Freitag, 25. Dezember 2015

Weihnachtsprobleme



Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich finde Weihnachten toll, weil ich da etwas Zeit und Ruhe für mich habe.
Natürlich kann ich mir die Zeit auch an jedem anderen Tag des Jahres nehmen, aber als Städter hört man immer das Hintergrundrauschen der Zivilisation um sich herum.
Nur an Weihnachten höre ich tatsächlich kaum etwas, weil in meinem Haus fast nur Singles wohnen, die alle irgendwohin ausgeflogen sind. Kein Getrappel im Treppenhaus, keine Klospülungen, keine Autos auf der Straße.
Es ist wirklich außerordentlich angenehm.

Alle, die ob ihrer Feierorgien stöhnen, haben sich das selbst zuzuschreiben. Wer zwingt sie denn das alles mitzumachen?

Besonders bizarr erscheint mir die Larmoyanz der Christenfraktion.
Sie müssen anerkennen, daß Weihnachten – also die Geschichte eines türkischen Nikolauses, die vom Coca-Cola-Konzern in Kombination mit heidnischen Bräuchen zum Kommerzgipfel aufgeblasen wurde – dem theologisch viel bedeutenderen Fest, nämlich Ostern, längst den Rang abgelaufen hat.

Im SZ-Magazin vom 23.12.2015 beklagt der Autor Marc Baumann sein selbst gewähltes Schicksal.
Er beschreibt sich als einen Menschen, der sehr gerne in Kirchen gehe:
„Für einen dieser typischen atheistischen Großstadtbewohner Ende dreißig bin ich überdurchschnittlich religiös.“
Am „Heiligabend“ geht er sogar zweimal in die Kirche.

[….] Auch an diesem Heiligabend gegen 23 Uhr werde ich fragen, ob jemand aus meiner Familie mit in den Mitternachtsgottesdienst will. Und niemand außer mir wird vom Sofa aufstehen. »Wir waren doch schon beim Familiengottesdienst«, heißt es dann. Stimmt, aber der 16-Uhr-Gottesdienst ist nicht viel mehr als Krippenspiel, da ist zu viel Unruhe, da möchte niemand die hibbeligen Kinder lange hinhalten, und die Eltern sind zu sehr mit »Pssst!«-Zischen und »Wir gehen ja gleich«-Beschwichtigungen beschäftigt. Die Erwachsenen, denen es ernster ist, treffen sich spät am Abend. Die kratzen die Autoscheibe noch einmal frei, binden sich den neuen Kaschmirschal um und frieren auf kaum beheizten Bänken, obwohl es doch hernach keine Geschenke mehr auszupacken gibt.
Das Besinnlichste an Weihnachten ist für mich Stille Nacht, Heilige Nacht im Spätgottesdienst.[….]

Jeder wie er will. Bis hierhin kann ich seinen Artikel nicht kritisieren.
Aber erst jetzt kommt die SZ-Edelfeder zu seinem eigentlichen Problem.
Die Predigten an sich sind so grauenhaft langweilig, daß man schon nach wenigen Minuten nur noch mit dem unwiderstehlichen Drang einzuschlafen kämpft.

Dabei ist es noch nicht einmal eine so gute Show, wie man den Katholiken immer nachsagt.
Diese stundenlangen Gottesdienste sind unfassbar langweilig und zäh.

Spannend ist anders - meiner Meinung nach.
Aber wie schon Jürgen Becker über seine Erfahrungen als Kind beim lateinischen Hochamt sagte - „das war so ungeheuer öde! Wer das überstanden hat, langweilt sich nie wieder im Leben. Ich kann jetzt stundenlang eine weiße Wand ansehen und finde es spannend!“

Offensichtlich nehmen sich die Konfessionen nicht so viel. Dem evangelischen Baumann geht es als Erwachsenen ganz ähnlich.

