Dienstag, 25. Februar 2020

Annegret Nero-Karrenbauer


Eigenartig, daß eine so überzeugte Karnevalistin wie Annegret Kramp-Karrenbauer den Sinn des Karnevals so gar nicht begreift.
Da muss ich als eiskalter Norddeutscher, der sich niemals verkleidet und konsequent jeden Fasching meidet, wohl ein bißchen aufklären.
Offenbar kennt AKK weder die historische noch die literarische Bedeutung eines Hofnarren und die sich daraus ergebende Narrenfreiheit.
Gemeint sind die außergewöhnlichen Umstände unter denen ein einfacher Bürger den Mächtigen etwas ins Gesicht sagen darf, ohne dafür böse Konsequenzen spüren zu müssen. Simpel ausgedrückt: Die Schwachen dürfen sich über die Starken lustig machen. Im Karneval dürfen sogar alle Narren sein. Der Narr wird König, und der König wird erniedrigt.
AKK stellte das Konzept auf den Kopf, indem sie als eine der mächtigsten Menschen Deutschlands über die Schwächsten (in dem Fall Transgender) herzog.
Verschärfend kam hinzu, daß sie als katholische Vorsitzende der CHRISTEN-Union für eine politisch-religiöse Richtung spricht, die traditionell immer die aggressivsten LGBTI-Feinde waren.

[….] Als CDU-Vorsitzende sollten Sie sich nicht als Putzfrau verkleiden. Das ist heikel. Sie hat bei ihrem Vortrag schale Witze über die Feinstaubdebatte oder das Gewicht von Peter Altmaier gemacht, sich dabei aber hinter der Rolle der Putzfrau versteckt, es einer Putzfrau in den Mund gelegt. Das hat etwas Feiges. Als Politiker verstecke ich mich nicht hinter einer Figur, die in der Hierarchie unter mir liegt. Das hat was Despektierliches und ist für die Putzfrau ehrverletzend. Kramp-Karrenbauer hat so getan, als würde die doofe Putzfrau reaktionäre Gedanken hegen. Dabei hatte Kramp-Karrenbauer selbst solche Gedanken.
[….] Der Karneval ist heute Popkultur und versucht, Menschen zu inte­grieren. Alle können mitmachen, auch ­sexuelle Minderheiten, auch Vertreter des ­dritten Geschlechts. Hier aber hat sich eine Mehrheit über eine Minderheit lustig gemacht. Da ist Frau Kramp-Karrenbauer ihre Konservativität zum Verhängnis geworden. Sie verharrt noch in der Brauchtumskultur der Sechzigerjahre. [….]  Man sollte die kleinen Leute nicht zur Zielscheibe machen - es sei denn, sie verhalten sich asozial. Vertreter des dritten Geschlechts sind aber nicht asozial. [….]

Auch ihre Rolle als Parteichefin begreift Kramp-Karrenbauer offensichtlich nicht, wie man an ihrem völlig vermasselten Rücktritts-Statement sehen konnte.

(….) Alles was Annegret Kramp-Karrenbauer vor zehn Tagen bei ihrer Rücktrittsankündigung versprach – Führung von vorn, Findungsprozess bis Dezember, Zusammenführung von Kanzleramt und CDU-Parteivorsitz  - ist bereits Makulatur.
Die gesamte CDU-Führung ist blamiert bis auf die Knochen und wird inzwischen selbst von den eigenen Ministerpräsidenten Hans und Günther als „irrlichternd“ beschrieben. (….)

Das Prinzip der Verantwortungsübernahme kennt AKK offenbar nicht und machte noch im Abgang Angela Merkel madig.
Kein aus CDU-Perspektive unbedingt schlauer Zug, da die Kanzlerin immer noch der größte Machtfaktor und die beliebteste Politikerin ihrer Partei ist.

