Donnerstag, 29. Juli 2021

Osteuropäische Dunkelkatholiken

In Osteuropa stehen Orthodoxie, bzw. Katholizismus für Homophobie, Antisemitismus, Obrigkeitshörigkeit, antidemokratische Bestrebungen und dunkelsten Konservatismus.

Die Kirchen, die Kardinäle unterstützen sehr klar die autokratischen und korrupten Führer Orbán, Putin und Kaczyński, begeistern sich für den brutalen Kurs gegenüber Flüchtlingen und mittelalterliche homophobe Gesetze.

Ich glaube nach wie vor, daß Wladimir Putin viel zu intelligent ist, um persönlich beim Gedanken an Schwule in Panik zu geraten.   Er regierte viele Jahre ohne irgendwelche LGBTI-kritische Aussagen. So lange er völlig ungefährdet riesige Mehrheiten bekam, hatte er den Abstieg in solche Niederungen gar nicht nötig. Erst als seine Wahlsiege fragiler wurden, schloss er den Pakt mit der Kirche.

Der Deal ist simpel: Putin garantiert die Privilegien der Popen, setzt die von ihnen gewünschten antischwulen Gesetze durch und bekommt dafür von allen Kanzeln Wahlempfehlungen.

So funktioniert es schon 100 Jahre zwischen rechten Autokraten und Kirche; überall auf der Welt. Hitler-Deutschland, Franco-Spanien, Mussolini-Italien, Tiso-Slowakei, später kamen die faschistischen Militärdiktaturen in Südamerika und nun verpartnern sich Franziskus‘ Jungs mit dem Assad-Regime und den finstersten Kräften Osteuropas.

[……] Warum viele Christen hinter Orban stehen  [……] „Ungarn ist ein demokratischer Staat. Manchmal ist er sogar demokratischer als Länder, die unsere Regierung scharf kritisieren“, sagt der ungarische Pfarrer György Gregersen-Labossa im Gespräch mit PRO. [……] Gregersen-Labossa ist einer derer, die Viktor Orban entschieden verteidigen [……] Was Labossa über die Pressefreiheit in Ungarn zu sagen hat, steht im starken Widerspruch zu den Einschätzungen internationaler Beobachter[……] Labossa betont, dass Religion und christliche Werte für viele Ungarn eine Bedeutung hätten. Circa 70 Prozent der Bevölkerung gehörten der römisch-katholischen Kirche an. [……] Nicht verstehen kann der Theologe die Debatte über Regenbogenfahnen während der Fußball-Europameisterschaft. [……]

(Johannes Blöcher-Weil, PRO, 28. Juli 2021)

Natürlich sind Franzis Fürsten weltweit als perfide Apologeten wider des Humanismus unterwegs. In ganz Afrika, aber auch zum Beispiel in den USA verbreiten sie puren Menschenhass.

[……] Der texanische Bischof Joseph Edward Strickland hat den Regenbogen auf Twitter zu einem gegen Gott gerichtetes Zeichen erklärt. Wörtlich schrieb der 62-Jährige: "Der Regenbogen wurde als Zeichen des sündhaften Pride und als Zeichen der Rebellion gegen Gottes Gebote vereinnahmt, statt ein Zeichen der Hoffnung zu sein", so Strickland. "Lasst uns für die Welt und die Kirche beten, damit die menschgemachten Götzen unserer Zeit von der Welt und der Kirche abgelehnt werden und wir wieder demütig vor dem allmächtigen Gott knien." […..]

(Queer.de 21.07.2021)

Aber nur in Osteuropa funktioniert die Symbiose zwischen den antihumanistischen Episkopaten und den antidemokratischen Herrschenden so perfekt.

Der real existierende Katholizismus wurde inzwischen erfolgreich auf eine neue Eskalationsstufe der Perfidie gehoben: Bischöfe und Priester missbrauchen Myriaden kleine Jungs, fallen als sexuelle Raubtiere über Kinder her und verwenden gleichzeitig die besonders niederträchtige und falsche Gleichsetzung von Homosexualität und „Pädophilie“, um noch mehr Homophobie zu fördern.

So erfreut sich der polnische Theologieprofessor und Priester Dariusz Oko (Homosexuelle sind "Kolonie von Parasiten") großer Beliebtheit in der deutschen erzkatholischen Szene.

[…..] Oko kramt den alten Gassenhauer "Schwule = Kinderschänder" hervor.   In dem Text werden schwule Männer außerdem pauschal als Menschen diffamiert, die eher Kinder sexuell missbrauchten als Heterosexuelle. So behauptet der Autor, "dass etwa 20 Prozent der Homosexuellen eine ephebophile oder päderastische Vorliebe haben, was eine ihrer typischen Störungen ist" – eine Quelle für diese Behauptung wird nicht genannt.    "Theologisches" ist ein seit 1970 erscheinendes Magazin von katholischen Dogmatikern mit Sitz in Köln, das zwischen 2003 und 2010 von David Berger herausgeben worden war. Der Theologe fiel in Ungnade, als er sich als schwul outete (queer.de berichtete). Später wurde er Chefredakteur des schwulen Magazins "Männer". Inzwischen verkehrt Berger aber fast ausschließlich in Rechtsaußen-Zirkeln – er war etwa 2018 und 2019 Kuratoriumsmitglied der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Daneben bietet er in seinem Blog sogar Neofaschisten eine Plattform, um gegen LGBTI-Rechte zu polemisieren (queer.de berichtete).  […..]

(DK, 03.03.2021)

Die deutschen Katholiban von David Berger über Gabriele Kuby, Laschets Opus Dei, die Piusbrüder bis hin zu Beverfoerdes „Demo für alle“ sind einerseits begeistert von den Homohass-Heiligen aus dem Osten, andererseits umso frustrierter, daß sie mit ähnlich schrillen Tönen in der deutschen Bevölkerung keinen Anklang finden; ja sogar teilweise aus der Amtskirche Ablehnung erfahren.

Mit seinen letzten Hetz-Artikel in der früheren David-Berger-Zeitschrift trieb es der polnische Priester allerdings zu weit.

[……] Eine deutsche Gerichtsentscheidung löst im katholischen Polen große Aufregung aus: Das Kölner Amtsgericht hat gegen den polnischen Theologieprofessor und Priester Dariusz Oko einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung erlassen. Grund ist ein Artikel Okos in der deutschsprachigen Zeitschrift Theologisches, in dem er homosexuelle Priester unter anderem als "Plage" und bezeichnet. Wörtlich heißt es im Artikel: "Eine solche Homomafia verhält sich wie jede Mafia wie ein rücksichtsloser Parasit, wie ein Krebsgeschwür, das sogar bereit ist, seinen Wirt zu töten, die letzten Ressourcen und Vorräte aus ihm herauszusaugen, um seine bequeme Existenz zu sichern", so schreibt Oko über homosexuelle Priester. Der Artikel trägt die Überschrift "Über die Notwendigkeit, homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen". Diese Aussagen seien geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören und gegen einen Teil der Bevölkerung zum Hass anzustacheln, entschied das Kölner Amtsgericht in dieser Woche und erließ eine Geldstrafe gegen Dariusz Oko über 4800 Euro. Auch gegen Chefredakteur Johannes Stöhr, der in Köln lebt, wurde Strafbefehl verhängt. Laut einer Gerichtssprecherin haben Stöhr und Oko jeweils Einspruch dagegen eingelegt. [……]  Oko äußerte sich im polnischen Fernsehen: Er habe einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben und "bekannte Fakten über Homosexuelle in Soutane und ihre Gewohnheiten" gesammelt.  Oko ist in Polen kein Unbekannter: Der 61-Jährige ist Leiter des Lehrstuhls für Kognitive Philosophie der Päpstlichen Universität "Johannes Paul II." in Krakau und häufig Gast in polnischen Talkshows. Er ist Autor eines Buchs mit dem Titel "Lavendel-Mafia" über angebliche schwule Netzwerke innerhalb der katholischen Kirche. [……]

(SZ, 29.07.2021)

Wie weit entfernt die osteuropäischen Katholiban von Demokratie, Anstand und Realität stehen, zeigt sich in Okos Reaktionen, der sich aufgrund der Geldstrafe für seine menschenfeindliche Hetze, mit den sechs Millionen von NS-Deutschland  ermordeten Juden und den 50.000 von den Nazis verurteilten Schwulen vergleicht.

