Montag, 21. Dezember 2015

Franz outet sich – Teil XV

Papst Bergoglio kann machen was er will; auch wenn seine RKK wie gestern geschehen, zusammen mit den Rechtsradikalen in Slowenien Schwulen und Lesben die Menschenrechte entzieht, wird er weiterhin verehrt von der breiten Masse der Liberalen in Westeuropa.

Daß erneut bewiesen wurde was für ein Heuchler der Papst ist, indem der Investigativ-Journalist Gianluigi Nuzzi in einem neuen Buch darlegte, wie prunk- und luxussüchtig die Kurie agiert, gefällt Franzl überhaupt nicht.
Er unternimmt nichts dagegen, daß die Ex-Nummer-Zwei des Vatikans neben dem Petersdom in einer 700-Quadratmeter-Luxuswohnung residiert, während Flüchtlingskinder hungern und frieren.

Papst Franziskus hat sich erstmals direkt zu den neuesten Enthüllungen von maßloser Verschwendung im Vatikan geäußert. In seiner Sonntagsansprache auf dem Petersplatz in Rom nannte er die als "VatiLeaks 2" bekannt gewordene Affäre ein Verbrechen und "eine bedauerliche Tat, die nicht hilfreich ist".

Erschlagt den Boten!
Das ist offenbar die Botschaft des Papstes an die Welt.
Ihm gefällt es nicht, wenn öffentlich wird, daß der ausdrücklich für Arme und Bedürftige vorgesehene „Peterspfenning“ für Dolce-Vita der Kardinäle verprasst wird.

Franzl ist aber nicht nur in seinen tagespolitischen Aktionen abscheulich, sondern zeigt sein grausames Herz auch in seinem ureigenen geistlichen Wirkungsbereich.

Die Kolumbianische Nonne Laura di Santa Caterina da Siena Montoya y Upegui (* 1874 † 1949) war die Gründerin der Kongregation der Missionarinnen der unbefleckten Jungfrau Maria und der heiligen Katharina von Siena.
Sie tat das, was ich am meisten verabscheue: Im Alter von 40 Jahren zog sie 1914 mit vier jungen Nonnen zu den damals noch weitgehend unberührt lebenden Indios und missionierte sie, raubte ihnen deren Jahrtausende alte naturverbundene Kultur und stülpte ihnen das grausame Christentum über.

Am 12. Mai 2013 sprach Papst Franziskus Maria Laura heilig.

Ebenfalls als Missionar in Südamerika tätig war der spanische Jesuit José de Anchieta (*1534 † 1597), der sich zumindest indirekt an einem Massenmord, wenn nicht sogar Genozid an den Brasilianischen indigenen Völkern beteiligte.

[….] Die Europäer, die am 22. April 1500 mit der Flotte des portugiesischen Ostindien-Fahrers Pedro Alvares Cabral an der Küste Brasiliens landeten, wurden von den Indianern begeistert aufgenommen. [….] Die Greueltaten der Konquistadoren entziehen sich der menschlichen Vorstellungskraft. Ein derartiges Ausmaß an Grausamkeit wirkt heute schon vage und verschwommen, Zahlen verlieren ihre Bedeutung, wenn man unvoreingenommen und distanziert von den Massenverbrennungen, den Schändungen, den auf geschlitzten Bäuchen und den Verstümmelungen hört.
Zwölf Millionen Indianer wurden in Lateinamerika getötet, berichtete der spanische Bischof Bartolomé de Las Casas, Augenzeuge des vermutlich größten aller Vernichtungskriege gegen die Indianer*.
Er schrieb:
"Der Allmächtige scheint diesen Menschen die Demut und Sanftmut von Lämmern verliehen zu haben, [….] während die Eroberer, die so barbarisch über sie herfielen, wilden Tigern, Wölfen und Löwen gleichen. Ich habe gesehen, wie die Spanier ihre rasenden und hungrigen Hunde auf die Indianer hetzten, um sie in Stücke zu reißen und zu verschlingen. Sie steckten so viele Städte und Dörfer in Brand, daß ich mich unmöglich noch an die Zahl erinnern kann. All das taten sie ohne jede Veranlassung, nur um Unheil anzurichten."
[….] Wer von den Plantagen floh, endete oft in den Reservaten der Jesuiten -- religiösen Konzentrationslagern, in denen schon geringfügige Vergehen mit schrecklichen Züchtigungen oder Gefängnisstrafen geahndet wurden. Der Jesuiten-Missionar José de Anchieta kommentierte: "Schwert und Eisenstab sind die besten Mittel der Predigt." [….]