(…..) Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktrittsgrund war die von Merkel angeordnete Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur, bzw Bundeskanzleramt. Das habe nicht funktioniert und daher solle der nächste CDU-Bundesvorsitzende auch Kanzler/Kanzlerkandidat sein.
Was für eine fadenscheinige Scheiße, die von dem eigentlichen Grund – „ich bin unfähig und noch nicht mal der CDU-Vorstand unterstützt mich“ – ablenken soll.
Das Thema Kanzlerschaft steht nicht zur Debatte. Kein CDU-Politiker kann ohne Neuwahlen Angela Merkel im Kanzleramt beerben, weil dazu eine Kanzlermehrheit im Bundestag notwendig ist, die vollkommen ausgeschlossen ist.

Es gäbe sie nur in drei Konstellationen:
1.) Schwarzrot, aber das wird garantiert kein einziger SPD-Abgeordneter mitmachen, weil damit dem Neuen der ungeheure Vorteil eines Amtsbonus‘ für die nächste Bundestagswahl geschenkt würde.
2.) Jamaika, aber das ist nach Lindners Nein auf der FDP-Seite ohnehin unwahrscheinlich und von den Grünen ausgeschlossen; würden sie doch damit ihre 8,9% im Bundestag zementieren, während sie bei Neuwahl stabil über 20% erreichen könnten.
3.) Kemmerich-Koalition, aber auch das ist nach dem Erfurter Desaster ausgeschlossen.

Abgesehen von dieser mathematischen Unmöglichkeit einer neuen Kanzlermehrheit, wäre das auch taktisch für die CDU desaströs, da Merkel immer noch die beliebteste CDU-Politikerin ist und zudem zwei Drittel der Wähler wünschen, daß sie in der Groko bis zum Ende der Legislatur amtiert. 
 
Ein CDU-Vorsitzender kann also vor dem Herbst 2021 maximal die Kanzlerkandidatur erreichen.
Dazu hätte aber AKK das Vorschlagsrecht. Wenn sie davon so überzeugt ist, hätte sie einfach ihren eigenen Anspruch anmelden müssen.
Ihre Theorie von der Zusammenführung der beiden Ämter ist aber löcherig, denn auch als zukünftige Kanzlerkandidatin hätte sie sich in Erfurt in der CDU-Landtagsfraktion eine blutige Nase geholt. Den Ostlern sind widersprüchliche Vorgaben aus dem Konrad-Adenauer-Haus inzwischen egal.
AKKs Unehrlichkeit bei ihrer Rücktrittsbegründung und ihr vollkommen idiotischer Zeitplan bis Ende Dezember, der erneut ihr strategische Naivität belegt, hat nur ihrer Partei erneut geschadet. Nun hat sie eine veritable Führungsdebatte mit Flügelstreit an der Backe. Dazu kommen eine lame-duck-Verteidigungsministerin, eine Kanzlerin in völlig erlahmter Ideenlosigkeitsendphase und eine autoritätslose Parteichefin mit nur noch sehr begrenzter Restlaufzeit. (….)
(Plädoyer für Friedrich Merz, 15.02.2020)

AKK wird nicht wie sie wollte in zehn Monaten ihren Chefposten los sein, sondern bereits in acht Wochen.
Auf den frühestmöglichen Zeitpunkt, den 25.04. wurde der CDU-Wahlparteitag vorgezogen, weil niemand mehr länger als unbedingt nötig von der Noch-Vorsitzenden geführt werden will.


Noch heute verweist sie im Spiegel-Interview perfide auf andere, wenn es um die Kardinalkatastrophe von Erfurt geht.