[…..] "Die Deutschen stecken mich ins Gefängnis? Meine Großeltern retteten Juden, obwohl die Deutschen es verboten hatten. Ich bin ähnlich entschlossen, die Kirche vor Homo-Cliquen zu retten."  [….]

(Professor Oko)

Allein dafür sollte seine Geldstrafe verdoppelt werden.

Der Pakt der homohassenden Katholiken Osteuropas mit den antidemokratischen Regierungen funktioniert. Die extremistische PiS-Regierung springt dem homohassenden Hetzer sofort bei.

[…..] In Polen hat der Strafbefehl für ein großes Medienecho gesorgt. Vertreter*innen der polnischen Organisation Ordo Iuris, die international mit anderen LGBTI-feindlichen Organisationen wie der deutschen "Demo für alle" zusammenarbeitet, werden dabei ausführlich zitiert. [……] In einer "Petition an das Amtsgericht Köln und die Bundeskanzlerin Angela Merkel" heißt es, dass es sich bei dem Artikel Okos um eine akademisches Werk handle. Darin weise der Priester lediglich auf Auswirkungen der "Homolobby" in kirchlichen Strukturen hin, "darunter pädophile Straftaten, die von Hierarchien mit homosexuellen Neigungen begangen wurden". […..] Auch aus der rechtpopulistischen polnischen Regierung gibt es Unterstützung für Oko. Justizstaatssekretär Marcin Romanowski erklärte etwa: "Das Gericht missachtet die akademische Freiheit und zieht Täter den Opfern vor." [….]

(Queer.de, 27.07.2021)

Bezeichnend und entlarvend ist die Wahl der Co-Adressatin der „Petition“: Angela Merkel.

Offenbar ist in Polen vergessen worden, daß es im Rest Europas noch Demokratien mit Gewaltenteilung gibt, in denen die Regierung als Exekutive grundsätzlich keinen Einfluss auf die Judikative (Gerichtsurteile) nehmen darf.

Kirche und Regierung in Polen gehen ganz selbstverständlich davon aus, daß die deutsche Bundeskanzlerin wie in der PiS-Bananenrepublik Gerichtsentscheidungen nach ihrem Gutdünken bestellen könnte.

An dieser Stelle wünsche ich Herrn Oko, daß die nächsthöhere Instanz bei der Revision des Urteils statt einer Geldstrafe, fünf Jahre Haft verlangt.

Mittwoch, 28. Juli 2021

Nazi-Toleranz.

Die Kohl- und Merkel-CDU war zumindest noch beschämt und pikiert, wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland Antisemitismus anprangerte.

Die CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Jenninger oder Martin Hohmann verloren nach antisemitisch zu verstehenden Äußerungen ihr Amt, bzw die Parteimitgliedschaft. Der faschistoide Hohmann sitzt seit 2017 daher für die AfD im Bundestag. Immerhin gab die CDU also einen Sitz ab, weil sie keine offensichtlichen Rechtsradikalen unter sich haben wollte.

Diese Nazi-Intoleranz ist aber offenbar kein CDU-Parteikonsens mehr. Annegret Kramp-Karrenbauer scheiterte daran, ihre ostdeutschen Landtagsabgeordneten von der extremistischen Höcke-AfD zu lösen. Ihr Nachfolger Laschet versucht es gar nicht erst, akzeptiert Verschwörungstheoretiker und Antisemiten in seiner Partei. Besorgte bis entsetzte Warnungen des Zentralrates der Juden, ignoriert der erzkatholische Opus-Dei-Freund.

(…..)  Natürlich ist es absolut nicht tabuisiert, israelische Politik oder Politiker zu kritisieren.   Antisemitismus sollte aber ein TABU sein. Inmitten all der von Populisten gezündeten Fake-Tabu-Nebelkerzen, fällt es aber zunehmend schwer sauber zu trennen.  Natürlich bedient der CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen immer wieder bewußt antisemitische Klischees.   Das ist in den letzten Wochen so gründlich von seriösen Recherche-Teams und Medien wie dem SPIEGEL nachgewiesen worden, daß ich das Fass nicht erneut aufmache.

Maaßen ist Antisemit.

Von einem antisemitischen Kandidaten sollte sich die CDU als größte Regierungspartei verabschieden.   Aber auch die Laschet-CDU versagt in dieser Hinsicht, genau wie auch schon die AKK-CDU zum Entsetzen des Zentralrates der Juden mit Antisemitismus flirtete, ohne diese zu verdammen.

Armin Laschet persönlich verteidigt sogar den antisemitischen Rechtsaußen Maaßen. Er will keinen Antisemitismus wahrgenommen haben.  Und das in einer Krisensituation, in der antisemitische Übergriffe zunehmen. (….)

(Laschet-CDU auf Antisemitismus-Kurs, 18.05.2021)

Die selbst für AfD-Verhältnisse besonders völkische und extremistische Thüringer Landesgruppe unter ihrem „Führer Höcke“ erscheint der ebenfalls recht rechtsextremen „Werte-Union“ als passender Koalitionspartner.

Es gab nicht eine einzige Nein-Stimme aus der gesamten CDU-Landtagsfraktion in Thüringen, als sich der Faschist Höcke zum Ministerpräsidenten wählen lassen wollte.

Die CDU kennt keine Moral mehr; Teile plädieren offen für einen Pakt mit Nazis.

Jede Partei leidet an echten Spinnern in ihren eigenen Reihen.

Entscheidend ist aber, daß die Thüringer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und der Bundesvorsitzende keinen Anlass sieht, gegen die antisemitischen Umtriebe Stellung zu beziehen.

Wieder ist der Zentralrat der Juden in Deutschland schockiert von der CDU-Faschisten-Toleranz, wendet sich empört gegen den Millionen-Segen für die AfD-Stiftung, in dessen Vorstand auch der rechtsextreme Hetzer David Berger saß. Aber Erzkatholik Laschet sind die Ängste der Juden völlig egal.

[…..] Der Zentralrat der Juden hat die Forderung mehrerer Thüringer CDU-Politiker kritisiert, in Anbetracht der schwierigen Landtagswahlergebnisse offen auch für Gespräche mit der AfD zu sein. "Die Thüringer CDU-Kommunalpolitiker, die gesprächsoffen für die AfD sein wollen, handeln verantwortungslos. Denn sie tragen dazu bei, die AfD weiter salonfähig zu machen", sagte Zentralrat-Präsident Josef Schuster dem Berliner "Tagesspiegel". [….]

(SZ/dpa, 05.11.2019)

[…..] Steuergelder für rechte Stiftung? Der Zentralrat der Juden in Deutschland und weitere Organisationen warnen vor staatlicher Finanzierung der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. […..] Der Stiftung würden mutmaßlich Beträge in zweistelliger Millionenhöhe zustehen, sollte die AfD bei der Wahl im September erneut in den Bundestag einziehen. […..] Die Desiderius-Erasmus-Stiftung sei "eine rassistische, antisemitische und völkische Organisation", sagte Doron Kiesel, Wissenschaftlicher Direktor des Zentralrats der Juden. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann mahnte, "es ist schlichtweg absurd, wenn der demokratische Rechtsstaat diejenigen unterstützt, die ihn abschaffen wollen". Luisa Neubauer von Fridays for Future warf der AfD vor, sie schüre "Hass und Hetze". Dass die Agenda der Partei "über eine Stiftung auch an die Universitäten getragen werden soll, ist unerträglich".  […..]

(Tagesspiegel, 29.06.2021)

Unerfreulicher als die Nazi-Toleranz innerhalb der CDU, sind aber die zunehmenden Überschneidungen, die es zwischen Grünen und Völkischen gibt.

1.

