Freitag, 21. Dezember 2018

Null Generäle bis zur Apokalypse


Nachdem Anfang November 2016 feststand wer als nächster Präsident ins Weiße Haus einziehen wird, erwartete ich das Schlimmste.
Boy, wurde diese Prognose übererfüllt!


Während es in den ersten Wochen „nur“ ungeheuer peinlich und chaotisch lief, begann ich mir mehr und mehr ernste Sorgen zu machen.
Der Psychopath im Oval Office, von dem man vorher noch eine leichte Hoffnung haben konnte, er würde sich schnell langweilen, sich auf seine Golfplätze zurückziehen und jemand anders die eigentliche Arbeit machen lassen, erwies sich aber als hartnäckig karzinogen. Immer wieder verlässt er Mar A Lago und mischt sich in die Politik ein.
Und so mußte ausgerechnet ich, der linke Antimiltarist meine ganze Hoffnung auf drei erzkonservative Generäle setzen.

(….) Ob die Welt innerhalb der nächsten drei Jahre zu einer großen Apokalypse wird, hängt an den folgenden Militärs:

1.)

John Francis Kelly, 67, General des United States Marine Corps (USMC), Stabschef des Weißen Hauses.
[….][….]  befehligte ab 2009 bis 2011 die „Marine Forces Reserve“ und die „Marine Forces North“. 2011 wurde er Generalleutnant im Verteidigungsministerium. Obama übertrug ihm 2012 das Kommando des US Southern Command.

2.)

James Norman Mattis, ebenfalls 67, ebenfalls General des US Marine Corps (USMC) ist US-Verteidigungsminister und machte eine ähnliche Bilderbuchkarriere.
Seine Stationen: [….][….] kommandierender General des „Marine Corps Combat Development Command“ in Quantico. [….] 2010 Nachfolger von General David Petraeus als Oberbefehlshaber des US Central Command und 2007 bis 2010 Befehlshaber des US Joint Forces Command, [….]. Mattis gilt als „verrückt“ (Mad Dog), weil er immer wieder wüste Sprüche von sich gibt.

Aus einer Podiumsdiskussion in San Diego, Kalifornien, am 3. Februar 2005 wird Mattis mit den Worten zitiert: “Actually it's quite fun to fight them, you know. It's a hell of a hoot. It's fun to shoot some people. I'll be right up there with you. I like brawling. You go into Afghanistan, you got guys who slap women around for five years because they didn't wear a veil. You know, guys like that ain't got no manhood left anyway. So it's a hell of a lot of fun to shoot them.” (deutsch: „Also, ich muss sagen, das Kämpfen macht viel Spaß. Es macht eine ganze Menge Spaß ... Es macht Spaß, ein paar Leute zu erschießen. Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Leute, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben. Solche Leute sind ohnehin keine richtigen Männer mehr. Also macht es unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen.“) [….]
(Wikipedia)

3.)

Herbert Raymond „H. R.“ McMaster, 55, Lieutenant General der United States Army, Nationaler Sicherheitsberater.
Stationen in Deutschland, Einsätze in Afghanistan und dem Irak. [….][….]

 Kelly, Mattis und McMaster sind als einsatzfreudige Militärs, die alle drei offensichtlich gern die Waffen sprechen lassen nicht meine natürlichen Verbündeten.
Aber die drei sind die letzte Verteidigungslinie vor dem irren Orang. Die Welt hängt am seidenen Faden.
Nur wenn es Kelly, Mattis und McMaster gelingt Trump rund um die Uhr zu bewachen, ihn zu beruhigen, einzuhegen, zu umschmeicheln und abzulenken, taumelt die Welt nicht in den Abgrund.
Trump beleidigte auch schon seine Generäle, demütigte sie und es ist immer möglich, daß er einen entlässt.
Man muss sich aber wünschen, daß die drei Generäle ihren Frust unterdrücken und ihnen nicht öffentlich ihre wahre Einschätzung des Oberbefehlshabers rausrutscht, so wie es Tillerson passierte.
Es geht nicht um ihre Jobs, es geht nicht um Trump. Es geht um nichts weniger als die Rettung der Welt.
Daher müssen sie durchhalten und nach einem genauen Zeitplan systematisch dafür sorgen, daß einer von ihnen stets anwesend ist, um Trump notfalls niederzuschlagen, wenn er komplett durchdreht.

Die US-Kommentatoren waren von ganz liberal bis stockkonservativ einig in ihrer Analyse:
Insbesondere mit Kelly würde endlich Ordnung und Organisation ins Weiße Hause einziehen.
Er könne #45 zur Raison bringen und würde uneitel, streng und effektiv die Regierungsmaschine zum Laufen bringen.

Das war wieder eine dieser kapitalen Fehleinschätzung wie es sie schon im Jahr 2016 so oft gab. Ja, Trump drehe im Wahlkampf sehr auf, aber der Regierungsalltag würde ihn schon disziplinieren.

Trump ist noch viel dümmer als man dachte. Außerdem ist er nicht nur extrem undiszipliniert und triebgesteuert, sondern auch borniert und intellektuell so minderbemittelt, daß man ihn nicht briefen kann. Er ist nicht zugänglich für Informationen.
Man kann Trump nicht zähmen. Er benimmt sich wie ein lobotomiertes renitentes Balg, das durch einen irren kosmischen Zufall zu Superkräften gelang.


