekommen.
Der hat mich beim Einkaufen erwischt und muß dann offenbar hinter mir her gefahren sein, weil das nächste Ticket genau vor der Wohnung meiner Mutter ausgestellt wurde, der ich an dem Tag etwas vorbei gebracht hatte.
Darüber könnte ich mich jetzt ärgern, weil ich mich grundsätzlich nie so hinstelle, daß jemand irgendwie behindert oder eingeklemmt wird. Ich halte nie in Einfahrten oder in zweiter Reihe.
 Aber andererseits muß ich mich auch nicht wirklich ärgern, weil das nun mal zu erwarten ist in der Innenstadt. Ein gefühlter Anteil von 99% der Polizisten ist ausschließlich auf der Jagd nach Parkplatzsündern. Wenn man auch nur 5 cm mit einem Reifen über einer Begrenzungslinie steht, ist man dran. Wußte ich ja auch vorher.

Der dritte „offizielle“ Brief heute kommt aus dem Bundestag.
 Und das ist auch der Lichtblick des Tages. 
Das ist vielleicht ein heißes Schreiben! Ich habe Tränen gelacht und kichere immer noch.

 Rainer Brüderle hat mir geschrieben, um mir zu erklären, daß sein Ziel der Schuldenabbau sei. 


Durch „unsere solide Haushalts- und Wirtschaftspolitik“ würde die Schuldenbremse eingehalten. 

Hahahaha, das schreibt mir die FDP! LOL.

Dazu gab es dann noch eine bunte Hochglanzbroschüre mit dem Titel „Freiheit bewegt“, die eine Rückantwort-Karte beinhaltet, mit der ich mich als FDP-„DialogPartner“ anmelden kann.

Die FDP stehe für „Geldwertstabilität“ und „Schuldenstopp“.

Die Werbe-Aktion, die es selbstverständlich auch online gibt, endet mit dem feinsten Comedy-Satz:

„Wir werden unsere erfolgreiche Politik aus Spardisziplin und der Förderung von Wachstum konsequent fortsetzen“

Ich schmeiß mich weg.

Nur mal kurz zur Erinnerung: Von alle Europäischen Ländern hat Deutschland den höchsten Schuldenberg aufgetürmt - nämlich derzeit 2.088 Milliarden Euro.

Pressesplitter:

Schwarz-Gelb erfindet neue „Besänftigungsprämien“: 
Gespart wird nicht mehr. […] Die Liste der schwarz-gelben  Wohltaten wird immer länger.
Betreuungsgeld, Kosten 1,5 - 2 Milliarden Euro.
Neue Rentenleistung für Eltern, Kosten 6 bis 7 Milliarden Euro.
Abbau „kalte Progression“ durch Steuererleichterungen, Kosten 6 Milliarden Euro.
Zuschußrente für alleinerziehende Mütter (Plan von Ursula von der Leyen), Kosten 1 Milliarde Euro.
Rentenerhöhung, Kosten 2 Milliarden Euro.
Mehr Leistungen für Pflegebedürftige (Vorschlag Minister Bahr), Kosten 1 Milliarde Euro.
Erhöhung der Pendlerpauschale, 1 Milliarde Euro.
(Hamburger Morgenpost 25.04.12)

Dabei wird die Herdprämie sogar noch viel teurer als die K.O.alition behauptet.

Der Spitzname 'Merkozy' für das Duo Angela Merkel und Nicolas Sarkozy ist im vergangenen Jahr entstanden. Damals übernahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf den Gipfeltreffen zur Euro-Krise eine Führungsrolle - und setzten auf einen strengen Sparkurs. Genau diese Politik verliert immer mehr Anhänger. Inzwischen mussten sieben Regierungen in der Euro-Zone wegen der selbst auferlegten Sparpolitik vorzeitig aus dem Amt scheiden, zuletzt in den Niederlanden. Die Deutschen stehen mit ihrem Ansatz zur Bewältigung der Finanzkrise zunehmend alleine da.
(SZ 25.04.12)