Da ist der notorische grüne Rassist Boris Palmer, der seiner Partei auf der Nase tanzt.

2.

Da sind die Verbindungen der Grünen Esoterik/Homöopathie-Freunde mit den Impfgegner/Querdenkern.

3.

Da ist Daniel Günther, der CDU-Lieblingsministerpräsident der Grünen, die mit ihm in Kiel koalieren. Günther ist ebenso wie Laschet erzkatholisch und forderte im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf einen Schweinefleisch-Pflichttag in Schulkantinen – ein Affront gegen Muslime, aber eben genauso auch ein antisemitischer Klassiker, denn nichts ist so wenig koscher wie Schwein. Kein Jude darf Schwein essen. Dieser Antisemitismus war aber kein Problem für die koalitionswilligen Grünen.

4.

Da ist Hessen. Im Juni 2021 stellten sich die Hessen-Grünen demonstrativ gegen die Opfer des NSU-Terrors.

(….) Aber statt sich auf die Seite der Opfer des rechtsextremen Terrorismus zu stellen, schützen die Grünen lieber die angebräunte Hessen-CDU („Jüdische Vermächtnisse“), die als Verfassungsschutzaufseher womöglich schlecht aussehen könne.

[…..] Nach taz-Informationen hat der Petitionsausschuss des hessischen Landtags am Mittwoch die Forderung nach Offenlegung der geheimen hessischen NSU-Akten mit der Mehrheit von CDU und Grünen zurückgewiesen. Offiziell gab es für diese Entscheidung weder eine Bestätigung, noch wollten die Landtagsparteien dazu Stellung nehmen. Hinter der Forderung, die Akten freizugeben steht die Petition Change.org/NSU-Akten. […..] Damit ist die Petition Change.org/NSU-Akten, die bereits von mehr als 120.000 BürgerInnen unterschrieben wurde, im ersten Anlauf gescheitert. Enttäuscht zeigte sich Miki Lazar, einer der Initiatoren der Kampagne. Die Argumentation von CDU und Grünen, der Persönlichkeitsschutz für V-Leute und Beamte erfordere die Geheimhaltung der Akten, nennt Lazar „scheinheilig.“ [….]

(taz, 12.05.2021)

Schande, Schande, Schande über die Grünen!

Hier handelt kein einzelner Spinner wie Boris Palmer, sondern ein ganzer Landesverband und die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock findet nichts dabei!

Die Grünen verdienen keine einzige Stimme mehr, nachdem sie den Naziopfern nachträglich noch einmal in Messer in den Rücken gerammt haben. (…..)
(Grüne schützen Nazis, 03.06.2021)

5.

Da ist Baden Württemberg. Die konservativen Kretschmann-Grünen, die trotz anderer Mehrheiten lieber mit der CDU koalieren, ermöglichten den Aufstieg eines völkischen AfD-Manns in den Landesverfassungsgerichtshof. Die Grünen wollten anders als die SPD partout nicht gegen die Nazis stimmen.

[….] Die Grüne Jugend Baden-Württemberg hat die Wahl des AfD-Kandidaten scharf kritisiert - und dabei auch die eigene Landtagsfraktion angegriffen. "Keine Enthaltung bei Faschisten! Die Abstimmung im Landtag zur Wahl eines AfD-Kandidaten in den BW Verfassungsgerichtshof hätte so nicht ablaufen dürfen", teilten die Sprecher des Landesverbands Sarah Heim und Aya Krkoutli, am Freitag mit. "Wir verurteilen die Entscheidung, sich bei Mitgliedern der AfD zu enthalten und erwarten eine konsequente und aufrichtige Haltung gegen Rechts." Man dürfe sich niemals an die Präsenz der verfassungsfeindlichen AfD in Gremien gewöhnen. […..]

(SWR, 23.07.2021)

6.

Da ist noch einmal das Grüne Skandal-Bundesland Hessen, in dem die Behörden rechtsextremen Attentätern die persönlichen Daten ihrer Anschlagsopfer lieferten, ohne daß die Grünen finden, es wäre an der Zeit, die Koalition mit der braunschwarzen Hessen-CDU („jüdische Vermächtnisse“) zu verlassen.

[…..] Man fragt sich manchmal, was eigentlich noch alles schiefgehen kann beim Umgang mit Opfern rechter Gewalt. Dass sie oft alleingelassen werden mit ihrer Angst - lange bekannt. Dass sie abgetan werden als überbesorgt oder hysterisch - deutscher Alltag. Aber dass der Staat den rechtsradikalen Verfolgern ihre Ziele quasi auf dem Silbertablett darbietet - das hat eine neue Qualität.  Es geht um die Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız, die seit drei Jahren von Rechtsradikalen bedroht wird. Sie kündigten ihr an, ihre kleine Tochter zu "schlachten" und sie zu töten. Bei den Ermittlungen wurde bekannt, dass Frankfurter Polizisten die Adresse der Anwältin widerrechtlich herausgegeben hatten. Die Bedrohte musste umziehen, ihr Kind in eine neue Kita gehen. Danach dachte man eigentlich, schlimmer könnte sich der hessische Sicherheitsapparat nicht mehr diskreditieren. Heute weiß man: Doch, er kann es.

Ein Hinweis auf die streng geheime neue Wohnadresse von Başay-Yıldız ist vom Vorsitzenden des hessischen Untersuchungsausschusses zum Mordfall Walter Lübcke an alle Mitglieder weitergeleitet worden - auch an die der AfD. Dazu auch noch die Adresse des Kindergartens, in den ihre Tochter geht. Damit haben ein paar Dutzend Menschen Zugang zu höchst vertraulichen Daten. Und gerade einzelne Mitarbeiter von AfD-Abgeordneten in den Länderparlamenten sind in der Vergangenheit immer wieder durch Kontakte in die rechtsextremistische Szene aufgefallen.

Im Mai war in Berlin ein Mann festgenommen worden, der Başay-Yıldız und ihre Familie unter dem Namen NSU 2.0 bedroht hatte. Bereits damals fiel auf, dass die hessische Polizei geradezu triumphierend erklärte, der Verdächtige sei kein Hesse und auch kein Polizist. Es hörte sich an wie: Dann ist ja alles gut. Dass gleichzeitig noch Ermittlungsverfahren liefen gegen die Polizisten, die die Adresse herausgegeben hatten, war dann offenbar nicht mehr so relevant. Die Beamten waren mit übelsten rechtsradikalen Chats aufgefallen.

Die neuerliche Preisgabe geheimer Adressdaten als Panne zu bezeichnen, wäre untertrieben. Ganz offensichtlich nehmen die hessischen Verantwortlichen die weitere Bedrohung der Anwältin als Kollateralschaden in Kauf. […..]

(SZ, 28.07.2021)

Dienstag, 27. Juli 2021

Armin Laschet hat es geschafft.

Endlich wird der Mann ohne Eigenschaften, der öffentlich so oft als rheinische Trottellumme da steht, sich in Interviews um Kopf und Kragen redet und immer wieder mit politischer Ahnungslosigkeit frappiert; mit einem Signature Move verbunden.

Inzwischen gibt es etwas, womit ihn jeder sofort identifiziert. So wie Merkels Raute, Seehofers Grusel-Lache Trumps oranges Gesicht oder Schmidts Zigaretten.

Laschet ist der große deutsche Rumeierer.

In den sozialen Netzwerken erfreut sich der „Lasch-o-mat“ große Beliebtheit, mit dem man geschwurbelte Laschet-typische Zitate erstellen kann.



[…..] Kann Laschets Schlafwagen-Strategie funktionieren?

Den Kandidaten nach vorne und bei den Inhalten möglichst vage bleiben: Diese Strategie haben viele Parteien im Wahlkampf schon immer genutzt. CDU-Kanzlerkandidat Armin Lachet scheint das auf die Spitze treiben zu wollen. Selbst CSU-Chef Markus Söder warnt inzwischen davor, eine „Reise im Schlafwagen Richtung Kanzleramt“ könnte schiefgehen.  Unangenehmen Festlegungen geht Armin Laschet im Wahlkampf lieber aus dem Weg: So darf der bekannteste Rechtsausleger der CDU, Hans-Georg Maaßen, weithin unbehelligt mit dem braunen Rand flirten. Ein Machtwort oder die Androhung von Konsequenzen durch Laschet? Fehlanzeige.  Auch beim Thema Steuern wissen die Wähler nicht so recht, woran sie sind. […..]