Und die drei harten Kerle Kelly, Mattis und McMaster, die zuvor mit Taliban und IS fertig wurden?

    I.        McMaster schmiss Trump schon im März 2018 raus.
  II.        Kelly wurde am 08.12.2018 per Twitter von seinem Chef gefeuert.
III.        Mattis warf diese Woche empört hin.

Angesichts der völlig chaotischen Zustände um Trump herum ist das nicht verwunderlich. Viele Dutzend Trump-Minister und hochrangige Mitarbeiter wurden schon gefeuert oder verließen schreiend das sinkende Schiff.


Die drei genannten Generäle sind aber insofern besonders dramatische Abgänge, weil sie eher unpolitische Jobs hatten, bei denen es um Krieg und Frieden ging.

[….] Vor einem Jahr sagte der republikanische Senator Bob Corker, Amerika habe es vor allem vier Männern zu verdanken, dass die irrlichternde Präsidentschaft Donald Trumps die Welt bislang nicht vollends ins Chaos gestürzt hat: Außenminister Rex Tillerson, Sicherheitsberater H.R. McMaster, Stabschef John Kelly und Verteidigungsminister James Mattis.
Dem Quartett, oft als die „Achse der Erwachsenen“ im Weißen Haus bezeichnet, wurde die Fähigkeit zugeschrieben, den zu unberechenbaren Alleingängen tendierenden Präsidenten außenpolitisch einzuhegen. Die Dompteure Tillerson, McMaster, Kelly sind bereits am Ego Trumps zerschellt und geschasst worden. Mit Mattis hat nun der letzte „Mohikaner“ das sinkende Schiff verlassen. Aus Selbstrespekt. Und maßloser Enttäuschung über einen Commander-in-Chief, der am Ende des zweiten Amtsjahres zu einer veritablen Bedrohung für die Weltordnung geworden ist. [….]

Kelly, Mattis und McMaster stolperten nicht über Skandale oder persönliche Bereicherung wie so viele andere Trump-Minister,
Sie gingen auch nicht wegen einer liberaleren oder konservativeren Sicht der Tagespolitik.
Sie alle waren nicht sehr medienaffin und verglichen mit ihrem Boss völlig unprätentiös.
Sie sind weg, weil sie wissen, daß Trump ein gefährlicher Irrer ist, den man nicht kontrollieren kann.

Mattis geht, weil er damit sagen will: Fahrt diesem Wahnsinnigen endlich in den Arm. Tatsächlich gibt es kaum republikanische Außenpolitiker, die Trumps Politik des Lunte-Anlegens im Fall Syrien unterstützen.

 [….] Trump gibt Syrien auf
[….] Mit dem Abzug der US-Soldaten aus Syrien gefährdet US-Präsident Trump nicht nur den Kampf gegen den IS. Er stärkt auch das Assad-Regime und den türkischen Präsidenten Erdogan. Großer Verlierer: die Kurden.
"Es wäre fahrlässig, wenn wir sagen würden, das physische Kalifat wäre besiegt, sodass wir einfach abziehen können. Ich denke, jeder, der sich so einen Konflikt anschaut, würde dem zustimmen." So äußerte sich Brett McGurk, Sonderbeauftragter des US-Präsidenten für den Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), erst in der vergangenen Woche.
Am Mittwoch nun hat sein Chef Donald Trump entschieden, dass sich die US-Armee, die etwa 2000 Soldaten in Syrien stationiert hat, sehr wohl doch einfach aus dem Bürgerkriegsland zurückziehen könne. Auch die Luftangriffe gegen die Terrormiliz sollen beendet werden, heißt es aus dem Pentagon.
"Wir haben gegen den IS gewonnen", behauptet Trump. Das ist falsch. [….] Und der IS ist weiterhin identitätsstiftend für militante Islamisten in aller Welt. Das zeigt der Anschlag in Straßburg in der vergangenen Woche, den die Miliz für sich reklamierte. Das zeigt auch der Mord an zwei Skandinavierinnen in Marokko in dieser Woche. [….] Der schnelle Abzug der US-Truppen, die dort bis dato SDF-Einheiten ausgebildet und beraten haben, gibt Erdogan nun grünes Licht für seine Militäroperation.
[….] Nachdem die USA die Kurden im Stich lassen, werden diese sich aus Angst vor der Türkei notgedrungen noch enger an der Assad-Regime binden müssen. Damit droht der kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten Syriens über kurz oder lang das Aus. [….] Mit dem Abzug gibt Trump, der sich so gern als König des Deals feiert, zugleich seinen wichtigsten Trumpf bei Verhandlungen über die Nachkriegsordnung in Syrien aus der Hand. Die Präsenz der US-Truppen sorgte dafür, dass derzeit ein knappes Drittel der Landfläche Syriens unter der Kontrolle der mit dem Westen verbündeten SDF steht. Das Grenzgebiet zur Türkei dürfte in den nächsten Monaten unter Ankaras Kontrolle geraten, der große Rest würde nach einem Abkommen zwischen Damaskus und den Kurden kampflos an Assad fallen. [….]