Die ausufernde Diskussion um immer neue soziale Wohltaten wirft die bedrückende Frage auf: 
Hat die Politik in unserem Lande eigentlich nichts dazugelernt?
 Wann, wenn nicht jetzt, in guter wirtschaftlicher Zeit mit konjunkturell bedingten Steuermehreinnahmen von 41 Milliarden Euro, soll denn das Staatsdefizit überhaupt abgebaut werden? […]
Bund, Länder und Kommunen liegen mit einer Schuldenstandsquote von insgesamt rund 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weit über der Maastricht-Grenze von 60 Prozent. Somit ist es ein Rätsel, mit welcher Autorität Deutschland von den europäischen Partnern schmerzliche Sparanstrengungen verlangen will.   Der Wirtschaftsrat der CDU wendet sich entschieden gegen den Wettbewerb der Parteien, immer neue Sozialprogramme zu beschließen: Dazu gehören das Betreuungsgeld mit Kosten von 1,5 bis zwei Milliarden Euro; Zuschussrenten für alleinerziehende Mütter schlagen mit einer Milliarde zu Buche; Lohnsteigerungen für den öffentlichen Dienst mit zwei Milliarden; Rentenerhöhungen mit zwei Milliarden; mehr Leistungen für Pflegebedürftige mit einer Milliarde; diskutiert wird dazu noch eine Erhöhung der Pendlerpauschale von heute bereits vier Milliarden Euro um eine weitere Milliarde.
[…] Bei der offen ausgewiesenen Staatsverschuldung von rund zwei Billionen Euro sind die größten Belastungen durch die Alterung unserer Gesellschaft noch gar nicht berücksichtigt: Durch das Umlageverfahren in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung erwerben heutige Versicherte Ansprüche, die in der Zukunft bedient werden müssen. Diese verdeckte Verschuldung des Staates für kommende soziale Leistungen einer dann älteren und kränkeren Bevölkerung beläuft sich auf weitere rund sechs Billionen Euro! Sicherlich ist es für die handelnden Politiker immer schön und erfreulich, Wohltaten zu verteilen. Unverantwortlich ist es jedoch, wenn das auf Pump zulasten nächster Generationen gemacht wird.

Die Koalition gibt dem Druck der Kliniken nach und schenkt ihnen 350 Millionen Euro.
Wer sich dem politischen Geschäft als Zyniker nähert, darf befriedigt in den Sessel sinken. Die schwarz-gelbe Koalition will den Kliniken 350 Millionen Euro spendieren; angeblich, um die Kosten des jüngsten Tarifabschlusses auszugleichen. Damit lockert sie die Sparauflagen, die sie ihnen eigentlich auferlegt hat. Wieder einmal hat eine Koalition vor wichtigen Wahlen eine Politik über den Haufen geworfen, die sie wenige Wochen zuvor noch als richtig erkannt hatte. Wieder einmal wog die Furcht vor einem schlechten Wahlergebnis größer. Wieder einmal hat eine Interessengruppe einen Erfolg verbucht, weil sie zur richtigen Zeit den richtigen Zug machte.
(Guido Bohsem 24.04.12)

FDP-Chef Philipp Rösler hält an seinen Forderungen für eine höhere Pendlerpauschale als Ausgleich für die stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreise fest.
(Welt online 15.04.12)


Der Bundesfinanzminister und die Regierungskoalition haben die Haushaltskonsolidierung aufgegeben. Nachdem diese Regierung bereits bei zahlreichen Projekten nicht mehr regiert, sondern nur noch verwaltet, wird mit dem Nachtragshaushalt erneut dokumentiert, dass fuer den Abbau des Haushaltsdefizits keinerlei Anstrengungen mehr unternommen werden.
Das vergangene Jahr konnte aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung mit einer Neuverschuldung von 17,3 Milliarden Euro abgeschlossen werden. In diesem Jahr soll die Neuverschuldung mit 34,8 Milliarden Euro nun mehr als doppelt so hoch sein. Und dies trotz stetig steigender Steuereinnahmen auf Rekordniveau.
Selbst wenn die Verpflichtungen aus der Einzahlung in den ESM unberuecksichtigt werden, bleibt es bei fast neun Milliarden Euro mehr Schulden als im vergangenen Jahr. Diesen Trend beabsichtigt die Regierung Merkel/Roesler fortzusetzen, denn in den Eckwerten 2013 sind immer noch mehr als zwei Milliarden Euro neue Schulden als im vergangenen Jahr geplant.
Trotz der anhaltenden Entwicklung bei den Einnahmen kommt der Abbau der Neuverschuldung nicht schneller voran. Stattdessen werden die konjunkturell bedingten Mehreinnahmen fuer dauerhafte Ausgaben verwendet. Die derzeit diskutierten Plaene fuer weitere Ausgabeprojekte wie die Erhoehung der Pendlerpauschale oder die Rentenplaene von Herrn Kauder sind dabei noch gar nicht beruecksichtigt. Auch das sozial und oekonomisch unsinnige Betreuungsgeld ist ein Haushaltsrisiko, weil die veranschlagten Mittel nach neueren Berechnungen nicht ausreichen werden. Zudem verstoesst die Regierung dabei im Jahr 2013 gegen ihre Goldenen Regeln aus dem Koalitionsvertrag, wonach neue Ausgaben nur gegen Einsparungen im gleichen Umfang finanziert werden.
Frau Merkel und Herr Schaeuble nutzen die zusaetzlichen Steuereinnahmen als Kitt fuer die gescheiterte Koalition. Die Forderungen der Bundeskanzlerin an die europaeischen Partner nach einer soliden Haushaltskonsolidierung werden dadurch unglaubwuerdig.
Vor diesem Hintergrund macht sich Norbert Roettgen als Kabinettsmitglied laecherlich, wenn er in seiner Wahlkampagne die Haushaltskonsolidierung als vordringliches Ziel ausgibt.

(Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Carsten Schneider,26.04.12)

Damit wir uns nicht falsch verstehen: 
Natürlich sind die Herdprämie und die „Pendlerpauschale“ totaler Wahnsinn.
Grundsätzlich bin ich aber nicht gegen jede „soziale Wohltaten“, wenn sie tatsächlich sozial sind. 

Bezeichnenderweise versucht sich Schwarzgelb ja nur an Wohltaten, von der die ärmere Hälfte der Bevölkerung ohnehin nicht profitiert. 
Hartzler sollen keine Herdprämie bekommen und auch von der Pendlerpauschale profitiert nur, wer hohe Lohnsteuern zahlt. 

Daher ist die Ausgabenorgie von SchwarzGelb nicht nur finanzpolitisch gaga, sodnern auch noch sozial ungerecht.

Daß aber Brüderle ausgerechnet damit protzt die Koalition sei Sparweltmeister, bedeutet, daß er entweder endgültig den Bezug zur Realität verloren hat und phantasiert, oder aber er hält die FDP-Wähler für vollkommen geistig umnachtet.


Wird wohl beides stimmen…


Mittwoch, 25. April 2012

Nur das völlig Alltägliche....


Christen sind schon ein komisches Völkchen.

Komisch für den Betrachter von außerhalb jedenfalls. 
Wer direkt mit ihnen zu tun hat, wird weniger amüsiert sein über die Meldungen, welche von Profi-Gläubigen jeden Tag produziert werden.

Da ist zum Beispiel der Abschaum-Bischof Gerhard Ludwig Müller aus Regensburg, dessen Anwälte einen Jungen, der bei den Regensburger Domspatzen sexuell missbraucht wurde, mit interessanten Argumenten abwehrten.

Der Priester, der den Kopf des Jungen nachts zwischen seinen Beinen mit dem Mund an seinem erigierten Penis festhielt, stöhnte nicht etwa, weil er sexuell erregt gewesen wäre, sondern weil Verprügeln  - auch wenn die Prügel mit dem Penis ausgeführt wurden - eben sehr anstrengend wäre.
Logisch, oder?

Der Mann kam 1956 in die Grundschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen. Dort habe ihn der damalige Präfekt nachts aus dem Schlafsaal geholt. Der Präfekt habe dann den Kopf des Knabens zwischen seine Schenkel geklemmt und diesen mit seinem angeblich erigiertes Glied geschlagen. Dabei, so der Mann, habe der Präfekt auch gestöhnt.    Der Mann habe jedoch vom Bistum Regensburg nur ein ablehnendes Schreiben erhalten: "Es tut uns sehr leid, aber wir können Ihre Aussage zur Frage eines sexuellen Missbrauchs nicht nachvollziehen. Eine Leistung in Anerkennung von erlittenem Leid erscheint vor diesem Hintergrund als nicht gerechtfertigt." Bei einem persönlichen Treffen des Opfers mit dem Anwalt des Bistums soll dieser erklärt haben, dass es sich bei dem geschilderten Handlungen 'zwar um die sexuelle Erregung des Täters, nicht jedoch um einen sexuellen Missbrauch im Sinne des Gesetzes' handle.    Das soll der Anwalt danach auch dem Bayrischen Rundfunk in einem 'informativen Gespräch' bestätigt haben: 'Objektiv liege kein sexueller Missbrauch vor. Er verstehe zwar, dass sich das Opfer missbraucht fühle, aber das reiche hier nicht aus.' Täter könne nämlich 'nicht nur aus sexueller Erregung stöhnen, sondern auch weil Verprügeln anstrengend sei'.

Welche Sitten allgemein bei den Regensburger Drecksspatzen herrschten dürfte im Vatikan nicht gerade unbekannt sein - schließlich führte der Prügel-Pater Georg Ratzinger dort lange das Kommando. Der ehemalige Schüler Alexander Probst, 51, versichert per eidesstattlicher Erklärung wie es ihm damals erging.

