Dienstag, 21. Januar 2020

Das Leben schwer machen


Wenn ein chinesischer Arbeiter nach einer gemütlichen 14-Stunden-Schicht auf dem Bau nach Hause gehen kann, hat er Glück. Ein paar Hundert Millionen von ihnen sind nur Wanderarbeiter und müssen neben den Baustellen im Dreck übernachten.
Aber an der Haustür kann ein Zettel hängen, auf dem ihm lapidar mitgeteilt wird, er habe sechs Tage Zeit auszuziehen; dann werde an der Stelle wo sein Haus steht eine Schnellstraße gebaut.
Aus europäischer Sicht ist die Fatalität, mit der solche Enteignungen hingenommen werden verblüffend.
Aber die Idee persönlicher Rechte gegenüber des Staates gab es lange Zeit gar nicht und keimt erst langsam auf.
Die Schnellstraße komme ja auch allen zu Gute und nicht nur einem wie das alte Haus der Familie.
So eine marktradikale kommunistische Zentraldiktatur ist natürlich ein Traum für Wachstumsfetischisten.
Da geht es voran.
Wenn eine ZK-Provinzgröße gern ein neues Hochhaus, ein Sperrwerk, einen Flughafen oder auch eine neue Stadt haben möchte, wird das eben gemacht. In Windeseile.
Bauzeiten in China sind schon beendet, bevor man in Deutschland einen Termin bei der Genehmigungsbehörde hätte.
Die innovative Firma Broad Group in China stellte im Jahr 2012 ein Hochhaus mit 57 Stockwerken in unter drei Wochen fertig. Drei Stockwerke an einem Tag. Am 20. Tag konnten die Menschen einziehen.


[…..] Das jüngst auf diese Art und Weise entstandene Hochhaus in Changsha, Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan sowie die Stadt, in der Mao Tse Tung seine Karriere begann, hat viel Aufmerksamkeit erregt. Ein auf YouTube eingestelltes Video wurde mehr als drei Millionen Mal aufgerufen. Zeitungen in allen Kontinenten berichteten über die revolutionäre Leistung: Höchstgeschwindigkeit par excellence, 57 Stockwerke nebst Inneneinrichtung in 19 Tagen. 19 Atriums, 800 Apartments und 4.000 neue Arbeitsplätze verteilen sich auf 180.000  Quadratmetern Fläche. [….]

Ein 15-Stöckiges Wohnhaus war schon zuvor in 90 Stunden komplett erbaut worden.

Mit deutschen Arbeits- und Umweltschutzgesetzen, mit Bauvorschriften und Klimaschutzregeln dauern Großprojekte wie Stuttgart 21, der BER, die Elbphilharmonie statt 19 Tagen eher 19 Jahre.

Seit Jahren ist eine der wichtigsten Elbquerungen Hamburgs, das Wahrzeichen Köhlbrandbrücke marode und überlastet. Die 1974 für schlappe 160 Millionen gebaute 3618 m lange Brücke lohnt keine Reparatur mehr.
Ein Neubau kostet zwei bis vier Milliarden. Daher wird überlegt lieber gleich einen Tunnel zu bauen. Der wäre zwar noch teurer, hält aber deutlich länger als eine Brücke.

[…..] Für einen Ersatz der maroden Köhlbrandbrücke rechnet die Hamburger Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) mit deutlich höheren Kosten als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR 90,3 würde schon eine neue Brücke mehr als 2,5 Milliarden Euro kosten. Die Kosten für einen Tunnel, wie ihn viele im Hafen für sinnvoll halten, übersteigen sogar die Grenze von drei Milliarden Euro. Nach einer Berechnung der HPA, die bereits seit mehr als einem Jahr in den Schubladen schlummern, liegen die Kosten bei rund 3,2 Milliarden. Diese Summen beinhalten nicht nur den eigentlichen Tunnel beziehungsweise die Brücke, sondern auch den Anschluss an die Autobahn sowie den Abriss der alten Köhlbrandbrücke. [….]

In Hamburg plant man schon seit Jahren, aber so einfach ist das nicht zu entscheiden. Zur Finanzierung sind auch Bauexperten wie die bayerische Blitzbirne Andi Scheuer notwendig; denn der sitzt auf den Milliarden-Fördertöpfen des Bundes.

Die Zeit wird knapp, denn schon im Jahr 2030, spätestens 2035 wird die alte Köhlbrandbrücke kaum noch zu benutzen sein. Ob man so ein Projekt in 15 Jahren fertig bekommt, steht in den Sternen. Die Fertigstellung der Elbphilharmonie – ein wesentlich einfacherer und kleinerer Bau – dauerte von 2007 bis 2017. Ob der Berliner Flughafen jemals in Betrieb geht, weiß niemand.
Dort war 2006 der Spatenstich. Die Pläne für Stuttgart21 waren 1995 fertig. Baubeginn war 2010 und mit der Fertigstellung rechnet man frühestens 2025.