Offensichtlich gibt es selbst in der GOP Menschen, die nicht ausschließlich Trumps Wohlbefinden im Auge haben, sondern wissen wie bitter es sich noch für die USA rächen kann, wenn sie unter #45 so klar deutlich allen Partnern in den Rücken fallen, ihre eigene Glaubwürdigkeit begraben und amerikanische Interessen weltweit begraben.


[….] Trumps Volte sollte nicht nur den Kurden Angst machen  Mit dem Abzug der Truppen aus Syrien verrät der US-Präsident seine Bündnispartner auf der ganzen Welt. Was tun, wenn weder vernünftiges Zureden noch das Überwintern der Trump-Eiszeit helfen?
In den USA haben sich einige Medien und Organisationen der Aufgabe verschrieben, alle Lügen des Donald Trump zu dokumentieren. Ebenso nützlich könnte es sein, ein Verzeichnis all jener anzufertigen, die dem Ego, der Hybris, der Ignoranz und Skrupellosigkeit des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Opfer gefallen sind. Vollständig wäre es freilich nie. Zu unüberschaubar ist die Zahl derer, die Trump als Baulöwe, TV-Entertainer und schließlich mächtigster Mann der Welt übers Ohr gehauen, im Stich gelassen oder verraten hat. Unzweifelhaft aber müsste der jüngste Eintrag auf so einer Liste den Kurden im Norden Syriens gelten. Trumps Befehl zum überstürzten Rückzug der US-Truppen bringt sie in größte Gefahr. Diese Volte, die den Kurden Furcht einflößt, sollte auch den Europäern Angst machen.
[….] Zusätzlich werden die Kurden durch türkische Truppen unter Druck geraten, weshalb sie ihr Heil in einem Bündnis ausgerechnet mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad suchen könnten. Russlands Präsident Wladimir Putin hat Trumps Zug deshalb schon als richtig gelobt. Zufrieden sein können auch die ebenfalls mit Assad verbündeten Iraner. Dem amerikanischen Präsidenten ist somit das Kunststück gelungen, mit einer einzigen Entscheidung islamistische Krieger, Russen und Iraner zugleich glücklich zu machen. Trump verrät so nicht nur loyale Waffenbrüder, sondern auch traditionelle Prinzipien amerikanischer Außenpolitik. [….]

Trump ist eben nicht nur „kein normaler Politiker“, sondern er ist gar kein Politiker. Er ist ein gefährlicher Soziopath, ein unterbelichteter Idiot, pathologischer Lügner und natürlich ein Mafiosi.

[….]  Der Fall Cohen, Aktenzeichen Nr. 18 Cr. 602 (WHP), wurde vom legendären Mafia-Ressort der New Yorker Staatsanwaltschaft betreut. Das sagt einem alles über Cohen, den sie Trumps Consigliere nannten. Und über seinen damaligen Chef, dessen "Schmutztaten" Cohen ausgeputzt haben will - den US-Präsidenten.
 Die US-Justiz behandelt Donald Trump und seinen Dunstkreis wie eine kriminelle Vereinigung, nur ohne die Morde. Geduldig graben sich die Fahnder in den Zirkel der Macht vor, von außen nach innen, überführen erst kleine, dann immer größere Gangster, machen sie zu Zeugen der Anklage, um am Ende, so der Plan, vielleicht den größten Gangster zu fangen.
Insgesamt 17 Ermittlungsverfahren kreisen inzwischen um Trump, es geht um Geldwäsche, Korruption, Betrug, Steuerhinterziehung - alles Straftatbestände, die auch Mafiosi schon oft zum Verhängnis wurden.
Immer mehr Amerikanern dämmert es, dass sie von einem Mann regiert werden, der sich, um es milde auszudrücken, jahrzehntelang mit Gaunern, Schurken und Halbweltgestalten umgab. Dass sie das irgendwie ahnten, wenn nicht wussten, doch darüber hinwegsahen. Dass sie alle Komplizen sind. [….]




Donnerstag, 20. Dezember 2018

Moralische Fragen


Welch entzückend-sympathische Spezies wir Homo Demens sind, kann man heute bei „Volk und Glauben“ nachlesen.
Da wird einem zum Fest der Liebe doch gleich ganz warm ums Herz.
Myriaden Kinder, die wir täglich abkratzen lassen, obwohl es nicht nötig wäre.
In Syrien dürfte sich die Situation mit der heutigen Entscheidung Trumps Assad, Erdogan und Putin zu stärken und dafür die Kurden zu opfern noch verschlimmern.

[….] März 2018: Schon heute haben mehr als 1,5 Millionen Menschen in dem Bürgerkriegsland bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten ... kamen seit Ausbruch des Konflikts Aktivisten zufolge mehr als 350.000 Menschen ums Leben. Unter den Opfern mehr als 105.000 Zivilisten ... enthalten in diesen Zahlen sind nur Opfer, deren Tod belegt ist. Die tatsächliche Zahl der Toten liegt Schätzungen zufolge bei mehr als einer halben Million.
Im März 2017 erklärte das UNHCR, dass mittlerweile 5 Millionen Syrer als Flüchtlinge registriert seien. Die Zahl der Binnenflüchtlinge betrage rund 6,3 Millionen.
Unicef zufolge schickten die Konfliktparteien 2017 mindestens rund 900 Minderjährige in den Kampf. Ein Viertel der "Kindersoldaten" war jünger als 15 Jahre. […..]

