Samstag, 6. Juli 2013

Keine Berührungsängste



In der Regel sieht man Ängste als etwas Schlechtes an. Man will sie loswerden und ist stolz darauf, wenn man sie überwunden hat.
Keine Berührungsängste zu haben, wird meistens ebenfalls positiv konnotiert.
Daraus spricht eine liberale und vorurteilsfreie Grundhaltung, wenn man auf jeden offen zugeht.
Übrigens gibt es „ganz einfache Menschen“ jeden Alters, die trotz deutlicher Bildungsferne tatsächlich „colorblind“ durchs Leben gehen und tatsächlich Schwarze, Schwule, Juden, Türken, Obdachlose, Greise, Kinder mit derselben Hochachtung behandeln.
Das hat mich immer fasziniert, weil die meisten Menschen doch irgendwo Vorurteile in sich drin sitzen haben und diese nur durch intellektuelle Anstrengung umgehen.
Vorurteile sind immer schlecht. Peter Ustinov hat viel darüber geschrieben und sogar Vorurteilsforscher finanziert. (Buchtipp: „Achtung! Vorurteile!“)

Im Gegensatz dazu haben Berührungsängste manchmal durchaus ihre Berechtigung. Ich wünschte, daß es in einigen Bereichen viel mehr Berührungsängste gäbe.
Zum Beispiel gegenüber Waffen, rassistischen Gedanken, religiösen Führern, Sektengurus, Esoterik-Anbietern.
Insbesondere sollte man gegenüber Rechtsextremen/Nazis/Faschisten durchaus Berührungsängste haben.
Es gibt Ideologien, denen man nicht gleichgültig gegenüberstehen darf, sondern die bekämpft gehören.


Ich bin froh zu einer Partei zu gehören, deren Mitglieder und Suborganisationen tatsächlich diese Distanz zu Xenophoben und Volksverhetzern wahren.

Bei anderen Volksparteien ist das leider nicht der Fall.
Immer wieder kommt es zu Verquickungen, Verbrüderungen und Überschneidungen zwischen JU und ausländerfeindlichen Hetzern.
Daß die Hamburger Grünen sich von 2008 bis 2010 ins Bett mit der Hamburger CDU legten, habe ich seinerzeit immer wieder scharf kritisiert.
Leider hat sich die einstige Öko-Partei in diesem Bundesland noch nicht von den CDU-affinen Führungsfiguren getrennt und erscheint immer noch unwählbar.

Eben jene GAL koaliert auch freundlich mit der CDU, deren bräunliche Jugend-Truppe sich Gestalten wie den JU-Kreischef Alexander Weiss leistet.
Gegen den 22-jährigen Jungpolitiker wurde wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben und sie dann mit Bierdeckeln beworfen haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.
Neuester Vorfall:
Die JU Hamburg lud den ultrarechten Felix Menzel zu einem Seminar im "Ludwig Erhard Haus", bei dem er unter dem Motto "Mit gleichen Waffen zurückschlagen" die "Konservativ-Subversive Aktion" (KSA) Agitationstechniken des braunen Mobs erklärte.
Der politisch Kacke-farbene Menzel ist ist Mitbegründer der revanchistischen "Pennale Burschenschaft Theodor Körner", Leitspruch: "Deutsch und frei! Kühn und treu".
Die JU sog den braun-national miefenden Handlungsleitfaden gierig auf und setzte die neuen Rüpel-Methoden bereits in destruktiver Weise gegen eine Veranstaltung der Initiative „Eine Schule für alle“ ein.

Dieser Felix Menzel, pseudointellektueller Rechts-Aktivist, gründete vor einer knappen Woche in Dresden ein sogenanntes „Bildungszentrum“ und ist auch in der Burschenschaftlerszene fest verankert.
Deren Jugendorganisation versammelte sich heute ganz in meiner Nähe.

Denn an diesem Samstag findet hier das bundesweite Jahrestreffen völkischer Schülerburschenschaften statt. Der Allgemeine Pennäler Ring (APR), ein Dachverband von 13 derartiger Verbindungen, hat geladen. Weil es der APR in Hamburg an eigenen Räumlichkeiten mangelt, stellt die Germania Hamburg - eine studentische Burschenschaft - ihr großzügiges Haus zur Verfügung.