Am 03. April 2014 sprach Papst Franziskus José de Anchieta heilig.

Der auf Mallorca geborene Missionar Fray Junípero Serra (*1713 † 1784) gilt als Gründer San Franciscos. Indianer konnte er nicht so gut leiden.
90.000 amerikanische Ureinwohner ließ er durch die Armee zwangsmissionieren  und in seinen Missionen gefangen halten. ER ließ ihre Kultur, Sprache und Riten verbieten, ordnete Zwangsarbeit an. In den nächsten hundert Jahren starben 90% der Kalifornischen Indianer.
Der Sadist Junípero Serra war außerdem in Mexiko als Kommissar der Inquisition tätig, wo er durch besondere Grausamkeit und Prügelorgien bekannt wurde.
Für die „native Americans“ gilt Serra noch heute als Inkarnation des Teufels.

“Serra did not just bring us Christianity. He imposed it, giving us no choice in the matter. He did incalculable damage to a whole culture,” Ms. Miranda, the author of “Bad Indians,” said of her ancestors and what she called “the mission mythology.”
“If he is elevated to sainthood,” said Nicole Lim, the executive director of the California Indian Museum and Cultural Center in Santa Rosa, “then he should be held responsible for the brutal and deadly treatment of native people.” [….] From 1769 to 1835, 90,000 Indians were baptized along the West Coast, from San Diego to San Francisco. Once baptized, they were not allowed to leave the missions, and those who did escape were rounded up by soldiers and returned.
The Indians were forced to shed their languages, dress, religion, food and marriage customs. Thousands died from exposure to European diseases to which they had no immunity. Of the approximately 310,000 Indians in 1769 in what is now California, only one-sixth remained a hundred years later, according to a University of California historian.


Auf die eindringlichen Bitten der Nachkommen von Serras Opfern pfiff der Papst.

Mit einer Petition will man den Papst zum Umdenken drängen. Mehr als 10.000 Menschen haben die Onlinepetition gegen die geplante Heiligsprechung des spanischen Missionars am 23. September bereits unterschrieben. Auch in den sozialen Netzwerken wird die Heiligsprechung sehr heftig kritisiert: Auf Facebook wird der Missionar mit blutigem Kreuz dargestellt und als Monster bezeichnet.
Doch der Protest gegen die Heiligsprechung findet nicht nur im Netz, sondern auch auf den Straßen statt. In den vergangenen Tagen protestierten Indigene gegen die Heiligsprechung des Mannes, den sie für Unterdrückung, Zwangstaufen und den Tod von 60.000 ihrer Vorfahren verantwortlich machen.

Äußerst freundlich reagierte Bergoglio auch auf den größten Kinderfickerbeschützer der Neuzeit – Karol Woytila.

Inzwischen wird mit ganz großem Pomp die Heiligsprechung Johannes Paul II geplant, also die höchste Ehre für den Mann, der so demonstrativ einige der schlimmsten und perfidesten Kinderschänder der Welt geschützt und gefördert hat. Papst Franz könnte den Myriaden Missbrauchsopfern weltweit kaum deutlicher ins Gesicht schlagen, als den Förderer des ultragrausamen Maciel Marcial Degollado heilig zu sprechen.