[….] Heiligabend 2014 in einer evangelischen Kirche in Franken, gegen 23 Uhr. Eine kräftige Frau im schwarzen Talar mit weißem Beffchen steigt zur Kanzel empor. Die noch recht junge Pfarrerin greift entschlossen mit beiden Händen ans Pult und beginnt mit fester Stimme ihre Weihnachtspredigt. Es geht um einen alten Koffer, den sie auf dem Dachboden gefunden hat, an mehr erinnere ich mich ein Jahr später beim besten Willen nicht. Sie redete nicht mal eine Viertelstunde, aber hätte es wie bei Paulus Plätze auf dem Fenstersims gegeben, es wären wohl einige Zuhörer ermüdet hinabgestürzt. Paulus heutige Nachfolger können oft nicht einmal die Lebenden unter ihren Zuhörern erwecken. [….]

Im Folgenden plädiert der gute Mann leidenschaftlich dafür, daß Pfarrer unbedingt ihre Gottesdienste verändern müßten.
Die gähnende Langweile sie ja unerträglich.
Das Problem ist aber, daß man zur Erprobung der Gottesdienste 2000 Jahre Zeit hatte und das Drehbuch nicht auswechseln kann.
Die Bibel ist sakrosankt.
Regelmäßiger Kirchenbesuch klappte in der Geschichte immer nur mit Zwang – entweder, weil die Geistlichen auch weltliche Macht hatten oder Angst machen konnten. Oder es besteht Zwang in sozialer Form wie in Teilen der USA, wo man in seinem Dorf sehr böse geschnitten wird, wenn man sonntags nicht in der Kirche war.

Sind die Menschen aber frei zu entscheiden und steht es ihnen offen Bildung zu erlangen, ist bald Schluß mit den Gottesdienstbesuchen. Freiwillig machen das nur verschwindend wenige mit.

Aber natürlich staune ich, daß ein gebildeter Journalist wie Marc Baumann in der seriösen SZ eine seitenlange Suada über so ein Nicht-Problem verfasst.
Wenn es so furchtbar langweilig ist beim Gottesdienst, dann geh nicht hin. Thema erledigt.

Geistliche und Gläubige sind aber erstaunlich realitätsnegierende Menschen.

Papst Franz hat doch ernsthaft am gestrigen Weihnachtsgottesdienst zum Frieden in Nahost aufgerufen.

[….] Papst Franziskus hat zu Weihnachten zum Frieden im Heiligen Land aufgerufen. Gerade dort, wo Jesus als menschgewordener Sohn Gottes zur Welt gekommen sei, gingen Spannungen und Gewalt weiter, beklagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitag in seiner Weihnachtsbotschaft von der Loggia des Petersdoms. „Mögen Israelis und Palästinenser wieder in direkten Dialog miteinander treten und zu einer Übereinkunft gelangen, die den beiden Völkern erlaubt, in Harmonie zusammenzuleben“, forderte Franziskus.
Der Papst äußerte auch die Hoffnung auf ein baldiges Ende des „Waffendröhnens“ in Syrien. [….]
(RN 25.12.15)

Ist ihm das gar nicht peinlich?
Immerhin sind es doch eindeutig die Religionen, die hier als Wurzel aller Übel fungieren und außerdem beten Päpste jedes Jahr mit voller Autorität unter Anteilnahme von 1,2 Milliarden Katholiken für Frieden in Nahost.
Dieses Mittel ist also offensichtlich untauglich.
Der liebe Gott schert sich bewiesenermaßen einen Dreck um weihnachtliche Gebete seines Stellvertreters.
Wie viele Male soll denn noch ein Pontifex Maximus mit dem Kopf gegen die Wand rennen, bis er endlich zugibt, daß Gebete offensichtlich nichts nützen?

Und dann war da noch Katrin Göring-Kirchentag. Fromme Vorsitzende des Angela-Merkel-Fanclubs, die schafft bei Idealvoraussetzungen für das Erstarken der Opposition, nämlich bei einer GroKo, die Grünen so zu ödisieren, daß sie sogar noch schrumpfen.
Um noch einmal drastisch und deutlich zu unterstreichen, weswegen eine Partei keine Glaubwürdigkeit mehr hat, die sich für Genitalverstümmelungen, gegen die freie Entscheidung über sein eigenes Lebensende und für die drastische Privilegierung der Geld-Kraken Diakonisches Werk und Caritas einsetzen, gibt sie in der SZ vom 23.12.2015 ihr Glaubensbekenntnis ab!
Vielen Dank auch dafür. Fall ich jemals mit dem Gedanken gespielt haben sollte grün zu wählen, ist das jetzt erledigt.

