Dienstag, 16. August 2022

Kein politischer Anstand bei den Gelbschwarzen

Britta Ernst ist zweifellos eine der intelligentesten SPD-Politikerinnen Hamburgs in den letzten 30 Jahren. Die 61-Jährige Bildungsexpertin, Diplom-Volkswirtin und Diplom-Sozialökonomin, wurde schon mit 17 Jahren in der SPD aktiv, lernte das politische Geschäft von der Pike an. Sie war Bezirksabgeordnete, persönliche Referentin (unter anderem bei dem legendären SPD-Finanzgenie Senator Thomas Mirow) und zog 1997, während der Runde-Zeit in das Hamburger Landesparlament ein. Dort profilierte sie sich insbesondere ab 2001 in der Beustschen CDU-Schreckensherrschaft so sehr, daß jeder in ihr eine künftige Senatorin sah – sofern die SPD eines Tages wieder die Regierung stellen würde. Dann aber hatte sie Glück und Pech.

Endlich, 2011, nach 14 Jahren als Landesabgeordnete kam der sensationelle SPD-Wahlsieg. Es reichte zur absoluten Mehrheit. Alle Senatorenposten konnten von der SPD besetzt werden. Als Qualifizierteste und Talentierteste, die zudem über die besten Beziehungen zum Parteichef und künftigen Bürgermeister verfügte, hätte sie sich in vielen anderen Ländern den Traumjob aussuchen können. Stattdessen war ihre Hamburger Karriere aber schlagartig zu Ende, denn die neue starke Figur war nicht nur Parteivorsitzender und Regierungschef, sondern auch ihr Ehemann.  Für das Ehepaar Ernst-Scholz gab es kein Zögern: Man kann nicht seine eigene Ehefrau mit Posten versorgen. Als Top-Politikerin blieb ihr nur übrig, Hamburg zu verlassen.  Sie war am 20.02.2011 ebenfalls wieder in die Hamburger Bürgerschaft gewählt worden, gab ihr Mandat aber Ende August 2011 freiwillig ab, zog nach Berlin, um für die Bundestagsfraktion zu arbeiten und wurde schließlich 2014 Ministerin in Kiel.

Scholz und Ernst sind ein im besten Sinne modernes Paar. Beide sind Vollblutpolitiker, hochintelligent, extrem belesen und zeigen keinerlei Interesse an Glamour oder Protz.

Der öffentlich so kontrollierte Olaf Scholz kann richtig wütend werden, wenn er gefragt wird, ob seine Frau wegen seines neuen Amtes ihren Job aufzugeben gedenke, um als First Lady an seiner Seite zu stehen. Selbstverständlich nicht! Sie sind gleichberechtigte Partner und keinesfalls ordnet sich einer für die Karriere des anderen unter. Viel mehr erfährt man allerdings auch nicht über das Eheleben des Kanzlers. Sie machen keine Homestories mit der BUNTEN, verbreiten keine Puddingrezepte oder Urlaubsbilder, sie halten sich konsequent fern vom Boulevard, tauchten nie in der Yellow Press auf.

Das diametrale Gegenteils dieses Paar-Models exerzieren Lindner und Lehfeld vor. Es käme sicher niemand auf die Idee, ihn als Aktenfresser oder Intellektuellen zu beschreiben. Als Minister fällt er mit hanebüchener Unkenntnis auf.

Für ihn ist der Boulevard alles; darin unterscheidet er sich keinen Deut von seinem Vorvorgänger Westerwelle oder seinem Kumpel Spahn, die jeden Donnerstag hechelnd die Registerseiten von GALA und BUNTE studier(t)en, um sich selbst bei „Events“ zu bewundern. Es gibt kaum einen Roten Teppich, auf dem Lindner sich nicht blicken lässt. Er posiert für die Klatschmedien mit Porsche, mit Rolex, als Jäger, im Rennwagen-Outfit, als Soldat, im T-Shirt, in Schwarzweiß, mit Brusthaar, ohne Brusthaar.
Spahn heiratete konsequenterweise gleich einen BUNTE-Chef und Lindner entsprechend eine RTL-Klatschreporterin, die als Instagrammerin mit 117.000 Followern ihr eigene Hochzeit mit dem feschen Lindi, gleich selbst vermarktet und unter sympathischen Hashtags zu Geld macht.

Wenig verwunderlich, daß eine Klatschbase mit so exzellenten Verbindungen in die Bundesregierung, beruflich schnell weiter aufstieg und Chefreporterin der ultrakonservativen WELT-Gruppe wurde, die ungeniert gemeinsam mit den Brüdern von der BILD, Hochberichterstattung von der Lindner-Lehfeld-Glamour-Hochzeit auf Sylt fabrizierte. Eine Hand wäscht die andere.


Bei Springer kennt man das schon; auch Lindners erste Frau, Dagmar Rosenfeld, arbeitet als WamS-Chefredakteurin bei dem Hetz-Verlag.

Anders als Ernst und Scholz, kennen L&L selbstverständlich keinerlei Schamgefühl und setzen das Crosspromoting ungeniert fort.

Sie kann ihren Insta-Kanal lukrativ mit Regierungs-Insider-Infos bespielen; er bekommt Hofberichterstattung von Poschardt und Co.