Kinderfickende Nazis ersetzten auf Geheiß Woytilas und Ratzingers die verhassten südamerikanischen „Befreiungstheologen“, die sich für die Armen einsetzen und den faschistischen Mörder-Diktatoren kritisch gegenüberstanden.
Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Chef der LC und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II.
Da er sagenhafte Summen in die Kasse der RKK spülte, drückte der Wächter der Glaubenslehre Ratzinger alle Augen zu.
Maciel Marcial Degollado hatte mindestens fünf Kinder von zwei Frauen und vergewaltigte darüber hinaus mehrere Dutzend (bis zu 100) Jungs.
Die Vorgehensweise war laut STERN immer gleich:

Vater Maciel rief die ca 12-Jährigen Jungs zu sich, klagte über „schmerzhaften Samenstau in den Hoden“, müsse sich zur Abhilfe masturbieren lassen und dabei auch Kinder penetrieren.
Er erklärte dazu, er habe eine persönliche Erlaubnis von Papst Pius XII „die Schmerzen im uro-genitalen Bereich“ derart zu behandeln.
Hochwürden Samenstau bevorzugte dabei blonde und hellhäutige kleine Jungs, die ihm seine „Legionäre“ weltweit suchten und zuführten.
Seit 1976 wurden Berichte über diese Kindesvergewaltigungen nach Rom geschickt.
Man hielt dort immer die schützende Hand über Maciel.
JP-II ("Maciel ist ein vorbildlicher Priester") würdigte ihn 2004 mit einem Empfang im Petersdom, Ratzinger stellte die Untersuchungen gegen ihn bereits 1999 ein.

Dokumente aus den Vatikan-Archiven belegen laut AP, dass der Heilige Stuhl schon in den fünfziger Jahren Beweise hatte, wonach Maciel drogenabhängig und pädophil gewesen sein soll. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ermittelten damals drei sogenannte Visitatoren, das Ergebnis sei jedoch bis heute nicht veröffentlicht worden. 1998 sollen sogar einige seiner Opfer Anzeige erstattet haben.    Doch Papst Johannes Paul II. verband eine enge Freundschaft mit Maciel, die sich seit dem ersten Zusammentreffen im Januar 1978 entwickelt hatte. Der Papst verehrte den Mexikaner, führte ihn gern als Vorbild an und widmete ihm noch 2001 eine Festmesse auf dem Petersplatz.

Der gegenwärtige Papst, der im Bundestag mit standing Ovations bedacht wurde, ist der Beschützer eines der perfidesten pädosexuellen Gewalttäter.
 Die seit Dekaden bekannten Untersuchungsergebnisse über den brutalen Päderastensumpf seiner Legionäre hält Ratzinger bis heute unter Verschluß.

Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.
Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklage gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte.
(Tagesanzeiger 02.05.2010)

Ratzinger führt also die Tradition seines Vorgängers fort und ermutigt die Legionäre geradezu weiterhin Kinder zu ficken und zu quälen. Rom weiß schließlich Bescheid und hat noch nie etwas unternommen.

Papst JP-II, den Franz nun so über alle Maßen ehren will, war es auch, der Jahrelang verhinderte, daß gegen den perfiden Sadisten Pater Murphy ermittelt wurde.

Pater Murphy, der trotz seines bei Ratzinger in Rom wohlbekannten Fehlverhaltens in allen Ehren in seiner Soutane begraben wurde, hatte 200 gehörlose Jungs in ihren Schlafsälen vergewaltigt.
Ein ideales Betätigungsfeld für Priester Murphy, da ihre Schmerzensschreie von niemand gehört werden konnten.
Insgesamt vier Bischöfe hatten in der Causa Murphy nach Rom geschrieben, so offensichtlich wurde über die Jahre was der notorische Kinderficker trieb.
Zum Beispiel ist da Rembert G. Weakland, Erzbischofs von Milwaukee, der 1996 mehrfach an "His Eminence", den "Prefect, The Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith" Kardinal Ratzinger schrieb und die Vorgänge detailliert schilderte.

Kardinal Tarcisio Bertone aus der vatikanischen Glaubenskongregation antwortete nach über einem halben Jahr und ließ Weakland ein geheimes kirchenrechtliches Verfahren gegen Murphy eröffnen.

Der Beschuldigte war not amused und wandte sich ebenfalls an Ratzinger.
Der heutige Papst tat das was ihm das Kirchenrecht vorschrieb:
Er ignorierte das Leid der Opfer, verweigerte ihnen die Gerechtigkeit und sorgte dafür daß das Erzbistum von Milwaukee das Verfahren stoppte.

