Eigentümlicherweise sind immer noch überproportional viele Journalisten
FDP-affin und halten Lindners Liste
für besonders kompetent in Wirtschaftsfragen.
Der Grund dafür ist offensichtlich, daß FDPler von sich
selbst hartnäckig behaupten, ökonomische Expertise zu besitzen.
Belegt ist eher das Gegenteil. Von 1969 bis 1998 stellte die
FDP ununterbrochen den Bundeswirtschaftsminister. In diesen 29 Jahren sind die
Innovationen eingeschlafen, die FDP trieb den Spitzensteuersatz auf sagenhafte
56% hoch und schuf einen undurchdringlichen Dschungel aus Subventionen und
Quersubventionen. Jeder, der Parteispenden an die FDP leistete, wurde
irgendwann von „liberalen“ Ministern mit irgendwelchen Subventionen aus der
Steuerkasse belohnt.
Von den kläglichen schwarzgelben Merkel-Jahren, als die
Gurkentruppen-Minister Rainer Brüderle (2009-2011) und Philipp Rösler (2011-2013)
im Wirtschaftsressort debakulierten, möchte ich höflicherweise gar nicht erst
anfangen. Ich behaupte; auch glühenden FDP-Wählern wird keine segensreiche Tat
der beiden Minister einfallen.
Man hätte die Frage nach dem Wirken der Fehlbesetzungen in
den letzten Wochen vielleicht dem einzig noch aktiven FPD-Politiker jener
Jahre, dem damaligen FDP-Generalsekretär, einem gewissen Christian Lindner,
stellen sollen.
In mehreren Post-Wahlsendungen und Artikel höre/lese ich
empörte Vorwürfe an den SPD-Parteichef Walter-Borjans wegen seiner undiplomatischen
Attacke auf die FDP, der er, genau wie sein Vize Kühnert, vorwarf „Voodoo-Ökonomie“ betreiben zu wollen.
Liberalen-Freund Plasberg ging den stellvertretenden SPD-Parteichef Kühnert
scharf an, weil er Christian Lindner „Luftikus“ genannt hatte.
1.
Ja, das ist undiplomatisch.
2.
„Luftikus“ stammt aus dem Wahlkampf und ist weit harmloser als die
Bezeichnungen, die sich Kühnert aus Reihen der FDP anhören musste.
3.
Inhaltlich sind „Voodoo-Ökonomie“ oder „Luftikus“ durchaus richtig. 30 Milliarden
Steuersenklungen für Superreiche, Schuldenbremse und Investitionen gleichzeitig
sind unmöglich.
[…..] SPD-Vorstandsmitglied Kevin Kühnert kritisiert die FDP-Steuerpläne als
nicht vereinbar mit dem Ziel stabiler Staatsfinanzen. Nach Ansicht führender
Wirtschaftsforschungsinstitute hätten die Liberalen ein „ziemliches
Voodoo-Programm“ vorgelegt, sagt der SPD-Linke in der ARD und fügt hinzu:
„Steuern runter - auch für Superreiche. Investitionen hoch, aber gleichzeitig
Schuldenabbau.“ Irgendwas davon werde am
Ende nicht funktionieren. „Und wenn die FDP mitregieren möchte, dann wird sie
sich, glaube ich, in den nächsten Tagen zu solchen Fragen noch mal verhalten
müssen.“ [….]
(Tagesspiegel, 27.09.2021)
Lindners Liste vertritt den klassischen Trickle-Down-Ansatz:
Großzügige Steuererleichterungen für die Superreichen, damit diese dann
investieren und so der Wohlstand bis in die untersten Einkommensschichten durchsickert.
Es gibt ein winziges Problem an dieser immer wieder zB in GB
und den USA von konservativen Regierungen versuchten Politik: Sie funktioniert
nie!
Damit häufen die Neoliberalen und Rechten einen enormen Schuldenberg und gleichzeitigen
Investitionsstau an. Die Vermögen der Superreichen steigen immer rasanter,
während die Infrastruktur zerfällt und Arbeitsplätze deregulierterweise nach
Asien und Afrika verschwinden.
Und dann müssen die demokratischen Präsidenten Clinton und
Obama kommen, um den Schlamassel wieder aufräumen.
In einem der Trielle wurde Laschet bedrängt, wieso er
Erbschafts- und Vermögenssteuern strikt ablehne, stattdessen aber Superreiche
steuerlich entlasten wolle.
Er setzte zu einer tränenrührigen Geschichte über kleine
Handwerksbetriebe an, denen durch die Vermögenssteuer die Substanz besteuert
würde, so daß sie Konkurs anmelden müssten.