(MoPo, 27.07.2021)

Keine noch so konkrete Frage, kann er ohne irritierende Floskeln beantworten, so daß stets alles offen und unklar bleibt.

Die dringend notwendige Impfpflicht ist so ein Thema, das den Menschen auf den Nägeln brennt und zu dem es völlig gegensätzliche Meinungen gibt.

Spahn und Lambrecht dagegen, Braun, Lauterbach und Söder dafür; Tschentscher mit sinnvollen konkreten Vorschlägen.

[…..] Tschentscher will Lockdown nur für Ungeimpfte. […..] Wenn es nach Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) geht, gibt es bald ohnehin neben dem Infektionsschutz beste Gründe sich impfen zu lassen. „Der Erste Bürgermeister vertritt die Auffassung, dass Geimpfte von Beschränkungen ausgenommen werden müssen“, teilte Sprecher Schweitzer mit. Diese Position vertrete man bei der Debatte mit Bund und Ländern. [….]

(MoPo, 27.07.2021)

Eine sehr unangenehme Situation für den CDU-Kanzlerkandidaten, denn außer seiner bedingungslosen Unterstützung für kinderfi**ende Katholiken, drückt er sich nie deutlich aus. Also laschetisiert er los.

[…..] Es hätte Mut erfordert, den Menschen zu sagen: Wir wollen keine Impfpflicht und wir werden alles tun, um zu verhindern, dass es dazu kommt. Aber wenn alles eben nicht ausreicht, müssen wir unter Umständen neu nachdenken. Dieser Mut hat der Politik gefehlt. Stattdessen wird rumgeeiert, vor allem in der Union, in der Kanzlerkandidat Armin Laschet, der ja ohnehin zum Rumeiern neigt, am Wochenende ein klägliches Bild abgegeben hat. Zur Forderung von Kanzleramtschef Helge Braun, seinem Parteifreund, dass Geimpfte mehr Freiheiten bekommen müssten als Nichtgeimpfte, hat Laschet auf eine Weise geantwortet, die man als gequältes Jein bezeichnen könnte. Einerseits war er dagegen, anderseits hat er sich ein Hintertürchen offen gelassen. […..] Die Debatte darüber beginnt gerade erst, und sie wird nach dem 26. September so richtig losgehen. Nicht, weil zu diesem Stichtag die Infektionszahlen hochschnellen (das wird schon vorher passieren), sondern weil dann die Bundestagswahl vorbei ist. Selbst Armin Laschet wird sich dann wohl festlegen müssen. […..]

(Peter Fahrenholz, 26.07.2021)

Während die CDU-Umfragewerte erstaunlich stabil sind; es daher immer noch nach einem nächsten Bundeskanzler Armin Laschet aussieht, rauschen seine persönlichen Zustimmungsdaten im Keller.

Zunehmend fragen auch Boulevardjournalisten, ob ein Bundeskanzleranwärter damit durchkommen kann, dem Wahlvolk so rein gar nichts darüber zu sagen, was er mit Deutschland vorhat. Wenn er denn überhaupt irgendeine Vorstellung von dem haben sollte, was ihn als Regierungschef erwartet.

[….] Dieses Geeiere ist eine Zumutung!
Es ist schon bizarr: Beim Thema Impfen vertritt der CDU-Kanzlerkandidat einen Zickzackkurs, der niemandem wehtun soll. In der Klimapolitik steht Armin Laschet ohne Ideen für die Zukunft da. Ob die Union nach der Wahl Steuerentlastungen für die Mitte will – so offen wie ein Scheunentor.
[….]Am liebsten würde er bis zum Wahltag wohl gar nichts Konkretes mehr sagen. Aber das ist eine Zumutung! Denn ein „Weiter so“wird es nach der Wahl nicht geben. Das weiß auch Laschet. Einfach darauf zu vertrauen, dass er es schon irgendwie richtig machen wird, ist eine mehr als gewagte Wette. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, dass der Kanzlerkandidat mit den größten Aussichten endlich deutlich konkreter darin wird, was genau er mit dem Land vorhat. […..]

(Christian Burmeister, MoPo, RND, 27.07.2021)


Auch Annalena Baerbock absolviert keinen Auftritt pannenfrei und ist inzwischen im permanenten Entschuldigungsmodus angekommen ist.


Sie tut kaum etwas anderes, als öffentlich zu widerrufen und zu beteuern sich selbst am meisten über sich zu schämen. Daher wird mehr und mehr auch den SPD-Hassern im Ausschlussverfahren klar, daß man bei der Auswahl „Laschet, Baerbock oder Scholz“ nur auf den Sozialdemokraten hoffen kann. Er ist der einzige Profi des Kandidatentrios; deutlich erfahrener, definitiv fähiger und mit Sicherheit der Intelligenteste von ihnen. Die Grüne und der Schwarze sind schon mit dem Wahlkampf hoffnungslos überfordert. Wie sollen die ein 82-Millionenland regieren?
Ruhig schlafen können wir nur mit Bundeskanzler Olaf Scholz.


Montag, 26. Juli 2021

Medizin ohne Grenzen

Wie Proteinbiosynthese funktioniert, lernt man im Biologieunterricht der gymnasialen Oberstufe. Da kommt sie schon seit Jahrzehnten vor, die Messenger-Ribonucleic Acid, m-RNA, von der jetzt alle im Zusammenhang mit Corona-Impfstoffen reden.

Wer sich als Schüler mit Naturwissenschaften schwer tut, sich daher für Biologie als Abiturprüfungsfach entscheidet, weil Physik, Chemie und Mathe noch abstrakter zu sein scheinen, erlebt oft ein böses Erwachen, wenn die großen Moleküle und der wichtigen Stoffwechselzyklen gelernt werden müssen.

Mathe und Chemie sind viel geeignetere Prüfungsfächer für Faulpelze und Desinteressierte, weil man da weniger auswendig lernen muss, wenn man einmal die wenigen Grundprinzipien verstanden hat.

Letztendlich ist Biologie nichts anderes als Chemie+.

Alles ist Chemie; auch Gefühle, Liebe, Denken, Emotionen. Und natürlich ist alles Pflanzliche, Natürliche oder Homöopathische Chemie. Daher ist es so ungeheuer albern, wenn Esoterik-Freaks „die Chemie“ ablehnen und lieber ihre Globuli lutschen oder Kräutersude trinken.

Was die beiden Mediziner Özlem Türeci und Uğur Şahin bei BionTech treiben, ist so gar nicht künstlich, sondern basiert auf den elementar natürlichen Vorgängen jeder Zelle eines Menschen.

Im Zellkern liegen die Gene, die aus langen chemischen Molekülen, der Deoxyribonucleic Acid/Desoxyribonukleinsäure (DNA/DNS) bestehen. Es gibt nur vier verschiedene Nukleotide, deren Abfolge einen Code ergibt.

Dieser Code, von dem kleine DNA-Abschnitte mit der m-RNA abgelesen werden, wird in den Eiweißfabriken der Zellen, den Ribosomen, verwendet, um aus 20 verschiedenen Aminosäure-Bauteilen eine lange Schnur (Polypeptidkette eines Proteins) zu bilden.

Diese 20 Teile haben unterschiedliche Formen und Größen; ziehen sich gegenseitig unterschiedlich stark an. Je nach dem in welcher Reihenfolge sie zusammengesetzt werden, können sie sich falten, verdrehen, zerknäulen, bis eine gewünschte Form entsteht: Das Eiweiß (Protein), das beispielsweise ein Enzym sein kann.