[….] Mehr zu Hause fühlen als im protestantischen Glauben kann ich mich nicht.
[….] Als ich 17 war, ist meine Mutter bei einem Autounfall gestorben. Durch die Zeit der Trauer hat mich der Glaube an Gott getragen. Ich hätte auch an Gott zweifeln können. Aber durch irgendeinen glücklichen Umstand ist das nicht passiert. Im Gegenteil. Ich war mir plötzlich sicher: Auch wenn die wichtigste Bezugsperson in meinem Leben jetzt fehlt, bin ich nicht allein.
Als ich dann in die Politik gegangen bin, ist meine Religiosität noch größer geworden. Für einen Politiker, der ständig kritisiert wird, ist es ja tröstlich und stärkend zu wissen, dass Gott da ist und da bleibt - auch wenn ich Fehler mache. [….] Ich beginne meine Tage mit einem Bibelvers aus den Herrnhuter Losungen, das ist eine Sammlung von zufällig ausgesuchten Bibelversen. [….]  Ich brauche Menschen, mit denen ich zusammen beten kann. Deshalb ist der Gottesdienst am Sonntag so ein Fixpunkt in meinem Leben. [….]

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Glückwunsch zur Nächstenliebe



"2015 wird in die Geschichte unseres Landes eingehen als das Jahr, an dem Deutschland über sich hinausgewachsen ist"
(Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm)
Ja, die Bischöfe.
Offensichtlich liest Bedford-Strohm nicht die Kriminalstatistiken über die rechtsgerichtete Kriminalität.

Die letzten vollständigen Angaben gibt es für das Jahr 2014.

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten ist 2014 erneut angestiegen. Insgesamt wurden 32.700 Straftaten (+3,3%) und 3.368 Gewalttaten (+18,3%) registriert. Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten hat seit Beginn der Erfassung 2001 einen absoluten Höchststand erreicht. Die Zahl der Straftaten im Bereich PMK-rechts liegt auf dem hohen Niveau des Vorjahres (17.020), die Zahl der rechtsmotivierten Gewalttaten ist überdurchschnittlich um 22,9% auf 1.029 angestiegen.

Im Jahr 2015 sind die Gewaltattacken gegen Flüchtlinge, Schwache und Minderheiten noch einmal rasant angestiegen. Und das gilt obwohl immer wieder Berichte über brennende Asylunterkünfte auftauchen, die von der Polizei gar nicht als „politisch motivierte Straftat“ gezählt werden, weil man keinen rechtsgerichteten Hintergrund erkennen mag.

Es werden auch nicht die juristischen Einsprüche, Drohbriefe, Bürgerinitiativen und einstweiligen Verfügungen gegen Flüchtlingsunterkünfte gezählt.

Und dennoch sehen die monatlichen Statistiken grauenerregend aus.

Im Oktober dieses Jahres sind in Deutschland 178 Menschen infolge politisch motivierter Straftaten verletzt worden. […..]
Bis zum 28. November sind danach dem Bundeskriminalamt (BKA) für Oktober 2015 insgesamt 2.524 solcher Straftaten gemeldet worden, darunter 277 Gewalttaten und 922 Propagandadelikte. Bis zum genannten Stichtag konnten den Angaben zufolge 1.368 Tatverdächtige ermittelt werden. 53 von ihnen seien vorläufig festgenommen worden. Wie es in der Vorlage weiter heißt, wurde ein Haftbefehl erlassen.
Von den 2.524 Straftaten entfielen laut Antwort 1.717 auf die politisch rechts motivierte Kriminalität. Die Zahl der darunter befindlichen Gewalttaten wird mit 137 angegeben und die der Verletzten mit 105.

Deutschland abscheulich.

