Mittwoch, 13. März 2013

Franzi also.



Ein interessanter Aspekt der heute erfolgten Papstwahl ist die Entlarvung der Journalistischen Prognosen als völlige Makulatur.
Alle Namen, die die Großsprecher als Papabili ausposaunten kann man jetzt wieder vergessen. Paul Badde, Andreas Englisch, Jüsten, Dobrinski – sie alle hatten eben auch keine Ahnung was in den Köpfen der Purpurträger vorgeht.
Die Konklave-Berichterstattung ist überwiegend lächerliches Zeug. Kein Wunder: Fast alle Journalisten halten das Thema Kirche an sich für mittelalterlichen Schwachsinn.   Die derzeit in allen Details verhandelte Frage nach den Favoriten bei der morgen beginnenden Papstwahl ist ein Klassiker des fernfuchtelnden Hausfrauenjournalismus. Keiner hat eine Ahnung, aber alle haben etwas zu sagen. […] Also interviewen Journalisten, die ihre Basisinformationen von aus dritter Hand informierten Journalisten haben, Journalisten, die immerhin aus zweiter Hand informiert sind und zudem über den unschätzbaren Vorzug verfügen, dass sie die Tanten von Journalisten kennen, die einmal bei einer Zeitung gearbeitet haben, bei der es einen gibt, der sich „Vatikanist“ nennt.

Die Option, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, existiert offensichtlich nicht. Die Wahrheit ist: Wir haben keine Ahnung, weder von den Mechanismen in den Führungsetagen der römisch-katholischen Kirche, noch von den Mustern und Inhalten der Interaktion unter den Wahlberechtigten, eigentlich nicht einmal in Grundzügen von der Organisation, um die es geht. Ist aber so: Es gibt in Redaktionen kaum noch Menschen, die die katholische Kirche nicht für eine skurrile Ansammlung von wirklichkeitsfremden Idioten mit kinderschänderischen Neigungen halten, deren Noch-Existenz sie für ein im Grunde unverzeihliches Versäumnis der Evolution halten.
Erstaunlich an dieser kollektiven journalistischen Schmach ist die Tatsache, daß der Neue, Franzi, (nicht der Erste! Beim Ersten sagt man das noch nicht!) bis vor kurzem noch Jorge Mario Kardinal Bergoglio SJ (* 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien), enorm gut in das Anforderungsprofil der RKK passt.

Bergoglio ist schon deswegen nicht sehr überraschend, weil er auch schon im Konklave 2005 ein heißer Kandidat war und an die 40 Stimmen zusammenbrachte, bevor er zu Gunsten Ratzis zurückzog. (Im ersten Wahlgang 10, im zweiten Wahlgang 35 und im dritten Wahlgang soll er 40 Stimmen erhalten haben.)

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er eben nicht zur Kurie gehört.
 Offensichtlich hat man allgemein übersehen wie extrem unbeliebt die Vatikanischen Kardinäle geworden sind. Zu offensichtlich war das totale Regierungs- und Verwaltungsversagen während der Herrschaft Woytilas und Ratzinger.
Vatileaks, Bischof Williamson, Moto Proprio, Personalentscheidungen, Vatikanbank IOR. Selbst Kurienbischöfe mußten mindestens acht Monate auf einen Termin beim Papst warten. Es gab noch nicht einmal Kabinettssitzungen, weil die einzelnen Vatikanischen Ministerien (Präfekturen/Diskasterien) eifersüchtig auf ihre Einflussgebiete achteten und stets gegeneinander arbeiten.
So konnte es nicht weitergehen. Das sprach klar gegen einen Kurienkardinal und gegen einen Italienischen Kandidaten.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er Südamerikaner ist.
 Südamerika ist nun einmal der katholischste Kontinent des Planeten. Dort leben fast 50% der Katholiken. Im globalen Süden wächst die RKK, in Europa schrumpft sie. 
Die enorme personelle Dominanz der Europäer im Kardinalskollegium ist ein abzuschaffendes Relikt.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er als persönlich bescheiden gilt.
Die Prunksucht Benedikts ging schließlich mehr und mehr Menschen auf die Nerven. 
Was war das heute für ein Unterschied zu Ratzingers Auftritt im April 2005 nach seiner Wahl – er trat im maximalen Protz mit allen päpstlichen Insignien vor die Gläubigen, reckte beide Arme im Politikergestus über sich.
Franziskus hingegen kam in der ganz schlichten weißen Soutane, jubelte nicht und zeigte sich demütig.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er als Jesuit a priori als Asket gilt.
Der Name Franziskus ist natürlich Programm. Der heilige Franz von Assisi, 1181-1226, Gründer der Franziskaner propagierte absoluten Verzicht auf jede Form von materiellem und geistigem Besitz.
Welch kluger PR-Schachzug des Konklave so einen Mann der steinreichen Kirche mit ihren Luxus-verliebten Kardinälen vorzusetzen.
In der Kurie pflegte man bisher einen ganz anderen Stil.
Geistliche teilen sich Palazzo mit Schwulensauna