Für Laien; Enzyme sind jene wunderbaren Gebilde, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip genau zu bestimmten Stoffwechselprodukten, also Molekülen passen. So kann man im Körper passgenau verschiedene Moleküle bei Raumtemperatur und ohne Gewalt Chemie betreiben, also Moleküle auseinanderschneiden und anders zusammensetzen.

Die Eigenschaften eines Eiweiß-Moleküls, werden von der Reihenfolge ihrer Aminosäuren bestimmt, die wiederum von den simpleren mRNA-Molekülen festgelegt wird.

Das betreiben Chemiestudenten auch im Reagenzglas, aber dabei kann man nicht jedes einzelne Molekül anfassen und zu Recht biegen wie ein Enzym. Also wendet man Gewalt an, erhitzt, gibt Säuren hinzu, setzt Katalysatoren, Druck, Lösungsmittel, Hilfsmoleküle ein.

Das ist die ganze Theorie, die schon seit 60 Jahren bekannt ist, Schulwissen.

Als ich das erste Mal in einem biochemischen Labor die Arbeitsgrundlagen lernte – wie isoliert man DNA, wie reproduziert man sie, zerteilt, sequenziert und analysiert sie – war klar, daß die Praxis natürlich immens viel komplizierter ist und daher dauerte es auch noch 30 Jahre bis  es möglich wurde im industriellen Maßstab, einen maßgeschneiderten mRNA-Code in eine menschliche Zelle zu schicken, damit diese ihre Eiweißfabrik (Ribosom) anschmeißt, um einen erwünschten Antikörper gegen ein Virus herzustellen.

Das praktische Problem war, daß unsere Zellen fremde mRNA erkennen und sofort kaputt machen. Dabei versteckte man sie bei früheren Impfstoffen in toten oder lahmen Viren. Viren sind nämlich Spezialisten dafür, in anderen Zellen einzudringen und dort die Ribosomen dazu zu missbrauchen, etwas herzustellen, das der Zellkern eigentlich gar nicht wollte.

Eleganter und schneller wäre es natürlich, nicht so ein altes totes Virus als Hülle zu benutzen, sondern die mRNA allein in eine Zelle zu bekommen, ohne daß sie sofort attackiert wird.

Dazu fand die US-amerikanische Biochemikerin Katalin Karikó, mittlerweile eine Mitarbeiterin von Özlem Türeci und Uğur Şahin, eine Lösung. Sie fügte einfach etwas Gleitcreme (Lipidhülle) hinzu, damit die mRNA in die Zelle flutscht und dort von einer Schutzschicht umhüllt ist.

Der Sinn der Sache war mit maßgeschneiderten mRNA-Codes die Zellen dazu zu bringen individuelle Moleküle herzustellen, die beispielsweise gegen eine ganz bestimmte Krebsart wirken.
Einen Impfstoff für SarsCoV2 geht mit diesem Prinzip aber auch, wie wir gesehen haben.
Auch als Laie kann man sich gut vorstellen, welche enormen Möglichkeiten es gibt, wenn man seine Zellen dazu bringen kann, individuelle Medikamente zu erschaffen, die gezielt die eigenen Leiden beheben.

Wer sich einen Eindruck verschaffen will, möge die SPIEGEL-Titelgeschichte von vor einem Monat zum Thema lesen – es ist sagenhaft, was in der Medizin in den nächsten 20 Jahren möglich sein wird.

[…..] Neue Hightech-Medizin gegen Krebs, Demenz und Herzinfarkt

Die Wunderwaffen für ein gesundes Leben.  Der Impfstofferfolg von Biontech und Moderna soll erst der Anfang sein – Ärzte und Forscher wollen mit der revolutionären mRNA-Technologie die größten Menschheitsleiden besiegen. […..]

(Jörg Blech und Claus Hecking, 18.06.2021, DER SPIEGEL 25/2021)

Malaria, MS, Krebs, Alzheimer, Arthrose, Schuppenflechte, Parkinson, Diabetes, HIV, koronare Herzkrankheiten – all das könnten spezielle mRNA-Medikamente von BionTech, Moderna und Co besser denn je behandeln, vielfach sogar heilen.

Die Konsequenzen sind noch gar nicht abzusehen; natürlich werden diese jungen Firmen sagenhaft viel Geld verdienen. Aber vermutlich werden andere Pharmariesen und Therapieanbieter noch sehr viel mehr Geld verlieren, wenn ihre unzulänglichen Methoden nicht mehr gebraucht werden.

Daß die Mainzer sich als Nächstes auf Malaria stürzen, ist angesichts der weltweit rund 230 Millionen Infizierten und über 400.000 Todesfällen jedes Jahr nur naheliegend.

[…..] Klinische Studien für 2022 geplant Biontech will Malaria-Impfstoff entwickeln. Gegen Malaria gibt es bisher nur eine beschränkt wirksame Vakzine. Nun will die Mainzer Firma den weltweit ersten mRNA-Impfstoff gegen die Krankheit erzeugen. Es geht um Milliarden. [….]

(SPON, 26.07.2021)

Die Spiegeltitelgeschichte zu den medizinischen Möglichkeiten der mRNA-Technik halte ich für ein gelungenes Stück Populärwissenschaft.

Da wird für jedermann verständlich, also unterhalb der wissenschaftlichen Expertenschwelle, ausgebreitet was uns erwartet; worauf wir hoffen können.

Aber ich musste auch an die weinende Mittneunzigerin denken, die ich vor ca zehn Jahren mal im Warteraum der Uniklinik tröstete.

Sie fand es so schrecklich das viele Leiden zu sehen. Eine ganze Handvoll Medikamente müsse sie jeden Tag einnehmen, alle ihre Freunde wären krank, hätten kaum noch Lebensfreude, wären nur noch mit ihren Gebrechen beschäftigt.

Als Jugendliche oder junge Erwachsene hätte es nie diese endlosen langen Krankheiten mit monatelangen Kuren und dauerhaften Schmerzen gegeben. Sicher, die Menschen wären selbstverständlich auch damals gestorben, aber sie hätten nie so fürchterlich gelitten.

Was wäre das nur für eine fürchterliche Zeit, in der es nur um Krankheiten ginge, die Gesundheitskosten explodierten, Millionen Menschen bettlägerig in Pflegeheimen lägen.

Die Erklärung ist einfach: Vor hundert Jahren starben die Menschen lange bevor sie so krank wurden.  Wer mit 50 Jahren durch einen Herzinfarkt tot umfiel, dem blieb die Lungenentzündung mit 70, die Arthrose mit 75 und der Prostatakrebs mit 80 natürlich erspart.   Wer aber ständig medizinisch gescannt wird, Blutdrucksenker und Mittel gegen Cholesterin einnimmt, verkalkte Gefäße durch Stents und Katheter-Untersuchungen repariert bekommt, überlebt die Herzbeschwerden, die ihn von 100 oder 60 Jahren final erledigt hätten. Es gibt Antibiotika gegen Meningitis und Lungenentzündung und die meisten Krebserkrankungen sind lange kein Todesurteil mehr. Dadurch verschiebt sich unserer natürlicher Todeszeitpunkt immer weiter ins Alter, so daß wir immer mehr Krankheiten bekommen.

Insofern halte ich die enormen medizinischen Fortschritte für Segen und Fluch zugleich.

Natürlich möchte man nicht seine Angehörigen oder Freunde an Krebs sterben sehen und daher würde ich ein individualisiertes Biontech-Krebsmedikament natürlich begrüßen.

Aber wir werden nicht unsterblich. Je mehr Todesursachen mRNA-Technologie aus dem Weg räumt, desto älter werden wir und mit zunehmendem Alter kommen exponentiell immer mehr Leiden auf uns zu. Wenn wir also länger leben, werden wir automatisch auch kränker. Es wird noch sehr viel mehr Pflegepersonal notwendig sein.

Und die Erde ist jetzt schon dramatisch überbevölkert.

Wäre es nicht wünschenswert, lieber nicht so lang und dafür gesund und autark zu leben?

Sonntag, 25. Juli 2021

Die neue Sau im Dorf.

