Dienstag, 10. November 2015

Helmut Schmidt ist tot.



Wenn ein weltweit derartig bedeutender Mann wie Helmut Schmidt im Alter von fast 97 Jahren stirbt, ist keine Zeitungsreaktion unvorbereitet.
Die Nachrufe liegen in den Schubladen und erwartungsgemäß ergießt sich nun eine Flut von Laudationes über Deutschland.
Und womit? Mit Recht.
Da dies überall geschieht, erspare ich mir Schmidts Leitungen zu wiederholen und ihn persönlich zu lobpreisen.

In Deutschland betrachte ich drei Menschen als Vorbilder; Egon Bahr, Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt. Ich verwende Präsens, weil alle Publizisten waren und ihre Texte weiter existieren.
Helmut Schmidt lese ich seit 30 Jahren; ich habe eben gezählt; in meiner Bücherwand stehen inzwischen 34 Bücher von ihm.
Da Schmidt in den letzten beiden Dekaden zur Ikone wurde, die auch im 100. Interview damit bestach doch immer wieder etwas Neues und unfassbar Richtiges zu sagen, ist so viel über ihn bekannt, daß es die Moderatoren und Redakteure heute an seinem Todestag schwer haben nicht abgedroschene Formulierungen zu finden.

Nach erster Sicht der Texte möchte ich einige wenige Punkte ergänzen.
Schmidt war auch gegenüber Deutschlands engsten Freunden stets ehrlich und sachlich. Pragmatischer als man es in Israel oder Amerika hören mochte.
Noch heute wird ihm das übel genommen, wie man aus dem Nachruf der NEW YORK TIMES entnehmen kann:

Moreover, his intemperate criticism of Washington promoted neutralist, anti-American tendencies in his Social Democratic Party, which only helped undermine his chancellorship. [….] “I have always regarded myself as a reliable friend of the United States, but never have I misunderstood an alliance to be a system of control and command,” he said in a 1984 interview with The New York Times. “It’s rather a system of advice and consent, if I may borrow a phrase from your Constitution.”

Jimmy Carter ist noch heute stinksauer auf Helmut Schmidt, weil er sich von ihm nicht angemessen bewundert fühlte.
Während Schmidt also in Deutschland als absoluter Atlantiker wahrgenommen wird, beschwert man sich in Amerika noch heute über seine mangelnde politische Folgsamkeit.
Ein Problem, das Washington mit Kohl und Merkel nie hatte, das aber bekanntlich unter Schröder 2002/2003 wieder virulent wurde.

Schmidt war der Gegenentwurf zu den sehr national denkenden Außenpolitikern der USA; er war tatsächlich ein Weltbürger.

Jahrzehnte saß Schmidt dem von ihm und dem ehemaligen japanischen Premierminister Takeo Fukuda erdachten Interaction Council vor, dem nur ehemalige Staats- und Regierungschefs angehören und mit ihrer Erfahrung zur Lösung der Weltprobleme beitragen sollen.

The InterAction Council was established in 1983 as an independent international organization to mobilize the experience, energy and international contacts of a group of statesmen who have held the highest office in their own countries. Council members jointly develop recommendations and practical solutions for the political, economic and social problems confronting humanity.

The Council is unique in bringing together on a regular basis, and in an informal setting, more than thirty former heads of state or government. Serving in their individual capacities, the Council aims at fostering international co-operation and action in three priority areas:

    Peace and security
    World economic revitalization
    Universal ethical standards

The Council selects specific issues and develops proposals for action from these areas and communicates these proposals directly to government leaders, other national decision-makers, heads of international organizations and influential individuals around the world.

Eine bedeutende Tat des IAC ist die 1997 vorgeschlagene „Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten“ als Ergänzung zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor.
Es ist natürlich undenkbar, daß anti-intellektuelle Menschen wie Kohl oder Merkel in dieser Runde eine Rolle spielen könnten, oder gar zum Vorsitzenden aufsteigen könnten. Mal ganz abgesehen von sonstigen Regierungsblitzbirnen wie Berlusconi, Sarkozy oder gar George W. Bush.