[…..] Und wenn Sie auf die Ereignisse in Thüringen anspielen: Die sind eben auch den schwierigen Verhältnissen in Thüringen geschuldet, die von der dortigen CDU mitverschuldet worden sind. Da sind Entscheidungen, die wir in den Führungsgremien der Bundespartei gemeinsam getroffen haben, leider nicht immer gemeinsam nach außen mitgetragen worden. Die CDU braucht aber alle Kräfte, um diese schwierigen Fragen zu lösen. Und ich sehe mich als Teil der Lösung. […..] Es sind von Anfang an vor Ort eine Reihe von Fehlern gemacht worden. Der erste lag darin, dass die Thüringer CDU nach ihrer klaren Wahlniederlage nicht sofort erklärt hat, dass sie in die Opposition geht, sondern wochenlang den Eindruck erweckt hat, sie versucht doch irgendwie, in die Regierung zu kommen. Der zweite große Fehler war aus meiner Sicht, dass Bodo Ramelow sich im Landtag zur Wahl gestellt hat, obwohl er keine Mehrheit hatte. Nach der Landesverfassung hätte er ja einfach geschäftsführend im Amt bleiben können. Der dritte große Fehler war dann ohne jeden Zweifel, dass die CDU einen FDP-Kandidaten unterstützt hat, der mit den Stimmen der AfD ins Ministerpräsidentenamt gekommen ist. Das war der größte Fehler von allen. [….]

Aus Sicht der CDU-Vorsitzenden haben also alle anderen Schuld, während sie selbst Teil der Problemlösung ist.

Ihrem Nachfolger gibt sie auf den Weg, daß Merkel weitere anderthalb Jahre Kanzlerin bleibt und damit die Situation, an der sie selbst scheiterte erhalten bleiben wird.

Es wird also in Zukunft noch viel ungemütlicher für die CDU, da alle möglichen Nachfolger extreme Merkel-Kritiker sind.
Laschet käme zwar mit Merkel aus, tritt aber gemeinsam mit Spahn an, der schon der Parteivorsitzenden Merkel bei Parteitagen rüde in die Parade fuhr.
Merz hasst Merkel sogar wie die Pest, hat es nie überwunden ihr vor 18 Jahren zu unterliegen. Röttgen schließlich ist der einzige Minister in 15 Jahren Merkel-Kanzlerschaft, den Merkel so sehr verachtete, daß sie ihn knallhart aus dem Kabinett warf.


Merkel hegte große Sympathien für AKK, aber selbst in dieser Harmonie funktionierte die Doppelspitze nicht.
Wie soll die Regierungspartei CDU dann erst funktionieren, wenn Kanzlerin und Parteichef sich gegenseitig verachten.

Offensichtlich breitet AKK ihrer Partei eine unmögliche Zukunft aus.
Sie hätte entweder noch ein Jahr durchhalten müssen, um turnusgemäß zur nächsten Bundestagswahl eine gemeinsamen Kanzlerkandidaten zu küren oder aber gemeinsam mit der Kanzlerin eine frühere Exitregelung finden müssen.
Mit ihrer tatsächlich gewählten Methode macht sie alles noch schlimmer.
Und vielleicht will sie das auch, so könnte man ihren ätzenden Tonfall verstehen, als der SPIEGEL nachfragte, ob sich die Parteichefkandidaten eigentlich mit der Kanzlerin besprechen: "Ich bin nicht der Date-Doctor zwischen Union und Kanzleramt"

Kramp-Karrenbauer ist offensichtlich in Pestlaune und sogar gewillt die Groko zu opfern.
Ihr Wut auf die SPD, die ausnahmsweise mal einen Erfolg vorzuweisen hat, ließ sie ungehemmt freien Lauf.

[….] CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eine Diffamierungs- und Schmutzkampagne vorgeworfen. Klingbeil behaupte seit Monaten, die Bundes-CDU habe ein Problem mit der Abgrenzung zur AfD, sagte Kramp-Karrenbauer. Dabei gebe es an der Position der Bundespartei "überhaupt nichts zu deuteln".
Kramp-Karrenbauer forderte den SPD-Generalsekretär auf, er solle "die Konsequenz ziehen und seine Partei auffordern, diese Regierung zu verlassen mit der CDU" – oder er solle die Angriffe einstellen. Bisher habe Klingbeil weder das eine noch das andere getan. "Also kann ich es nur als eine ganz bewusste Diffamierungs- und Schmutzkampagne werten nach dem Motto: Irgendwas wird schon hängenbleiben." Entweder behaupte Klingbeil, dass die gesamte Bundesspitze der CDU lüge, "oder er muss es für so unerträglich halten, mit der CDU zusammenzuarbeiten, dass er dann eben die Konsequenzen ziehen muss. Und dann muss er mit seiner Partei aus dieser Regierung austreten." [….]
(DPA, 24.02.2020)

Dabei ist es natürlich AKK, die hier lügt.
Das Verhältnis zur AfD ist eben nicht geklärt. Das ist schließlich die Ursache für das Thüringen-Desaster.