Die US-Republikaner des Trumpzeitalters sind ungebildet und so borniert, daß sachliche Diskussionen mit ihnen unmöglich geworden sind.

Die Trump-Fans, die als sogenannte Politik-Experten bei CNN arbeiteten, um die parteiliche Ausgewogenheit des Senders zu gewährleisten, mäanderten zwischen echten Lügen und groteskem Whataboutism. Von den meisten mußte sich CNN trennen. Kayleigh McEnany, Trumps Nazi-Barbie, lügt wenn sie den Mund aufmacht. Rick Santorum gab zutiefst rassistisches Gedankengut von sich und Jason Miller, der fromme erzkonservative Christ, setzte seine Prostituierten unter Drogen, schwängerte sie und zwang sie dann zur Abtreibung.

GOPer flüchten sich in Ermangelung der Intelligenz für echte Politik in primitive Talking Points, die jeder MAGA-hat begreift.

So werden aberwitzige Nebensächlichkeiten, wie die Ablehnung schwuler Hochzeitstorten oder die Möglichkeit für Transmänner ein Herrenklo zu benutzen, zu alles entscheidenden Freiheitsfragen hochgejazzt.

Man darf die stupide Kampagnenfähigkeit der Republikaner nie unterschätzen; sie verwenden„talking points“ konsequent und skrupellos, drücken den um political correctness bemühten Demokraten ihre Themen auf und verfügen über nahezu unbegrenzte Mittel.

Sie schrecken vor keiner noch so perfiden Lüge zurück, setzen auf brutales „negative campaigning“, appellieren an die finstersten xenophoben, rassistischen und homophoben Stimmungen.

Sie greifen schonungslos auf das gesamte Arsenal der verbotenen Waffen zu und lassen sich niemals von Fakten verwirren.

(…..) Generell sind Rechte und Rechtsextreme oft mit Hilfe ihrer Skrupellosigkeit Erfinder besonders mächtiger Talking Points. „Bevölkerungsaustausch“ und „Islamisierung“ erregen Aufmerksamkeit.

Meister dieses Fachs sind natürlich die US-Republikaner, die es vermochten das Wort „tax“ so zu verdammen, daß sich kein Politiker mehr daran traut und das Dummvolk begeistert dafür stimmt die 1% der Superreichen von allen Steuern zu befreien.  „Socialism“ ist auch so ein Todschlagtalking-point, mit dem Teebeutler und GOPer es schafften dem Volk einzureden, eine allgemeine Krankenversicherung sei Teufelszeug.  Mit ihren Talking Points schaffen sie es sogar gleichzeitig für extrem strenge Regulierungen (Abtreibung, Gaymarriage) und das Gegenteil davon (Waffenrecht, Umweltschutz) zu argumentieren.

Ein Geniestreich ist der Slogan „pro-Life“ in der Debatte um legale Schwangerschaftsunterbrechungen, weil damit immer suggeriert wird, die anderen wären gegen das Leben an sich.

Bill Maher beklagt schon lange, daß seine Demokraten bei Vorwürfen aus dem rechten Spektrum sofort in den Hühnerhaufenmodus verfallen, statt sich mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu treffen und sich ihrerseits gute Talking Points auszudenken, die dann von allen demokratischen Politikern verwendet werden. (….)

(Talking Points, 31.05.2019)

Die critical race theory, CRT, ist der neue Mega-Talking-Point der Qtrumplicans.

Sie brauchen immer etwas, um sich daran festzuhalten.

Wenn US-amerikanische People Of Color an die extrem unrühmliche Geschichte ihrer Nation erinnern, werden sie ganz garstig und beweisen mit ihrem immer noch virulenten Rassismus, wie richtig und wichtig es ist, über die Bedeutung der White Supremacy aufzuklären.

[….] Die »Critical Race Theory« hat sich zu einer der einflussreichsten Denkschulen der vergangenen Jahrzehnte entwickelt. Sie sollte schwarzen Amerikanern endlich Gleichberechtigung verschaffen – und wurde zu einem Angriff auf die Werte des Westens. […..]

(René Pfister, 18.06.2021, DER SPIEGEL 25/2021)

In keiner US-amerikanischen Schule steht die »Critical Race Theory« auf dem Lehrplan, weil es ein zu komplexes Thema ist und in die Universitäten gehört.

Im Chemieunterricht in der Schule waren chemische Bindungen ein Strich zwischen zwei Atomen, der die Verknüpfung anzeigte.  Die Woodward-Hoffmann-Regeln zur Orbitalsymmetrie einer chemischen Bindung existieren seit den 1960er Jahren, aber natürlich lernte ich die erst in der Universität, weil das viel zu schwierig für Schüler ist.

So wie normale Schüler kaum ein Elektronenzustandsdiagram bei sigmatropen Verbindungen deuten können, weiß auch ein GOPer nichts über »Critical Race Theory«. Beides ist zwar richtig, ist aber kein Unterrichtsstoff in Highschools.

Aber was interessieren einen Trumpanzee Fakten?
Daher wird nun ein Kulturkampf an amerikanischen Schulen inszeniert.

 […..] School Boards sind direkte gewählte Gremien, die unabhängig und meist überparteilich die Geschicke der Schulen in einem Schulbezirk steuern. Die Lerninhalte werden zwar von den Bundesstaaten vorgegeben. […..] Für die Sitzung des Loudoun County School Boards am 22. Juni hatten sich 250 Bürgerinnen und Bürger angemeldet. Es wurde gebrüllt, geschrien. "Shame on you! Shame on you!" Schämt euch, schämt euch! Die Menschen hielten Schilder hoch: "Stop Teaching Racism", hört auf, Rassismus zu lehren. Die Sitzung musste abgebrochen werden. Zwei Teilnehmer wurden festgenommen. Videos der Ereignisse wurden im nationalen Fernsehen gezeigt.  Es sind die alten Kampfthemen: weiße Vorherrschaft, systemischer und alltäglicher Rassismus, Gleichstellungsfragen. Die Methoden aber sind neu: Nie zuvor sind lokale Gremien wie School Boards derart gezielt und konzertiert angegriffen worden.  Atoosa Reaser ist Vize-Vorsitzende des School Boards. Sie steht weit oben auf der Zielliste der rechten Protestbewegung. Sie bekommt Todesdrohungen, Schmähanrufe, sexualisierte Beleidigungen. Im Videoanruf wirkt sie trotzdem entschieden, sich nicht kleinkriegen zu lassen. "Ich will Kindern helfen, sich eine Zukunft aufzubauen. Und hoffe, dass sich letztlich alle darauf einigen können", sagt sie.    Auf die Mitglieder von School Boards loszugehen ist eine neue Taktik rechter Strategen, wie des früheren Trump-Beraters Stephen Bannon. […..] Ähnliche Kämpfe toben in Texas, Missouri, Kalifornien, Virginia oder Rhode Island. Der Sender NBC berichtet von landesweit 165 Gruppen, die sich gegen das jeweilige lokale School Board wenden. […..] Für die CRT-Forscherin Kimberlé Crenshaw ist klar, woher diese Art von Widerstand kommt. Die Menschen wollen Lehren verbieten, deren Vertreter sich weigerten, "die Lüge zu verbreiten, dass Amerika seine rassistische Geschichte triumphierend überwunden habe, dass alles hinter uns liege". Ein Blick nach Loudoun County reicht, dass dem nicht so ist. Rassistische Übergriffe gehören hier wie fast überall in den USA zum Alltag. […..] (Thorsten Denkler, SZ, 25.07.2021)

Samstag, 24. Juli 2021

Laschets brauner Ballast im Osten

Wenn der völkische Faschist Bernd Höcke wieder einmal perfide versucht, die Demokratie selbst ad absurdum zu führen, geht im Thüringischem Landtag das Niveau ganz tief herab.

Der „Führer der Fraktion“ – so nennt er sich wirklich – zielte verbal auf die Hoden des CDU-Fraktionsvorsitzenden Mario Voigt.