Vielleicht lohnt sich die Planung eines Tunnels unter dem Köhlbrand auch gar nicht mehr. Bei dem Tempo der gegenwärtigen Weltwirtschaftsentwicklung und der unfassbaren finanziellen Potenz Chinas ist es gut möglich, daß bis 2030 oder 2035 der Hamburger Hafen längst einem Pekinger Staatskonzern gehört.
Seit Jahren kaufen Xis Jungs Hochseehäfen in aller Welt und nebenher noch das halbe Ackerland Afrikas.
Wenn der chinesische Präsident eine neue Elbquerung anordnet, wäre das vermutlich in einem Monat erledigt.

Die asiatischen Großbaufähigkeiten ernsthaft zu bewundern – das tue ich – bedeutet allerdings nicht, sich das System auch für Westeuropa zu wünschen.
Es lässt sich trefflich lästern, wenn wieder einmal eine seltene Schneckenart oder dubiose Wasserpflanze endlose Bauverzögerungen in Deutschland verursachen.
Aber Umwelt- und Naturschutz sind Werte, die nachhaltiger als Wachstum sind.
Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der individuelle Rechte irrelevant sind? In der Menschenleben bloß nachgeordnete Rechengrößen sind?
Und was ist eigentlich der Vorteil für die Gesellschaft, wenn man einen Bahnhof 100 mal so schnell baut?
Solange man es sich aussuchen kann, präferiere ich allerdings das westeuropäische Demokratiemodell. Ich präferiere auch deutsche Arbeitsschutzregeln statt der nicht vorhandenen Japanischen, die zu einer derartigen chronischen Erschöpfung führen, daß kein Privatleben mehr existiert und immer mehr Angestellte ihren einzigen Ausweg im Suizid sehen.

Blöderweise können wird nicht wie in der primitiven Gedankenwelt eines Donald Trumps Mauern hochziehen und abgeschottet vom Rest der Welt sein.
Die Globalisierung ist Realität und mehr als jedes andere Land ist Deutschland vom Außenhandel abhängig.
Also muss sich Berlin schon ein wenig anstrengen.
Deutschland kann garantiert nicht in jeder Hinsicht mit Asien konkurrieren, sollte aber durch Bildung und Infrastruktur die Bedingungen für Innovationen und Spezialistentum schaffen.
Wenn wir dabei nicht frühzeitig die Umwelt endgültig zerstören, wäre es auch ganz schön.
Da können wir uns keine Lahmarschigkeit mehr leisten und müssen chinesischer werden. Einst der wirtschaftlich stärksten Bundesländer, Hessen, hat ausgerechnet unter der Regentschaft superstarker Grüner im letzten Jahr gerade mal vier Windräder fertiggestellt.
Das geht nicht! Die Individualrechte, Einspruchsmöglichkeiten und Baurechtsexzesse dürfen nicht dazu führen, daß eine entscheidenden Branche wie die der regenerativen Energie gestoppt wird.

[…..] In einem kleinen Ort in Hessen zeigt sich, warum der Ausbau der Windkraft in Deutschland ins Stocken geraten ist. Der neue Windpark wird bekämpft - von Naturschützern, von AfD-Politikern und mit Angstmacherei. [….]

Das ist Grünes Totalversagen an der Regierung. Wie in Hamburg, so auch in Hessen.

[…..] Ganze vier Windräder sind 2019 in Hessen aufgestellt worden, was Wirtschaftsminister Al-Wazir auf die windradfeindlichen Bundesregelungen zurückführt - andere Länder kommen aber mit ihnen deutlich besser zurecht. Überhaupt sind die hessischen Anstrengungen gegen die Erderwärmung zwar ordentlich, aber auch nicht ehrgeiziger als die des bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder.
Dass es in der hessischen Polizei rechtsradikale Vorfälle gab, müsste die Grünen zutiefst regierungskritisch werden lassen - nur sind sie halt selber in der Regierung. Beim Skandal um die keimbelastete Wurst des nordhessischen Herstellers Wilke machte ausgerechnet die grüne Verbraucher- und Umweltministerin Priska Hinz keine gute Figur. Ein Gesetzentwurf zur Neustrukturierung der Ausländerbeiräte bringt viele Migrationsfachleute gegen die Grünen auf; im Rhein-Main-Gebiet drängen Wohnungsnot und Verkehrskrise, auf dem Land herrscht digitale Steppe. […..]

Finanzminister Olaf Scholz weiß als ehemaliger Landesregierungschef wie man Projekte zügig umsetzt. Nach dem totalen Wohnungsbaustopp unter Schwarzgrün bis zum Jahr 2011 begann er mit seinem Amtsantritt 2011 eine massive Bautätigkeit. Seither sind in Hamburg 89.000 Wohnungen, viele davon sozial gefördert, fertiggestellt worden, die zu einem klaren Rückgang des Mietanstieges führten. Scholz trat auch allen Elphi-Verantwortlichen so in den Hintern, daß der Bau endlich fertiggestellt wurde.
Und so müht er sich nun verzweifelt darum seinerseits Fördermittel unter die Bundesländer zu bringen, so daß diese auch Bauprojekte, Investitionen in die Infrastruktur und Schulsanierungen durchführen.