Indem Franz den Verantwortlichen für Massenmord an Kinderseelen heiligspricht, zeigt er mehr als deutlich wes Geistes Kind er ist.

Am 27. April 2014 sprach Papst Franziskus Karol Woytila heilig.

Die neueste Wahnsinnstat des gegenwärtigen Papstes ist die Heiligsprechung der womöglich berühmtesten Nonne der Welt – Mutter Teresa.

Anjezë Gonxhe Bojaxhiu, geboren 1910 in Skopje, gestorben 1997 in Kalkutta, war eine kaltherzige und brutale Heuchlerin, die Schmerzen und Armut liebte – für die anderen. Nicht für sich selbst.

[….]  Angesichts der angekündigten Heiligsprechung von "Mutter Teresa" lässt sich fragen, was die katholische Kirche unter Nächstenliebe versteht. Die englische Zeitung Guardian bezeichnete die Sterbehospize des Ordens von Mutter Teresa als als eine "organisierte Form unterlassener Hilfeleistung".
Einem Bericht über den Orden von "Mutter Teresa" zufolge stand für den Orden "nicht die humanitäre und medizinische Hilfe im Vordergrund, sondern die Missionierung zum katholischen Glauben." Zu der häufig geäußerten Kritik an der mangelhaften medizinischen Ausbildung ihrer Mitarbeiter entgegnete die künftige Heilige beispielsweise: "Nicht der Erfolg, sondern die Treue im Glauben ist wichtig."
[….]  Das folgende Zitat gibt in seiner ideologisch eingeschränkten Sichtweise beredtes Zeugnis: "Es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen. Wie die Passion Christi, ist ihr Leid ein großes Geschenk für die Welt."
Nach ihrem Tod wurden in den Lagern ihrer Hospitäler große Mengen schmerzlindernder Mittel gefunden, die aus Spenden stammten, die sie aber ihren Patienten vorenthalten hatte. Trotz großer Spendeneinnahmen war die medizinische Versorgung in den Sterbehospizen recht dürftig. Die Ernährung war katastrophal und zuweilen wurde das medizinische Besteck nicht ausreichend desinfiziert. Leicht heilbare Patienten wurden nicht immer in ein Krankenhaus eingewiesen, sondern sie wurden stattdessen zu Tode gepflegt.
Aus all diesen Gründen ist die von einigen gewählte Bezeichnung "Todesengel von Kalkutta" durchaus angebracht. Für die Beseitigung der Ursachen der Armut in der dritten Welt hat sie sich nie eingesetzt.[….] (Meinhard Creydt, HPD, 21.12.15)

Wo die unzähligen Spendenmillionen Teresas abgeblieben sind, wurde nie geklärt.
Als Mutter Teresa am Ende ihres Lebens selbst Schmerzen litt, galten ihre Erkenntnisse allerdings nicht mehr. Sie flog erste Klasse in die USA, um sich dort palliativ in einer Privatklinik behandeln zu lassen.

Der Heiligsprechungsprozess ist abgeschlossen.

Am 4. September 2016 wird Papst Franziskus Anjezë Gonxhe Bojaxhiu heiligsprechen.

Herr Bergoglio, wie schon Ihrem Staatsoberhaupt-Kollegen Gauck muß ich auch Ihnen etwas sagen.

Herr Papst, mit Verlaub und frei nach dem ehemaligen Vizekanzler Fischer, Sie sind ein dummes Arschloch.



Sonntag, 20. Dezember 2015

Kälte im Willy-Brandt-Haus.



Seit über 30 Jahren lese ich jetzt schon jede Woche den SPIEGEL.
Die „Montagsaufregung“ wie vor 20 Jahren gibt es nicht mehr.
Damals konnte man es gar nicht erwarten das neue Heft in die Hand zu bekommen, weil man nur im SPIEGEL exklusiv detaillierte politische Hintergründe erfuhr.
Selbstverständlich sind das Informationstempo und die Informationsquantität durch das Internet unermesslich angewachsen.
Selbstverständlich hat der SPIEGEL im Kampf gegen den Auflagenschwund mit Boulevardisierungen und fragwürdigen Personalentscheidungen enorme Fehler gemacht.