Tammox-investigativ hat sich die Szenerie um 21.00 Uhr noch einmal genau angesehen.
Da war inzwischen Totentanz eingekehrt. 
Im Ersten Stock brannte noch Licht, aber draußen war niemand mehr zu sehen; auch keine Gegendemonstranten. Nur die Polizeiabsperrgitter stehen zusammengeklappt an der Ecke.
Vermutlich sind die braunen Teenager bereits kotzend im Bierkoma zusammengebrochen.
 
Das ungewöhnliche häßliche Germania-Haus steht in einer wirklich sehr guten Gegend, nämlich an der Sierichstraße Nr.23 an der Ecke Schefflerstraße. 



Da möchte man gerne wohnen*. Die meisten anderen Gebäude in der Umgebung sich echte Augenweiden.

Anders als bei NPD-Veranstaltungen gibt es bei den rechtsextremen Burschenschaften kaum öffentlichen Widerstand. Die Gefährlichkeit dieser Extremistischen Vorfeldorganisationen ist noch nicht in der Allgemeinheit angekommen.


Weiterhin erfreulich ist es nun auch öffentlich die genaue Adresse des braunen Hauses genannt zu bekommen.
 In den letzten Monaten war immer nur dezent vom „Verbindungshaus an der Sierichstraße“ die Rede. Die Hausnummer konnte ich nicht ergoogeln.
Nun ist bekannt wo genau die politischen Missgeburten hocken – falls jemand mal vorbei gehen will, um, äh, einen lieben Gruß zu hinterlassen.
Man muß sich gegen dieses Pack verbünden und die Burschenschaften insgesamt ächten.

Dankbar bin ich Felix Krebs, der aktiv gegen diese Studentische Pest arbeitet und unter anderem in der „ZEIT ONLINE“ darüber informiert.
Falls sich jemand fragt, wie die Germania-Subhumanen ihr Haus unterhalten, so darf ich auch Hamburgs liebe CDU verweisen, die zu Ole von Beusts Regierungszeiten 7.500 Euro aus Steuergeldern bereitstellte, um die vom Verfassungsschutz beobachten Hetzer bei der Renovierung zu unterstützen!

Das Haus der Germania in der Sierichstraße ist nicht nur Ort des APR-Treffens, sondern diente in den letzten 25 Jahren immer wieder als Treffpunkt und Veranstaltungsraum für die extreme Rechte. Die vom Inlandsgeheimdienst als rechtsextremistisch geführten Organisationen Deutscher Freundeskreis und Hamburger Kreis trafen sich hier Anfang bzw. Mitte der 1990er Jahre. In den letzten Jahren waren ins Germanenhaus immer wieder Personen eingeladen, die auch vor der NPD und anderen neofaschistischen Organisationen auftraten. Trotzdem können über den sog. Hausverein der Germanen, das Studentenwohnheim Harry-Lange e.V., der das Haus finanziell trägt und einen weiteren Bonner Verein, die Beiträge der Burschen und Alten Herren von der Steuer als gemeinnützig abgesetzt werden. 2003 finanzierte die Bürgerschaft auf Antrag von Abgeordneten aus CDU, Schillpartei und FDP sogar ein Teil der Renovierung des braunen Hauses aus der Tronc-Abgabe, Einnahmen aus der Hamburger Spielbank, mit 7.500 Euro.

