Mittwoch, 26. April 2017

Verlässliche Linke.



Wenn man mit „die Linke“ nicht die deutsche Partei desselben Namens, sondern weiter gefasst all diejenigen parlamentarischen Strömungen erfasst, die nicht konservativ sind, die also nicht aus weltanschaulicher Begrenzung Minderheiten diskriminiert, Industrie über Umwelt und Rüstung über Frieden stellen, dann ergibt sich in den meisten westlichen Demokratien ein gleiches Bild.
Man streitet sich untereinander, wirft sich gegenseitig so eindringlich „Verrat“ oder „Regierungsunfähigkeit“ vor, daß am Ende meist die Konservativen die Regierung stellen.
Die scheren sich weniger darum, mit wem sie im Bett liegen und stellen es konsequenter in den Vordergrund die Linke zu besiegen. Moral ist für sie zweitrangig.
Gut für Trump, der nie Präsident geworden wäre, wenn nicht so viele Linke Hillary bekämpft hätten oder Jill Stein nachgelaufen wären, wenn nicht so viele Rechte achselzuckend Trumps unsäglichen Lügen und Beleidigungen akzeptiert hätten.

Linke Parteien haben auch eine sehr viel schwierigere Basis. Menschen, die mitreden wollen, leicht unzufrieden sind und nach Antworten verlangen.
Delegierte, die Farbbeutel oder Schokoladentorten auf ihre eigenen Vorsitzenden werfen.
Karteileichen, die befragt werden wollen, statt einfach den von oben ausgesuchten Kandidaten zu unterstützen.

Rätselhafterweise begeistern sich Rote, Grüne, Sozis immer noch so sehr für Mitgliederentscheide, daß diese weiterhin als Allheilmittel gepriesen werden, obwohl dabei selten etwas Gutes rauskommt.

Die Grünen-Mitglieder bestimmten per Urwahl die Bundestagsspitzenkandidaten.

Das ist ja mal gründlich schiefgegangen.

Die ostdeutsche Merkel-Bewunderin Kathrin Göring-Kirchentag hatte die Grünen bei der letzten Bundestagswahl zielstrebig zur kleinsten Oppositionskraft hinter der LINKEn verzwergt.
Groko-Zeiten sind eigentlich fette Jahre für kleine Oppositionsparteien, weil sie sich abseits der übergroßen Kompromisse profilieren und vom Frust der Wähler über die riesige Regierung profitieren können.
Tatsächlich strahlt die Groko so gar nicht. Alle sie tragenden Parteien haben in den letzten dreieinhalb Jahren deutlich an Zuspruch verloren und Millionen Wähler heimatlos gemacht.
Die grüne Fraktionsspitze vollbrachte unter der Führung der Vorsitzenden, die zuvor schon als Spitzenkandidatin das Wahldesaster zu verantworten hatte, nun das Kunststück so zu langweilen, daß man 2017 wohl noch schwächer werden wird.
Mit konsequenter Umschiffung jeder inhaltlichen Politik brachten es Göring-Eckardt und Hofreiter fertig die Wähler eine volle Legislaturperiode so einzunebeln, daß niemand auch nur einen Schimmer von grünen Politikvorstellungen hat. Man kennt keine Konzepte, keine Pläne, noch nicht mal Meinungen zu den Bereichen Flüchtlinge oder Finanzpolitik.
Es ist noch nicht mal ansatzweise möglich auch nur die grobe politische Richtung der Grünen zu erahnen. Wollen sie auf direktem Weg in die Arme Merkels uns Seehofers, wie es sich die Süddeutschen wünschen? Oder gibt es noch Anhänger Jürgen Trittins, die sich schon vorstellen auch mal einen anderen Kanzler als Merkel zu haben?

Die einzig sichere Information aus der grünen Parteiführung ist die menschliche Zerrüttung der Führungskasper.

Peter, Özdemir, Hofreiter und Göring-Eckardt hassen sich alle gegenseitig.
 Es gibt nur die eine Gemeinsamkeit; nämlich den Wunsch, den einzig guten Spitzenkandidaten, Minister Habeck zu verhindern.
Das gelang bei der Urwahl – wenn auch denkbar knapp.