Das sagt natürlich einiges über die perfide, brutale und rücksichtslose Natur der Menschen aus, wenn sie Ihresgleichen so ungerührt täglich quälen.

Von einer höheren Perspektive aus gesehen, gehören wir natürlich alle zu einer miesen Gattung, der man nicht nachweinen sollte, weil sie destruktiv, parasitär und toxisch veranlagt ist.

Noch abscheulicher ist die menschliche Anmaßung allen anderen Lebewesen gegenüber, die getreu des sadistischen Mottos Gottes „macht euch die Erde untertan!“ als minderwertig, rechtlos und primitiv missachtet werden.
Einen besonderen Spin der Abartigkeit geben der Sache Millionen selbsterklärter Tierfreunde, die ihr Haustier vergöttern und gleichzeitig durch ihr Konsumverhalten grauenvolle Zustände ist der Fleischmast und die Vernichtung von Lebensraum unzähliger Biotope fördern.
Und sie kaufen dann die Billig-Lotions aus den Drogerie-Discountern, deren Produkte an Tieren getestet werden.

[…..] 2,8 Millionen Tiere "verwendet oder getötet"
Gut 740.000 Tiere sind in Deutschland im vergangenen Jahr für wissenschaftliche Zwecke getötet worden. Weitere gut zwei Millionen Tiere wurden für wissenschaftliche Tierversuche eingesetzt. Das berichtet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in seiner neusten Statistik.
Die Gesamtzahl der Versuchstiere 2017 liegt damit bei 2,8 Millionen - ein ähnliches Niveau wie in den Jahren 2015 und 2016[….] Deutlich gestiegen ist die Zahl der verwendeten Affen: Sie lag im vergangenen Jahr bei 3472 Tieren, 2016 waren es noch 2462.
Zur Einordnung der Zahlen: Für die Fleischproduktion werden in Deutschland im Jahr ungefähr 750 Millionen Tiere geschlachtet.[….]

Da ich eine Forscherin am Hamburger UKE privat kenne, konnte ich mir mal die Tierversuchsabteilung ansehen. Die liegt direkt neben dem Herzzentrum und ist ultramodern. Die haben dort nur Ratten und Kaninchen. Aus biochemischer Sicht ist es natürlich faszinierend wie gezielt man Ratten mit speziellen Eigenschaften für Medikamententests züchten kann. Aus ethischer Perspektive lehne ich das allerdings grundlegend ab. Man kann nicht andere Lebewesen quälen und töten, um die eigenen Spezies profitieren zu lassen.
Meine ethischen Bedenken sind fundamental. Ich lehne Tierversuche nicht nur für Kosmetika und unnütze Studien ab, sondern halte keine „Anwendung“ für wichtig genug, um Tiere dafür zu töten.

Allerdings lag zu dem Zeitpunkt meine Mutter drüben auf der Intensivstation und wenn mit dem Tod einer Ratte ein lebensrettendes Medikament freigegeben worden wäre, oder meine Mutter durch eine Schweinherzklappe hätte überleben können, wäre ich garantiert eingenickt und hätte jedes Tier geopfert.
Menschen sind so; inkonsequent und schwach.
Und vielleicht kann man es dem Einzelindividuum nicht übelnehmen.
Allein schon die wissenschaftliche Bezeichnung, die wir uns selbst gegeben haben: Homo Sapiens, der weise Mensch, zeigt unsere Hybris. Wir sind offensichtlich als Spezies eben nicht weise, sondern eine raffgierige Bande von Egoisten, die nicht weiter als bis zur Nasenspitze denkt.
Wir können gar nicht weise sein, da wir amoralisch vermehrt werden.

Der WWF-Report von 2018 listet auf, wie der Mensch in den letzten 45 Jahren 60% der Tierwelt ausgerottet hat durch Tourismus, Agrarpolitik, Fleischkonsum und Ressourcenverschwendung.

[…] Diese 12. Ausgabe des Living Planet Reports zum Zustand der Biologischen Vielfalt erzählt die Fortsetzungsgeschichte eines Trends, der allen Anlass zur Sorge geben muss: Die Kurve des Living Planet Index (LPI) weist steil nach unten, während die des Verbrauchs endlicher Ressourcen weiter in die Höhe schießt. Der Zusammenhang beider Entwicklungen ist offensichtlich. Seit mehr als 40 Jahren gehen die Tierbestände zurück – inzwischen um 60 Prozent gegenüber dem Beginn der Messungen im Jahr 1970 und um weitere 2 Prozent seit dem letzten Bericht. Demgegenüber steht nach jüngsten Berechnungen ein weiter steigender Ressourcenverbrauch vieler Gesellschaften. Damit steht fest: Die Menschheit nutzt seit 40 Jahren mehr natürliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. Der Ökologische Fußabdruck der Menschheit wird permanent größer. Die Regenerationskapazität der Erde ist überschritten. 1,7 Erden bräuchte es momentan, um den Ressourcenverbrauch zu decken. Die Überbeanspruchung der Erde in solchem Ausmaß muss ein Ende haben. [….]

Was bilden wir uns eigentlich ein, was maßen wir uns an?