Der deutsche Michel weiß über Helmut Schmidt, daß er frei von Pathos und völlig unprätentiös lebte. Während Typen wie Kohl oder Westerwelle auf ihre Privilegien und Titel pochen, ist Schmidt derartige Selbsterhöhung völlig fremd. Er lebte immer nur in seinem kleinen Langhorner Reihenhaus und ließ sich mit „Herr Schmidt“ anreden.
Während der RAF-Zeit setzten Loki und Helmut Schmidt Briefe auf, die für den Fall ihrer Entführung die klare Anweisung gaben nicht mit Entführern zu verhandeln. Sie waren bereit zu sterben.
Wir wissen alle, er war ein Macher, ein Erklärer, ein historisch versierter Mensch, der als „Weltökonom“ einer der wenigen Menschen war, der die globalen Finanz- und Wirtschaftsströme verstand.

Nicht ganz so ins Bewußtsein gedrungen ist, daß Schmidt auch ein richtiger Intellektueller war; ich würde sogar so weit gehen ihn als „Universalgelehrten“ zu bezeichnen; wohlwissend, daß der Begriff nach Leibniz eigentlich abgeschafft wurde. Er gründete nach seinem Ausscheiden aus dem Amt die geniale Freitagsgesellschaft und war bis zum Schluß auf alles neugierig; stellte den Menschen, die er traf kontinuierlich Fragen, sog Wissen jeder Art wie ein Schwamm auf.
Er war ein hochgebildeter Philosoph, in geradezu unheimlicher Weise belesen und dazu Kenner von Musik und Kunst, selbst ein guter Pianist.
Kaum einem bleibt es vergönnt über 96 Jahre bei klarem Verstand zu sein. Wenn man dazu noch hochintelligent ist und nichts vergisst, bildet sich ein Wissensschatz, den wir heute für immer verloren haben.
Das ist die Tragik.

Heute ärgere ich mich aber auch.

Ich ärgere mich über all die vielen „R.I.P.“-Postings in den sozialen Netzwerken, all das Ruhe in Frieden“ und „nun ist er mit seiner Loki wiedervereint“-Geplapper.
Helmut Schmidt war nicht religiös, glaubte ausdrücklich nicht an ein Leben nach dem Tod oder sonstige transzendentalen Schnickschnack.
Dazu war er viel zu intelligent und vertrat diese Auffassung vehement. Zuletzt vor genau einem Jahr, als sein atheistischer Freund Siegfried Lenz starb und Pfaffen bei dem Trauerakt auftrumpfen wollten.

Die Frechheit [Hauptpastor] Röders sogar trotz des Widerwillens der Witwe Psalmen zu verwenden, nach denen Gott für das Lenzsche Talent verantwortlich war, muß man erst einmal haben.
Wer Lenz‘ Bücher auch nur ein bißchen kennt, dem biegen sich bei der Predigt die Fußnägel hoch.
Scheinbar ist es so bei dieser Art Großbeerdigungen, daß es aber auch immer einen gibt, der die richtigen Worte findet.
Vorgestern war es wieder Helmut Schmidt, der seinen toten Freund tapfer gegen den Pfaff verteidigte.

Es war aber ebenfalls Helmut Schmidt, der sich einer wohlüberlegten Spitze gegen das christliche Zeremoniell in Hamburgs schöner Hauptkirche nicht enthalten konnte. Michel-Pastor Alexander Röder hatte einleitend von "wir Christen" gesprochen und eine nicht ganz passende Bibelstelle zum Zentrum seiner Rede gemacht: ein Gleichnis über fünf Zentner Silber, deren selbstlose Vermehrung durch uns "Knechte" mit der freudigen Einkehr beim Herrn belohnt werde.
Dieser Eingemeindung von Lenz ins Christliche musste Schmidt im Geiste der Aufrichtigkeit, die er als Kern ihrer Freundschaft beschrieb, widersprechen: Er und "Siggi", wie er Lenz konsequent nannte, seien sich immer darüber im Klaren gewesen, dass sie "keinen metaphysischen Trost erhoffen dürfen, der uns über die Vergänglichkeit hinweghelfen könne".
Keine andere Rede reichte an diese Mischung aus tiefer Betroffenheit und Reserve gegen falsche Trostworte heran. […]

Sehr erfreulich, wenn ein Mann in einer Kirche das Wort ergreift und den Pastor verbal auskontert.