Um heute mal nicht über das Horrorbundesland Sachsen zu sprechen und vor der eigenen Haustür zu kehren, ein Blick auf die Heimatvertriebenen in Hamburg.
Der Scholz-Senat hatte sich bekanntlich vorgenommen, daß zum Winter keiner der Hilfesuchenden mehr in Zelten übernachten muß.
Das hätte auch geklappt – der Senat war durchaus in dieser Angelegenheit aktiv.
250 Flüchtlinge, die in zugigen Zelten der zentralen Unterbringung in der Schnackenburgsallee leben, sollten vor zwei Wochen endlich in bezugsfertige, winterfeste und vollständig möblierte Container am Fiersbarg einziehen.
Den Fiersbarg kenne ich sogar zufällig, weil da früher mal eine Großcousine wohnte. Es ist eine typische ländliche Straße im wohlhabenden Speckgürtels des Hamburger Nordens. Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Da gibt es viel Grün, Felder, Ruhe und Platz.


Aber zu Weihnachten rotteten sich die um ihre Grundstückspreise besorgten Anwohner zusammen und schafften es 250 Menschen zurück in ihre kalten Zelte zu schicken.

Das Hamburger Verwaltungsgericht hat kurzfristig den geplanten Einzug von mehr als 200 Flüchtlingen in eine feste Unterkunft gestoppt. Die betroffenen Menschen müssten nun in nicht winterfesten Zelten bleiben, obgleich feste und voll eingerichtete Unterkünfte in der Einrichtung Fiersbarg zur Verfügung stünden, erklärte am Mittwoch der Leiter des Zentralen Koordinierungsstabes Flüchtlinge, Anselm Sprandel. Er bedauere diese Entscheidung sehr, zumal kurz vor Weihnachten.

Während alles von christlicher Nächstenliebe spricht und sich der wohlhabende Hanseat am Weihnachtsbaum zum Konsumrausch versammelt, hat er noch allemal genug Energie hunderten Menschen, die alles verloren haben, einen kräftigen Tritt in den Hintern zu geben und dafür zu sorgen, daß weiter gefroren wird.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Aufpassen, Presse!

Jedes Jahr muß man als Medien-Geront neue Begriffe lernen.
Begriffe, die auf einmal von allen verwendet werden, ohne daß man sie offiziell erklärt bekommen hat.

Frontex, TTIP, Montagsdemonstranten, Pegida, Querfront, Daesh und das letzte, das ich bewußt lernte war „Gatekeeper“.

Gatekeeping ist die Auswahl-Funktion des professionellen Journalismus. Sie bewerten, checken, prüfen und bearbeiten die unüberschaubare Masse der Meldungen, die täglich in die Welt geblasen werden.
Das ist eine unverzichtbare Funktion, denn die schiere Quantität der Nachrichten macht es unmöglich sich selbst das Relevante zuverlässig raus zu filtern.

Diese Schnittstelle ist aber auch Ausgangspunkt für Verschwörungstheorien aller Art. Pegisdisten und andere Debile bezweifeln nämlich, daß die klassischen Medien ihre Gatekeeping-Funktion seriös ausfüllen.
Daher skandieren sie bei jeder Gelegenheit in klassischem NS-Sprech „Lügenpresse! Lügenpresse!“
Im Internet finden sie leicht andere Gatekeeper und landen bei Kopp, PI, Kathnet, Deutsche Wirtschaftsnachrichten (DWN), Netzfrauen oder Russia Today (RT).
Auf solchen Plattformen finden sich in der Tat „andere“ Meldungen, die man üblicherweise nicht in der Tagesschau sieht.
Verschwörungstheoretiker glauben diesen „alternativen Medienplattformen“ schon deswegen, weil sie nicht das bringen, was in klassischen Medien berichtet wird. Außerdem passen diese Dinge so viel besser in das eigene verquere Weltbild.
Der Haken an der Geschichte ist, daß RT und DWN zwar spannende, aber leider keine seriösen Nachrichten bringen.

Ich halte diese Portale aus dem Eso-, Neonazi-, Tradi und Verschwörungsbereich für äußerst gefährlich, weil so Demagogie und Extremismus die Türen geöffnet werden. Factchecking und Recherche werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt und am Ende macht sich jeder die Nachrichten so, wie er sie gerne hätte.
Schon jetzt leben die Nutzer der sozialen Netzwerke oft in ihren inzestuösen Blasen, in denen sie nur das wahrnehmen, was in ihr Weltbild passt.
Kommt es dann zu einem zufälligen Kontakt mit der guten alten 20Uhr-Tagesschau, wirkt diese so exotisch, daß sie umso leichter als „Lügenpresse“ geschmäht wird.
Dadurch leben Journalisten gefährlich, werden bei „Montagsdemos“ tätlich angegriffen.