[…] 19 Geistliche, unter ihnen ein Kardinal, wohnen in einem Palazzo Tür an Tür mit Europas größter Schwulensauna. So viel Nähe zur Homosexualität pflegt die katholische Kirche in der Öffentlichkeit sonst eher selten.

[…]  In der Ewigen Stadt wohnt der 76-jährige Inder [Kardinal Ivan Dias] laut der britischen Zeitung Independent in einem schicken Zwölf-Zimmer-Luxusappartement - nur einen Stock über Europas größter Schwulensauna, dem "Europa Multiclub".  […] Laut Independent und BBC hat sich der Vatikan 2008 für rund 23 Millionen Euro in den Gebäudekomplex eingekauft. Den Saunaklub beherbergt der riesige Palazzo seit 2004.

Ein beworbenes "Special" der Schwulensauna ist die "Bären-Nacht". In einem Video tritt ein rundlicher Mann auf, der strippt. Bevor er sich auszieht, verwandelt er sich in einen Priester im Gewand.
Solche Pressemeldungen möchte man doch zukünftig bitte vermeiden.
Dennoch gehen die Kurialen mit Bergoglio nicht das Risiko ein die Kirche völlig umzukrempeln. Der Mann ist immerhin 76 und gilt als gesundheitlich angeschlagen.
Da wird er schon nicht allzu forsch die Diskasterien ausmisten, mag mancher Präfekt insgeheim denken.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er trotz seiner Parteinahme für die Armen und seines persönlichen Desinteresses an Statussymbolen, moraltheologisch als stramm konservativ gilt. Als unter der Präsidentin Cristina Kirchner in Argentinien als erstes amerikanisches Land die volle rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen eingeführt wurde, hielt der Erzbischof von Buenos Aires stramm dagegen. Schwule, Verhütung, Kondome, Frauenpriestertum – all das wird es mit Franziskus nicht geben.

Bergoglio hat den Riesenvorteil, daß er unter den stramm konservativen Kardinälen als angenehm rechts gilt. Mit menschenrechtsfeindlichen Faschisten arrangierte er sich offenbar gern.
Bergoglio wurde verschiedentlich eine zu große Nähe zur Militärdiktatur 1976–1983 vorgeworfen, die ca. 30.000 als „subversiv“ eingestufte Personen entführen und ermorden ließ. Der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli warf dem in Argentinien als „Kardinal der Armen“ verehrten Bergoglio 2005 vor, in das Verschwindenlassen der Jesuiten Franz Jalics und Orlando Yorio im Jahr 1976 verwickelt gewesen zu sein. Perrilli erstattete deshalb Anzeige gegen Bergoglio bei einem Gericht in Buenos Aires. Ein Sprecher des Kardinals bezeichnete die Anzeige als Verleumdung. Nachdem sie wieder freigekommen waren, sagten Jalics und Yorio gegenüber dem Ordensgeneral Pedro Arrupe in Rom aus, sie seien von Bergoglio denunziert worden. Noch während die beiden Priester verschwunden waren, hatte Bergoglio Arrupe brieflich mitgeteilt, Jalics und Yorio seien aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen worden.