Das ist selbstverständlich großer Unsinn. Noch nicht mal bei
Jusos oder der Linken plädiert jemand für eine Vermögenssteuer, die das
Betriebsvermögen kleiner oder mittlerer Firmen abgreift.
Es wäre in einem Gesetz leicht zu regeln, daß auch superreiche
Unternehmer, wie zB die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin ihr „Vermögen“
behalten sollen, wenn es in einem Unternehmen steckt und damit viele Arbeitsplätze, sowie Staatseinnahmen
(Gewerbesteuer, Mehrwertsteuer) generiert werden.
Ich denke, kein Bundestagspolitiker, auch wenn er noch so
links ist, will solchen Unternehmern ihre Firmen kaputt machen.
Zum großen Ärger gerade auch der persönlich haftenden
Unternehmer und Familienfirmen, werden sie bei der Diskussion über Superreiche
aber in einen Topf geworfen mit parasitären Existenzen, die durch reinen Besitz
(Aktien oder Immobilien) von ganz allein immer reicher werden, ohne daß sie
dafür einen Finger krumm machen.
Zudem können die reichsten 0,01% das Steuersystem beliebig
austricksen, um sich der Solidarität gänzlich zu entziehen.
(….) Warren Buffett erzählte schon vor 20 Jahren,
daß seine Sekretärin mehr Steuern als er bezahle. (….) Warren Buffett zahlt weniger Steuern als seine Sekretärin Debbie Bosanek;
geschätztes Jahreseinkommen: 50.000 Dollar, für die sie etwa 36 Prozent Steuern
zahlt. Ihr Boss zahlt gute 14%. Multimillionär Mitt Romney zahlte 12,9% Steuern auf seine 22 Millionen Dollar
Kapitaleinkünfte.
Das ist so offensichtlich
ungerecht, daß amerikanische Millionäre schon seit Jahren regelrecht darum
betteln mehr Steuern zu zahlen.
[….] "Erhöht die Steuern für Millionäre". Das fordern nicht etwa
linke Aktivisten, sondern 80 Vermögende aus New York. Unter anderem unterzeichneten
George Soros, Steven Rockefeller und Abigail Disney den offenen Brief, der am
Dienstag veröffentlicht wurde. Das Schreiben ist an den demokratischen
Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, gerichtet. Aus Sicht der Unterzeichner
sollten Top-Verdiener mehr für Schulen, Straßenbau oder Programme für Arme und
Obdachlose bezahlen. […..]
(Huff Po, 21.03.2017)
Andere Superreiche denken
stattdessen lieber an ihr eigenes Wohl und spenden für Konservative. Für
ihr intensives Däumchendrehen und konzentriertes Chillen wuchs beispielweise
das Vermögen der Susanne Klatten, geborene Quandt, im vergangenen Jahr um zwei Milliarden
Euro.
Susanne Klatten gewinnt zwei Milliarden Dollar hinzu [….] Schwer genervt ist Susanne Klatten, 54, wenn
sie immer nur als die reichste Frau Deutschlands tituliert wird. "Das
beschreibt den Menschen nicht, das beschreibt nur einen Status", klagte
die Multimilliardärin im vergangenen Sommer in der Zeit. [….] Umso besser läuft es bei BMW. Gemeinsam sind
die Geschwister - ihre Mutter Johanna ist vor zwei Jahren gestorben -
Großaktionär. Die Dividende wird erneut angehoben, und die Quandt-Erben
bekommen alleine etwas mehr als eine Milliarde Euro ausgeschüttet. Auch viele
andere Beteiligungen laufen gut, zur Freude Klattens. Gerade wurde wieder die
Liste der reichsten Menschen der Welt veröffentlicht, berechnet von dem auf die
Superreichen spezialisierten US-Magazin Forbes. Für Susanne Klatten reicht es
in der Hitliste auf Platz 38, ihr Vermögen wird jetzt auf 20,4 Milliarden
Dollar taxiert, immerhin knapp zwei Milliarden Dollar mehr als 2016. Der
jüngere Bruder Stefan Quandt liegt mit 18,3 Milliarden Dollar auf Platz 47. [….]
(Caspar Busse, SZ vom 22.03.2017)
Ich bin übrigens gar kein Linksradikaler,
der Frau Klatten und Herrn Quandt alles wegnehmen will. Reichtum an sich stört
mich nicht. Ich halte es durchaus für möglich, daß anständige Menschen, die
sozial denken mit moralisch akzeptablen Methoden sehr reich werden.