[….] Humans have been around for more than 2 million years. But in the last 44 years, we have achieved what we haven’t in all this while: a mass annihilation of our fellow earthlings. Between 1970 and 2014, Earth lost nearly 60% decline of its mammals, birds, fish, reptiles and amphibians, almost all of it due to human activity. The rate at which Earth is losing its biodiversity is comparable only to the mass extinctions. This and other findings have been published by the World Wildlife Fund in its Living Planet Report 2018, a stinging reminder of the declining health of the planet.
[….] This year, its results are even more devastating than ever:
    20% of the Amazon has disappeared in just 50 years
    On a global scale, the area of minimally disturbed forests declined by 92 million hectares between 2000 and 2013
    Of all species that have gone extinct since 1500 AD, 75% were harmed by overexploitation or agriculture
    Ocean acidification may be occurring at a rate not seen in at least 300 million years. The Earth is estimated to have lost 50% of its shallow water corals in the past 30 years
    Humans are responsible for releasing 100 billion tonnes of carbon into the Earth’s system every 10 years. In April 2018, levels of carbon dioxide in the atmosphere reached an average of 410 parts per million (ppm) across the entire month–the highest level in at least 800,000 years
    Only 25% of land on Earth is substantively free of the impacts of human activities. This is projected to decline to just 10% by 2050 [….]

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Der, den keiner will


Den Sportunterricht in der Schule fand ich immer ganz schlimm.
In verschiedenen Altersklassen aus verschiedenen Gründen.

Besonders unangenehm waren mir Mannschaftssportarten, weil ich darin erstens schlecht war und zweitens immer die Demütigung bei der Mannschaftswahl über mich ergehen lassen musste.
Bis heute ist es mir ein völliges Rätsel was eigentlich Sportlehrern im Pädagogikstudium beigebracht wird. Kann man die ohnehin schlechteren Schüler noch massiver demotivieren, als ihnen jede Stunde die Peinlichkeit zuzumuten als Letzter ausgewählt zu werden?
Meine Sportlehrer haben mich so nachhaltig gequält, daß ich bis heute voller Abscheu an sie zurückdenke.
Zu meiner miesen Performance trug aber nicht nur die Tatsache bei der Jüngste in der Klasse gewesen zu sein, der sich auch in den Pausen immer von den fußballspielenden Rüpeltypen fernhielt, sondern ich war auch unfähig für mich zu werben. Natürlich reckte ich bei diesen peinlichen Auswahlverfahren nie flehentlich meine Arme in die Höhe – bitte nimm mich!
Warum hätte ich mich auch bemühen sollen in die Fußball-Mannschaft der beliebten Jungs aufgenommen zu werden; es stimmte ja, daß ich eher eine Last war und dem Trachten nach Toren abträglich gewesen wäre.

In einer erbärmlichen Welt, in der Muskelkraft und Willen zählen ist es widersinnig sich nach vorn zu drängeln, wenn man diesen Willen zu gewinnen nicht hat.

Abgesehen davon, daß mir die sadistischen Sportlehrer meiner Schule bis heute endgültig die Lust an körperlicher Betätigung vergällten, so haben sie mich vielleicht aber ungewollt gelehrt keinen falschen Ehrgeiz für das zu entwickeln, das mir nicht liegt. Ich weiß um die Dinge, die ich nicht besonders gut kann und akzeptiere sie.

Die von Karen Duve in ihrem wunderbaren Essaybuch „Warum die Sache schiefgeht“ beschriebenen Alpha-Männer an der Spitze der Nahrungskette kennen natürlich keine Selbstzweifel. Sie kommen auf die höchsten Stufe der Karriereleitern, weil sie sicher sind dahin zu gehören und sich zutrauen alles zu können. Sie sind so selbstbewußt, halten sich so selbstverständlich für Gottes Geschenk an die Menschheit, daß sie in der Lage sind diesen Irrglauben auch ihrem gesamten Umfeld einzupflanzen.
Das funktioniert; Testosteron, Rücksichtslosigkeit, Selbstüberschätzung, Dominanz und Risikobereitschaft bringen einen ganz nach vorn.
Und deswegen geht die Sache auch schief.

Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen
(Karen Duve)

Es wäre besser für das Fortbestehen der Menschheit wenn statt dieser ICH-BIN-IN-ALLEM DER-BESTE-Trumps lieber vorsichtigere, abwägende und um Rat bemühte Anführer die Politik bestimmten.

Ein Mensch, der nie eine Universität von innen gesehen hat und nicht an fataler Selbstüberschätzung leidet, würde vermutlich ablehnen Verfassungsminister der viergrößten Industrienation der Erde zu werde, weil er ahnen würde, daß alle bisherigen Bundesinnenminister bisher studierte Juristen waren.

Nicht so bei Horst Seehofer, der einfach verkündete, er wäre eben Erfahrungsjurist, weil er schon so viel mit Gesetzen zu tun gehabt hätte.
Dementsprechend katastrophal wird das Ministerium nun auch geführt.

Mit der Begründung könnte sich auch ein chronischer Kariespatient als Dentist niederlassen.

Mein Freund, der Kapitän berichtet immer wieder von „Paxen“ (Passagieren auf Frachtschiffen), die sich zum Leidwesen der Crew ununterbrochen auf der Brücke aufhalten und den Offizieren Ratschläge geben, weil sie sich aufgrund einer früheren Kreuzfahrt-Teilnahme einbilden Nautiker zu sein.