Während der Militärdiktatur kam es zu weiteren Entführungen und Misshandlungen von Seminaristen, Mitarbeitern des Colegio Máximo San José und politischen Aktivisten in San Miguel, einige davon unter Beteiligung des Jesuitenpaters Martín González. Betroffene und Zeitzeugen sind der Ansicht, dies hätte nicht ohne das Wissen Bergoglios geschehen können, der während seiner Amtszeit als Ordensprovinzial seinen Sitz im Colegio Máximo hatte.
(Wikipedia)
Man wird Franzi erst genauer beurteilen können, wenn er Personalentscheidungen getroffen hat.

Als Atheist bin ich natürlich enttäuscht, da er wesentlich sympathischer als sein Vorgänger wirkt und daher nicht unbedingt die Kirchenaustritte so effektiv wie Benedikt XVI. fördern wird.

Aber ich bin zuversichtlich; auch er wird schnell demonstrieren, daß man aus seinem Verein austreten muß.

Dienstag, 12. März 2013

Die spinnen, die Katholen.


Beim Bügeln habe ich mir heute die Sendung „WEST.ART am Sonntag“ vom 03.03.13 angesehen, bzw angehört.
Ich hasse es mit Brille zu bügeln, weil der Dampf die Gläser immer so beschlagen läßt.
Ohne Brille sehe ich aber den TV-Bildschirm etwas verschwommen. In dem Fall ist eine Talkshow natürlich sinnig. Deswegen habe ich immer eine aktuelle „Bügel-Videocassette“ mit den TV-Sendungen, die es mir eigentlich nicht wert sind meine Zeit damit zu verschwenden, die aber ganz gut beim Multitasking nebenher laufen können.
Thema war:
„Die missglückte Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, die Debatte um eine vergewaltigte Frau, der in katholischen Krankenhäusern die "Pille danach" verweigert wurde, der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. oder auch arbeitsrechtliche Streitigkeiten: Vor allem die katholische Kirche sorgte in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen. Und das in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen von der Institution Kirche distanzieren. Katholische wie evangelische Gemeinden verlieren seit Jahren Mitglieder.“ (WDR.de)
Was man immer wieder bei Kirchenthemen in Talkshows erlebt, ist natürlich das enorme Unwissen der Moderatoren.
Dabei ist Holger Noltze eigentlich einigermaßen gebildet. („Jahrgang 1960; in Essen geboren und studierte Germanistik, Hispanistik und Geschichte in Bochum und Madrid. Das Studium schloss er mit einer Dissertation über den „Parzival“-Roman von Wolfram von Eschenbach ab. […] Seit 2005 beschäftigt er sich auch als Professor für Musik und Medien/ Musikjournalismus an der Universität Dortmund mit der Vermittlung von Kultur. 2010 ist sein neues Buch „Die Leichtigkeitslüge. Über Musik, Medien und Komplexität“ in der Edition Körber Stiftung erschienen. Holger Noltze schreibt nebenbei für die FAZ und „Literaturen““)

Dennoch haut Noltze dann mal en passant raus, er habe ja GAR NICHT GEWUSST, daß Kirchliche Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen gar nicht von der Kirchensteuer bezahlt werden.

Das frustriert einen Atheisten wie mich natürlich schon, daß solche Basis-Informationen, die in Zeitschriften, Blogs, Vereinen, Artikeln und Dutzenden Büchern immer und immer wieder transportiert werden, scheinbar gar nicht adaptiert werden. 
Noch nicht mal promovierte Journalisten wissen das. 
Da wundert es wenig, daß das gemeine Volk erst Recht dem alten Märchen von der sozialen Mildtätigkeit der Kirchen anhängt.
Gleich mehrfach betonte Noltze sogar, daß er vorher noch nie gehört habe, daß die Kirchen der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands wären.
Die Kunde hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Dabei ist doch nun gerade das Thema der entrechteten kirchlichen Arbeitnehmer seit langer Zeit öffentlich präsent. 
Gerdia betont zu meiner Genugtuung auch immer wieder, es könne ja wohl nicht angehen, daß weiterhin Juden, Muslime und Atheisten von den 1,3 Mio Arbeitsplätzen im Gesundheits- und Pflegebereich ausgeschlossen sind, die aber alle vom Staat bezahlt werden.
Eine Information zu veröffentlichen ist leicht in Deutschland.
Aber wie stellt man es an, daß sie auch in die Birnen des Urnenpöbels gelangt?
Ich weiß keine Antwort.