Ich bin aber dennoch der Meinung, daß der SPIEGEL immer noch unverzichtbar ist.
Diejenigen, die so locker „der SPIEGEL ist doch scheiße“ rausposaunen, sind in der Regel diejenigen, die ihn ohnehin nicht lesen und es gar nicht beurteilen können.

Eine Stärke aus alten Tagen sind beim SPIEGEL die exzellenten Verbindungen in die höchsten politischen und parteilichen Kreise.
Ich staune immer wieder, wenn in innenpolitischen Artikeln ausführlich wörtlich aus vertraulichen Sitzungen kleinster Kreise berichtet wird.
Wenn sich das Kabinett, das SPD-Präsidium oder Vorstände von DAX-Unternehmen treffen, scheint es immer Teilnehmer zu geben, die anschließend sofort zum SPIEGEL rennen und Details ausplaudern.
Altmaier und Co rennen nicht zu Focus oder HuffPo, sondern immer noch zu dem Leitmedium. Daher ist DER SPIEGEL eben diese besonders gut informierte Quelle.

That said, noch ein paar Bemerkungen zur Lage der SPD nach dem Desaster-Parteitag vom 10.-12.12.15 in Berlin.

Im SPIEGEL-Leitartikel vom 19.12.2015 fordert Markus Feldenkirchen von der SPD „Macht Euch ehrlich“.
Das Verhältnis zwischen Gabriel und der Partei sei zerrüttet. Er müsse abtreten und die Figuren der zweiten Reihe könnten sich nicht mehr so feige zurückhalten, als ob sie nicht dazu gehörten.
Ob es so viel bringt, wenn nach Scharping, Lafontaine, Schröder, Müntefering, Platzeck, Beck, Müntefering und Gabriel der Neunte seit dem letzten überzeugenden Parteichef (Engholm) übernimmt, hängt natürlich stark von der zu bestimmenden Person ab.
 Offensichtlich stehen die Schwarzen, die seit 15 Jahren ununterbrochen dieselbe Chefin haben, demoskopisch viel besser da.
Der SPIEGEL geißelt die Feigheit der weiteren Führungsfiguren in der SPD.
Die Stellvertreter Hannelore Kraft, Thorsten Schäfer-Gümbel, Manuela Schwesig, Olaf Scholz, Aydan Özoğuz und Ralf Stegner haben alle keine Lust sich den miesen Job anzutun. Frühestens nachdem die SPD die Bundestagswahl 2017 vergeigt hat.
Pflichtgefühl hatte mal einen anderen Stellenwert.
Steinmeier will gemütlich ins Bundespräsidentenamt einziehen und Nahles ist viel zu faul dazu sich jetzt in aussichtsloser Lage aufzureiben.
Das Parteipräsidium bietet auch keinen einzigen möglichen Kandidaten:
Katarina Barley, Dietmar Nietan, Martin Schulz, Doris Ahnen, Ute Vogt und Florian Pronold.
Der einzige Name, der mir einfällt, ist Heiko Maas. Justizminister, Vorkämpfer gegen Rechtsextremismus und Beisitzer des Bundesvorstands.

Für Gabriel trifft das zu, was Kubicki einst der FDP diagnostizierte, sie sei unter Generalverschiss geraten.
Verblüffend, daß man die linke „taz“ aufschlagen muß, um zu lesen, daß Gabriel eigentlich viel besser als sein Ruf wäre.

Gabriel und die Deutschen, das ist keine Liebesgeschichte. Die Sprunghaftigkeit des SPD-Vorsitzenden und Wirtschaftsministers ist legendär, seine Neigung zu Ungeduld und schlechter Laune auch. Die SPD leidet, oft still und immer öfter laut. Gabriels Ja zur Vorratsdatenspeicherung, sein Nein zu linker Steuerpolitik, der Populismus in der Griechenland-Krise, die verfluchten 25 Prozent in den Umfragen.
Bei alldem geht unter, dass Gabriel manchmal besser ist als sein Ruf.