Außerordentlich bedenklich ist es, wenn zur seriösen Presse gezählte Medien dem Populismus erliegen, auf einmal auch das bringen, was Peginesen gern hören und dies auch noch ökonomisch erfolgreich ist.
Das abschreckende Beispiel heißt Focus-Online. Mit xenophoben Flüchtlings-Berichten und Gerüchten, wurde die Burda-Tochter zur Nummer eins in den sozialen Netzwerken.

Ich verurteile das scharf.
Der einzige Weg mit Lügenpresse-Anfeindungen umzugehen, ist es streng faktenorientiert zu bleiben, oder wenn möglich noch genauer zu recherchieren und zu prüfen.

Tendenziöse journalistische Fehlleistungen, die nur zu offensichtlich einem bestimmten Freund-Feind-Bild entsprechen, dürfen nicht passieren.

Nach wie vor beobachte ich im Internet Gruppen wie „die Putinisten“ und staune über die Parallelwelt, in der diese Leute leben.
Dort ist Putin der unumstrittene Held. Jeglicher Widerspruch muß eine Lüge sein.

In der Diskussion mit Putinisten, Peginesen und anderen Panikern sind Häme und Besserwisserei nutzlos. Man kann lediglich die Quellen hinterfragen und versuchen diese Menschen für Fakten zu sensibilisieren.
Das ist kein leichtes Unterfangen, denn gerade bei genauer Beachtung der Faktenlage erkenne ich bei ARD, ZDF und SPIEGEL durchaus auch Parteilichkeit zu Ungunsten Russlands. Unglücklicherweise sitzen sie damit in einem Boot mit Merkel und Gauck, die sich beide klar von antirussischen Vorurteilen lenken lassen.

Außerordentlich kontraproduktiv ist es natürlich gerade beim Themenkomplex „Russland, Ukraine, Putin“ wenn „Mainstreammedien“ sogar noch bei Falschmeldungen ertappt werden. Dann sind sie in einer NoWin-Situation. Um den eigenen seriösen Ruf zu retten, bringen sie üblicherweise a posteriori Korrekturen und  Gegendarstellungen.  Aber das was als Ausweis der Seriosität gedacht war, verstehen Verschwörungstheoretiker nur als Beweis ihres Lügenpresse-Weltbildes.

Beim Absturz/Abschuss des MH17-Jets über die Ukraine passierten viele dieser antirussischen Übersprunghandlungen. Unsere seriösen Medien betrachteten die Darstellungen aus Kiew als Fakten und misstrauten allen Meldungen aus Moskau. Man hätte aber beides gleichermaßen kritisch überprüfen müssen.
So kam es zu der bekannten Empörungswelle angesichts eines angeblichen „Pro-Russen“ der hämisch eine Puppe eines der Kinder an Bord in die Kamera hielt.
ARD, BILD und Co hätten das Video nur wenige Sekunden länger ansehen müssen, um festzustellen, daß genau das diametrale Gegenteil richtig war.

Der Rebell legte dann das Plüschtier auf den Boden zurück, nahm seine Mütze ab und bekreuzigte sich. Klar ersichtlich wird, dass er tief bewegt ist und trauert.

Auch bei dem Abschuss des russischen Jets im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei durch die Türkische Luftwaffen, wurde offensichtlich von vielen Medien nicht sauber gearbeitet.
Schnell waren die Russen als Luftraum-Rüpel ausgemacht, die schließlich zehnmal gewarnt worden wären und dann nun wirklich zu Recht abgeschossen wurden.

Recherchiert man etwas genauer, wie es dankenswerterweise Anja Reschkes PANORAMA-Team gemacht hat, stellt sich schon bei der Befragung von Jetpiloten der Bundeswehr schnell heraus, daß die Darstellungen der Türkei und NATO nicht stimmen können.
In dieser Causa sind offensichtlich eher die zur NATO gehörenden türkischen Jäger die „Bösen“ und die Russen die Opfer.

