Mittwoch, 18. Januar 2017

Nicht gewöhnbar.



Trump hat es natürlich leicht die Seriosität von Umfragen anzuzweifeln, nachdem ihm anderthalb Jahre bescheinigt wurde niemals Präsident werden zu können und er es in zwei Tagen sein wird.
Kommen nicht alle Umfragen von den „liberal media“ und geben das wider, was die Auftraggeber wollten?
Aber man muß eine Lanze für Gallup, Pew und Co brechen.
Diese Umfragen zeigten immer die Stimmung der Amerikaner vor der Wahl; es waren landesweite Polls, die bis zum Schluss exakt den Vorsprung bei den popular votes zeigten, den Hillary Clinton auch erhielt: Ein bis zwei Prozent mehr als Trump, in absoluten Stimmen drei Millionen.
Eine Verkettung besonderer Umstände in den einzelnen Staaten führte dazu, daß das amerikanische Wahlsystem trotz des deutlichen Clinton-Vorsprunges Trump zum Präsidenten machte.
In Washington D.C. selbst erhielt Hillary Clinton gute 90% der Stimmen; das wird sicher ein netter Empfang bei Trumps Inaugurationsfeier ohne prominente Musiker.

Angesichts der durchaus korrekten Stimmungsbilder in den Umfragen vor der Wahl, lohnt sich auch der Blick auf Trumps Zustimmungswerte während der Transition und zum Zeitpunkt der Inauguration.
Soviel vorweg; es sieht mies aus. So schlecht wurde noch kein president elect bewertet, seit landesweite Umfragen erhoben werden.

President-elect Donald Trump will be one of the most unpopular presidents to enter office, several new polls have found.
In an ABC News/Washington Post poll out Tuesday morning, 40 percent of Americans approve of how Trump has handled his transition. In 2009, 80 percent of Americans approved of President Obama’s transition.
Former Presidents George W. Bush, Bill Clinton and George H.W. Bush had similar ratings, with 72 percent, 81 percent and 82 percent approval, respectively, as presidents-elect.
The ABC/Washington Post poll found that 54 percent of Americans view Trump unfavorably. The unfavorable ratings of former Presidents Jimmy Carter, Ronald Reagan, George H.W. Bush, Clinton and Obama ranged from 9 to 20 percent when they entered office. The new poll echoes similar ones produced by CNN and Gallup. [….]

Die schlechte Meinung der Amerikaner erfasst die ganze First Family, obwohl gerade First Ladys traditionell adoriert werden und quer durch alle Lager viel Zuspruch erhalten.
Aber Ex-Nacktmodel Melania („that was boystalk“) kann trotz der Dutzenden plastic surgerys, den erstarrten Schlitzaugen und der bedingungslosen Unterordnung unter ihren Mann nicht punkten.

[….] Melania Trump's favorable rating of 37% is equal to the percentage of Americans who have an unfavorable view (37%) of her. However, about one in four Americans (26%) are unfamiliar with or have no opinion of her.
The soon-to-be first lady's favorable ratings are significantly lower than previous first ladies' ratings as their husbands prepared to take office. Michelle Obama (68%), Laura Bush (56%) and Hillary Clinton (59%) each had majority favorable ratings at this point before Inauguration Day. [….]

Trumps demonstratives Desinteresse, seine Großspurigkeit und das außerordentlich schlechte Benehmen lassen zwar die Minderheit seiner Anhänger immer noch jubeln, aber im Vergleich zur Begeisterung, die Barack Obama ins Amt trug, wird Trumps Machtübernahme-Management historisch negativ angesehen.

[….] Trump's 48% transition approval rating in December was already the lowest for any presidential transition Gallup has measured, starting with Bill Clinton's in 1992-1993. Trump's current rating only further separates him from his predecessors -- particularly Barack Obama, who earned 83% approval for his handling of the transition process in January 2009, up from 75% in mid-December 2008.
Republicans' rating of Trump's transition has remained positive, with 87% approving in the Jan. 4-8 poll, similar to the 86% recorded last month. Very few Democrats approve, which has also been fairly steady, at 13% this month versus 17% in December. Meanwhile, his transition approval among independents has fallen from 46% to 33%.
Low Transition Approval Not a Function of Popular Vote
The last president before Trump to win the election despite losing the national popular vote was George W. Bush in 2000. However, while Bush's transition scores were lower than those of both his predecessor (Clinton) and his successor (Obama), his 61% approval rating in mid-January 2001 was nowhere near as low as Trump's is today. [….]