 Die Ideologen von der Blauen Narzisse

Aus der Pennalen Burschenschaft Theodor Körner aus Chemnitz, wie die Chattia auch dem Inlandsgeheimdienst schon aufgefallen, kommen urpsrünglich Felix Menzel und Sebastian Schermaul. Sie schrieben nicht nur an dem “APR-Geleitheft für die konservative Jugend” mit, sondern gründeten auch 2004 das Print- und Internet-Projekt Blaue Narzisse, das wichtigste neurechte Magazin für Schüler in Deutschland. Menzel war bis 2007 APR-Vorsitzender. Beim 20. APR-Tag 2010 in Eisenach wurde die Blaue Narzisse dort ausführlich vorgestellt. Viele ihrer Autor_innen sind Mitglieder aus Schüler- oder Studentenverbindungen. Doch Chefredakteur Menzel und sein Umfeld sind auch durchaus praktisch orientiert. Vor einigen Jahren war er ein Wortführer der Konservativ-Subversiven Aktion (KSA), die mit spektakulären Aktionen Veranstaltungen von politischen Gegnern störte. Menzel stellte 2008 das KSA-Konzept, Titel „Mit den gleichen Waffen zurückschlagen,“ in der Hamburger CDU-Zentrale vor. Die Bildzeitung schrieb dazu „Neonazi bei Partei-Seminar.“

2009 kam Menzel erneut nach Hamburg um über Medien zu referieren. Ort war die schlagende Verbindung Landsmannschaft Mecklenburgia Rostock, welche enge Kontakte zu den Germanen pflegt und auch sonst in ihrem Haus mal Referenten hatte, welche nicht gerade das Image demokratischer Konservativer haben. 2012 wurde Medienexperte Menzel zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er eine Bundespolitikerin beleidigt hatte.

Dieser Zusammenhang sei auch an diejenigen gerichtet, die immer behaupten, es mache keinen Unterschied SPD oder CDU zu wählen.

Das ist natürlich ohnehin Unsinn, aber bei der SPD kann man schon sicher sein, daß sie keine xenophoben Rechtsextremen mit Steuergeldern pampern.
Wir Sozis haben nämlich Berührungsängste gegenüber Nazis.
Die CDU vielerorts nicht.



*Das CDU-Haus am Leinpfad 74 befindet sich nur zwei Straßen weiter vom Germania-Haus. Ein sehr schönes Gebäude mit einer wunderbaren Aussicht über die Außenalster.
Trotzdem, jedes Mal, wenn ich daran vorbei fahren, zeige ich ihm, ob seiner Bewohner intensiv den Stinkefinger.

 

Freitag, 5. Juli 2013

Autokorrektur



Zurückrudern. Mea Culpa. Abbitte leisten.
Natürlich stimmt es, was ich vor zwei Wochen über die Vertriebenen geschrieben hatte. 
Von allen extremen Politgruppen, die wir in Deutschland zu bieten haben, waren mir die Vertriebenen-Verbände immer die mit Abstand Unsympathischsten.
Schon allein die Selbstüberschätzung, daß sie behaupten für alle Vertriebenen zu sprechen!
Die meisten Menschen mit Wurzeln in östlichen ehemals deutschen Gebieten, halten die CSU-affinen Trachten-Fanatiker vom BdV für genauso abartig, wie sie es auch wirklich sind. Das einzig „Gute“ an den Vertriebenen ist, daß sie mit Erika Steinbach und Bernd Posselt Topfunktionäre haben, die genauso so grotesk und unsympathisch sind, wie ihre Verbände. 
Aber es war eine aus dem Moment heraus entstandene Überzeugung, die in statu nascendi formuliert wurde, als ich mich gerade mit den Funktionären beschäftigt hatte.
Das Besondere an Konservativen ist aber, daß sie in jeder Ausprägung den Eindruck vermitteln der Tiefpunkt der menschlichen Kultur zu sein.
Wer gern Bundestags- oder Landtagsdebatten, bzw Parteitage  ansieht, wird das Phänomen kennen. Je länger die Diskussionen andauern, desto mehr Redner tauchen auf, von denen man voller Überzeugung denkt „das ist nun aber wirklich der Allerwiderlichste von allen!“
Man ahnt ja unter normalen Umständen gar nicht was für ein Gesochs von der rechten Basis in die Parlamente und Parteivertretungen geschickt wird.
Mit solchen Typen versöhnt man sich nur, wenn sie a posteriori im milden Licht des Vergessens verblassen.