Meinetwegen kann Frau Klatten gern Milliardärin bleiben. Es stört mich nur, wenn
Superreiche steuerlich besser gestellt werden als Normalverdiener, daß es
offensichtlich möglich ist mit einem Heer von Anwälten und Steuerberatern die
Abgabenlast gen Null zu drücken. Für Einkommens-Multimillionäre
sollte eine staatlich festgelegte Mindeststeuerquote gelten, von der nichts
abziehbar ist. (Stichwort „Buffett-Steuer“)
Es ist darüber hinaus schon
recht ekelhaft, wenn wiederholt der Eindruck entsteht, die Quandt/Klatten-Familie
erhielte ihren jährlichen Geldsegen insbesondere durch ihre Finanzierung der
CDU
[….] Eine Spende mit Geschmäckle: 690.000 Euro überwies die
BMW-Eignerfamilie Quandt der CDU, Kanzlerin Merkel erstritt Schonung für
deutsche Autokonzerne bei EU-Abgasnormen. [….] Die drei Mitglieder der Quandt-Familie haben laut der
Bundestagsverwaltung der CDU am vergangenen Mittwoch insgesamt 690.000 Euro an
Spenden zukommen lassen. Gemeinsam halten sie 46,7 Prozent der Anteile an BMW.
Die Spenden fallen zeitlich mit einer brisanten politischen Entscheidung
zusammen. Die Bundesregierung kämpft seit diesem Sommer dafür, strengere
Abgasnormen für Autos in Europa später einzuführen als ursprünglich geplant.
Mit Erfolg: Am Montag verhinderte die Bundesregierung bei einem Treffen der
EU-Umweltminister vorläufig eine Einigung. Davon profitieren insbesondere
deutsche Oberklasse-Hersteller wie BMW, aber auch Daimler, Audi oder Porsche.
[….]
(Florian Diekmann, 15.10.2013)
Jedes Jahr überweist die
Quandt-Sippe sechsstellige Summen an CDU und CSU und; oh
Wunder; die Steuer- und Umweltschutzgesetze bleiben kontinuierlich sehr
Quandt-freundlich. (….)
(Was wir uns nicht leisten können, 29.03.2017)
[…..] Der
Club der Superreichen, zu dem Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als
100 Millionen Dollar gehören, wuchs im Krisenjahr in Deutschland um 186
Personen auf 2900. […..] Die Zahl der
Dollar-Millionäre in Deutschland erhöhte sich demnach um 35.000 auf 542.000.
Die BCG führt den Anstieg auch auf die Entwicklung des Eurokurses zurück, der
im Vergleich zum Dollar zugelegt hat. Die Menschen haben damit – nicht nur in
Deutschland – im Corona-Krisenjahr 2020 insgesamt so viel Reichtum angehäuft wie
nie. […..]
1. Beate Heister und Karl Albrecht Jr.[…..] erbten die Supermarkt-Kette Aldi
Süd von ihrem Vater Karl Albrecht S.r[…..] Sie waren bereits vor der
Corona-Krise im Jahr 2019 die reichsten Menschen Deutschlands mit einem
gemeinsamen Vermögen von 36,1 Mrd. US-Dollar. Dieses Vermögen haben sie
bis Mai 2021 laut „Forbes“ um mehr als drei Milliarden US-Dollar wachsen
lassen. […..]
2. Dieter Schwarz (81, Lidl/Kaufland) […..] ist derjenige unter den fünf reichsten Deutschen, dessen Vermögen
während der Corona-Krise am meisten gewachsen ist – von 22,6 Milliarden
US-Dollar im Jahr 2019 auf jetzt 36,9 Milliarden. […..]
3. Susanne Klatten (59, Hauptanteilseignerin BMW) […..] Ihr Bruder Stefan Quandt ist mit 21,6
Milliarden US-Dollar die fünftreichste Person Deutschlands. Klattens Vermögen
ist laut „Forbes“ weitaus größer und beläuft sich auf 27,7 Milliarden
US-Dollar. […..]
4. Klaus-Michael Kühne (83, Kühne + Nagel) […..] ist der einzige unter den fünft reichsten
Deutschen, der sein Vermögen seit 2019 mehr als verdoppeln konnte, von 12,9
Milliarden US-Dollar vor der Corona-Krise auf jetzt 26,3 Milliarden. […..]
(Tagesspiegel, 10.06.2021)
Der olle Kühne hat
mal eben 13,4 Milliarden Dollar in einem Jahr dazu "verdient".
Das sind 1,12 Milliarden pro Monat. Das sind 248 Millionen Dollar mehr pro
Woche, oder 37 Millionen Dollar mehr PRO TAG.
Herr Schwarz nahm um 14,4 Milliarden Dollar zu. Das
sind 1,2 Milliarden pro Monat. Das sind 275 Millionen Dollar mehr pro Woche,
oder 39 Millionen Dollar mehr PRO TAG.