[….]  Der gefährlichste und dümmste Satz zum Umgang mit der AfD in den ostdeutschen Bundesländern stammt von Lars-Jörn Zimmer, dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. "Ich kann keine 25 Prozent der Wählerinnen und Wähler einfach vor den Kopf stoßen und sagen: 'Mit Euren Vertretern rede ich nicht, was Ihr wollt, was Ihr sagt, ist mir völlig egal'."
Zur Ehrenrettung der CDU in Sachsen-Anhalt muss man sagen, dass der Vorsitzende der dortigen CDU-Fraktion, Siegfried Borgwardt, sich umgehend distanzierte: Es handele sich um Zimmers "persönliche Meinung, die nicht der Beschlusslage der Fraktion entspricht." CDU-Landeschef Holger Stahlknecht sagte: "Das unterläuft eine Partei, das schadet uns allen." Und Zimmers CDU-Bürokollege, der Bundestagsabgeordnete Kees de Vries, kündigte entsetzt die Bürogemeinschaft auf.
Mal über Hitlers gute Seiten reden?
Zimmer ist aber nicht der Einzige. In Thüringen erklärte der CDU-Abgeordnete Michael Heym schon kurz nach der Wahl im Oktober: "Rechnerisch reicht es für ein Bündnis aus AfD, CDU und FDP. Ich finde, das sollte man nicht von vornherein ausschließen." Im Sommer 2019 hatten Zimmer und der zweite CDU-Fraktionsvize im Landtag von Magdeburg, Ulrich Thomas, eine "Denkschrift" veröffentlicht, in der nicht nur stand, dass man doch mal über eine Zusammenarbeit mit der AfD nachdenken müsse, sondern auch: "Es muss wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen."
Leuten, die in Geschichte ein bisschen aufgepasst haben, lief es da kalt den Rücken herunter.
Ein CDU-Mitglied namens Christian Reinboth aus Werningerode im Harz sagte dem MDR damals: "Das ist kein Sonderfall. So etwas lesen sie auch von CDU-Anhängern bei Facebook oder auf Twitter immer wieder."
Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, die Positionen der Zimmers, Heyms und Thomas‘ in der CDU zu erklären. Die eine ist: Sie sind selbst rechtsradikal bis rechtsextrem und schreiben so etwas wie "das Soziale mit dem Nationalen wieder versöhnen" (man beachte das "wieder"!) mit voller Absicht, weil sie, so wie Björn Höcke von der AfD, endlich auch mal über Hitlers gute Seiten reden wollen.
Oder sie haben immer noch nicht verstanden, was die AfD eigentlich ist und will. […..]

Montag, 24. Februar 2020

Zahlen zum Genießen

Es gab gestern bei den Bürgerschaftswahlen eine kleine Zählpanne; der Wahlkreis Langenhorn verwechselte Grüne und FDP.

Das offenbar viel zu hohe FDP-Ergebnis fiel sofort auf, aber es handelte sich ohnehin nur um die sogenannte „vereinfachte Zählung“. Jeder Hamburger hatte zehn Stimmen und die wurden erst im Laufe des heutigen Tages exakt gezählt.
Das vorläufige amtliche Endergebnis brachte einige kleine feine Änderungen:
Die FDP bekommt nun doch 4,9%. CDU-Spitzenkandidat Markus Weinberg schafft es nicht in die Bürgerschaft.
Die FDP-Spitzenkandidatin Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein, geb. von der Decken, ist die Initiatorin des fatalen Gucci-Protests von 2010, die ihrem reichen Nachwuchs das Privileg sicherte nicht mit gewöhnlichen Arbeiterkindern zusammen in eine Schule gehen zu müssen.
Sie erreichte durch ein sensationelles Ergebnis im steinreichen Blankenese und Othmarschen am nördlichen Elbstrand trotz des Debakels ihrer Partei ein singuläres Mandat in der Bürgerschaft.