[…..] Im September 2019 hatte Scholz von 15 Milliarden Euro nicht abgerufenem Fördergeld gesprochen, Mittel für Klimaschutz, Schulen, Straßen und sozialen Wohnungsbau, die ungenutzt liegen blieben, was Scholz zu einer für einen Finanzminister sehr ungewöhnlichen und natürlich öffentlichkeitswirksamen Bitte an Städte und Gemeinden inspirierte: "Bitte nehmt das Geld." […..]

Die Gründe sind komplex. Oft sind es gerade die finanzschwachen Gemeinden, die Fördermittel nicht ausgeben, weil sie den Eigenanteil nicht aufbringen können.

Außerdem kranken Projekte an Langsamkeit und komplizierten Bauvorschriften.
Richtig zu planen bindet viel Personal in Ämtern und Rathäusern. Personal, das nicht da ist, da um die Jahrtausendwende alle deutschen Gliederungen im McKinsey- und Roland-Berger-Wahn ihre Mitarbeiter gefeuert haben. Verschlankung und Entbürokratisierungen lauteten die Zauberworte, mit denen CDU und FDP getrieben von Springer und INSM auf Wählerjagd gingen.
Herzlichen Glückwunsch. Das hat geklappt. Nun sind wir so schlank, daß keine Innovationen mehr möglich sind.
Und wenn sich doch mal findige städtische Angestellte finden, um einen Bau auszuschreiben, winken die Bauunternehmer ab, die gar keine Lust haben mit komplizierten öffentlichen Auftraggebern zu arbeiten.

[…..] Auch der Personalmangel in den Städten führt dazu, dass Geld nicht abgerufen wird, Projekte stillstehen. […..]  Selbst Boomstädte wie München oder Köln, die inzwischen wieder bei Kasse sind, suchen beinahe verzweifelt Mitarbeiter. In Köln fehlen selbst den berühmten Museen die Leute, Gemälde zu restaurieren oder gar Schenkungen zu begutachten. Besonders hart ist das Bauwesen betroffen, wo Planstellen zu Dutzenden frei sind und sich Baugenehmigungen, die viel Arbeit bedeuten, lange hinziehen können. Das Problem sei leider, heißt es dort, erneut die private Konkurrenz: "Dort wird besser gezahlt, als wir es können, uns setzen schon die Tarife Grenzen."
Wenn aber "Planungskapazitäten fehlen", sagt Städte- und Gemeindebundchef Landsberg, trägt dies dazu bei, "dass bestimmte Förderprojekte nicht bearbeitet werden können", schon gar nicht innerhalb der Fristen, die oft recht kurz sind. […..] Ein dritter Grund für liegengelassenes Fördergeld betrifft vor allem arme Kommunen: Oftmals müssen sie, um an die Mittel zu kommen, einen Eigenanteil bezahlen, der je nach Land und Projekt zwischen zehn und 30 Prozent liegt. Wenn sie den nicht stemmen, ist auch die Fördersumme perdu. […..] Ein vierter Grund, warum die Kämmerer das Fördergeld eben nicht so einfach nehmen, wie es der Finanzminister empfiehlt, wiegt wesentlich schwerer: Es ist die ausgeuferte Bürokratie und die Regelungswut. Lange Planungsverfahren, endlose Rechtswege. "Wer den Bauauftrag für eine Kommune übernimmt", sagt Gemeindebund-Experte Portz, "muss erst mal Dutzende Seiten Vorschriften des komplexen Vergaberechtes studieren. Und man kann sich vorstellen, dass er einen privaten Bauherren vorzieht, der ihm weit weniger Mühe macht."
Teil dieser Bürokratie sind die oft sehr knappen Fristen für Fördermittel. [….]

Also bitte keine chinesischen Verhältnisse in Deutschland!
Aber daß wir uns dermaßen in Bauvorschriften und Zuständigkeitsgewirr verstricken, daß hier gar nichts mehr gebaut wird, kann ja nicht die Alternative sein.

Montag, 20. Januar 2020

Marx macht immobil


Wenn man ein katholischer Gottesmann ist, gelten die Regeln immer nur für die anderen.
Klar, es ist irgendwie nicht so schön Myriaden Kinder und Jugendliche in Deutschland sexuell zu missbrauchen, aber wirklich störend ist daran nur wenn das allgemein bekannt wird und dadurch die Kirchenmitgliederzahlen und Milliardeneinnahmen sinken.
Das haben die Kirchenfürsten, die wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx gewohnt sind in riesen Palais‘ zu leben mal eben zehn Millionen Euro für einen Ferienpalast auszugeben, nicht so gern.
Der Rubel soll rollen.