[….] Sprey glaubt auch, eine Erklärung zu haben, warum die Russen die Warnungen der Türkei über Funk nicht gehört haben. Das hänge damit zusammen, dass die russischen SU 24 im Regelfall Funksprüche auf der zivilen Frequenz nicht empfangen können, sondern nur Funksprüche auf der militärischen Frequenz. [….]
Wolfgang Richter, Oberst a.D. der Bundeswehr und Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, hat sich die Flugkurven der Russen und Türken angeschaut. Im Detail unterscheiden sie sich, aber eine Sache könne man allgemein feststellen: Die russischen Maschinen flogen parallel zur türkisch-syrischen Grenze, stellten also keine direkte Bedrohung für die Türkei dar. Richter vermutet ein strategisches Interesse der Türkei für den Abschuss: "Es ist sicherlich ein beabsichtigter Abschuss gewesen, der auch vorbereitet war. Ich glaube nicht, dass die Verletzung des Luftraums das eigentliche Problem ist, sondern es waren die russischen Angriffe auf turkmenische Ziele." [….]


Wladimir Putin selbst wird im deutschen Fernsehen grundsätzlich negativ dargestellt.

In russischen Medien kursieren schwere Vorwürfe gegen das ZDF. Auslöser ist eine Dokumentation mit dem Titel "Machtmensch Putin", die der öffentlich-rechtliche Sender am Dienstag der vergangenen Woche ausgestrahlt hatte.
In dem Film tritt ein Protagonist namens "Igor" auf, der behauptet, als Freiwilliger an der Seite der prorussischen Separatisten in der Ostukraine zu kämpfen. Er sagt auch, dass sich reguläre russische Truppen im Donbass befinden.
Später war dieser Igor dann unter dem angeblichen Klarnamen "Jurij" im russischen Fernsehsender Rossija 1 zu sehen, wo er als "Arbeitsloser aus Kaliningrad" beschrieben wurde. Das berichtet unter anderem der kremltreue Sender Russia Today in seiner deutschsprachigen Ausgabe. Er gab an, das ZDF habe ihm ein Drehbuch geschrieben, alles sei gelogen und inszeniert gewesen. Der Produzent, ein Mann mit Namen "Bob", habe ihm 50 000 Rubel (etwa 650 Euro) dafür versprochen.
Dem russischen Fernsehen zufolge ist Bob der Filmemacher Walerie Bobkow. In angeblichem Rohmaterial soll zu sehen sein, wie Bobkow dem Schauspieler Jurij zeigt, wie er ein Gewehr zu tragen habe. Bei einem Flüstern im Hintergrund soll es sich um Regie-Anweisungen für den jungen Mann handeln, der angeblich immer wieder den vorgegebenen Text vergaß. Diese Anweisungen seien in der später ausgestrahlten ZDF-Fassung durch die Stimme des Sprechers und dramatische Geräusche übertönt worden.

Es gibt weitere Fälle von antirussisch eingefärbter Berichterstattung.

Liebe seriöse Presse, ich möchte keinesfalls, daß noch mehr Menschen zu Verschwörungstheoretikern werden und sich dann Kopp, PI, RT und Co zuwenden.

Um das zu verhindern, müßt ihr aber dringend besser aufpassen und Euch nicht zu Anti-Putin-Propaganda hinreißen lassen.

Es gibt auch bei reiner Betrachtung der Fakten genügend an der gegenwärtigen Kreml-Führung zu kritisieren.
Seriöser Journalismus soll dazu Hintergründe aufzeigen und Fakten erklären.
Wenn ihr stattdessen mehrfach bei unsauberer Arbeit ertappt werdet und dies zufällig immer zu Ungunsten Russlands ausfällt, können sich Kopp, PI, RT und Co bei euch bedanken, wenn sie immer mehr Zulauf haben.
Dann seid ihr selbst schuld, daß man euch immer weniger glaubt.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Wunschkinder



Gerade wird der Tod des einjährigen Taylers in Hamburg rauf und runter in den Medien analysiert. Wieso schon wieder Hamburg und überhaupt sollte man schreiende Babys nicht schütteln.
Angesichts der rund 15.000 bis 20.000 Kinder, die jeden Tag auf der Welt verhungern aufgrund unserer westlichen Agar- und Finanzpolitik, erscheint es mir allerdings etwas grotesk, wenn Medien die Hintergründe eines Einzelfalls derart exzessiv aufarbeiten und die Millionen Hungertoten nicht mit einer Zeile erwähnen.
Aber klar, niemals sind Fakten und Zahlen so interessant, wie der Einzelfall mit Gesicht und Namen vor der eigenen Haustür.