Er hat jahrelang geschwiegen. Er wollte nicht darüber reden, wie er von dem Präfekten regelmäßig befummelt und für dessen Lust missbraucht wurde. Und er hat keinem erzählt, dass er vom Domkapellmeister Georg Ratzinger immer wieder "verprügelt" wurde. "Ein cholerischer Sadist", sagt er heute über den Bruder von Papst Benedikt XVI. [….] Was der Bub erlebte, war "der blanke Horror". Prügel, sagt Probst, "gehörten zum Schulalltag".
 Doch damit nicht genug: "Im Zimmer des Präfekten musste man sich bis auf die Unterhose ausziehen. Er hat uns dann übers Knie oder den Stuhl gelegt und mit dem Geigenbogen das blanke Hinterteil verhauen. Es ging um Macht und diese Macht hat aus meiner heutigen Sicht auch eine sexuelle Komponente gehabt."  Als Probst nach der vierten Klasse nach Regensburg kam, ins Internat der weltbekannten Domspatzen, hoffte er auf Besserung. […] Doch es sollte noch viel schlimmer kommen.   Georg Ratzinger war zu dieser Zeit der Chef der Domspatzen. "Wir waren seiner Macht ausgeliefert. Der ist regelrecht explodiert und hat uns vermöbelt", so Probst. Wer in den Gesangsproben in den Probenräumen des altehrwürdigen Doms falsch gesungen oder auch nur kurz mit einem Kameraden geflüstert habe, sei mit Ohrfeigen bestraft worden.   Georg Ratzinger selbst hat nach Agenturberichten bereits eingeräumt, bis zum Ende der 1970er Jahre in den Chorproben hin und wieder Ohrfeigen verteilt zu haben. Doch habe er nie jemanden "grün und blau" geschlagen, erklärte er. Außerdem seien früher Ohrfeigen "einfach die Reaktionsweise auf Verfehlungen oder bewusste Leistungsverweigerung" gewesen, teilte er mit.   Von wegen "hin und wieder Ohrfeigen", sagt Probst. "Das war an der Tagesordnung. Mich hat er einmal an den Haaren gepackt und so lange geohrfeigt, bis das Büschel Haare ausgerissen ist." Alle Schüler, erzählt Probst, hatten Angst vor dem Domkapellmeister. "Wir hatten regelrechte Wachposten. Und wenn Ratzinger nahte, dann hat jeder geschaut, dass er wegkommt."

Der Sadist Ratzinger prügelte zwar derart brutal auf die Kleinen ein, daß ihm schon mal das Gebiss aus dem Maul flog, aber vergewaltigt wurde Alexander Probst abends vom Präfekten persönlich.

Natürlich ist Pater Ratzinger heute hochgeschätzt. 
Kinder zu quälen ist nun wirklich kein Grund, um die behäbige Kirche in Wallung zu bringen.

Es gibt aber erschreckende weltliche Vorgänge, die so verstörend sind, daß selbst der Dinosaurier RKK hektisch aktiv wird.

Zum Beispiel diese kirchenfeindliche gesetzliche Neuerung, die bereits in der Schweiz eingeführt wurde und nun auch in Deutschland diskutiert wird.

Schwere sexuelle Straftaten an bis zu 12-jährigen Kindern sollen nicht mehr verjähren. Das hat der Nationalrat als Erstrat in der Debatte zur Umsetzung der Unverjährbarkeitsinitiative entschieden. [….]  Seither steht in der Bundesverfassung, dass die Verfolgung sexueller oder pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät und die Strafe für solche Taten unverjährbar sind.

Solche Regelungen sind der RKK zu heikel:

Die katholische Kirche will auf die Einrede der Verjährung bei sexuellen Gewalttaten an Kindern und Jugendlichen nicht verzichten. Dies lässt sich aus einem Brief der Deutschen Bischofskonferenz schließen, der der Giordano-Bruno-Stiftung vorliegt.
Dem Schreiben war ein Offener Brief des Opferanwalts Christian Sailer vorangegangen, der die Bischöfe dazu aufgefordert hatte, auf die Verjährungseinrede zu verzichten, um die von kirchlicher Seite immer wieder versprochene „restlose Aufklärung und Entschädigung aller Missbrauchsfälle“ zu ermöglichen.
[…] Im Brief heißt es, dass der für Missbrauchsfälle zuständige Bischof Ackermann die Forderung nach einer Verlängerung der Verjährungsfrist für sexuellen Kindesmissbrauch ausdrücklich unterstütze. Solange allerdings die bisherige Rechtslage Bestand habe, sei die Regelung der Kirche, die Opfer freiwillig zu entschädigen, für die Betroffenen „fairer und unbürokratischer“ als der Gerichtsweg. „Das klingt menschenfreundlich, ist aber in puncto Heuchelei kaum zu übertreffen!“, meint dazu der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon. „Denn die Kirche müsste keineswegs auf die Verjährung sexueller Straftaten bestehen, da dies bei Zivilgerichtsprozessen in ihrem eigenen Ermessen liegt.“
Umso ungeheuerlicher sei die Argumentation im vorliegenden Brief: „Im Kern behauptet die Deutsche Bischofskonferenz, dass sie sich deshalb auf die Verjährung beruft, um den Opfern der Straftaten den mühseligen Weg vor Gericht zu ersparen! Ein Akt der selbstlosen Fürsorge sozusagen! Sogar dafür, dass die Kirche die Opfer sexueller Gewalt mit Almosen abspeist, findet sich im Brief eine originelle Erklärung: Die Bischöfe meinen nämlich, dass das entstandene Leid ohnehin durch finanzielle Entschädigungen nicht auszugleichen sei, weshalb sie ihren Beitrag als ‚symbolische Leistung‘ verstanden wissen wollen. Man kann gut verstehen, dass vergewaltigten, missbrauchten Heimkindern wie Alexa Whiteman beim Lesen solch zynischer Zeilen speiübel wurde.“
Das Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz sei ein „Dokument der Scheinheiligkeit, das das fehlende Unrechtsbewusstsein der Verantwortlichen in aller Klarheit zum Vorschein bringt“, sagt Schmidt-Salomon.