[……] Parteichef Cem Özdemir schnitt bei den Männern mit 35,96 Prozent extrem knapp am besten ab. Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein, holte nur 75 Stimmen weniger und kam auf 35,74 Prozent. Fraktionschef Anton Hofreiter vom linken Flügel der Partei bekam 26,19 Prozent. [….]
(dpa, 18.01.2017)

Urwahl ohne zweiten Durchgang. Das erinnert natürlich an die fatale Scharping-Urwahl von 1993, die direkt in die Opposition führte. (…..)
(Jeder kommt mal dran, 19.01.2017)

Dank des abstrusen Wahlmodus‘ (ohne Stichwahl) und der ausgebliebenen Sachauseinandersetzung, stehen nun an der Grünen-Spitze zwei ausgesprochene CDU-Fans mit direktem Kurs auf das Abstellgleis.

Standen die Grünen noch Mitte 2016 bei 13 bis 14%, haben sie sich jetzt auf 7% halbiert. INSA misst sogar nur 6,5%; die 5%-Hürde rückt nah. (…..)

Der große Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung stimmt heute übrigens in meine seit Jahren erhobene Klage ein:

[…..] Eine Partei, die vor zehn Jahren noch so aussah wie die kommende Volkspartei, erleidet ein Suppenkaspar-Schicksal. Sie wird, in NRW jedenfalls, mit jeder Umfrage dünner. In Schleswig-Holstein, dem Bundesland, in dem eine Woche früher gewählt wird, ist das anders. Das liegt nicht zuletzt an Robert Habeck, Schriftsteller und Politiker, dem dortigen Vize-Ministerpräsidenten. Der Mann verkörpert noch die Frische, den Elan und die Eindeutigkeit, die die Grünen einmal hatten. Dem grünen Bundesspitzenduo Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt fehlt das. Es war ein grünes Unglück, dass Habeck beim Mitgliederentscheid über die Spitzenkandidaten im Bund dem altbekannten Özdemir unterlag. Den Effekt, den Schulz für die SPD hatte, hätte es als Habeck-Effekt für Grünen geben können. So aber gibt es einen Mehltau-Effekt. […..]

Die NRW-Wahl könnte für die Grünen zum Megadesaster werden.
Als RRG-Befürworter wäre das für mich ein Worst-case-Szenario. Das würde im Bundestagswahljahr im größten Bundesland unverdient wieder die CDU an die Macht bringen. Ein Alptraum.
Aber die Grünen haben es sich selbst mit dieser langweiligen Loser-Truppe in NRW eingebrockt. Jetzt ist Vize-Ministerpräsidentin Löhrmann ganz verwirrt, aber doll war das auch nicht, was sie in der Regierung leistete.


Man denke nur an Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen), seit 2010 Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, die sich vehement für die auf einem Hitler-Gesetz fußende Homöopathie einsetzt.

Mit rhetorischen Taschenspielertricks und mangelndem Statistikverständnis versucht NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens den Befreiungsschlag in Sachen Alternativmedizin. Dabei gelingt ihr vor allem eins: die Brüskierung ihrer Mitarbeiter – und der Ausweis mangelnden Verständnisses von Wissenschaftlichkeit. […..]

Absolut hanebüchen, daß die Grünen seit sieben Jahren eine Ministerin stellen, die diesen gefährlichen Unfug verbreitet. Unwählbar.

Statt mutig für ihre Themen einzutreten, frönen Grüne ihrer frommen Kirchentags-Führung, sitzen mit der stramm rechten Hessen-CDU glücklich in einer Regierung, segnen Abschiebungen und sichere Drittstaaten ab, koalieren mit der CDU in BW und halten sich dabei auch noch prominenten Parteimitglieder wie OB Palmer, der in seinen xenophoben Äußerungen kaum von Frauke Petry zu unterscheiden ist.
Trittin und Habeck, die für echte Reformen und linke Politik stehen, wurden von der eigenen Partei kaltgestellt.
Stattdessen sitzen die Thüringer Top-Religiotin Göring-Eckardt und der CDU-affine Özedemir im Führerhäuschen.
„Der Cem“, wie er in der Partei genannt wird, versucht sich nun aus purer Verzweiflung mit Türkei-Bashing so profilieren und will die CSU rechts überholen, indem er den Doppelpass abschaffen will.