Ich tue mich in diesen Fällen sehr schwer damit auf den Mitarbeitern des Jugendamtes rumzuhacken – auch wenn sie offensichtlich versagt haben.
Sie sitzen aber vor einer unlösbaren Aufgabe, denn um das Wohlergehen eines Kindes in einem problematischen Elternhaus zu garantieren, müssten die Behörden jedes Kind 24 Stunden am Tag überwachen. Das ist aber unmöglich.
Die einzig andere sichere Methode wäre es all Kinder bei den kleinsten Anzeichen von Instabilität sofort ihren Eltern zu entziehen.
Aber auch das ist unmöglich, da man damit garantiert noch mehr Leid generiert.
Kleinkinder werden in einem relativ zivilisierten Land wie Deutschland immer wieder vernachlässigt, todgeschlagen, aus dem Fenster geworfen, in Kühltruhen gesteckt, im Blumenkübel entsorgt oder bis zum Hirntod geschüttelt, weil jedes noch so ungeeignete Paar Kinder zeugen und behalten kann.
Das ist „natürlich.“ So funktioniert unsere Biologie.
Man könnte es auch Evolution nennen, daß solche offensichtlich ungeeigneten Eltern ihre Gene in der Natur nicht weitergeben würden, weil ihr Nachwuchs nicht überlebt. Die meisten gezeugten Embryonen killt Gott selbst noch vor der Geburt. Auch das ist natürliche Auslese.

Natürlichkeit verträgt sich allerdings nicht mit Zivilisation. Es wäre auch natürlich, daß Menschen ohne Zähne verhungern oder daß alte Menschen sehr oft blind werden.
Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.
Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.
Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.
In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.
Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.

Es ist natürlich Kinder aus Versehen zu zeugen, sie durch Verhütungsmittelfehlfunktionen zu generieren, sie aufgrund einer Gewalttat zu erschaffen. Das geht ganz leicht. Zehnjährige Mädchen werden ohne den Vorgang zu verstehen von ihrem elfjährigen Bruder geschwängert, oder es ist jemand nach einer nächtlichen Sauftour schwanger, ohne sich überhaupt zu erinnern Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. In vielen Teilen der Welt gibt es Massenvergewaltigung im Zuge ethnischer Kriege.
Die Kombination von Ei und Samenzelle zu einem neuen Leben funktioniert ohne Liebe, ohne Ethik, ohne Religion, ohne Vertrag und ohne Vertrauen.

Es stellt sich nur die Frage, ob es nach unseren zivilisatorischen und humanistischen Maßstäben auch gut ist auf diese Weise Kinder zu zeugen.
Da wir aber nicht mehr akzeptieren unseren Nachwuchs, der zufällig in suboptimale Verhältnisse hineingeboren wird mit entsprechend höherer Wahrscheinlichkeit wieder sterben zu lassen, regen wir uns über die Tayler-Fälle vor unserer Haustür auf.
Dabei wissen wir alle, daß Kinder in Deutschland mit sehr unterschiedlichen Chancen geboren werden. Das Portemonnaie der Eltern bestimmt über die Bildung. Arbeiterkinder gelangen üblicherweise nicht in DAX-Vorstände und Arme sterben viele Jahre früher als Reiche.
Es gab schon mehr Chancengleichheit in Deutschland und man könnte politisch die größten Ungerechtigkeiten durch verwahrloste Schulen, Kinder in HartzIV und unterschiedliche medizinische Versorgung minimieren, aber das ist offensichtlich politisch und gesellschaftlich nicht gewollt – das zeigen unsere Wahlergebnisse.