Die positiven Anlagen, die Korrespondent Schulte ausführt, sehe ich auch alle, habe immer wieder in diesem Blog darauf hingewiesen, was Gabriel kann.
Außerdem rechne ich ihm hoch an, daß er 2009 die Kartoffeln aus dem Feuer geholt hat und sich jetzt in dieser desolaten Lage nicht der Verantwortung entzieht, also nicht einfach hinwirft.

Aber Gabriel trägt auch eine große Mitschuld an dem miesen Ansehen seiner Partei und den 139-mal Nein und 19 Enthaltungen bei der Wiederwahl zum Vorsitzenden.
Sich in der eigenen Parteizentrale externe PR-Berater wie Thomas Hüser zu holen, die vorher in der CDU waren und der SPD öffentlich Niederlagen wünschten, schafft natürlich nicht gerade Vertrauen bei den Parteimitarbeiten.

Und es ist widerlich bei humanistischen Themen mit Blick auf den Mob und die Umfragen einzuknicken. Auch das honorieren SPD-Sympathisanten nicht.
Schon gar nicht, wenn Gabriel immer so tut, als sei er der einzige, der überhaupt wisse wie „das Volk“, oder „die Basis“ ticke.

Zunächst ziemlich irritiert und inzwischen vor allem belustigt verfolgt das Personal im Willy-Brandt-Haus die Zahl der freischaffenden PR- und Politikberater, die der Parteichef um sich versammelt.
Auch sein ständiges Mantra, „fragt doch die Basis oder die Bürgermeister“, nervt viele Genossen nur noch. Als wäre Gabriel der Einzige, der Basiskontakte unterhält und imstande sei zu verstehen, was normale Bürger sich von der Politik wünschen. [….]
Und bis zur letzten Minute versuchte Gabriel – gegen die Landesvorsitzenden Hannelore Kraft (NRW) und Thorsten Schäfer-Gümbel (Hessen) – Formulierungen durchzusetzen, die auf eine stärkere Begrenzung der Migrantenzahlen zielten. „Die Umfragen sagen doch, dass wir wegen der Flüchtlinge in Richtung 20 Prozent gehen“, rief er mit erhobener Stimme in der Sitzung. Hannelore Kraft hielt dagegen: „Wir müssen unsere Leute mitnehmen, wir können nicht nur Richtung Mitte marschieren.“
Aber Gabriel wollte keinen Kompromiss. „Ich ziehe das hier durch“, dröhnte er. Er müsse schließlich die Partei zusammenhalten. „Dann mach du es doch“, brüllte er schließlich Richtung Kraft.
Schließlich wusste er ja, dass die Genossin sein Angebot nicht annehmen würde.
(DER SPIEGEL 19.12.2015)

Punkt für Gabriel: Es ist natürlich schwach von Frau Kraft hinter den Kulissen rumzumäkeln, aber als Ministerpräsidentin des größten und wichtigsten Bundeslandes gar nicht dran zu denken als Kanzlerkandidatin oder Parteivorsitzende ihren Kopf hinzuhalten.

Andererseits hat Kraft inhaltlich Recht. Wie unfassbar erbärmlich bei der Flüchtlingsfrage mit den xenophoben Umfragen zu argumentieren.
Wenn das so stimmte, müßte die CDU noch schlechter dastehen, da ihre Anhänger viel weniger gut auf Hilfesuchende reagieren.

Man muß Gabriel außerdem vorhalten, daß er sich bei anderen Themen überhaupt nicht um die große Mehrheit im Volke schert.
Er propagiert TTIP und stimmte für den von 80% des Volkes scharf abgelehnten Anti-Sterbehilfe-Gesetzentwurf.
Wenn es um Kirchen- und Wirtschaftsinteressen geht, traut sich der Parteichef also unpopuläre Themen gegen die Majorität durchzupauken, aber bei Ausländern knickt er gleich ein. Siehe auch sein Auftritt bei Pegida und die Empfehlung an Griechenland doch den Euroraum zu verlassen.

Da muß man sich nicht wundern den Namen „Zickzack-Sigi“ verpasst zu bekommen.

Und daß er 74% der Stimmen bekam, bedeutet eben auch nicht, daß er all die strittigen Punkte wie Vorratsdatenspeicherung, Waffenexporte und TTIP ein für alle Mal in seinem Sinne von der Parteibasis als entschieden ansehen kann.