Die Lage ist erstklassig, der Preis auch: Für 9,7 Millionen Euro hat das Erzbistum München-Freising in Rom ein neues Gästehaus gekauft. Böse Zungen haben der Immobilien auch schon einen Spitznamen verpasst: „Palazzo Marx“.  [….] Nach vier Jahren im „Schwabinger Asyl“ kehrt Erzbischof Reinhard Marx in dieser Woche wieder in sein traditionelles Quartier im Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum zurück. Das Gebäude, das 1733 bis 1737 im Auftrag des Kurfürsten Karl Albrecht als Rokoko-Adelspalais erbaut wurde, war seit Oktober 2008 vom Staatlichen Bauamt saniert worden. Marx war deshalb vorübergehend ins Schloss Suresnes in Alt-Schwabing gezogen.
[….]  Die Sanierung des Palais kostete 8,1 Millionen Euro, davon trägt die Kirche 1,56 Millionen.

Da muss man also abwägen, wie man mit Kindersexskandalen umgeht.
Die Täter sind Kirchenmänner, also haben sie quasi automatisch Gottes Segen. Einmal beichten und schon ist vergeben und vergessen, daß sie ihren Penis in kindliche Körperöffnungen steckten.

Aber die öffentliche Meinung darf auch nicht aus dem Blick gelassen werden und so kam es gerade mal acht Jahre nach dem Canisius-Megaskandal zur inzwischen berüchtigten Missbrauchsstudie der RKK.
Nun ja, es war eigentlich schon die zweite Studie, aber bei der Ersten im Jahr 2013 hatte man versehentlich den berühmten Kriminologen, Rechtsprofessor und früheren niedersächsischen Justizminister Pfeiffer beauftragt, der das Ganze total missverstanden hatte.
Pfeiffer wollte doch tatsächlich selbst einen Blick in die Akten werfen und sich nicht damit begnügen, was ihm die Domkapitulare genehmigen.
Das konnte die RKK nicht riskieren. Womöglich hätte es Ergebnisse gegeben, die man nicht haben wollte. Da wurde Pfeiffer schnell gefeuert.

Kardinal Lehmann, der selbst als relativ liberale Kraft im deutschen Episkopat gilt, verteidigte am Wochenende das „Aus“ der Prof. Pfeiffer-Missbrauchsstudie der katholischen Bistümer. Womöglich wären Daten der Täter an die Öffentlichkeit gelangt und ein Kind sexuell zu missbrauchen, nennt der hohe Kirchenfürst vielleicht nur einmal eine Dummheit machen“. Halb so wild also. Lehmann ist Professor für Dogmatik.

Mit dem Datenschutz bei Geheim- und Personalakten müsse sehr sorgfältig umgegangen werden, sagte der Mainzer Bischof. "Nicht um den Eindruck zu erwecken, wir haben etwas zu vertuschen, sondern um Tätern, die vielleicht nur einmal eine Dummheit gemacht haben, überhaupt eine Chance zu geben weiterzuleben." Das sei zuerst alles nicht so gut überlegt worden. "Deswegen bin ich ganz froh, dass wir die Studie neu ausgeschrieben haben", ergänzte Lehmann.

Die Bruderschaft der Bischöfe einigte sich darauf lieber einen der ihren ermitteln zu lassen. Den Trierer Bischof Ackermann, der selbst genügend Erfahrungen damit gesammelt hatte pädophile Priester zu schützen und deren Opfern in den Rücken zu fallen.

(…..) Nach gerade einmal neuneinhalb Jahren im Amt des offiziellen Missbrauchsbeauftragten, traf er sich diese Woche erstmalig mit den Opfern, den in seinem Bistum vergewaltigten, verprügelten und gequälten Kindern.
Man soll ja auch nichts übereilen.
Eine Dekade geht ja schließlich schnell ins Land und außerdem hatte Ackermann auch viel wichtigeres zu tun, als mit den Quälgeistern zu sprechen, die heute immer noch rumjammern, nur weil sie ein paar Jahre lang als Kind sexuell missbraucht und geschlagen wurden.
Da galt es vor allem den ursprünglich von ihm selbst engagierten Kriminologen Christian Pfeiffer wieder loszuwerden. Pfeiffer sollte den Missbrauch in der RKK zwar offiziell untersuchen, aber doch bitte nichts Negatives zu Tage fördern.
Der renitente Professor wollte sich aber bei seiner Studie tatsächlich ein eigenes Urteil bilden und nicht das schreiben, was Ackermann ihm vorschrieb.
Der Niedersachse wollte sich zur Empörung Ackermanns noch nicht mal bestechen lassen!