Jemand, der so bewunderungssüchtig und egomanisch wie Trump ist, wird sich über diese Daten nicht freuen. Andererseits sind alle Trumps so felsenfest von ihrer genetischen Überlegenheit überzeugt, daß sie ob mieser ratings nicht ernsthaft anfangen werden nachzudenken.

Das Präsidentenamt selbst und die ikonenhaften Symbole der US-Macht; Oval Office, Weißes Haus, Air Force One; strahlen aber immer noch so stark, daß eine absolute Mehrheit der Amerikaner dem Präsidenten, den sie persönlich gar nicht mögen, doch in Einzelaspekten viel zutrauen.

[….] Six in 10 Americans polled expect him to do an excellent or good job on the economy and on jobs alike, and 56 percent expect him to do well in handling terrorism.
On the economy, Trump may get tailwinds. Fifty-one percent say it’s in excellent or good shape, the most since October 2006 in ABC/Post polls. Even still, 63 percent say the country’s seriously off on the wrong track — a view on which Democrats and Republicans have essentially swapped positions since the election, with the biggest change for the party that won the White House.
Positive expectations for Trump drop to about 50 percent on three other issues: helping the middle class, handling the deficit and making Supreme Court appointments. Expectations go negative on four more: handling health care, international crises, race relations and issues of particular concern to women. Expectations of Trump are more negative than positive by 24 points on women’s issues, 37 versus 61 percent, and by 17 points on race relations, 40 versus 57 percent. […..]

Mich treibt insbesondere immer noch die Sorge um, daß sich Presse und Wähler an Trump gewöhnen. Der lügt zwar wie gedruckt, aber so what?
Das ging in seinem ersten großen internationalen Interview schon übel los: Brexit war super und nur die Schuld Merkels, weil sie England dazu gezwungen habe all diese kriminellen Flüchtlinge aufzunehmen.
Das ist völliger Unsinn. England wurde eben nicht gezwungen auch nur einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Und Merkel kann so einen Zwang schon gar nicht ausüben. Stattdessen nahm England innerhalb von zwei Jahren 7.000 Flüchtlinge freiwillig auf – das sind aber angesichts von einer Millionen Menschen, die nach Deutschland kamen beim besten Willen nicht „viele“.

BILD oder TIMES hätten Trump widersprechen sollen und ihm diesen und all den anderen Schwachsinn nicht durchgehen lassen dürfen.

Man soll sich nicht an Trump und seine faschistischen Top-Leute wie Bannon gewöhnen, sondern immer wieder und immer wieder betonen, daß diese Menschen lügen und daß sie hetzen.

[….] Former New York City Mayor Rudy Giuliani thinks black Americans need to worry less about police violence and more about teaching their children to respect police and fear other black people.
In light of the killings of five police officers in Dallas last week, Giuliani went off on the Black Lives Matter movement, in an interview on CBS’ “Face the Nation” on Sunday. He called the slogan “inherently racist” and “anti-American,” while neglecting statistics that show black people are disproportionately targeted by police. “There’s too much violence in the black community,” he said. “[I]f you want to deal with this on the black side, you’ve got to teach your children to be respectful to the police and you’ve got to teach your children that the real danger to them is not the police; the real danger to them, 99 out of 100 times, 9,900 out of 1,000 times, are other black kids who are gonna kill them. That’s the way they’re gonna die.” [….]


„Rudy“ Giuliani ist ein Rassist, der lügt, wenn er den Mund aufmacht und der soeben von Kumpel Trump zum Cyber-Sicherheitschef der USA ernannt wurde.

Man darf sich nicht daran gewöhnen, daß solche Typen die mächtigste Nation der Erde regieren.


Es ist hohe Zeit den Kampf aufzunehmen und in die medialen Kräfte zu investieren.