Eine tolle Sache, dieses katholische Christentum.

 Kein Wunder, daß der Bundestagsvizepräsident so begeistert davon ist.

Die frohe Botschaft des Evangeliums von der Gotteskindschaft, ja der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, sie bietet den unhintergehbaren Maßstab, ist die tiefste Begründung für eine Gerechtigkeitspolitik, die sich aus der gleichenWürde jedes Menschen ableitet, denn jeder Mensch ist Kind Gottes. Diese frohe Botschaft ist der störrische und leidenschaftliche Einspruch gegen die Reduktion des Menschen auf seine beiden Rollen, die er auf dem Markt spielt: nämlich Arbeitskraft und Konsument zu sein.
Für das Evangelium bemißt sichWert undWürde von Menschen nicht an Leistung, Erfolg,  Geldbeutel, Schönheit, Cleverness. Das Evangelium handelt von derWürde der Leidenden, der Scheiternden, der Behinderten, der Kranken, der Sterbenden, der Armen. Es ist ein befreiender Einspruch gegen die Entmoralisierung der sozialen Beziehungen, weil es ein entschiedener Einspruch ist gegen die Dominanz des Ökonomischen wie auch gegen die Absolutsetzung des Politischen.

Dienstag, 24. April 2012

Man kommt ja ganz durcheinander.




Auf dem neuen SPIEGEL prangt in BILD-artig großen Lettern die Überschrift „Avanti Dilettanti“

Huch, was hat denn Schwarz-Gelb nun wieder verbockt, fragte ich mich. Bis ich bemerkte, daß mein Adressaufkleber so unglücklich über dem Untertitel klebte, daß nur das Wort „Piraten“ in „Wie die ......... Politik versuchen“ verdeckt wurde. Ich dachte natürlich instinktiv es ginge um CDU oder FDP.

Ach so; es geht schon wieder um die Piraten. Jene neue Liquid-Feedback-shitstorm-Gruppe, die gerade Angela Merkels bester Wahlhelfer ist.

Ich finde es schlimm was dieses sogenannte „Phänomen“ für die politische Großwetterlage bedeutet und ich finde es erschreckend wie naiv und unvorbereitet die heterogene Gurkentruppe in die Parlamente stolpert.
Und ich finde es schlimm mit wie wenig der Urnenpöbel zufrieden ist, wie willig er auf rumpelige in ungewisse Zukünfte rollende Züge aufspringt.

Ich habe mich bei jeder Gelegenheit gegen den linken Mainstream bezüglich der Volksbefrageritis geäußert. 
Ich halte wenig von dem politischen Urteilsvermögen der Profi-Parlamentarier.
 Aber noch übler sieht es bei der „breiten Masse“ aus, wie jede Straßenumfrage und jedes Online-Votum und jedes Dagegen-Bürgerbegehren belegt.

Natürlich können solche Anliegen auch richtig und wichtig sein - siehe Stuttgart 21. 
Aber wenn es bei den großen Themen zum Schwur kommt, obsiegt meist die Schwarmverblödung. 
Nun muß Stuttgart21 gebaut werden, nun ist es aus mit einem sinnvolleren Schulsystem in Hamburg und allein in dieser Hansestadt haben hunderte kleinere Bürgerbefragungen alles gestoppt, was man stoppen kann.

Kinderhorte, Behinderteneinrichtungen, Fixerstuben, Asylantenunterkünfte, Altenheime - nichts hat eine Chance, wenn man vorher die Nachbarn explizit fragt.

Deswegen von meiner Seite ein großes Nein für die Basisdemokratie-über-alles-Ideologie.

Das bedeutet noch lange nicht, daß man die Meinungsfreiheit im Internet einschränken soll, wie es Unionspolitiker immer wieder gerne fordern.
Ein Shitstorm ist sicher unschön, wenn man derjenige ist, auf den er herniederregnet. 
Shitstorms mögen ungerecht sein. 
Shitstorms mögen jede Menge virtuelle notorische Scheißer anziehen, um wie kleine Teufelchen auf die größten Kackehaufen zu kacken.
Dennoch können sie durchaus auch die Richtigen treffen und Konsequenzen auslösen. Insbesondere, wenn die herkömmliche Presse gepennt hat und die ungeheuerlichsten Aussagen passieren läßt.