[…] Wie schön, könnte man meinen, Christian Lindner und seine Inzwischen-Ehefrau Franca Lehfeldt vereint auf einem Vorschaubild auf Youtube. Nur handelt es sich bei dem Video dahinter vom 22. Juni 2022 nicht um einen Mitschnitt ihrer Promi-Hochzeit auf Sylt, sondern um ein Nachrichtenvideo des Fernsehsenders "Welt". Christian Lindner hebt mahnend den Finger, Franca Lehfeldt hält ein Mikrofon mit "Welt"-Aufschrift in den Händen. […] Seit Mai 2022 ist Franca Lehfeldt "Chefreporterin Politik" des Fernsehsenders "Welt", eine Stelle, die es vorher so nicht gab. […] Auch in ihrem neuen Job kommentiert sie Waffenlieferungen der Bundesregierung an die Ukraine - der Bundesregierung, der ihr Ehemann angehört - und interviewt den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz - der nicht nur Gast auf der Lehfeldt-Lindner-Hochzeit war, sondern als Oppositionsführer ein politischer Konkurrent von Lindner ist. […] In den […]  "Leitlinien der journalistischen Unabhängigkeit", die man auf der Homepage von Springer herunterladen kann, steht unter der Überschrift "Private und geschäftliche Interessen" Folgendes: "Die Journalisten bei Axel Springer berichten grundsätzlich nicht über nahestehende Personen, insbesondere Familienangehörige, es sei denn, es liegt ein mit dem jeweiligen Vorgesetzten abgestimmter sachlicher Grund vor." […] "Auch wenn sich gelegentlich Überschneidungen nicht vermeiden lassen, können wir hier keinen Interessenkonflikt erkennen." Kein Handlungsbedarf also bei der von Chefredakteur Ulf Poschardt geführten Welt. […] Besonders bemerkenswert: Lehfeldts Berichterstattung über einen Eklat im Verteidigungsausschuss. […] Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass man im Springer-Verlag wegen Christian Lindner ein Problem mit Interessenkonflikten hat: 2017 kassierte die Zeitung Welt eine Missbilligung des Presserates, weil Lindners damalige Ehefrau, Dagmar Rosenfeld, über ihren Mann berichtet hatte. […]

(SZ, 16.08.2022)

Montag, 15. August 2022

Der planlose Porsche-Pudel.

Wäre ich ein konservativer Ökonom, der reine neoliberale Angebotspolitik vertritt und für möglichst große Unternehmergewinne stets die Lohnkosten drücken wollte, würde ich mir echte Sorgen machen.

Denn für diesen politischen Ansatz stehen in Deutschland mit Merz und Lindner ausgerechnet zwei einfältige Laien, die dem staunendem Publikum immer wieder ihre Unkenntnis simpelster ökonomischer Zusammenhänge demonstrieren.

 (….) In der Opposition kann Merz die Klappe beliebig weit aufreißen. Er hat noch nie regiert, noch nie eine Wahl gewonnen, noch nie Verantwortung getragen. Ihn kann man an nichts messen, weil man nur seine Worte hat.

In ökonomischen und finanziellen Dingen ist er zwar Laie und redet hanebüchenen Unsinn, aber dafür findet er sich selbst so ungeheuer fabelhaft, daß ihm alle ähnlich Verblödeten gern zujubeln.

Alle Merzschen Wirtschaftsprognosen stellten sich im Nachhinein als völlig falsch heraus. (….)

(Dumme Konservative, dummes Volk, 04.08.2022)

Selbst der ökonomisch neoliberale SPIEGEL sorgt sich inzwischen um das kontinuierliche Fettnapf-Hopping des Friedrich Merz, der nun auch noch beginnt, die AfDsche Covidiotie zu adaptieren.

Bei Porsche-Boy Lindner sind die enormen Wissenslücken noch frappierender, weil er bedauerlicherweise regiert und quasi im Alleingang katastrophale Fehlanreize, wie den milliardenschweren Tankrabatt, verbrechen kann, um in dieser Energiekrise MEHR Benzin zu verbrauchen und die Ölmultis in noch größeren Gewinnen schwimmen zu lassen.

(….)   Aber immerhin scheint der Finanzminister nicht realitätsblind zu sein und erkennt, wie nah er sich am Abgrund befindet. Für eine Partei, die wie die FDP ohne Programm und ohne fähiges Personal in eine Regierung geht, wiederholt sich die Geschichte von 2009-2013. Nach der Regierungsbeteiligung dürfte es direkt wieder in die außerparlamentarische Opposition gehen.

Hohe Zeit, noch Pflöcke für die reichen Parteispender einzuschlagen, so lange er noch an den Fleischtöpfen der Macht sitzt.

Also geht es an eine Steuerreform. Wir kennen schließlich alle das dramatische Auseinanderdriften der sozialen Schere. Die Superreichen werden immer schneller immer superreicher, weil sie durch bloßes Rumsitzen und Nichtstun als (Immobilien-)Besitzer von ganz allein jedes Jahr Milliarden dazu geschaufelt bekommen, während immer mehr Arme in immer größere Bedrängnis geraten, weil sie durch die acht Prozent Inflation kaum noch die Wohnnebenkosten und Lebensmittel bezahlen können. Sie werden auf kalt duschen und frieren eingeschworen. Tafeln schließen, weil der Andrang zu groß wird.