Es gibt genügend parteitaktische Gründe Gabriel nicht demontieren zu wollen, ihn nicht gegenüber CSU und CDU schwächen zu wollen, so daß man als SPD-Delegierter für ihn als Vorsitzenden stimmt.
Das heißt aber noch lange nicht, daß man damit auch sein Plazet für TTIP gibt.

Ich glaube nicht, daß Sigmar Gabriel noch in der Lage sein wird für die SPD mehr als 25% bei den Bundestagswahlen rauszuholen.
Wenn sich bloß ein natürlicher Nachfolger anböte.
Einer, der vielleicht 2017 eine Niederlage wegsteckt, ohne gleich wieder demontiert zu werden. Auch Willy Brandt wurde als Parteivorsitzender zweimal als Kanzlerkandidat von der CDU geschlagen, bevor er doch noch Kanzler wurde und zu dem ganz großen Parteivorsitzenden avancierte.
Für mich ist es vorstellbar, daß ein Maas, der jetzt die Partei übernähme im Jahr 2021 oder 2025 eine große SPD-Mehrheit holen könnte.
Aber zehn Jahre an der Parteispitze werden mit diesem Verein vermutlich recht unwahrscheinlich.

Samstag, 19. Dezember 2015

Glaubensfragen in Amerika



Hillary Clinton hatte während der demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen 2008 diesen berühmten intimen Moment, in dem sie über ihren Glauben sprach, ihr die Stimme versagte und man meinte ein paar Tränchen in ihren Augen zu sehen. Ihr Glaube beschütze sie.
Sie sei eine tief gläubige Methodistin, die täglich bete und Bibelstunden abhalte.
Clinton ist in Teilen der USA derart verhasst, daß man ihr die Tränen nicht glaubte.
Nach ihrer Kandidatur zu den 2016er Wahlen spricht sie wieder mehr über ihren Glauben.
Man munkelt, das sei gezielt eingesetzt, um sich von ihrem technokratischen Image der Perfektionistin zu lösen.
Bei Obama ist es der aus Kenia stammende Vater, der die GOPer veranlasst an seinem ehrlichen christlichen Glauben zu zweifeln.
Und so sang der US-Präsident dieses Jahr öffentlich „Amazing Grace“ – wieder so ein Gänsehautmoment wie Clinton 2008. Auch Obama hatte Tränen in den Augen.


Weltweit wurde voller Rührung von "Reverend Obama", der sich immer wieder auf Gott bezieht, berichtet.

Es ist möglich, daß Obama und Clinton tatsächlich so tief gläubige Christen sind wie sie sagen.
Ich kann das Gegenteil nicht beweisen; glaube aber, daß beide viel zu intelligent sind, um den Unsinn wirklich zu glauben. Sie inszenieren sich lediglich als gute Christen.
Ich verurteile das nicht, sondern halte es für ein Zeichen von Rationalität und Stärke. Ob es einem gefällt oder nicht: In Amerika hätte ein offen Ungläubiger nicht die geringste Chance Präsident zu werden.
Wenn man also dieses Amt will, weil man mutmaßlich etwas Gutes für das Land und die Welt bewirken will, muß man in den sauren Apfel beißen.

Seine ehrlich ablehnende Haltung zur Religion kann ein US-Präsident nur zeigen, wenn es sich um Fiktion handelt, so wie US-Präsident Francis Underwood, und auch dann nur heimlich.


Problematisch wird der extreme Glauben der US-Politiker in den Fällen, in denen er offensichtlich ernst gemeint ist.
Ich kann nicht der rationalen Urteilskraft eines Menschen vertrauen, der sich so einem grausamen Unsinnskonzept, wie dem der christlichen Ideologie verschrieben hat.
Das ist nur bei ungebildeten und dummen Menschen entschuldbar, die sich nicht genügend mit der Destruktivität des Glaubens beschäftigt haben.
Bei US-Präsidenten hoffe ich aber, daß sie intelligenter als der Durchschnitt sind.