Unterm Strich:
Nein, ich bin kein Piratenfan, aber es stört mich erheblich mehr, wenn eine amtierende Regierung nach dem Motto „Avanti Dilettanti“ verfährt, wie das augenblicklich der Fall ist.

Da wird nicht nur ökonomisch, sozial und finanziell alles falsch justiert, nein, die Merkel-II-Regierung zertrümmert auch noch das außenpolitische Porzellan, springt auf rechtsextreme Töne, wie sie Sarkozy abläßt, auf und ruiniert die Zukunft.

Unsere Kinder und Enkel werden uns verfluchen, wenn wir Europa zerfallen lassen. Denn in einigen Jahrzehnten wird die wirtschaftliche Bedeutung Europas in der Welt nicht mehr so groß sein. Und wenn wir dann noch eine Stimme haben wollen im Konzert der Weltpolitik, dann werden wir eine Stimme haben müssen und nicht 27. Es ist schwer vorstellbar, dass dann der chinesische Ministerpräsident 27 Staats- und Regierungschefs nacheinander anruft um zu fragen, was deren Meinung ist zu Fragen von Krieg und Frieden, Klimaschutz oder Welthandel. Und deshalb steht und fällt die Zukunft Europas mit der Einigkeit Europas.
(Sigmar Gabriel via Facebook am 24.04.12)

 Daß die Piraten die falsche Stoßrichtung für den Dilettantismus-Vorwurf sind, schwant inzwischen auch den SPON-Leuten und so prangt dort im Moment:

„Koalitionschaos unter Merkel: Deutschlands oberste Piratin“

Wohl wahr.

Großes Tohuwabohu muss man in der deutschen Politik gar nicht bei den Piraten suchen. Man findet es auch in der Riege der etablierten Kräfte des Parteiensystems: bei Union und FDP. Die schwarz-gelbe Koalition sorgt selbst für ein Durcheinander, wie es eine Partei in der Selbstfindungsphase nicht besser anrichten könnte. Und die Kanzlerin lässt es geschehen. […]
Tatsächlich wird derzeit immer offener die Frage gestellt, ob die Koalition nicht schon vorzeitig zerbrechen könnte. "Wie lange geht das noch gut?", fragt am Dienstag die "Bild"-Zeitung. Auch die bürgerliche "FAZ" äußerte bereits Zweifel: "Will diese Koalition zusammenbleiben?"  […]
Dauerstreit bei den Inhalten: Das inhaltliche Erscheinungsbild der Koalition ist derzeit alles andere als harmonisch. Egal, worum es geht, die Fronten verlaufen quer durch die Koalition, Machtworte verhallen ungehört. Betreuungsgeld, Renten, Frauenquote, Mindestlöhne, Finanzsteuer, Praxisgebühr, Pendlerpauschale, Vorratsdatenspeicherung - einheitliche Positionen? Fehlanzeige. Die Selbstblockade wird zum Regierungsprogramm.
[…] Zu tief sind die Gräben vor allem bei den aktuellen Großbaustellen: Bei der Vorratsdatenspeicherung hat sich die FDP eingebunkert, jetzt drohen Strafzahlungen nach Brüssel - und kein Kompromiss ist in Sicht. Genauso wenig beim Betreuungsgeld, dem teuren Herzensanliegen der CSU. Hier versucht die CDU den Frieden mit einer Elternrentenkorrektur zu erkaufen, die noch einmal Milliarden Euro kosten würde - mitten in der Schuldenkrise. "Irre", finden das sogar Unionsabgeordnete.

Oder werde ich doch noch eines Tages aufwachen und feststellen, daß der Amtsantritt des großen Guido Wasterwave und seiner Loser-Truppe im Herbst 2009 doch nur ein Comedy-Alptraum war?

Merkel scheint alles egal zu sein; nun ja, wir wissen ja auch, daß sie sich für politische Dinge grundsätzlich nicht interessiert.

Nur bei ein ganz paar wenigen Punkten hält sie Kurs und läßt sich nicht beirren - bei den absolut kontraproduktiven und schädlichen Gaga-Plänen, wie der Herdprämie nämlich. 
Herdprämie will Angie unbedingt.
 Klar, denn das ganze Projekt ist durch und durch schlecht und gefährlich. Dafür setzt sich die „Physikerin der Macht“ gerne ein. Daß noch nicht mal ihre Parteiuntergebenen daran irgendetwas Positives finden können, stört die Vorsitzende nicht. 
 Schließlich sind alle komplett Rückgrat-entkernt und machen jeden Unsinn mit.