Einen Neoliberalen wie Lindner, der sich privat auf Luxus-Sausen amüsiert, freut es.

Also plant er Steuersenkungen für die Topverdiner, damit sie reicher werden, während die untere Hälfte der Verdienstpyramide leer ausgeht, weil sie ohnehin keine Einkommenssteuer zahlt. (….)

(Lindner lindnert, 28.07.2022)

Es ist noch eine Menge Legislaturperiode übrig; viel Zeit für Lindner, um die Nation tiefer in den Dreck zu reiten.

Service-Tweet: Rechnerisch ergeben sich aus der #Gasumlage von 2,419 Cent/KWh ein zusätzlicher Inflationsschub von etwa 1,0 Prozentpunkt. Wenn es gelingt, die MWSt. darauf nicht zu erheben, bleibt es bei 0,8 Prozentpunkten.  Unten unsere Berechnungen auch für alternative Höhen.

(Finanzökonom Sebastian Dullien, 15.08.2022)

Besser total falsch regieren, als nicht regieren?

Bei Lindner habe ich inzwischen den Eindruck, er macht diese idiotische Politik nicht aus ideologischer Verblendung oder weil er von Porsche-Chef Blume bezahlt wurde, sondern er ist möglicherweise wirklich zu blöd, es nicht besser zu wissen.

Man muss wahrlich nicht Volkswirtschaftslehre studiert habe, sondern nur ein wenig in der Schule beim Gemeinschaftskundeunterricht anwesend gewesen sein, um zu bemerken, was für einen Unsinn Lindner; voller Überzeugung und Verve von sich gibt.

Rolex-Porsche-artige Protz-Sprüche der FDP, wie von der „spätrömischen Dekadenz“ (Westerwelle), der „Partei der Besserverdienenden“ (FDP-General Hoyer) oder der „Gratismentalität“ (Lindner), sind Dummheiten, weil es politische Eigentore sind.

Sie werden auf den entsprechenden Instagramm-Accounts der reichen Erben – „Bonzenbube“, „Rich kids of Germany“, „“deutscher Jungadel“, „Papas Kreditkarte“ - gefeiert, dürften aber eher dazu beitragen, die FDP auf unter 5% zu schrumpfen.

Bedenklicher ist die hinter diesen Sprüchen deutlich werdende allgemeine Unkenntnis wichtiger Bundesminister.

[….] Wie geht es weiter mit dem 9-Euro-Ticket? Am besten gar nicht – findet Finanzminister Christian Lindner. »Es stehen in der Finanzplanung für eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets keinerlei Mittel zur Verfügung«, sagte der FDP-Chef der »Augsburger Allgemeinen« . Er sei von einer »Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen« auch im öffentlichen Nahverkehr nicht überzeugt. [….] Lindner wittert beim günstigen Nahverkehr »Umverteilung«. Den Grünen warf er »linke Polemik« vor, weil diese vorschlugen, ein günstiges ÖPNV-Ticket mit Einschränkungen bei den Dienstwagensubventionen zu finanzieren. [….] Steuervorteile für Dienstwagenbesitzer [….]  bezwecken [….]  etwas anderes: Sie kurbeln den Neuwagenabsatz in Deutschland an und helfen somit der heimischen Autoindustrie. Zudem entlasten sie Betriebe. Diese sparen faktisch oft Geld, wenn sie ihren Beschäftigten einen Wagen auch zur privaten Nutzung überlassen, anstatt ihnen mehr Lohn zu zahlen. Etwa zwei Millionen Dienstwagen gibt es in Deutschland, die privat genutzt werden dürfen. Das 9-Euro-Ticket nutzten zuletzt etwa 30 Millionen Menschen im Monat.

Die Dienstwagenbesteuerung verursachte zuletzt Einnahmeausfälle von durchschnittlich 4,4 Milliarden Euro im Jahr, schätzt das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft – mögliche Umwelt- und Klimaschäden nicht eingerechnet. Das 9-Euro-Ticket kostet den Staat für drei Monate 2,5 Milliarden Euro, ein 69-Euro-Ticket würde laut VDV mit etwa zwei Milliarden Euro im Jahr zu Buche schlagen.

Eine »Gratismentalität« könnte man indes den überwiegend gut verdienenden Dienstwagenfahrerinnen mindestens genauso unterstellen wie Nutzern des Nahverkehrs mit bezuschusstem Abonnement. [….] Doch ein besonderer Reiz liegt für viele darin, dass sie mit dem Wagen faktisch kostenlos und unbegrenzt herumfahren können. Den Treibstoff zahlt oft der Arbeitgeber komplett. Anreize zum Spritsparen? Fehlanzeige. [….]

»Das wirkt wie eine ›Flat Rate‹ zur Nutzung des Pkw und führt dazu, dass es sich nicht lohnt, für private Wege den ÖPNV oder die Bahn zu nehmen«, urteilt das Umweltbundesamt. Mehr Emissionen sind die Folge. »Durchschnittlich fahren Dienstwagen 30.000 km im Jahr, Privatwagen nur 12.400 km.« [….]