Ich ärgere mich ebenfalls über die unzähligen diminuierenden Charakterisierungen Schmidts als „Raucher.“ Das Überhöhen dieser nun wirklich unwichtigen Eigenschaft Schmidts. Es gäbe 1000 wichtigere Aspekte zu nennen.
Das ist eine Primitivierung im Sinne der Assoziationswitze aus der untersten Schublade, die Pointen nach dem Muster, Calmund-dick, Inge Meysel-alt, Papst-katholisch, funktionieren.

Ich ärgere mich am meisten über selbstherrliche Jugendliche, Studenten und Jung-Redakteure, die sich auf Erika-Steinbach-Niveau begeben und sich aufgrund eines einzigen aus dem Zusammenhang gerissenen Satzes vor 35 Jahren anmaßen Schmidt verurteilen zu können.
Das sind Menschen, die offensichtlich viel zu ungebildet sind, um auch nur ein oder zwei Bücher Helmut Schmidts gelesen zu haben, die selbst noch nie irgendwo Verantwortung trugen, nie ein politisches Amt innehatten und aufgrund ihrer extrem eingeschränkten Weltsicht meinen sich Urteile erlauben zu können.
Nur wer nichts weiß, denkt er weiß genug, um zu beurteilen.
Helmut Schmidt tat das bis zum Schluß nie. Dinge, die er nicht beurteilen konnte, kommentierte er nicht, sagte sehr oft „Das weiß ich nicht!“.
Die Küken, die heute in unerträglicher Altklugheit auf Schmidt-kritisch machen unterliegen dem fatalem Irrtum Schmidt wäre ein Gott, den sie als einzige enttarnt hätten, weil er einmal etwas gesagt hat, das unter heutigem Licht merkwürdig wirkt.
Was für eine Albernheit.
Helmut Schmidt publizierte 70 Jahre lang, produzierte Millionen O-Töne, fällte Myriaden Entscheidungen. Entscheidungen, die oft nur eine Wahl zwischen „sehr schlecht“ und „besonders schlecht“ sein konnten, wie man es von der Schleyer-Entführung kennt.
Sich auf einen einzigen unglücklichen Satz zu kaprizieren, bedeutet im Umkehrschluss man erwarte von einem Menschen, der derartig viel geschrieben und geredet hat, sich niemals geirrt zu haben.
Was für eine Absurdität. Selbstverständlich hat Schmidt auch Fehler gemacht, manchmal Dinge falsch eingeschätzt (so wie beispielsweise den Erfolg der Grünen) und unter dem ungeheuerlichen Druck und Stress, unter dem er stand auch mal über das Ziel hinausgeschossen.
Da Schmidt aber klug war, hat er sich selbst auch nie als unfehlbar eingeschätzt und irgendwann doch anerkennend mit Joschka Fischer gesprochen.
Überhaupt auf die Idee zu kommen, daß ein großer Politiker über 96 Jahre hinweg vollkommen unfehlbar sein soll und nicht ein einziges mal missverständlich formuliert hat, ist bemerkenswert dämlich. Insbesondere wenn es von Mitzwanzigern kommt, die nie auch nur annähernd solche Probleme wie Schmidt zu lösen hatten und immer wieder selbst mit unsäglichen Fehlurteilen glänzen.
Nein, niemand ist unfehlbar und niemand macht immer alles richtig.

Aber Helmut Schmidt kam dem schon verdammt nahe.

Montag, 9. November 2015

Wie es hier so läuft – Teil VI



Die erbärmliche Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die abscheulichen Nachrichten aus Sachsen und Bayern, das kollektive außenpolitische Versagen, die Krisenunterfütterung durch noch mehr Waffenexporte, die rasant zunehmende xenophobe Gewalt, der von den C-Parteien gepushte Siegeszug der AfD und die allgemeine Anfälligkeit für Verschwörungstheorien der krudesten Art – all das weckt in mir den Wunsch nach sehr starken Antidepressiva.

Da muß man zur eigenen psychischen Gesundheit bewußt auf die wenigen Dinge blicken, die ausnahmsweise ganz gut funktionieren.

Während sich Regierungschefs anderer Bundesländer mit Dummheit und dreisten Sprüchen gegenseitig überbieten, können wir Hamburger nach wie vor recht zufrieden sein mit Olaf Scholz.