 Das geplante Gesetz ist zum Symbol geworden für eine verstockte Politik, deren einziges Ziel es ist, einer maroden Koalition das Überleben zu sichern. Die Erfolge von einst gleichen jetzt einer Trümmerlandschaft. Die zuständige Ministerin Schröder sucht verzweifelt nach einem Ausweg. Sie weiß ja, dass es keinen Experten von Rang gibt, der das Betreuungsgeld verteidigt.
Die Widersinnigkeit des Betreuungsgeldes liegt auf der Hand: Es gibt gerade Eltern aus schwachen sozialen Verhältnissen einen starken Anreiz, ihre Kinder von der Kita fernzuhalten. Aber genau die haben oft frühe Förderung nötig, weil zu Hause entweder dauernd der Fernseher läuft oder die Eltern kaum Deutsch sprechen. "Das Betreuungsgeld ist ein Konjunkturprogramm für Media-Markt und Saturn", sagt der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann.
[…]  Dann gibt es aber auch die Abgeordneten mit Wahlkreisen in den Großstädten. Sie sehen, welche Fehlsteuerung das Betreuungsgeld bedeuten kann. Viele Kinder ausländischer Eltern lernen erst in der Kita Deutsch - nun setzt das Betreuungsgeld einen Anreiz, die Kleinen bis zur Kindergartenzeit oder gar bis zur Einschulung zu Hause zu lassen. Und bei anderen, so die Befürchtung, fließt das Geld einfach in Alkohol und Zigaretten. "Wenn wir das Betreuungsgeld bar auszahlen, führt das zwangsläufig zu einer sozialen Fehlsteuerung", sagt der Hamburger CDU-Abgeordnete Jürgen Klimke.
(SPIEGEL 17/12)


Avanti Dilettanti!

Montag, 23. April 2012

Das kann einem ja schon mal rausrutschen.





Der einstige Berliner CDU-Spitzenkandidat, Christ des Tages Nr 10 und heutige Bundestagsabgeordnete Frank Steffel, Jahrgang 1966, ist die Inkarnation des Westberliner kleinbürgerlichen Spießer-Klüngels. 
Mit 16 trat er in die Partei Diepgens und Landowskys ein.

Von Papi erbte er eine Teppichverleger-Firma und fühlte sich allein dadurch seinen Mitbürgern überlegen.
Linke, Migranten, Künstler - kurzum die ganze Berliner alternative Szene hasste er schon immer wie die Pest und drückte dies auch in seiner eigenen Sprache aus:
Die Süddeutschen Zeitung vom 23. August 2001 berichtete als Erste darüber, er habe in seiner Zeit bei der Jungen Union Schwarze „Bimbos“ und Türken „Kanaken“ genannt.
Behinderte waren für ihn „Mongos“ und eine Lehrerin, die diese Ausdrücke bemängelte, bezeichnete Jung-Steffel als „Kommunistenschlampe“.

Die Kritik an seinen Manieren konnte er nicht verstehen und erklärte Michel Friedman:
„Einem Jugendlichen rutscht sowas schon mal raus!“

Nun ist mir in meinem Leben auch schon allerhand rausgerutscht, von dem ich a posteriori wünschte es etwas gewählter formuliert zu haben.

Ich will auch gerne einsehen, daß ein Politiker, welcher andauernd genötigt ist Statements abzugeben und dabei stets auf Wähler zu schielen hat, noch gefährdeter ist Blödsinn zu reden.

Gerd Schröder gab diese unsäglichen Sprüche von den sofort abzuschiebenden Ausländern und dem lupenreinen Demokraten von sich. 
Schlimme Schnitzer, die aber nicht üblich für ihn sind.   

Auch ganz links blinkt man immer mal wieder ganz rechts in der Annahme das gefalle dem Urnenpöbel. 

Oskar Lafontaine zeigt seine Unzuverlässigkeit und sein Hallodritum immer wieder mal, indem er am rechten Rand fischt. Beispielsweise 2005 in Chemnitz.

Vor rund 1.500 Zuhörern hatte der frühere SPD-Vorsitzende gesagt, weil der Staat verpflichtet sei, seine Bürger zu schützen, müsse er verhindern, „daß Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“.

Unentschuldbar, weil nicht rausgerutscht, sondern immer wieder öffentlich verwendet.

Es gibt Dinge, die rutschen einem anständigen Menschen eben NICHT raus - weder heimlich, noch am Stammtisch, noch öffentlich, noch auf dem Klo.