(SPIEGEL Nr. 33, 13.08.2022, s.100)

Sonntag, 14. August 2022

Auswandern

Natürlich kann ich mich den ganzen Tag über die üblen Zustände in Deutschland aufregen. FDP, Merz. AfD, Sachsen, Modegeschmack, Schlagermove. Da kommt einem schnell mal der Gedanke, irgendwo anders auf der Erde, müsste es sich viel besser leben lassen. Wenn man darüber länger als zehn Sekunden nachdenkt, wird nur zu offensichtlich, daß die vielen Kritikpunkte an den deutschen Zuständen von der genauen Kenntnis des Landes herrühren.

Sobald man sich etwas intensiver mit der Parteipolitik einer anderen Nation beschäftigt, verdüstert sich das Bild schlagartig. Auch wenn ich keinen Funken Patriotismus oder Nationalismus für irgendeine Nation in mir verspüre, muss ich doch konzedieren, in Hamburg mehr Wohlstand, Frieden und Sicherheit, als in den allermeisten anderen Weltgegenden zu erleben.

Wer aus Deutschland auswandern will, weil er nicht irgendwohin, sondern weg will, jammert auf sehr hohem Niveau.

Zudem bin ich grundsätzlich zu einem Langweiler mutiert; ich sitze gern allein in meiner Bude und beschäftige mich geistig mit all den Themen, die mich interessieren.

Eine grandiose Natur mit pittoresken Wanderwegen (zB Yosemite-Nationalpark, Island) oder eine Weltkultur-Metropole (Paris, Amsterdam) wären Verschwendung an mir. Wozu also all mein Hab und Gut umständlich und teuer durch die Welt schleppen?

Es gibt aber grundsätzliche Erwägungen, die mit zunehmenden Alter wichtiger werden. Insbesondere kinderlose Singles wie ich, müssen sich überlegen, wie sie als klapprige Geronten gepflegt werden, wenn sie nicht das Glück haben, zu sterben, bevor sie leidend werden, oder sich rechtzeitig selbst ausschalten.

Es gibt daher deutliche Migrationsströme deutscher Senioren nach Osteuropa oder Thailand. Da sind Pflegekräfte vergleichsweise billig; man wäre mit Altersbezügen aus Deutschland vergleichsweise reich.

Es gibt aber einige Haken an dem Plan. Viele fidele Rentner mit Sonnenaffinität zieht es mit Mitte 60 auf die Balearen oder an die Algarve oder das Ferienhaus in Andalusien. Das stellt sich oft aber als nicht finale Lösung heraus. Ist man gesetzlich versichert und wird mit Mitte 80 immer hilfsbedürftiger, muss man oft zurück nach Deutschland: Wegen der ärztlichen Versorgung und kann sich dann nur noch ein winziges Zimmerchen leisten. Es gilt also so zu planen, daß es der letzte Umzug sein wird.

Für mich erhöhen aber zwei weitere Gründe den Emigrationsdruck. Erstens sind mittlerweile durch diverse Todesfälle meine privaten Verpflichtungen entfallen. Ich muss niemanden mehr versorgen, bin ungebunden. Zweitens war ich schon als kleiner dünner Junge psychrophil veranlagt. Ich konnte ewig im eiskalten Wasser schwimmen und lief bis in den Herbst nackt draußen rum. Meine Oma beobachtete mich beim Spielen und gelegentlich klopfte sie an die Panoramascheibe ihres Gartenzimmers. Das war das Signal für mich, zu ihr zu flitzen, über die Rosenbeete zu ihr auf die Terrasse zu springen. Sie legte dann die Hand auf meinen Rücken und ich sagte lachend „nein, Oma, mir ist überhaupt nicht kalt“.

Als Schüler und Student mochte ich keine Wärme. Inzwischen sind die Temperaturen in Deutschland eine monatelange Qual für mich. Am 20.07.2022 wurden in Hamburg offizielle 40,1°C gemessen. Seit einer Woche habe ich kaum noch geschlafen, weil es jeden Tag über 30°C heiß wird und meine Bude sich kontinuierlich aufheizt.

Ich kenne natürlich a) die Gründe und b) die Aussichten für die nächsten Jahre.

Dagegen hilft nur Umzug in ein modernes Haus mit leistungsstarker Klimaanlage; das wäre aber ein finanzielles und stromverbrauchendes Problem. Oder eben auswandern.

Es wird also Zeit, den Gedanken zu konkretisieren.

Sehr viele Länder, die zweifellos für die meisten Menschen Traumziele sind, fallen für mich weg:

1.) Es kommt nur kühleres Klima als Deutschland in Frage.

2.) Ich spreche leider nur deutsch und englisch fließend, will mich aber unbedingt problemlos mit den Einheimischen verständigen. Ohne das Sprachtalent meiner Mutter geerbt zu haben, muss ich mich also auf französisch, spanisch oder italienisch (da habe ich immerhin Grundlagen) oder eine deutsch-ähnlich Sprache konzentrieren (Niederländisch, schwedisch). Etwas ganz Neues wie finnisch traue ich mir nicht zum, für andere Schriftzeichen bin ich zu faul.