[…..] Björn Höcke wandte sich in seiner Rede vor allem an die CDU. "Bleiben Sie bitte heute nicht sitzen", rief Höcke den Christdemokraten im Landtag zu. "Haben Sie Mut, sich zu bekennen und geben Sie Thüringen einen Neustart." Höcke attackierte zudem CDU-Fraktionschef Mario Voigt mit einem Ausdruck, der unter die Gürtellinie zielte. An die Adresse Voigts sagte Höcke: "Sie haben sich damit das politische Gemächt hochgebunden."  […..]

(MDR, 23.07.2021)

Man könnte annehmen, seine eigene CDU-Fraktion wäre nach so einem Angriff solidarisch mit ihrem eigenen Chef und würde es fertig bringen gegen den moralisch völlig verdorbenen Rechtsradikalen zu stimmen, der Goebbels- und Hitler-Zitate in seine Reden einfließen lässt.

Als sie die Wahl hatten, zwischen dem sehr frommen Christen Ramelow, der Thüringen vier Jahre lang demokratisch regierte und einem Faschisten-Bündnis, stimmten sie für die braune Kemmerich-Koalition mit der AfD.

Als es darum ging verabredungsgemäß den Landtag für Neuwahlen aufzulösen, wollten erneut vier CDU-Abgeordnete mit den Faschisten stimmen. Auch die gesamte FDP-Fraktion verweigerte sich der Demokratie. So zementierte die CDU die starke Position Höckes.

Die CDU kann sich auch nicht dazu durchringen stattdessen eine demokratische Minderheiten-Regierungskoalition zu tolerieren; auch hier steht sie lieber an der Seite der Faschisten.

Und nun Höckes vierter Streich – das konstruktive Misstrauensvotum, um die CDU als Fascho-Liebchen vorzuführen.

[…..] Höcke kann zufrieden sein. Es sollte Christdemokraten nicht schwerfallen, sich klar zu positionieren, wenn ein Rechtsextremist als Ministerpräsident zur Wahl steht. Doch der Fraktionschef der Thüringer CDU, Mario Voigt, scheint sich nicht ganz sicher gewesen zu sein, ob sich nicht einige seiner Abgeordneten verleiten lassen und bei dem von der AfD beantragten konstruktiven Misstrauensvotum Björn Höcke die Stimme geben würden - und sei es nur, um Amtsinhaber Bodo Ramelow und seiner rot-rot-grünen Minderheitsregierung eins auszuwischen. Oder wie soll man es deuten, dass die Fraktion geschlossen auf ihren Plätzen sitzen blieb?  Voigts Erklärung, man wolle so ein deutliches Zeichen setzen und im Falle einer für Höcke zusätzlich abgegebenen Stimme nicht in den Mittelpunkt von Spekulationen geraten, klingt da fast wie eine Ausrede von jemanden, der seine Fraktion nicht im Griff hat. Demokraten setzen ein klares Zeichen, in dem sie Nein sagen zu Rechtsextremisten, nicht indem sie sich der Abstimmung entziehen. […..]

(Antonie Rietzschel, SZ, 24.07.2021)

Daß der Mann, der sich von dem Faschisten-Führer eines „hochgebundenen Gemächts“ bezichtigen lässt, dennoch der AfD dient und sich zu keinem klaren Nein durchringen kann, verblüfft angesichts der Erfahrungen mit den Ost-CDU-Verbänden wenig. Die CDU-Nachbarn in Sachsen-Anhalt wollen „das Nationale mit dem Sozialen verbinden“ und stimmten ebenfalls mit der AfD, um die Anpassung der Rundfunkgebühren zu Fall zu bringen.

In Thüringen selbst tritt der völkische, antisemitische Verschwörungstheoretiker Maaßen als CDU-Bundestagskandidat an.

Immer mehr CDU-Landesverbände geraten mit ihrem Wahn, ein vermeidlich konservatives Profil schärfen zu müssen, auf Abwege.

Die eigene Konrad-Adenauer-Partei-Stiftung untersuchte just die Bindungen aller Wähler an Parteien, sowie die wichtigsten Themen und fand eindeutige Ergebnisse  zum Wunsch einer CDU-AfD-Kooperation, wie sie in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und zunehmend auch in Hamburg gewünscht wird.

[….] Wenig Sorgen müssen sich CDU und CSU dagegen um immer wieder aufflammende Forderungen aus Teilen der Partei nach einem schärferen konservativen Profil machen. Im Ranking der Wahlmotive liegt der Wunsch nach einer konservativen Ausrichtung der Studie zufolge auf dem vorletzten Platz, auch wenn er bei Unionsanhängern stärker ausgeprägt ist als bei den Wählern anderer Parteien. "Das Thema konservativ", sagt Norbert Lammert, "ist von Minderheiten in der Partei schon immer maßlos überschätzt worden."   Während die Anhänger der anderen Parteien in vielen der erhobenen Fragen sehr nahe beieinanderliegen, fallen die Antworten aus dem Lager der AfD fast überall aus dem Rahmen. Klar wird aus der Studie auch, dass die AfD auf der politischen Bühne weiterhin ein gemiedener Außenseiter bleiben wird. 87 Prozent derjenigen Befragten, die die AfD ablehnen, wollen keine Zusammenarbeit "ihrer" Partei mit der AfD. Ein aufschlussreiches Signal an die Teile der CDU im Osten, die sich eine solche Zusammenarbeit vorstellen können. […..]

(SZ, 19.07.2021)

Umso erschreckender ist das dröhnende Schweigen Armin Laschets und der gesamten Bundes-CDU zum fortgesetzten Flirt ihrer Ost-Verbände mit den Nazis.

[…..] Und in #Thueringen stimmt die CDU beim #Misstrauensvotum nicht ab - sie schafft es also nicht, gegen #Hoecke zu stimmen.  Was ist los bei euch, liebe Grüne, liebe Union? Unsere Haltung ist klar: Rassismus kann man nicht aussitzen! Man muss gegenhalten. Jeden Tag! […..]

(SPD Bundesvorstand 23.07.2021)

Und ja, Schande, Schande, SCHANDE auch über die konservativen BW-Grünen, die einen AfD-Mann in den Verfassungsgerichtshof schickten!

An Armin Laschet lässt sich inzwischen aber ein Muster beobachten. Während es seine beiden Vorgängerinnen im CDU-Parteivorsitz immerhin versuchten sich gegen AfD-CDU-Kooperationen zu stellen, indem sie deutliche Worte gegen die AfD fanden (freilich aber keine Taten gegenüber Nazi-affinen CDU-Mitgliedern folgen ließen), scheint der lachende Laschet gar keine Berührungsängste mit den demokratiefeindlichen Faschisten-Freunden seiner Partei zu haben.

[…..]"Wie das Kaninchen sitzt die CDU vor der AfD-Schlange. Es wäre das deutlich klarere politische Zeichen gewesen, wenn alle im Thüringer Landtag - außer der AfD - gegen Höcke gestimmt hätten." […..]

(Kerstin Palzer, MDR, 23.07.2021)

Freitag, 23. Juli 2021

Halb-Amerika verlässt die Realität.

Am 07.Januar 2021, am Tag nachdem Trumps Mord-Mob randalierend durch den Kongress gezogen war, um Speaker Pelosi und Vice President Pence zu hängen, konnte man selbst bei Graham, McConnell und McCarthy leichte Absetzbewegungen feststellen.

Nun war ihr oranges Idol doch zu weit gegangen. Sie wollten die Angelegenheit untersuchen lassen und rangen sich dazu durch, Joe Biden als den regulär gewählten nächsten Präsidenten anzuerkennen.

Trump, das zweite Mal impeached, diesmal sogar mit einigen republikanischen Stimmen, zog in Schimpf und Schande ab. Die garstige Proletin Melania hatte nicht einmal die Größe, sich persönlich von dem Personal im Weißen Haus zu verabschieden; die gesamte Trump-Familie zeigte ihre Verachtung gegenüber der US-amerikanischen Demokratie, indem sie die Amtseinführung des nachfolgenden Präsidenten boykottierte.