Typischerweise erschien mir im ersten Halbjahr 2012 George W. Bush noch vergleichsweise sympathisch und intelligent zu wirken, nachdem ich mehrere intensive Dosen Cain, Bachmann und Gingrich bei den Primaries der GOP erlebt hatte.
Diese unfassbare Bösartigkeit und Primitivität der US-Republikaner schien so übermächtig, daß dagegen auch Rumsfeld und Cheney irgendwie ganz anständig wirkten.
Ich glaube allerdings, daß das ein Akt der Selbsttäuschung war. 
In vier Jahren hatte man eben schon wieder vergessen wie abartig GWB und die Seinen gewirkt hatten, als man sie noch beinahe täglich gesehen hatte.
Guckt man sich eine halbe Stunde GWB-Videos an und vergegenwärtigt sich noch mal Rummys Sprüche und Cheneys Visage, wird man recht schnell daran erinnert, wie übel die waren.

Diesen Effekt erlebte ich heute bei einem Bericht über BURSCHENSCHAFTLER.
Liest man darüber etwas mehr, kommt man schnell zu folgendem Schluß:

Von allen extremen Politgruppen, die wir in Deutschland zu bieten haben, waren mir die Burschenschaftler immer die mit Abstand Unsympathischsten.
Schon allein die Selbstüberschätzung, daß sich diese versoffenen Rechtsradikalen als Bildungselite Deutschlands ansehen! Dazu noch dieser grottig-altmodische Nazi-Begriff „Bursche“.

Daß sich diese versoffen-völkischen Kotbraunen und Entenküken-killenden Möchtegern-Arier ausgerechnet in Hamburg so wohlfühlen, und offenbar verstärkt hier zusammenrotten, ist für mich selbstverständlich ein besonderes Ärgernis.

Mit Schmiss auf dem Schulhof

Burschenschaften von Schülern aus ganz Deutschland treffen sich in Hamburg. Manche hetzen mit völkischen Ideen. [….]  Das harmlose Bild der Chattia als spaßige Verbindung aus Schülern und "Alten Herren" weicht dem einer konspirativen Gruppe, schwer einsehbar für Außenstehende, aber klar in der Haltung: Und die ist laut Verfassungsschutz eindeutig rechtsextrem. Am Sonnabend findet das bundesweite Jahrestreffen der Schülerburschenschaften in Hamburg statt. Ausrichter ist der Dachverband "Allgemeiner Pennäler Ring" (APR), das größte Bündnis der Bewegung.

Ein paar Absätze unter der Einladung zu Partys und Reisen verrät die Chattia mehr über ihre Ideologie. "Volkstum, Wahrheit, Recht", heißt es vor einem schwarz-weiß-roten Banner, den Farben der Verbindung. Und die der Reichskriegsflagge. "Wir fordern Männer, die bereit sind, ihr Ich hinter die Gemeinschaft zurückzustellen und die bereit sind, die ewigen Ideale Deutschlands zu leben." Dann schreiben sie viel von Ehre, Kameradschaft und dem Stolz auf das Deutschsein – Vokabeln, die sich auch in der Rhetorik rechtsextremer Parteien wie der NPD finden. [….] Zu den Männerbünden gehören das Fechten und die Geselligkeit, Fahnen und uniformes Äußeres. Bilder, die gut ins 19.Jahrhundert passen. Seit Jahren machen Bünde negative Schlagzeilen. 2011 sangen Burschen das Deutschlandlied auf der Wartburg, inklusive erster Strophe. Vor allem Verbindungen aus dem Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) mit 10.000 Mitgliedern fallen auf: Unverhohlen propagieren einige ein rassistisches und völkisches Weltbild. Seit zwei Jahren diskutiert der Verband, ob nur Bürger deutscher Abstammung aufgenommen werden dürfen. Eine Art "Arier-Nachweis". [….] Das Netzwerk der Burschenschaften reicht bis zu Minderjährigen. In etwa 120 "Pennalen Burschenschaften" organisieren sich Schüler in Bünden. [….] Die Chattia wurde 1989 im hessischen Friedberg gegründet. Mitte der 90er siedelte sie nach Hamburg um – und wurde auch von Jochen Schmutzler aufgebaut, einem langjährigen Mitglied der NPD. 2005 veröffentlichten die Chatten eine Anzeige im NPD-Monatsblatt "Deutsche Stimme", um neue Burschen zu gewinnen. 2008 erschien das Buch "Blutzeugen – Beiträge zur Praxis des politischen Kampfes in der Weimarer Republik" im rechtsextremen Nordland-Verlag. Der Autor: André Busch, Mitglied der Chattia. […] "Es gibt Anhaltspunkte, dass einige Mitglieder neonazistisch ausgerichtet sind und der NS-Zeit positiv gegenüberstehen", sagt Torsten Voß, stellvertretender Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes. [….]
(Christian Unger, HH Abla, 05.07.13)