3.) So sehr ich Multikulti-Fan bin und mich über jedes nicht käseweißes Gesicht in Hamburg freue; ich bin mir des weltweiten Rassismus‘ durchaus bewußt und muss zu meiner Schande zugeben, daß ich ungern meinen Lebensabend irgendwo verbringen würde, wo ich optisch immer auffalle.

4.) Nach dem Umstand einer Auswanderung, möchte ich nicht an einem Ort landen, an dem ich mir um Dinge wie Erdbeben, Hochwasser, Hurrikans, Vulkane, Feuersbrünste oder Sturmfluten Sorgen machen muss. Ich hege beispielsweise eine große Liebe zu Holland, aber angesichts weltweit dramatisch steigender Meeresspiegel, will ich nicht auf einem Polder sitzen. Die ständige Atlantik-Brise an den Outerbanks von North Carolina fasziniert mich genau wie die dortige Architektur. Aber die leben in Holzhäusern oder fundamentlosen Konstruktionen, bei denen bloß ein Ständerwerk verputzt und mit Gipsplatten versehen wurde.

Ich würde mir bei jeder Orkan-Saison sorgenvoll in die Hosen machen.

Was bleibt dann eigentlich übrig?

Die politisch sympathischsten Nationen mit für mich akzeptablen Klimazonen sind Kanada und Neuseeland. Die erfüllen viele Bedingungen, Die Sprache wäre kein Problem, mein Teint würde nicht auffallen, es gibt ein gutes Gesundheitssystem.

Nachteil: Da möchten viele Menschen gern leben, daher gibt es strenge Einwanderungsregeln mit Punktesystemen, an denen ich vermutlich schon wegen meines Alter scheitern würde

Da ich über einen USA-Pass verfüge, wäre Amerika eine naheliegende Wahl. Eine der wenigen Möglichkeiten ohne Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung.

Die meisten Bundesstaaten sind aber viel zu heiß, die liberalen kleinen Staaten an der Nordostküste sind extrem teuer und unwettergefährdet. Mein Lieblingsbundesstaat ist Washington, die Natur an der Nordgrenze liebe ich. Aber da wird es neuerdings im Sommer auch unerträglich heiß, Wälder brennen und die Immobilienpreise sind astronomisch. Klimatisch wäre Alaska ideal.

Aber das ist Trumpland, von 2006 bis 2009 regierte Sarah Palin dort als Gouverneurin. Seit 20 Jahren regieren dort Republikaner, beide alaskanischen US-Senatoren sind Republikaner. Seit 1968 stimmte Alaska bei US-Präsidentschaftswahlen immer nur für den Republikaner, 2016 und 2020 siegte Trump haushoch. Natürlich herrschen die Trumpster auch auf Bundesstaatsebene.

Zudem sind die Alaskaner alle bis an die Zähne bewaffnet und den USA steht ein Bürgerkrieg bevor.

Da möchte ich ungern als der einzig Unbewaffnete aus diesem eigenartigen kommunistischen Deutschland dazwischen sitzen.

In Europa wäre abgesehen von Finnland (wegen der Sprache), Skandinavien interessant. Aber die Lebenshaltungskosten sind exorbitant; insbesondere in Norwegen. Und die Scheiß Mückenplage im Sommer! Außerdem haben wir da ein klitzekleines Problem mit Russland. Putin ist schwer genervt vom Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO. Ob es da so schlau ist, noch viel näher an die russische Grenze zu ziehen?

Irland ist schön und (noch) nicht ganz so heiß wie Deutschland, aber da sind die Immobilienpreise gewaltig. Viel günstiger und wohl noch etwas kühler wäre Schottland. Aber nach dem Brexit herrschen im Vereinigten Königreich sehr xenophobe Tories, die Migranten pauschal nach Ruanda ausfliegen lassen.

Mit der britischen Wirtschaft geht es rapide bergab. Ich hätte weder Lust von einem ausländerfeindlichen Mob mit Forken und Mistgabeln gejagt zu werden, noch nach Ostafrika verschleppt zu werden – da ist es mir definitiv zu heiß.

Island wäre ein natürlich ein Traum. Da wird aber die Sprache ein Problem, das Leben dort ist extrem teuer und zudem essen die den ganzen Tag nur gekochten Hammel oder vergammelten Eishai.

Als Vegetarier bekomme ich dort, genau wie in Grönland, ein extremes Ernährungsproblem, weil Gemüse eingeflogen werden muss, was weder finanziell noch ökologisch verantwortungsvoll ist.

Damit kann ich schon die gesamte nördliche Hemisphäre als neue Heimat ausschließen.

Es bleiben also nur noch die kühleren Inseln rund um die Antarktis.

Malvinen, südliche Sandwich-Inseln, südliche Orkneyinseln und Südgeorgien etwa. Französische Süd- und Antarktisgebiete, Heardinseln, McDonaldinseln.

Südgeorgien und die südlichen Sandwichinseln im subantarktischen Südatlantik gehören zu England. Oder zu Argentinien, wenn man in Buenos Aires fragt. Das Wetter gefällt mir, aber da alle diese Inseln unbewohnt sind, dürfte die Infrastruktur für einen faulen und potentiell pflegebedürftigen Rentner mit Appetit auf frisches Gemüse eher suboptimal sein. Ähnliches gilt für die weit entfernten Inseln Amsterdam und Sankt Paul, die Crozetinseln, das Adélieland und das Kerguelen-Archipel; also die Französischen Süd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises, TAAF) im indischen Ozean.