Grünen-Chef Cem Özdemir hält nichts davon, die doppelte Staatsbürgerschaft über Generationen zu vererben. Damit pflichtet er einem Vorschlag von Thomas de Maizière bei. […..]

Als Opposition gegen die GROKO oder gegen die CDU/CSU finden die Grünen gar nicht statt.
Ihr drögen Spitzenkandidaten, die man schon seit immer kennt, sitzen unterdessen in Kirchengremien oder fangen ohne Not an auf Minderheiten einzukloppen und sich an die CDU zu kuscheln.

Wieso sollte man die im Moment auch wählen?
Die brauchen offensichtlich einen Dämpfer, um ihr Personalproblem zu lösen.
Da müssen dringend einige in Rente.

Im Saarland dauerte es ebenfalls Jahrzehnte und man mußte aus dem Landtag fliegen, bis sich die Grünen trauten den alten CDU-FDP-hörigen Parteichef Hubert Ulrich loszuwerden.
An weitere Konsequenzen trauten sich die bräsigen Vier aus Berlin aber nicht.

(……) Liebe Grünen, was erwartet ihr?
Im Bund steht ihr mit einem CSU-affinen Spitzenduo da, welches schon die letzte Bundestagswahl katastrophal versemmelt hatte, leistet Euch eine mit Hofreiter und Peter zwei weitere blonde Langhaarige, um die potentiellen Grünenwähler möglichst effektiv abzuschrecken und besagter Hubert Ulrich ist seit 1991 (sic!) mit einer Unterbrechung von 2000-2002 ununterbrochen Grüner Landesvorsitzender.

Schon komisch, wenn Simone Peter heute gequält in die Kameras spricht, die Grünen hätten es traditionell so schwer im Saarland.
Nun gäbe es aber die Chance zu einer personelle Erneuerung.
Ach was? Und in dem Vierteljahrhundert zuvor? War man trotz der Skandale, Peinlichkeiten und Blamagen etwa gezwungen 26 Jahren lang alle zwei Jahre Ulrich zum Vorsitzenden zu wählen?

Sorry, wer nicht hören will, muß fühlen.
Raus aus dem Parlament.

Gut, daß die Schulzbremse und das Grünendebakel gleich am Anfang des Superwahljahres geschehen. Das gibt den Parteizentralen Zeit sich neu aufzustellen.
Özdemir, Peter, Göring-Kirchentag und Hofreiter sollten sofort morgen zurücktreten und durch Habeck und Trittin ersetzt werden. (………)
(Ausgeschulzt, 26.03.2017)

Es tut mir so leid. Ich möchte wirklich CDU und CSU in der Opposition sehen und eine rotrotgrüne Bundesregierung haben.
Dazu passen die debakulären 5 oder 6 %, die Institute für die Grünen in NRW messen gar nicht.
Aber gleichzeitig wünsche ich den Grünen von Herzen auch einen ordentlichen Arschtritt.

[…..] Panik bei den Grünen: Eben noch auf dem Weg zur Volkspartei, stürzen sie nun Richtung Fünf-Prozent-Marke. Der Niedergang alarmiert auch Union und SPD - ein möglicher Partner droht zu verschwinden.
Die Grünen in Nordrhein-Westfalen haben jetzt ganz offiziell Alarm ausgelöst. "Kämpfen, kämpfen, kämpfen", hat Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann via "Bild"-Zeitung als Losung für die Tage bis zur Landtagswahl am 14. Mai ausgegeben. "Kämpfen um die parlamentarische Existenz der Grünen."
Es geht um alles für die Partei. Und das nicht nur in NRW, wo sie die Umfragen nur noch bei sechs Prozent sehen. In der ganzen Republik zeigt die Kurve stetig nach unten. Verbuchten sie 2016 konstant zweistellige Werte, taxieren Meinungsforscher die Grünen inzwischen auf maximal sieben Prozent, die schlechtesten Werte seit 15 Jahren werden gemessen. […..]  Die Partei ist in Panik. […..] Vor einigen Wochen, als die SPD im Umfragehoch war und die Grünen zumindest noch stabil bei acht Prozent lagen, träumte mancher sogar schon wieder von der Neuauflage des rot-grünen Projekts aus Gerhard Schröders Zeiten. Aber die grüne Schwindsucht lässt nun sogar eine mögliche Dreierkoalition, mit Linken oder FDP, arithmetisch wackelig erscheinen. […..]