Donnerstag, 4. Juli 2013

Der Fehlgriff



Einer der größten Späße, die sich der christliche Homo Sapiens erlaubt hat, ist es sich selbst als „Krone der Schöpfung“ anzusehen.
Wenn es denn so wäre, daß Gott die Arten geschöpft hätte, ist es schon sehr erbärmlich, daß eine derart destruktive und sadistische Spezies sein Meisterstück gewesen sein soll!
Also wenn DAS Gottes „Krone der Schöpfung“ sein soll, die sich „die Erde untertan machen“ soll, dann sollte man dem Typen keinesfalls weitere Planeten zum Einrichten anvertrauen.

Homo Sapiens ist doch ein triebgesteuertes Monstrum, das so egozentriert auf seine eigenen Körperfunktionen ist, daß es unablässig mit fressen, ficken und scheißen beschäftigt ist. Neben diesen erbärmlich banalen Tätigkeiten ist der Mensch stets noch bemüht die anderen Spezies auszurotten und seine Umwelt in eine gigantische Müllhalde zu verwandeln.

Homo demens ist dabei auch noch so verblödet und wenig selbstreflektiert, daß er sich auch noch selbst das Leben versaut, indem er jeden Tag 100.000 Individuen der eigenen Sorte an Hunger verrecken läßt, sich gegenseitig mit Kriegen überzieht und mittels Radioaktivität und Chemischen Abfällen permanent neue Krankheiten entwickelt.

Die ganze Doofheit des Menschen zeigt sich eigentlich am besten daran, daß er sich Religionen ausdenkt, in denen allmächtige Götter Homo Sapiens „nach seinem Ebenbild“ geformt haben und ihn damit zum „Herrn über alle anderen Tiere“ erhoben hätte.
Was für eine dümmliche Egomanie.

Der allmächtige Schöpfer des Universums, inklusive aller Sternensysteme und Planeten, soll so aussehen wie ein Mensch und diesen als das Nonplusultra entwickelt haben.
So ein Märchen kann man sich nur ausdenken, wenn man das Vakuum zwischen den Ohren mit Egomanie kompensiert.

Eine der abstoßendsten Eigenschaften des Menschen ist die seit Jahrtausenden selbstverständliche Praxis sich gegenseitig zu versklaven.
Daß ein Homo Sapiens einen anderen Homo Sapiens komplett entrechten, ausnutzen und auf jede erdenkliche Art quälen darf, wurde über Äonen nicht in Frage gestellt. 
Gott selbst wollte es schließlich so.
Dies versicherten Kleriker seit Tausenden Jahren.

Der Pakt zwischen Adel und Klerus - „du hältst sie dumm; ich halt sie arm!“ - scheint langfristig zu wirken.
Das Christentum lehrt schließlich ganz eindeutig sich nicht aufzulehnen.

Mit dem Auftauchen Jesu und dem Neuen Testament, war die Richtschnur gefunden.
Gott will, daß Sklaven und Diener und Leibeigene und andere Rechtlose willig und ohne aufzumucken ihren Besitzern dienen - und wer sich Gott widersetzt, kommt in die Hölle.
Simple as that.

5 Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. 6 Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! 7 Dient freudig, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen. 8 Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann. 9 Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person.
(Brief an die Epheser, Kapitel 6)

Aufmüpfig war erst der extrem antisemitische christliche Gelehrte Martin Luther, der sich dermaßen mit seiner klerikalen Obrigkeit anlegte, daß es zum Schisma kam.