Auf allen Inseln zusammen leben nur zwischen 100-200 Bewohner; alles Antarktisforscher oder Militärs.

Auch die Heardinseln und McDonaldinseln, die heute zu Australien gehören, sind unbewohnt. Dort landeten vor 150 Jahren Robbenfänger und nachdem sie jedes einzelne Tier ausgerottet hatten, zogen sie wieder ab. Menschen; man muss sie einfach lieben.

Es bleiben also tatsächlich nur die Falklandinseln, die Maggie Thatcher 1982 in Europa bekannt machte.

Der wärmste Monat ist der Februar, wenn das Thermometer auf durchschnittlich 9°C klettert. Herrlich. Die 3.000 Bewohner werden nur von der britischen Luftwaffe versorgt. Viel los ist also nicht gerade. Aber man kommt mit englisch durch.

Ich werden also mal nach den Immobilienpreisen der rund 200 Falkland-Inseln googeln.

Samstag, 13. August 2022

Falsche Richtung

In den USA bricht die heiße Wahlkampfphase an, der demokratische Präsident kämpft mit historisch schlechten Zustimmungswerten, während die destruktiven Republikaner sich vollständig ihrem multikriminellen Messias verschrieben haben und gegen „law and order“ kämpfen. Sie attackieren, Polizei, Richter, FBI, Staatsanwälte, kreischen „Defund the FBI“ und veröffentlichen Adressen von FBI-Beamten, um ihnen Attentäter auf den Hals zu hetzen. Dafür wird ihnen ein Wahlsieg in House und Senat prognostiziert.

 

Die demokratische Partei agiert notorisch zurückhaltend, traut sich nicht, gegenzuhalten, glaubt immer noch an „common sense“ und Vernunft des Wahlvolkes, während Aktivisten, pundits, Experten sich wieder einmal den Mund fusselig reden, man möge endlich die Samthandschuhe ausziehen und die Wokeness-Themen vergessen.

Stattdessen sahen sie tatenlos zu, wie in den republikanischen Bundesstaaten die Wahlgesetze so vergewaltigt wurden, daß demokratische Kandidaten zukünftig kaum noch Siegeschancen haben.

Schon vor zwei Jahren rieten Demokratische Aktivisten wie Brian Tyler Cohen und David Pakmann, dringend der Biden-Regierung, ihre (knappen) Mehrheiten in beiden Kammern zu nutzen, um den Filibuster zu beerdigen. Um den Obersten Gerichtshof personell aufzustocken, so daß die absurde rechtsextreme Mehrheit der Richter gebrochen wird. Außerdem sollten Washington DC (700.000 Einwohner) und Puerto Rico (3,2 Millionen Einwohner) zu Bundesstaaten erklärt werden, damit vier zusätzliche (mutmaßlich demokratische) Mitglieder in den US-Senat geschickt werden, um die abstruse republikanische Dauerherrschaft gegen die überwiegende Mehrheit des Volkes abzuschwächen. Der erzrepublikanische Staat Wyoming hat 570.000 Einwohner und schickt immer zwei GOP-Senatoren nach Washington, die dasselbe Stimmengewicht haben, wie die beiden Kalifornischen Senatoren, die für 40 Millionen Einwohner sprechen.

Der arme fehlgeleitete Joe Biden glaubt aber immer noch an die Möglichkeit überparteilicher Zusammenarbeit in den USA. Der DNC schiss sich unterdessen ein, weil „expand the court“ womöglich Unfrieden bringe und die GOPer sauer machen könne.

Man kann nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen bei so viel demokratischer Naivität. Die GOP ist die Partei, die sich für einen Rassisten begeistert, einen blutigen Coup-Versuch nicht strafrechtlich verfolgen lassen will, unverhohlen dazu aufruft, FBI-Agenten zu ermorden, Kinder in Käfige sperrt und verbissen dafür kämpft, noch mehr als 40.000 Menschen jedes Jahr in den USA erschießen zu lassen.

Selbstverständlich werden Hawley und Cruz, die hochkriminellen Lügner und Hetzer, vollkommen ausflippen, wenn die Demokraten vier zusätzliche Sitze im Senat bekämen. Aber so what? Die rasten genauso aus, wenn in Alaska ein homosexuelles Karibu gesichtet wird. Außerdem wären sie immer noch vom Wahlrecht bevorzugt.

Wozu die Demokratische Partei offenbar nicht fähig ist, nämlich endlich in einen aggressiven Angriffsmodus zu gehen, versuchen progressive Gruppen wie „Meidastouch“ oder „Occupy Democrats“ zu kompensieren.

Sie fluten ihre Social Media Kanäle mit Informationen über die erfolgreiche Regierungsarbeit Bidens.

Die US-Demokraten sind genau wie die deutsche SPD völlig unfähig, ihre eigenen Erfolge zu bewerben, Talkingpoints vorzugeben und die öffentliche Diskussion zu prägen. Beide Parteien lassen sich lieber von rechten Schreihälsen vorführen und versuchen anschließend auf traurige Weise, die falschen Vorwürfe richtig zu stellen.