[…..] Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen KFN von Christian Pfeiffer hatte 2011 vom Verband der Diözesen Deutschlands den Auftrag bekommen, einen unabhängigen Forschungsbericht zum Missbrauch in der katholischen Kirche von 1945 bis heute zu erstellen. In den Wochen und Monaten danach soll die Kirche laut Aussage Pfeiffers aber immer mehr Einfluss auf die Forschungsarbeiten genommen haben - sogar von Zensur sei die Rede gewesen.
Im Dezember 2012 sollte die Zusammenarbeit dann bei einem Treffen in Hannover beendet werden. An dem Treffen nahm demnach auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann teil. Christian Pfeiffer sagte dem SWR, dass die Kirche ihm ein Schreiben vorgelegt hatte, in dem er sich verpflichten sollte, jeglichen Vorwurf von Zensur und Kontrollwünschen der Kirche zu unterlassen. Für dieses Schweigen soll die Kirche auch 120.000 Euro geboten haben. Pfeiffer sagte, das habe er abgelehnt. Daraufhin habe der Trierer Bischof Ackermann ihm erklärt, wenn er nicht unterschreibe und der Zensurvorwurf nach außen dringe, sei er ein Feind der katholische Kirche und man würde seinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren. Pfeiffer nennt den Vorgang eine Bedrohung. Wörtlich heißt es in der "Zeit": "Das war der Versuch einer Nötigung." […..]

Ich verstehe gar nicht, was sich die Leute nun wieder aufregen. Ackermann ist damit nur ein ganz gewöhnlicher kirchlicher Schreibtischtäter, der dafür sorgt, daß seine Priester weiter Kinder ficken können und daß die Priester, die schon Kinder gefickt haben, in Ruhe gelassen werden.
Wer sich der weltgrößten misogynen und homophoben Missbrauchsorganisation anschließt, darf nichts anderes von den Kirchenfürsten erwarten.

Nach zwei Jahren im Amt des Missbrauchsbeauftragten nervten einige garstige Medien allerdings weiter.
Ackermann („Null Toleranz für Missbrauchstäter“) schützte weiterhin die Pädo-Verbrecher seines Bistums. Da regten sich die Linksgrünversifften schon wieder auf. Nur weil der Trier Bischof sieben pädophile und vorbestrafte Priester einsetzte. Na und? Sind doch nur Kinder, die missbraucht werden.

Im September 2018 erschienen schließlich die Ergebnisse der für die RKK angenehmeren Studie, in der nicht etwa unabhängige Leute die kirchlichen Archive einsehen durften, sondern die Bischöfe stets Herren des Verfahrens waren. Außerdem hatten sich besonders schwer betroffene Bistümer wie Regensburg, in dem Papst-Bruder Georg bei den Domspatzen wütete, schon Jahre zuvor jeder Aufklärung verweigert und die Archive gesäubert. Sehr zur Freude des Papstes Ratzinger, der den pädofreundlichen Vertuscher-Bischof Müller zum Dank nach Rom holte und ihn auf den drittmächtigsten Posten der Welt setzte. Papstnachfolger Franz erhob Müller zum Kardinal.

[…..]  Zahl der beschuldigten Kleriker.
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden Personal-und Handakten von 38.156 Klerikern der  27  Diözesen  aus  den  Jahren  1946  bis  2014  durchgesehen  (TP6).  Dabei  fanden  sich  bei 1.670  Klerikern  der  katholischen  Kirche  Hinweise  auf  Beschuldigungen  des  sexuellen  Miss-brauchs  Minderjähriger.  Das  waren 4,4 Prozent aller Kleriker  aus  den  Jahren 1946  bis  2014, von  denen  Personalakten  und  weitere  Dokumente  in  den  Diözesen  durchgesehen  wurden. Diese  Zahl  stellt  eine  untere  Schätzgröße  dar;  der  tatsächliche  Wert  liegt  aufgrund  der  Er-kenntnisse aus der Dunkelfeldforschung höher. Bei  Diözesanpriestern  betrug  der  Anteil  5,1  Prozent  (1.429  Beschuldigte),  bei  Ordenspriestern im Gestellungsauftrag 2,1 Prozent (159 Beschuldigte) und bei hauptamtlichen Diakonen 1,0 Prozent (24 Beschuldigte). Bei 58 Beschuldigten war der Klerikerstatus unbekannt. Sofern  Personalakten  von  Klerikern  durchgesehen  wurden,  die  im  Zuge  des  Antragsverfahrens zu „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ beschuldigt worden waren, fand sich nur in 50 Prozent der in den Anträgen von der katholischen  Kirche  als  plausibel  eingestuften  Beschuldigungen  ein  entsprechender  Hinweis auf  die  Beschuldigung  oder  die  Tat  in  der  Personalakte  oder  anderen  kirchlichen  Dokumenten des jeweiligen Klerikers. Damit wäre die Hälfte aller Fälle im Rahmen einer reinen Personalaktendurchsicht ohne die aktive Antragstellung der Betroffenen zu „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ nicht entdeckt worden. Dies gibt einen Hinweis auf das Ausmaß des anzunehmenden Dunkelfelds.
Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen
 Den  1.670  beschuldigten  Klerikern  konnten nach  den Personal-und  Handakten  insgesamt 3.677  Kinder  und  Jugendliche  als  von  sexuellem  Missbrauch  betroffen  zugeordnet  werden. Dies  waren  im  Durchschnitt  2,5  Betroffene  pro  Beschuldigtem  (TP6).  In  der  Analyse  von Strafakten lag die Zahl bei 3,9 (TP3). Bei 54 Prozent der Beschuldigten lagen Hinweise auf einen einzigen Betroffenen vor, bei 42,3 Prozent Hinweise auf mehrere Betroffene („Mehrfachbeschuldigte“), bei 3,7 Prozent fehlten entsprechende Angaben. Die Mehrfachbeschuldigten hatten durchschnittlich 4,7 Betroffene. Der Maximalwert lag bei 44 Betroffenen eines Beschuldigten (TP6). […..]
                                                 