[….] Wie das Landeswahlamt weiter mitteilte, schaffte die AfD den Wiedereinzug in die Bürgerschaft mit 5,3 Prozent (2015: 6,1 Prozent). Stärkste Kraft wurde die SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher mit 39,2 Prozent (45,6). Auf Platz zwei landeten die Grünen mit 24,2 Prozent (12,3). Auf die CDU entfielen 11,2 (15,9), auf die Linke 9,1 Prozent (8,5). Das endgültige Ergebnis soll am 11. März feststehen. Die konstituierende Sitzung der neuen Bürgerschaft ist für den 18. März geplant. […..]


Durch das zusätzliche FDP-Mandat gibt es ein Ausgleichsmandat, so daß die neue Bürgerschaft 123 statt 121 Abgeordnete haben wird.

 
SPD und Grüne verfügen über 87 von 123 Sitzen. Das ist eine 70,7%-Mehrheit.

Sogar SPD und Linke hätten mit 67 Sitzen eine absolute Mehrheit von 54,5% der Mandate im Parlament.

Den linken Durchmarsch zeigt eindrucksvoll die Addition von SPD, Grünen und Linken, die zusammen auf 100 von 123 Mandaten kommen. Das entspricht 81,3 % der Sitze.

Es ist eine Wonne sich durch die interaktive Karte der Wahlkreise zu klicken. Alles rot bis auf die beiden grünen Gewinner „Altona“ und „Harvestehude-Rotherbaum-Eimsbüttel Ost“.


Hier zeigt sich auch sehr deutlich wie sich das Grüne Klientel gewandelt hat. Waren sie einst die Partei der Jungen und Alternativen, sind ihre Wähler inzwischen eindeutig Diejenigen mit höchsten Einkommen. Folgerichtig gewannen sie die mit Abstand teuersten Villen-Stadtteile Hamburg-Rotherbaum und Hamburg-Harvestehude direkt an der Außenalster, wo die Wohnungspreise über 10.000 Euro/m2 liegen und sich die Söhne in weißen maßgeschneiderten exklusiven Segelvereinen amüsieren, die immer noch keine weiblichen Mitglieder zulassen. Wo das Durchschnitteinkommen bei 111.000,- liegt, hat nicht nur die alte Partei der Besserverdienenden, die FDP, ihre Hochburg, sondern nun auch die neue Partei der Besserverdienenden; die Grünen.

Die differenziertere Karte der Wahlbezirke zeigt diese Entwicklung noch deutlicher, da sich hier zeigt wo die ärmsten Menschen leben.


Auf der Veddel, St. Pauli und in Wilhelmsburg gibt es einige pinke Flecken – hier wurde die Linke stärkste Partei wie zum Beispiel im Wahlbezirk 13702.



Angesichts dieser Zahlen verfällt die AfD sofort in das was sie (nach Hetzen) am zweitbesten kann – das große Mimimimi. Keine Partei generiert so ein Selbstmitleid und suhlt sich so gern in der Opferrolle wie Bernd Höckes Faschisten:

[…..] Was in Hamburg schwierig gewesen sei, sagte dann Gauland am Montag: Die AfD sei „in einer Weise ausgegrenzt“ worden, es sei gegen sie „eine Hetze betrieben“ worden, „wie ich das bisher nicht für möglich gehalten habe“. Von einer „maximalen Ausgrenzung der AfD“ sprach der Hamburger Spitzenkandidat Dirk Nockemann. [….] „Überall tauchte Greta auf“, fügte Nockemann mit Blick auf die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hinzu. [….]