So dominiert beispielsweise Markus Söder die politische Diskussion für die Energieversorgung, setzt die SPD unter Druck.

Dabei ist es natürlich Söders völlig falsche Politik, die Bayern in so eine katastrophale Lage gebracht hat.

[….] Immer wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder mit dem Rücken zur Wand steht, fährt er eine Attacke. Frei nach dem Motto: Wer laut ist, kann nicht gleichzeitig völlig im Unrecht sein. Er hat den Mechanismus oft genutzt. Auch, weil der sogar funktioniert, wenn das Publikum den Braten riecht. Und das wiederum liegt daran, dass Söder ein Meister einer ganz speziellen Disziplin ist: der Aufmerksamkeitsablenkungstrickserei.   In dieser Woche konnte man das wieder mal exemplarisch beobachten. Da schaffte es Söder mit einem Besuch im bayerischen Kernkraftwerk Isar 2 bei Landshut am Mittwoch in fast alle Medien. Ein dpa-Foto dokumentiert, wie er mit dem CDU-Chef Friedrich Merz irgendwo zwischen grünen Bäumen langläuft (Subtext: zwei ernsthafte Staatsmänner ins Gespräch vertieft). Ein anderes zeigt ihn auf einer Bühne vor dem Kühlturm (Subtext: Wir kümmern uns um eure Energieversorgung). Hören oder lesen kann man dann, wie Söder fordert, dass die deutschen AKW weiterlaufen sollen. An Neuigkeiten produziert die Pressekonferenz also genau nichts, null, niente. Der Politiker wiederholt, was er schon seit Wochen sagt, nur vor einer neuen Kulisse. Und trotzdem berichten viele Medien.  […]

(Zeit, 05.08.2022)

Söder schafft Probleme, aber keine Lösungen. Sozialdemokraten und Grüne arbeiten an Lösungen. Die gesamte Medienaufmerksamkeit greift aber Söder ab, dessen CSU 30 Punkte vor der bayerischen SPD liegt.

Wo ist eigentlich Kevin Kühnert geblieben? Von dem habe ich seit Wochen nichts gehört. Sollte er nicht als SPD-Generalsekretär Merz und Söder jeden Tag für ihre Unverschämtheiten abwatschen?

Wieso gibt es in Deutschland keine wirkungsmächtigen „SPD-pundits“, die wie Brian Tyler Cohen oder Meidastouch in den USA für die Demokraten, hierzulande SPD-Werbung betreiben?

Selbst die liberalsten Aktivisten der USA prahlen nun mit „Bidens“ niedrigen Benzinpreisen. Das ist verständlich, weil sich die Wähler offensichtlich mehr für ihre Tankrechnung, als für gay rights oder Umweltschutz interessieren.

Die Grünen haben das ebenfalls begriffen, und werfen erfolgreich alle ihre ökologischen Essentials über Bord. Nun plädieren sie für Kohlekraftwerke, liebäugeln mit Laufzeitverlängerungen für Atomanlagen und kaufen Fracking-Gas ein.

Wahlkampftechnisch ist das ein Fortschritt.

Für den Fortbestand der Fauna und Flora auf diesem Planeten ist das natürlich ein Rückschritt.

Die Apokalypse ist in vollem Gange. Benzinverbrauch und Kohlevertromung sollten nicht billiger, sondern unbezahlbar werden, damit endlich die CO2-Emissionen verringert werden.

Freitag, 12. August 2022

Schilda-Realität

Mit Republikanern zu reden ist sinnlos geworden. Ebenso ist es völlig vergeblich, sich mit Medien zu beschäftigen, die mit Morbus Trumpus infiziert sind. Sie sind nicht argumentativ greifbar, weil alle Phasen-verschoben in eine Schildbürger-Gedankenwelt versetzt wurden

Klan-Mum und die anderen Trump-Jünger setzten nach der Mar A Lago-Durchsuchung sofort zu einem gewaltigen Shitstorm gegen FBI, Richter und das Justizministerium an: Diese müssten sofort den Durchsuchungsbefehl veröffentlichen. Das nicht zu tun, zeige wie unfair mit Trump umgesprungen werde. Natürlich vergaßen sie zu erwähnen, daß Trump eine Kopie des search warrants erhalten hatte und selbst jederzeit veröffentlichen könnte, was gegen ihn vorgebracht wurde.

Gestern veröffentlichte der Justizminister tatsächlich das entsprechende Papier und ohne die geringste Scham, kritisierten ihn dieselben Leute nun dafür, er habe Trump damit unfair behandelt.

US-Atomwaffen-Geheimnisse: die Ereignisse überschlagen sich. Die Washington Post berichtet, es handle sich bei den Dokumenten, die Grund für die FBI-Razzia bei Trump waren, um US-amerikanische Dokumente zu Atomwaffen. Mehrere seriöse Nachrichtenseiten stellen eine Verbindung zu

(Paul Schuierer-Aigner, 12. Aug. 2022)

Alltag in den USA: Statt auch nur eine Mikrosekunde peinlich berührt zu sein, poltern und prahlen MTG und Co immer weiter. Demoskopische Konsequenzen: Keine.