US-Zeitungen rüsten gegen Trump auf
[….]  Nach monatelanger Recherche und mithilfe seiner 250 000 Twitter-Follower deckte [David Fahrenthold]  auf, dass Trump die "Donald J. Trump Foundation" nicht dazu nutzte, um an Hilfsorganisationen zu spenden: "Er wollte sich mit der Stiftung als Wohltäter inszenieren, ohne eigenes Geld auszugeben."
Und es war Fahrenthold, der im Oktober jenes Video publizierte, in dem Trump 2005 vulgär über Frauen sprach und sexuelle Übergriffe verharmloste. [….] Er gehört nun zu einem Team, das Trumps Firmengeflecht auf potenzielle Interessenkonflikte abklopft: "Da kommt viel Arbeit auf uns zu."
Fahrenthold wird dabei mit neuen Kollegen zusammenarbeiten, denn die Washington Post möchte 2017 "Dutzende Journalisten" einstellen, wie Herausgeber Fred Ryan ankündigt. [….]  Als Reaktion auf Trumps Wahlsieg meldete etwa Pro Publica, eine stiftungsfinanzierte Organisation für investigative Recherche, Spenden von mindestens 750 000 Dollar; Los Angeles Times und Wall Street Journal verzeichneten Rekordzuwächse bei den Abo-Zahlen. Die New York Times, laut Trump angeblich "schwächelnd", freute sich Ende November über 132 000 neue Abonnenten und kündigt per Memo an, fünf zusätzliche Millionen für "Bericht über die Trump-Regierung" zu investieren. [….]

Dienstag, 17. Januar 2017

So ist Deutschland.



Die folgende Geschichte ist langweilig, unspektakulär und alltäglich. Das kennt jeder.
Leider muß ich mir das aus selbsttherapeutischen Gründen doch einmal von der Seele schreiben.

Es trug sich an einem kalten, feuchten Oktobertag zu, Tammox benötigte für eine neue Wohnung im ehemaligen Arbeiterstadtteil Barmbek, der zwar immer noch leicht schmuddelig, aber doch zentral gelegen und somit gentrifiziert-aufstrebend erwacht, für eine neue Wohnung etwas so Exotisches wie einen Internetanschluss.

Internet kennt Ihr nicht?
Macht nichts, erklär‘ ich Euch:

Das ist dieses Zeug, das junge Leute benutzen, um wie durch Zauberhand miteinander Schmuddelbilder und Katzenvideos auszutauschen. In Deutschland ist das freilich noch Neuland, aber als viertgrößte Industrienation der Erde soll man sich auch nicht immer allen modernen Erfindungen verweigern. Daher wollte ich Dinosaurier auch mal sowas haben.
Es geht um eine Wohnung in einem 1970 erbauten fünfstöckigen Mietshaus in einer lückenlos bebauten Straße.
Menschen dicht an dicht. Gut möglich also, daß ich gar nicht der erste bin, der dieses www-Zeug auch mal ausprobieren will.
Aber ich gebe zu, dieses Anliegen ist technisch anspruchsvoll.
An wen wendet man sich, wenn man einen ganz neuen Vertrag abschließen will?
Sich im Bekanntenkreis nach Erfahrungen umhören ist wegen des Paketdienste-Prinzips leider zum Scheitern verurteilt: Jeder hat schlechte Erfahrungen gemacht und jeder verflucht den Dienst, über den er sich zuletzt grün und blau ärgerte.