Die Grünen Machen mich fertig.
Und dazu noch die Linke mit ihrer AfD-Wagenknecht und nicht zuletzt die SPD mit Peinlich-Schulz, der ohne Not an die Kirchen ranrobbt.

Darwin, wirf Hirn vom Himmel!

Dienstag, 25. April 2017

Too big to



Es ist eine beliebte, von Satirikern aller Art immer wieder aufgegriffene Feststellung, daß man Verbrechen ab einer gewissen Größenordnung nur noch Religion nennen braucht, um straffrei davon zu kommen.

 “And, finally, New Rule: Whenever you combine a secretive compound, religion and weirdos in pioneer outfits, there’s going to be some child-fucking going on. [laughter] [applause] [cheers] In fact, whenever a cult leader sets himself up as “God’s infallible wing man” here on earth, lock away the kids.

“Which is why I’d like to tip off law enforcement to an even larger child-abusing religious cult. Its leader also has a compound. And this guy not only operates outside the bounds of the law, but he used to be a Nazi and he wears funny hats. [photo of the Pope shown] [mixture of laughter, shock, scattered applause]

“That’s right. The Pope is coming to America this week, and, ladies, he’s single! [laughter] Now, I know what you’re thinking: “Bill, you can’t be saying that the Catholic Church is no better than this creepy Texas cult! For one thing, altar boys can’t even get pregnant.” [mixture of laughter and other reactions]

“But, really, what tripped up the “little cult on the prairie”—[laughter]—was that they only abused hundreds of kids, not thousands all over the world. Cults get raided. Religions get parades. How does the Catholic Church get away with all of their buggery? VOLUME, VOLUME, VOLUME! [laughter] [applause]

“If you have a few hundred followers and you let some of them molest children, they call you a cult leader. If you have a billion, they call you ‘Pope.’

“It’s like if you can’t pay your mortgage, you’re a deadbeat, but if you can’t pay a million mortgages, you’re Bear Stearns, and we bail you out. [laughter] [applause] [cheers] And that’s who the Catholic Church is, the Bear Stearns of organized pedophilia. [laughter] Too big to fail.

“When the – when the current Pope was in his previous Vatican job as John Paul’s Dick Cheney—[laughter]—he wrote a letter instructing every Catholic bishop to keep the sex abuse of minors secret until the statute of limitations ran out. And that’s the Church’s attitude: ‘We’re here, we’re queer, get used to it.’ [applause]

“Which is fine. Far be it from me to criticize religion. [laughter] But, just remember one thing: if the Pope was, instead of a religious figure, merely the CEO of a nationwide chain of daycare centers where thousands of employees had been caught molesting kids and then covering it up, he’d be arrested faster than you can say, ‘Who wants to touch Mister Wiggle?’ [laughter] Thank you very much, ladies and gentlemen. Thank you, panel. That’s our show.”
(Bill Maher, April 11, 2008, on “Real Time”)

Natürlich hassen alle christlichen Organisationen Maher wie die Pest, aber abgesehen von der satirischen Aufbereitung, kann man ihm kaum widersprechen.
Würde irgendein nicht religiöser Verein auch nur ein Prozent der Kinder missbraucht haben, die von katholischen Priestern gequält wurden, hätte er längst nicht nur den Status als „gemeinnützig“ verloren, sondern wäre verboten.

Die Päpste Ratzinger und Woytila haben nachweislich dafür gesorgt, daß Kinderficker weiter Kinder ficken konnten und bei schwerster Kirchenstrafen-Androhung den vorgesetzten Bischöfen verboten Polizei oder Staatsanwaltschaft zu informieren.
Der gegenwärtige Chefinquisitor Kardinal Müller ging in seinem ehemaligen Bistum Regensburg ganz genauso vor, sorgte aktiv dafür daß ein kinderfickender Kaplan nach seiner Haftstrafe wieder Kinder ficken konnte, was dieser auch prompt tat.
Stünden diese Herren nicht an der Spitze einer religiösen Organisation mit 1,3 Milliarden Mitgliedern, wären sie selbstverständlich auf der Anklagebank gelandet.