In Hamburg wird bei den Flüchtlingsunterbringungsproblemen nicht inszeniert, sondern regiert.

[….] MOPO: Sehen Sie ein Limit? Gibt es einen Punkt X, an dem man sagen muss: Das kann Hamburg nicht mehr schaffen?

Scholz: Die Frage stellt sich nicht. Die Verfassungslage in Deutschland ist eindeutig: Diejenigen, die Schutz vor politischer Verfolgung, vor Krieg suchen, bekommen diesen Schutz. [….]

MOPO: Warum gibt es keine Fotos von Ihren Besuchen in Flüchtlingsunterkünften?

Scholz: Ich gucke mir die Unterkünfte immer wieder an – man muss gesehen haben, wie es ist. In den Messehallen, in den Zelten. Aber es geht darum, Eindrücke zu gewinnen. Und nicht um Politiker-PR. [….]

Während CDU’ler noch von Abschiebungsorgien phantasieren und die Grenzen Europas so abschotten wollen, daß Schlepper noch viel reicher und Flüchtlinge noch viel toter werden, ist der Hamburger SPD-Senat schon zehn Schritte weiter und bemüht sich ernsthaft darum, die hier Angekommenen würdig zu behandeln, indem sie beispielsweise ihren Berufen nachgehen können.

Im September kamen 10.100 Flüchtlinge nach Hamburg; im Oktober 2015 waren es 10.437. Bisher sind wir in diesem Jahr bei insgesamt 45.458 Menschen.
Das sind mehr Menschen aus Kriegsgebieten, als England und die USA zusammen im ganzen Jahr aufnehmen.
Für eine Stadt allein bedeutet das selbstverständlich eine große logistische Herausforderung. Da die CDU-Regierung von 2001-2011 den kompletten sozialen Wohnungsbau eingestellt hatte, leidet Hamburg ohnehin unter knappen Wohnraum, obwohl seit dem Amtsantritt Olas Scholz‘ in der ganzen Stadt wie verrückt gebaut wird.
Wenn man aber pro Monat zusätzlich 10.000 Menschen unterbringen muß, und das schnell, weil wir November haben und Notlager und Zelte ob der zu erwartenden Temperaturen keine Option mehr sind, wird die Stadtverwaltung richtig gefordert.

Die auf 15-Komma-irgendwas geschrumpfte CDU erklärte gestern, wie sie sich ihren Beitrag zur Lösung der Probleme in Hamburg vorstellt:
Sie sitzt schmollend in der Ecke, lehnt alles ab, was der Senat tut und verweigert jede Zusammenarbeit.

Nach Klagen und Protesten von Anwohnern gegen Unterkünfte will die CDU nun die Zusammenarbeit mit dem rot-grünen Senat in der aktuellen Krise einstweilen ganz beenden. Das jedenfalls schlägt CDU-Landeschef Roland Heintze seiner Partei vor – und begründet dies damit, dass der Senat die Möglichkeiten des Asylkompromisses nicht ausreichend nutze, Polizeirecht zur Beschlagnahme von Unterkünften anwende, die Bürger nicht genügend bei der Planung einbeziehe und kaum Ausreisepflichtige abschiebe.

Ich hoffe, die CDU scheitert bei der nächsten Hamburger Wahl an der 5%-Hürde.

In dieser Situation macht die SPD etwas Großartiges, das ich an dieser Stelle ausdrücklich loben will:
Sie setzt nicht nur auf kopflose kurzfristige Maßnahmen, sondern pusht massiv den Bau von „richtigen Unterkünften.“
Drei- bis vierstöckige Wohnsiedlungen mit modernen komfortablen Wohnungen, die auf Dauer bewohnt werden sollen. Es entstehen Blocks für bis zu 4.000 Menschen, die aber ausdrücklich nicht durch eigene Schulen zur Ghettoisierung führen sollen. Die Kinder sollen in den umliegenden „normalen“ Schulen und Kindergärten mitbetreut werden.
Es gibt nur zwei Unterschiede zum herkömmlichen Wohnungsbau:
Zum einen die Belegung.
Es werden etwa doppelt so viele Menschen wie in üblichen Sozialwohnungen pro Quadratmeter untergebracht.
Zum anderen wird ein neues Bebauungsplanverfahren entwickelt, das eine sehr viel schnellere Fertigstellung der Häuser ermöglicht.