Es war jener kurze Augenblick der Geschichte, in dem sich die moralisch und politisch völlig verkommene GOP hätte rehabilitieren können, indem sie sich endlich von ihrem gefallenen Lügen-Propheten abgesetzt hätte.

Aber die Republikaner versagten erneut, kassierten all ihre Zusagen, die insurrection der QTrumplicans zumindest zu untersuchen.   Ein halbes Jahr später hat Donald Trump seine Partei mehr im Griff denn je.  Bis auf Adam Kinzinger und Liz Cheney blockiert jeder einzelne GOP-Abgeordnete und jeder GOP-Senator die Aufklärung des Sturms auf den Kongress. Sie alle verbreiten nun ebenfalls die Giga-Lüge von der „gestohlenen Wahl“ und pilgern zum Kotau nach Mar A Lago.

Die mordenden rechtsradikalen Terroristen vom 06.01.2021 nennt Trump nun „a loving crowd“ und keiner der Republikaner, die damals selbst um ihr Leben fürchteten und um den Tod zweier Kapitol-Polizisten wissen, wagt es dieser grotesken Lüge zu widersprechen.

Es gibt keine zwei Parteien mehr in den USA.

Nur noch die Demokraten sind übrig geblieben. Die Republikaner haben sich aus der amerikanischen Demokratie verabschiedet. Sie bekämpfen nun offen und aggressiv die Verfassung, indem sie ihre gesamte Energie darauf verwenden den Nukleus der Demokratie zu schleifen; das Wahlrecht. Getrieben von ihrem Rassismus, setzen sich Republikaner in allen Bundesstaaten dafür ein, nicht-weißen Amerikanern de facto unmöglich zu machen, zu wählen.

Sie folgen blind dem Mann, der zweimal die „popular votes“ verlor, der die GOP-Mehrheit im House und im Senat verspielte, die Wiederwahl verlor, zweimal impeached wurde, der ein ökonomisches und finanzielles Desaster anrichtete, 500.000 Amerikaner tötete und ganz offensichtlich keinerlei Anknüpfungspunkte mehr zur Realität hat.

Die GOP erreicht ein zuvor unvorstellbares Level der Destruktivität.

Sie polemisiert mit dem unfassbar idiotischen Slogan „Fauchi Ouchie“ wider das Corona-Impfprogramm, weil es ihr so wichtig ist Trump zu gefallen und Biden zu sabotieren, daß sie gern in Kauf nimmt dafür Myriaden ihrer eigenen Anhänger zu töten.

So wie man in deutschen Talkshows nicht mit AfD-Faschisten ausgewogen über das Für und Wider von Antisemitismus, Rassismus oder Homophobie diskutieren darf, weil es dazu keine verschiedenen demokratischen Meinungen geben kann, gibt es in den USA generell keine zwei politischen Ansichten mehr, weil eine Diskussion mit Republikanern unmöglich geworden ist.    Sie sind nur noch eine dem Massenwahn anheimgefallene psychotische Sekte.

Die ist Frage ist nur noch, ob man angesichts fanatischer „Anti-Vax Trumpist Conspiracy Theorists“, die dann selbst an Covid19 sterben, Mitleid empfindet, mit Gleichgültigkeit oder Häme reagiert, oder wie der anständige David Pakman, das totale Versagen des Bildungssystems und der amerikanischen Medien beklagt, weil dies solche Q-Trumplicans hervorbringen.

Es scheint auf eine amerikanische Zwei-Staatenlösung mit einem ähnlich komplizierten Grenzverlauf wie zwischen Israel und Palästina hinaus zu laufen.

Niemand hasst US-Amerikaner so fanatisch und unnachgiebig, wie andere US-Amerikaner. Liberale Großstädter der beiden Küsten machen schon seit Jahrzehnten einen Bogen um die Red Necks in den „Fly Over States“, weil es keine kulturellen Gemeinsamkeiten mehr gibt.

Bis zur Wahl Obamas im Jahr 2008 war aber noch ein minimaler Grundkonsens ihrer jeweiligen gewählten Vertreter im Kongress möglich.

Mit der Wahl Trumps war es vorbei mit Gemeinsamkeiten und groteskerweise wurde es mit seiner Abwahl im November 2020 eben nicht wieder besser, sondern noch wesentlich schlimmer, weil 75 Millionen Trumpwähler ihre Niederlage genauso wenig wie demokratische Spielregeln akzeptierten. Sie wanderten kollektiv in eine fiktionale verschwörungstheoretische Realität ab, in der Trump, AON, Newsmax und FOX eine krude Parallelwelt aus Horrormärchen erschufen.

Die Spaltung betrifft schon lange nicht mehr nur politische oder religiöse Ansichten. Die Realitäts-Amerikaner und die der Q-Trumplican-Sphäre boykottieren sich in jeder Hinsicht gegenseitig. Sie mögen nicht mehr dieselben Filmstars, sie gehen auf verschiedene Colleges, essen anders, leben anders, lieben anders.

Das geht soweit, daß sie noch nicht mal mehr den gleichen Kaffee trinken können.

Starbucks, der in den USA dominierende Kaffee-Anbieter mit weltweit 30.000 Filialen und 30 Milliarden Dollar Umsatz, ist eigentlich eins dieser Kulturphänomene, auf die sich alle US-Amerikaner einigen können. Sie lieben Starbucks-Coffee to go.   In der Realität von 2021 wissen aber die Q-Trumplicans, daß der Konzern 1971 im notorisch liberalen Bundesstaat Washington gegründet wurde.   Das Unternehmen hat seinen Sitz und Seattle und machte immer mal wieder durch seinen Einsatz gegen Rassismus und Homophobie auf sich aufmerksam.

Als schwulenhassende Rassisten fühlen sich die GOP-Wähler inzwischen so davon abgestoßen, daß sie Starbucks boykottieren – ebenso wie viele andere Unternehmen, die sich beispielsweise mit BLM solidarisieren.

In den Zwei-Staaten-USA muss eine Alternative her.

[….] Für Trump-Anhänger ist es gar nicht so leicht, einen ordentlichen Kaffee zu bekommen. Marktführer in den USA ist Starbucks, die von linken Hippies im ultraliberalen Seattle gegründete Kaffeehaus-Kette. Die gibt es praktisch überall. Nichts für Leute, die Waffen lieben, den Trumps folgen und den Sturm auf das Kapitol für ein Komplott der Antifa halten.  Aufrechten Republikanern ohne Kaffeeheimat bietet ein Unternehmen aus Salt Lake City seit einiger Zeit beides: eine feine Röstung und das gute Gefühl, mit jedem Schluck "America first" zu trinken. Schon der Name hat Feuerkraft: "Black Rifle Coffee", "Schwarzes Gewehr Kaffee". Der Kriegsveteran Evan Hafer hat das Unternehmen 2014 explizit als Pro-Militär-, Pro-Polizei- und Anti-Hipster-Marke gegründet. Was das bedeutet, zeigt sich im Online-Shop. Dort können die Kunden etwa zwischen den Kaffeesorten "Sanfter Schalldämpfer", "Kanonenboot" oder schlicht "Freiheit" wählen.  Lange Zeit gab es die Röstungen nur auf der Website des Unternehmens. Doch der politische Auftstieg von Donald Trump zum US-Präsidenten ließ auch das Unternehmen wachsen. Die Macher nutzten das. Und schalteten Anzeigen, in denen sie sich zu Trump bekannten. "Black Rifle Coffee" wurde so zum "inoffiziellen Heißgetränk" der "Make America Great Again"-Bewegung, schrieb die New York Times, zum Starbucks für Rechte. [….] Im vergangenen Sommer, auf dem Höhepunkt der "Black Lives Matter"-Proteste, erschoss der Teenager Kyle Rittenhouse zwei linke Demonstranten. Es gibt ein Bild von ihm aus dem Herbst 2020, auf dem er ein "Black Rifle Coffee"-T-Shirt trägt. Er war da gerade gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar gingen zwei Bilder von Aufrührern um die Welt, die Baseballkappen der Kaffeemarke trugen. [….]

 (SZ, 23.07.2021)