Kann man sich nicht ausdenken. Die Partei, die rund um die Uhr ganze Bevölkerungsgruppen verhetzt und ausgrenzt, beklagt sich lautstark über Hetze und Ausgrenzung. Und dann auch noch Greta!

Diametral entgegengesetzt der AfD, aber auch anders als die Bundes-SPD neigen die Hamburger Genossen überhaupt nicht zum Jammern, sondern sind schon seit Helmut Schmidts Senatorenzeiten die klassische Partei der Tat. Die Macher.
Das muss auch der Chefradeakteur des Berliner Tagesspiegels neidlos anerkennen.

[….] Ein Triumph für konsequente Stadtpolitik
Geheimnis des Erfolgs: Rot-Grün in Hamburg siegt mit Wohnungsbau und moderner Verwaltung. Das schafft stabile bürgerliche Verhältnisse. Ein Kommentar. [….] Statt Meckrigkeit und wachsendem Demokratie-Misstrauen, prägt die politische Kultur der Hansestadt eine geradezu mustergültige Liberalitäts-Coolness. Warum ist in dieser Stadt die Welt noch in Ordnung? [….] Die hanseatische SPD verfolgt eine Politik, die konträr zu vielem steht, was die Genossen im Rest des Landes für richtig halten. [….]  
Die Hansestadt ist eine der wohlhabendsten Städte Europas, die Löhne liegen rund 15 Prozent höher als in Berlin. Gerade Sozialdemokraten haben das Fundament ihrer prosperierenden Heimat verstärkt. Es war der SPD-Mann Henning Voscherau, der das Konzept für die HafenCity entwickelte, das moderne Gesicht Hamburgs, wo die Mieten nach Berliner Deckel-Maßstäben um die Hälfte abgesenkt werden müssten.
Gleichzeitig hat Tschentschers Vorgänger Olaf Scholz ein Bauprogramm mit hohen Sozialverpflichtungen entwickelt. Seit Jahren bauen die Hamburger was das Zeug hält und haben es so geschafft, den Mietanstieg ohne Dirigismus unter die Inflationsmarke zu drücken. Kein Wunder, dass sie über die Berliner Wohnungspolitik den Kopf schütteln.
[….] Schließlich hat der Senat einen Grundsatz verinnerlicht: Effiziente Verwaltung schafft zufriedene Bürger. Das heißt auch, sich nicht mit Zukunftsgeklingel zufriedenzugeben. Die Verwaltung glänzt mit Modellprojekten in Sachen Digitalisierung und Mobilität. Von den kurzen Wartezeiten und Online-Zugängen können die Berliner nur träumen. [….]

Die weit überwiegende Zahl der Bürger Hamburgs sieht es ebenso ist daher verständlicherweise hoch zufrieden mit der Arbeit des rotgrünen auf Olaf Scholz‘ Spuren wandelnden Tschentscher-Fegebank-Senates.
Rotgrün ist die Mitte, rotgrün ist bürgerlich.
Christian Lindner, die FDP, die AfD und die CDU, die nun gemeinsam den „Verlust der Mitte“ und das „Schrumpfen der Bürgerlichen“ beklagen, haben schon wegen dieser Wortwahl ihre Verluste verdient.
Natürlich sind Anhänger der Linken, Grünen und SPD ebenfalls Bürger und insofern bürgerlich. Sie sind keineswegs irgendein extremer Rand.
An den extremen Rand und zu den Verfassungsfeinden gesellten sich hingegen Schwarz und Gelb in Erfurt.


Sonntag, 23. Februar 2020

Wir brauchen die Sechs-Prozent-Hürde

Langsam nervt es: In Thüringen wird ein FDP-Mann mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt, dessen Partei gerade mal 70 Stimmen über 5% erhielt.

Heute in Hamburg sieht es ähnlich knapp für die FDP aus. Die AfD, die nach ersten Prognosen unter 5% lag, entwickelt sich auch in den letzten Hochrechnungen eher zu 5,1 oder 5,2%.