Und immer noch läßt eine große Redaktion die Pfaffen mit Falschinformationen durchkommen.
Natürlich waren die Gäste fast dieselben wie immer (Jürgen Domian, Weihbischof Jaschke etc) und der Erkenntnisgewinn lag im homöopathischen Bereich.
Doch da hatte dann auch Frank Plasberg schon keinen Sinn mehr fürs Konklave und eröffnete die allgemeine Aussprache: Kondome, Kitas, Kirchensteuer. Von allem ein wenig und nichts richtig. Als WDR-Kollege Jürgen Domian sein "Wenn Jesus heute auf der Welt wäre ..." anstimmte, schien die Zeit für den erlösenden Griff zur Fernbedienung gekommen zu sein. Doch dann wurde es tatsächlich noch spannend, und Domian ließ vergessen, dass er eben noch eine aus allen Religionen zusammengeklaubte Spiritualität mit persönlicher Geschmacksnote propagiert hatte. 
Wie kann es sein, so stellte er zur Debatte, dass Kirchen beider Konfessionen hierzulande leer stehen oder gar abgerissen werden, sich die Geistlichkeit aber mal lautstark, mal durch die Lobby in öffentliche Angelegenheiten von der Sterbehilfe über die Sexualerziehung bis zum geöffneten Supermarkt am Sonntag einmischt? Wie kann es sein, dass dies und viele Sonderrechte vom Grundgesetz weiter gedeckt werden, obwohl wir längst in einer nachchristlichen Gesellschaft leben? Lange schon ist bei uns eine Grundsatzdebatte über das Verhältnis von Staat und Kirche überfällig. Und auch, wenn die Amtskirchen an der Diskussionstheke nur mit einer B-Klasse vertreten waren - ein katholischer Weihbischof und eine Vize-Präses für den protestantischen Part -, so wäre es doch interessant gewesen, sich mit ihnen das immer offensichtlichere Missverhältnis zwischen kirchlichem Einfluss und schwindendem Rückhalt in der Bevölkerung vorzunehmen.

Doch schon grätschte Frank Plasberg dazwischen und leitete zur Lebens- und Leidensgeschichte einer ehemaligen Nonne über. In bekannter Manier stoppte er damit, was noch gar nicht recht begonnen hatte und verwies entschuldigend auf "die Struktur der Sendung".
TV-Bischof Jaschke konnte quasi unwidersprochen behaupten die kirchlichen Angestellten würden sehr gut behandelt und der enorme Zuspruch der christlichen Schulen und Kindergärten zeige ja, daß sie vieles richtig machen.
Ein aufgeweckter Moderator hätte so ein Scheinargument natürlich in der Luft zerfetzt:
In weiten Teilen gibt es gar keine anderen Anbieter von medizinischen Leistungen oder nichtchristliche KITA-Träger. 
Eltern sind also dazu GEZWUNGEN ihre Kinder dorthin zu geben. 
Sie sind auch GEZWUNGEN Mitglied der Kirche zu sein, ihre Kinder taufen zu lassen, um überhaupt einen Platz zu bekommen.
Genau das ist offensichtlich ja auch die Absicht der „Juden unerwünscht“-Politik von Caritas und Diakonie.
Plasberg hatte davon offenbar aber noch nie etwas gehört.

In der Noltze-Gesprächsrunde immerhin habe ich doch eine neue Information zur Kenntnis genommen.
Ludwig Ring-Eifel, der Chef der Katholischen Nachrichtenagentur „KNA“ und heimliche Zwilling von Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz „Skinhead“ Meyer hatte seine ganz eigene Erklärung dafür weswegen Abschaum-Kurienerzbischof Müller von „Pogromstimmung“ gegen die Kirche und Kardinal Meisner von „Katholikenphobie“ spräche.
Tatsächlich würden nämlich in Deutschland neuerdings und fortwährend Kirchen tätlich angegriffen, indem beispielsweise Brandanschläge verübt würden.
 Die Presse schweige darüber aber, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen.
Lese man in atheistischen Blogs, bekäme man aber schnell einen Eindruck von der Gewalttätigkeit gegen katholische Gotteshäuser.