So ging ich dann letztlich auch vor. Nach dem Ausschlussprinzip.
Telekom und O2 kamen nicht in Frage, weil mich beide mit ihrem ungenügenden Service und der schlechten Qualität zur Weißglut gebracht hatten.
Mir gefiel die Idee einen kleinen, regionalen Anbieter zu nehmen, der auch Steuern zahlt und die Gewinne nicht an der Börse verzockt.
So fiel meine Wahl zunächst auf „Wilhelm Tel“, welches der kleinen Schleswig Holsteinischen Stadt Norderstedt gehört und mit einem Jahresumsätzchen von 50 Millionen Euro von den Titanen der Branche gar nicht wahrgenommen wird.
Willy Tel prüfte meinen Antrag eine Woche und teilte mir dann mit, in der Straße leider nicht aktiv zu sein; ich solle mir einen anderen Anbieter suchen.
DAS GEHT NICHT – da war er schon, dieser deutsche Satz.
Andere Kleine schieden auch aus. Also zurück zu den Großen. Widerwillig rief ich 1&1 an und fragte nach einem reinen Internetanschluss.
Auch hier die Antwort DAS GEHT NICHT!
So einen Tarif bietet 1&1 nicht, man muß immer mindestens ein Paket mit einem Festnetzanschluss und diversen Flatrates nehmen.
Also wendete ich mich nach Telekom, O2, Willytel und 1&1 an Vodafone – einfach, weil ich mit denen noch nie etwas zu tun hatte.
Auch dort gibt es kein reines Internet.
DAS GEHT NICHT bei Vodafone.
Am 29.10.2016 bestellte ich dann bei Vodafone das Paket RedInternet&Phone16DSL – von dem man mir versprach, es könne in 5 bis 6 Werktagen geschaltet werden. Prima. Geht ja flott.
Es verstrich aber erst der gesamte November, bevor ich einen Brief mit der Aufforderung bekam mich bis spätestens 05.01.2017 telefonisch bei der Vodafone-Hotline zu melden, anderenfalls zöge Vodafone das Angebot zurück.
Ach so verstehen die also ihre Kundenbeziehung.
Das ist scheinbar wie damals mit den Trabbis in der DDR. Man muß auf Knien rutschend voller Dankbarkeit buckeln, wenn man überhaupt so gnädig behandelt wird von ihnen etwas kaufen zu dürfen.
Nach nur etwa 30 Minuten in einer Warteschleife, wollte ein entfernt klingender Mann mit starkem sächsischen Akzent, den ich auch ob der lauten Hintergrundmusik kaum verstand, von mir die Telefonnummer des Vormieters wissen.
?
Von dem habe ich nur eine Handynummer? Muss der etwa zustimmen?
Nein, aber Vodafone mit seiner enormen IT-Power und dem Wissen eines Telekommunikationsriesen hatte in nur fünf Wochen festgestellt, daß in der betreffenden Wohnung früher einmal ein Telekomanschluss lag.
Die Telefonnummer bräuchte man, um die entsprechende Leitung im Haus identifizieren zu können.
Das kostete mich einige Mühe, den vorherigen Bewohner der Wohnung zu erreichen und dann erfuhr ich doch nur, er habe gar keinen Festnetzanschluss gehabt, da die Wohnung nur als Zweitwohnsitz genutzt worden war.
Aha. Wieder in die Warteschleife, wieder gräßliche Musik und debile Menuführung, um von dem nächsten Berater zu hören. DAS GEHT NICHT.
So könne er den Anschluß nicht schalten, wenn er gar nicht wisse in welche Wohnung er gelange.
Aha. Man nenne mich pingelig, aber ich hätte es schon gern, wenn mein Festnetzanschluß und mein Internetanschluß auch in meiner Wohnung wäre und nicht zwei Stock höher.
Der gute Mann versprach dann einen Technikertermin zu organisieren, aber keine Sorge, es dauere ja ohnehin bis die Hardware – der Router – angekommen wäre.
Der würde per Post in die neue Wohnung geschickt.
Mir gefiel das nicht, weil die Wohnung noch leer steht und/oder renoviert wird. Außerdem kenne ich da noch niemand, der ein Paket annehmen könne. Ob sie das Paket an eine DHL-Packstation schicken könnten? Die Antwort war, wenig überraschend: DAS GEHT NICHT!
Ich legte allen Honig auf meine Zunge und schaffte es schließlich die Hardware an meine alte Adresse schicken zu lassen, da ich sie als Rechnungsadresse ausgab. Da würde ich zwar auch tagsüber kaum anzutreffen sein, aber anders als bei der Lieferadresse, würde das Paket dann beim zweiten Zustellversuch zur Packstation geschickt werden.
Es verging auch der Dezember, bis ich draußen vor der Haustür einen zerschlissenen GLS-Zettel fand; ich möge mich beim „Friseur Oberschlesische Str.“ einfinden.
? Wat dat denn? Hatte ich noch nie gehört. Ist ca acht Kilometer von mir entfernt. Dauert im Berufsverkehr recht lange. Dort angekommen, konnte ich mich schlecht verständlich machen, da in diesem Friseurladen zwar keine Kunden, aber doch ein türkisches Radio auf 120 Dezibel rumlief.
Ich staunte nicht schlecht – auch wenn man von außen nichts erkennt, im Keller des Friseurladens befindet sich ein GLS-Lager, aus dem mir ein freunldicher junger Mann mit Uppercut und sehr viel Metall im Gesicht ein Vodafone-Paket heraussuchte.
Ein Wunder. Mein Router. Nur acht Wochen nachdem man mir versprochen hatte der Anschluss sei in sechs Tagen gelegt.
Nun hieß es wieder warten bis Vodafone einen Technikertermin ansetzt.
Schließlich nahte der große Tag.
Am 16.01.2016 kam eine Vodafone-Email:

Ihr Anschluss wird am 17.01.2017 zwischen 12 und 17 Uhr geschaltet. Seien Sie dann bitte zuhause.
Und bereiten Sie sich mit der Videoanleitung auf vodafone.de/dsl-anschaltung schon mal für Ihren Anschalttermin vor.
Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team
Unser GigaVersprechen
Schnell. Vernetzt. Für Sie da.

Toll, mit Video.


Neben einigen Informationen, auf die ich mit sehr viel Grübeln womöglich selbst gekommen wäre, zB am Tag des Termins da zu sein, erfuhr ich auch Überraschendes.

Den Router sollte ich also selbst anschließen (klar, wenn schon ein Techniker extra ins Haus kommt, ist es logischerweise so, daß man die technischen Dinge vorher selbst erledigt haben soll) und außerdem wurde dieser ominöse Brief mit all den Zugangsdaten erwähnt, den ich natürlich nicht bekommen hatte.

Also wieder Hotline, Musik und schließlich die Aufforderung meine Telefonnummer einzutippen, damit man wisse um was es ginge.


Deswegen rufe ich ja an, weil ich den Brief mit den Nummern und Zugangsdaten nie bekommen habe.

Nach einer Flasche Baldrian und einigen Schreianfällen gelang es mir tatsächlich diesen Brief noch einmal per Email geschickt zu bekommen und auszudrucken. In die Mappe für morgen.

Heute der große Tag.
Ich fuhr zeitig los, um schon eine Stunde vorher vor Ort zu sein. Bei Technikern weiß man ja nie. Und ob des im Video offenbarten Vodafonschen Klingelschild-Fetischismus hatte ich mir zusätzlich ein Schild gedruckt und es an die Haustür geklebt. Sicher ist sicher.

Lieber Vodafone-Mann – sollte die Klingel nicht funktionieren,
wählen Sie bitte 01xxxx, damit ich Sie reinlassen kann.

Es wurde 12.00 Uhr, 13.00 Uhr, 14.00 Uhr, 16.00 Uhr, 17.00 Uhr und mir dämmerte langsam erneut verarscht worden zu sein.
Um 18.00 Uhr, nach sechs Stunden des sinnlosen Wartens in einer leeren und eiskalten Wohnung, zog ich zeternd und Vodafone verfluchend ab.

Später am heimischen Schreibtisch entdeckte ich eine weitere Email von Vodafone – abgeschickt um 16.50 Uhr:

Lieber Kunde,
Ihren Vodafone-Anschluss konnten wir heute leider nicht für Sie anschalten.
Wählen Sie bitte einen neuen Termin auf dsl.vodafone.de/termin. Oder rufen Sie uns dazu kostenlos an unter 08001721212.
Vielen Dank.
Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team
Unser GigaVersprechen
Schnell. Vernetzt. Für Sie da.

Noch mal Hotline würde ich nicht überleben – also klickte ich auf den Terminlink, um zu erfahren, daß dieses der persönliche Bereich wäre, der nur mit Login-Daten zugänglich sei.
Also die Daten, die ich gestern in einer Zweitschrift bekommen hatte, frohlockte ich schon, um dann beim genaueren Lesen festzustellen, daß bei den entsprechenden Codes nur „xxxxxxx“ stand.

Also wieder Hotline.
30 Minuten Warteschleife, etc pp.
Ja, die Einlogdaten würden immer nur einmal rausgeben. In der Zweitschrift wären die Angaben immer geschwärzt.
Ach so, das trifft sich ja gut. Wenn ein Kunde keine Einlogdaten bekommen hat, schickt man ihm auch keine mehr.
Aber das kann mir ja egal sein, da der Techniker ohnehin nicht kam.