Bitter, denn es wäre so ein wunderbares, optimistisches Signal gewesen, wenn nach Erfurt und Hanau erstmals seit 2013 die AfD bei einer Wahl nicht ins Parlament kommt. Unter 5% wäre angesichts der ostdeutschen Wahlergebnisse der Faschisten um die 25% eine deutliche Ansage.
Denn tatsächlich ist nun erstmal das passiert, was wir viele Jahre auf Seiten der FDP und CDU, partiell sogar bei der Linken vermissten: Eine klare Positionierung aller Parlamentsparteien gegen den Rechtsextremismus und die AfD.
Man traut kaum seinen Ohren, wenn man hört wie glasklar CSU-General Blume heute die Gauländer verurteilt – nachdem gerade seine Partei Jahrelang der AfD nach dem Mund redete.

Die sehr rechte Hamburger FDP wird nun ebenfalls eingenordet.

[…..] Lindner kritisiert FDP-Kooperation mit AfD in Hamburg
Die Hamburger FDP-Fraktion stimmte mehrfach mit der AfD - "bei harmlosen Vorhaben", sagt Parteichef Lindner. Trotzdem verspricht er: So etwas werde es nicht mehr geben. […..]

Daß die immer wieder rechtsblinkende Sahra Wagenknecht aus der ersten politischen Reihe verschwunden ist, tat der Linken ebenfalls gut. Die Hamburger Linken unter der Führung von Spitzenkandidatin Cansu Özdemir zeigte Haltung, wackelte kein bißchen im Kampf gegen rechts und wurde mit starken knapp zehn Prozent belohnt.
Diese endlich deutliche Distanzierung gegen Faschismus von Linkspartei bis CSU zeigte Wirkung; auch wenn es die AfD leider wohl doch ganz knapp in die Hamburger Bürgerschaft geschafft hat: Sie fuhr Verluste ein und erreichte ihr seit Jahren deutlich schlechtestes Ergebnis.
Möglicherweise lernen die Parteistrategen etwas aus Hamburg!
Viel Hoffnung habe ich nach der traditionelle Berliner Runde allerdings nicht, als FDP-Teuteberg die schnelle Klarstellung ihrer Partei nach der Kemmerich-Wahl hervorlog und anschließend von den C-Herren zehn Minuten am Stück über die bösen Linksextremisten und Kommunisten in der Ramelow-Partei gewettert wurde.
Unfassbar, da hat Paul Ziemiak seine Partei, die noch im Jahr 2004 die absolute Mehrheit in Hamburg holte auf sensationell blamable 11% herabgewirtschaftet und plappert immer noch von der völlig hanebüchenen Hufeisentheorie.
Bei Neuwahlen in Thüringen droht ein ähnliches Desaster.
Alles was Annegret Kramp-Karrenbauer vor zehn Tagen bei ihrer Rücktrittsankündigung versprach – Führung von vorn, Findungsprozess bis Dezember, Zusammenführung von Kanzleramt und CDU-Parteivorsitz  - ist bereits Makulatur.
Die gesamte CDU-Führung ist blamiert bis auf die Knochen und wird inzwischen selbst von den eigenen Ministerpräsidenten Hans und Günther als „irrlichternd“ beschrieben.

[….] Da braut sich gehörig was zusammen für Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Woche dürfte ungemütlich werden für die CDU-Chefin. Wenn am Montag die Parteigremien zusammenkommen, soll Klarheit herrschen, wie es nun mit der Vorsitzsuche weitergeht, Kramp-Karrenbauer will das Amt aufgeben. Sie hatte versprochen, diesen Prozess "von vorne" zu führen. Aber am Sonntag ist sie noch ein Stück mehr in die Defensive geraten. Denn das miserable CDU-Ergebnis bei der Wahl in Hamburg verdeutlicht, wie sehr die Partei von der Rolle ist.
Was ist von der CDU in Hamburg nur übrig geblieben? Sie hatte bereits 2015 lediglich magere 15,9 Prozent der Stimmen erzielt. Als am Sonntag die ersten Zahlen bekannt werden, gut 11 Prozent, sitzt der Schock im Konrad-Adenauer-Haus tief. [….]