 Die menschliche Selbstdisqualifikation zeigen die Beispiele Stoiber (Warnung vor „durchmischter und durchrasster Gesellschaft“), Martin Hohmann (Juden seien “Tätervolk” ), Oettinger (Hans Filbinger “war Gegner des NS-Regimes”) Rüttgers („Kinder statt Inder“, „faule Rumänen“), Koch (Bsirskes Reichenkritik sei “eine neue Form des Sterns auf der Brust”), Jenninger (“Faszinosum” des Nationalsozialismus ), Laschet (über Kinderkrippen: „Das erinnert mich wirklich an jemanden, der bei einer anderen deutschen Diktatur gesagt hat: Das war alles gar nicht so schlimm, die haben wenigstens die Autobahnen gebaut“), FJ Strauß (über Jusos: “schlimmsten Nazi-Typen in der Endzeit der Weimarer Republik”), Kohl (Goebbels-Gorbatschow-Vergleich, über Thierse: “schlimmster Präsident seit Hermann Göring”) und Hans Werner Sinn (“In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 “hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager“)

Nun ja, es gibt auch Nazisprüche, die nicht zwingend die häßliche braune eigene Seele zeigen, sondern womöglich nur überbordender Doofheit geschuldet sind.

Schäuble über die Klagen gegen die Vorratsdatenspeicherung: “Wir hatten den größten Feldherrn aller Zeiten’, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten.”)

Christian Wulff über Managergehälter: "Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten")

Aber Stoiber Multi-Warnung vor einer „durchmischten und durchrassten Gesellschaft“ ist eben nicht zu entschuldigen.

Nach so einem Klopfer kann man nur zurücktreten und von der politischen Bühne verschwinden.

Das gilt auch für den Piraten.

Martin Delius, Abgeordneter der Berliner Piratenpartei, ist einer der inzwischen ziemlich vielen „Einzelfälle“, der etwas raugehauen hat, das einem eben NICHT rausrutscht.

Martin Delius hatte in einem Spiegel-Interview gesagt, 
der Aufstieg der Piratenpartei verlaufe "so rasant wie der der NSDAP zwischen 1928 und 1933".

Keine Toleranz der Intoleranz. Kein Kleinreden des Rechtsextremismus.

Auch Menschen, die an sich nicht verdächtig sind, rechtsextrem zu denken, dürfen nicht so daher reden. 
Das ist kein Kavaliersdelikt und sollte einen gewissen politischen Bann nach sich ziehen.

Wie das geht, weiß ja selbst die völlig derangierte FDP, die sich gerade von einem braunen Mitglied in Guido Westerwelles Heimatverband Bonn trennt.

Der Eklat in der Deutschen Burschenschaft hat erste Konsequenzen: Die FDP in Nordrhein-Westfalen will jenen ranghohen Burschenschafter ausschließen, der Dietrich Bonhoeffer, den evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, als "Landesverräter" bezeichnet hat.  Ein Sprecher der Liberalen sagte SPIEGEL ONLINE: "Der Kreisverband Bonn hat bereits am Donnerstag beschlossen, ein Ausschlussverfahren zu beantragen." Als die Partei von den Äußerungen des Burschenschafters erfahren habe, sei sehr schnell klar gewesen, "dass sie mit den Werten einer liberalen Partei nicht vereinbar sind".  [….]  Recherchen von SPIEGEL ONLINE hatten zutage gefördert, dass Norbert Weidner - so der Name des Burschenschafters und FDP-Mitglieds - den Nazi-Widerstandskämpfer und Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im KZ hingerichtet wurde, öffentlich als "Landesverräter" bezeichnet hatte - und zwar in einem Leserbrief an die Mitgliedszeitung der "Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn". Weidner verteidigte darin zudem die Hinrichtung Bonhoeffers: "Rein juristisch halte ich die Verurteilung für gerechtfertigt." Er schreibt über eine Verurteilung, die so zustande kam: Ein nicht zuständiges SS-Standgericht hatte Bonhoeffer in den Tod geschickt, ohne Verteidigung, ohne schriftliche Aufzeichnung, mit dem KZ-Kommandanten als Beisitzer. Bonhoeffer starb am Tag nach dem Urteil durch den Strang, wenige Tage vor Kriegsende.
Dieser Brief könnte auch strafrechtlich relevant sein. In ähnlichen Fällen verhängten Richter Geld- und auch Haftstrafen, wenn Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime als "Landesverräter" bezeichnet wurden. Erst vor knapp drei Jahren musste ein CDU-Mann eine Geldstrafe zahlen, weil er Bonhoeffer ebenfalls einen "ganz gewöhnlichen Landesverräter" genannt hatte.
Weidner hatte bei seinem Eintritt in die FDP eine durchaus einschlägige Vergangenheit, wie ein Blick in die Archive zeigt: Verschiedene Zeitungen und Magazine berichteten immer wieder über den Mann. Er war demnach bei mehreren inzwischen verbotenen Organisationen dabei, unter anderem bei der "Wiking-Jugend", der "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) und der Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene (HNG) - eine Organisation, die inhaftierte Rechtsextreme betreute. Er stieg auf zu einem der führenden Köpfe und zu einem der Vordenker der militanten Neonazi-Szene.

Wieso Norbert Weidner überhaupt Mitglied der Fast-Drei-Prozent-Partei werden konnte, sollen andere beurteilen.