Das Prinzip „too big to fail“ gibt es nicht nur bei raffgierigen Bankiers, die mit Milliarden der Steuerzahler für ihre Fehler belohnt werden.

Vor einigen Jahren trennte ich mich von meinen im Keller gestapelten SPIEGEL-Ausgaben. Ich kugelte mir beinahe die Arme aus, als ich das ganze Zeug in einen geliehenen Kangoo lud. Die 60 Diesel-PS reichten gerade noch aus, um mich zum Recyclinghof zu bringen. Beim Altpapiercontainer wollten mich zwei garstige Mitarbeiter anzeigen, weil sie mir nicht glaubten eine Privatperson zu sein, sondern gewerblich Müll entsorge. Kein Mensch habe so viele Zeitschriften.
Wehe man entsorgt irgendwelches Zeug nicht ordnungsgemäß in Deutschland; dann gibt es Ärger.
Außer natürlich man ist ein Multimilliarden-Konzern wie VW oder OPEL. Dann kann man betrügen und Tausende Tonnen giftige Stickoxide in die Luft blasen. In dem Fall hat man Verkehrsminister Dobrindt auf seiner Seite, der Strafverfolgung verhindert und sogar in bis heute in Brüssel gegen strengere Abgastests agitiert, um die deutschen Dieseldrecksschleudern zu schützen.

„Too big“ ist aber beispielsweise auch „der Fußball“.
Regelmäßig gibt es im Zuge der Bundesligen gewalttätige Ausschreitungen, es kostet hunderte Millionen Euro im Jahr die Fußballfans von der Polizei einkreisen zu lassen.
Und dennoch gelingt es nicht die brutalen Hooligans davon abzuhalten immer mal wieder jemand totzuschlagen.

Man stelle sich vor ein Briefmarkensammelverein oder Taubenzüchter würde ein so gewaltbereites Pack anziehen, daß man jede Woche tausende Polizisten einsetzen muß. Da würde es Verbote hageln.

Gestern geriet ich in eine dieser „ist Homosexualität heute akzeptiert?“-Diskussionen, in der auch das Argument fiel, daß es schließlich immer noch keine geouteten Fußballspieler gäbe.
Ich finde, das Argument zieht aber nicht, weil Fußball generell ein Proleten-Milieu generiert, welches nicht dezidiert homophob ist, sondern auf alle möglichen Minderheiten eindrischt.
Als ich ein Teenager war und häufig abends „auf die Piste“ ging, informierte ich mich immer darüber wann HSV-Spiele sind, weil ich unbedingt S- und U-Bahnen voller HSV-Fans aus dem Weg gehen wollte, nachdem ich zweimal von solchen Horden bedroht wurde.
Dabei bin ich weiß, groß und heterosexuell, aber betrunkene Hooligans dreschen nach einer Niederlage auf alles ein, das ihnen nicht gefällt. Meine Frisur und mein Outfit waren durchaus ausreichend.

[….] Vor dem Spiel waren unter anderem Steine, Glasflaschen und Leuchtraketen in Richtung RB-Fans geflogen. Laut dem RB-Fanverband mussten zehn Anhänger wenig später ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie zuvor teilweise bewusstlos am Boden gelegen hatten. Auch vier Polizisten wurden verletzt.
Vor dem Anpfiff hatten zahlreiche Banner auf der Südtribüne für Entsetzen gesorgt: Viele riefen offen zu Gewalt auf und richteten sich direkt gegen Verantwortliche des Gegners.
Der Einsatzleiter der Polizei Dortmund, Ed Freyhoff, erhob schwere Vorwürfe gegen Teile der BVB-Anhänger. "Es war eine aggressive, gewalttätige und hasserfüllte Stimmung. Ich habe in hasserfüllte Fratzen geschaut, die nichts anderes im Sinn hatten, als die Leipziger anzugreifen", sagte er in einem Interview mit Sky Sport News HD: "Videoaufnahmen werden ausgewertet, da wird noch eine Menge an Anzeigen kommen." Er begleite den BVB auch bei Auswärtsfahrten, so Freyhoff, "aber ein solch asoziales, widerliches Gewaltverhalten habe ich bisher nicht erlebt." […..]

Daß solche „Fans“ auch homophob sind, glaube ich gern.
Aber das ist irrelevant, weil sie ohnehin multiphob gewalttätig sind.