Es stellt sich als Unglück für die Kinder heraus, daß sie so leicht gezeugt werden können.
Jeder Depp bekommt Kinder. Je schlechter die Bildung und je prekärer die Lebensumstände, desto mehr.
Man braucht weder Führerschein, noch irgendeine sonstige Qualifikation. Lange bevor man wählen darf oder ein Bier trinken kann, arbeiten Uterus und Hoden schon.

Im Sinne der Kinder müßte man sich wünschen, sehr viel schwerer schwanger zu werden.
Zumindest so schwer, daß all die ungewollten, zu kurz überlegten oder aus fragwürdigen Gründen geplanten Schwangerschaften nicht möglich wären.

Es ist für Akademikerinnen über 40 schon schwerer schwanger zu werden, da ihre Eizellen schon entsprechend lange rumliegen und sie aufgrund der insbesondere von gebildeten Frauen praktizierten sozialen Homogamie schwer Partner finden. Probleme, die eine 17-Jährige Schulabbrecherin in der Vorstadt nicht kennt.
Daher haben mehr als die Hälfte der über 40-Jährigen Akademikerinnen auch keine Kinder – obwohl gerade sie beste Voraussetzungen für die Entwicklung des Nachwuchses bieten könnten.

Noch schwerer ist es für homosexuelle Paare. Auch hier ist es nicht so natürlich schwanger zu werden.
Aber wie wir gesehen haben, ist Natürlichkeit kulturell betrachtet negativ.
Schwule und Lesben, die Kinder bekommen, müssen sich eine Menge einfallen lassen. Sie werden fast niemals ungewollt oder aus Versehen schwanger. Das bedeutet im Umkehrschluss, daß alle ihre Kinder Wunschkinder sind.
Wunschkinder starten aber mit erheblich besseren Voraussetzungen ins Leben.
 Sie haben weniger finanzielle Sorgen, werden geliebt und gehegt, so daß sie sich emotional besser entwickeln und werden kulturell so gefördert, daß sie auch intelligenter und gebildeter werden.

Studien bestätigen inzwischen, daß Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren glücklicher und selbstbewußter sind und in der Schule weniger Probleme haben.
Das ist ein absolut zu erwartender Befund. Nicht, weil ihre Eltern lesbischen Sex mögen, sondern weil sie alle erwünscht sind. Unter ihnen gibt es kaum vernachlässigte und ungeliebte Wesen wie den kleinen Tayler.

Zum Wohle der Familien wäre es also absolut geboten sich für die sogenannte „Homo-Adoption“ einzusetzen, endlich auch in Deutschland die Ehe ohne Wenn und Aber für alle zu öffnen.

CDU und CSU, die dies in Deutschland noch verhindern, sind also nicht nur generell antihumanistisch, sondern auch noch explizit gegen das Kindeswohl engagiert.

Noch schlimmer ist die katholische Kirche, die ohnehin durch ihren massenhaften Kindesmissbrauch - sowohl sexuell als auch gewalttätig in den christlichen Kinderheimen – bewiesen hat, daß sie moralisch jedes Recht verloren hat sich zu Erziehungs- und Familienfragen zu äußern.

Explizit Menschen-, Familien- und Kinder-feindlich agitiert auch die slowenische Bischofskonferenz nach ihrem Sieg von vorgestern.

Die Slowenische Bischofskonferenz hat am Montag große Freude über das Ergebnis des Referendums zur rechtlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der traditionellen Ehe geäußert. Die Slowenen hatten sich am Sonntag zu 63 Prozent deutlich gegen die volle rechtliche Gleichstellung ausgesprochen. Damit wurde die von den linken und liberalen Regierungsparteien bereits im März im Parlament verabschiedete Novelle des Ehegesetzes gekippt.
[…] Durch die Reform wären homosexuelle Paare indirekt auch bei der Adoption von Kindern gleichgestellt worden.
Die Wahlberechtigten seien "für die Werte der Familie und für die Rechte der Kinder aufgestanden", sagte der Vorsitzende der Slowenischen Bischofskonferenz, Diözesanbischof Andrej Glavan von Novo Mesto. Er betonte die zentrale Rolle von Gruppen - auch Facebookgruppen - und Initiativen beim Lobbying. "Ich danke auch allen Gläubigen und den kirchlichen Erneuerungsbewegungen", betonte er.