Menschen mit lumpigen 20 oder 30 Milliarden Euro Privatvermögen
darf man natürlich nicht mit ketzerischen Gedanken wie MINDESTSSTEUER oder
VERMÖGENSSTEUER erschrecken.
Über Einkommenssteuer und Erbschaftssteuer lachen die
Herrschaften dieser Größenordnung ohnehin sehr herzlich. Diese Steuern werden
nur von der Mittelschicht bezahlt, die ein Haus oder drei vermietete
Ferienwohnungen vererben. Wer aber Milliarden sein Eigen nennt, entzieht sich
diesen Steuerpflichten durch Doppelstiftungsmodelle, Scheinfirmen in Steueroasen
und findige Steuerberater.
Dennoch achten Katten und Co darauf, daß sie auch
weiterhin genügend Millionen an die INSM spenden, um zu verhindern, daß der
Urnenpöbel auf dumme Ideen am 26.09.2021 kommt. (….)
(Über das Wahlvolk kann ich mich nur wundern, 14.06.2021)
Firmenerben, die keine Lust haben, wie die fünf Generationen
vor ihnen, jeden Tag das Geschäft zu leiten, statt dessen alles an den
nächstbesten chinesischen Investor verticken und von den erlösten Millionen Yachten
und Strandvillen kaufen, dürfen nicht noch mehr entlastet werden-
Ein 90-Jähriger Seniorchef einer uralten Hamburger
Handelsfirma sagte mir mal vor Jahren wutentbrannt, für solche Firmenerben
sollte eine Erbschaftssteuer von 99% gelten.
Mit Trickle-Down à la FDP werden deutsche Milliardäre, die
ohnehin kontinuierlich durch Ausschlafen, Däumchendrehen und Jetsetten reicher
werden, schneller noch reicher, ohne daß davon irgendein gesellschaftlicher
Nutzen entsteht.
[…..] Die Vermögen der reichsten Deutschen wachsen trotz Corona
Sie sind wieder ganz vorn: Mit einem geschätzten Vermögen von 34,2
Milliarden Euro sind Susanne Klatten und Stefan Quandt die reichsten Menschen
in Deutschland. Das ergibt die neueste Schätzung des manager magazins. Die
Geschwister und Großaktionäre des Autokonzerns BMW haben damit nach drei Jahren
die Familie Reimann wieder von der Spitzenposition in der Liste der reichsten
Deutschen verdrängt. Dem Magazin zufolge sind die Großvermögen in Deutschland in den
vergangenen zwölf Monaten trotz der Coronakrise so stark gestiegen wie noch nie
seit 2001, als die Rangliste erstmals erstellt worden war. Seit 2020 legten die
Buchvermögen der Top 100 insgesamt um 116 Milliarden Euro auf 722 Milliarden
Euro zu – in absoluten Zahlen ist das ein neuer Rekord. Den Schätzungen zufolge gibt es inzwischen 213 Milliardäre in
Deutschland – 24 mehr als im vergangenen Jahr. Auch das ist ein Rekord. Die
Zahl umfasst dabei Individuen ebenso wie Großfamilien, die ein entsprechendes
Vermögen gemeinsam besitzen. Hinter den BMW-Erben Klatten und Quandt folgt auf Platz zwei in der
Rangliste der Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem Vermögen von 33,5
Milliarden Euro. Der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne belegt mit 33
Milliarden Euro den dritten Rang. [….]
(SPON, 30.09.2021)
Kühnert und Walter-Borjans haben völlig Recht; es ist „Voodoo-Ökonomie“,
wenn man in einem Land mit massiven Investitionsstau, dem lahmsten Internet Europas
und bröckelnden Infrastruktur, wie Herr Lindner und Herr Laschet darauf setzt,
den Superreichen einfach noch mehr Geld zu geben. Dann würden die sich schon
irgendwie von allein darum kümmern Handymasten in der Oberlausitz aufzustellen
und tolle neue Technologien zum Klimaschutz zu erfinden.
116 Milliarden, das sind 116.000 Millionen Euro bekamen
allein innerhalb der letzten 12 Monaten die 100 reichsten Deutschen in ihre
Geldspeicher geschoben.
BMW hat aber ganz offensichtlich nicht Lindners grandiosen
Klima-Motor erfunden, sondern setzt nach wie vor auf CO2-pestende
schwere Verbrenner-Limousinen. Wir brauchen in Deutschland ganz sicher keinen
FDP-Finanzminister und keine FDP-Steuersenkungen.
Bedauerlicherweise braucht es aber FDP-Stimmen zur nächsten
Kanzlerwahl.