Ach was?
Nun bin ich sowohl links, als auch Atheist und Blogger.
Ich kenne auch viele andere sehr kirchenkritische Blogger und verfolge die Szene in den sozialen Plattformen.

Daß aber jemand jemals zur physischen Gewalt gegen kirchliche Einrichtungen aufgefordert hätte, habe ich noch nie gehört.
 Das ist so abwegig, daß der Gedanke mir ganz neu war.
Dazu muß man offensichtlich Hardcore-Katholiban sein, um sich so was auszudenken.

Natürlich ließ Noltze auch diese wahnwitzige Behauptung einfach so dahin geplappert dastehen und fragte nicht nach, ob es dafür auch nur die geringsten Belege gäbe.

Ach ja, der Chef der Nachrichtenagentur erklärte nebenbei bemerkt auch, die Demokratie habe sich aus dem Katholizismus entwickelt.
„Eine steile These“ befand Noltze immerhin – aber da war die Zeit zu Ende. 
Und Papst Ratzinger hätte die "Reinigung der Kirche" vom Missbrauch begonnen. Haha, Ring-Eifel. Ausgerechnet der Großvertuscher.

Neu ist ein lockerer Umgang mit dem Christlichen Glauben übrigens nicht.
Heute Morgen hörte ich das schöne Lied „Im Café zum zerbrochenen Schwan“ (Schröder Roadshow 1983) mit folgender Textpassage:
Der panierte Nyltest-Tarzan bindet seinen Schlips

Zur letzten Runde heut Nacht

Das versoffene Genie erzählt den alten Witz

Über den schon lange niemand mehr lacht

an der Endstation der verkauften Gefühle

bricht die Liebe in die Knie

und die Ausgekotzten der Gesellschaftsmühle

versinken in Agonie

hier hat der liebe Gott sein Schöpfungsdiplom verschenkt

während Jesus Christus sich im Herrenklo erhängt.

Montag, 11. März 2013

Städter – Teil II



Das Leben auf dem Dorf, in der Vorstadt hat eine Menge Vorteile, aber ich bin mit Leib und Seele Städter und will für’s Erste nicht außerhalb der Innenstadt leben.

Das Umfeld ist einfach liberaler und anonymer. 
Grundsätzlich ist ein etwas höherer Anteil der Menschen gebildet und tolerant.

Das kann man unter anderem an den Wahlergebnissen ablesen, welche sich fundamental von den gesamtbundesrepublikanischen Trends unterscheiden.
 Merkel ist die beliebteste Politikerin und die CDU führt in allen Bundestags-Umfragen meilenweit vor der nächstgrößten Partei (gegenwärtig noch die SPD).
Der letzte ARD-Deutschlandtrend stürzt mich in handfeste Depressionen, wenn ich mir ansehe, wie massiv die Wähler objektiv einfach falsche Einschätzungen abgeben.
 Am 07.03.13 wurde ein Merkel-Steinbrück-Profilvergleich angestellt.
 Über Bewertungen wie „ist sympathischer“ kann man trefflich streiten.
Aber ausgerechnet der chronischen Umfallerin Merkel, die noch jeden Kurs gewechselt hat und eben niemals eine Richtung vorgibt, die deutlich höhere Verlässlichkeit und den klareren Kurs zu attestieren, ist schlicht „Doofheit“!