Marco Rubio, erzkonservativer US-Senator aus Floria, der sich bei der US-Präsidentschaftskandidatur 2016 einen Kampf um den kleineren Penis mit Trump lieferte, verstand sich schon wenig später als 100%iger Trump-Jünger.

[….] “He’s always calling me ‘little Marco,’” Rubio said, while reading Trump’s Twitter feed at a rally in Virgina on Sunday. “I’ll admit he’s taller than me. He’s like 6’2’’, which is why I don’t understand why his hands are the size of someone who’s 5’2’’. Have you seen his hands? And you know what they say about men with small hands?”  Rubio’s supporters, realizing that their presidential candidate had just suggested that the other presidential candidate has an unusually small penis, roared with approval.  “You can’t trust ’em!” Rubio then shouted four or five times, to make clear that he hadn’t really “gone there.” […]

(NYMag, 29.03.2016)

Seinen orangen Messias verteidigt er wie eine tollwütige Bulldogge und lässt MAGA-World wissen, der Richter, der den Durchsuchungsbefehl unterschrieben habe, wäre ein linker Obama-Mann. Ebenso polterte Trumpland bereits gegen den FBI-Direktor Christopher Wray. Das Gegenteil ist wahr. Beide wurden von Trump selbst ernannt.

Aber im Trumpkosmos fallen den Jüngern ihre tolldreisten Lügen nicht mehr auf die Füße. Realität, Wahrheit und Fakten wurden in ihrer Untergangs-Sekte vollständig abgeschafft. Dreist zu lügen, ist noch nicht mal mehr dreist, sondern üblich. Wer noch in der Wirklichkeit lebt und auf solche Widersprüche hinweist, findet keinerlei Gehör mehr. Es schadet den GOPer Kandidaten kein bißchen, immer wieder bei kriminellen Aktivitäten und abstrusen Lügen ertappt zu werden. Im Gegenteil, es ist wie bei einer ultraorthodoxen Religion: Wer am lautesten offensichtlich irrealen Dinge behauptet, wird als besonders treuer Trumpist bewundert.

Ultra-Magats brüsten sich mit dem Slogan „back the blue“ (bedingungslose Unterstützung der Polizei), während sie den Trump-Mob verteidigen, der Dutzende Polizisten schwer verletzte und tötete. Wie von Sinnen, hetzen sie nun gegen das FBI und rufen ungeniert dazu auf FBI-Agenten zu töten.

Hold on, Breitbart just put out the names of the FBI agents who did the search? Are you kidding me? And presumably Breitbart got leaked this search warrant from Trump, unredacted?

Wow good luck to those agents & their families. Sheesh the right don’t give a damn about ‘the blue’.

(Mehdi Hasan, 12. Aug. 2022)

Daß Trump offensichtlich ein Hochverräter ist, hochgeheime Unterlagen über Atomwaffen entwendete, ist laut seiner Anhängerschaft erstens gar nicht wahr, weil das FBI falsche Beweise platzierte und zweitens durfte er die Unterlagen mitnehmen.

Es ist natürlich eine „Hexenjagd“ der „radikal Linken“, die in der Entwendung hochgeheimer Akten eine Straftat sehen.

Donald Trump signed a law that strengthened the penalty for mishandling classified documents from 1 year in prison to 5 years and made it a felony in an attempt to punish Hillary Clinton. Now it can be used against him. Oops.

(MeidasTouch, 12. Aug. 2022)

Trump, seine Claqueure, die GOP, FOX, die republikanischen Abgeordneten werden in Echtzeit widerlegt und bloßgestellt. Allein, es bleibt ohne Effekt auf ihre Zustimmungswerte. Politische Diskussionen sind in den USA unmöglich geworden, weil die eine Hälfte der Nation, die Andere hasst wie die Pest und keinerlei gemeinsame Koordinaten mehr anerkannt werden. Ultra-MAGAs attackieren nicht nur Fakten im Allgemeinen, sondern wenden sich zerstörerischer als jeder Terrorist gegen die Verfassung, den Staat, die Parlamente, die Polizei, die Gerichte.

 [….]  Trumps Basis dürfte nichts irritieren, weder die Aktenfunde von Mar-a-Lago noch die Ermittlungen von Letitia James oder des Ausschusses zum Angriff aufs Kapitol. Das zeigte sich ebenfalls am Donnerstag, als ein Trump-Anhänger versuchte, mit einem halbautomatischen Gewehr die FBI-Dependance in Cincinnati zu stürmen.  Der Mann, der später bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet wurde, hatte ersten Berichten  zufolge Kontakte zu rechtsextremen Gruppen wie den Proud Boys, die am Kapitol-Sturm teilgenommen hatten. Nach Bekanntwerden der Durchsuchung von Mar-a-Lago habe er auf Trumps Kurznachrichtendienst Truth Social einen »Aufruf zu den Waffen« gepostet: »Diesmal müssen wir mit Gewalt antworten.« […]

(Marc Pitzke, 12.08.2022)

Es gibt keinen Modus Vivendi mit US-Republikanern. Sie müssen besiegt werden.

Und wie wir wissen, akzeptieren sie bloße Wahlniederlagen nicht.