Na fein, statt Hunderttausenden, konnten nun nur noch 3.677 von sexuellem  Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche ausgemacht werden.
Die knapp 1700 Pädosex-Priester sind doch kaum der Rede wert.
So sieht es offenbar Kardinal Marx, der knappe anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung der Studie demonstrativ rein gar nichts unternommen hat.

Für die katholischen Bischöfe gibt es drei Aspekte des Kinderfickens.

1.) Es muss finanzieller Schaden von der Kirche abgewendet werden. Daher gilt es mit aller Energie möglichst keine schlechte PR entstehen zu lassen. Vertuschen, verschweigen, weißwaschen.
2.) Die sadistischen und perversen Täter müssen geschützt werden; schließlich sind es Brüder im Amte und Gottesmänner.
3.) Die Opfer sind bloß dumme Kinder. Darum muss man sich nicht sorgen. Die können mit Almosen abgespeist oder am besten durch juristische Kniffe ganz leer ausgehen.

Die Straftat an sich, die Vergewaltigung eines Kindes durch einen Priester, scheint bis heute von den Klerikerfürsten als Petitesse angesehen zu werden.

[…..] Missbrauch in Kirche: Fast alle Verfahren in Bayern eingestellt
Eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der großen Missbrauchsstudie der katholischen Kirche haben die Behörden in Bayern in keinem einzigen Fall Anklage erhoben. Das haben die zuständigen Staatsanwaltschaften auf Anfrage bestätigt. […..]

Massenhafter sexueller Missbrauch an Kindern durch Geistliche?
Nichts weswegen man sich sorgen oder gar irgendetwas ändern müsste.
Die Studie wurde wunschgemäß so verfasst, daß die RKK nichts befürchten musste.

[…..] Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche: "Das war alles nur Show - mehr nicht"
[…..] Die Unterlagen - so das Versprechen - sollten an die Staatsanwaltschaften weitergeleitet werden. Dort zeigt sich nun: Strafrechtlich sind die Dokumente nahezu wertlos. […..] Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mit dem Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, wollte das Ermittlungsergebnis in Bayern nicht kommentieren. […..]
Der Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer, der die Untersuchung ursprünglich leiten sollte, sagte: "Für die Kirche war die der MHG-Studie folgende Ankündigung von Marx, wonach alles an die Staatsanwaltschaften gegeben wird, kein Risiko. Das war alles nur Show - mehr nicht." Marx habe Forschern den uneingeschränkten Zugang zu Akten verweigert und damit eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung verhindert. "Für die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit" wäre es das Beste, Marx würde von der Spitze der Bischöfe zurücktreten - "und so einen echten Neuanfang ermöglichen".
DBK-Sprecher Matthias Kopp wies die Vorwürfe entschieden zurück. […..]
Der Strafrechtsprofessor [und CSU-Politiker! –T.] Holm Putzke aus Passau sagte, die Kirche habe sich "redlich darum bemüht, damit die in ihren Reihen massenweise begangenen Verbrechen an Kindern inzwischen nicht mehr verfolgbar sind". Er stellte nach der Veröffentlichung der Studie gemeinsam mit einigen Kollegen Anzeige gegen unbekannt und stieß damit die staatsanwaltlichen Ermittlungen an. […..]

Die Missbrauchsopfer sind zu lustig. Nun fordern sie im Jahr 2020 Konsequenzen. Konsequenzen? Wozu das denn? Zehn Jahre nach Canisius zeigt sich doch mustergültig was passiert, wenn die RKK den myriadenfachen Missbrauch aussitzt:
Die gesamte politische Klasse steht wie ein Mann hinter der Kirche, denkt gar nicht daran den Auftrag von vor 100 Jahren aus der Weimarer Reichsverfassung, die die Ablösung der staatlichen Dotationen an die Kirchen vorsieht umzusetzen.
Staat und Kirche werden nicht entkoppelt und die Kirchensteuereinnahmen des Jahres 2019 werden wieder einen absoluten Rekordwert, weit über 12 Milliarden Euro, erreichen.
Kardinal Marx‘ Gehalt, rund 13.000 Euro monatlich wird genau wie seine Dienstlimousine weiterhin vom Steuerzahler – auch den Atheistischen und muslimischen – bezahlt. Der trottelige Teutone läßt sich das offenbar gerne bieten, wählt Religioten in den Bundestag und bleibt freiwillig Kirchenmitglied.
Die Vorwürfe der totalen Untätigkeit an die DBK sind nicht neu und werden immer wieder in den Medien erhoben. So klang es schon vor vier Monaten in der Tagesschau und auch damals reagierten Marx, Ackermann und Co mit einem müden Achselzucken. Wieso auch nicht? Die sogenannten Gläubigen solidarisieren sich genau wie die politische Klassen lieber mit der Täterorganisation als mit den Opfern.