Die daraufhin anbrechenden Bauernaufstände gegen ihre Herren, schockierten den Kirchenmann allerdings.
Ja, er nahm sich das Recht gegen den Vatikan zu opponieren.
Daß aber völlig rechtlose Leibeigene auch anfingen gegen ihre weltlichen Herren zu rebellieren, stand auf einem ganz anderen Blatt und so lehrte insbesondere die protestantische Kirche unbedingten Gehorsam gegen jede Obrigkeit.
Die christliche Lehre funktioniert genau so: Alle Macht den Oberen und halte die Armen mit dem Argument ruhig, ihr Schicksal sei gottgewollt und die Erlösung käme dann im Jenseits.

Das Diesseits für die Herrscher, das Jenseits für die Beherrschten.

Diese besondere soziale Auffassung haben die Kirchen nie wirklich überwunden.
Sie unterwarfen sich willig einem Reichskanzler Hitler - schließlich sei er der „rechtmäßig gewählte Führer“ (ein Argument, das man auf Kreuznet lesen kann, wenn es darum geht, weshalb die Kirche nichts gegen die Nazis unternommen habe).
Aber auch nach dem WK-II und der UN-Menschenrechtscharta, blieben die Großkirchen fest an der Seite der Herrschenden - sei es beim faschistischem Mörder General Franco in Spanien, oder bei den verschiedenen südamerikanischen Diktatoren.

Es ist keine Hundert Jahre her, daß man hier bei mir vor der Tür in Hamburg entrechtete Menschen in Käfige sperrte und anglotze.

Gerne wurden „Schau-Neger“ auf Jahrmärkten gezeigt. Carl Hagenbeck ließ für seinen Zoo in Hamburg allerlei „wilde Afrikaner“ einfangen und zeigte sie den höchst interessierten Hanseaten in seiner „Völkerschau“.
Den christlichen Besuchern kam es gar nicht in den Sinn, daß es irgendwie unmoralisch sein könnte, neben Löwen und Antilopen auch Hottentotten und Zulus in Käfigen zu zeigen.
Die Körperlichkeit der vielen afrikanischen Völkerschauen in Deutschland faszinierte insbesondere die Frauen in Deutschland - hatten sie doch in der Regel noch nie nackte Männer gesehen.

Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise lebten in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen. (Wiki)

Tatsächlich konnten die in Hamburg gefangenen Afrikaner noch von Glück reden. Es war nämlich durchaus auch üblich „Neger“ aus praktischen Erwägungen auszustopfen oder des einfacheren Transports halber nur ihre Köpfe auszustellen.
Noch heute lagern in den Kellern der Berliner Charité kistenweise getrocknete Köpfe von Menschen aus allen Gegenden Afrikas.

Bei Sklaverei denken wir zuerst an die USA und den dazugehörigen Bürgerkrieg 1861 bis 1865, der das offizielle Ende der Sklaverei brachte.
Keineswegs aber hatten Menschen aller Rassen damit auch dieselben Rechte!
Die US-Army, die Deutschland von den Nazis befreite, erlaubte noch keine schwarzen Offiziere. Sie durften nur niedrigste Dienstgrade haben.
Als die Eltern von Barack Obama heirateten, war diese „Mischehe“ noch in vielen Staaten der USA illegal.
Sklaverei gibt es aber noch heute auf US-Territorium. Immer wieder werden Fälle bekannt, daß sich reiche Familien einen Teenager aus Haiti oder anderen Problemnationen als „Haussklaven“ halten.
Die vielen UN-Diplomaten in New York können mit ihren „Hausangestellten“ ebenfalls so umgehen wie sie wollen.
Manchmal werden spektakuläre Fälle bekannt; so zum Beispiel im Februar 2010, als Prinz Abdulasis bin Nasir al-Saud seinen „Diener“ in einem Londoner Hotel totschlug.
Während es für die Saudische Königsfamilie wichtig war zu verschleiern, daß  Abdulasis bin Nasir al-Saud schwul ist und seinen Diener als Sexsklaven einsetzte, wunderten sich westliche Augen über die Aufnahmen der Überwachungskamera, die zeigten, daß der Versklavte die Schläge völlig wehrlos über sich ergehen ließ. Er war es offenbar gewöhnt, daß sein Herrscher mit ihm tun kann, was er möchte.