Klinker-Fassaden, begrünte Innenhöfe und  eine aufgelockerte Bebauung mit vielen  Einzelgebäuden. Ein typisches Neubau-Gebiet am Hamburger Stadtrand? Von wegen! Hinter diesen Rotklinkern verbirgt sich ein Flüchtlings-Quartier. Die Häuser sollen schon in einem Jahr in Billwerder stehen und 3.400 Menschen beherbergen.
Dass die neuen Quartiere so aussehen würden, damit hatte wohl niemand gerechnet. Unterscheiden sie sich doch so fundamental von den Holzhäuschen und Containern, in denen Flüchtlinge und Obdachlose in Hamburg sonst oftmals untergebracht werden. Und auch von früheren Sozialsiedlungen wie dem Osdorfer Born sind sie weit entfernt.
Rund 20 dieser drei- bis viergeschossigen Gebäude sollen auf einer Grünfläche nahe der S-Bahn-Station Mittlerer Landweg entstehen. Zu den 780 Wohnungen kommen vier Kitas hinzu, acht Gemeinschaftsräume für Sprachkurse etc. und die Büros für die Flüchtlings-Betreuung durch den städtischen Betreiber fördern und wohnen. Eine Schule bekommt das Quartier bewusst nicht, die Kinder sollen in die umliegenden Schulen gehen, damit es zu keiner Abschottung kommt.


Ein mittelständiges Unternehmen wurde gefunden, welches in Eigenregie diese Klinkersiedlung für 130 Millionen Euro errichten wird.
Die Stadt stellt lediglich das Grundstück, schafft die Voraussetzungen für sehr viel schnelleres Bauen und wird dann die Wohnungen für die Flüchtlinge mieten.
Die Wohnungen werden dann allerdings zugeteilt; auch nicht miteinander verwandte Menschen müssen sich eine Wohnung teilen.
Im Laufe der Zeit, je nachdem ob noch mehr Flüchtlinge kommen und ob diese jetzt hier Lebenden inzwischen Jobs haben und Geld verdienen, werden aus den „Flüchtlingsunterkünften“ dann ganz normale “Eigene Vier-Wände“ oder Mietwohnungen für jedermann.

Der riesengroße Vorteil dieses Plans ist, daß nicht sinnlos Millionen für temporäre Lösungen wie Zelte, klapprige Pavillons und Container ausgegeben werden, die spätestens in einigen Jahren nicht mehr bewohnbar sind und ohnehin nicht auf dem „normalen Wohnungsmarkt“ verwendbar sind.
Hier werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und dabei steht Hamburg auch noch für Großzügigkeit, Nachhaltigkeit und Mitmenschlichkeit.

Einen Nachteil gibt es allerdings: Sofort keimt eine Neiddebatte auf.
Andere arme Familien in Hamburg wollen auch in schicken Neubauwohnungen leben.
Diese (sinnlose) Diskussion muß der Senat aushalten, denn es hätte keinen Sinn auf nachhaltigen Wohnungsbau zu verzichten, das Problem Wohnraummangel nur aufzuschieben und Kriegsvertriebene à la CDU künstlich zu schikanieren, nur damit der deutsche Michel nicht neidisch wird.
Sich vor Neiddebatten zu fürchten und aus Angst vor dem Urnenpöbel rechtslastig zu plappern, stärkt am Ende nur die AfD. Die Methode kennen wir von CDU-Politikern.

Die Bausenatorin, die allein in Billwerder innerhalb eines Jahres 800 solcher Wohnungen fertigstellen lassen will, tut was ihr möglich ist, um die Gemüter zu beruhigen.