Welch erstaunliche Anmaßung!
Nein, wer sich den Appendix entfernen lassen hat ist nicht anschließend qualifiziert als Chirurg zu arbeiten.

Mit dieser radikalen Selbstüberschätzung geht oft eine erstaunliche Schamlosigkeit einher.
Man kennt das insbesondere von den vielen, alten, fetten, häßlichen Männern, die fest davon überzeugt sind knackige, schöne, junge Frauen passten zu ihnen.
70-jährige Typen ohne Haare und mit Schmerbauch, die aber äußerst kritisch die Figuren ihrer 25-Jährigen Verlobten betrachten.

Nur in einer gestörten, kranken Welt wie der unseren kann ausgerechnet ein adipöser Vollidiot mit derart abstoßender Physiognomie wie Donald Trump zum König der Misswahlen und Dauer-Juror aufsteigen.
Trump beurteilt Frauen nach Busengröße und Attraktivität. Ausgerechnet er. Hat der noch nie in den Spiegel gesehen?

Ähnlich verblödet ist auch Friedrich Merz, der sich für Gottes Geschenk an die Politik hält.
Dadurch, daß er als Handaufhalter für übelste Heuschrecken Geld verdient hat, hält er sich als Minister für qualifiziert.

[….] Friedrich Merz liebäugelt auch nach seiner Niederlage bei der Wahl zum CDU-Vorsitz weiter mit einem Politik-Comeback. Er könne sich sogar vorstellen, ein Amt als Bundesminister zu übernehmen, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ).
„Ein solches Amt würde ich mir aufgrund meiner Erfahrung in der Wirtschaft und Politik zutrauen“, so Merz. [….]

Da legt der Mann eine Trottel-Parade sondergleichen hin, belegt jeden Tag wie wenig er intellektuell den Anforderungen der Politik gewachsen ist, kassiert auf dem Parteitag eine Niederlage und hält sich selbst anschließend auch weiterhin öffentlich für so fabelhaft, daß ihm sicher niemand widerstehen könne.
Der arme Mann ist offensichtlich vollkommen auf den Kopf gefallen, wenn er denkt nach seiner Anti-Merkel-Rache-Kandidatur würde Frau Merkel ihn begeistert ins Kabinett holen und dafür Wirtschaftsminister Altmaier rauswerfen, dem sie vertraut.

Merz, der sich selbst freundlich für einen Kabinettsposten empfiehlt ist an sich schon eine Ausgeburt der Peinlichkeit, aber wie kann er so verwirrt sein zu glauben, auf solche erbärmlichen Offerten würde die Kanzlerin sich einlassen?

Da hätte Quasimodo bessere Chancen, wenn er sich großzügig dazu herablassen würde Giselle Bündchen ein Kind zu machen.

Da wird einem fast die Kanzlerin sympathisch, die Merz eiskalt und ungerührt abtropfen lässt.

[….] Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Ambitionen des früheren Unionsfraktionschefs Friedrich Merz auf einen Posten in ihrem Kabinett eine Absage erteilt. "Die Bundeskanzlerin plant keine Kabinettsumbildung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert auf eine entsprechende Frage. [….]

Was ist bloß los mit diesen alten Andenpaktlern? Seit 15 Jahren sind die ausgemustert und des mehrfachen totalen Versagens überführt – von Merkel, AKK und Co locker aufs Abstellgleis geschoben.
Ein Ehrenplatz in der Hall of Shame der meistüberschätzten CDU-Zampanos der 90er Jahre erkämpfte sich Andenpakt-Chef Roland Koch, der von seiner eigenen Bedeutung so erfüllt war, daß er aus dem Ministerpräsidentenjob direkt an die Spitze des prosperierenden weltweiten Baukonzerns Bilfinger-Berger wechselte, dem er als MP Aufträge beim Frankfurter Flughafenbau zugeschanzt hatte.
Dort war er von 2011 bis 2014 Vorstandsvorsitzender, verdiente 2,35 Millionen Euro pro Jahr Grundgehalt und schaffte es in diesen drei Jahren den Konzern fast in den Ruin zu treiben. Bilfinger zahlte das Gehalt bis Ende 2016 weiter, wenn er nur nicht wiederkäme, um weiteren Schaden anzurichten.
Allein Kochs Versagen im Bereich Complience verursachte einen dreistelligen Millionenbetrag Verlust, die Bilfinger gegenwärtig versucht von Koch einzuklagen.

[…..] Der Industriedienstleister Bilfinger fordert von zwölf ehemaligen Vorständen einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Grund: Sie hätten keine ausreichenden Anti-Korruptionsregeln aufgestellt.
Zwar sei das Thema Korruption während ihrer Amtszeit noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit gewesen wie heute, sagte der Berater des Konzerns, der ehemalige FBI-Direktor Luis Freeh, in Mannheim. „Doch schon zu dieser Zeit hat es einen Verhaltenskodex gegeben, nach dem die Zahlung von Schmiergeldern an Regierungsmitglieder verboten war.“ Selbst ohne explizite Standards sei die Führung eines Konzerns zu integrem Geschäftsgebaren verpflichtet, betonte Freeh. […..]