„…ist eher jemand, auf den man sich verlassen kann:“

53% Merkel, 20% Steinbrück



„… hat den klareren politischen Kurs:“
49% Merkel, 26% Steinbrück

Verglichen mit solchen Aussagen, muß man den Italienischen Wählern durchaus hohen politischen Sachverstand zubilligen.
Daß die gegenwärtige Bundeskanzler noch ein paar Legislaturen länger regiert, ist tatsächlich vorstellbar.
 Die Deutschen bringen es in ihrem Wahn fertig sogar SchwarzGelb und damit die schlechteste Bundesregierung seit 70 Jahren zu bestätigen. 
Der Urnenpöbel will verarscht werden und straft Klartext, Gerechtigkeitsempfinden und Ehrlichkeit ab.
Es ist wohl besser sich schon mal frühzeitig an den gräßlichen Gedanken zu gewöhnen, daß Guido, Fipsi, Krissi und Konsorten weiter regieren.
Um das zu ertragen, hilft ein Blick in den Bundesrat, der seit der Wahl Weils zum Niedersächsischen Ministerpräsidenten sehr rotgrün aussieht. 

Der Blick auf die größten Städte Deutschlands, welche allesamt im Vergleich zu echten Weltstädten wie Rom, Paris, London oder gar New York und Shanghai winzig sind, zeigt ebenfalls eine erstaunliche CDU-Schwäche!

1. Berlin  3,5 Millionen Einwohner. Wowereit SPD

2. Hamburg 1,8 Millionen Einwohner. Scholz SPD

3. München 1,4 Millionen Einwohner. Ude SPD

4. Köln 1 Millionen Einwohner. Roters SPD

5. Frankfurt am Main 680.000 Einwohner. Feldmann SPD

6. Stuttgart 610.000 Einwohner. Kuhn Grüne

7. Düsseldorf 590.00 Einwohner. Elbers CDU

8. Dortmund 580.000 Einwohner. Sierau SPD

9. Essen 570.00 Einwohner. Paß SPD

10. Bremen 550.000 Einwohner. Böhrnsen SPD

11. Dresden 520.000 Einwohner. Orosz CDU

12. Leipzig 520.000 Einwohner. Jung SPD

13. Hannover 520.000 Einwohner. Mönninghoff Grüne

14. Nürnberg 510.000 Einwohner. Maly SPD

15. Duisburg 490.00 Einwohner. Link SPD

16. Bochum   370.000 Einwohner. Scholz SPD

17. Wuppertal 350.000 Einwohner. Jung CDU

18. Bonn 320.000 Einwohner. Nimptsch SPD

19. Bielefeld 320.000 Einwohner. Clausen SPD

20. Mannheim 310.000 Einwohner. Kurtz SPD

 Hinzu gekommen sind seitdem noch das seit Jahrzehnten schwarz regierte Karlsruhe.

Der SPD-Politiker Frank Mentrup wird neuer Oberbürgermeister in Karlsruhe. Der 48-jährige gewann die Wahl am Sonntag gegen sechs Mitbewerber mit überraschend klarer Mehrheit.

Er holte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 55,25 Prozent der Stimmen. Damit konnte sich der SPD-Politiker gegen seinen aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU, den Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther (52), durchsetzen. Wellenreuther kam auf 35,41 Prozent.

"Das war's dann endgültig als Großstadtpartei", sagte der SPD-Parteivorsitzende und Finanzminister Nils Schmid am Wahlabend. Mit der CDU verbinde kaum noch jemand Vielfalt, Modernität und Urbanität.

In der Tat ist die Niederlage kurz vor Beginn des Bundesparteitags für die CDU ein weiterer Tiefschlag. Nach 42 Regierungsjahren geht ihr nicht nur Karlsruhe verloren – sie stellt auch ansonsten in keiner Großstadt im Süden mehr den Oberbürgermeister. Im März hatte der SPD-Kandidat Peter Feldmann die langjährige Frankfurter CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth abgelöst, in Stuttgart gewann im Oktober der Grünen-Politiker Fritz Kuhn.

Gestern fiel auch noch die hessische Hauptstadt Wiesbaden – ein für die CDU völlig unerwarteter Schock.