[…..] Am Samstagnachmittag ereigneten sich Szenen, wie Berlin sie sonst nur im Umfeld der Erster-Mai-Demonstrationen kennt: 200 Hooligans von Eintracht Frankfurt und Hertha BSC prügelten sich Stunden vor dem Erstligaspiel im Berliner Stadtteil Moabit. Es flogen Steine, Flaschen und Böller. Anwohner flüchteten von der Straße, Lokale und Geschäfte ließen die Rollläden herunter. Die Polizei wurde von dem Gewaltexzess völlig überrascht. Als die ersten Funkstreifen eintrafen, verbündete sich der Mob spontan – und griff gemeinsam die Polizei mit Steinen und Flaschen an. Die Beamten mussten ihre Dienstwaffe ziehen. […..]

Wie absurd, daß solche Zustände achselzuckend hingenommen werden, weil es sich um „König Fußball“ handelt.
Ich plädiere für eine Null-Gewalt-Politik und würde dementsprechend den gesamten Profifußball untersagen.

Solche Zustände herrschen schließlich nicht nur in der obersten Liga, sondern auch in den Niedrigeren; es geht runter bis in die Kreisliga.

[….] Beim Pokalspiel von Lok Leipzig beim Bischofswerdaer FV ist es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Polizei wurden sieben Menschen verletzt, unter ihnen zwei Polizisten und zwei Ordner. Den Angaben zufolge hatten rund 100 Leipzig-Fans den Gästeeingang gestürmt. Sie demolierten einen Bierstand und bewarfen Polizisten mit Flaschen. Unter den Gewalttätern befanden sich drei mit bundesweitem Stadionverbot belegte Lok-Anhänger. [….]

[….] Beim Derby am vergangenen Sonntag in Stuttgart hatten Chaoten aus dem KSC-Fanblock unter anderem Leuchtraketen auf das Spielfeld geschossen. Das Heimspiel des VfB gegen Karlsruhe stand zwischenzeitlich kurz vor dem Abbruch. «Der Fußball braucht die Fans. Aber wie hält man die Emotion so im Zaum, dass sich Gefühle nicht verselbstständigen? Damit müssen wir uns ernsthaft beschäftigen», sagte [Ministerpräsident] Kretschmann weiter. Dies sei eine höchst virulente Baustelle. «Wir müssen da was machen. Denken Sie nur an die 100 000 Euro Schäden in Zügen nach dem Spiel Stuttgart gegen Karlsruhe.» [….]

[….] Rund 50 vermummte St.-Pauli-Anhänger hatten vor Spielbeginn auf HFC-Fans mit Zaunlatten und Teleskopschlagstöcken eingeprügelt. Mindestens drei Personen im Alter von 28, 42 und 53 Jahren wurden dabei verletzt und mit Prellungen und Platzwunden ins Krankenhaus gebracht. Den Tätern gelang noch vor Eintreffen der Polizeikräfte die Flucht. [….]

Wieso wird das seit Jahrzehnten in meiner schönen Stadt hingenommen? Wieso ist Fußball immer noch legal?
Rhetorische Frage. Es ist wie mit den kinderfickenden Priestern; Fußball ist zu groß, es gibt zig Millionen Fans in Deutschland.

Fast unnötig zu erwähnen, daß es in anderen Ländern auch nicht besser ist.

[….] Schwere Ausschreitungen überschatten das Europa-League-Spiel zwischen Olympique Lyon und Besiktas Istanbul. Schon vor der Partie kommt es zu Krawallen, im Stadion eskaliert die Situation völlig. Trotz des blutigen Chaos wird gespielt.
Angriffe mit Feuerwerkskörpern, Ausschreitungen auf den Rängen, verängstigte Fans auf dem Rasen und Zuschauer, die das Spiel später blutbefleckt verfolgten: Die heftigen Krawalle rund um das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League zwischen Olympique Lyon und Besiktas Istanbul haben für großes Entsetzen gesorgt. "Es wäre wohl die beste Lösung gewesen, das Spiel nach den Vorfällen einfach abzusagen", meinte Lyons Torhüter Anthony Lopes. [….]

Fußball ist ein grässlich ordinärer Sport mit grässlich ordinären Fans.