Ein neuer Termin käme frühestens am 26.01.2017 in Frage. Es wäre ja schließlich ein Zweittermin und da brauche man mindestens sechs Werktage Vorlaufzeit sagte die leicht entnervte Frauenstimme vorwurfsvoll.

Können Sie da nicht eine Ausnahme machen? Es ist schließlich nicht meine Schuld, daß der Termin platzte. Ich habe dort volle sechs Stunden ausgeharrt, hatte dadurch einen Verdienstausfall und benötigte den Internetanschluß allerspätestens ab dem 21.01.2017 – nachdem mir am 29.10. versprochen worden war, das ginge innerhalb von sechs Tagen.
Antwort:
Nein, DAS GEHT NICHT.


Ich gebe auf. Dieses Internet ist wohl doch zu exotisch und zu neumodisch.
Das kriegen sie hier offensichtlich nicht hin.


Montag, 16. Januar 2017

Amerika- Batshit Crazy.



Hurra, bei mir geht es wirtschaftlich aufwärts.
Ich steige ein in die große Welt des Unternehmertums und werde zukünftig EUR 320,- PRO MONAT zusätzliche Einnahmen generieren. Bin also bald mit Trump auf Augenhöhe.
Damit alles seine Ordnung hat, ging ich heute Morgen in meine Bankfiliale, um ein Unterkonto zu meinem Girokonto zu eröffnen.
Der eigentlich für mich zuständige Sacharbeiter mußte mich verlassen, da die Bank herausgefunden hatte, daß ich einen Gewerbeschein besitze und somit automatisch kein Privatkunde mehr bin, sondern nun zu den „Geschäftskunden“ gehöre. Klar, mit 320,- Tacken im Monat ist man eben wer.
Geschäftskundenberater Eralp Özdemir starrte zunächst eine halbe Stunde auf meine US-ID-card. Sowas habe er ja noch nie gesehen.
„Entschuldigen Sie, das muß ich erst mal prüfen“ – sprachs und verschwand zur Befragung der Vorgesetzten.
Ob das sowas wie ein Personalausweis für Amerikaner sei? Und wieso wolle ich denn in Deutschland ein Konto ausgerechnet bei ihm eröffnen?
Hmmm, könnte es daran liegen, daß ich zufällig nebenan wohne und schon seit meinem 16. Lebensjahr ein Girokonto bei dieser Bank unterhalte?
So ging einige Zeit ins Land. Eine Antwort von mir, verwirrtes Staunen meines Gegenübers und dann immer „Entschuldigen Sie, das muß ich erst mal prüfen“; Rücksprache mit den Filialleiter, warten, und von vorn.

Noch einmal zur Verdeutlichung – ich wollte Geld einzahlen und nicht etwa Geld von der Bank haben.

Schließlich strahlte mein Geschäftskundenberater; er begrüße mich als neuen Kunden (nach einigen Jahrzehnten, die ich dort schon Kunde bin) und überreichte mir in mehrfacher Ausführung das vierseitige

Form W-9. (Rev. December 2014). Department of the Treasury. Internal Revenue Service. Request for Taxpayer. Identification Number and Certification.

?

Auf meine Entgegnung, daß ich so etwas noch nie vorher gesehen hätte und außerdem weder eine „Employer Identification Number“ noch eine „Social Security Number“ besäße, bildeten sich langsam Schweißperlen auf seiner Stirn.

Was soll das?

Taxpayer Identification Number (TIN) Enter your TIN in the appropriate box. The TIN provided must match the name given on line 1 to avoid backup withholding. For individuals, this is generally your social security number (SSN). However, for a resident alien, sole proprietor, or disregarded entity, see the Part I instructions on page 3. For other entities, it is your employer identification number (EIN). If you do not have a number, see How to get a TIN on page 3.  Note.
If the account is in more than one name, see the instructions for line 1 and the chart on page 4 for guidelines on whose number to enter.
Part II  Certification   Under penalties of perjury, I certify that:
1.  The number shown on this form is my correct taxpayer identification number (or I am waiting for a number to be issued to me); and
2.  I am not subject to backup withholding because: (a) I am exempt from backup withholding, or (b) I have not been notified by the Internal Revenue Service (IRS) that I am subject to backup withholding as a result of a failure to report all interest or dividends, or (c) the IRS has notified me that I am no longer subject to backup withholding; and 3.  I am a U.S. citizen or other U.S. person (defined below); and 4. The FATCA code(s) entered on this form (if any) indicating that I am exempt from FATCA reporting is correct.
Certification instructions.
You must cross out item 2 above if you have been notified by the IRS that you are currently subject to backup withholding because you have failed to report all interest and dividends on your tax return. For real estate transactions, item 2 does not apply.
For mortgage interest paid, acquisition or abandonment of secured property, cancellation of debt, contributions to an individual retirement arrangement (IRA), and generally, payments other than interest and dividends, you are not required to sign the certification, but you must provide your correct TIN. See the instructions on page 3