[….] Die Häuser sollen in der ersten Phase zur Unterbringung der Flüchtlinge genutzt werden. Es werden Wohnungen gebaut, die über Jahrzehnte für alle Hamburger als Wohnraum zur Verfügung stehen. Es geht doch darum, denjenigen Flüchtlingen, die eine langfristige Bleibeperspektive haben, auch eine Unterkunft zu bieten, die ihnen eine Integration ermöglicht.
[….] Sie werden zunächst vom städtischen Träger „Fördern und Wohnen“ als öffentlich-rechtliche Folgeunterkunft belegt. Das heißt, dass dort nur Menschen einziehen können, die eine langfristige Bleibeperspektive haben, weil sie beispielsweise als Flüchtling anerkannt worden sind.
[….]  Nach der ersten Phase zur Unterbringung von Flüchtlingen werden diese Sozialwohnungen dann dem allgemeinen Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen.
[….]. Solange diese Häuser als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden, werden sie auch viel dichter belegt. In den Sozialwohnungen dort wohnen dann gut doppelt so viele Menschen wie sonst üblich. Darüber hinaus werden wir in wenigen Wochen ein Sofortprogramm für die vordringlich Wohnungssuchenden in Hamburg vorstellen.
[….]. Wir denken von Anfang an alles mit: Gemeinschaftsräume, Quartiersmanagement, Kita, Schule, Räume für Sprach- und Integrationskurse oder auch Spielplätze und Platz für Sportangebote.

Neben dem neuen 800 Wohnungen im Flüchtlingsstadtteil am Gleisdreieck Billwerder  mit je zwei bis vier Zimmern in einer Größe zwischen 50 und 85 Quadratmetern, will der Rotgrüne Senat im Jahr 2016 etwa 5.600 Wohnungen auf diese Weise bauen lassen – zusätzlich zu dem ohnehin ehrgeizigen Wohnungsbauprogramm, das Scholz sofort 2011 initiierte.


Der FeWa-Geschäftsführer Kurt-Ove Schroeder zeigte sich beeindruckt von der schnellen Arbeit des Bezirksamtes. Er sei zuversichtlich, dass die Häuser Ende 2016 stehen – inklusive Pfahlgründung und mehr als 120.000 Kubikmetern Sand und Kies, die für den Bau der Häuser aufgeschüttet werden müssen.
(Bergedorfer Zeitung, 07.11.2015)

Unnötig zu erwähnen, daß die CDU im Bezirk Hamburg-Bergedorf natürlich gegen den Plan stimmte und stattdessen auf konsequente Abschiebungen setzt.

Ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Seehofer hetzt und poltert Scholz nicht; beteiligt sich nicht an Hysterie-Debatten.
Stattdessen löst er Probleme.

Sonntag, 8. November 2015

Franz outet sich – Teil XIV



Daß erneut bewiesen wurde was für ein Heuchler der Papst ist, indem der Investigativ-Journalist Gianluigi Nuzzi in einem neuen Buch darlegte, wie prunk- und luxussüchtig die Kurie agiert, gefällt Franzl überhaupt nicht.
Er unternimmt nichts dagegen, daß die Ex-Nummer-Zwei des Vatikans neben dem Petersdom in einer 700-Quadratmeter-Luxuswohnung residiert, während Flüchtlingskinder hungern und frieren.

Papst Franziskus hat sich erstmals direkt zu den neuesten Enthüllungen von maßloser Verschwendung im Vatikan geäußert. In seiner Sonntagsansprache auf dem Petersplatz in Rom nannte er die als "VatiLeaks 2" bekannt gewordene Affäre ein Verbrechen und "eine bedauerliche Tat, die nicht hilfreich ist".

Erschlagt den Boten!
Das ist offenbar die Botschaft des Papstes an die Welt.
Ihm gefällt es nicht, wenn öffentlich wird, daß der ausdrücklich für Arme und Bedürftige vorgesehene „Peterspfenning“ für Dolce-Vita der Kardinäle verprasst wird.