Wieder mal so eine Meldung, die auch aus dem Postillon stammen könnte. Bilfinger verklagt ausgerechnet die Inkarnation der Korruption, den Serienlügner Koch („Jüdische Vermächtnisse“), keine Antikorruptionsrichtlinien aufgestellt zu haben. Kann man sich nicht ausdenken.

Und noch lustiger: Ministerpräsident Rainer Haseloff findet Koch und Merz sollten einen CDU-Thinktank bilden.

[…..] «Der konservativere Lungenflügel der CDU» müsse wieder deutlicher beatmet werden, zudem habe er den Eindruck, dass Merz die Interessen des Ostens «deutlich im Blick hat», sagte Haseloff der «Magdeburger Volksstimme».
«Ich denke, die Partei braucht eine neue Strategiestruktur. Eine Art Thinktank, ein Beratergremium also, das sich in Grundsatzfragen laut zu Wort meldet.» Dabei müsse es um Fragen gehen wie die Sicherung des Wohlstands, den Migrationspakt und den Umgang mit Osteuropa. «In solch ein Team gehören Friedrich Merz aber auch Ole von Beust, Roland Koch und andere. Sie haben den nötigen Abstand zum politischen Tagesgeschäft.» [….]

Genau, Ole von Beust fehlte gerade noch im diesem Trio Infernale. Der schlechteste Bürgermeister aller Zeiten, der Hamburg mit einer ununterbrochenen Kette dilettantischer Fehlentscheidungen und einen zweistelligen Milliardenschaden hinterlassen hat.

Dienstag, 18. Dezember 2018

Jedes Jahr.

Was ist denn das mit den Weihnachtsmärkten dieses Jahr?

Natürlich nerven diese an jeder zweiten Straße aufgestellten ätzenden Bretterbuden mit penetranter ohrenkrebserregender Last-Christmas-Beschallung, debil blinkender Primitiv-Illuminierung und den olfaktorischen Attacken aus dem Bratfett des Grauens und säuerlich-abgestandener Glühwein-Gülle.

Heute Abend holte ich mir eine volle Stink-Dröhnung am Mühlenkamp, indem ich nur mit dem Auto durchfuhr und leider vergaß schnell genug das Fenster zu schließen, als mich eine rote Ampel zwang genau neben so einer Glühwein-Gebäck-Gebratenes-Wolke stehen zu bleiben.
Ein Mist, denn ich war gerade auf dem Weg zu einem Lebensmittelgroßeinkauf und nach so einer Wolke vergeht mir jeder Appetit.

Weihnachtsmärke sind grauenhaft; insbesondere für sozialphobische Misanthropen wie mich.
Und wer wäre kein Misanthrop angesichts der Vorstellung, daß Menschen sich freiwillig wie in einer Sardinenbüchse zwischen Autoabgasen zusammenpressen, um sehr billigen, Kopfschmerzfördernden extrem gesüßten Rotwein in Plastikbechern zu kippen? Kulturloses Pack. Heißer süßer Alkohol, der so grauenvoll gewürzt ist, daß die meisten aus Notwehr noch so viel Billig-Rum aus dem Aldi-Brick hinzukippen, daß die Geschmacksnerven absterben.

Extrem süßen Wein trinken eigentlich nur Teenager, die das erste mal trinken, weil sie den ungewohnten und damit irgendwie ekelhaften Alkoholgeschmack mit Zucker übertünchen müssen.
So habe ich auch angefangen. Heimlich mit 13. Asti Spumante und Matheus-Rosé im Bockbeutel.
Aber eigentlich begreift man nach wenigen Abenden wie abscheulich das ist und steigt auf trockenere, herbere Varianten um, bei denen man auch den Wein und nicht bloß Zuckerwasser schmeckt.
Als Erwachsener Glühwein zu trinken ist unentschuldbar. Und pervers.
Wer Glühwein trinkt, frisst auch kandierte Früchte und kippt ein Pfund Zucker in frischen Kaffee, mischt Bier mit Cola.

Ich gehe viel lieber morgen um 12.00 Uhr zu meinem Zahnarzttermin und lasse mir den 26d aufbohren als nur eine Minuten auf einem Weihnachtsmarkt zu verbringen.
Vielleicht hat jetzt der ein oder andere sensible Leser die Botschaft zwischen den Zeilen verstanden: Ich mag Weihnachtsmärkte nicht.

Normalerweise verliere ich darüber aber kein Wort, weil sie wie all anderen beschissenen Massenzusammenrottungen in unserer Event-Welt ohnehin nicht zu verhindern sind. Man muss sie wie schlechtes Wetter oder eine Grippe einfach hinnehmen. Da hilft nur, sie so weit wie möglich zu umgehen, sich fernzuhalten und sich zu Hause einzuigeln, wenn das Grauen wieder naht.
Die Eventisierung der modernen Gesellschaft halte ich ohnehin für die Geißel der modernen Menschen.