Bei arabischen Potentaten sind als de facto Sklaven gehaltene „Angestellte“ genauso üblich, wie bei einigen Hongkonger oder Singapurer Milliardären. 
Am meisten Sklaverei gibt es groteskerweise heute in Afrika, dem Kontinent, der über so viele Jahrhunderte als Sklavenreservoir für die „zivilisierten Christen“ herhalten mußte. Hauptsächlich im Sudan, Mauretanien und im Niger gibt es immer noch traditionelle Formen des Menschenhandles. Nach UNICEF-Angaben sind gegenwärtig allein 200.000 Kinder verkauft worden.

Es dauert also durchaus mal länger bis sich Christen mit dem Gedanken anfreunden, daß Sklaverei nicht zeitgemäß ist. 
Immerhin fand Jesus selbst die Sklaverei keineswegs kritikwürdig.
Die Herrnhuter Brüdergemeine (oft auch: Unitas Fratrum), eine pietistische, überkonfessionelle Christengruppe brauchte bis ins Jahr 2013, um sich einzugestehen, daß der von ihr betriebene Sklavenhandel irgendwie nicht moralisch anständig war.

Die Unitas Fratrum, die sich im 16. Jahrhundert gründete, ist festes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), beteiligt sich am Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und ist  assoziiertes Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die knapp eine Million Mitglieder haben sich inzwischen über die ganze Welt zerstreut und bilden überall fromme Gemeinden. 
Gerade mal 150 Jahre nach dem Ende der Sklaverei in Amerika, bittet nun auch die Unitas Fratrum um Entschuldigung. 
In der niederländischen Kolonie Surinam hatten die Herrnhuter Menschen versklavt und mit ihnen gehandelt. Natürlich immer streng nach den Regeln der Bibel!
Sorry, ey.
Ganz so schlimm war es allerdings nicht, denn so sind diese Typen immerhin zu Christen geworden.

»Wir müssen erkennen, dass unsere Missionsarbeit nicht dazu beigetragen hat, das menschenverachtende System der Sklaverei zu ändern oder aufzuheben«, sagt Frieder Vollprecht, Vorsitzender der Kirchenleitung der Brüder-Unität. »Ja unsere Kirche hat in Surinam selbst Sklaven besessen. Beschämt stehen wir vor diesem Aspekt unserer Geschichte und bitten die Nachfahren der zu Sklaven gemachten Schwestern und Brüder um Vergebung und Neuanfang.«

In einer Erklärung zum 1. Juli, dem Gedenktag an die Abschaffung der Sklaverei in Surinam vor 150 Jahren, bekennt die Kirchenleitung der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine die belastende Vergangenheit ihrer Missionsarbeit. »Der Herrnhuter Missionsarbeit kommt das Verdienst zu, den zu Sklaven gemachten Männern und Frauen das Evangelium von Jesus Christus verkündigt und ihnen gleichzeitig Bildung und eine Verbesserung ihres Gesundheitswesens gebracht zu haben«, sagt Frieder Vollprecht, »aber sie war weder bereit noch im Stande, die Sklaverei grundsätzlich in Frage zu stellen.«

In der Erklärung, die am 30. Juni in den Sonntagsgottesdiensten aller Brüdergemeinen in Deutschland und den Niederlanden verlesen wurde, heißt es: »Die Geschichte der Sklaverei in Surinam prägt bis heute unsere gegenseitige Wahrnehmung und unser Selbstbild: In der Art wie wir miteinander umgehen sind Bilder von Höherwertigkeit und Minderwertigkeit noch lange nicht aus unserem Bewusstsein verschwunden. Jedes Wirtschaftssystem, das Menschen ihrer Freiheit, ihrer Würde und ihrer Rechte beraubt, wie es die Sklaverei getan hat, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und mit dem biblischen Bild vom Menschen als Gottes Ebenbild unvereinbar. Aus diesem Grund beklagen wir die beschämende Weise, in der sich die Mission unserer Kirche in Surinam an der Sklaverei unkritisch beteiligt und sich dem darauf aufbauenden, menschenverachtenden System der Ausbeutung nicht klar und deutlich widersetzt hat.«