[….] Kardinäle, die zu lächerlichen Mietpreisen in riesigen Appartements residieren. Spenden, die in der Verwaltung versickern: Ein neues Skandalbuch enthüllt, wie der Vatikan mit Geld umgeht.
[….]  Wie viel absichtliches und aus Unfähigkeit resultierendes Chaos in den Finanzen der Vatikanbehörden herrschte, wird in dem Buch mehr als deutlich. [….] Es stand ziemlich verheerend, als Franziskus Pontifex wurde, und externe Buchprüfer hatten schon Alarm geschlagen. Nuzzi hat eine Audioaufzeichnung einer Unterredung des Papstes am 3. Juli 2013, also etwa fünf Monate nach Amtsantritt, mit Kardinälen der Kurie ausgewertet - da ist die Rede von drohender Staatspleite - das Jahr 2012 hatte mit einem Minus von 28,9 Millionen Euro in den Kurienfinanzen geschlossen, Einnahmen von 92,8 Millionen Euro standen Ausgaben von 121,7 Millionen gegenüber. [….] Dass der Vatikan seine Immobilien - allein in Rom sind 5000 Objekte in seinem Besitz - miserabel verwaltet, weil er fast immer nur lächerliche Gefälligkeitsmieten verlangt, war zumindest in der italienischen Hauptstadt immer bekannt. Aber dass es 100-Quadratmeter-Wohnungen in Roms Altstadt gibt, die 100 Euro im Jahr oder auch gar nichts kosten, ist neu. Dass Kardinäle, allen voran der ehemalige Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, auf 700 Quadratmetern residieren, in gigantischen Appartements in Toplage und zu lächerlichen Mietpreisen, ist aber nicht einmal das Schlimmste.
Was Gläubige in aller Welt wirklich treffen wird, ist zum Beispiel der Umgang mit dem Peterspfennig, den viele von ihnen spenden, in dem sicheren Glauben, das Geld werde ausschließlich für gute Zwecke verwendet, für den "Liebesdienst an den Bedürftigen". In Wahrheit verschwindet ein Großteil der Gelder in einem "schwarzen Loch", wie Nuzzi schreibt. [....]
Nuzzis Unterlagen zufolge wurden 14,1 Millionen Euro aus dem Obulus für Sankt Peter für karitative Zwecke verwendet, 6,9 Millionen als Spende für besondere Zwecke, 6,3 Millionen wurden zurückgestellt als Reserve. Sage und schreibe 28,9 Millionen Euro wurden für den Unterhalt der defizitären Kurie entnommen, das sind 58 Prozent.
Geld gespendet für Bedürftige, ausgegeben für den Verwaltungsapparat. Für den luxuriösen Aufwand, den nicht wenige Kardinäle jahrzehntelang betrieben. Für ein System, in dem Nachlässigkeit, Gefälligkeiten und Machtinteressen herrschten. Noch haarsträubender ist die Summe von 377,9 Millionen Euro, auf die sich laut Nuzzis Recherchen das Rücklagevermögen des Peterspfennigs beläuft, verteilt bei zwölf Banken, am meisten liegt beim IOR. [….] Bei allem, was Nuzzi schreibt, ist vermutlich noch immer nur ein Teil des Schmutzes unter dem Teppich hervorgekehrt, und er wird Stoff für neue Bücher finden. [….]

Die Größenordnung der Peterspfennigprasserei ist zwar verglichen mit den gewaltigen Milliardenvermögen vieler Bistümer zu vernachlässigen, aber durch die Zweckentfremdung ausgerechnet des Peterspfennigs wird die Glaubwürdigkeit des Papstes eklatant ruiniert.

Aus Österreich kamen zuletzt 872.000 Euro als Peterspfennig nach Rom, aus Deutschland einige Millionen.

Bisher hat der Vatikan Ergebnis für den "Peterspfennig" 2014 nicht mitgeteilt. Die letzte verfügbare Zahl - 78 Millionen US-Dollar (knapp 60 Millionen Euro) - gibt es für das Jahr 2013. Der jährliche Beitrag aus Deutschland liegt nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz im "einstelligen Millionenbereich".

Und nun wollen die Gläubigen genauer wissen, was eigentlich mit den Spenden passiert, für die der Papst persönlich geradesteht.
Das gefällt Bergoglio gar nicht.

Und dann ist da auch der Fall des Peterspfennigs. Der "Denarius Sancti Petri" ist eine Geldsammlung, die jedes Jahr in sämtlichen katholischen Gemeinden, also auch in Deutschland, stattfindet. Das Geld wird dem Papst geschickt, der es karitativen Einrichtungen zukommen lässt. Offiziell jedenfalls, so Nuzzi:

"Ich beziehe meine Einschätzung auf Daten aus den Jahren 2012 und 2013. Daraus wird deutlich, wohin diese Gelder fließen: Rund 60 Prozent wurden zum Stopfen von Finanzlöchern der Kurie im Vatikan benutzt. 20 Prozent wurden zu Investitionszwecken zur Seite gelegt. Nur 20 Prozent kamen also beim Papst an und flossen wahrscheinlich in karitative Einrichtungen. Also recht wenig. Ob es sich hierbei um Betrug am Gläubigen handelt? Nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden."