(….) Am schlimmsten ist es an der Außenalster; dort sind Spaziergänge am Tag fast unmöglich geworden, da Myriaden kläffender Hunde, abertausende Radfahrer und zudem ein unendlicher Pulk widerlich nach Schweiß stinkender Jogger normales Gehen unmöglich machen. Es ist vielmehr ein einziges Ausweichen, Spießrutenlaufen.
Zudem ist Hamburg, die 134. größte Stadt der Welt, dem Wahn verfallen unablässig irgendetwas zu veranstalten. Eine aberwitzige Eventisierung der gesamten Innenstadt hat sich durchgesetzt. Kein Wochenende, an dem nicht die Straßen gesperrt sind, weil Alstervergnügen, Schlagermove, CSD, Marathon, Cyclassics, Triathlon, Weinfest, Dom, Harleydays oder Motorradgottesdienste das Stadtbild in den immer gleichen lärmigen Klaumauk aus Bierbuden, Würstchen und Humpta-Musik verwandeln.
Einfach unerträglich. (….)

Die über 3000 Weihnachtsmärkte in Deutschland mit ihrem Multimilliardenumsatz sind einfach nur ein weiteres dieser immer gleichen Fressbuden-Events. Die gibt es jedes Jahr und sie sind immer gleich beschissen. Unkreativ, ökologische Katastrophen und der perfekte Absatzmarkt, um die angeschickerten Deppen dazu zu bringen billigen chinesischen Tand überteuert zu kaufen.
Ich wundere mich nur darüber, daß die Buden, in denen Bier und Würstchen unter das Volk gebracht werden, überhaupt noch zwischendurch abgebaut werden.
Was für ein Umstand.
Lasst die grässlichen Press-Pappe-Schuppen doch einfach das ganze Jahr stehen. Dann kann sich das zu bespaßende Volk zu jeder Zeit mit einem Handtuch einen Platz reservieren.

Statt aber diesen tumben Konsumzirkus einfach achselzuckend hinzunehmen – Menschen sind nun mal Idioten und mögen sowas – wird aber beklagt, daß es so ist wie es ist.

 [….]   Zum Beispiel, weil sie an fünf Tassen Glühwein bis zu 20 Euro verdienen, während ihr Einkaufspreis dafür rund 1,70 Euro beträgt.
Nicht viel anders ist es bei den Bratwürsten, Koteletts oder Champignonschälchen. Ein Essensbudenbetreiber auf einem großen Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen spricht von "zehn Prozent", die die Kunden in den letzten Jahren mehr bei ihm ausgegeben hätten. [….]  Auf den meisten deutschen Weihnachtsmärkten gibt es einen vorherrschenden Trend: Krapfen statt Kunst. Masse statt Klasse. Kleinkunst wird rar, Glühwein und Fressbuden regieren die Städte. [….]  Nun trägt das Wort Weihnachtsmarkt den Kommerz ja schon im Namen. Doch in den vergangenen Jahren, so scheint es, haben sich die Märkte noch einmal die Kommerzkrone aufgesetzt. Während sich die Besucher mit Glühwein und fettigem Essen vollstopfen, müssen sich Kleinkünstler existenzielle Sorgen machen. [….]  Insgesamt verzeichnen die Weihnachtsmärkte ein starkes Wachstum. Die jüngsten erhobenen Daten gehen von jährlich 159 Millionen Besuchern aus, nach Schätzungen des Deutschen Schaustellerbundes hat sich ihre Zahl in den vergangenen 20 Jahren fast verdreifacht. [….]  "Man kann eine deutliche Eventisierung von Weihnachtsmärkten beobachten", sagt Gunther Hirschfelder, 57, Kulturanthropologe der Universität Regensburg, der seit 20 Jahren zum Thema Weihnachtsmarkt forscht.
Hirschfelder beobachtet eine Vervolksfestung der Weihnachtsmärkte, etwa durch zunehmende Kostümierung der Besucher mit Weihnachtsmützen oder Elchhaarreifen. Christliche Symbole dagegen sehe man immer seltener. Der Stern von Bethlehem wird immer öfter zur Schneeflocke. "Wir haben heute viel Markt, aber nur noch ganz wenig Weihnachten", sagt Hirschfelder. [….] 

Waaaaaaas? Weihnachten ist gar nicht mehr das besinnliche Familienfest, bei dem alle zusammen der Geburt Jesu gedenken und von Nächstenliebe durchströmt alle lieb zueinander sind?
Heutzutage wird damit Geld verdient? Ich bin schockiert. Auf die Idee wäre ich nie gekommen, daß nun sogar das heilige Christfest mit dem Konsumgedanken verseucht ist. Potzblitz.

Die larmoyanten Klagen über den Charakterverlust Weihnachtens sind fast noch unerträglicher als Weihnachten selbst.

Aber man kann es noch toppen.
Weihnachten wird zunehmend zum Kampfbegriff der Rechtsextremen und Verschwörungstheoretiker.

In den USA wird immer wieder – völlig wahrheitswidrig – behauptet, man dürfe nicht mehr „merry christmas“ wünschen, da säkulare Sozialisten damit das Christentum bekämpften.

Natürlich brüstet sich Trump damit dieses gar nicht existente Tabu zu brechen.


Seine unterbelichteten verschwörungstheoretischen Epigonen in Deutschland beklagen den Untergang ihrer Heimat, weil man durch „Merkels Umvolkungswahn“ gar keine Weihnachtsmärkte mehr besuchen könne, ohne sofort von Scharia-praktizierenden Islamisten kastriert zu werden.
Deutschland ist zwar so sicher wie seit 25 Jahren nicht mehr, aber was interessiert Hass-Fanatiker wie Trump oder Berger schon die Realität?

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