[…..] Ein Jahr nach Missbrauchsstudie: Außer Versprechen nicht viel passiert. […..]
"Wahrheit" und "Gerechtigkeit" für die Opfer, versprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, vor einem Jahr im Dom zu Fulda. An diesem Tag stellte er die Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche vor. Mehr als 1600 Kleriker haben sich demnach nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland an Schutzbefohlenen vergangen. Die Macher der Studie betonten an diesem Tag in Fulda, man müsse ein "mindestens" bei allen Aussagen zu Opfern und Tätern mitdenken. Denn die Zahlen lieferten die Bistümer selbst. Kein Wissenschaftler durfte für die Studie kirchliche Archive betreten. […..]
Der Psychiater Harald Dressing spricht leise, aber deutlich. Vor einem Jahr, als die Studie in Fulda vorgestellt wurde, saß er auf einer Pressekonferenz neben Kardinal Marx. Als der Bischof gefragt wurde, ob denn ein deutscher Bischof angesichts dieses Skandals Konsequenzen für sich in Betracht zöge, antwortet Marx sichtlich überrascht: "Nein!"
[…..] Dressing erzählt, wie er dem Bischof vor der Pressekonferenz gesagt habe, dass diese Frage kommen werde. Ackermann sei darüber verwundert gewesen. "Es ist in keiner Institution denkbar, dass nach so einem Skandal nicht ein einziger Verantwortung übernimmt", sagt Dressing heute. Er nennt es "erschreckend".
Der Psychiater sagt, die Studie sei keine Aufarbeitung. Dieser Prozess habe nicht einmal ansatzweise begonnen. "Jeder Täter hatte Mitwisser und Verharmloser. Es ist notwendig, dass solche Menschen, die möglicherweise immer noch in Verantwortung sind, auch Verantwortung übernehmen. Ein kollektives Bekenntnis von Schuld und Scham ist nicht ausreichend."
Für die vor einem Jahr vorgestellte Missbrauchsstudie hätten sie nur auf anonymisierte Daten aus den Bistümern zugreifen können. "Mehr hat uns die Kirche nicht gewährt. Jetzt steht an, die Beschuldigten zu nennen. Die Mitwisser, die Verantwortlichen, die Netzwerke, die den Missbrauch vertuscht haben. Eine Wahrheitskommission muss Zugang zu allen Akten bekommen." […..]

Sonntag, 19. Januar 2020

Medienkompetenz!


Es fasziniert mich immer wieder auf den Socialmedia-Seiten nicht nur Einzelpersonen mit völlig unseriösen dubiosen Quellen um sich werfen, sondern auch große Accounts von Parteien, Prominenten und anderen Multiplikatoren nahezu ungefiltert alle Quellen verlinken.
Neben reinen Fake-News-Fabrikanten von sonderbaren Domains aus sonderbaren Ländern, werden aber auch wahllos bekannte deutsche Medien verlinkt, deren Seriosität man eigentlich sehr leicht einschätzen kann.
Viele Quellen sind sehr konservativ – Focus, Welt, FAZ – da wird man nicht unbedingt objektive Berichte über Grüne, Linke oder SPD finden.
Hinzu kommen aber die Boulevardesken, die nicht nur sehr weit am rechten Rand stehen, sondern wie BILD oder Focus Online gezielt mit xenophoben und gefälschten Berichten Stimmung machen.

Ich dachte, inzwischen lachen alle über den Witz „Quelle Internet“, wenn jemand etwas besonders Abstruses behauptet.
Ich dachte, inzwischen haben alle verstanden, daß Netzfrauen, Deutsche Wirtschaftsnachrichten, Kopp, RT.com, Compac, Epoch Times, JF, Ken.FM, PI, PP nur Lügen verbreiten.

Aber darüber hinaus gibt es genügend andere Medien, die man sehr kritisch betrachten muss.
Es reicht nicht seine Informationen aus der Morgenpost oder Markus Lanz zu beziehen. Frank Plasberg ist ein tendenziöser Unterhalter und keine Nachrichtenagentur. Wikipedia taugt dazu schnell etwas nachzuschlagen, das man schon weiß, aber gerade ein paar Details vergessen hat.
Wikipedia ist aber sehr anfällig für Manipulationen und darf natürlich nicht herangezogen werden, um etwas ganz Neues zu lernen, von dem man noch nie vorher gehört hat.

Konservative Meinungsmacher wie FAZ, Welt oder Cicero sind nicht grundsätzlich schlecht. Man kann dort durchaus einige Juwelen finden. Daher verlinke ich auch immer wieder mit großem Vergnügen Schwennickes Fußball-Abrechnung von 2013: Es ist ein großartiger Artikel, auch wenn ich die derzeit eingeschlagene Richtung des Blattes unerträglich finde.