Das Konrad-Adenauer-Haus talibanisiert weiterhin die Erfurter Landespolitik, gibt sich hartnäckig erkenntnisresistent und unwillig irgendetwas zur Problemlösung beizutragen.                                                                                            

Die CDU-Landespartei in Thüringen hört einfach nicht mehr auf die Bundesparteichefs, ist allerdings selbst mindestens genauso unfähig und mäandert sich auch so in den Abgrund.

Die Landespartei hört einfach nicht mehr auf die Bundesparteichefs, trifft kurioserweise auch auf die Hamburger Sozialdemokraten zu.
Rabiat erteilten Bürgermeister Tschentscher und die Landesvorsitzende Melanie Leonhard Kevin Kühnert, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans Auftrittsverbot. Sie sollten sich nicht in der Hansestadt blicken lassen, um den Wahlkampf nicht zu gefährden.

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Finanzexperte Dr. Joachim Seeler tat seine Meinung zum abgebrochenen Studenten Kevin deutlich kund:

[…..] Der Hamburger SPD-Politiker Joachim Seeler wettert wegen einer Personalentscheidung gegen die eigenen Reihen. Der Grund: Kevin Kühnert.
Der Bundesvorsitzende der Jusos ist seit Ende vergangenen Jahres auch stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD – und seit diesem Monat für das Ressort Immobilien, Bauen und Wohnen zuständig.
Ein No-Go für den Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten und Wirtschaftsexperten Seeler. In einer Pressemitteilung erinnert er, dass Kühnert sich unlängst öffentlich zu einem sozialistischen Modell für die Wohnungswirtschaft bekannt habe. Demnach dürfte die Wohnungswirtschaft einschließlich Genossenschaften keinerlei positive Erträge mehr erzielen.
„Diese Personalentscheidung des SPD Bundesvorstandes ist ein Frontalangriff auf die Wohnungswirtschaft“, donnert der Hamburger. Ohne Erträge aus der Wohnungswirtschaft gebe es keinen Neubau und keine Sanierungen. „Wohnungen werden wieder Mangelware. Der SPD Bundesvorstand muss diese Personalie korrigieren“, so Seeler. […]

Sogar die Hamburger Jusos stellten sich wutentbrannt gegen den Bundesjuso-Chef Kühnert.




 Während Parteilinken Esken und Kühnert die SPD in ihren jeweiligen Landesverbänden in Richtung Einstelligkeit führten, die SPD in Baden Württemberg (Esken) und NRW (Walter-Borjans) spektakulär aus der Regierung flog und die Berliner SPD (Kühnert) sich anschickt ebenfalls Opposition zu werden, läuft es für die pragmatische und wirtschaftskompetente Hamburger SPD genau umgekehrt: Heute erreichten sie bei Bundeswerten von etwa 13% fast 40% in Hamburg.
SPD, Grüne und Linke zusammen stellen in der vor kurzem noch mit absoluter CDU-Mehrheit regierten Hansestadt, in der Schill 2001 fast jede fünfte Stimme holte, sensationelle 73%!
¾ der Parlamentssitze werden links der Mitte besetzt sein.
Und da werde ich gefragt, wieso ich stolz auf Hamburg bin?
Immer deutlicher zeigt sich also welch katastrophaler Fehler der Mitgliederentscheid zu Gunsten Eskens war.  Mitgliederentscheide stellen sich fast immer als Richtung in die Diktatur der Inkompetenz heraus, weil die Entscheidungen systematisch auf die am wenigsten Qualifizierten verlagert werden.
Es bleibt nur zu hoffen, daß die neue SPD-Spitze lernfähig ist und Olaf Scholz mehr Gewicht bekommt.
Hilfreich wird sein in nächster Zeit etwas unter dem Radar zu segeln, weil sich die CDU genüsslich selbst zerfleischt.