Ja, willkommen im Jahr 2017. Die USA greifen nun durch und sorgen dafür, daß auch im Ausland nationales US-Recht gilt.

Man stelle sich vor, andere Nationen würden einfach ihre nationale Gesetzgebung auf den Rest der Welt ausdehnen.
Dann könnte beispielsweise der Finanzstaatssekretär Jens Spahn in Berlin gesteinigt werden, weil Homosexualität in Riad so bestraft wird.
Man stelle sich vor andere Staaten würden den Geltungsbereich ihrer Gesetze auf die USA ausdehnen. Was wohl der US-Kongress davon hielte.

Umgekehrt geht es aber, weil die USA eben die USA sind – reich, mächtig, Atombomben, NSA – da stecken sich Gabriel und Merkel sofort gegenseitig die Köpfe in den Hintern, um wirksam wegzusehen. Was Amerika darf, dürfen andere noch lange nicht. Und das betrifft eben nicht nur das Ausspähen von Millionen Deutschen.


Um noch einmal auf meine Wenigkeit zurück zu kommen:
Das ist immerhin ein völkerrechtlich bindender Vertrag zwischen zwei Staaten, der besagt, daß eine im Ausland lebende juristische Person nur einmal besteuert werden kann.
Da ich in Deutschland meine Steuererklärungen abgebe, bin ich aber ohnehin auf der sicheren Seite, weil die Steuern hier bekanntlich höher sind als in den USA.
Dachte ich.
Seit einiger Zeit will Washington aber grundsätzlich alle Amerikaner (die nicht so smart sind wie Donald Trump und daher gar keine Steuern zahlen müssen) abkassieren – auch wenn sie in Deutschland leben und dort schon besteuert werden.

Seit einigen Jahren werden immer mehr in Europa lebende Amerikaner zu Expats- geben also aus Furcht vor den US-Steuerbehörden ihren US-Pass ab.

[…..] Die rasant steigende Zahl von Amerikanern, die ihren Pass zurückgeben, wird von Experten vor allem mit dem neuen Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) von 2010 erklärt. Spätestens 2014 müssen im Ausland lebende US-Bürger nach diesem neuen Gesetzes ihre Steuern erklären. Tun sie es nicht, drohen drakonische Strafen: Wenn bei der Meldung über die Auslandskonten - das sogenannte FBAR - wichtige Details unterschlagen werden, droht eine Buße von 27,5 Prozent vom höchsten Betrag, der in den vergangenen acht Jahren auf einem Konto angesammelt wurde.
Ein Entkommen aus der Steuer-Schlinge wird immer schwieriger. Denn der FATCA zwingt Banken im Ausland, auf Basis bilateraler Abkommen mit den USA die Konto-Details amerikanischer Expats herauszugeben - oder 30 Prozent von deren US-Einkünften einzubehalten. [….]

Die Flucht aus der Staatsbürgerschaft betrachten die nationalistischen US-Kongressabgeordneten als extremen Affront.

Daher gehen sie aggressiv auch gegen Menschen vor, die gar keine US-Bürger (mehr) sind, sondern beispielsweise als Deutsche in Deutschland leben.

Hätte die Bundeskanzlerin auch nur Rudimente eines Rückgrats, würde sie sich vehement gegen diese Praxis verwehren und sich vor ihre deutschen Landsleute stellen.
Aber wie wir beim Thema Snowden, NSA, Selektorenliste gesehen haben, kriecht Merkel vor Washington und wagt keine Widerworte.

2014 erschwerten die USA die Regeln für das Aufgeben der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft. Die Gebühr für einen solchen Antrag in der US-Botschaft wurde 2016 von 450 auf 2.400 US-Dollar erhöht!