Sensation in Hessens Landeshauptstadt: SPD-Herausforderer Sven Gerich gewinnt in der Stichwahl ums Oberbürgermeisteramt gegen die CDU. […]  Die CDU hat erneut den Chefsessel im Rathaus einer deutschen Großstadt verloren. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Wiesbaden setzte sich überraschend der SPD-Herausforderer Sven Gerich durch. Der 38-Jährige kam in der Stichwahl am Sonntag auf 50,8 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Helmut Müller erreichte nach dem vorläufigen Endergebnis 49,2 Prozent.  Der 60-jährige CDU-Mann hatte nach dem ersten Wahlgang noch klar vorne gelegen. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 34,1 Prozent und damit höher als im ersten Wahlgang (33,6 Prozent). Gerich schien vom Sieg über den Favoriten Müller selbst überrascht. "Ich habe knapp eher in die andere Richtung getippt", sagte er.  Mit dem jungen und offen homosexuellen Gerich wird sich das konservative Image der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden ändern. […]  Für die im Land zusammen mit der FDP regierende CDU ist dies sechs Monate vor der Landtagswahl ein herber Rückschlag. Der nach sechs Jahren ohne große politische Fehler im Amt abgewählte Müller sagte, er habe das Ergebnis nicht erwartet.

War knapp, aber hat gereicht.
Angemessener wäre für CDU-Kandidaten aber ein Ergebnis wie gestern in Oststeinbek.
Mit einem deutlichen Ergebnis haben die Oststeinbeker ihre umstrittene Bürgermeisterin Martina Denecke abgewählt. 91,6 Prozent stimmten am gestrigen Sonntag gegen die seit Mitte Dezember suspendierte Verwaltungschefin. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,6 Prozent. 3487 Bürger stimmten gegen Denecke. Lediglich 322 wollten, dass sie wieder ins Rathaus zurückkehren darf.

[…]   Die Abwahl Martina Deneckes ist der Endpunkt einer wohl beispiellosen Entfremdung zwischen der Verwaltungschefin und weiten Teilen der Gemeinde. Erst im Januar 2011 hatten die Oststeinbeker die damals 40-Jährige mit 51,8 Prozent der Stimmen gewählt. Die Verwaltungsfachwirtin, die aus Hemmingen bei Hannover stammt und früher bei der Deutschen Rentenversicherung arbeitete, war Kandidatin von CDU und FDP.
 (Hamburger Abendblatt 11.03.13)

Sonntag, 10. März 2013

Die Bayern auf dem Rechten Weg.



Walter Kardinal Kasper wurde am 05.März 1933 geboren und hat es damit so gerade eben noch geschafft ins Konklave zu rutschen. Fünf Tage nachdem Ratzi den Lafo machte, wurde Kasper 80 Jahre alt.
Im Interview mit der Katholiken-Zeitung „DIE ZEIT“ wird er beim Papa Toto zu einem Geheimfavoriten hochgejazzt.
Interviewerin ist allerdings die „Glauben & Zweifeln“-Ressort-Chefin Evelyn Finger, die grundsätzlich auf’s falsche Pferd setzt und beim Thema Religion jedes Mal wieder mit eklatanten Wissenslücken begeistert.
Kasper kennt, im Gegensatz zu Finger aber die Regel, daß man die Gelüste Papst zu werden weit, weit von sich weisen muß, wenn man seine Chancen wahren will. 
Frau Finger ficht das nicht an; sie führt das Interview auf dem Niveau einer Hauptschul-Schülerzeitung.
ZEIT: Aber wer wird nach und neben ihm neuer Papst? Bitte eine Prognose! Vielleicht Sie selbst? Manche behaupten, Sie seien Geheimkandidat.
Kasper:(lacht) Ganz sicher nicht.
ZEIT: Es heißt aber, die Papstwahl komme gerade noch rechtzeitig vor Ihrem 80. Geburtstag, sodass Sie wählbar sind und wählen dürfen.
Kasper:(lacht) Ja, das darf ich! Es handelt sich um genau fünf Tage. Denn wenn man vor dem 28. Februar, also vor der Sedisvakanz noch nicht 80 ist, dann darf man wählen. Ich werde am 5. März 80.
ZEIT: Was ist eine Sedisvakanz?
Aber wie verrückt ist die Personalie Kasper?
Nicht ganz so abwegig, wie man vielleicht denkt.
Der süddeutsche Küng-Schüler und Dogmatik-Professor gilt inzwischen, ähnlich wie Ratzinger im Jahr 2005, nicht mehr so sehr als Deutscher, denn als Römer.
 Seit 14 Jahren hat er die Vatikanische Staatsbürgerschaft und war Präfekt der Ökumene-Kongregation, die in der globalisierten Welt als besonders wichtig gilt.
Kasper führt als Kardinalpriester den zweithöchsten Kardinalsrang und ist heute noch Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und des Päpstlichen Rates für die Kultur.
Ich glaube auch nicht, daß er ganz so liberal ist, wie man ihm immer nachsagt – sonst hätte ihn Ratzi nicht noch vor zwei Jahren in einen höheren Kardinalsrang erhoben.