Wie schon bei seinen vorhergehenden investigativen Büchern "Vatikan AG" und "Seine Heiligkeit" überrascht Nuzzi auch dieses Mal wieder mit einer Vielzahl präzise recherchierter Informationen.

Auch wenn die Claqueure des Papstes in den Zeitungsredaktionen immer noch ausschließlich Jubelarien über ihn veröffentlichen, wird doch deutlich, was dahinter steckt: Nichts!

Papst Franz ist ein reaktionärer Knochen, der immer wieder beweisen hat, im Zweifelsfall Minderheiten lieber weiter zu diskriminieren, zu heucheln, zu hetzen und zu lügen. Wenn ein Kurienmitglied wie Prälat Krzysztof Charamsa ausnahmsweise mal ehrlich ist und diskriminierende Methoden ändern will, fliegt er auch unter Bergoglio noch am selben Tag im hohen Bogen raus!

Daß Papst Franz in Wahrheit knochenkonservativer denkt, als er die Welt oberflächlich glauben lassen will, merken wir schon lange.

Papst Franz weiß wie man gute PR macht, wie man sich vor den Massen inszeniert.
In diesen Dingen ist er Ratzi mit seiner wenig heterosexuellen Stimme, der abstoßenden Physionomie und der demonstrativen Prachtentfaltung deutlich überlegen.
Ihn deswegen zum großen Erneuerer, oder gar Marxisten hochzustilisieren, ist aber vollkommen absurd.
Natürlich ist der Jesuit Franz ein konservativer Mann, der niemals einem minderen Weibsbild erlauben würde Priesterin zu sein und akzeptieren könnte, daß ein gleichgeschlechtliches Paar dieselben Rechte wie ein Gegengeschlechtliches erhalten dürfte.

Ich staune tatsächlich immer noch darüber wie viele Menschen es auch in einem aufgeklärten Land wie Deutschland gibt, die der römischen Kurie ernsthaft moralische Kompetenz zubilligen.
Als ob die Bande nicht über viele Jahrhunderte bewiesen hätte wie menschenverachtend sie denkt. Hexenverfolgung, Missionierung, Sklaverei, Inquisition, Kreuzzüge, Antisemitismus, Sklaverei, Folter, Raffgier – so präsentieren sich Gottes Stellvertreter auf Erden seit 2000 Jahren.
Noch im 21. Jahrhundert werden und wurden kleine Jungs gequält und sexuell missbraucht, während man die Täter schützt.

Aber die katholische Kirche stinkt natürlich nicht nur vom Kopf her, sondern ist bis in die regionalen Glieder verrottet.
Auf die Flüchtlings-freundlichen Sonntagsreden-Appelle Bergoglios reagiert die deutsche katholische Kirche wie sie es immer tut: Sie versucht sich auf Kosten der Allgemeinheit weiter zu bereichern.
Kardinal Marx, der mächtige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz und noch mächtigere Papst-Berater gibt den Takt vor: Sein Bistum läßt sich fürstlich entlohnen für jedes Engagement.

[….] Die bayerischen Bistümer lassen sich die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen in kirchlichen Einrichtungen erstatten. Die Mietkosten für Wohnungen und Häuser zahle in der Regel der Landkreis, bestätigte eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising unserer Zeitung. „Bei Häusern und Wohnungen, die man sonst auch vermietet hätte, ist das der Regelfall“, sagte die Sprecherin weiter.
[….] Eine kostenfreie Unterbringung sei indes rechtlich schwierig, „weil die Wohnungen meist kirchlichen Stiftungen gehören“. Papst Franziskus hatte Anfang September alle Pfarreien aufgerufen, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Die Unterbringung von Flüchtlingen sei aber in erster Linie eine staatliche Aufgabe, sagte die Bistumssprecherin. „Wir sehen uns in der Verantwortung, dabei zu helfen. Aber zu den üblichen Konditionen.“ [….]