Noch unpassender als ehrlicher religiöser Glaube für US-Spitzenpolitiker ist die Kombination mit Schizophrenie, wenn Menschen ernsthaft glauben Gott spräche zu ihnen und dies auch noch öffentlich verkünden, statt sofort einen qualifizierten Psychiater aufzusuchen.

George W. Bush kann hier als Negativbeispiel gelten – und wir wissen alle was seine Präsidentschaft angerichtet hat.

“I believe God wants me to be president” is a Bush’s statement that came during a meeting with Rev. Richard land, head of the public policy arm of the Southern Baptist Convention, in 1999.

 [I was] “chosen by the grace of God to lead at that moment”, is a Bush’s quotation reported by Michael Duffy in Time magazine immediately after 9/11.

 “God told me to strike at al-Qaeda and I struck them, and then he instructed me to strike at Saddam, which I did, and now I am determined to solve the problem in the Middle East. If you help me I will act, and if not, the elections will come and I will have to focus on them“ comes from a remark made by Bush to Palestinian negotiator Nabil Shaath, made to and reported by BBC News on Thursday, October 6 2005.

“I trust God speaks through me. Without that, I couldn’t do my job” is a Bush’s remark to a group of Amish people he met with privately on July 9, 2004, and as published by the Lancaster New Era, July 16, 2004. [….]

Vor Menschen, die sich direkt durch Gott berufen fühlen, kann ich in jeder Hinsicht nur warnen.
Unglücklicherweise gibt es solche psychiatrischen Fälle immer noch im republikanischen Bewerberfeld.

Der ultrareligiöse Scott Walker hatte Probleme mit seinem Wahlkampfberater Gott.
Es war nämlich Gott persönlich, der ihm befahl zu kandidieren.
Walker folgte brav und gab für seine Kampagne rund $70.000 pro Tag aus.
Anfang dieses Monats hatte er rund eine Millionen Dollar Schulden und keine Spender mehr.

Nun, zumindest im Jahr 2016 wird Walker nicht US-Präsident, aber bei einer anderen Wahl schnitt der Gouverneur des US-Bundesstaates Wisconsin recht gut ab. Er schaffte es mit Sepp Blatter und David Cameron auf die GQ-Liste der schlimmsten Menschen des Jahres.

Governor Walker named one of the worst people of 2015 by GQ Magazine
Governor Scott Walker has made a lot of headlines this year, and men's magazine GQ won't let him forget.
Depicted with a caricature, Walker was named one of the worst people of 2015, saying he is 'a charmless Midwestern governor who was only viable as a presidential candidate because most people hadn't heard him speak yet.'
Walker ranks 13 in the list of 28 people. Topping the list is Kim Davis, the Kentucky clerk who refused to sign gay marriage licenses.

Ein anderer religiotischer Schizophrener ist leider noch kein Ex-Kandidat, sondern befindet sich im Aufwind.

Some call me an extremist because I stand for things.
It's not that I'm overly patriotic or anything.
I just do what God tells me to do. He speaks to me. Literally. In my head.
-- Ted Cruz

Spooky.
Das Zitat ist nicht ganz gesichert, obwohl es derzeit überall zu lesen ist, aber zumindest hat sich Cruz oft in diesem Sinne geäußert.

    "I want to know if any of them have received a word from God on what they should do and take care of first. Senator Cruz, start from you. Any word from God?" Kelly asked.
    "Well, I am blessed to receive a word from God every day in receiving the scriptures and reading the scriptures. And God speaks through the Bible," Cruz replied, to applause.


Das ist keine neue Entwicklung, der Senator redet seit Jahren so.

For those of you who might have been worried about the horrendous clusterfuck Ted Cruz has brought upon our once great nation, you can now rest easy knowing that it has all been “God’s will.” Yes, Ted Cruz had an exclusive chat with the well known yet often reclusive deity over the weekend and has been assured that “his will be done as I know it will be.”
It’s true. God, who has not been heard from directly for about 2,000 years, broke his legendary silence on political matters, to tell Ted Cruz how great it is that he’s fighting against poor people getting health care. We can only imagine how much he must have disapproved of his son, just running around curing poor folks of leprosy without even charging them a deductible.