Es gab Zeiten, in denen ein Pass für das Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ verheißungsvoll war, in denen Ausländer von einer Greencard und einer visafreien Einreise träumten. Damals waren es jedes Jahr höchstens ein paar Hundert Querulanten, die aus politischen Gründen keine US-Bürger mehr sein wollten.
Seit einigen Monaten ist das anders: Das neue Steuergesetz FATCA, kurz für „Foreign Account Tax Compliance Act“, hat in den vergangenen Monaten Tausende im Ausland lebende Amerikaner dazu motiviert, ihren Pass abzugeben. Und die Zahl wächst weiter.
Wer sich in Deutschland von Amerika lossagen möchte, muss sich zunächst die Belehrungen auf der Botschafts-Seite durchlesen. Dort wird mit zukünftigen Schwierigkeiten bei der Einreise gedroht, zwingend notwendigen Visa – oder gar einer Verweigerung der Einreise.
Persönliches Erscheinen in der Botschaft in Berlin ist ein Muss, eine Unterschrift ist zu leisten. [….]
Schon immer mussten US-Bürger, unabhängig von ihrem Wohnort, Steuern bezahlen. Viele scheinen das bisher nicht so genau genommen zu haben. Doch dank FATCA werden seit Anfang Juli sämtliche Einkünfte automatisch an die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service, kurz IRS, übermittelt.
Das betrifft je nach Schätzung sechs bis sieben Millionen Menschen: Sie müssen zukünftig bei der IRS eine Steuernummer beantragen und anschließend eine Steuererklärung abgeben. Die entsprechenden Daten übermitteln deutsche und europäische Banken, die per Gesetz dazu verdonnert worden sind.
Weltweit fungieren seit der Einführung von FATCA 77.000 Banken und andere Finanzdienstleister nebenberuflich als freie Mitarbeiter der amerikanischen Steuerbehörde. In Deutschland sind es bisher 2555 Institute. Damit gibt es für US-Bürger faktisch kein Bankgeheimnis mehr. [….]
(DIE WELT 05.09.2014)

Wir sprechen hier wohlgemerkt über Dinge, die noch unter Obama geschahen.

Mit US-Präsident Trump und beiden Kongresskammern unter Teebeutel-Kontrolle wird es für uns Auslandsamerikaner sicher noch deutlich ungemütlicher.

Widerspruch und mangelnde Ehrerbietung duldet Trump nicht.


Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Expats und Austrittswilligen auch eins übergezogen bekommen.

So ist das eben bei den stündlichen Twitter-Rants des mächtigsten Mannes der Erde: Sie faszinieren auf mehreren Ebenen.

Man staunt über die schiere Bösartigkeit.
Man staunt über Trumps fortgesetzte Unfähigkeit seine Rolle als Präsident zu begreifen, daß ihm scheinbar gar nicht bewußt ist, wieviel Schaden er anrichtet.
Man staunt wie viele eklatante Bildungslücken, Fehlinformationen und Lügen Trump in 140 Zeichen offenbaren kann.
Sachlich völlig auf dem Holzweg war er gestern bei seiner Zeterei wider die deutschen Autokonzerne und ebenso falsch lag er tags zuvor bei den Beleidigungen der Bürgerkriegsikone John Lewis.

Als der notorisch unbeliebte GWB im Januar 2001 sein Amt antrat lag seine Zustimmungsrate bei 61%, obwohl es diese erbitterte Auseinandersetzung über das Wahlergebnis vor dem Supreme Court gab. So sind die Amerikaner; sie scharen sich immer um einen neuen Präsidenten, weil das Amt selbst verehrt wird.
Trump kommt gegenwärtig auf 37% Zustimmung.
Eine Katastrophe für den bewunderungssüchtigen potus #45.

Aber immerhin; weit über ein Drittel der Amerikaner müssen sich angesichts der national-rassistischen Gülle Trumps nicht hysterisch heulend übergeben, sondern applaudieren dem neuen Kamikaze-Kurs ihres blondierten Führers.


Gruselig.
Wenn ich meinen US-Pass doch loswerden sollte, könnte ich gut als Staatenloser weiterleben, Merkel akzeptiert mich ja nicht als Deutschen.

Ich fühle zu keiner Nation eine Verbindung.