Zeit und Tagesspiegel sind überdurchschnittlich gute Zeitungen, besser als die meisten anderen. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, daß der Chefredakteur/Herausgeber di Lorenzo ein schwerer Religiot ist und dementsprechend alle Artikel zu dem Thema von Fehlern strotzen und sehr einseitig prokirchlich ausgerichtet sind.
Selbst die beste überregionale Zeitung in deutscher Sprache, die Süddeutsche Zeitung, hält sich allerdings einen zu frommen Kirchenredakteur. Mehr Neutralität zu Kirchenthemen findet man da schon im SPIEGEL, den ich immer noch als eine der seriösesten Quellen ansehe, auch wenn er nur noch ein schwacher Abglanz von einst ist, keine Themen mehr setzt und viel zu langsam geworden ist.

Medienkompetenz bedeutet heute in Ermangelung einer einzigen superseriösen und umfassend informierenden Quelle, daß man mehrere Periodika gleichzeitig und regelmäßig konsumieren muss. Darunter muss auch mindestens eine sein, die tendenziell eher nicht die eigene Meinung vertritt.
Nur mit großer Faktenkenntnis kann man teilseriöse Blätter wie Cicero Hamburger Abendblatt lesen.
Nur mit umfassender Medienkenntnis kann man die in den sozialen Medien auf einen einprasselnden Meldungen schon gleich aufgrund der dubiosen Quelle wegklicken.
Nur so kann man seine Zeit sinnvoll einteilen.
Wenn in einer Facebook-Gruppe mit fünfstelliger Mitgliederzahl über „die Linken in der SPD“ von den Administratoren fortwährend Focus Online und Welt-Kommentare gepostet werden, kann man die Gruppe verlassen.
Und man kann jede Gruppe sofort verlassen, die sich mit BILD-Links beschäftigt.

Man muss sich immer darüber bewußt sein wie unsäglich verblödet fast alle Medienkonsumenten auf der Welt sind.
Fox-Fake-News haben 62 Millionen Amerikaner dazu gebracht für Donald Trump zu stimmen, Multimilliardär und Medienmogul Rupert Murdoch vermochte es mit seinem Imperium aus rechten Troll-Sendern und Zeitungen gleich mehreren Nationen debile und höchstgefährliche Regierungen aufzustülpen. Er kann im Alleingang den Klimaschutz verhindern.

Drastische Medieninkompetenz gibt es aber inzwischen allumfassend.
Als in den 1980er Jahren die Sendung „Lindenstraße“ begann, schnitt ich mir einen Artikel aus und pinnte den an die Küchenwand, in dem es darum ging, daß die Schauspieler mit ihrer Serienrolle verwechselt werden, daß sich Menschen für Wohnungen bewerben, wenn jemand in der „Lindenstraße“ umzieht.
Damals schockierte mich die Ebenenvertauschung noch.
Heute erlebe ich das jeden Tag.
Vor ein paar Stunden sah ich auf Instagram Interview mit den beiden Schauspielern, die in der Fernsehshow „Shameless“ ein schwules Paar spielen und wie selbstverständlich wurde angenommen, daß die beiden auch im Privatleben liiert wären.
Oder das RTL-Dschungelcamp, in dem derzeit eine offenbar besonders unsympathische Person aus dem TV-Trash-Universum hockt.
In dem Fall gibt es eine einfache Lösung: Nicht die Sendung gucken.
Oder aber, wenn man es dennoch möchte, kann man mit seinen kostenpflichtigen Anrufen dazu beitragen einem anderen Teilnehmer zur Siegprämie zu verhelfen.
Stattdessen wird aber die reale Person mit Morddrohungen überschüttet.

[….] Daniela Büchner polarisiert mit ihrem Verhalten im Dschungelcamp 2020 – das steht fest. Büchner spricht von ihrer „Sendezeit“ und wirkt auf viele Zuschauer arrogant. Doch welches Ausmaß der Hass gegenüber der Witwe von Jens Büchner (†49) mittlerweile angenommen hat wird klar, wenn man sich die aktuellen Aussagen ihrer Managerin Melanie Thiele anschaut.
Während Danni Büchner im Dschungel in Australien festsitzt, muss Thiele sich nämlich mit schlimmsten Morddrohungen auseinandersetzen, die ihre Klientin und Freundin von Instagram-Nutzern bekommt. […..]

Kaum zu glauben, aber wahr. Die Menschen gucken abends eine RTL-Show und halten das für so real, daß sie anschließend Tötungsfantasien ventilieren.

Hier ist die Bildungspolitik gefordert. In den Schulen muss endlich als Pflichtfach „Internet und Kommunikation“ eingerichtet werden, damit schon die Kleinsten lernen einen kritischen Blick zu behalten, die Medienmechanismen einschätzen zu können und begreifen wie man aus der endlosen Informationsflut des Netzes die Wahren und Relevanten herausfischt.