Gegen Kasper spricht sein Alter. 
Man möchte doch nicht noch mal so ein Kurzpontifikat. Allerdings ist er auch bei weitem nicht so gebrechlich wie die Kollegen Meisner (79) oder Lehmann (76).

Für mich wäre ein Kasper-Papst natürlich ein enormes Problem, da er von allen Kardinälen, die ich kenne noch der am wenigsten Widerliche ist.
Er könnte sicher Sympathien zurück gewinnen und ist diplomatisch bei weitem nicht so ungeschickt wie Ratzi.
Als politisch denkender Atheist, wäre mir hingegen ein häßlicher Ätztyp, der persönlich in Kinderfickervertuschungen verstrickt ist, willkommen.

Es ist meine ewige Furcht, daß der politische Gegner einen Rattenfänger mit viel Charisma aufböte.
Schließlich weiß ich wie begrenzt die Macht der Argumente ist. 
Die Majorität des Urnenpöbels ist dafür grundsätzlich nicht zugänglich und orientiert sich an diffusen Sympathien und dem öffentlich aufgebau(sch)ten Image entlang.
 
Wenn die Konservativen durch eigene Doofheit Wähler verprellen, ist das allerdings willkommen.
Heute hat CSU-General Doofbrindt wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen und in offensichtlicher Unkenntnis der auch unter CSU-Anhängern mehrheitlich positiv betrachteten Homoehe, laut aufgejault.
Dabei ist die vollständige Gleichstellung von Homos und Heteros mit Sicherheit nur noch eine Frage der Zeit.
Den Baum, den Dobrindt nun wie ein wilder Affe hinaufklettert, muß er doch irgendwann wieder runter kommen und dann wird er blamiert dastehen.
 Nebenbei bugsiert Dobrindt auch die Kanzlerin in schwere See, da er ihr Antihomo-Machtwort ignoriert.
Sehr gut.
Bestimmt hätte Alexander Dobrindt einen prima CSU-Generalsekretär abgegeben. Vor 30 Jahren. Damals hätte er dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß gedient, der als CSU-Chef den Spruch prägte: "Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder". Damals waren die christsozialen Feindbilder mit Blick gen Osten und in die Gesellschaft hinein noch klar.
Der Kalte Krieg ist lange vorbei, die Schwulen sind mitten in der Union angekommen - aber der CSU-Politiker Dobrindt tut einfach so, als sei das alles nicht passiert. "Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit", sagte er der "Welt am Sonntag".
Die "schrille Minderheit"? Drei Viertel der Bevölkerung wünschen sich nach aktuellen Umfragen weitere rechtliche Erleichterungen für Homo-Ehen, das Bundesverfassungsgericht hat für sie gerade erst gesetzliche Verbesserungen bei der Adoption angemahnt.
Papperlapapp, sagt der CSU-Generalsekretär. "Konservativ modern sein heißt unbequem modern sein, weil man nicht nach dem Rhythmus des Zeitgeistes tanzt." Er weiß, was die Leute wirklich möchten, nämlich: "Die Menschen wollen keine Veränderung der Gesellschaft, in der Ehe und Familie nicht die Normalität sind."
[…]   Das Thema Homo-Ehe ist ohnehin schon ein heikles Thema für die Koalition. Und nun kommt auch noch Dobrindt und zerdeppert weiteres Porzellan.